Die Reise mit dem ungeliebten Schiff - oder - Von Zweien die auszogen, das Ende des Regenbogens zu finden

    • B-K-B
    • 2010
    • Jobo schrieb:

      Vermutlich war das wieder einer der Tage, an dem er sich beim Frühstück hat bedienen lassen.

      Wie sagte meine Oma immer - der Dumme ist nicht der's verlangt, der Dumme ist der's macht... :D

      Danke - freue mich auf die Fortsetzung *mitdenHufenscharr*
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~
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      Reiseberichte siehe Profil!

    • Einfach unglaublich, wie unterschiedlich Ihr die Reise beschreibt! Köstlich zu lesen! Und dann die Mühen mit den Smileys, die muss man erst einmal finden! Danke Renate!

      Joachim, danke dass Du die EENDERACHT aufgenommen hast. Das ist endlich mal ein Neubau, der nicht nur von der Form- sondern auch von der Farbgebung gelungen ist.

      Speedboot: Das sind die nach der Schiffssicherheitskonvention zwingend vorgeschriebenen Fast-Rescue-Boats, seit 1983 vorgeschrieben. Die Führer dieser Boote haben eine spezielle Ausbildung hierfür.

      Finnkjerka : Warum hast Du DAS Bild nicht mit in die Kalenderauswahl gestellt? Es ist m.E. relativ schwierig, diese Felsformation zu fotografieren, weil entweder zu dunkel, zu spät, zu schlechte Sicht oder, oder, oder.

      Vielen Dank, macht weiter so!

      Gruß aus Hamburg bei 5° und leichten Schleierwolken.
      Ronald
    • Jobo - 7.Seereisetag 17.September


      Um 5:45 Uhr wache ich auf, gut ausgeschlafen, da wir ja relativ früh den gestrigen Abend beendet hatten und das leichte Schaukeln in der Nacht sehr angenehm war. Ich bin etwas erstaunt, dass ich Renate nicht an Deck treffe, vermute aber, dass sie wieder durch den morgentlichen Reinigungstrupp mit dem Wasserschlauch vertrieben wurde. Wir fahren ruhig an der Küste entlang, irgendwo zwischen Vardø und Vadsø . Das Wetter ist, wie schon erwartet ziemlich schlecht, über mir hängen dunkle Regenwolken.
      Ich finde Renate schließlich in der Cafeteria, sie war tatsächlich vor der Reinigungsgang geflohen, und wir gehen gemeinsam zum Frühstück. Dieses können wir auch genießen, bis wir in Vadsö anlegen. Nun beginnt der Handy-Terror, immer abwechselnd simmsen uns Rock Lobster und almidi an und wollen uns auf Plätze an Deck dirigieren, damit wir von der Hafenwebcam von Vadsö erfasst werden.
      Zum Glück sind wir mit dem Frühstück fast fertig und gehen danach auch an Deck, um uns an den richtigen Platz lotsen zu lassen. So geht es eine Zeitlang hin und her, mal nach den Anweisungen von Rock Lobster, mal nach denen von almidi. Wir sind froh, als wir endlich ablegen, denn nun hört der Stress wieder auf. :wacko1:

      Wir nutzen jetzt erneut die Möglichkeit und loggen uns ins Internet ein, ein kurzer Besuch im Forum, zwei, drei Worte, danach gehts wieder an Deck. Die Küste bleibt schnell hinter uns zurück, während wir den Varangerfjord überqueren. Bald schon ist nur noch ein Einheitsgrau um uns herum zu erkennen. Ich nutze diese Gelegenheit, da das Wetter auch keine Besserung verspricht, um meine Kabine zu einem Nickerchen aufzusuchen. Ich habe das Schild "Bitte nicht stören" an meine Tür gehangen, dieses wird aber, gerade als ich im Tiefschlaf bin, von der Reinigungskraft ignoriert. Mit lautem Getöse reißt sie meine Tür auf, um dann mit einem "Sorry" selbige wieder heftig ins Schloß zu ziehen.

