Klärli auf Reise: auf nach Grönland auf der MS Deutschland 4.-26.8.19

    • 2019
    • Livebericht
    • Tag 5: Seetag
      Grüezi miteinander,

      glauben Sie nur nicht, ich hätte Sie vergessen, so leicht kommen Sie mir nicht davon, aber weil Seetage ja so langweilig sind, wenn man sich wie Freihalters einfach nur mit entspannen beschäftigt, habe ich ein Anti-Langeweile-Programm für mich zusammengestellt und versucht an einem Tag alle Mahlzeiten und alle Darbietungen unterzubringen. Ich sag nur soviel: der Tag war länger als ich lustig war und ich möchte nicht mehr darüber reden!

      Tag 6: Prins Christian Sund


      Heute morgen war ja die Freihalterin in aller Herrgottsfrühe wieder auf dem Schiff unterwegs auf der Suche nach Kaffee. Ohne den ist sie sogar mir zu ruhig, aber heute morgen war sie ja mal wieder total überdreht und aufgekratzt. Ich habe das erst gar nicht verstanden, denn Häfen standen nicht auf dem Plan, und "Prins Christian Sund-Passage" bestimmt auch nur so ein "wir müssen was aufs Programm schreiben!"-Punkt. Dann hat mich aber die Freihalterin plötzlich am Ärmel gezogen, ich solle schauen kommen - und was soll ich sagen: da war plötzlich Land. Neblig, grau, aber unverkennbar Land. Und Eisberge, richtige, echte Eisberge!



      Und dahinter so ein Einschnitt, wo sie behauptete, dass wir da jetzt dann gleich reinfahren bis auf die andere Seite von Grönland. So einen Kabis muss sie mir ja nicht erzählen wollen, also alles glaube ich dann auch nicht, das habe ich dann auch laut und deutlich klargestellt. Leider hat es dann doch gestimmt, und wir sind da hinein gefahren und dann - ich weiss gar nicht, wie ich das beschreiben soll - in der Mitte türkisblaues Wasser mit Eisbergen drin, links und rechts Berge so hoch wie die Schweizer Alpen, immer wieder Gletscher, die vom Inlandeis kommen und darüber plötzlich Sonne und strahlend blauer Himmel. SO SCHÖN! So wunderschön! Also manchmal ist es also schon noch gut, wenn die Freihalterin recht hat. Aber sagen Sie ihr das bloss nicht, sonst bildet sie sich darauf auch noch etwas ein! Wir fuhren da also so schön entlang, als ein Doppelbing über die Lautsprecher ankündigte, dass gleich eine Ankündigung kommt. Der Kapitän hat dann gesagt, dass er uns mit dem Schiff vor so einen Gletscher bringt, das hat er dann auch gemacht. Scheint also wirklich einer zu sein, der das mit dem kapitänen kann!



      Und kaum haben wir uns darüber wieder beruhigt, kam das nächste Doppelbing und die Freihalterin ist förmlich eskaliert - es gab da im Sund eine Ansiedlung, wo wir anlanden sollten. Ich hab mich dann erinnert, was ich an dem Tag, an den ich nicht erinnert werden will, im Vortrag gehört habe - und bin dann auch so ein bisschen eskaliert, aber natürlich nur dezent, wer bin ich denn! (S Klärli, um genau zu sein!)



      Es war also schon ganz besonders, in Aappilattoq an Land zu gehen, wo nur ganz wenige Menschen leben. Die Häuser haben ausgesehen, als hätte sie einer zufällig über die Gegend verteilt, die Menschen haben uns genauso interessiert angeschaut wie wir sie, aber sonst gab's da ja nichts, weder einen Laden noch ein Café, aber da ich den Freihalters hinterhergelaufen und -geklettert bin, habe ich die Robben und den Finnwal in der Bucht auch gesehen - und sind wir ehrlich: das ist also schon besser als jeder Laden (auch wenn ich das mit dem Shopping noch nicht aufgegeben habe!) Und ich habe ganz viele schöne Blumen gesehen (wie sie heissen, fragen Sie besser die Freihalterin, die Besserwisserin) und am Seil zum Trocknen aufgehängter Fisch. Die Zeit im Ort ging also viel zu schnell vorüber und wir mussten wieder aufs Schiff, obwohl wir noch gar nicht abfahren konnte, sondern erst ein anderes Schiff durchlassen mussten - AidaCara stand da drauf, das war aber grösser als wir, und nicht so schön, auch wenn es vorne so bunt bemalt war.

