Auf den Spuren Fritjof Nansens - eine Reise nach Franz Josef Land im Juli 2015

    • 2015
    • BBe49 wrote:

         

      Der Flecken Erde, den wir betreten dürfen, ist erstaunlich bunt, Moose und Flechten der gelbe Svarblad-Mohn blühen. Und man muss immer im Hinterkopf behalten, wie lange die Pflanzen brauchen, um zum Blühen zu kommen. Also muss jeder Schritt, den wir tun, gut bedacht sein. Wir finden auch Wirbel von Robben und Rentieren, wohl auch, weil an diese Stelle nur äußerst selten, wenn überhaupt, Touristen kommen!
      Nur gucken, mitnehmen ist nicht!!!!
       

      Vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht @BBe49 . Auch ich liebe und mache gern Fotos von Pflanzen und Steinen mit und ohne Flechten. Vor allem die bunten Flechten der Arktis haben es mir angetan. Nun nur noch ein kleiner Hinweis. Er soll nicht besserwisserisch sein, sondern der Forensuche dienen, nachdem uns Jobo neulich erklärt hat, wie wichtig dafür die korrekte Schreibweise von Namen ist:  Die Pflanze heißt Svalbardmohn.
    • @mil etter mil
      Danke für die Ergänzung und die Verbindung bis in die Gegenwart!
      Als ich 2015 bei der Vorbereitung dieser Reise und auch bei der Nachbereitung nach Informationen gesucht habe, wie die Inseln und bedeutsame Orte von Franz Josef Land, fand ich sehr viel Material mit sehr viel Hintergrundinformationen und Geschichten, total spannend. Wenn man Zeit und Muße hat und die nötigen Fähigkeiten (die ich leider nicht habe) könnte man glatt ein Buch darüber schreiben...
      @Sterna paradisaea
      Du hast natürlich Recht mit 'Svalbardmohn'. Da habe ich den Bericht mehrfach gelesen und trotzdem ist mir dieser Fehler nicht aufgefallen.

      Ich fasse das auch nicht als 'besserwisserisch' auf, sondern bin wirklich dankbar für derartige Hinweise!
    • Auch von mir vielen Dank für den interessanten Bericht :thumbup:

      Ich weiß nicht, ob das geplant war, aber auf Bild 39 hast du auf dem Schneefeld links eine Schneealge erwischt, die wir auch auf Spitzbergen gesehen haben :)

      Viele Grüße
      Noschwefi
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


    • @Noschwefi
      ich habe nichts geplant. Ich habe viele Fotos auf dieser Reise gemacht, auf der auch die Schneealge zu sehen ist. Es gibt Sachen/Erscheinungen/Dinge, die ich sowohl an verschiedenen Orten von Franz Josef Land fotografieren konnte als auch während der letzten zwei Tage auf Svalbard gesehen/fotografiert habe. Einiges gab es auch nur auf Franz Josef Land anderes nur auf Svalbard, wie z.B. das Rentier.

      Ich glaube, man kann festhalten, beide, Franz Josef Land und Svalbard, liegen in der Arktis, sie verbindet Gemeinsamkeiten, weisen aber auch Unterschiede auf.
      Und das ist doch schön für uns Reisende!
    • Nachdem ich in den letzten Tagen hauptsächlich damit beschäftigt war, die Enttäuschung darüber zu überwinden, dass ich die gebuchte Reise mit MS Roald Amundsen von Nome nach Vancouver aus gesundheitlichen Gründen stornieren musste, „tröste“ ich mich jetzt mit der Fortführung des Reiseberichts.

      Tag 6, 8. Juli 2015 , die Jackson Insel, Kap Norwegian und mehr

      In der vergangenen Nacht hatte es MS Sea Spirit tatsächlich geschafft weiter nach Norden bis zur Jackson Insel vorzustoßen.
      Die Jackson Insel auf 81°15‘ nördlicher Breite und 056°54’ östlicher Länge im nördlichen Teil von Franz Joseph Land gelegen, ist auch mit Eisbrechern im Sommer nicht immer zugänglich.
      Nun, wir hatten Glück, es war nahezu windstill, das Meer ruhig, teilweise sonnig bei Temperaturen von 8 °C.
      Da das Wetter sich jedoch sehr schnell ändern konnte wurde die gesamte Tagesplanung kurzerhand geändert, das Frühstück auf 7:00 Uhr vorgezogen ebenso der Beginn der Anlandungen mit den Zodiacs.

