Spitzbergen 4. - 14. Juni 2019 - Glück muss der Mensch haben

    • 2019
    • Spitzbergen 4. - 14. Juni 2019 - Glück muss der Mensch haben

      Die Vorgeschichte:

      Nachdem ich schon häufiger die klassische Strecke entlang der norwegischen Küste mit der Hurtigrute gefahren bin, war ich schon seit einigen Jahren am Überlegen ob ich nicht auch mal eine Reise in die Arktis wagen sollte. Es gab auch hilfreiche Konversationen mit zwei Fories dazu.

      Eigentlich hatte ich eine Reise nach Grönland gebucht. Aber im Mai meldete sich das Reisebüro und teilte mir mit, dass das Schiff steht leider nicht zur Verfügung stehe und die Reise daher abgesagt werden muss. Jetzt wundert ihr Euch sicherlich wie das zu meinem Titel „Glück muss der Mensch haben“ passt.

      Nun das Reisebüro bot mir als Ersatz eine andere Reise an. Diese Reise begann allerdings früher. Nun müsst ihr wissen, dass ich beruflich viele langfristig geplante Termine habe die ich nicht verschieben kann. Aber ausgerechnet am Tag zuvor wurde die Veranstaltung die der neuen Reise im Weg gestanden hätte, verschoben. Und dann erklärte sich auch noch eine liebe Kollegin bereit den letzten verbliebenen Termin in der Woche für mich zu übernehmen. Dank ihrer Unterstützung konnte ich dann die andere Reise antreten.

      Gemeinsam hatte sie mit der ursprünglich geplanten Reise dass es ein Schiff mit nur 12 Passagieren war. Aber das Schiff war komfortabler und ebenso die Kabine die ich bekam und die Reise dauerte länger. Ich hatte mir die Reise vor einigen Jahren angesehen aber sie war mir zu teuer gewesen, nun konnte ich sie doch machen. Ich war dem Reisebüro für diesen „Upgrade“ sehr dankbar :thumbsup: .

      Und so war ich während der ersten großen Hitzewelle in Deutschland am Packen für die Arktis. Gar nicht so einfach sich zu überlegen wie viele Schichten man braucht bei 0 – 7 Grad während man gleichzeitig bei 30 Grad am Schwitzen ist.

      Nun geht es los:


      Am 3. Juni machte ich mich dann auf den Weg zum Frankfurter Flughafen. Hier wurde mein Glück wieder auf die Probe gestellt. Heftige Gewitter brachten den Flugbetrieb durcheinander. Sehr viele Flüge wurden abgesagt. Ich dachte immer wieder „nein es darf nicht sein dass die Reise am Flug scheitert, wo doch so viele Dinge zusammenkommen musste dass ich sie überhaupt antreten konnte“. Schließlich kam die Durchsage dass die Maschine in der Luft ist und sie hoffen, dass sie bald in Frankfurt ankommt damit sie auch noch nach Kopenhagen zurückfliegen kann. Erneutes Warten. Schließlich kamen wir um Mitternacht in Kopenhagen an. Als ich die Berge von gestrandetem Gepäck sah war ich nur froh dass ich meinen Koffer vom Gepäckband nehmen konnte. Ich habe noch nie einen so menschenleeren Flughafen gesehen wie Kopenhagen in dieser Nacht. Vermutlich war wir einer der allerletzten Flüge die ankamen. Um 0:30 stand ich am Check-In vom Flughafen-Hotel und bat gleichzeitig darum um 4:45 Uhr wieder geweckt zu werden. Ja, die Nacht war sehr kurz aber ich war in Kopenhagen und nur das zählte.

      Früh am Morgen ging es dann weiter nach Oslo. Dank der Unterstützung hier im Forum wusste ich, dass ich mein Gepäck nicht vom Gepäckband holen muss. Trotzdem habe ich mal nach dem Monitor geschaut ;) @Capricorn und bin dann direkt zum Abfluggate gegangen. Als ich dann dort saß hatte ich das Gefühl „geschafft, nun kann nichts mehr schief gehen“. Es stellte sich dann auch raus, dass ich direkt neben zwei Mitreisenden saß und so machten wir uns bekannt.