      Der Tag ist noch nicht ganz vorbei, aber lassen Sie es sich gesagt sein: das Klärli hat für heute genug gesehen, das muss ich auch erst mal verarbeiten, denn das war eigentlich alles "der füdliblutte Wahnsinn! (füdliblutt= enorm, extrem /Anm.d.Red.) Ich glaube, ich brauche einen Seetag, aber einen freihalterischen!

      Haben Sie es gut, wir lesen uns hoffentlich wieder!

      Ihr Klärli Bünzli, jetzt im Westen von Grönland!
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3
    • Marihøna wrote:

      in Aappilattoq an Land zu gehen


      Leider hat wir das Glück damals nicht, es war zu stürmisch um die Paxe mit den Zodiacs an Land zu bringen. :pardon:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • Zitat : der Tag war länger als ich lustig war ! :lol: Der Spruch ist bei mir im Kopf gespeichert - danke Klärli, für eine herrliche Umschreibung eines langen anstrengenden Tages.
      Die Beschreibung der Reise gefällt mir gut. Gern weiter so.
      Lynghei

    • Marihøna wrote:

      immer wieder Gletscher, die vom Inlandeis kommen

      Marihøna wrote:

      wie sie heissen, fragen Sie besser die Freihalterin, die Besserwisserin


      Liebes Klärli,
      Gletscher gibt es dort wirklich jede Menge, aber wo die Ursprünge sind hättest du lieber mal die Besserwisserin Freihalterin gefragt. Die hätte dir sicher gesagt, dass das Inlandseis nicht so weit in den Süden reicht ;)

      Trotzdem vielen Dank für den für deine Verhältnisse extrem enthusiastischen Bericht, vielleicht lässt sich das ja noch steigern ^^

      Viele Grüße
      Noschwefi
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


    • Tag 7: Qaqortoq/Narsaq

      Grüezi allerseits,

      in Qaqortoq war ganz früh aufstehen auf dem Plan, denn der erste Ausflug hat schon kurz nach sieben begonnen, und ich war natürlich in diese Gruppe eingeteilt. Ich hab mich aber nicht lang geärgert, denn das war also im Fall schon schön, dieser Spaziergang durch den Ort, und ich hab gelernt, dass hier der einzige Brunnen Grönlands steht, seh hübsch mit 3 Delphinen, und bei diesem Traumwetter, das wir ja wieder hatten, wäre ich gerne da etwas sitzen geblieben, aber dafür war keine Zeit. Dafür weiss ich jetzt, dass der Ort 3200 Einwohner hat und der Name " die Weisse" bedeutet wegen der vielen Eisberge in der Bucht, dass die Erlöserkiruche in Norwegen gebaut, zerlegt, hierhergebracht und wieder aufgebaut wurde, dass in der Gerberei hier die Robbenfelle verarbeitet werden. Sie haben noch viel mehr erzählt über den Ort, aber das kann man sich ja nicht alles merken, schauen Sie halt selber nach, einfach dieses Guugel öffnen und Qaqortoq eintippen - ich muss Ihnen ja auch nicht alles abnehmen. Danach waren dann auch Freihalters auf und ich habe mich ihnen angeschlossen auf ihrem Spaziergang, der eigentlich viel entspannter war. Mit ihnen habe ich junge Entchen gesehen, die Bootstankstelle gefunden und den Grönländern zugeschaut, wie sie sich mit Kind und Kegel auf ihren Sonntagsausflug aufs Meer begeben haben.
      Das war ein richtig hübscher Ort hier, mit ganz netten Menschen, schönen Blumen und selbst ich, das Klärli, war so entspannt, dass ich mich unter leisem Kichern mit Freihalters auf einem Bootssteg auf den Boden gesetzt habe mit der Feststellung, dass der Preis für Eleganz heute nicht an uns geht, aber hier kennt mich ja zu Glück keiner ausser den beiden, und die haben sich ja mit amüsiert, wie wir versucht haben, unser Knochen geordnet auf den Boden zu bringen. Bald darauf ging es leider schon wieder weiter nach Narsaq wir hätten doch wirklich noch etwas bleiben können!