      Wir nähern uns der Insel




      Der Osten der Insel wurde bereits von Mitgliedern der österreich-ungarischen Tegetthoff Expedition im Frühjahr 1874 gesichtet, jedoch nicht als eigenständige Insel erkannt sondern einer vermeintlich größeren Landmasse, dem sogenannten Petermannland zugeordnet. Die Jackson-Harmsworth-Expedition stieß während ihrer Kartierungsexpedition im April und Mai 1895 auf den Westen der Insel.
      Auf der Rückkehr von ihrem vergeblichen Versuch den Nordpol zu erreichen, paddelten im August 1895 Fritjof Nansen und Hjalmar Johansen entlang der West- Küste der Insel bis zum Kap Norwegian und kartierten, wussten aber nicht, wo sie sich eigentlich befanden. Angesichts des bevorstehenden Winters errichteten sie an diesem Ort einen primitiven Unterschlupf zur Überwinterung. Sie blieben hier bis sie im Mai 1896 wieder Richtung Süden aufbrachen. Bei dem Zufallstreffen mit Jackson im August 1896 am Kap Flora glichen sie ihre Aufzeichnungen ab und nannten die Insel, auf der sie sich befanden, Jackson Insel und das Kap, wo sie überwintert hatten, Kap Norwegian.


      Hierfür errichteten sie auf der Geländestufe unterhalb des Steilhangs aus Steinblöcken einen niedrigen, viereckigen Steinwall mit Eingang zum Wasser hin und vertieften gleichzeitig den Bereich dazwischen, so dass sich insgesamt zwischen den Wänden eine knappe Stehhöhe ergab. Darüber legten sie einen angeschwemmten Baumstamm als Dachfirst und bedeckten das ganze mit Walrosshäuten. Die Schneedecke darüber vereiste rasch zu einem tragfähigen und isolierenden Schneedach. Dank der zahlreichen Bären, Füchse, Walrosse, Robben und wohl auch einigen Vögeln, die sie erlegen konnten, hatten sie genügend Essen, Brennstoff und Licht sowie Isolationsmaterial gegen die Kälte.
      Nun landen wir unmittelbar vor diesem historischen Ort mit unseren Zodiacs an. Man kann noch die Reste dieser Hütte sehen und auch den Orginaldachbalken. Einiges, wie ehemals noch vorhandene Eisbär- und Walrossknochen sind im Laufe der Jahre allerdings verschwunden.



      für die, die nicht wissen, wo sie sind



      Die Jackson Insel wird von Touristen ausschließlich wegen des Überwinterungsplatzes von Nansen und Johansen am Kap Norwegian besucht.
      Wie schon erwähnt, mit Schiffen hierher zu kommen ist wegen des Eises sehr schwierig und in manchen Jahren unmöglich. Dafür kommen häufiger Touristen mit dem Helikopter, der von dem Atomeisbrecher aus startet.
      In der empfindlichen Natur der Arktis hinterlassen die Helikopter bei den Starts und Landungen lang anhaltende Spuren, was im Hinblick auf den Schutz der Natur durchaus kritisch zu sehen ist.

      Der Leiter des Fram Museums in Oslo war als Lektor mit an Bord und erzählte uns an Ort und Stelle die Geschichte von Nansen und Johansen und ihrer Überwinterung. Leider kann ich kein Bild von ihm hier einstellen, wie er mit strahlendem Gesicht an dieser Stelle stand, er war ja auch zum ersten Mal hier (verpixelt oder sogar kopflos sähe das nicht so gut aus).

      Die Ranger, die uns vor den Eisbären beschützen sollten, standen nicht umsonst hier! In der Nähe des Überwinterungsplatzes waren zwar nur alte Bärenspuren zu sehen aber weit und breit keine Bären, sonst hätten wir ja auch nicht dort sein können! Auf der Rückfahrt zum Schiff waren auf einer riesigen Eisscholle allerdings frischere Spuren zu sehen. Von der Brücke aus wurde dann auch in der Ferne ein Weibchen mit einem Jungtier gesichtet.