      Der An- und Abflug von Tromsö bot eine ganz neue Perspektive auf Bekanntes:



      Und so allmählich begriff ich auch was sich hinter dem Zwischenstopp in Tromsö verbarg. Es gab Passagiere die nur bis Tromsö flogen und andere die bis Longyearbyen wollten. Im Grunde genommen war es wie wenn man an einem Gate ankommt und zum Anschlussflug an ein anderes Gate muss. Direkt vor dem Gate war dann auch die Zollkontrolle. Und dann ging es mit dem Handgepäck wieder zurück ins Flugzeug. Ich fand es spannend wie sich die Passagiere im Lauf der Anreise veränderten. In Frankfurt bin ich mit meinen Wanderstiefeln und der dicken Jacke im Arm ziemlich aufgefallen. Am Gate in Oslo gab es dann viele die so aussahen wie ich. Die Männer die dann in Tromsö zustiegen waren dann nochmal eine neue Kategorie, so stelle ich mir Abenteurer auf Spitzbergen vor.

      Und dann war es endlich soweit. Der erste Blick auf Spitzbergen.


      Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, das Schiff unten rechts ist die M/S Sjøveien mit wir die Reise machen werden.


      Am Flughafen wurden wir von einer der Reiseleiterinnen in Empfang genommen. Wir haben Gelegenheit einen Spaziergang durch Longyearbyen zu machen.



      Sofort fallen mir die Busse von Hurtigruten auf. Das Logo ist etwas vertrautes an einem mir ansonsten fremden Ort. Vorsorglich decke ich mich gleich mit Postkarten ein. Schließlich gehe ich davon aus dass ich die irgendwann in Ny-Ålesund einwerfen kann.

      Dann geht es auf Schiff, ich bin gespannt. Meine Kabine ist praktisch eingerichtet, zwei Betten und ein Schreibtisch. Und ganz wichtig, jede Menge Steckdosen um die Akkus des Foto aufzuladen. Pfiffig finde ich die „eingezäunte“ Ablage über dem Bett. Für die gemeinsamen Mahlzeiten gibt es einen großen Tisch an den sich eine Sitzecke anschließt. Auf dem oberen Deck befinden sich die beiden Zodiaks für die Ausflüge. Ich fühle mich auf Anhieb wohl auf dem Schiff. Hier ein Bild das ich später auf der Reise aufgenommen habe.



      Die MS Fram liegt in Sichtweite und hat ganz andere Dimensionen.



      Und auch die erste Eiderente zeigt sich

      Dann geht es erst mal zum Tanken an das Tankschiff und schließlich verabschieden wir uns von Longyearbyen.



      Beim Abendessen stellt sich heraus, dass wir nicht nur zwei engagierte und erfahrene Reiseleiterinnen haben sondern auch einen Koch, der mit Begeisterung und Können jeden Tag neue Köstlichkeiten auftischt. Und nachdem es wunderbar schmeckt und ich den ganzen Tag keine richtige Mahlzeit hatte lange ich kräftig zu.

      Es gibt keine feste Route sondern die beiden Reiseleiterinnen geben Tag für Tag das jeweilige Ziel bekannt. Eine wichtige Rolle bei der Planung spielt die Wetter- und Windvorhersage. Da kräftiger Nord-West-Wind angesagt ist für die nächsten Tagen wollen wir nach Süden fahren und den Hornsund erkunden und gleichzeitig dem
      kräftigen Wind aus dem Weg gehen. So ganz geht der Plan allerdings nicht auf. Denn als wir aus dem Adventfjord raus sind beginnt das Schiff ganz ordentlich zu schaukeln. Ich war noch nie seekrank aber
      in dieser Nacht trenne ich mich von meinem Abendessen und überlege mir auf was ich mich da eingelassen habe. Es beruhigt mich als ich am nächsten Tag erfahre, dass die Fahrt heftiger war als erwartet und
      es nicht der Standard ist auf den ich mich für die restliche Reise einstellen muss.