      Also stehe ich wieder auf und gehe an Deck. Wir liegen inzwischen schon in Kirkenes , also habe ich doch gut über zwei Stunden geschlafen, kam mir irgendwie kürzer vor. Renate kann ich allerdings nirgendwo entdecken, daher schaue ich mich etwas an Deck um.

      Es befinden sich schon viele neue Passagiere an Bord, darunter auch eine große deutsche Reisegruppe, die wohl auf den Zugang zu ihren Kabinen warten. Unsere Italiener sind aber auch immer noch an Bord. Ich finde Renate schließlich in der Cafeteria, die auch ziemlich gut besetzt ist.

      Renate hatte zwischenzeitlich den Supermarkt aufgesucht und Muffins mitgebracht, die wir uns genüsslich schmecken lassen. Danach gehts wieder hoch an Deck um noch ein wenig das Treiben im Hafen zu beobachten.

      Gerade legt ein russischer Frachter ab, dreht sich langsam im Hafenbecken, um dann im Zeitlupentempo in den Fjord hinauszufahren. Irgendwie sieht der Frachter seltsam aus, während er hinten tief im Wasser liegt, ragt vorn der Bug weit aus dem Wasser.

      Mit leichter Verspätung legen wir um 12:50 Uhr in Kirkenes ab, es setzt gerade leichter Regen ein. Die meisten der neuen Passagiere sind nun damit beschäftigt ihre Kabinen zu beziehen, anschließend steht die übliche Informationsveranstaltung für diese Reisenden an. Dadurch ist es an Deck doch recht übersichtlich, nur wenige Mitreisende leisten uns dort Gesellschaft.

      Da die Sicht ohnehin nur sehr gering ist, verabschiedet sich Renate in ihre Kabine, um sich etwas hinzulegen. Ich nehme mir einen der noch trockenen Stühle an Deck und setze mich, quer zur Fahrtrichtung, unterhalb des hinteren Teils des großen Panoramaraumes in einen überdachten Bereich. Hier im Bökfjord ist die See noch relativ ruhig, aber kaum erreichen wir die offene Barentsee beginnt das Schiff nun heftiger zu stampfen.

      Es hat sich hier von See her eine lange Dünung aufgebaut und die Wellenhöhe liegt schon etwa bei vier Meter. Zu sehen ist eigentlich nichts mehr, aber da ich das schöne Stampfen des Schiffes als sehr angenehm empfinde, bleibe ich in meinem Stuhl sitzen.
      Die Temperatur ist inzwischen auch stark abgesunken und gerade kommt die Durchsage, dass der Besuch der Festung in Vardö wegen einer etwa 30 minütigen Verspätung entfällt. Der Wellengang wird jetzt immer heftiger, die Wellen sind sicherlich fünf bis sechs Meter hoch. Mir tun die neu zugestiegenen Passagiere schon ein wenig leid, kaum an Bord, schon in der heftigen See, das verträgt garantiert nicht jeder.
      Von der nächsten Durchsage erfahre ich, dass der Betrieb des Aufzuges vorübergehend eingestellt wird. Aus dem Regen ist mittlerweile ein kleiner Wolkenbruch geworden und vor uns wartet noch eine riesige schwarze Wand. Die Temperatur liegt geschätzt nahe der null Grad, als ich mich gegen 15 Uhr auch in meine Kabine verziehe.

      Nach einem erholsamen Nickerchen bin ich um 17:30 Uhr zeitgleich mit Renate wieder an Deck, gerade laufen wir in Vardö ein, die Verspätung ist also noch größer als angekündigt. Renate jammert mir nun die Ohren voll, weil in ihrer Kabine einiges umhergeflogen ist, das kann ich gar nicht verstehen, in meiner Kabine ist sogar der leere Kaffeebecher ganz ruhig auf dem Tisch stehen geblieben. Zumindest der Regen hat aber nachgelassen, während die Sicht immer noch bescheiden ist. Das drückt dann doch ein wenig auf unsere Stimmung, die doch seit Kirkenes , da man sich ja nun wieder südgehend befindet, ohnehin etwas getrübt ist.