      Rund um den Überwinterungsplatz war es wieder sehr bunt! Überall dort, wo das Eis während des kurzen arktischen Sommers wegtaut, leuchten Moose und Flechten in den verschiedensten Farben. Diese Eisplatte war wirklich besonders schön mit dem Farbenspiel von rotbraun über grün zu weiß. Ich habe es übrigens als Hintergrundbild für eine der Seiten in meinem Fotobuch über diese Reise genutzt.





      Anschließend versuchte der Kapitän das Schiff weiter nach Norden zu navigieren um die Rudolf-Insel (ursprünglich Kronprinz-Rudolph- Land) und das darauf befindliche Kap Fligely, den nördlichstem Teil von Franz Josef Land und damit zugleich den nördlichsten Landpunkt Eurasiens (81°46’N und 58°56’Ost) zu erreichen.





      Das Wetter schlug jedoch um, Wind und Seegang nahmen zu, der Himmel bezog sich, das Eis wurde erneut dichter. Also kehrten wir mal wieder um und nahmen Kurs auf die Ziegler Insel.

      Laut offiziellem Logbuch erreichten wir am 8. Juli 2015 um 12:30 Uhr den nördlichsten Punkt dieser Reise:

      81°29.6’N, 055°02.2’E


      Nachmittags, Geir hielt gerade den Vortrag „Mit Nansen und der Fran Richtung Nordpol“ kam die Durchsage: Tafeleisberge in Sicht!
      Wir (auch Geir) sind natürlich alle sofort raus gestürzt und sahen einen großen und einen etwas kleineren Tafeleisberg, die sich dem Schiff näherten. Gerade als der erste fast vorbei war, kalbte er und über dem Ganzen war noch ein zarter Regenbogen zu sehen. Was für ein wunderschöner Anblick!








      Nach diesem bisher so ereignisreichen Tag war erst einmal etwas Ruhe angesagt, er war ja noch nicht zu Ende...
    • Tag 6, 8.Juli 2015 Abends

      Beim Abendessen sah man fast ausnahmslos in zufriedene Gesichter, der Tag bisher war ja auch schön gewesen, obwohl wir das nördlichste Ende Franz Josef Lands und damit Eurasiens nicht erreicht hatten.

      Die Speisen waren wie immer sehr gut und schmackhaft. Es ist bemerkenswert, was der Küchenchef und seine Mannschaft jeden Tag auf den Tisch gebracht haben, abwechslungsreich, mit frischen Zutaten, kurz für jeden war etwas dabei!

      Nach dieser Stärkung folgt am Abend noch ein Sahnehäubchen:

      Wir fahren wir mit den Zodiacs langsam durch den Booth Channel an der Küste der Ziegler Insel entlang, begleitet von Dickschnabellummen und einigen anderen Vögeln.
      Auch sie ist wie die Jackson Insel zum größten Teil von einer riesigen Eiskappe bedeckt und die Gletscher reichen bis ans Ufer.










      Es ist eine eigentümlich fremde und so schöne Landschaft. Der Wind ist aufgefrischt, Sonne und Nebelschwaden wechselten sich ab und verstärkten noch die seltsame Stimmung.
      Es war still in den Booten, selbst die, die sonst meinten, immer etwas sagen zu müssen, schwiegen und schauten nur.

      Noch später am Abend stand ich lange an Deck und lasse diese Ehrfurcht gebietende Landschaft an mir vorbeiziehen.





      Mit diesem Bild verabschiede ich mich ins Bett



      MS Sea Spirit fuhr weiter nach Süden zu unserem nächsten Ziel der Hooker Insel.
    • Vielen Dank für den Bericht und die wunderbaren Fotos. Ich habe schon überlegt, ob sich die Reise für mich ausgehen könnte, nachdem ich sie bei Hurtigruten entdeckt habe, aber im Moment schaut es ja nicht so gut aus. :(

      Ich habe mit 8 Jahren, in einer furchtbar schnörkeligen Schrift, das Buch über Payer-Weyprecht-Expedition gelesen (ich konnte aber nicht aufhören, bis ich es durch hatte) und viel später von Christoph Ransmayr das Buch "Die Schrecken des Eises und der Finsternis" wo Ransmayer parallel zu der Romanfigur Josef Mazzini die Geschichte verarbeitet.

      Mittlerweile hat mir eine Kundin erzählt, dass diese Expedition in manchen Managerschulungen als Beispiel für positive Gruppendynamik erwähnt wird.