      Das ist ein langer Einstieg geworden. Ich verspreche Euch für die nächsten Tage weniger Text.
    • Wirklich ein schönes kleines Schiff. Da hast du es ja wirklich gut getroffen. Mit dem Schiff würde es mir sicherlich auch Spass machen. :thumbsup:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • Da das Schiff auch bei Vestland Classic gelistet ist, kann man es sicherlich über Margit Distler buchen. ;) Oder zumindest dort mal nachfragen.
      Gruß Jobo,

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      - Alexander von Humboldt -

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    • Selten, dass dermaßen Einigkeit herrscht - auch mir wäre dieses Schiff zu klein. Weniger punkto Komfort, sondern weil mir schon bei der Vorstellung, bei hohem Seegang auf so einer "Nussschale" dahinzuschippern, übel wird...
      Aber über die Fortsetzung des Berichts freue ich mich schon jetzt!

      Gruß
      egoix

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    • Wieso Einigkeit, ich finde das Schiff toll und würde sofort damit fahren. :good3: :dance3:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • das wird für mich sehr spannend, weil wir im nächsten Jahr dort mit der MS Spitsbergen rumschippern werden.
      Gruß Bernd
      ____________________________________________
      2008: Postroute B-K-T mit MS Richard With;
      2017: Grönland-Expedition mit MS Spitsbergen
    • 5. Juni - Wir entdecken den Hornsund

      Bei sovielen netten Kommentaren muss ich einfach gleich weitermachen Und ihr kennt das sicherlich dass manche Menschen nicht verstehen können wie man ausgerechnet so seinen Urlaub verbringt. Da ist es schön dass ich meine Begeisterung mit Euch teilen kann :)

      @Jobo danke für den Link zum Schiff.
      @norwegenfan.123 Ich habe die Reise über ein deutsches Reisebüro gebucht, das gibt es aber inzwischen nicht mehr. Der eigentlich Veranstalter war Polar Quest

      Nun will ich mal meinen Reisebericht fortsetzen:

      Die erste Runde an Deck wirkt schon mal vielversprechend:

      Nach einem reichhaltigen Frühstück gibt es erstmal wichtige Informationen. Zuerst zeigen uns die beiden Reiseleiterinnen einen Film der Association of Arctic Expedition Cruise Operators (AECO) zum richtigen Verhalten an Land. Dann wird uns erklärt wie man am besten in die Zodiaks ein- und aussteigt. Dann geht dass Schiff in der Isbjørnhamnn vor Anker und wir mit dem Zodiak an Land.

      Ehrlich gesagt bin ich etwas nervös. Doch alles klappt perfekt. Jemand von der Crew steht bereit um einem ins Zodiak zu helfen. Das Wasser ist ruhig und der Ausstieg aus dem Zodiak kinderleicht. Zuerst geht die eine Reiseleiterin an Land und den Hang hinauf um den Überblick zu haben. Von ihr bekommen wir dann das Zeichen dass nun auch wir an Land gehen dürfen. Hinter jemanden herzulaufen der mit Gewehr und Schreckschusspistole ausgestattet ist kommt mir anfangs seltsam vor. Andererseits bin ich überzeugt, dass die beiden erfahren genug sind um auch mit dem Auftauchen eines Eisbären umgehen zu können, was wir zum Glück nie erlebt haben.

      Dafür begegnen uns andere Tiere. Als erstes ein neugieriges Rentier.


      Ich selbst bin leider stark kurzsichtig und trotz Brille gelingt es mir nicht Tiere frühzeitig zu erkennen. Zum Glück ist einer der Mitreisenden Vogelliebhaber und so auch ein Experte im Absuchen der Landschaft nach Tieren. Ihm haben wir das frühe Erkennen dieses arktischen Fuchs im Fellwechsel zu verdanken und etliche weitere Tiersichtungen im Laufe der Reise.



