Spitzbergen 4. - 14. Juni 2019 - Glück muss der Mensch haben

    • 2019
    • 8. Juni 2019 – Bellsund

      Wir sind in Nacht nur ein kleines Stück gefahren und befinden uns immer noch im Bellsund.



      Am Morgen fahren wir dann in die Fridtjovhamna. Dort geht es nach dem Frühstück in die Zodiaks. Bei unserer Fahrt sehen wir Ringelgänse und ein Prachteiderentenpaar. Schon beeindruckend was sich die Natur so an Vielfalt einfallen lässt.



      Wir gehen an Land und eine der Reiseleiterinnen bringt die Zodiaks an die andere Seite der Bucht. Wir haben abnehmendes Wasser und es besteht die Gefahr dass die Zodiaks nachher auf dem Trockenen liegen. Währenddessen gehen wir rechts vom Gletscher den Hang hoch und haben einen beeindruckenden Blick auf das Eis und den Gletscher.



      Dann stößt die zweite Reiseleiterin wieder zu uns und die Gruppe teilt sich. Wir gehen im Bogen zurück zu den Zodiaks, die anderen erklimmen den Berg. Wieder sehen wir Rentiere und ich frage mich wovon sie hier leben. Denn das meiste sind Steine in allen Größen. Es gibt nur ganz wenige Stellen mit Moos oder Flechten oder gar Blumen. Jedoch entdecken wir ein Felsenblümchen. Da haben wir nur hier gesehen.



      Das Umparken des Zodiaks war eine gute Idee, an der vorherigen Stelle wäre es nun ganz auf dem Trockenen gelegen. Allerdings lag es auch nun ein gutes Drittel auf dem Trockenen. Zu sechst versuchten wir es ins Wasser zu schieben, es bewegte sich keinen Millimeter. Was nun? Einer hatte die Idee dass wir versuchen können es um 90 Grad zu drehen und dann das gleiche in die andere Richtung. Mit diesem Zickzackkurs könnte es klappen. Wir zogen, zerrten und schoben was das Zeug hielt. Es war bestimmt ein Bild für Götter. Leider hat keiner daran gedacht ein Foto zu machen. Aber unsere Kleidung zeigte deutliche Spuren von der Anstrengung und wir waren gut ins Schwitzen gekommen.

      Nun fuhren wir näher Richtung Gletscher und sahen von unten die andere Hälfte der Gruppe auf dem Berg. Sie wirkten klein wie Ameisen.



      Danach ging es auf der anderen Seite der Bucht entlang. Dort hatte unsere Reiseleiterin morgens zwei Walrosse gesehen. Und tatsächlich lagen sie noch da. Wir näherten uns langsam und verhielten uns ruhig. Die Walrosse blickten uns an und beschlossen dass sie lieber ins Wasser gehen. Es ist schon beeindruckend wie sie sich bewegen oder besser gesagt vorwärts wabbeln.



      Nachmittags sind wir nur ein kurzes Stück entfernt nochmals an Land gegangen. Die Diabasbukta bot einen Kontrast zu dem was wir morgens gesehen haben. Hier nisten an einem Berg viele Krabbentaucher. Der Kot der Krabbentaucher bringt Nährstoffe auf das Land. Daher gibt es dort viel Moos. Somit haben die Rentiere gute Bedingungen. Für arktische Verhältnisse fand ich diese Küste geradezu lieblich.



      Und es war herrlich den Krabbentauchern zu zu sehen wenn sie sich entschlossen loszufliegen. Es sah aus wie wenn es sie jedes Mal etwas Überwindung kosten würde.



      Als wir zurück zum Zodiak gingen sah ich einen kleinen Vogel zwischen den Steinen. Wenn ich richtig im Internet recherchiert habe ist es ein Steinwälzer im Ruhekleid.



      Nach dem Abendessen, das wir extra eine Stunde vorverlegt hatten, ging es dann hinaus aufs Meer Richtung Norden. Nachdem die wichtigen Dinge wie Fotos sichern erledigt waren und man sowieso nichts interessantes sehen konnte, entschied ich mich früh ins Bett zu gehen.
    • 9. Juni 2019 Teil 1 – Kongsfjorden

      Heute steht ein Besuch in Ny-Ålesund und eine Zodiak-Fahrt entlang des Gletschers Kronebreen an. Die Schiffe müssen sich für Ny-Ålesund anmelden, da der Platz am Anleger begrenzt ist. Wir das einzige Schiff an diesem Tag und so können wir die Zeit selbst bestimmen. Das kommt uns sehr entgegen. Denn der aktuelle Wetterbericht meldet Sonne für den Morgen und Bewölkung für den Nachmittag. Und ändern wir kurzer Hand unsere Pläne.