      Liebe Grüße, Kamilla
    • @KamillaS
      Wenn Dich das Buch über die Payer-Weyprecht-Expedition so fasziniert und Dir auch das Buch von Christoph Ransmayr gut gefallen hat, dann solltest Du auf jeden Fall versuchen, nach Franz Josef Land zu fahren.
      Es gibt ja auch andere Anbieter als Hurtigruten. MS Sea Spirit, mit der ich im Jahr 2015 gefahren bin, war in diesem Sommer auch wieder dort unterwegs.
      Die Information der Kundin finde ich ja interessant, kann mir das gut vorstellen.

      Heute Abend werde ich den nächsten Bericht einstellen. Schau doch wieder rein!
      Liebe Grüße aus Leipzig BBe49
    • Tag 7, 9.7. 2015 Hooker Insel, Tikhaya Bukhta, Rubini Rock

      Frühes Aufstehen ist angesagt. Während der Nacht sind wir in der stillen Bucht, der „Tikhaya Bukhta“ angelangt.

      Es gibt früher Frühstück und bereits um 8:30 Uhr gibt Geir in der Oceanus Lounge eine Einführung über ‚Tikaya Bucht’ und ein Briefing für die geplante Anlandung.

      Die Hooker Insel liegt im Südwesten des Archipels auf der Ostseite des British Channel. Die Landschaft der Hooker Insel ist typisch für große Teile von Franz Josef Land: ein plateauartiger Insel Körper mit einer Abdeckung aus verwitterungsresistenten vulkanischen Gesteinen sorgt für relativ steile Küstenabstürze, wobei die Küstenlinie stärker durch zahlreiche markante Kaps und überwiegend vergletscherte Täler gegliedert ist. Im Inneren der Inseln überragen einzelne Gipfel mit bis zu 570 m Höhe das Land, das überwiegend von Gletschern und Eiskappen bedeckt ist, auch die Uferlinie besteht größtenteils aus Eisabbruchkanten.
      Auch die Hooker Insel wurde 1874 durch die letzte Erkundungstour der Tegethoff Expedition von Osten her gesichtet, dabei jedoch nicht als eigenständige Insel erkannt.
      1913/14 nutzte der russische Marineoffizier Georgiy Sedow mit seinem Expedition Schiff St. Anna die Stille Bucht als Überwinterungsbasis von der aus auch systematisch wissenschaftliche Daten gesammelt wurden.

      Die ab 1929 errichtete und durchgängig bis 1959 Uhr betriebene Station Tichaja war die erste wirklich dauerhaft betriebene und dafür geplante Basis im Archipel und gleichzeitig eine Unterstreichung der sowjetischen Ansprüche. Die Besatzungsstärke schwankte zwischen 20-50 Menschen, sogar Babys wurden hier geboren. Die Station arbeitete als einzige im Archipel den ganzen zweiten Weltkrieg hindurch.



      Ab 1959 wurde Tichaja zu Gunsten der neuen Krenkel Station auf der Hayes Insel aufgegeben, die einerseits hinsichtlich der Anlage einer Flugpiste günstiger lag und andererseits ein für das Archipel typischeres Klima aufwies.

      Seitdem verfallen die Gebäude und Anlagen. Aktuell dienen zwei renovierte Gebäude der Nationalparkverwaltung als Sommer Forschungsbasis unter anderem auch für die Dokumentation und Erforschung der Geschichte der Station.
      Im Sommer 2012 war das Stationsteam zusätzlich damit beschäftigt den gesamten Bereich vom Müll der vergangenen Jahrzehnte zu säubern. Allerdings stehen die weißen Müllsäcke 2015 immer noch am Strand und warten auf den Abtransport.

      Das rote Haus mit den Hundehütten im Vordergrund





      Die Sauna



      Der Hangar mit "Besucher" und die Raupe davor



      Irgendwie sieht es so aus als seien die Einwohner gerade erst weggegangen.



      Von den Generatoren gab es jeweils zwei, falls mal einer ausfiel oder gewartet werden musste



      Wie lange, die da wohl schon liegt?



      Unser Eisbärenwächter bewacht uns und den Müll



      Natur und die Erinnerung an den russischen Marineoffizier Sedow gibt es natürlich auch:




      Und es gibt in Tikaya Bucht’ eine Post und einen kleinen Souvenirladen betrieben von den Rangern des Nationalparks!

