Sturmreise mit der MS Finnmarken im Herbst vom 17. – 28.09.2018 – BKB

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    • Sturmreise mit der MS Finnmarken im Herbst vom 17. – 28.09.2018 – BKB

      1. Tag: Montag , 17.09.2018

      Liebe Foren Mitglieder, ich starte heute mal meinen Reisebericht, leider sehr sehr verspätet. Das ist das erste Mal für mich, dass ich im Internet so umfassend schreibe und da habe ich sehr mit mir gerungen ob und wie ich das schaffe. Während der Reise machte ich mir Stichpunkte und hinterher fügte ich diese zu einem Text zusammen. Ich habe durch euer Wiki und Forum so viele Tipps und Anregungen für die Reise bekommen, so dass ich hoffe mit diesem Bericht etwas zurück geben zu können. Verzeiht mir die ein oder anderen Fehler, denn ich fühle mich nicht zum Schriftsteller berufen. Ich habe die Reise tageweise und in der zeitlichen Reihenfolge, wie ich sie erlebt habe, aufgeschrieben.

      Im Großen und Ganzen war die Reise schön und unsere kleine Reisegruppe, bestehend aus meiner Frau, ihrem Vater, meinen Eltern, meiner Schwester, Schwager, Bruder und meiner Wenigkeit, ist gesund und zufrieden wieder zu Hause angekommen. Die kleine Einschränkung resultiert aus Enttäuschungen, das Wetter und die Art der Reise betreffend. Das Wetter ist halt Schicksal und die doch sehr kurzen Landaufenthalte waren bekannt. Ein jahrzehntelang Reisender, wie ich, tut sich da halt schwer so wenig Freiraum zu haben.

      Unser Flugzeug startete am Düsseldorfer Flughafen am 17.09.18 um 10.10 Uhr, das hieß um 05.00 Uhr aufstehen denn um 06.00 Uhr kam der Flughafen Zubringerdienst. Eigentlich recht human für eine Flugreise, nur die Abfertigungsprozeduren am Flughafen können einem jahrelangen Autourlauber schon gehörig auf den Keks gehen. Vor allem die Sicherheitskontrollen haben sich seit den 90ern doch sehr verändert, „Osama sei Dank“! Das eine 85 jährige Frau die an einer Krücke läuft die Schuhe ausziehen, und ein 81 jähriger seine Hose festhalten muss weil der Gürtel ein Sicherheitsrisiko ist, das grenzt schon an Paranoia. Aber gut, andere Zeiten. Das mich der Polizist bezüglich meiner, von meiner Familie gemachten, Fotos befragt konnte ich nachvollziehen, zumal er sehr freundlich und höflich war.

      Der Flug mit der SAS nach Kopenhagen war unaufgeregt und nichts besonders, seit Ryanair und anderen Billigfliegern ist das Flugzeug halt nur noch ein gewöhnliches Transportmittel, ein Air … Bus! In Kopenhagen hatten wir dann vier Stunden Aufenthalt, genug Zeit um viel Geld für wenig auszugeben. Oh, Air Berlin wie schön war es mit dir und deinen Direktflügen (Aussage vom Reisebüro Mitarbeiter).
      Der Weiterflug nach Bergen erfolgte dann bei dichter Wolkendecke pünktlich und komplikationsfrei. Auch die Koffer waren in Bergen alle vorhanden, meine Frau und ich hatten aus Angst vor Verlust Vorsorge getroffen. Wir hatten uns auf der Reise dick angezogen, deswegen mussten wir leider einige Kleidungsstücke am langen Arm tragen, und im Handgepäck hatten wir die wichtigsten Kleidungsstücke. Auch hatten wir in beiden Koffern unsere Sachen aufgeteilt. Zum Glück war unsere Vorsorge umsonst. Die ersten Schwierigkeiten auf unserer zu diesem Zeitpunkt recht jungen Reise traten bei den Bussen auf, die uns zum Hurtigruten Terminal bringen sollten. Erst waren nicht genug Busse da, und dann herrschte eine allgemeine Unklarheit welcher Bus zum Schiff und welcher zum Hotel fährt. Am Ende saß meine Schwester mit meiner Mutter in dem einen und der Rest unserer kleinen Reisegruppe in einem anderen Bus. Doch vor dem Hurtigruten Terminal trafen wir uns wieder.
      Dann war wieder Schlange stehen angesagt, um uns einzuchecken und die Koffer aufzugeben. Wie beim Flugzeug, was mich erst erstaunte doch mit ein wenig Nachdenken war es dann doch logisch. Die Rolltreppe hoch zum Schiff und dann lag sie da, die Finnmarken das größte Schiff der Flotte, für 12 Tage unsere Heimat.

      Das Wichtigste der ganzen Reise lernten wir dann kennen, die Desinfektion! Kein an Bord gehen und kein Betreten des Speisesaales ohne Einreiben der Hände mit einem Alkoholgemisch. Keine Chance dem Novo Virus! Hofft man!

      Aber ich hatte Hektik und keine Zeit anzukommen, schnell die Kabine (330) angeschaut und alles Überflüssige dort gelassen. Um dann, nur das Wichtigste bei mir zu haben, meine Frau und Kamera, das Schiff wieder zu verlassen, mit dem Ziel einen Blick auf das alte Hanseviertel in zu erhaschen.

