Arktischer Fünfklang – Mit der MS Bremen im hohen Norden unterwegs (10.07. - 03.08.2019)

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    • Mittwoch, 24. Juli 2019 – Tag 15

      Stadtwanderungen mit viel Natur

      Heute Morgen haben wir doch glatt den ersten Sonnenuntergang der Reise (um eine Minute nach Mitternacht) versäumt ;(
      Den Sonnenaufgang gegen 5 Uhr verschlafe ich auch, aber Göga ist wach und würdigt ihn alleine auf Deck :thumbup: Gegen 7 Uhr wache ich auch auf und gehe an Deck – gerade rechtzeitig um die Einfahrt in den Hafen von Reykjavik mitzubekommen. Die erste Überraschung gibt es allerdings schon beim Betreten des Decks: Es ist strahlend blauer Himmel, keine Wolke stört den Ausblick :D

      Wir legen nicht am Standard-Kai für kleine Kreuzfahrtschiffe an, sondern direkt vor der Harpa, der Konzert- und Veranstaltungshalle Islands, in die immerhin 1% der isländischen Bevölkerung passen :/ Dafür muss das Schiff aber erst einmal durch die enge Einfahrt und dann in einer 90°-Kurve nach links abbiegen :| Das ganze Manöver wird beobachtet von einem Schlepper, der wohl im Notfall mit seinen vorne montierten Lkw-Reifen das Schiff auf Kurs schieben könnte :whistle3:

      Als das Schiff parallel zum Kai liegt, wird es Zeit fürs Frühstück.
      Kurz nach 8 Uhr kommt die Durchsage, dass wir an Land können und die ersten Passagiere strömen von Bord. Jetzt legen im 15-Minuten-Takt die Ausflugsbusse ab, mit denen wir aber nichts zu tun haben :nono:
      Wir machen uns in Ruhe fertig, packen Kamera und Daypack ein und versuchen das Schiff zu verlassen. Das klappt allerdings nicht, da eine Gruppe Handwerker die Gangway verstopfen, die nicht an Bord dürfen :wacko1: Nach langer Diskussion schieben sie wieder ab, und wir dürfen von Bord.

      Da wir vor 3 Jahren bereits mehrere Tage in Reykjavik verbracht haben, steuern wir heute ein spezielles Ziel im Nordwesten der Stadt an: Die Leuchtturm-Insel Grótta :)
      Da gerade Brutzeit ist, dürfen wir sie nicht betreten, aber der Weg dorthin soll sehr schön sein. Außerdem soll es nicht weit von dort eine warme Quelle geben. mal schauen, ob wir sie finden.
      Wir halten uns erst einmal Richtung Hauptstraße, wobei wir ein (offenes) Tor passieren. Dann laufen wir einen guten Kilometer bis zu einem Kreisverkehr. Bis dahin haben wir schon eine typisch Reykjaviker Eigenart kennen gelernt: Die vielen kunstvollen Graffiti :thumbup:



      Am Kreisverkehr stoßen wir auf eine schöne Straße mit dem Namen Ánanaust und das Meer, genauer die Eiðisvik. Es ist inzwischen so warm in der Sonne und ohne Wind, dass wir unsere Jacken ausziehen ^^ Wir passieren eine etwas ungewöhnliche Bank (die aber wirklich zum Hinsetzen einlädt) und auf dem weiteren Weg am Wasser entlang viele Pflanzen.



      Aber auch Vögel gibt es hier zu entdecken, so wie beispielsweise Eiderenten, einen Steinschmätzer (sehr zum Erstaunen unseres Vogelkundlers, da diese Vögel hier nicht brüten), eine Küstenseeschwalbe und eine Möwe :)



      Rund einen Kilometer weiter fällt uns die Kirche von Seltjarnes auf, die auf einer Anhöhe steht. Leider ist sie geschlossen, aber in Verbindung mit dem Segelboot wirkt sie sehr fotogen :thumbup:



      In Norðurvik sehen wir an einem Schuppen ein schönes Stillleben :rolleyes: Wie wir hinterher erfahren, liegt hier auch die heiße Quelle – allerdings jetzt, bei Flut, unterhalb des Meeresspiegels :pardon:



      Dann, nach knapp zwei Stunden, haben wir den Zugang zur Insel erreicht und sehen den Leuchtturm vor uns. Wir wenden uns nach links und folgen dem Seltjörn, einer ehemaligen Lagune.



      Nach Süden können wir bis zur von mehreren rund 400 Meter hohen Vulkanen beherrschten Halbinsel Reykjanes blicken :search_1:



      Wir laufen in einem großen Bogen wieder zurück zum Hafen. Dort müssen wir an dem (inzwischen geschlossenen) Tor unsere Bordkarten vorzeigen, bevor wir durchgelassen werden. Vor dem Schiff herrscht Hochbetrieb =O Überall stehen Fässer, Palletten und Kisten rum. Hinterher erfahren wir, dass im Laufe des Tages 5 Container und 2 Lkw mit insgesamt 68 Tonnen Ware geladen worden ist, zusätzlich zu den 320 Tonnen Brennstoff :huh: Die Vorräte müssen aber auch mehr als 2 Monate reichen – bis zur Ankunft in Bergen am 26. September :hmm:
      Nach knapp 4 Stunden und rund 12 Kilometern kommt es uns gerade recht, dass das Mittagsbuffet in ein paar Minuten öffnet :essen: Wir machen uns kurz ein wenig frisch und genießen das ausgesprochen leere Restaurant.

      Gegen 14 Uhr legt Göga ein wenig die Beine hoch (um anschließend noch in die Innenstadt zu laufen), mich zieht es nach Osten zu einigen mir bisher unbekannten Ecken der Stadt :locomotive:
      Bei dem schönen Wetter kann ich natürlich widerstehen, jeweils einen kurzen Zwischenstopp an der Harpa und am Sólfar einzulegen.



      Ich folge weiter der Sæbraut, immer entlang des Viðeyjarsund, gen Osten und genieße dabei den Blick über den Kollafjörður hinweg auf den östlichen Teil der Esja :rolleyes:



      Ein paar Minuten später erreiche ich Höfði, das Gästehaus der isländischen Regierung, wo sich u.a. 1986 Reagan und Gorbatschow getroffen haben.
      Dort verlasse ich das Meer und wende mich landeinwärts, hier empfängt mich das moderne Reykjavik :)



      Mein nächstes Ziel liegt noch eine gute halbe Stunde weiter: der botanische Garten :flower:
      Hier schaue ich mich eine knappe Stunde lang um.