      Noch während wir wieder ablegen begeben wir uns zum Dinner, es schaukelt aber nur noch mäßig. Das ist aber scheinbar doch schon zuviel für eine ältere Dame an unserem Tisch, die nach der Vorspeise eilig den Speisesaal verläßt. Nach einiger Zeit kommt sie zurück und setzt sich dann aber auf die andere Seite des Tisches, in Fahrtrichtung, von da an hat sie keine Probleme mehr. Ansonsten ist das Restaurant aber, für ein ab Kirkenes ausgebuchtes Schiff, erstaunlich leer. Da haben wohl doch einige auf das Abendessen verzichtet.

      Gegen 19:35 Uhr sind wir dann, nach dem leckeren Dinner, wieder auf Deck. Es ist inzwischen stockdunkel und der nächste Hafen, Batsfjord , ist schon an seinen Lichtern erkennbar. Allerdings hat auch der Regen wieder stärker eingestetzt, nach jedem Bild muss ich zuerst wieder die Kamera trockenwischen.

      Wir legen in Batsfjord um 20 Uhr an, haben also bereits wieder die Verspätung aufgeholt, das hätte ich der Vesteraalen gar nicht zugetraut. Hier nehmen wir wieder einiges an Ladung auf, während der Regen immer stärker wird. Schließlich verlassen wir Batsfjord pünktlich nach Fahrplan und fahren in die dunkle Nacht hinaus.

      Wir ziehen uns in die hintere Ecke der Cafeteria zurück und können hier einige der neuen Passagiere beobachten. Ein älteres Ehepaar, er wohl auch etwas unsicher auf den Beinen, halten sich am Eingang der Cafeteria an der Tür fest. Der Seegang hat zwar wieder zugenommen, hält sich aber noch in Grenzen. Die beiden stehen wohl mehrere Minuten dort, bevor sie sich mühsam zum Tresen der Cafeteria trauen. Anschließend versucht die Frau mit je einer Tasse Kaffee in den Händen, den kurzen Weg bis zu einem Tisch gegenüber des Tresen freihändig zu nehmen.
      Das hätte sicherlich in einer Katastrophe geendet, wenn nicht andere Passagiere hilfreich eingegriffen hätten. Was machen diese Leute bloß bei richtigem Seegang? Na ja, die müßen sich wohl auch erst an den schwankenden Boden gewöhnen.

      Es ist etwa 22 Uhr, als wir uns wieder auf Deck begeben um die Anfahrt auf Berlevag zu sehen. Der Seegang hat jetzt wieder ordentlich zugenommen, doch wir schwimmen mit den Wellen. Als wir den Leuchtturm vor Berlevag weit an Backbord liegen lassen, wird uns schnell klar, dass Berlevag heute nicht angefahren wird.
      Bald sind dann auch, zuerst nur dünn, dann immer deutlicher die Lichter der uns entgegenkommenden MS NORDKAPP zu sehen. Während wir mit der Dünung treiben, muss diese heftig gegen die Dünung ankämpfen und macht die reinsten Bocksprünge dabei. Bei dem Geschaukele und der Dunkelheit ist natürlich kein scharfes Bild möglich, schade, hätte sicherlich gut ausgesehen.
      Der Kurs der NORDKAPP verät uns, das auch sie Berlevag auslässt, es ist wohl einfach zu gefährlich, die enge Einfahrt zwischen den Molen bei diesem Seegang und der Strömung zu nehmen. Wir schauen der NORDKAPP noch bis etwa 23 Uhr hinterher, bevor wir den Abend beenden und uns in unsere Kabinen zurückziehen.