      Man kann Postkarten und einige Souvenirs kaufen. Ich glaube, sie machen im Juli 2015 ein gutes Geschäft! Weil ich erstens schon weiß. dass wir die Champ Insel mit den magischen Steinen nicht erreichen werden und zweitens ein Poststempel aus diesem abgeschiedenen Teil der Arktis noch seltener ist als der von Nye Alesund , kaufe ich eine Postkarte und schicke sie an mich selbst nach Hause. (Sie wird mich sechs Wochen später erreichen)



      Zum Abschied noch ein Blick über die 'Stille Bucht'



      Zurück an Bord ist erst einmal Pause angesagt, der zweite Teil des Tages wird nicht minder schön...
    • Tag 7 Nachmittags

      An diesem 9. Juli wechselte das Wetter sehr schnell. War es morgens relativ warm mit 6°C, mit mäßigem Wind, ruhiger See und guter Sicht, wurde es im Laufe des Tages kälter (3°C), die Sicht verschlechterte sich, Nebel kam auf, der Wind nahm zu.

      Nach einem wie immer guten Mittagessen entstanden diese Aufnahmen, zwei meiner Lieblingsfotos dieser Reise.





      Nachmittags lichtete sich der Nebel immer wieder ein wenig und so konnten sie beginnen die Zodiac Fahrten zum

      Rubini Rock

      der zweiten Attraktion an der ‚Stillen Bucht’ . Auf der anderen Seite, gegenüber der ehemaligen Polarstation ‚Tichaja’ ragt der ‚Rubini Rock’ steil empor. Auf dieser imposanten Felsformation aus Basaltsäulen, bewachsen mit Flechten und Moosen, befindet sich die größte Nistkolonie des Archipels vorwiegend mit Dickschnabellummen und Dreizehnmöwen aber auch anderen Vogelarten z.B. Grillteisten. Die hauptsächliche Brutzeit liegt im Juli, zieht sich jedoch teilweise bis in den August hinein.



      Bei dem folgenden Foto handelt es sich um eine Fotomontage, die ich 2015 erstellt habe, um zum einen die unterschiedlichen Farben des Felsen und zum anderen die Enge zu zeigen, in der die Vögel auf den Felsvorsprüngen hocken und brüten.



      Beim abendlichen ‚Recap’ wurde noch einmal kurz referiert über das Leben in Polarstationen früher und heute und die Pflanzen und Vögel, die wir heute gesehen haben. Auf der an Bord aushängenden ‚Wild Life List’ war heute eine heftige Veränderung zu verzeichnen. Unser niederländischer Vogelkundler aus dem Expeditionsteam hatte viel zu berichten und konnte die Liste um einige Exemplare ergänzen.

      Nach dem Abendessen wurde in der Oceanus Lounge noch eine Dokumentation des ORF von 1993/94 über die Payer/Weyprecht Expedition gezeigt.

      Zum Abschied von der Stillen Bucht bot sich mal wieder der Anblick, den ich so sehr liebe. Die Landschaft wirkt auf mich wie eine Theaterkulisse, bei der der Hintergrund von Scheinwerfern ins rechte Licht gerückt wird.



      In der Nacht sollte MS Sea Spirit ostwärts fahren bis zum Kap ‚Tegetthoff’ auf der Wilszek Insel aber es kommt mal wieder ganz anders...
    • Moin BBe49

      und vielen herzlichen Dank für deinen "Franz Josef Bericht".
      Ich musste erst einmal nachgucken, wovon du das redest, wo ist denn dieses Land, erzähle das meinem Mann und der bekommt glänzende Augen. Ja und dann erfährt man so nebenbei, wovon Männer so träumen :D

      Im nächsten Sommer entdecken wir Grönland . . . Spitzbergen steht ganz oben auf der Liste, die Nord-West-Passage wird wohl immer ein Traum bleiben und nun auch noch Franz-Josef-Land . . .

      Wir warten gerne auf die Fortsetzung, freuen uns über deine herrlichen Fotos und träumen mal weiter ! Bis dahin werde ich garantiert das eine oder andere Buch kaufen.