      Er ist sehr schön gestaltet und bietet viele Blumenbeete. Gerade im Bereich der einheimischen Pflanzen ist nicht viel Blühendes zu sehen, dafür sehr viele internationale Bäume im Arboretum. Leider habe ich den direkten Vergleich zu Tromsø , dem dieser Garten nicht ganz standhalten kann :| Aber der Besuch hat sich trotzdem gelohnt.
      Auf dem Rückweg halte ich mich ein Stück weiter südlich und laufe an der Háteigskirka vorbei zur Hallgrímskirka. Auf dem Weg sehe ich ein Thermometer, das immerhin 19,6 Grad anzeigt :/



      An der Kirche halte ich mich aber nicht lange auf, sondern laufe nach Südwesten weiter und lande schließlich am Südende des Tjörnin, des großen Binnensees südlich der Altstadt ^^
      Dort kann ich wieder Vögel in Aktion beobachten, unter anderem eine Eiderentenmutter, die ein Junges vor dem Angriff einer Raubmöwe beschützt 8|



      Aber auch ein interessantes Funktions-Denkmal gibt es dort zu sehen :thumbsup:
      Überall sind Blumen gepflanzt.



      Nun mache ich noch kurz einen Schwenk nach Westen zu altem Friedhof – eine schöne ruhige Oase, in der man viele verwunschene Ecken finden kann :)



      Nun halte ich mich Richtung Altstadt, wobei ich zuerst das neue Rathaus passiere.



      Vorbei am Denkmal des unbekannten Bürokraten :mosking: laufe ich zum Dom und zum Alþingishúsið, dem isländischen Parlament.



      Dort erhalte ich einen Anruf von Göga, dass sie mit A. auf dem Weg zur Hallgrímskirka ist. Ich schlage dann ebenfalls einen Weg in die Richtung ein. Weiter geht’s an der Menntaskólinn vorbei zum Stjórnarráðið, dem Sitz des Premierministers.



      Bald darauf erreiche ich die Fußgängerzone und biege dann ab auf den Skólavörðustígur, der mich vorbei an der Abgrenzung der Fußgängerzone zur Kirche führt.
      Dort treffe ich beinahe zeitgleich mit Göga ein :) Wir schauen uns ein wenig in der Kirche um, anschließend fahre ich mit A. auf den Turm, wo sich uns eine schöne, aber zugige Aussicht bietet :thumbup:



      Es ist jetzt gleich 19 Uhr, in einer halben Stunde müssen wir an Bord sein :| (und es gibt Abendessen). Wir gehen zurück zum Wasser, nehmen uns aber noch ein paar Minuten um in die Harpa hineinzuschauen. Dabei stelle ich fest, dass man sich im Erdgeschoss weitgehend ungehindert bewegen kann, der restliche Bereich ist allerdings – im Gegensatz zu 2016 – abgesperrt und nur noch im Rahmen einer Führung zu besichtigen :thumbdown: Gut, dass wir schon mal da waren…

      Auf dem Weg zum Hafen ist uns noch etwas anderes aufgefallen. Wir kommen an einem neuen Einkaufszentrum vorbei, in dem wir zum ersten Mal auf Island Läden internationaler Ketten sehen 8| Bisher hieß es immer, das lohnt sich nicht. Hoffentlich werden damit nicht die ganzen individuellen Läden Reykjaviks in Mitleidenschaft gezogen :hmm:

      Pünktlich um 19:28 Uhr sind wir an Bord und machen uns noch ein wenig frisch.
      Bei dem schönen Wetter gehe ich noch kurz auf den Aussichtsbalkon über der Brücke, um das Ausfahrtsmanöver zu beobachten. Wir fahren direkt auf die Þúfa zu, einen künstlichen und künstlerischen Hügel im alten Hafen mit dem Alarnes-Gebirgszug im Hintergrund :)



      Zur Ausfahrt aus dem Hafen wird es dann noch einmal richtig laut :wacko1:



      Nun aber rasch zum Abendessen, trotz Verspätung sind wir aber nicht die letzten. Wir können noch einmal den Leuchtturm auf Grótta bewundern, dann haben wir Island verlassen :/
      Nach dem Menu lassen wir den Tag ruhig im Club ausklingen :beer: Mit dem zweiten Sonnenuntergang des Tages gegen 23 Uhr verziehen wir uns in die Kabine, wo wir schon wieder eine Mitteilung vorfinden: Bitte die Uhren um 3 Uhr eine Stunde zurückstellen 8|
      Also machen wir das noch einmal (aber auch heute zu früh), bevor wir uns in die Horizontale begeben :sleeping:
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


    • Mittwoch, 25. Juli 2019 – Tag 16

      Ein Seetag als Hör- und Sehtag

      Heute hat es mich erwischt – als ich aufwache geht es mir gar nicht gut und ich drehe mich lieber wieder um und schlafe weiter :(
      Anscheinend hat sich der Wandervirus auch bei mir vor- bzw. eingestellt :fie:

      Jetzt profitiere ich davon, dass sämtliche Vorträge live übers Bord-TV in die Kabinen übertragen werden, denn mir ist gar nicht nach Aufstehen zu Mute.
      Im ersten Vortrag geht es um die Landsäugetiere der Arktis (außer dem Eisbären, der ja bereits separat vorgestellt worden ist :D ), anschließend werden uns die Überlebenstechniken der Inuit im ewigen Eis nahe gebracht – nur für den Fall dass wir einmal das Schiff nicht rechtzeitig erreichen sollten :whistle3:
      Nach dem ausführlichen Mittagsschlaf erfahre ich ab 16:45 Uhr viel über Knud Rasmussen, der einerseits viel in und über Grönland geforscht hat, andererseits einer der wenigen dänischen „Besatzer“ war, der sich für die Einheimischen eingesetzt hat und den Gewinn seiner Handelsstation in die grönländische Infrastruktur investiert hat :thumbup:

      Im Nachhinein erfahre ich erst, dass es über Mittag zum ersten Mal auf dieser Reise etwas mehr Wind gegeben hat (6 – 7 Windstärken), aber davon habe ich gar nichts mitbekommen :|
      Auch dass wir draußen wieder den gewohnt grauen Himmel haben, bekomme ich nicht wirklich mit. Gut, dass sich die Viren diesen Seetag für ihren Besuch ausgesucht haben :/