      ------------ Fortsetzung folgt ----------------







      Renate - 17.9.2010 Vardö - Kirkenes - Berlevaag



      Wecker 4.30 - Tiefschlaf - Vardoe . Mit dem Aufstehen musste ich noch warten.
      Beim Auslaufen unterhalb der Kugel schaukelte es noch extrem. In der Nacht war ich nur 1x
      wach geworden um 1.45 Uhr, sonst habe ich nix gespürt.
      Duschen und anziehen heute mit Vorsicht, aber nach kurzer Zeit wurde es ruhiger. Die Varanger-
      Halbinsel lag im Dunst, der Himmel mit Regenwolken verhangen.
      An Deck wurde ich wie jeden Morgen mit meinem Kaffeebecher von einem Ende zum anderen gehetzt ,
      Diese Bubis mit ihren Wasserschläuchen hatte ich inzwischen gefressen. Um 6,30 Uhr habe ich aufgegeben
      und mich in die Cafeteria verzogen. Was hatte ich denen bloß getan ?
      Hier war es wenigstens ruhig und Jobo noch unsichtbar - bis 6.50 Uhr! Da tauchte er fröhlich auf,
      schließlich gab es gleich Frühstück, unsere schönste Mahlzeit des Tages.
      Wir saßen gerade gemütlich beisammen am Kai von Vadsø - ging der Handy-Terror los.....
      Rock Lobster :" Geht doch mal raus, ich habe die Gangway auf der Webcam ". Das Brötchen blieb uns
      fast im Hals stecken.Jobo:" Schaffen wir wohl nicht !" - Ruhe ! Na ja, um 7.50 Uhr waren wir dann
      an Deck. Jobo piept Rock Lobster an, der dirigiert uns auf einen anderen Platz. Dann meldet sich
      noch almidi, nun noch abwechselnd - der reinste Wahnsinn.. .
      Aber zum Glück war ich ja friedlich gestimmt, weil ich Urlaub hatte
      Jedenfalls mussten wir noch ein Deck höher, damit die Welt uns besser sehen kann.
      Um 8.00 Uhr legten wir endlich ab. Auf dem Varangerfjord stürmte und regnete es heftig. Jobo
      hatte sowieso schlecht geschlafen, nun sank seine Laune rapide. O-Ton:" Mistwetter, so wollte ich das
      nicht haben, fotografieren kann man auch nicht " usw.usw. Schlussendlich gegen 9.20 Uhr: "Ich lege mich jetzt wieder hin, bis nachher!"
      Ich, putzmunter und auch bei Sauwetter nicht übellaunig, habe mich nach dem Anlegen in Kirkenes mit dem Tross der Aussteiger nach draußen spülen lassen. Es regnete in Strömen. Wie üblich wurde zuerst das Schiff fotografiert. Dann habe ich mich langsam auf dem Weg zum Supermarkt einregnen lassen .Für solche Zwecke hatte ich zu Hause noch schnell meine blaue FRAM-Jacke eingepackt. Wofür braucht man die auch sonst ? Auf dieser Reise hatte sie schon gute Dienste getan.
      Nach der Rückkehr und pudelnass schnell die Jacke gewechselt, die Einkäufe verstaut und wieder raus.
      Es hatte nämlich aufgehört zu regnen, hätte ich doch bloß etwas gewartet :wacko1: .
      Inzwischen waren schon einige Busladungen von südgehenden Neulingen angekommen. Sie bevölkerten mit
      Sack und Pack die Cafeteria und warteten auf die Freigabe ihrer Kabinen. Unser Lieblingsplatz war aber
      noch frei. Mit Kaffee und Tagebuch setzte ich mich in die Ecke und taxierte misstrauisch die Ankömmlinge.
      Es war 12.00 Uhr und von Jobo nix zu sehen. Hoffentlich hatte ihn nicht wieder das Service-Personal
      geärgert, und ich muss es dann ausbaden.
      Eins war klar, der Anteil der "Deutschsprachigen" hatte sich mit den Einsteigern deutlich erhöht.
      Komische Gestalten waren darunter - stellte ich fest. Auch Autos mit deutschen Kennzeichen wurden
      verladen.
      Kurze Zeit später erschien Jobo dann doch und wir haben den frischen Kuchen aus dem Supermarkt vertilgt.
      Es fing auch wieder an zu regnen. Der Bökfjord zog sich völlig zu. Am Fjordausgang setzte der Wellengang ein. Es wurde sogar gewarnt.Ich habe mich dann hingelegt. Kurz vor Vardö wurde es besonders schlimm. Vom Nachttisch flogen einige Kleinteile durch die Kabine, zum Glück habe ich alles wiedergefunden. In Vardö konnte ich mich endlich wieder anziehen. Jobo war auch schon draußen, Sauwetter ohne Ende. :negative:
      18.30 Uhr Abendessen. Seit Vardoe kamen die Wellen eher von hinten, so dass wir ziemlich ruhig fahren konnten. Es war ja kein Sturm, sondern eine sehr hohe Dünung. Wir sitzen noch beim Bier in der Cafeteria. Baatsfjord Mistwetter und pünktlich wieder raus. Anfahrt Berlevaag - und geradeaus vorbei :cool: . Die Einfahrt war wegen der hohen Wellen nicht möglich. Wir warteten draußen auf die Nordkapp. Sie kommt gegen die Wellen wie ein Ziegenbock daher und lässt Berlevaag ebenfalls aus :clapping: . Danach gingen wir gegen 23.00 Uhr schlafen.