      Na gut, der Kapitän wusste mal wieder genau, was er tut - die Fahrt dahin war ja sowas von schön, immer wieder Eisberge und Eisschollen, das Wasser war türkis, der Himmel blau, die Eisberge weiss und blau und türkis - ich kann Ihnen also sagen, das war prächtig! Im Ort gab es sogar eine Pier, an der wir anlegten, und es wurde dann gesagt, das sei die wohl kürzeste Pier, an der die MS Deutschland je lag. Der Ort war einfach nur schön. Es war, als hätte jemand über eine sanfte Hügellandschaft bunte Häuschen gefällig verteilt, ein paar höhere Felsen als Aussichtspunkte dazugegeben, und das alles mit vielen Blumen und Pflanzen dekoriert - wie im Bilderbuch, so schön!


      Ich hätte ja nun wirklich nicht erwartet, hier so etwas Schönes zu finden, und auch wenn ich Anfangs der Reise dachte, dass das wieder so eine Freihalters-Beaufsichtungs-Reise wird, bin ich unterdessen ganz einfach nur noch das Klärli Bünzli aus der Schweiz, das ein Land kennenlernt, das mir so fremd ist und das doch so voller schöner Eindrücke steckt! Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, also wirklich! Es kommt mir manchmal sogar so vor, als wenn ich in all der Schönheit meine spitze Zunge verloren hätte, aber die Freihalterin hat gesagt, sie würde sich noch nicht zu fest freuen, die käme bestimmt wieder!? Manchmal ist sie ja so einfühlsam wie ein Trampeltier.



      Mit unglaublich schöner Abendstimmung ging der Tag zu Ende und ich war ganz froh darüber, viel mehr Erlebnis hätte ich wohl nicht mehr aushalten können auf einmal!

      Tag 8: Ivittuutt & Kangilinnguit

      Reiseprogramme sind der Plan A, und natürlich haben die Scheffs hier auch einen Plan B. Wir waren heute morgen bei Plan D, der einen Landgang in Ivittuut vorsah, wo eine verlassene Mine, wenige Häuser und sonst nicht viel ist.



      Das fiel dann aber aus, denn dort, wo der Holzponton sein sollte für die Tenderboote, war: nichts. Der war nicht mehr da, und weil Ebbe wollten sie uns dann nicht eine 2 m steile glitschige Leiter hochklettern lassen, so ging's direkt zu Plan E, der meinte, in Kangilinnguit, einer verlassenen Militärbasis an die Pier zu gehen. Es wurde dann Plan F, denn die Basis war nicht verlassen, und das andere Expeditionsschiff hatte schon gestern um die Ausnahmegenehmigung gebeten. Wir durften aber doch auch an Land getendert werden. Rechter Hand sind dann alle hingeströmt, weil hinter dem Hügel wohl Moschusochsen hätten sein können. Die sind dann aber wohl alle geflüchtet, als die ganzen Leute kamen... Ich bin mit Freihalter nach links, wo "nichts" sein sollte, aber wir haben da am Strand handgrosse Muscheln, viele kleine Schnecken und über uns einen Seeadler entdeckt, der Herr Freihalter hat wieder Steine geschichtet und es war total entspannt, besonders, wenn ich die Menschenströme auf der anderen Seite der Bucht gesehen habe. Die Militärbasis war übrigens auch nicht viel mehr als ein paar Häuser und Schuppen und ein paar Männer, die in diesen Kleidern herumliefen, die sonst Jugendliche tragen, Kamuflasch heisst das glaube ich....


      Wir haben abgelegt und sind nun auf dem Weg in die Discobucht Diskobucht und ich haben eben gesehen, dass im Bordfernseher "Vom Winde verweht" läuft - und das bedeutet, Scarlett O'Hara und ich werden den Nachmittag gemeinsam um Tara kämpfen!

      Haben Sie es gut, ich habe es sehr gut, und ich sage Ihnen - falls sie noch nie in Grönland waren, das kann ich Ihnen also empfehlen, selbst wenn das mit dem Shopping hier nicht der Rede wert ist!

      Herzlichst, Ihr Klärli, glücklich wie eine Maus, wenn die Katze schläft.

      Nachtrag: ich habe wirklich alles probiert, um die Bilder in den Text zu bekommen und die Überschriften fett, aber das WLAn ist grad ziemlich launisch, und zeigt mir in der Bearbeitung auch nur noch, worauf es grad Lust hat. Vielleicht sind die Fotos wenigstens im Anhang zu sehen, das hoffe ich und bitte Sie ganz fest um Nachsicht - aber immerhin schreibe ich Ihnen von ganz weit weg, wo es ja ein Wunder ist, dass ich überhaupt mit Ihnen schreiben kann!
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      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3

      Post was edited 1 time, last by “Marihøna”: Das Welan und ich waren nicht einig, was wir tun ;-) ().