      Um 18:30 Uhr gibt es die letzte Informationsveranstaltung des Tages, bestehend aus Informationen zur Entstehung der Vulkaninseln Jan Mayen und Island sowie zu den Reiserouten der Wikinger bei ihren Fahrten gen Westen, auf deren Spuren wir gerade unterwegs sind.
      Nicht zuletzt erfahren wir dort auch das Programm für den folgenden Tag – die erste Anlandung auf Grönland :) Wir werden auch ein wenig auf die Mentalität der Grönländer eingestimmt. Geplant und abgesprochen ist, dass wir am nächsten Morgen den Pier benutzen dürfen, aber das heißt nicht unbedingt, dass das auch klappt :hmm:

      Da ich mich wieder besser fühle und ein klein wenig Hunger habe, starte ich einen Versuch zum Abendessen zu gehen. Als ich am Tisch sitze, fühle ich mich aber nicht wirklich gut, und so verziehe ich mich rasch wieder in die Horizontale und lasse mir später von Göga ein wenig Zwieback mitbringen :S

      Da ich jetzt nicht mehr wirklich müde bin, nutze ich am Abend die Live-Übertragung aus der Panorama Lounge und schaue mir den Film „Inuk – Die schwierigste Reise ist die zu Dir selbst“ an, der eindrucksvolle Einblicke in das Leben der heutigen Inuit bietet. Insbesondere die Probleme der Jugendlichen werden hier deutlich vor Augen geführt; die Selbstmordrate liegt an einigen Orten bei bis zu 30 Prozent X/

      Nach diesem zeitweise doch etwas anstrengenden Film bin ich müde genug, um hinterher schnell einzuschlafen :sleeping:
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


    • Freitag, 26. Juli 2019 – Tag 17

      Ein erster Eindruck von Grönland

      Gegen 7:30 Uhr werde ich wach – da habe ich doch glatt verschlafen =O
      Ein Blick aus dem Fenster belehrt mich aber schnell eines Besseren: Ich habe nur vergessen, dass wir ja am Vortag wieder einen 25-Stunden-Tag gehabt haben und daher die Uhr mal wieder hätten zurückstellen müssen :patsch:
      Das hole ich schnell nach und schaue, ob ich das Aufstehen verkrafte.
      Da ich Hunger habe und mich ansonsten keine konkreten Symptome mehr plagen, scheine ich das Schlimmste überstanden zu haben, also stehe ich auf und begebe mich an Deck ^^
      Wir befinden uns unmittelbar vor der ostgrönländischen Küste. Der erste Blick erfüllt direkt alle Klischees, die man so im Hinterkopf hat :/



      Der Blick zur anderen Seite verstärkt diesen Eindruck noch :D



      Ich gehe wieder zur Kabine, um Göga zu wecken (was aber gar nicht nötig ist), denn diese Annäherung an ein uns bisher völlig unbekanntes Gebiet ist schon etwas Besonderes, insbesondere bei dieser Stimmung :rolleyes:

      Wir fahren langsam in den Fjord, der uns zu einem Ort mit 2 Namen führt. Der eine Name, Tasiilaq, bedeutet „wie ein ruhiger See“, der andere, Ammassalik, ist von der Lodde (auf grönländisch Ammassak) abgeleitet, deren Schwärme hier einmal im Jahr vorbeischwimmen.

      Wir gehen zum Frühstück, während die Briminiuq sich langsam ihrem Ziel nähert :|
      Briminiuq? Das ist der grönländische Name unseres Schiffs (kleine Bremen), den wir natürlich hier benutzen müssen :D
      Im Fjord herrscht dichter Nebel, und so können wir uns in Ruhe unserem Kaffee widmen :tee:

      Kurz nach 8 Uhr lichtet sich der Nebel an einigen Stellen und wir stellen fest, dass wir verfolgt werden :huh:



      Wir fahren in eine Linkskurve und sehen am Ufer eine bunte Spur, die einen Hang entlang zum Meer führt. Ein Blick durchs Fernglas zeigt uns schnell, dass wir von der örtlichen Müllkippe begrüßt werden :(
      Kurze Zeit später zeigt sich uns aber dann das erwartete Postkartenpanorama ^^



      Wir erhalten eine Durchsage, dass die Pier leider doch belegt ist und daher unser Expeditionsleiter per Zodiac an Land fährt um die Lage zu peilen :| Nach ein paar Minuten kommt die Ankündigung, dass der Besitzer des Fischkutters uns erst eine Stunde später erwartet hätte, aber schnell den Platz räumen würde :pardon:
      Das Prozedere zieht sich dann aber doch ganz schön lange hin, weswegen es erst einmal heißt


      Fortsetzung folgt
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


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    • @Noschwefi : denke ich falsch? Oder muss es in Deinem Text Ebbe heißen statt Flut?
      Zitat: Norðurvik sehen wir an einem Schuppen ein schönes Stillleben :rolleyes: Wie wir hinterher erfahren, liegt hier auch die heiße Quelle – allerdings jetzt, bei Flut, unterhalb des Meeresspiegels :pardon:
      Lynghei

    • @lynghei
      Vielleicht habe ich es ungeschickt formuliert :pardon:
      Als wir dort vorbeigingen war gerade Flut, so dass wir die warme Quelle nicht gesehen haben.
      Sie ist nur bei Ebbe sichtbar, denn dann liegt sie frei.

      Viele Grüße
      Noschwefi
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


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    • Freitag, 26. Juli 2019 – Tag 17 (Teil 2)

      Ein erster Eindruck von Grönland (Fortsetzung)

      Gegen 8:30 Uhr setzt sich das Schiff wieder in Bewegung und steuert ganz vorsichtig in den Hafen :/
      Der Kai ist 30 Meter lang, so dass die MS Bremen (der Name „kleine Bremen“ ist ab sofort hinfällig :whistle3: ) vorne und hinten jeweils mehr als 40 Meter übersteht 8|
      Die Anfahrt ist Millimeterarbeit. Im Hafen werden einige Boote an der Leine beiseite gezogen, und ein Vater bringt sicherheitshalber seinen Sohn in Sicherheit :mosking:
      Dann wird noch die Gangway mit schwerem Gerät (mit dem sonst Container ver- und entladen werden) an den Ausgang bugsiert, was beim zweiten Anlauf klappt – bei mehr als 100 Beobachtern bleibt der Fahrer erstaunlich ruhig :thumbup:



      Kurz nach 9 Uhr ist aber alles erledigt und wir dürfen von Bord.
      Zu Füßen der Gangway hat das Expeditionsteam einen kleinen Infostand aufgebaut, an dem wir ein kleines Heftchen über den Ort mitsamt Stadtplan erhalten. Es gibt eine geführte Wanderung ins Blomsterdalen, ansonsten können wir uns auf eigene Faust in der Hauptstadt Ost-Grönlands bewegen, die immerhin 2.000 Einwohner hat :)

      Auf dem Stadtplan sind die Wege zum Blumental und zu den übrigen Wanderpfaden verwechselt worden. Zum Glück ist das rechtzeitig (vor dem Verteilen) entdeckt worden und wer-auch-immer hat in jedem Heftchen einen entsprechenden Hinweispfeil eingezeichnet :|
      Göga und ich wollen nicht durch den Ort stürmen, deswegen halten wir uns in unserem eigenen Tempo in Richtung Blomsterdalen, wobei wir erste Impressionen im Ort einfangen ^^
      Als erstes fällt uns die alte Kirche (heute Museum) mit dem kurzen und daher typisch ostgrönländischen Schlitten auf.