      Das eigentlich Ziel unseres Ausflugs war ein Berg mit vielen Krabbentauchern. Aufgescheucht durch Raubvögel oder den Fuchs flogen immer wieder Schwärme über uns hinweg. Manchmal sogar so nah dass man ein „Wusch“ hörte und den Luftzug spüren konnte. Sehr beeindruckend.



      Herrlich war auch die Aussicht von da oben.



      Und es stellte sich auch heraus dass die Kondition innerhalb der Gruppe unterschiedlich war. Das Gehen über das Geröll, das Einsinken im Schnee beim Gang über das Schneefeld und der leichte Auf- und Abstieg für manche war es eine Kleinigkeit andere so auch ich merkten dass ist meine Grenze. Ich habe auch eine der Reiseleiterinnen darauf angesprochen. Sie meinte dass auch sie beim ersten Landgang die Gruppe erstmal kennenlernen müssen. Von da an gab es immer zwei Alternativen. Ein Ausflug für die Sportlichen denen kein Berg zu hoch war und ein Ausflug der weniger anstrengend und mehr für die Fotografen geeignet war. Bei den Mahlzeiten wurde erklärt was der Plan ist. Der Luxus der kleinen Gruppe war, dass man sich spontan entscheiden konnte mit welcher Gruppe man mit geht.

      Zum Mittagessen ging es dann zurück auf das Schiff und am Nachmittag fuhren wir in die Bucht vor einem Gletscher von dem die Reiseleiterinnen wussten, dass es noch Eis hat. Ich glaube es war der Palerbreen. Ich fand das Licht und die Landschaft einfach beeindruckend.



      Danach gab es einen weiteren Landgang auf Gnålodden. Dort gibt es zahlreiche Spuren der Vergangenheit. Unter anderem eine ehemalige Trapperhütte die nun von der polnischen Forschungsstation genutzt wird. Beeindruckend fand ich die Sicherung der Türe. Ein Pflock von innen waagrecht dagegen. Dazu gibt es in der Türe ein kleines Loch um mit einer Schnur den Balken zu verschieben. Dann ein Holztüre davorgestellt. Diese wird dann durch zwei Querbalken gesichert und am Ende werden noch zwei Stützen angebracht, die an ihrem Ende jeweils durch einen großen Stein abgestützt werden. Vor das Fenster kommt ein Holzfenster mit Nägeln um die neugierigen Bären abzuwehren. Im letzten Jahrhundert hat eine Weile eine Frau alleine mit ihren zwei Kindern dort gelebt. Das kann man sich kaum vorstellen.



      Außerdem zeigt uns die Reiseleiterin noch ein altes Walfängergrab sowie minimale Überreste in Form von zwei Holzbalken von einer russischen Hütte. Und wir sehen auch den roten Steinbrech, eine der wenigen blühenden Pflanzen in der Arktis.



      Bei den Krabbentauchern hatten wir noch Sonne. Doch nun ist es bewölkt und der Wind hat aufgefrischt. Also fahren wir gerne zurück zum Schiff.

      Während des Abendessens verschwindet eine der Reiseleiterinnen immer wieder. Ich mache mir schon Gedanken ob es ihr vielleicht nicht gut geht. Doch dann erfahre ich von der anderen, dass sie abwechselnd auf die Brücke gehen um nach Tieren, besonders Eisbären, Ausschau zu halten. Sie wissen dass die meisten Leute die Reise machen um Eisbären zu sehen und die Reisebüros den Eindruck vermitteln dass das auch leicht möglich ist. Also geben sie ihr Bestes.

      Ich bin natürlich wieder draußen um die beeindruckende Landschaft zu genießen. Schneebedeckte Berge mit ein paar Sonnenstrahlen zur Dekoration. Schließlich nähern wir uns einem beeindruckenden Gletscher mit einer ordentlichen Eisschicht davor. Schon von weitem kann ich kaum aufhören zu fotografieren.