      LG Nane
    • @BBe49 vielen Dank für die aufmunternden Worte, aber ich bekomme von einer Kundin manchmal die "Polar News" und abgesehen davon, dass ich eine treue Kundin bin, solange ich mich wohl fühle, schrecken mich die Preise vor allem für Alleinreisende schon ab.
      Aber erstens geht sich in einem Leben eh nicht alles aus und vielleicht darf ja Hurtigruten doch einmal.

      in der Zwischenzeit genieße ich Deinen Bericht.
      Liebe Grüße, Kamilla
    • @KamillaS
      Ja, die Preise für uns Alleinreisende sind schon abschreckend! Und daran ändern auch die Angebote für "Alleinreisende" nicht wirklich etwas.
      Wenn es 2015 nicht dieses Super Angebot gegeben hätte, wäre diese Reise für mich auch nicht in Frage gekommen. Wahrscheinlich war es einfach nur Glück, die Reise nicht ausgebucht, das Reiseziel zu ausgefallen, ich weiß es nicht mehr. Jetzt könnte und wollte ich mir diese Reise nicht mehr leisten.
      Und nun, während ich den Bericht schreibe, die Unterlagen und die Fotos durchforste, die Erinnerungen wieder wach werden, bin ich sehr, sehr froh, dass ich diese Reise machen konnte.
      Liebe Grüße BBe49
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      Tag 8, 10.7. 2015 Northbrook Insel und Kap Flora

      Geplant war während der Nacht zur Hall Insel zu fahren und am Kap Tegettoff anzulanden (leider habe ich in meinem Bericht vom 7.Tag das Kap Tegettoff fälschlicherweise auf der Wilzeck Insel angesiedelt).

      In der Nacht wurde ich von Poltern und Knirschen geweckt. Ein Blick aus dem Kabinenfenster genügte: das Schiff befand sich in einem Eisfeld und kam nicht so recht voran. Am frühen Morgen, beim nächsten Aufwachen, fuhr das Schiff wieder schneller und nach dem Sonnenstand zu schließen nicht mehr ostwärts. Da war klar, dass die Sea Spirit es nicht geschafft hatte, das Eis zu durchbrechen und nun Kurs westwärts Richtung Northbrook Insel/Kap Flora genommen hatte.

      Beim Frühstück waren dann auch wieder (vereinzelt) Paxe zu vernehmen, die sich über den fehlgeschlagenen Versuch aufregten und meinten, der Kapitän hätte wohl nicht alles versucht, und er hätte doch... Die „seemännische Expertise“ dieser Mitreisenden bestand ihren Äußerungen nach zu schließen darin, dass sie schon mehrere Kreuzfahrten gemacht hatten allerdings nicht in Polaren Gewässern sondern z.B. im Mittelmeer oder der Karibik...Zum Glück für uns alle hörten der Kapitän und seine Mannschaft nicht auf diese „Fachleute“.

      Nunmehr sah der Plan vor, noch am Vormittag am Kap Flora anzulanden und ‚hier die Spur von Fritjof Nansen wieder aufzunehmen’.
      Es lag jedoch wieder einmal ein Eisfeld zwischen Schiff und Anlandungsstelle.

      Also Zeit genug, um sich einen Vortrag von Geir über Kap Flora und dessen Bedeutung für Polarexpeditionen anzuhören.

      Die Northbrook Insel ist wegen ihrer Lage im südlichen Teil von Franz Josef Land während der Sommermonate relativ leicht erreichbar und wurde deshalb immer wieder von Polarexpeditionen als Basis genutzt.

      Bereits im Jahr 1897 gelang es dem hollländischen Marineleutnant de Bruyne sich am Ende seiner Expedition in die Barentsee der Südküste von Franz Josef Land auf Sichtweite mit dem relativ kleinen Segelschiff ‚Wilhelm Barents’ zu nähern.