      Eisbären sind hier allgegenwärtig, ebenso wie Blumen. Gut, dass wir vor querenden Schlitten gewarnt werden, aber die sind anscheinend alle schon unterwegs. Auf dem Wegweiser sind wohl die Zielorte angegeben, die regelmäßig von den Linien-Hundeschlitten angefahren werden :hmm:



      Wie der Name Blomsterdalen vermuten lässt, müssen wir erst einmal bergauf. Das bietet uns zumindest einen bunten Rückblick :D



      Apropos Hundeschlitten:
      Am Ortsausgang spielen ein paar Grönländer (wie die hiesigen Schlittenhunde offiziell heißen) am Straßenrand. Wir sind vorher darauf hingewiesen worden, dass nur die jungen Hunde frei herumlaufen. Die älteren Tiere sind alle angekettet, da es sich bei ihnen um Arbeitshunde handelt und sie gefährlich werden können. Einige Passagiere regen sich über die Hundehalter auf, die die Hunde allein am Ortsrand lassen :ireful: Unsere einzige Eisbärwächterin hält zu Hause (in Norwegen) selber Huskies und hat sich davon überzeugt, dass die Hunde gesund sind, wie sie am Abend noch einmal betonen wird.



      Ein Stück weiter kommen wir am großen Friedhof vorbei, der eine interessante Mischung zwischen echten und künstlichen Blumen bietet :huh:



      Im Rückblick sehen wir über Friedhof, Ort und Fjord hinweg bis zum etwas über 1.000 Meter hohen Berg mit dem schönen Namen Qimmeertaajaliip Qaqqartivaa, der sich verschämt in Wolken hüllt.



      Jetzt noch über einen kleinen Hügel und wir erreichen das Tal der Blumen :locomotive:
      Wir sind überrascht, wie viel hier am Blühen ist. Aber ich lasse lieber die Bilder für sich selber sprechen ^^



      Wir folgen dem Tal vorbei an einem See bis zu einem schönen Wasserfall. Während ich das Foto mache, werde ich von einer Passagierin angesprochen, dass ich im Bild sei und das Motiv stören würde :/ Ich habe anschließend etwas mehr auf das Verhalten dieser Frau geachtet und dabei festgestellt, wie rücksichtslos sie vor den anderen Fotografen vorbeimarschiert :dash:



      Auf dem Weg zurück in den Ort genießen wir noch einmal den Blick zum Ort und zum Fjord.



      Als wir am Talausgang wieder die Hunde passieren, habe ich das nächste schöne Erlebnis. Unsere Eisbärwächterin ist (immer noch oder schon wieder) mit den Hunden am spielen. Ein Passagier kommt vorbei und meint, dass die Hunde sofort auf seine Befehle reagieren würden, er nur leider kein grönländisch könne ?(
      Daraufhin sage ich zu ihm, dass sie meine Anweisungen auch auf Deutsch verstehen würden. Als er mich groß anguckt, sage ich zu einem Hund, der gerade sitzt „Bleib sitzen oder steh auf“ – und genau das hat er auch gemacht :thumbsup: Ringsum sind alle, die das mitbekommen haben, am grinsen bis auf diesen Herrn, der das wohl nicht verstanden hat :mosking: :laugh1:

      Unser nächste Ziel ist die neue Kirche (1985 eingeweiht), wofür wir natürlich erneut bergauf laufen müssen.
      Aber der Anstieg lohnt sich, das Innere ist sehr beeindruckend.



      Das Taufbecken ist aus sibirischem Treibholz hergestellt – nicht zuletzt deswegen, weil Holz der mit Abstand teuerste Baustoff auf Grönland ist :|

      Direkt oberhalb der Kirche befindet sich ein kleiner Aussichtshügel. Von hier aus sehen wir landeinwärts über die Kirche hinweg noch einmal ins Blomsterdalen.



      In die andere Richtung sehen wir in den Fjord mit dem Eisberg, der uns am Morgen aufgelauert hat :thumbup:



      Kurz nach 12 Uhr gehen wir zum Museum, wo uns wenige Minuten später ein einheimischer Trommeltanz präsentiert wird. Es ist sehr interessant, ihn einmal zu hören und das mitzuerleben, aber ab dem dritten Lied nimmt die Anzahl der Zuschauer deutlich ab, da der Gesang relativ monoton ist und sich die Lieder von der Melodie her doch ziemlich gleichen :/
      Wir bleiben bis zum Schluss und besuchen im Anschluss daran das kleine Museum, in dem wir noch ein wenig von der grönländischen Kultur kennen lernen können – nicht zuletzt durch unseren Ethnologen, der uns zu dem einen oder anderen Ausstellungsstück etwas erzählt.

      So sehen wir über einem Foto des letzten grönländischen Schamanen ein ostgrönländisches Kajak vom Anfang des 20. Jahrhunderts hängen.
      Über Tupilaks – kultischen Figuren, die Mythen, aber auch den Alltag der Inuit darstellen – hängen Masken, die es nur in Ostgrönland gibt. Sie dienen dazu, sich gegenseitig zu erschrecken, um hinterher ins Gespräch zu kommen :huh:
      Die grönländische Kultur kennt bei Auseinandersetzungen keine Gewalt, sondern es findet ein sogenannter Lachwettkampf statt, bei dem sich die Rivalen gegenseitig vor allen Einwohnern des Ortes verspotten müssen. Das Publikum entscheidet, wer der Sieger ist (d.h. wer es am meisten zum Lachen gebracht hat). Das Erschrecken soll dazu dienen, Spannungen bereits im Keim zu ersticken.

      Außerdem sehen wir noch den Kiefer eines Narwals mit 2 Stoßzähnen.