      Schon von weitem sehen wir hinter dem Kronebreen, die markanten Berge die mich an Pyramiden erinnern. Man kann nur erahnen welche Kraft der Gletscher gehabt haben muss um sie so zu formen.



      Bei strahlendem Sonnenschein steigen wir in die Zodiaks. Nach wenigen Minuten entdecken unser erstes Motiv: Küstenseeschwalben auf Mini-Eisschollen. Da unsere Reiseleiterin auch Fotografin ist hat sie ein gutes Gespür für Motive und gibt uns auch ausreichend Zeit uns denen zu widmen. Wieder etwas auf dieser Reise das perfekt gepasst hat.



      Nun geht es ganz gemächlich weiter. Der starke Westwind hat das Eis zusammen geschoben und es ist einfach nur wundervoll zwischen den kleinen Eisbergen herumzufahren und zu fotografieren. Manche sehe aus wie kunstvolle Eisskulpturen.



      Hier ein Stück Gletschereis das mit besonders viel Druck gepresst wurde und dadurch glasklar wurde.



      Dann entdeckt ein Mitreisender im anderen Zodiak mit dem Fernglas eine Bartrobbe. Ganz vorsichtig nähern wir uns. Der Motor wird abgestellt, wir habe Zeit die Robbe zu beobachten und zu fotografieren, Dann kommt der Vorschlag, dass wir 2 Minuten ganz still sind. Wir hören kein Geräusch außer dem Knistern des Eises. Das ist wieder so ein ganz besonderer Moment.



      Danach geht es weiter mit den Zodiaks und wir entdecken noch eine Bartrobbe. Auch hier nähern wir uns vorsichtig, dann wir der Motor abgestellt. Nun treibt uns die Strömung um die Eisscholle herum und die Robbe betrachtet uns genauso interessiert wie wir sie.



      Voller Eindrücke geht es zurück zum Schiff. Es war ein traumhafter Vormittag. Mein persönliches Wunschbild vor der Reise war Eisstücke vor einer großen Gletscherfront im Sonnenschein zu sehen. Und immer wenn ich daran dachte und hoffte dass ich so etwas erleben werden sagte die Stimme der Vernunft dafür gibt es da oben keine Garantie. Vielleicht könnte ihr damit nachvollziehen wie glücklich ich über diesen Vormittag war.

      Nach dem Mittagessen legen wir in Ny-Ålesund an. Obwohl es Sonntag ist öffnet der Laden mit angeschlossenem nördlichste Postamt der Welt 30 Minuten für uns. Darum bringen uns die Reiseleiterinnen auch zuerst dorthin. Das ist der einzige Laden den ich kenne wo die Kunden im Vorraum die Gummistiefel ausziehen und dann auf Strümpfen durch den Laden gehen. Aber angesichts der Straßen die sich bestimmt häufig in Matsch verwandeln ist das sicher sinnvoll. Lustig finde ich es trotzdem.



      Ich gönne mir eine warme Mütze und ein T-Shirt. Und dann werfe ich natürlich meine vorbereiteten Postkarten ein. Ich bin froh dass ich es so gemacht habe, es wäre mir zu hektisch gewesen die Postkarten dort zu kaufen und dann schnell zu schreiben. Ein Reisebericht hier im Forum hat mich auf die Idee gebracht, obwohl anscheinend genau für diesen Zweck vor dem Laden Tische mit einem an einer Schnur befestigten Kugelschreiber bereit stehen. Die Karten treffen 1,5 Wochen nach mir in Deutschland ein. Ich war mir bereits bewusst das diese Reise für mich ein ganz besonders Erlebnis war. Doch dass auch das Postamt das außergewöhnliche auf seine Weise festhält hat mich dann doch überrascht. Die Postkarten sind am 26. Juni angekommen und trugen den Poststempel 31. Juni 2019.