      Und dann kommt eine der Reiseeleiterinnen angerannt. Von der Brücke aus haben sie einen gelben Punkt gesehen der sich bewegt. Er ist noch weit weg, aber vermutlich ist es ein Eisbär. Es dauert eine Weile bis ich ihn durch das Tele erkennen kann. Da ist er, unser erster Eisbär. Weit weg, aber immerhin.



      Ein wenig bewegt sich Herr Bär für uns, doch dann verschwindet er. Wir werden heute Nacht in der Nähe ankern und haben so am nächsten Tag die Chance den Eisbär vielleicht näher zu sehen.

      Post was edited 1 time, last by “Thea” ().

    • Danke für den tollen Bericht, sehr spannend.

      Wir hatten vor unserer Grönlandreise auch starke Bedenken, wie denn das Ein/Aussteigen auf/von den Zodiaks wird.
      Aber dann war alles ganz einfach, sich draufsetzen und dann die Beinchen rüber.
      Gruß Bernd
      ____________________________________________
      2008: Postroute B-K-T mit MS Richard With;
      2017: Grönland-Expedition mit MS Spitsbergen
    • @Thea
      Danke für diesen wundervollen Bericht und die sagenhaften Fotos. Das kleine Schiff würde mir auch gut gefallen. Aber ob ich mir/ wir uns so eine Reise nochmal zutrauen können? Jetzt aber genieße ich erstmal das Mitreisen-Dürfen und :sdafuer: :sdanke: und freue mich auf die Fortsetzung.
      Liebe Grüße von Trollebo

    • Hallo Thea,
      auch ich möchte mich für diesen tollen Bericht bei dir bedanken. Du machst fantastische Landschafts und Tieraufnahmen.
      Das Schiff finde ich übrigens auch große Klasse, solang das Meer friedlich bleibt. Ein kleines Schiff mit wenigen Menschen ist immer besser als das Gegenteil.



      Thea wrote:

      Sie wissen dass die meisten Leute die Reise machen um Eisbären zu sehen und die Reisebüros den Eindruck vermitteln dass das auch leicht möglich ist.


      Dieser Satz lässt mich aber zweifeln, ob ich jemals solch eine Reise mache! Wenn ein Erfolgsdruck besteht Eisbären zu sehen, dann ist die Gefahr recht groß, dass Menschen oder Bären zu Schaden kommen. Dies ist ja leider schon passiert.

      Liebe Grüße Gilbert
    • 6. Juni 2019 - Samarinvågen

      Ihr ahnt vermutlich welche Frage mich gleich beim Aufwachen beschäftigte. Richtig, es war der Gedanke 'Was macht der Eisbär? Ist er noch da?'. Also rein in die Klamotten und raus. Herrlicher Sonnenschein, aber einen Eisbären sehe ich nicht. Dann macht mich ein Mitreisender auf die Spuren auf dem Eis aufmerksam. Der Eisbär war also im Laufe der Nacht in der Nähe des Schiffs und die Spuren führen zu den Bergen rechts von Gletscher. Und dann entdeckt ihn der Mitreisende. Ein kleiner gelber Punkt schläft unter einem Steinvorsprung.



      Da sonst nicht geschieht frühstücken wir erst einmal in Ruhe. Danach hat eine Reiseleiterin eine Auge auf den Eisbär während die andere einen sehr interessanten Vortrag über Eisbären hält. Mittendrin kommt dann die andere mit der Nachricht: Der Bär läuft nun herum. Also alle raus nach draußen. Ohne Fernglas, nur mit Teleobjektiv war er oft schwer zu erkennen. Doch wenn ich ihn dann hatte, konnte ich einigermaßen seine Bewegungen verfolgen. Und wenn ich wie hier einen Ausschnitt aus dem Foto nehme ist er sogar gut zu erkennen. Außerdem werden auch die riesigen Ausmaße des Gletschers dabei deutlich.