      Im Nachhinein gesehen, war es eine totale Schnapsidee, denn es regnete warm und fürchterlich, wir irrten durch die Gassen, getrieben von dem Willen ein paar alte bunte Häuser zu sehen. Nach einiger Zeit und einem Blick vom Hügel auf Bryggen kam dann bei mir die Einsicht, nach mehrmaligem geduldigen Mahnen meiner besseren Hälfte, die Aktion mit einem Foto des 400er Telezooms zu beenden. Pitschnass erreichten wir um 18.20 wieder das Schiff und wurden mit einem mitfühlenden Lächeln von einem Crew Mitglied begrüßt. Gut, abgehakt, hab ich versucht, war nix.
      Es gab um 18.30 am ersten Abend Buffet, zu dem wir voller Erwartung und mit bis zu den Schuhsohlen hängenden Mägen hinschlichen, denn bis auf kleinere Snacks und Getränke hatten wir auf der langen Anreise keine richtige Mahlzeit. Leider war der Andrang am Buffet so groß, dass wir noch eine Stunde warten mussten. Aber darin waren wir an diesem Tag ja die Großmeister. Beim Eingang zum Restaurant wartete die nächste kleine Enttäuschung auf uns. Die Restaurantchefin, eine beachtliche und sehr freundliche Frau, wusste von meiner E-Mail an die Rezeption der Finnmarken nichts. Ich hatte Wochen vorher den Wunsch nach einem gemeinsamen Tisch und teilweise vegetarischer und fischloser Ernährung geäußert. Doch die Dame reagierte mit einer Ruhe und Souveränität, dass dies doch alles keine Probleme seien und man selbstverständlich unsere Wünsche erfüllen würde. Das Buffet selbst war reichlich, vielseitig und auch für Vegetarier ein Augenschmaus. Lediglich das Tischwasser behagte drei meiner mir Lieben nicht. Meine Frau und ich waren ja durch das Forum und Wiki vorgewarnt und für meine Schwester und Schwager war es die 2. hurtige Reise. Wir haben uns schnell daran gewöhnt und haben nicht extra für Mineralwasser bezahlt.

      Nach dem Essen waren dann endlich unsere Koffer da, doch das Auspacken musste warten bis wir die Sicherheitsunterweisung hinter uns hatten. Recht unspektakulär, einen Film von 15 Minuten gucken, Cruise Card scannen lassen und das wars. Das Auspacken der Koffer war auch ein Kinderspiel, denn die Kabine hat reichlich Stauraum und unsere Koffer passten sogar alle drei in den dafür vorgesehenen Platz gegenüber dem Schreibtisch.
      Endlich konnten wir an die Erforschung des Schiffes gehen. Die Inneneinrichtung der Finnmarken mit ihrem Jugendstil Flair ist wirklich so schön wie auf den zahlreichen Bildern die ich vor der Reise schon gesehen habe. Auch der Board Shop weckte unser Interesse zumal sehr werbewirksamer Schilder mit 25% Preisreduzierung an den Jacken angebracht waren. Ich geriet schnell in Versuchung und ließ eine Jacke zurück hängen. Mal eine Nacht darüber schlafen, das festigt den Kaufwillen und vermittelt den subjektiven Eindruck keine unüberlegte Entscheidung getroffen zu haben.

      Aber zurück zum Schiff, ein unschätzbarer Vorteil der MS Finnmarken ist der für die Passagiere zugängliche Bug. Dies führte zu meinem Entschluss dieses Schiff zu buchen, die Anderen vertrauten mir blind. Die MS Lofoten hatte mein Haushaltsvorstand von vornherein ausgeschlossen. Der begehbare Bug wurde mein Lieblingsort auf der Reise und den kleinen Pool habe ich auch sehr zu schätzen gelernt.

      Mit Einsetzen der Dämmerung lief die Finnmarken bei leichtem Regen aus dem Hafen aus und ich erlebte das vom Heck und Bug die ja beide durch das Umlaufdeck schnell zu erreichen sind.

      Die ganze Familie hat sich dann noch abends zu einem Feierabendbier im Panoramasalon getroffen um die Erlebnisse des Tages zu besprechen, aber alt ist keiner geworden denn die lange Anreise steckte uns allen in den Knochen.

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    • ...und wir sind Euch mit der Nordkapp vorausgefahren!

      Ich freu mich auf den um einen Tag versetzten Reisebericht, ich bin gespannt, wie Ihr das Wetter wahrgenommen habt!
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3
    • Sturmreise mit der Finnmarken im Herbst vom 17. – 28.09.2018 – BKB