      Fortsetzung folgt
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • Danke an euch beide für ausführliche und sehr unterschiedliche Berichte !!! @Renate , deine Morgenrotfotos sind wunderschön :good3: , nur solche Frühaufsteher wie du können das erleben ( oder ich , wenn ich im Februar reise ...)
      @Jobo , warum seid ihr nicht mit der Lofoten gefahren ??? Dann hättest du ihr nicht wehmütig hinterherschauen müsse ... Danke für deine , obwohl oft graues Wetter , schönen Bilder der Berge und der Wolkenstimmungen :rolleyes:
      Grüsse Doro
      Reisen 2002 - 2012 mit MS NORDSTJERNEN , MS LOFOTEN , MS FINNMARKEN :)
    • Na ja, auch wenn die Lofoten klar mein Lieblingsschiff ist, und bleibt, so möchte ich doch auch die anderen Schiffe kennen lernen. :good3:
      Gruß Jobo,

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    • Meine Güte - sieht der Anleger von Kirkenes ohne Schnee trostlos aus... :wacko:

      Jobo schrieb:

      Renate jammert mir nun die Ohren voll, weil in ihrer Kabine einiges umhergeflogen ist, das kann ich gar nicht verstehen, in meiner Kabine ist sogar der leere Kaffeebecher ganz ruhig auf dem Tisch stehen geblieben

      Sogar da geht es unterschiedlich zu bei den Beiden... :ahahaha:
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    • Jobo - 8.Seereisetag 18.September


      Eigentlich hatte ich ja vor, mir heute Nacht um drei Uhr die Vorbeifahrt an der beleuchteten Finnkjerka anzuschauen, die uns gestern Abend angekündigt wurde, aber ich habe vergessen mir den Wecker zu stellen und wache erst um sechs Uhr auf. Ein erster Rundumblick, als ich an Deck bin, sagt mir, dass die Sicht nicht wirklich besser geworden ist.

      Wir befinden uns bereits wieder südlich der Nordkappinsel im Mageröyasund. Das gibt uns die Gelegenheit ausgiebig zu frühstücken. Das Restaurant ist auch zu dieser Uhrzeit nur schwach besetzt, einige der Passagiere nehmen wohl auch an dem Tagesausflug "Frühstück am Nordkapp" teil und sind bereits unterwegs.