      Als der Eisbär dann wieder ein Päuschen einlegt wird der Vortrag fortgesetzt. Für den Nachmittag stehen dann zwei Ausflüge zur Wahl. Eine Gruppe macht eine kurze Fahrt am Eisrand entlang und anschließend eine zünftige Wanderung. Die andere Gruppe macht eine längere Fahrt mit dem Zodiak. Darauf fällt meine Wahl und das war die richtige Entscheidung. Zuerst fahren wir näher an die Berge seitlich des Gletscher heran und sehen dabei mehrere Gryllteiste, schwarz-weiße Vögel mit roten Füßen, die wenn sie losfliegen erst mal ziemlich tolpatschig aussehen.



      Das Licht ist herrlich und das Panorama einfach nur fantastisch.



      Wir bekommen diverse Erläuterungen. Und plötzlich entdeckt unsere Reiseleiterin dass sich der Eisbär wieder bewegt.



      Nun ist das Ziel klar. Hin zur Eiskante und dem Eisbären folgen. Dabei merke ich wie sehr man sich beim Schätzen von Entfernungen oder Längen in dieser Umgebung täuschen kann. Denn die Fahrt im Zodiak ist deutlich länger als ich erwartet hatte und unser Schiff wird immer kleiner in der Ferne. (Ich habe gerade auf der Karte nachgesehen und schätze, dass der Samarinbreen ca. 3 Kilometer breit ist.)

      Außerdem kommen wir aus dem Windschatten der Berge heraus. Wir spüren nun den kalten Wind und haben auch ordentlich Seegang. Gekonnt stoppt unsere Reiseleiterin das Zodiak auf einer Eisscholle ab. Wir werden bereits erwartet.



      Was bin ich froh dass ich genügend Platz auf der Speicherkarte und volle Akkus habe. Dann wandert der Eisbär in unsere Richtung und die Reiseleiterin beschließt dass wir besser ein Stück wegfahren. Doch zuerst will der Motor unseres Zodiaks nicht so richtig. Aber sie weiß sich zu helfen und kurz darauf sind wir wieder unterwegs.

      Der Eisbär auch, er geht auf die linke Seite des Eises, wir folgen. Und ich bin hin und her gerissen. Kamera sicher im Rucksack verstauen damit sie kein Salzwasser abbekommt oder versuchen aus dem schaukelnden Zodiak heraus Fotos zu machen. Schließlich siegt die Fotografin in mir und ich werde mit bärigen Aufnahmen belohnt. Ich bin im Glück. Das war ein unglaubliches Erlebnis und ich bin ganz aufgewühlt davon. Und zum Glück sind trotz Seegang einige Bilder ganz gut geworden und ich gehe wohl richtig in der Annahme, dass es Euch nichts ausmacht wenn die Fotos von diesem Tag vor allem ein Motiv haben ….




      Inzwischen wurde unsere Wandergruppe per Funk verständig. Diese kommt dann mit Höchstgeschwindigkeit angedüst. Aber kurz bevor sie da sind beschließt der Eisbär dass er für heute genug hat und verschwindet wieder.

      Leider weht außerhalb des Fjords immer noch ein starker Wind. Darum sucht auch ein anderes Schiff hier für die Nacht Schutz. Unter den kleineren Schiff gibt es eine Etikette. Wenn schon ein anderes Schiff da ist legt kein zweites in der Nähe an. Deshalb ist auch dieses Schiff morgens weitergefahren als sie gesehen haben dass wir da sind und sie haben bevor sie für die Nacht vor Anker gegangen sind mit unserem Schiff Kontakt aufgenommen und um unser Einverständnis gebeten.

      Beim Abendessen werden wir über den Plan für den nächsten Tag informiert. Wir bleiben noch bis gegen 4 Uhr hier liegen damit wir gut schlafen können. Dann fahren wir los Richtung Bellsund. Der Wind soll von Nord-West auf West drehen. Ich bin mal gespannt was uns erwartet und hoffe, dass es nicht allzu schlimm wird. Und egal was kommt, ich bin dankbar für das was ich bereits erlebt habe. Außerdem gibt es für alle Fälle eine Reisetablette als Betthupferl.

      Es ist 22 Uhr. Noch schnell ein Bild von den Eiderenten und dem Gletscher, dann geht es ins Bett.