      2. Tag: Dienstag , 18.09.2018

      So, das war also die erste Nacht auf einem Schiff. Ich habe sehr gut geschlafen, doch leider bin ich aus Gewohnheit um 05:30 aufgewacht. Nach einem kurzen, erfolglosen Versuch des Weiterschlafens habe ich mir den Jogginganzug angezogen, die Badehose, zwei Handtücher und das Telefon geschnappt, falls mich meine Frau nach dem Wachwerden suchen sollte, und machte mich auf zum Saunabereich. Zuerst bin ich bei der Rezeption in den Aufzug gestiegen und zum Deck 8 gefahren. Als ich ihn verließ war hinter mir war der Panoramasalon und vor mir ging es raus auf das Aussichtsdeck in den strömenden Regen. Das gefiel mir nicht, also zur Treppe eine Etage tiefer, durch den Salon an der Reiseleitung und Babettes Café vorbei, nirgendwo war eine Menschenseele. Weiter in das kleine Treppenhaus und wieder hoch zum Deck 8, durch den Fitnessraum hindurch und schon stand ich vor der Tür zur Umkleidekabine, der Sauna und den Duschen. Zum Glück war die Tür offen. Umziehen und leider musste ich alle Sachen mitnehmen, da ich keine Münze für das Schließfach hatte. Gute Vorbereitung ist das halbe Leben. Jetzt nur noch die kleine Treppe runter zum Pool, brrr, kalt ist es nur mit Badehose und Handtuch bekleidet bei ca. 8° C draußen rumzulaufen. Also schnell unter die Dusche, hoffentlich ist sie warm … nach einer gefühlten Ewigkeit wurde sie es, und dann bin ich in den Pool. Wunderbar bei einer Wassertemperatur von ca. 22°C allein im Kreis zu schwimmen und die Ruhe auf einem Schiff mit vielleicht 600 Menschen zu genießen, allein unter vielen. Einen der Whirlpools habe ich dann auch noch ausprobiert, aber darin bin ich mir vorgekommen wie ein Ei im Kochtopf. Nee, das gefiel mir gar nicht, also wieder raus da, unter die Dusche und dann in die Sauna. Dort bekam ich nach einer Weile Gesellschaft von einem Norweger und wir übten uns in Smalltalk auf Englisch.
      Dieser Start in den Tag gefiel mir schon ganz gut, jetzt hatte ich auch Hunger und war gespannt auf das erste Frühstück an Bord. Ab 07:00 gab es Frühstück und als ich zur Einlasskontrolle kam, die aus Cruise-Card Erfassung und Hände Desinfektion bestand, war ich nicht der erste frühe Vogel. Das Frühstücks-Buffet bot wirklich alles was das Herz begehrt. Herzhaft und süß, Obst und Gemüse, gesund und ungesund, vegan und Gluten frei was will man mehr. Doch eine Sache fehlte doch: Rührei! Es gab Spiegelei und gekochte Eier. Da ich keine weichen Eier mag, dies ist noch ein Relikt aus der Kindheit, machte ich einen Bogen um die Selbigen. Kein Problem, es geht auch mal 12 Tage ohne Eier, die Auswahl war schließlich groß genug. Das Beste waren die Nuss Nougat Creme und der Toaster mit Kettenantrieb, so einen hatte ich noch nie gesehen und mein technischer Spieltrieb war erwacht.
      Nach dem Frühstück bin ich dann raus zum Bug, um die Einfahrt nach Ålesund zu beobachten. Ich war schon fertig für das von Bord gehen, denn ich wollte die 3/4 Stunde Aufenthalt unbedingt nutzen. Um 08:30 legte die Finnmarken dann an und ich hörte das erste Mal das „goodbye“ der Automatenstimme am Ausgang. Meine Cruise Card wurde auch gecheckt und ich stand im starken Regen, aber tapfer bin ich los marschiert und habe sofort den Weg zur Fußgängerzone gefunden. Es war so wie es im Hurtigruten Forum beschrieben ist, sehr übersichtlich und schnell zu erreichen. Das war ein Härtetest für meine Kamera denn ich hatte keinen Regenschutz mitgenommen. Wirklich Spaß hat dieser Landgang nicht gemacht, denn für Geschäfte war nicht viel Zeit und das Fotografieren war auch stressig. Ich habe trotzdem einige Fotos von Jugendstil Häusern gemacht und war sehr frustriert von dem schlechten Wetter.

      Hoffentlich bleibt das nicht so die ganze Reise, dachte ich mir. Um dem Ausflug wenigstens ein wenig Sinn zu geben, bin ich dann in einen kleinen Supermarkt gegangen und habe eine Flasche Johannisbeersirup und eine Tüte salzige Chips gekauft. Das Bezahlen war ganz lustig, denn nachdem die Kassiererin die Waren gescannt hatte, sollte ich den 100 Kronen Schein in den Schlitz eines Automaten einschieben der zwischen uns stand. Der hat den Schein dann wohl geprüft und gab mir das Wechselgeld heraus. Das ganze Bezahlen wäre mit Kreditkarte viel einfacher gewesen und somit der erste Beweis, dass Bargeld in Norwegen überflüssig ist. Dann bin ich zurück zum Schiff und erreichte es 10 Minuten vor 9, also hatte ich noch viel Zeit um Außenfotos von der MS Finnmarken zu machen.

      Als ich genug hatte betrat ich das Schiff, und desinfizierte meine Hände unter den wachsamen Augen eines Crew Mitglieds. Erst danach wurde meine Cruise Card eingescannt und ich konnte untermalt von einem freundlichen: „welcome“ wieder an Bord gehen. Die Abfahrt war dann aber doch nicht pünktlich um viertel nach neun sondern erst eine halbe Stunde später, wenn ich das gewusst hätte, dann … wäre ich auch nicht länger draußen geblieben!