      Es regnet immer noch leicht, als wir nach dem Frühstück wieder an Deck gehen. Gerade laufen wir auf Havöysund zu, hier warten tatsächlich zwei weitere Passagiere auf das Schiff. Der Aufenthalt hier ist nur kurz und schon bald haben wir den kleinen Ort hinter uns gelassen.

      Die Sicht bleibt leider weiterhin so schlecht, dicke Dunstschwaden ziehen flach über der See dahin. Die Felsen der vorbeiziehenden Inseln sind für uns nur wie durch einen Schleier zu erkennen. Es ist immer noch recht kalt und wir müssen uns von Zeit zu Zeit im Windschatten etwas aufwärmen. Wir warten auf die nächste Begegnung mit einem Hurtigrutenschiff, doch nur ein kleines Kümo stampft vorbei.

      Endlich ist es dann soweit, hinter der Küste der Insel Havöya schält sich die MS NORDNORGE aus dem Nebel, unverkennbar an der großen runden Sathaube mitschiffs und dem Schornstein mit den Lüftungsgittern. Das schöne Schiff wird nun immer größer und auch deutlich erkennbarer, als es sich uns nähert.

      Schon ist die NORDNORGE nahe genug und lässt ihr schönes, tiefes Horn erklingen, welch ein Unterschied zu der krächzenden Vuvuzela, die von unserem Schiff antwortet. Etwas beschämt, ob dem Gequäke, senken wir verlegen den Kopf. Die VESTERÅLEN hat uns wirklich in vielerlei Hinsicht überzeugt und sich als gutes Schiff erwiesen, warum gönnt man ihr kein anständiges Typhoon mit dem sie sich nicht in der ganzen maritimen Welt blamiert?

      Als die NORDNORGE endgültig nicht mehr zu sehen ist, machen wir uns auf den Weg zum vorderen Panoramaraum, es ist mal wieder Zeit im Forum Hallo zu sagen. Wir sind fast alleine hier und ich habe Zeit mich mal ein wenig durch die verschiedenen Threads zu lesen, bevor wir den WLAN-Bereich wieder verlassen.

      Nachdem ich mein Netbook wieder in der Kabine gegen die Kamera getauscht habe, geselle ich mich zu Renate aufs Deck. Wir müssen uns immer noch unterstellen, da der Regen bisher nicht nachgelassen hat. Man muss schon aufpassen wohin man tritt, da sich an Deck teilweise große Pfützen gebildet haben.

      Als an Backbord die große Erdgasanlage auftaucht, ist klar, das wir uns Hammerfest nähern. Einige kleine Fischerboote begegnen uns hier heute morgen. Zumindest hat sich die neblige Dunstglocke etwas angehoben, und vereinzelt kann man sogar das Ufer wieder klar erkennen.

      Als wir schließlich in Hammerfest angelegt haben, macht der Regen doch tatsächlich eine Pause. Das trifft sich gut, wollen wir doch hier einen kleinen Bummel machen. Wir spazieren zuerst zu dem kleinen blauen Eisbärenpavillon um dort auf die nächsthöhere Straße zu wechseln. Renate bemerkt oben auf der Bergkante vereinzelte Rentiere. Damit ich mir nicht die nächsten Stunden anhören muss, dass sie diese zuerst gesehen hat, tue ich so, als hätte ich sie auch gerade bemerkt.

      Wir wandern die Straße, die parallel zum Berghang verläuft, entlang, bis wir wieder auf die Hauptstraße gelangen. Diese wird hier gerade neu geteert und ist auch für den Verkehr gesperrt. Die Fahrzeuge werden über den Hafen umgeleitet, diesen Weg nehmen wir auch und nutzen einen großen Landungssteg für einige Aufnahmen.

      Am Hafen entlang führt unser Weg jetzt langsam wieder in Richtung der Hurtigrutenanlegestelle. In einem kleinen Narvesen kaufe ich mir einen kleinen Snack. Die Verkäuferin versucht hier doch tatsächlich mich mit dem Wechselgeld über den Tisch zu ziehen. Ich bin sicher dass dies kein Versehen war und entsprechend verärgert, nicht mit Jobo!