      Nach dem Einkaufsbummel führen uns die Reiseleiterinnen durch den Ort und erzählen von seiner Geschichte. Das Gewehr ist wieder dabei. Als wir durch den Ort gehen tragen sie den Bolzen in der Hand zum Zeichen dass das Gewehr nicht geladen ist. Als wir dann dieses Schild passieren wird es wieder geladen.



      Die Büste von Ronald Asmusen finde ich sehr gelungen. Daneben stehend erzählt uns die Reiseleiterin die spannende Geschichte von der Erkundung des Nordpols per Luftschiff. Anschließend geht es durch den Schnee zum Ankermast des Luftschiffs Norge. Als ich eine Tagestouristin in leichten Turnschuhen sehe, spüre ich dankbar die Gummistiefel an meinen Füßen. Unsere Reiseleiterin antwortete als ich sie fragte welche Schuhe man am besten für den Ausflug anzieht „ich empfehle immer Gummistiefel“. Sie wusste warum.



      Danach haben wir 2 Stunden Zeit den Ort zu erkunden. Uns wurde das Museum empfohlen aber ich merke dass ich so voller Eindrücke vom Vormittag bin, das mir das zu viel ist. Und so drehe ich noch eine kleine Runde und gehe dann früher zum Schiff zurück.



      Es stellt sich heraus dass das eine hervorragende Idee war, denn gerade hat unser Koch frischgebackene Zimtschnecken für uns hingestellt, mmmh. Doch das ist nicht alles was der Tag und die Reiseleitung für uns zu bieten haben - Fortsetzung folgt :)
    • Das Wetter scheint ja traumhaft zu sein..... aber wenn Engel reisen, dann ....

      Hoffentlich haben wir sowas im nächsten Jahr auch.
      Gruß Bernd
      ----------------
      2008 B-K-T mit MS R. With
      2017 Grönland mit MS Spitsbergen
      2019 Grönland mit MS R. Amundsen
      2020 Svalbard mit MS Spitsbergen
    • 9. Juni 2019 Teil 2 – Magdalenenfjorden

      Und hier die angekündigte Fortsetzung des Tages:

      Als wir Ny-Ålesund verlassen ziehen dicke Wolken auf. Sie sorgen für eine dramatische Beleuchtung.



      Danach ist erst mal Zeit mich um die vielen Fotos zu kümmern die ich heute gemacht habe.

      Wir fahren weiter Richtung Norden. Für 23:30 Uhr ist geplant dass wir im Magdalenenfjord sind. Also geht es wieder raus und ich sehe die ersten Packeisstücke. Auch die Sonne ist wieder da und ebenso ein Eissturmvogel der uns begleitet.



      Als wir an der Einfahrt zum Magdalenenfjord ankommen bin ich wieder einmal von der Planung unserer Reiseleiterinnen beeindruckt. Die Mitternachtssonne scheint genau in diesen Fjord hinein. Wir stehen vorne auf dem Schiff und sind ergriffen von dieser Schönheit. Ganz langsam gleitet unser Schiff in den Fjord hinein. Ich weiß gar nicht wohin ich zuerst schauen soll, es ist einfach nur schön. Innen im Fjord steht ein großes Holzhaus. Es gibt einen Eindruck von den Größenverhältnissen.



      Mit diesen wundervollen Bildern im Kopf gehe ich zu Bett. Morgen wollen wir ins Packeis, ich bin gespannt.
    • Trollebo wrote:

      Wenn mir schon allein beim Anschauen der Fotos der Atem weg bleibt, wie mag es dir erst ergangen sein, diese Bilder live mit eigenen Augen zu sehen?

      @Trollebo hat es genau ausgesprochen!!!
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~ Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~
      Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil !


    • Wahnsinnsbilder! :thumbup:

      Vielen Dank, das Du uns daran teilhaben lässt!