      Also auf zum Hjørundfjord , ich stehe am Bug mit dem Teleobjektiv und hoffe auf schöne Motive bei strömendem Regen. Meine neue Jacke und Hose sind super dicht und auch meine Bergstiefel tun ihre Pflicht. Den Fotoapparat habe ich samt Objektiv in eine Regenhülle eingepackt, das heißt ich fühlte mich pudelwohl wo Andere sich pudelnass fühlten. Meine Schwester und mein Schwager kamen dazu und wollten auch dem Vortrag des Expeditionsteams über die Wikingerschlacht im Hjørundfjord lauschen. Und das bei dieser Luftfeuchtigkeit, das nenne ich mal Expeditionsteam. Es bestand aus Magnus und Jan, zuerst erzählte der Norweger Magnus auf Englisch die Geschichte, wie ein dänischer Wikinger König mit 60 Langbooten in den Fjord fuhr um den norwegischen Wikinger König zu besiegen. Von einem Fischer erfährt der Däne, dass sich dieser mit nur wenigen Langbooten in dem Fjord versteckt hält. Das war natürlich gelogen, denn die Norweger warteten bereits auf die Dänen mit ihren 100 Langbooten und es kam zur Schlacht, an deren Ende der Dänische König mitsamt seinem Goldschatz über Bord sprang und in den Fluten versank. Seitdem geht die Legende über den sagenhaften Wikingerschatz im Hjørundfjord um, den bis heute Schatzsucher finden wollen. Der ganze Vortrag wurde mit einer schauspielerischen Höchstleistung vollbracht, die köstlich anzusehen und anzuhören war. Seine Mimik und Gestik waren einfach wundervoll und sein Englisch für mich sehr gut zu verstehen, sodass ich bei dem deutschen Vortrag von Jan gar nicht mehr viel zuhörte. Das Wetter wurde etwas besser. Das hieß es hörte auf schnell zu regnen, es regnete dafür langsamer. Immer noch verhüllten die tief hängenden Wolken die Landschaft. Trotzdem war die Fahrt durch den Fjord nicht langweilig denn immer wieder sah man kleine bunte Häuser, Fähren und Fischfarmen. Ach, fast hätte ich es vergessen, Möwen sah man auch noch. Die nebelverhüllten Berge sahen aus als ob sie weinten, denn unzählige kleine und große Wasserfälle stürzten von Ihnen hinab in den Fjord.
      Um 11:30 ging es zum vorgezogenen Mittagessen, eigentlich hatte ich keinen Hunger, aber beim Besichtigen des Buffets bekam man Appetit. Das Angebot war reichhaltig. Salat, Gemüse und Kartoffeln, verschiedene Pasta Sorten und Obst machten einem Vegetarier das Leben einfach. Die Reederei Hurtigruten hatte sich auf jeden Geschmack eingestellt. Wieder zog es mich raus aufs Vordeck, immer auf der Jagd nach einem tollen Motiv. Der Regen hatte aufgehört und ein toller Nebelschleier zog über das Wasser. Das Schiff schreckte einen großen Schwarm Möwen auf, ich hielt das Objektiv in ihre Richtung, zum Glück hatte ich das Tele drauf, und ich hoffte auf halbwegs scharfe Bilder.

      Urke kam in Sicht, ich erkannte es an den Häusern, die ich schon im Internet gesehen hatte. Das Schiff hielt an und ein größeres Motorboot kam auf uns zu. Ich ging schon mal runter zum Deck 2, wo schon eine Schlange wartete, um mich dort anzustellen, das konnte ja nicht schaden. Wenig später gesellte sich meine Schwester zu mir. Wir hatten wegen des schlechten Wetters keinen Ausflug gebucht und wollten den Ort und Umgebung lieber auf eigene Faust erforschen. Zuerst wurden die Leute ausgebootet, die Ausflüge gebucht hatten und dann der Rest. Plötzlich hieß es wir können auch mit, und so kamen wir in das letzte Boot für die Ausflügler. Ich saß neben dem Steuermann und kaum hatten wir von der Finnmarken abgelegt, warf diese ihre Motoren an, drehte uns ihren wunderschönen Po zu und fuhr weiter. Am Kai angekommen schauten wir verblüfft hinterher und fragten uns, wo will die denn hin, ohne uns.

      Der Rest der Familie war noch an Bord. Hatten wir da irgendetwas nicht mitbekommen? Wir gingen über den Steg an Land und eine Frau von der Reiseleitung empfing uns und klärte uns auf, dass die Finnmarken zu ihrem Ankerplatz fährt und danach werden die anderen Passagiere ausgebootet. Die Bustouristen stiegen in ihre Busse und dann waren wir allein. Meine Schwester und ich hatten durch unser forsches Verhalten mehr Zeit gewonnen und starteten zu unserer Fotosafari.

      Vorbei an einer Wiese mit Schafen und einer schönen alten Bruchstein Mauer, über einen kleinen reißenden Fluss, vorbei an einem noch kleineren Campingplatz, gut das da ein Schild stand, sonst hätten wir diese Attraktion nicht bemerkt. Dann sind wir zu dem wirklich kleinen Lebensmittelgeschäft gegangen, wir schauten uns drin um und natürlich nur aus reiner Höflichkeit erstand ich eine Tafel Schokolade der Marke Freia. Wir gingen dann weiter die Straße hoch und mußten die Jacken ausziehen, denn, welch ein Wunder, die Sonne kam raus. Schnell war die Temperatur bei „heißen“ 18 Grad Celsius und bei dem Licht konnten wir wunderbar fotografieren. Ein Norweger der in seinem Garten arbeitete winkte uns zu. Wie toll sich der Tag entwickelt hat nach der morgendlichen Enttäuschung. Wenn wir so weitergegangen wären, hätten wir die Bergalm, welche bei einem Hurtigruten Ausflug als Wanderung angeboten wird, erreicht.