      Entdeckt wurde die Northbrook Insel im Jahre 1880 von dem britischen Polarforscher Benjamin Leigh Smith auf einer seiner Privatexpeditionen mit dem Polarforschungsschiff ‚Eira’. Er benannte sie nach Thomas Baring, dem 1. Earl of Northbrook , einem britischen Politiker und späteren Präsidenten der Royal Geographical Society.
      1881 kehrte Benjamin Leigh Smith mit einer weiteren Privatexpedition mit dem Polarforschungsschiff ’Eira’ nach Franz Josef Land zurück. Er plante eine Überwinterung und ließ deswegen auf der benachbarten Bell Insel Camp EIRA errichten und erkundete weiter die südwestlichen Küsten. Im August 1881 brach Leigh Smith mit der ‚Eira’ auf, um sich an einer Suchaktion nach eventuellen Überlebenden der Jeanette Expedition zu beteiligen. Jedoch wurden sie von zu starkem Eis zurückgehalten und das Schiff schließlich vor Kap Flora von einem herandrückenden Eisfeld an das Landeis gepresst, so dass es schließlich langsam versank. Zum Glück konnten noch eine bedeutende Menge an Material und Ausrüstung sowie die 5 Beiboote geborgen werden.
      Weil dichtes Treibeis das Übersetzen nach Camp EIRA (obwohl fast in Sichtweite) verhinderte und auch ungewiss war, wann im Winter eine ausreichend tragfähige Eisdecke entstehen würde, errichtete die 25-köpfige Expedition an Kap Flora aus gesammelten Steinen und dem geborgenen Material eine Hütte, in der sie überwinterte. Als sich im Juni 1882 das Eis vor der Küste aufgelöst hatte, ließen die Expeditionsteilnehmer die Beiboote zu Wasser und erreichten nach 43 Tagen mühsamer Fahrt durch die Eisschollen Nowaja Semlja. Niemand von den Expeditionsteilnehmern war zu Tode gekommen!

      Die Jackson-Harmsworth Expedition erreichte im September 1894 mit der ‚Winward’ das Kap Flora auf der Northbrook Insel. Dort errichteten sie wenig später ihr umfangreiches Hauptquartier – größtenteils aus vorfabrizierten Fertigteilen. Ziel dieser Expedition war die Kartierung Franz Josef Lands und nicht wie bei späteren Expeditionen das Erreichen des Nordpols. Die ‚Winward’ blieb den Winter über eingefroren vor der Küste liegen und kehrte am 1. Juli 1895 nach England zurück. Jackson blieb mit sieben Männern und einem Beiboot am Kap Flora zurück, um weitere Erkundungstouren zu unternehmen.

      Nachdem Fritjof Nansen und Hjalmar Johansen ihr Überwinterungslager am Kap Norwegian im Mai 1896 verlassen und ihren Weg südwärts fortgesetzt hatten, trafen sie am 17. Juni 1896 am Kap Flora auf Frederick George Jackson. Sie glichen ihre Karten und Aufzeichnungen ab und benannten Orte und Inseln. Am 26. Juli 1896 traf Jacksons Versorgungsschiff ‚Winward’ ein, welches mit Nansen und Johansen an Bord am 7. August 1896 Kap Flora in Richtung Norwegen wieder verließ.

      Weitere Expeditionen folgten, die sich zumindest kurz auf Kap Flora aufhielten. Darunter auch die russische Sedow Expedition (1913-1914), die dort auch die einzigen zwei Überlebenden der Brussilow Expedition und der ‚St. Anna’ antrafen und retteten.

      Fast einhundert Jahre später fanden russische Forscher neben einem menschlichen Skelett, eine Armbanduhr, einen Löffel und ein Messer, Schneeschuhe sowie 5 Seiten aus dem Schiffstagebuch. Vladimir, einer unserer russischen Ranger an Bord, der an dieser Forschungsexpedition 2010 teilgenommen hat, schilderte sehr lebhaft und anschaulich, wie es auf dieser Expedition zugegangen ist und von seinem Traum, weitere Überreste und Hinweise von der ‚St Anna’ zu finden.

      Inzwischen hatte der Kapitän einen Weg durch das Eisfeld gefunden. Die Küche zeigte sich gewohnt flexibel (wir Paxe natürlich auch), das Mittagessen wurde vorgezogen und um 12:45 Uhr begann die Anlandung an

      Kap Flora.

      Das Kap Flora macht seinem Namen alle Ehre. Die beeindruckenden Felswände, die oberhalb eines schmalen Streifens Land ca 200m in die Höhe ragen, bieten zahlreichen Vögeln Brutplätze. Die damit einhergehende Düngung, die Lage nach Süden (frühe Schneeschmelze) sowie das den ganzen Sommer über herab fließende Schmelzwasser erklären die für Franz Josef Land überaus üppige Tundravegetation. Moose, Flechten und Blüten ergeben einen wahren „Farbenrausch“.