      Wenn wir im August da oben sind, wird es wohl nicht mehr so viel Schnee haben. Aber dafür hoffentlich auch weniger Eis,
      so das wir auch wirklich rundum fahren können.
      Erstfahrt mit der MS Spitsbergen vom 07.-16.08.2019 rund um Spitzbergen :ilhr: :cat:
    • 10. Juni 2019 – Smeerenburgfjorden

      Wie schön, dass Euch meine Fotos so viel Freude bereiten. Dann macht das Reisebericht schreiben gleich nochmal soviel Spaß. Gestern war ich den ganzen Tag im Packeis unterwegs ;) um aus den Unmengen von Fotos die ich an dem Tag gemacht habe die besten auszuwählen und zu bearbeiten. Ihr habt wirklich Glück dass die Anzahl der Fotos in einem Reisebericht begrenzt ist, ich weiß nicht ob ich es sonst geschafft hätte die Auswahl so zu begrenzen :rolleyes:

      Weiter geht die Reise:

      Als ich gegen 7 Uhr auf Deck raus gehe empfängt mich dichter Seenebel. Oh, eigentlich hatte ich mit blauem Himmel gerechnet so wie wir ihn gestern hatten. Die Sicht beträgt unter hundert Meter, dahinter versinkt alles im Grau. So bekommen wir erst mal einen Vortrag über den Unterschied zwischen Gletschereis und Packeis.

      Danach gehe ich trotzdem raus, schließlich hat auch der Nebel seinen Reiz. Zum ersten Mal streikt auch Autofokus meiner Kamera, er findet keinen ausreichenden Kontrast zum Scharfstellen.



      Die Reiseleiterin meint, der Seenebel löst sich genauso schnell wieder auf wie er um 5.30 Uhr gekommen ist. Leider kann man nicht sagen ob das in ein paar Stunden passiert oder erst in drei Tagen. Es ist trotzdem faszinierend. Und gegen halb elf Uhr schafft es die Sonne immerhin Akzente durch den Nebel hindurch zu setzen.



      Und um halb eins hat die Sonne den Kampf gegen den Nebel gewonnen und ich bin im Fotofieber. Zum Mittagessen erscheine ich verspätet weil ich nicht aufhören kann zu fotografieren. Wer weiß ob das gute Wetter anhält.



      Es hält für den Rest des Tages, auch wenn man am Horizont den dichten dunklen Nebel erkennen kann.



      Wir passieren Packeisstücke in den unterschiedlichsten Größen und Formen. Sie spiegeln sich im Wasser und es ist schwer zu erkennen was ist Spiegelung und was ist der untere Teil. Manche sehen aus wie moderne Kunst oder Skulpturen. Ein Stück erinnert mich an einen Indianerkopf mit Federschmuck, ein anderes an einen Delphin.



      Im Laufe des Nachmittags erreichen wir den nördlichsten Punkt unserer Reise: 79° N 49' / 10° 35'E

      Später besteht die Möglichkeit ein arktisches Bad zu nehmen. Ich verzichte dankend. Aber einige wagen den Sprung ins eiskalte Nass. Zur Sicherheit ist eine der Reiseleiterinnen im Zodiak parat. Auf Deck wurde den ganzen Morgen der Hot Pot angeheizt. Darin können sich nun die Wagemutigen aufwärmen.

      Neben Papageitauchern und Krabbentauchern sehen wir auch Walrosse im Eis. Das eine betrachtet uns interessiert, sein Kollege den wir etwas später sehen, scheint schon vom bloßen Anheben des Kopfes erschöpft zu sein und bettet sein Haupt in Zeitlupentempo wieder auf die Eisscholle. Dann glauben wir zuerst noch ein Walross entdeckt zu haben, doch es stellt sich heraus, dass es eine unglaublich dicke Bartrobbe ist die sich sonnt.



      Wir alle hatten gehofft im Packeis noch einen Eisbären zu sehen. Und so stehen nach dem Abendessen wieder alle an Deck und halten Ausschau. Doch außer ein paar alten Eisbärspuren entdecken wir nichts. Trotzdem herrscht eine fast feierliche Stimmung an Deck. Wieder sind wir randvoll mit Eindrücken und dankbar für diesen Tag. Der Seenebel am Morgen hat uns unser Glück nochmal so richtig bewusst gemacht.

      Post was edited 1 time, last by “Thea” ().

    • Was für eine Reise... Wir waren schon selbst rund um Spitzbergen unterwegs und haben uns viele Reiseberichte und Videos angesehen. Aber ein solch durchgehendes Wetter- und Tierglück ist wirklich sehr selten. Wunderschöne Bilder, vielen Dank, dass Du uns teilhaben lässt!!
      LG Lundefugl