      Doch so weit wollten wir nicht laufen und so kehrten wir nach einer halben Stunde um, und gingen zum Dorf zurück. Oh Schreck, in dem Dorf wimmelte es nur so vor Menschen, da musste wohl wieder so ein Kreuzfahrtschiff seine Passagiere an Land gelassen haben. Wir gingen wieder in Richtung Kai, wo es nämlich die besten und wahrscheinlich auch die einzigen Waffeln vom Hjørundfjord geben sollte. Am besten man geht immer gegen den Strom , antizyklisch ist die Devise, wenn nämlich erst die Anderen auf diese Idee kommen, heißt es wieder Schlange stehen und die Waffeln sind alle. Das Café Urke ist eine urige Bude mit Tischen und Stühlen auf einem breiten Steg. Der Besitzer sprach sehr gutes Englisch und erzählte uns, dass er nach München zum Oktoberfest fährt. Oh je, der wird sich aber umgucken so´n Gedränge, aber die Bierpreise werden ihm günstig vorkommen. Irgendwann trudelte auch meine Frau mit dem Rest der Familie ein und sie waren erstaunt, dass wir schon wieder beim Essen waren. Tja, bei der „besten“ Waffel von ganz Norwegen, einem heißen Kaffeepott und bei herrlich strahlendem Sonnenschein, wem schmeckt es da nicht.

      Die Finnmarken machte unterdessen eine Rettungsübung und setzte Beiboote aus. Schließlich ging es wieder aufs Schiff und wir mussten noch auf die Bustouristen warten, der Kapitän musste sogar das Typhon bemühen um die Trödelei zu beenden, schließlich ließ der Fahrplan nicht viel Spielraum zu. Die Rückfahrt nach Ålesund war bei schönem Wetter deutlich angenehmer.

      Wasserfälle die die Berge runter tosten, Gletscherreste und Schnee auf den selbigen, Schiffe, Boote und Möwen. Sogar Seeadler konnte man in der Ferne sehen. Um 17.20 erreichten wir wieder Ålesund und diesmal stiegen wir alle aus zu einem Rundgang durch die Stadt des Jugendstils. Ich kannte ja schon den besten Weg und so dirigierte ich selbstbewusst unsere kleine Expeditionsgruppe zielsicher zur Fußgängerzone mit zahlreichen Jugendstil Gebäuden. Ich machte reichlich Fotos und es kristallisierte sich schnell heraus dass die Gruppe nicht zusammen bleiben würde. Es kam was kommen musste, unsere Eltern spazierten weiter als wir bei den ersten Geschäften hängen blieben. Sport- und Touristengeschäfte zogen uns magisch an, also war die Trennung vollzogen. Wir anderen blieben noch eine Weile zusammen, bis sich auch unsere Wege trennten, denn meine Frau und ich wollten noch über die Brücke auf die andere Seite der Innenstadt.

      Wir liefen noch eine Weile herum und schauten in die ein oder andere Seitenstraße, doch der Rückweg drängte denn 1 3/4 Stunden Aufenthalt lassen nicht viel Abenteuerlust zu. Das größte Manko der ganzen Reise, immer die Uhr im Nacken wenig Zeit um viel zu unternehmen. Selbst wenn das Wetter besser gewesen wäre, immerhin hatten wir keinen Regen und man sah ab und an einen blauen Flecken am Himmel, so war es doch schwer möglich mal gemütlich irgendwo einen Kaffee zu trinken oder ein Bierchen zu schlabbern. Also wieder zurück zum Schiff, diesmal auf den Holzstegen am Hafenbecken. Da könnte man hübsch längs promenieren, wir sind aber eher im Schweinsgalopp zurück getrabt. Am Schiff wurden wir ruhiger und nahmen uns Zeit für Fotos von der Finnmarken mit uns. Ein freundlicher Zeitgenosse half uns dabei.
      Wieder an Bord blieben wir auf dem Promenadendeck um das Auslaufen mitzuerleben. Um 18.30 gab es dann unser erstes Dinner, meine Frau musste das Hauptgericht im Vorfeld umorganisieren, da einige von uns kein Lamm mochten, und ich schon mal gar nicht. Auch dies war ein Beispiel für die außerordentliche Flexibilität der Restaurant Chefin, die ich hier noch mal ausdrücklich erwähnen möchte. Da ich zu Beginn der Reise vegetarisches Essen bestellt hatte, brauchte ich mir nur den Platz mit dem grünen Kärtchen zu suchen. Es gab auch andersfarbige Kärtchen, blau und weiß zum Beispiel, die hatte ich an einem Nachbartisch gesehen. Wofür die standen wußte ich nicht, doch das lehrte mich Hochachtung vor dem Beruf des Stewards der sich durch dieses Minenfeld der Sonderwünsche hindurch schlängeln muss.
      Nach dem Essen kam die Dämmerung und ich bin wieder mit dem Fotoapparat raus. Einerseits hatte ich Glück, denn wir fuhren an einem kleinen weißen Leuchtturm vorbei, andererseits sind die Bilder leider nichts geworden. Es gab zu wenig Licht und durch das fahrende Schiff war es zu viel Bewegung für ein scharfes Foto. Ich bin dann frustriert wieder rein, um die zurückgehängte Jacke im Bordshop zu kaufen. Einmal hilft ein erfolgreicher Kauf gegen Foto Frust und zum Anderen, was soll man sich noch lange gegen das unvermeidliche Geld ausgeben wehren.
      Den Rest des Abends haben wir dann wieder gemütlich im Panoramasalon verbracht, um bei einem oder mehreren geistreichen Getränken über die Erlebnisse des Tages zu erzählen. Die Einfahrt in den Hafen von Molde bescherte uns dann noch ein ein tolles Lichtermeer als Abschluss dieses ereignisreichen Tages, der feucht begann und feuchtfröhlich endete.
    • Klasse Bericht!!!!! Tolle Fotos!!!