      Wir werfen noch einen Blick in den Supermarkt (der alles bietet was man zum Leben braucht einschließlich frischem Obst und Papiertaschentüchern) und gehen gegen 13:15 Uhr, eine Viertelstunde vor Landgangsende, wieder an Bord.
      Nach dem anschließenden Mittagessen können wir noch eine Zeitlang Eisberge beobachten, bis wir immer weiter aufs offene Meer hinaus fahren, aber immer parallel zur Küste :)
      Um 16 Uhr ist wieder Kaffeezeit, gefolgt von einem Vortrag über die Seevögel, die nur zum Brüten an Land kommen.

      Knapp 2 Stunden lang können wir noch die Beine hochlegen, bevor wir wieder zum „Wissen vor Sieben“ müssen, in dem es noch einmal ausführlich Informationen zu Schlitten und den dazugehörigen Hunden gibt sowie einen Ausblick auf die nächsten beiden Tage :search_1:
      Übergangslos geht es weiter zum Köche-Abendessen. Natürlich wird jede Mahlzeit von Köchen zubereitet, aber heute Abend hat sich jeder der insgesamt 9 Köche an Bord ein besonderes Essen einfallen lassen, und vor dem Dessert wird jeder dieser Köche auch vorgestellt :thumbup:
      Beim Betreten des Restaurants erwartet mich noch eine Überraschung. Da ich ja am Vortag nicht zum Essen kommen konnte, ist mein Platz vorsorglich heute (statt wie üblicherweise für 3 Gänge) für deren 8 gedeckt worden 8| Entweder ich mache so einen verfressenen Eindruck, oder unsere guten Feen wollen verhindern, dass ich vom Fleisch falle. Ich gehe einmal von letzterem aus :D :whistle3:

      Beim Verlassen des Restaurants stehen an insgesamt 6 Stehtischen wahre Batterien von Flaschen und Gläsern parat, denn viele der Offiziere und Köche stehen für einen Plausch bei diversen Schnäpsen und Obstlern – natürlich kostenlos – zur Verfügung :|
      An dem Wodkastand kommen wir nicht vorbei, aber danach verabschieden wir uns in den Club, wo wir den Tag gemütlich ausklingen lassen :beer:
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


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    • Und schon wieder ist mir das mit dem Datum passiert ;)
      Deine Fotos und die dazugehörige Beschreibung vermitteln mir das Gefühl dabei gewesen zu sein. :)
      Liebe Grüße, Karin
      :flower:
      Wende dein Gesicht der Sonne zu und deinen Rücken dem Sturm
      -Keltisches Sprichwort-
    • Samstag, 27. Juli 2019 – Tag 18 (Teil 1)

      Ein Besuch im Landesinneren

      Der erste Punkt im Tagesprogramm beginnt um 5 Uhr, eine Stunde nach Sonnenaufgang ;( Da es sich nicht um einen Pflichttermin handelt, könnte man ihn natürlich ignorieren, aber er weist auf die Einfahrt in den malerischen Skjoldungensund hin, der einmal rund um die gleichnamige Insel führt, und in dem wir den größten Teil des heutigen Tages verbringen werden :hmm:
      Da wir nicht wissen, ob wir noch einmal hierhin kommen, stelle ich mir den Wecker auf 4:45 Uhr. Dass ich 2 Minuten vorher wach bin, brauche ich hier nicht näher auszuführen :D

      Um 5 Uhr stehe ich draußen. Wir sind bereits vor einiger Zeit in den Sund eingefahren; vom Meer ist nichts mehr zu sehen. Statt dessen Steilhänge und Wasserfälle, die ansatzlos aus den Wolken erscheinen :huh: Dazu Eisberge in allen möglichen Formen. Ein paar Minuten später kann man auch ein paar Bergspitzen erahnen, bevor sie wieder in den Wolken verschwinden :|
      Ich kann mich gar nicht entscheiden, auf welcher Seite ich schauen will; immer wieder tauchen auf beiden Seiten interessante Formen und Farben auf :/



      Zwischendurch gehe ich in die Kabine, Göga wecken, und dann ist es auch schon Zeit zum Frühstücken; heute erstaunlicherweise schon ab 6:30 Uhr :thumbup:
      Jeder Gang zum Buffet führt automatisch übers Deck, denn hinter jeder Kurve sieht es anders aus :whistle3:



      Nach dem Frühstück gehe ich nach vorne, da wir uns langsam aber sicher unserer Anlandungsstelle nähern. Überall sind Eisschollen zu sehen. Ich habe auf einmal das Gefühl, dass auf einer Scholle ein dunkler Fleck ist :hmm: Ein Baumstamm auf Eis? Schnell noch einmal hingeschaut, und ich sehe eine junge Robbe, die sich auf einer Scholle räkelt. Ich bin froh, dass ich die Kamera schon in der Hand habe, denn sie schaut nur kurz auf, dreht sich um und schon ist sie im Wasser verschwunden :S



      Da bin ich zufällig mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen :thumbsup:

      Die MS Bremen geht nun im nordwestlichsten Punkt des Sunds vor Anker. Die Zodiacs werden zu Wasser gelassen, und die Fahrer drehen ein paar Slalomrunden um die Eisberge.



      Wir sind heute in der letzten Gruppe, daher können wir uns das alles ganz in Ruhe anschauen.
      Um 10:15 Uhr werden wir dann endlich auch übergesetzt und dürfen eine Stunde lang die Gegend erkunden. Nach links geht es zu einem kleinen Aussichtspunkt, nach rechts ins Dronning-Marie-Tal. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass wir nach links bis zum Gletscher weiterlaufen dürfen, aber das Gelände ist dann doch zu unwegsam und die Gefahr von versteckten Eisbären zu groß :pardon:
      Göga und ich teilen uns wieder auf. Ich gehe nach links auf den Aussichtshügel, wobei es immer wieder schöne Ausblicke gibt.



      Die Berge steigen auf allen Seiten bis in Höhen von knapp 1.900 Metern empor :|



      Natürlich sehen wir auch Niviarsiaq, das arktische Weidenröschen – die grönländische Nationalblume :thumbup:



      Oben angekommen ist der Blick auf den Gletscher nicht sehr eindrucksvoll, so gehe ich rasch zurück und weiter in die andere Richtung. Je näher ich der Flussmündung komme, desto mehr Pflanzen gibt es zu entdecken ^^



      Unterwegs treffe ich Göga, die sich in Richtung Landungsstelle orientiert. Ich gehe noch ein paar Schritte in die andere Richtung :locomotive:
      Am Fluss angekommen reicht die Zeit gerade noch für einen kurzen Blick ins Landesinnere. Leider hängen die Wolken immer noch sehr tief, denn hier gibt es eindrucksvolle Felsnadeln – aber halt nicht für uns :( Vielleicht ein Grund fürs Wiederkommen? :hmm:



      Auf dem Rückweg bietet sich mir ein schöner Blick über den menschenleeren Strand :rolleyes:



      Wenig später hole ich Göga wieder ein und wir erreichen gerade noch das letzte Zodiac. Da wir nicht zum Gletscher laufen konnten, fahren wir nun einen Umweg zum Schiff zurück :thumbsup:
      Der Blick ist deutlich eindrucksvoller als er vom Aussichtspunkt gewesen ist.