    • Tag 9: Seetag:

      So ein Seetag, der ist lustig, so ein Seetag, der ist schön *träller*

      Hallo, meine Lieben, bitte entschuldigen Sie, ich bin wohl immer noch etwas aufgedreht von alle dem hier, und ich muss mich also schon zusammennehmen, um nicht die ganze Zeit zu rufen "wunderschön" "toll" "Wahnsinn" - das gäbe ja also schon einen komischen Reisebericht! Darum der Reihe nach. Seetage sind manchmal also schon langweilig, aber der gestern nicht, morgens schon noch, aber dann kam der Tagin Schuss. Am frühen Nachmittag haben wir bei Traumwetter den Polarkreis überfahren, und die Freihalterin glaubt es mir ja wieder nicht, aber ich habe wirklich in dem Moment ein Rumpeln gespürt! Meine Zeitschätzung beim Wettbewerb war aber nicht so gut und ich habe nichts gewonnen, aber wenigstens die Freihalters auch nicht, neben der hätte ich ja nicht mehr wohnen wollen, wenn sie diese Fahne gewonnen hätte. Oder Flagge, wasweissich.



      Und von da an kamen uns immer mehr Eisberge entgegen und immer grössere, ich dachte schon, der Kapitän hat sich verfahren und will zum Nordpol, aber an der Rezeption haben sie mir versichert, wir seien auf dem richtigen Weg. Abends gab's dann Polarkreistaufe, so mit Neptun und Halligalli und eisigem Wind - und getauft wurde man mit Händedruck, neuem Namen (quirlige Krabbe, wer denkt sich sowas bloss aus!) und - natürlich - Vodka. Ich musste dann leider gehen, weil mir zu kalt war, aber vielen anderen war wohl auch zu kalt, die Party war mehr so ein Schulball und schnell aus. Und das war dann auch gut so, denn nach einem also schon noch schönen Sonnenuntergang war dann plözlich auch noch ein Eisberg vor dem Sonnenuntergang zu sehen. Da war ich also mindestens so ergriffen, wie als die Schwester Heidelgunde den Dokter von Hintervorderwaldfluss das erste Mal geküsst hat (in meinem Roman, wissenSie!). Frau Freihalterin meinte, ich solle besser früh ins Bett, der nächste Tag würde mir alles abverlangen. Pffft. Die hat mir GAR NICHTS zu sagen! Es war so nett im Salon, ich hab mir Zeit gelassen....

      Tag 10 Ilullissat:

      Morgens aufwachen, rausschauen - und dann hat das Klärli Bünzli die Augen gerieben, nochmal hingesehen und nochmal - ach, ich sagen Ihnen - aaaaah und ooooh und aaaah!
      Wir waren mitten in den Eisbergen, hinten, vorne, links und rechts, in allen Grössen, und die Sonne schien vom blauen Himmel, und das Wasser glitzerte und Möwen waren da, und ich war schon total erledigt noch vor dem Zmorgen, dabei ging's doch direkt danach in die Stadt.



      Die fand ich dann nicht so besonders, ist halt eine grönländische Grossstadt mit den 5000 Einwohner, aber wenigstens gab es viele nette Geschäfte. Aber ich meine, was sind denn das für Menschen, die ans Shoppen denken in Grönland? Dafür kommt man ja nun wirklich nicht her! Gut, ich ging dann doch mit Freihalters in ihren obligatorischen Supermarktbesuch, ich konnte dann bei einer Rolle von diesen Ballerina-Keksen nicht widerstehen, die hat mir die Freihalterin schon mal zum probieren gegeben, und ich hätte sicher auch noch etwas mehr gekauft, wenn es da drin nicht so fürchterlich heiss gewesen wäre. Auch die Freihalterin, die Wollunterwäsche-Göttin, hat geschwitzt wie verrückt, auch draussen in der Sonne, aber das hätte sie vor mir ja nie zugegeben. Gutgelaunt war sie immerhin und hat alle mit ihrem breiten Grinsen angestrahlt, das war also schon noch ansteckend.



      Weil der Weg von der Anlegestelle bis zur Stadt doch etwas weit war, hat mir ja vor dem Rückweg gegraut, und als wir da so zu dritt standen und überlegten, was wir tun, lud direkt neben uns ein Taxi jemanden aus - also wenn das nicht ein Wink mit dem Zaunpfahl war! So kam ich dazu, in einem Land, in dem das längste Stück Strasse gerade mal 30km lang ist (irgendwie in Kangalussaq oder so), grönländisches Tax gefahren zu sein. Das ist doch irgendwie schon noch lustig, gelled Sie?