      Ich habe auch, bei meinen zwei Fahrten mit der Finnmarken das Rührei vermisst.
      Für mich ist es Tradition, dass ich Rührei immer nur esse, wenn ich im Urlaub bin.
      Auf den anderen Schiffen gab es das auch.
      Das Angebot ansonsten war natürlich sehr vielfältig!!!!

      Gruß seealpe
    • Nanook wrote:

      Doch eine Sache fehlte doch: Rührei!

      Auf der MS Lofoten gibt es auch kein Rührei mehr, nur noch Spiegeleier :(
      Letztes Jahr gab es noch beides im täglichen Wechsel.

      Wahrscheinlich braucht man für Rührei pro Portion mehr Eier, also kann man hier wieder sparen :hmm: (erst recht bei denen, die nur Rührei essen :D )

      :sdanke: für den unterhaltsam geschriebenen Reisebericht, ich bin schon auf die Fortsetzung gespannt :)

      Viele Grüße
      Noschwefi
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


    • Nanook wrote:

      Doch eine Sache fehlte doch: Rührei!


      Gibt es wahrscheinlich nur bei ausreichend Seegang ..... :mosking: :laugh1:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • Sturmreise mit der Finnmarken im Herbst vom 17. – 28.09.2018 – BKB

      3. Tag: Mittwoch , 19.09.2018

      Gegen 6:00 wachte ich auf und versuchte gar nicht erst weiter zu schlafen, denn einerseits klappt es meist doch nicht und andererseits war die Verlockung des kleinen Pools zu groß, um weiter in der Koje zu bleiben. Doch diesmal blieb ich nicht allein denn mein Schwager, angelockt durch meine Begeisterung vom Vortag, kam auch zum Frühsport. Lange hielt die Begeisterung nicht, denn als meine Schwester nach kurzer Zeit dazu kam haben die Beiden sich in ein Jacuzzi verzogen. Ich habe mich dann nach 20 Min. schwimmen in die Sauna verkrümelt um danach frisch und munter den Frühstücksraum zu entern. Dieser war schon gut gefüllt als ich eintrat, viele Langschläfer scheint es unter den hurtigen Gästen nicht zu geben. Schnell fand ich einen Tisch in dessen Nähe Teile meiner Familie saßen.

      Die Finnmarken fuhr auf den Trondheimer Hafen zu, an der Insel Munkholmen vorbei, in Begleitung eines wunderschönen Morgenlichtes und kündigte sich mit dem Typhon an, denn sie musste auch die Richard With begrüßen die dort schon lag. Dem begeisterten Passagier wurde dann ein Schauspiel sondergleichen geboten, ein Schiff parkt rückwärts hinter einem anderen an der Hafenmauer ein. Wir haben gefilmt und geknipst was das Zeug hält denn so ein Schauspiel wird einer Landratte nicht häufig geboten. Es ist schon beeindruckend einem so großen Schiff zuzusehen, wie es praktisch auf einem Bierdeckel wendet.

      Wir verließen dann das Schiff, begleitet von dem freundlichen „goodbye“, und verabschiedeten unsere drei Senioren, die die Bustour durch Trondheim gebucht hatten. Da fällt mir das Abstrakte in dem Begriff Senior auf, denn hier bezeichnet der 58 jährige Senior einen 81 jährigen als Senior. Unter Leitung meines Schwagers, den wir kurzerhand zum Reiseführer ernannten, schließlich war er das dritte Mal in Trondheim , machten wir uns unter seiner sachkundigen Führung auf den Weg zum Nidaros Dom. Vorbei an einem alten Zollgebäude und einer Wikinger Statue ging es bei trockenem Wetter mit sehr vereinzelten Sonnenstrahlen zu einer Fußgängerzone. Unsere beiden Frauen blieben recht bald vor dem einen oder anderen Schaufenster hängen, ein kleines Einkaufszentrum war offen und in einem Sportgeschäft haben wir etwas herumgestöbert, doch nichts kaufenswertes gefunden. Mein Bruder suchte einen Schal vom Trondheimer Fußballverein Rosenborg, den er, um es vorweg zu nehmen, während der Reise in keinem Geschäft bekommen konnte. Vielleicht sind die Norweger nicht so Fußball verrückt, oder sie haben uns als Touristen erkannt und wollten verhindern, dass so ein Heiligtum ins Ausland geht. Wir kamen zu einer Kreuzung und rechts blickend sahen wir eine weitere Kreuzung auf der auf einem 10 m hohen Sockel eine Statue mit Schwert stand. Herman der Cherusker in klein. Mein Schwager erzählte uns, dass dies der Wikingerkönig und Stadtgründer Olav Tryggvason sei, und das in Studentenkreisen die Herausforderung bestünde dieser Statue heimlich einen Schal umzuhängen, um dann ein Jahr Freibier zu bekommen. Ein selbstmörderisches Unterfangen das mir schweren Respekt einflößte, es sei denn man bekäme mitten auf die Kreuzung unbemerkt eine Hubbühne, was wohl schwierig wäre.