      Das Kalb treibt noch nicht lange im Wasser (wenn der Gletscher kalbt, entsteht doch ein Kalb, oder? :whistle3: )



      Dann drehen wir langsam ab, und wir fahren durch das Eisfeld zurück zur MS Bremen ^^



      Gegen 12:15 Uhr sind wir wieder an Bord und ziehen uns erst einmal um fürs Mittagessen.
      Das dauert ein wenig, deshalb heißt es


      Fortsetzung folgt
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


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    • Samstag, 27. Juli 2019 – Tag 18 (Teil 2)

      Ein Besuch im Landesinneren (Fortsetzung)

      Als wir wieder an Deck kommen, hat sich das Schiff gerade in Bewegung gesetzt. So können wir noch einen Blick zurück ins Dronning-Marie-Tal werfen :)



      Wir begeben uns aufs Achterdeck, denn passend zum Wetter (10 Grad, Windstille und inzwischen sonnig) findet das Mittagessen heute in Form einer „Pølser Party“ draußen statt :essen:
      Es sind verschiedene Stände aufgebaut, an denen es Gulaschsuppe, Hot Dogs in allen möglichen Varianten und Fettgebackenes gibt. Die Getränke werden in der Form von Freibier und Schnäpsen dazu direkt an den (Steh-) Tisch gebracht :beer:
      Beim Essen können wir noch einen Blick auf den Gletscher werfen, den wir vor einer guten halben Stunde noch besucht haben.



      Während die Essensstände wieder abgebaut werden, bleiben wir direkt draußen und lassen die Landschaft im westlichen Skjoldungensund an uns vorüberziehen :rolleyes:



      Gegen 14:15 Uhr passieren wir die 1938 gegründete Siedlung Skjoldungen, die sich gut getarnt zwischen den Felsen versteckt 8|



      Diese Siedlung ist auf den Überresten einer jahrhundertealten Besiedlung von 150 aus Tasiilaq ausgewanderten Inuit gegründet worden. Sie wurde 1965 im Rahmen der von Kopenhagen vorgegebenen Zentralisierung der Inuit wieder aufgegeben :pardon:

      Der Sund wird breiter, die Eisberge größer ^^



      Dann, gegen 14:30 Uhr, erreichen wir wieder das offene Meer und wenden uns gen Süden.



      Am Ufer können wir gestrandete Eisberge in den bizarrsten Formen und Farben beobachten :love:



      Die See wird bewegter, das Schiff auch. Aufgrund der vielen Eisberge werden die Stabilisatoren nicht ausgefahren, denn bei der Geschwindigkeit des Schiffs (12 – 15 Knoten) können selbst kleine Eisbröckchen selbige beschädigen :nono:

      Dieses Jahr gibt es relativ wenig Eis. Im Vorjahr soll es hier noch eine geschlossene Eisdecke gegeben haben (kein Packeis, sondern ein Meer von Eisschollen), aber auch so können wir beeindruckende Eisberge beobachten :thumbup:



      In ganz seltenen Momenten zeigen sich auch einmal die Bergspitzen. Wahrscheinlich wollen sie kurz schauen, wer ihre Ruhe stört :whistle3:



      Wir können wieder jede Menge Seevögel beobachten.



      Nun folgen wir dem Verlauf der Küste mit einem Abstand von 15 bis 20 Seemeilen.



      Noch ein letzter Panoramablick, und wir verziehen uns wieder unter Deck – Kaffeezeit :D



      Heute wollen wir uns allerdings nicht nur Kaffee und Kuchen widmen, sondern auch die Expertensprechstunde ausnutzen. Immer zur Kaffeezeit sitzen alle Mitglieder des Expeditionsteams im Club und stehen den Passagieren für Fragen zur Verfügung :thumbup:
      Wir haben am Vormittag unsere Fotos durchforstet und viele Blumen- und Tierfotos selektiert, die wir nun bestimmen lassen.

      Im Anschluss daran hören (und sehen) wir uns den Vortrag „Das wundersame Reich des Meereises“ an, in dem wir viel über Eis und dessen Rolle im Klimawandel lernen :)
      Anschließend verziehe ich mich noch einmal auf das obere Aussichtsdeck in die Sonne und lasse die zerklüftete grönländische Küste an mir vorüberziehen :locomotive:
      Um 18:30 Uhr gibt es ein halbstündiges Konzert mit dem Titel „1685“. Dahinter verbergen sich die Komponisten Scarlatti, Bach und Händel, die alle in diesem Jahr geboren worden sind.
      Mit Zugaben dauert das Konzert bis 19:15 Uhr; gut dass die Mitarbeiter im Restaurant die Verspätungen bereits gewohnt sind :D

      Im Anschluss ans Abendessen suchen wir uns wieder einen Platz im Club, aber erst nachdem wir einen kleinen Umweg übers Außendeck genommen haben.



      Heute gibt es einen „Talk im Club“, bei dem der Kapitän, der Hoteldirektor sowie der Expeditionsleiter über die Organisation der Reise und die notwendige Logistik Auskunft geben. So erfahren wir neben den bei der Reise bisher verbrauchten Alkoholmengen (u.a. 1.185 Flaschen Wein) und Eiern (über 8.000) auch, welche Vorräte nie zur Neige gehen dürfen: Toilettenpapier und der Reis für den philippinischen Teil der Crew :/
      Interessant ist aber auch, dass die Vorräte i.d.R. mit 3 Monaten Vorlauf bestellt werden müssen, da die Einkäufe für alle Schiffe über die Zentrale in Hamburg koordiniert werden. Langlebige Güter werden per Schiff im Container an den Hafen gebracht, in dem die Waren an Bord gebracht werden sollen. Frische Waren werden ebenfalls mit einem langen Vorlauf bestellt und von lokalen Händlern an die kleineren Häfen geliefert :thumbup:

      Nach einer guten Stunde ist die Veranstaltung zu Ende. Draußen neigt sich die blaue Stunde bereits ihrem Ende zu. Wir sind jetzt so weit im Süden (ungefähr auf dem gleichen Breitengrad wie Ålesund ), dass wir heute erstmals auf dieser Reise für ein paar Stunden eine „richtige“ Nacht haben werden :|
      Das nutzen wir auch aus, denn langsam machen sich das frühe Aufstehen und die viele Zeit an der frischen Luft bemerkbar – und am nächsten Morgen „müssen“ wir ja schon wieder früh aufstehen. Und die Tage haben ja seit heute wieder 24 Stunden – die Zeitverschiebung ist vorbei :huh:
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


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    • Sonntag, 28. Juli 2019 – Tag 19 (Teil 1)

      Von Ost nach West, vom Gletscher über Patagonien zum Wellenbad

      Heute fahren wir wieder durch einen Sund, allerdings später als am Vortag. Laut Tagesprogramm erreichen wir die Einfahrt um 6:30 Uhr (wie am Vortag 1½ Stunden vor dem Frühstück), so dass ich mir den Wecker auf 6 Uhr gestellt habe :sleeping:
      Ich bin allerdings bereits eine halbe Stunde früher wach und schaue erst einmal aus dem Fenster. Leider hat der Wetterbericht recht – es schüttet wie aus Eimern X/
      Dennoch stehe ich auf, denn der Sund soll zu den landschaftlich schönsten Strecken der Fahrt gehören.
      Um 6 Uhr stehe ich draußen (gut dass das Achterdeck überdacht ist :D ), gerade rechtzeitig um die Einfahrt zu erleben. Allerdings sind außer grauen Felsen nur auf der Backbordseite einige Antennen zu sehen, die zu einer dänischen Wetterstation gehören :/
      Ich gehe wieder in die Kabine, um Göga zu wecken, denn sie möchte die Einfahrt auch bei Regen erleben. Kaum wieder an Deck fängt dann die Wasserfall-Parade an, die natürlich bei diesem Wetter ihr bestes gibt ^^



      Später sehen wir dann auch einen schwarzen Wasserfall – oder ist das ein Spalt im Fels? Aber wieso verläuft dann am Rand ein richtiger Wasserfall ?(



      Wir sind etwas irritiert, erfahren aber später die Auflösung: bei dem schwarzen Balken handelt es sich um sogenanntes Ganggestein. Hier hat sich vor rund 2,1 Mrd. Jahren ein Lavapfropfen durch das ca. 100.000 Jahre ältere Gestein gebohrt :)

      Nun dauert es nicht mehr lange, bis das Frühstücksbuffet eröffnet wird. Kaum sitzen wir drinnen, sehen wir nur noch blau-weiß: Wir überholen einen riesigen Tafel-Eisberg 8|



      Die Berge an Backbord überschreiten inzwischen die 1.000-Meter-Marke.



      Der Regen hat deutlich nachgelassen; anscheinend sind die Berge inzwischen hoch genug, um die meisten Regenwolken abzuhalten :thumbup:

      Wir können uns gar nicht entscheiden, ob die Wasserfälle oder die Berge beeindruckender sind :/



      Gegen 9 Uhr erreichen wir Igdlorrsuit Havn, wo die MS Bremen vor Anker geht.



      Die Ausschiffung findet hier nicht ganz nach den eingeteilten Gruppen statt. Es gibt eine Wandergruppe (für die eine Anmeldung am Vorabend erforderlich gewesen ist), die als erste übergesetzt wird. Ziel ist ein Gletscher, allerdings wird bereits bei der Beschreibung der Route darauf hingewiesen, dass es auf der rund 4 Kilometer langen Strecke einige leichte Kletterpassagen zu bewältigen gilt. Wem es zu viel wird, der dürfe aber umkehren :|
      So steigen gegen 9:45 Uhr rund 40 Wanderer in die Zodiacs, um sich von einem Guide und 2 Eisbärwächtern zum Gletscher geleiten zu lassen.
      Wir werden vorsorglich darauf hingewiesen, dass um 13 Uhr das letzte Boot zurück zum Schiff geht.

      Die Gruppe folgt einem Eisbärwächter, dem Guide und dem Fluss :locomotive:
      Es gibt keinen Weg, statt dessen laufen wir über dicke Moos- und Flechtenpolster, gesäumt von üppiger Vegetation.



      Der Fluss wird langsam wilder; jetzt sieht man auch an der Farbe, dass es sich um einen Gletscherabfluss handelt ;)



      An den vereinzelt herumliegenden Felsbrocken erkennen wir, dass der Gletscher früher bis hierher ging :huh:



      Ich halte mich immer ziemlich am Ende der Gruppe, denn dann habe ich die Chance Fotos nach hinten ohne blaue Punkte zu machen :D Bei den ersten Kletterpassagen hat aber auch die Nachhut schnell aufgeschlossen. Nun wirkt sich leider auch die erste Fehlinformation der Reise aus: Die ersten Wanderer möchten lieber hierbleiben oder umkehren. da wir uns aber immer noch im Eisbärgebiet befinden, ist das leider doch nicht möglich, und alle müssen mit :pardon:
      Als wir nach gut 70 Minuten am Fuß des Gletschers ankommen, sind aber alle Wehwehchen vergessen :D



      Wir haben nun eine Viertelstunde Zeit, uns frei auf dem Gletscher zu bewegen, natürlich vorsichtig. Er ist aber gut mit Split gestreut, so dass wir zumindest nicht wegrutschen können :thumbup:



      Allerdings gibt es immer wieder kleine Löcher und Spalten, durch die man bis zum Grund sehen kann, und der ist bereits hier, ganz am Beginn des Gletschers, 5 – 8 Meter entfernt 8|
      Die Viertelstunde ist viel zu schnell vorbei, und es geht im gleichen Tempo wieder zurück.

      Nachdem ich die Kletterpassagen in der ersten Gruppe hinter mich gebracht habe lasse ich mich wieder zurückfallen und kann beruhigt Fotos nach hinten und zur Seite machen.
      Auf halbem Rückweg zur Anlandungsstelle ist der Blick wie in den Yosemite-Nationalpark recht eindrucksvoll. Ich habe aber nicht in Erfahrung bringen können, ob die Wand dieses El Capitan bereits durchstiegen worden ist :hmm:



      Hier wird klar, warum das arktische Weidenröschen die grönländische Nationalblume ist :rolleyes:



      Trotz Nieselregens ist diese Wanderung ein einmaliges Erlebnis, genau wie diese Aussicht :8o:



      In der Viertelstunde, die uns noch bis zum letzten Boot verbleibt, würde ich nicht mehr viel Neues zu sehen bekommen. Deswegen fahre ich direkt zurück zum Schiff und wärme mich ein wenig auf, gefolgt vom Mittagessen :essen:

      Das dauert jetzt doch wieder eine Weile, weswegen es erneut heißt


      Fortsetzung folgt
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


    • @Noschwefi, ihr seid ja an Skjoldungen vorbeigefahren.
      Bei meiner Fahrt mit der Fram im September 2010 von Island bis Halifax war das die erste Anlandung in Grönland.
      Trotz schönstem Herbstwetter war es gespenstisch, durch dieses Geisterdorf mit all seinen Hinterlassenschaften zu gehen.
      Alles sah nach einem überstürzten Aufbruch vor über 40 Jahren aus.
      Es wurde uns drastisch vor Augen geführt, was die dänische Regierung damals angerichtet hat.