      Die russischen Ranger hatten einen genauen Weg vorgegeben, wie wir zu einem kleinen Plateau gehen könnten, ohne viel von der Vegetation zu zerstören. Natürlich müssten wieder einige blind durch die Gegend laufen. Sie wurden konsequent von den Rangern zurückgeschickt.

      Am Kap Flora befindet sich ein besonderer Tümpel. Wie lange noch, weiß man nicht. Durch die Veränderungen des Klimas könnte es dazu kommen, dass Teile des Bodens soweit auftauen, dass das Wasser irgendwann abfließen wird.


      Neben anderen Blumen ist auch das 'Gebräuchliche Löffelkraut' auch 'Skorbutkraut' genannt anzutreffen.


      Noch ein Blick auf das Meer bevor wir Kap Flora wieder verlassen.


      Gegen 15:30 Uhr waren wieder alle an Bord. MS Sea Spirit machte sich auf den Weg zu einer Bucht, in der sich normalerweise viele Walrosse aufhalten. Doch man ahnte es schon: Wetter und Eisverhältnisse machten uns einen Strich durch die Rechnung. Die Bucht war voller Eis und Nebel zog plötzlich auf...

      Also Zeit für eine Pause und abwarten was der weitere Tag bringen wird...
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      Tag 8, Teil 2

      Habe ich schon von der täglichen ‚Tea Time’ berichtet? Nein, ich glaube nicht. Jeden Tag zwischen 16:00 und 17:00 Uhr gab es im Club neben diversen Tee- und Kaffeesorten verführerisch viele verschiedene Sorten Gebäck und Kuchen. Wenn ich hingegangen bin, habe ich mich meistens mit einem Cappuccino begnügt. Man muss ja bedenken, dass es viel und Gutes zu essen gab aber eher wenige Möglichkeiten, die Pfunde durch Bewegung gar nicht erst entstehen zu lassen bzw. sie wieder loszuwerden.
      An diesem Nachmittag jedoch, stellte ich mir eine kleine Kuchenauswahl zusammen und verspeiste sie genüsslich, während ich nach draußen schaute und gemeinsam mit einem mitreisenden Ehepaar überlegte, was an diesem Tag wohl noch passieren könnte. Walrosse anschauen war ja auf den nächsten Tag verschoben worden.

      Beim täglichen Recap schilderte unser Expeditionsleiter Franz die Fahrt in der vergangenen Nacht und erläuterte anhand der Eiskarte, warum das Schiff um 02:30 Uhr umdrehen musste. Nebel und sehr dichtes Treibeis hatten es unmöglich gemacht, die Hull Insel und das Kap Tegetthoff zu erreichen. Natürlich fehlte auch die Aussage nicht, dass sich die Verhältnisse oft stündlich änderten.

      Er gab noch einen Ausblick auf den morgigen Tag: hoffentlich Walrosse angucken, Anlandung auf der Bell Insel bei Camp Eira und Fahrt zur Alexandra Insel, um dort wieder die russischen Grenzbeamten an Bord zu holen.

      Zum Abschluss die Ankündigung , dass es heute Abend auf Deck 5 ein Barbecue geben würde, weil wir inzwischen in einer kleinen Bucht zwischen Bell Insel und Mabel Insel angekommen waren und herrlichstes Wetter herrschte. Die Sonne schien, es war 8°C warm, es gab kaum Wind, das Meer war glatt.
      Die Küchenmannschaft hatte mal wieder ihr Bestes gegeben und so war es wirklich ein Vergnügen draußen zu sitzen und mit Blick auf das Meer und die charakteristische Silhouette der Bell Insel zu essen.



      Um kurz nach 21:00 Uhr dann die Durchsage, dass Zodiac Rundfahrten durch das Eisfeld stattfinden würden.

      Es war wunderschön, still und friedlich! Ich denke die Bilder sprechen für sich












      Schon bei der Rückkehr aufs Schiff konnten wir beobachten, wie sich an einigen Stellen wieder Eis bildete. Gegen Mitternacht mussten wir die Bucht vor der Bell Insel verlassen, weil uns das Eis erneut einzuschließen drohte.



      Also wieder eine Änderung im Programm und nichts mit der geplanten Anlandung am Camp EIRA am nächsten Tag! Langweilig war es jedenfalls nicht, schaun wir mal, was stattdessen passieren würde...