      Beim Nidaros Dom begnügten wir uns damit außen um ihn herumzugehen, die reichhaltig verzierte Fassade zu betrachten und auf die SD Karten abzuspeichern. Die Sonne stand zum Fotografieren leider schlecht, volle Pulle Gegenlicht mit dem ich leider immer noch nicht so richtig zurechtkomme. Man hat halt im Alltag den Fotoapparat zu selten dabei, und übt zu wenig um sich zu verbessern. Wir spazierten weiter zur Gamle Bybrua, die alte Stadtbücke über den Fluss Nidlev, dort stand die Sonne goldrichtig und wir reihten uns ein in eine große Horde Fototouristen. Man konnte herrliche Bilder von den alten Lagerhäusern samt ihres Spiegelbildes im Flusswasser machen. Wir verbrachten eine Zeit lang dort, bis es hinter den Lagerhäusern wieder Richtung Hafen ging. An schönen kleinen Cafés und Läden kamen wir vorbei, die wir aber aufgrund unserer begrenzten Zeit nach kurzem Betrachten von außen schweren Herzens zurück ließen. Schließlich erreichten wir die alten Hafenbecken wo die Lagerhäuser modernisiert waren und Büros, Geschäfte und Wohnungen beherbergten. Wir bummelten noch eine Weile durch die Galerie um den Landgang bis zum Schluss auszukosten. Kurz vor unserem Aufbruch tauschten wir noch etwas von unserem Bargeld, welches in Norwegen, hab ich das schon erwähnt, wirklich überflüssig ist, gegen dicke Softeis um uns den Rückweg etwas zu versüßen. Das Eis war lecker und es tröstete uns darüber hinweg, dass die singende Brücke (Verftsbrua) über die wir anschließend gingen, stumm blieb. Mein Schwager erzählte uns, dass es eine Aktion von Studenten war, diese Fußgängerbrücke mit Walgesang auszustatten. Vielleicht hat das ja auch eine tiefere psychologische Bedeutung das die Wale schwiegen?!
      Das Schiff erreichten wir ohne Schwierigkeiten rechtzeitig und es lief um 11.30 aus. Ich hörte mir den Vortrag von Magnus über die Insel Munkholmen und ihren besoffenen Mönchen an. Das war wieder sehr informativ und kurzweilig, allein nur um Magnus zuzuschauen, der wie ich erfahren hatte nebenbei ein Schauspieler war, und demzufolge seine Gesten und Stimme bei jedem seiner Vorträge aufs Äußerste zur Geltung brachte.
      Nach dem Mittagessen, bei dem ich, aufgrund des anstrengenden Vormittages, diesmal etwas mehr zuschlug, gingen wir wieder an Deck, denn das Wetter wurde immer besser und wir genossen die Fahrt durch den Trondheimfjord. An dem Muschelessen nahm ich nicht teil. Auch wenn ich während der Reise zum Pescetarier wurde, Muscheln mochte ich noch nie, ich hatte früher immer den Eindruck auf Sand herum zu kauen. Aber unsere Väter brauchten einen Eiweißschock und unsere Frauen sprachen dem Sekt zu.

      Ich wartete lieber am Bug auf eins der Highlights der Reise, den Leuchtturm Kjeungskjaer. Zwischendurch gab es aber noch den ein oder anderen Leuchtturm, Frachter, Felsen in Ostereierform und Regenbogen. Dann kam er und in Begleitung einer Fregatte. Hört sich lustig an, aber als wir ihn erreichten kam uns eine norwegische Fregatte entgegen, die den Leuchtturm rundete. Anhand der Kennung 312 konnte ich später bei Wikipedia recherchieren das es die Fregatte KNM Otto Sverdrup war, eine der 5 Fregatten die Norwegen hat. Es gelang mir ein Foto, wo es so aussieht, als ob der Leuchtturm auf dem Vorschiff der Fregatte steht. Ein Mitreisender beeindruckte mich sehr, denn er ließ seinen Verschluss im Dauerfeuer rasseln. Entweder klemmte da etwas oder er war ein russischer Spion, was ich schon recht verwegen gefunden hätte. Denn es war nicht nur die norwegische Marine in Reichweite, sondern auch die norwegische Luftwaffe zeigte uns mit zwei F-16 ihre Flugkünste.

      Während ich so meinem Vergnügen nachging und mich abmühte die touristischen Highlights auf meinen Fotos in bestem Licht darzustellen, kämpfte meine Frau mit ganz alltäglichen Problemen. Später hat sie mir erzählt, das unsere Kabinentür mit der Cruise Karte nicht mehr zu öffnen war und zwei Mann von der Crew sich mit diesem Problem abmühten. Es klappte schließlich ohne eine neue Cruise Karte zu programmieren oder die Tür auszutauschen. Ich bekam dann natürlich sofort ein schlechtes Gewissen, dass ich sie in dieser Situation nicht wenigstens moralisch unterstützt hatte, denn in Türschlösser knacken bin ich nicht so gut. Obwohl das im Fernsehen immer so einfach aussieht.
      Wir hatten himmlischen Sonnenschein und nach dem schrecklichen Wetter von gestern Vormittag kamen wir nun voll auf unsere Kosten. Man konnte sich sogar in die Sonne legen was meine Frau und ich auf dem Sonnendeck des Hecks auch taten.