      Viele Grüße

      omlia
    • Sonntag, 28. Juli 2019 – Tag 19 (Teil 2)

      Von Ost nach West, vom Gletscher über Patagonien zum Wellenbad (Fortsetzung)

      Gegen 14 Uhr haben wir den ersten Teil des Prins-Christian-Sunds hinter uns gelassen und biegen vom Ikerassuaq in den Imarsuaq ein :whistle3: Unmittelbar danach geht es „die erste rechts ab“ und wir landen im Ilua, einer großen Wasserfläche, in der sich 3 Fjorde und 2 Sunde treffen, beherrscht von einer knapp 1.000 Meter hohen Felswand 8|



      Am Fuße dieses Berges befindet sich der kleine Ort Aappilattoq mit 160 Einwohnern, die vom Fischfang und der Robbenjagd leben :/



      Ich mag gar nicht daran denken, wie sich die Inuit fühlen müssen, wenn sich eine große Touristenherde durch den Ort schiebt, so wie es @Marihøna hier beschreibt ;(
      Tiere im Zoo haben mehr Privatsphäre :hmm:

      Wir halten Abstand vom Ort und erreichen wenig später den Torsukattak-Fjord, dem wir nach Süden folgen.



      Die Landschaft wird von Minute zu Minute rauer. Durch die Wolken und den Neuschnee wirkt sie wie aus einer anderen Welt :|



      Die Spitzen sind hier bis zu 1.750 Meter hoch. Da fühlt man sich richtig klein, wenn man nach oben schaut und staunt :huh:



      Gegen 15 Uhr weitet sich das Tal.



      Wenig später zeigen sich wieder flachere Hänge, und die Bergspitzen grüßen nur noch aus der zweiten Reihe :|



      Dann haben wir auch schon das offene Meer und den südlichsten Punkt unserer Reise sowie Westgrönland erreicht: 59° 57,9‘ Nord (und damit südlicher als Bergen :huh: ). Langsam erhält das Schiff Bewegung, denn am Vorabend hat hier noch ein heftiger Sturm getobt, dessen Regenfront wir ja am Morgen durchquert haben :S
      Wir lassen uns dennoch Kaffee und Kuchen schmecken und begeben uns trotz strahlendem Sonnenschein in den Vortrag „… ohne Frauen geht es nicht“, in dem unser Bord-Ethnologe sehr engagiert über Familie, Geschlechterrollen und die soziale Organisation der Inuit erzählt :thumbup:
      Neben der Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen erzählt er auch über die Aufteilung der Beute nach einem erfolgreichen Fang. Der Jäger darf 1/8 der Beute behalten, nachdem sich alle anderen Bewohner des Dorfs in einer festgelegten Reihenfolge bedient haben. Auf diese Weise braucht keiner zu hungern. Nachdem (fast) alle im Publikum ihre Zustimmung zu dieser Art der Aufteilung signalisiert haben, kam noch der Nachsatz man möge sich doch bitte einmal den Steuersatz ausrechnen :whistle3:

      Ich bin froh, dass der Seegang bereits am Morgen angekündigt worden ist und ich daher zum Mittagessen eine kleine weiße Pille eingeworfen habe, die ich noch aus Norwegen habe. Während des Vortrags geht es trotz Sonnenschein und wenig Wind ordentlich rauf und runter; der eine oder andere Passagier verlässt den Vortrag auch vorzeitig <X
      Hinterher suche ich das Panoramadeck auf und werfe einen Blick auf die Südwestküste, während Göga in der Kabine die Beine lang macht.



      Ein Deck tiefer höre ich die ganze Zeit ein Gluckern und Zischen ?( Als ich wieder hinuntersteige sehe ich auch warum:



      Ich drehe noch eine Runde über das Umlaufdeck. Auf dem Achterdeck habe ich zeitweise Probleme, mich ohne Festhalten auf den Beinen zu halten :/



      Nun wird es schon wieder Zeit reinzugehen, denn im „Wissen vor sieben“ erwarten uns noch viele Informationen. So erfahren wir, dass in Grönland die ältesten Gesteine der Erde zu finden sind, dass dieses Gestein aber durch eine Schneise Vulkangestein zweigeteilt ist.
      In den nächsten 10 Minuten erfahren wir, wie Treibholz aus Sibirien nach Spitzbergen und weiter bis Grönland kommt und wie Eisbären es bis Südgrönland schaffen.
      Weiter geht es mit der Besiedlungsgeschichte Grönlands, die – aus Kanada kommend – an der Nordküste der Insel begonnen hat und sich entlang der Küsten weiter nach Süden ausgedehnt hat.
      Zum Abschluss gibt es dann noch einen Ausblick auf den Folgetag und was wir während der geplanten Anlandung unternehmen können.
      Obwohl diesmal 45 Minuten (statt der üblichen halben Stunde) angesetzt sind, werden wir wieder zu spät zum Abendessen entlassen, das wir dennoch in aller Ruhe genießen :)

      Da wir in gerader Linie auf den westlichen Rand von Nunarsuit, einer weit in die Labradorsee hineinragende Halbinsel, zuhalten entfernen wir uns immer weiter vom Land.
      Das tut der Stimmung beim Sonnenuntergang aber keinen Abbruch :rolleyes:

      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


    • Huhu Stefan,

      nun habe ich endlich deinen wunderbaren Reisebericht komplett durchgelesen und die Fotos bestaunt.
      Wunder-, wunderschön *HerzchenindenAugen* Ich bin echt neidisch, aber es sei euch gegönnt
      Vielleicht schaffen wir das ja auch eines Tages mal endlich.
      Ich freu mich auf die Fortsetzungen....

      Edit: nach jahrelanger Forumsabstinenz weiß ich leider nicht mehr, wie ich hier Smileys einfügen kann....ich dachte, unter "erweiterter Antwort", aber da is nix *grübel*
      Liebe Grüße
      little.point Claudia

      :ilhr:

      Meine Reiseberichte: siehe Profil