      Zurück auf dem Schiff wollte ich dann einfach mal einen Kaffee trinken und Ruhe etwas lesen, weil ich war ja doch schon ziemlich voll mit Eindrücken, so schön ist das hier. Und dann , ja dann, ähm ja, die Freihalterin hatte gestern abend recht. Hier in der Diskobucht, da kommt immer noch einer obendrauf, denn da waren plötzlich DREI WALE vor dem Schiff, ganz ohne Fernglas und Augenzusammenklemmen konnte man sie zwischen dem Eis sehen. Ach Du meine Güte, ich hab ja fast einen Herzschlag bekommen, so war das, die tauchten und kamen wieder und machten Fontänen - wie hiess das nochmal? Atmer - ach nein, Blas, und dann kam die Finne und dann sah man die Fluke und die Freihalterin schrie "es sind Buckelwale!" und ach, und überhaupt! Meine Güte, das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, sowas schönes, und nach diesem Bericht muss ich dann gleich den Ruedi daheim anrufen, das ist mir jetzt aber so gleich, was das kostet, ich platze sonst. Und wahrscheinlich muss ich mich für den Rest vom Tag in meiner Kabine einschliessen, denn mehr vertrage ich also würklich nicht!



      Weil morgen sind wir auch noch hier, meine Güte, das gibt ja noch was. Bootsfahrt zum Eisfjord, ich glaube, ich muss dann meine Medizin mitnehmen, hier weiss man ja wohl würklich nie!

      Ihr seliges Klärli!
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3
    • Da wünsche ich viel Spass und gutes Wetter - wärmer wie auf meiner Fahrt im Februar ist es sicher ;)
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~ Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~
      Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil !


    • Ach liebes Klärli, mir geht das Herz auf wenn ich Ihren Bericht lese. Sie, die so Zurückhaltende, geht ja vollkommen aus sich heraus und ist mehr als total begeistert. Auf Grund der Bilder kann ich Sie aber absolut verstehen. Mir ginge es genau so. Vielen lieben Dank, dass Sie das alles so mit ins teilen :) .
      Grüße aus dem Rheinland

      Berichte sind in meinem Profil
    • Noschwefi wrote:

      Trotzdem vielen Dank für den für deine Verhältnisse extrem enthusiastischen Bericht, vielleicht lässt sich das ja noch steigern

      Geht doch :D

      Vielen Dank fürs Teilhaben-Lassen und viel Spaß beim Cruisen in der Disko-Bucht, das wird ein einmaliges Erlebnis :thumbup:

      Viele Grüße
      Noschwefi
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


    • Hallo liebes Klärli,

      Sie könnten den Freihalters mal ausrichten, falls Sie heute noch Zeit haben, sollten
      sie unbedingt den Weg zu Fuß zum Eisfjord gehen.
      Das ist ein traumhafter Blick wenn man direkt darauf zu geht, die Tundra ist in ganz vielen Farben zusehen am Ende sieht
      man die Eisberge und das Wasser, der schönste Spaziergang den ich je gemacht habe.

      Viele Grüße

      Trondheim
    • Hallo, hier ist Klärli,

      ich wollte doch am Tag 9 eigentlich zu Bett gehen, weil ich dachte, nicht mehr viel mehr Schönheit auszuhalten. Zum Glück hat mich die Freihalterin zurückgehalten, denn der Abend war im Fall sooo schön! Weil das Wetter so ungewöhnlich ruhig und mild war, haben Kapitän und Eislotsen entschieden, dass wir über Nacht in der Bucht liegenbleiben können und uns nicht draussen in Sicherheit bringen müssen - und das war so schön, so friedlich und so so so - ach, wie soll man dafür noch Worte haben! Ich hab schon die Freihalterin gefragt, ob sie mir noch ein paar leihen kann, aber ihr sind auch schon ausgegangen. Aber schauen Sie sich das mal an, das muss einem doch die Sprache verschlagen:



      Wer will denn da noch schlafen, das kann ich ja auch zuhause!

      Tag 10, Ilullissat:


      Als ich am Morgen wachgeworden bin, war ich also schon nicht so ausgeschlafen, aber ich bin ja nicht dafür nach Grönland gekommen. Eigentlich wollte ich nämlich ja nur schauen, was die Freihalterin so treibt, aber so ganz unter uns, das ist mir nun gleich, denn ich, das Klärli Bünzli, treue Ehefrau und rechtschaffene Hausfrau, habe mein Herz an dieses Grönland verloren. Jedenfalls: wo ich aufgestanden bin, war das Wetter etwas bedeckt und alles hat so dramatisch ausgesehen, unglaublich, unbeschreiblich, un- un- un- ach unsagbar halt.