      Da kam doch das erste Traumschiff Feeling auf. Nur leider kamen viele Leute auf die Idee und so war es mit der Ruhe vorbei. Eine Stunde hab ich es bei Sonnenschein und Gesabbel der Mitreisenden ausgehalten doch dann hielt es mich nicht mehr im Liegestuhl und ich wechselte wieder zum Bug, schließlich erwartete ich die nächste Attraktion! Die enge Durchfahrt durch den Stokksund wo einst der deutsche Kaiser dem Steuermann in das Steuerrad greifen wollte weil die Felsen bedrohlich näher kamen. Eine Zeit lang war ich noch einer von wenigen doch dann kam irgendwann die Durchsage von Marte der Leiterin des Expeditionsteams das ein besonderes Ereignis am Bug zu erwarten sei, und schon war ich umzingelt aber ich ließ mich von meinem Platz ganz vorne rechts nicht weg drängeln. Bei nahezu Windstille und spiegelglattem Meer schlängelte sich die Finnmarken durch die von Felsen eingerahmte Fahrrinne. Leider blieb das Typhon still, das eigentlich den Gegenverkehr warnen sollte. Das war schade denn ich habe extra deswegen mit meiner Kamera gefilmt. Das wäre eine gute Untermalung gewesen und ich glaubte gelesen zu haben das das Typhon an dieser Stelle Tradition sei. Aber der Kapitän hatte wie so häufig auf der Reise gezeigt wer das Sagen hatte.

      Trotz allem war es eine eindrucksvolle Passage unserer Reise. Ich blieb noch recht lange auf dem Vorschiff ließ beeindruckende Bergformationen, viele kleine bunte Häuschen und Häfen mit Fischerbooten an mir vorbeiziehen. Dann, so gegen 16.30, verschlechterte sich das Wetter und der blaue Himmel verwandelte sich in eine graue Masse die sich am Horizont undefinierbar mit dem Meer zu einem unfreundlichen Schiefergrau verband. Trotzdem blieb ich bis zum Abendessen an meinem Ausguck, denn die zahlreichen Leuchttürme, Schiffe und Möwen die mir Ihre Flugkünste zeigten ließen mir die Zeit nicht lang werden. Das ein oder andere Bild von einer Möwe im Flug sollte mir wohl gelungen sein. Auch Kormorane sind hier sehr viel vertreten.

      Ich konnte eine Dreier Formation von ihnen recht gut fotografieren, weil sie ziemlich dicht am Schiff vorbei flogen. Ob die Kormorane hier in Norwegen auch so verhasst sind wie bei uns, weil sie Fische fressen? Die Fische sind ja schließlich nur für Menschen da! Schwer zu sagen, da ich wohl nicht in die Lage kommen werde über dieses Thema mit einem Norweger zu diskussieren, ist auch besser so, denn es geziemt sich für einen Gast nicht den Besserwisser zu spielen. Komische Schiffe fahren hier herum, kurz und kastig, als ob man einen Container an einer Seite etwas angespitzt und ein Häuschen obendrauf gesetzt hat.

      An einem kleinen hübschen Hafen kamen wir auch noch vorbei und ich hatte Glück, denn in dem Moment lugte die Sonne zwischen den Wolken durch und ich hatte für einen kurzen Augenblick bestes Licht. Beim Abendessen waren wir diesmal etwas routinierter, da wir wussten wer sich zu welchem farbigen Kärtchen setzt. Mein Vater bestellte aus Versehen zwei Wasserpakete also musste er wieder eins stornieren. Ich bewunderte die Ruhe und Freundlichkeit des Personals. Einige unserer Truppe mochten das Finnmärker Stille nicht, tja, dann muss man halt die Cruise-Card zücken. Das Essen war wieder sehr lecker und da waren sich alle einig. Eine halbe Stunde nach dem Abendessen haben wir ein Treffen bei den Sitzecken vor den Konferenzräumen ausgemacht um den Zeitpunkt der Polarkreis Überquerung zu errechnen. Für das Ratespiel hatte meine Schwester einen ziemlich guten Plan, aber die Unbekannte in ihrer Gleichung war der Sturm der aufkommen sollte. Am Ende hatte sich jeder für eine Zeit entschieden und warfen die Karten in den Sammelkasten ein.
      Meine Schwester und mein Schwager wollten uns einen Ausflug schmackhaft machen der ihnen beim Expeditionsteam empfohlen wurde. Mit dem Rippboot zu einer Vogelinsel und dann weiter zum Nordkappfelsen, zum Aussichtspunkt und Besucherzentrum hoch wandern, um dann mit den Buspaxen zum Schiff zurück zu fahren. Mindestteilnehmerzahl 5 Personen und wir wären schon 4, doch da gibt es einen monströsen Haken !!! 500,- Euronen pro Person, summa summarum zwei lila Scheine verlassen für immer und ewig unsere Urlaubskasse. Brutal, da müssen wir erst mal drüber schlafen. Was wir dann auch tun nach diesem ereignisreichen Tag. Das in den Schlaf schaukeln brauchte ich mittlerweile zu Glückseligkeit. Die Entwöhnung davon, wenn ich wieder zu Hause bin wird schwer werden, wohl war!
    • Mmh, da habe ich ja anscheinend alles richtig wieder gegeben, denn ich ernte keinen Protest!
      Die Statue mit dem Schal, da hatte mir mein Schwager ein Bild gezeigt, aber als ich die "singende Brücke"
      nachrecherchieren wollte fand ich nichts im Internet , und so war ich mir nicht sicher ob das stimmte.
      Ich habe schon etwas Sorge, dass ich hier bei den vielen Norwegen Experten Blödsinn erzähle!
      LG Gilbert