      Und dann die Bootsfahrt zum Eisfjord. Ich dachte ja erst, das ist hinausgeschmissenes Geld, denn grad billig ist sowas ja nicht, und die Boote sind jetzt auch nicht grad luxuriös, aber kaum waren wir drauf und fuhren Richtung Gletscher, habe ich meine Meinung geändert.



      Wir kamen den Eisbergen so nah, und sie hatten so unterschiedliche Formen und Farben, manche waren wie weiche Hügel, manche gefährlich und spitzig, und dann kamen die Wale und machten Schaulaufen.



      Eine Gruppe von Buckelwalen war da, und sie tauchten auf, ab, wieder auf, wieder ab, aber sie verschwanden nie! Ich konnte dann mit eigenen Augen sehen und begreifen, warum sie Buckelwale heissen. Wenn sie nämlich aus dem Wasser kommen, um ganz abzutauchen, dann machen sie vorher mit dem Hinterteil einen Buckel, und dann weiss man genau, jetzt kommt dann gleich der Moment, wo sie ihre Fluke zeigen, die unten im Fall weiss ist. Und dann das Geräusch! Das hätte ich auch nicht gedacht, dass das so imposant tönt, wenn die atmen und dabei diesen Blas machen! Vor lauter Walen beobachten konnte man fast vergessen, wo man ist, aber wenn die Wale mal eine Minute weg waren, sah man beim Auftauchen lauter Eisberge um sich herum. Und einmal sahen wir auch noch eine Flutwelle, weil mit einem Krachen einer ein Stück verloren hatte. Wenn da unser Boot gewesen wäre, dann wär das also blöd ausgegangen. Auf jeden Fall waren die 2 Stunden um wie nichts, und ich sage Ihnen also, das war das Allerallerallerschönste, was ich in meinem ganzen Leben gesehen habe!

      Gegen Abend war es dann Zeit fürs Ablegen, zum Abschied kamen dann noch zwei der Wale vorbei und haben nochmal geblast und gefinnt und geflukt und beim Auslaufen kam noch ein Regenbogen und die Küche hatte sich auch was einfallen lassen und die Sonne kam zurück und der Kapitän fuhr mit dem Schiff vor den Eisbergen vorbei, wir hatten ergreifende Musik dazu und es war einfach MEGA (entschuldigen Sie den Ausdruck!). Ich konnte einfach nur noch sitzen und das in mir aufsaugen, und irgendwie hat es etwas mit mir gemacht. Womöglich werde ich noch sentimental und mild, aber darum kümmere ich mich dann zuhause wieder!





      Tag 12: Sisimiut


      In Sisimiut waren viel schon viel früher am Morgen als angekündigt, aber der Kapitän hat sich extra beeilt, denn hier in Grönland gilt im Hafen: wer zuerst kommt, hat den besten Platz - und da heute 4 Schiffe sind, war das schon noch gescheit! (LeBoreal, Ocean Endeavour und Ocean Diamond) Wir konnten so nämlich einfach aussteigen und uns den Ort ansehen.



      Ich habe nur einen gemütlichen Spaziergang gemacht, das Wetter war grönländisch-nieselig, und das kam mir grad recht, ich bin immer noch übersättigt von den beiden letzten Tagen und ich rede nicht vom Essen! Über Sisimiut kann ich gar nicht so viel erzählen, die Stadtrundfahrt fiel sowieso aus, weil beide Busse einen Motorschaden haben, aber auch das macht nichts, denn wie gesagt - ich bin noch immer satt. Ausserdem werde ich mich jetzt dann in Schale schmeissen, heute ist wieder Gala und Sektempfang, weil die MS Amera heute getauft wird - und ich hab ja zum Glück noch was anderes dabei als mein Beerdigungskostüm. Auf die Freihalterin bin ich auch gespannt, ob sie auch noch was anderes kann als ihre Jeans und im Tageswechsel ihre 3 Oleana-Jacken, seit wir hier in Grönland sind. Ich erzähle es Ihnen dann beim nächsten Bericht! (wenn ich es nicht vergesse, hier vergisst man sowieso das meiste, was nicht ein Eisberg, ein Wal oder eine Landschaft ist!)

      Bis bald, Ihr Klärli!
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3