      Wir spazieren langsam in Richtung der VESTERÅLEN, machen aber vorher einen Abstecher in den Eisbärenclub. Ich mache dort, während Renate sich im Shop umschaut, einen kleinen Rundgang durch das Museum. Dann würde ich mir gerne einen neuen Aufkleber fürs Auto mitnehmen, aber auch von Mitgliedern wird dafür erneut Geld verlangt, für mich nicht akzeptabel.

      Zurück an Bord, Renate verzieht sich gleich in die Cafeteria, kann ich auch schon direkt das Ablegemanöver beobachten. Ein letzter Blick auf den Eisbärenclub und die moderne Kirche von Hammerfest , bevor wir den Hafen verlassen. Unsere Route führt uns jetzt recht nahe an an den Gastanker ARCTIC VOYAGER heran. Das Schiff mit seiner Tragfähigkeit von 75434 t, bei 289,5 m Länge und 48,4 m Breite ist schon recht beeindruckend. Kein Wunder, ist der, unter der Flagge der Bahamas geführte, Tanker doch mit einer BRZ von 118571 gelistet.

      Ich stehe noch einige Zeit an Deck, doch die Sicht wird nicht besser und der Regen lässt auch nicht wirklich nach. Also suche auch ich jetzt die Cafeteria auf, Renate sitzt schon in unserer Lieblingsecke. Ich probiere noch einmal eine dieser leckeren Waffeln, die sind wirklich gut, bevor ich mich in meine Kabine zurückziehe um ein wenig zu ruhen.

      Richtig geschlafen habe ich zwar nicht, aber doch etwas ausgeruht. Wir sind schon an Øksfjord vorbei, als ich gegen 17 Uhr wieder an Deck bin. Der Regen hat merklich nachgelassen, die Wolkendecke steigt stetig höher und ganz in der Ferne ist ein leuchtend heller Streifen am Horizont zu sehen.

      Der Streifen wird auch immer größer und heller, da ist tatsächlich schönes Wetter in Sicht. Ich laufe zum Bug unseres Schiffes, um dieses Schauspiel noch besser zu sehen. Der Balkon ist auch schon gut besetzt, jeder möchte diesen schönen Horizont im Bild festhalten. Nachdem ich einige Aufnahmen gemacht habe, gehe ich wieder nach hinten. Renate verabschiedet sich gerade in ihre Kabine, sie will sich schon mal umziehen fürs Dinner.

      Ich schaue gerade so auf der Backbordseite Richtung Land, als es in einiger Entfernung zum Schiff eine Bewegung auf dem Wasser gibt. Als es kurz danach eine weitere Bewegung in der Wasseroberfläche gibt, schauen auch zwei andere Passagiere ganz erstaunt, sie haben die gleiche Bewegung wahrgenommen. Dann erneut,.... tatsächlich dort taucht gerade ein kleiner Schweinswal unter. Schnell mache ich einige Aufnahmen, habe aber momentan nicht die lange Brennweite drauf. Immer wieder tauchen nun die kleinen Wale kurz mit ihrer Rückenflosse auf, ich hole schnell Renate aus ihrer Kabine. Leider ist der Spuk schnell wieder vorbei, nur ein- zweimal können wir noch eine Rückenflosse sehen, dann sind die Wale weg.

      Also können wir uns in aller Ruhe zum Abendessen begeben, welches auch heute wieder sehr gut und reichlich ist. Gut gesättigt sind wir, etwa eine Stunde später wieder auf dem Achterdeck und können die Einfahrt nach Skjervöy beobachten. Der kleine Hafen zeigt sich uns heute unter einem schönen, blauen Abendhimmel.

      Das verspricht ja ein herrlicher Abend zu werden, ideal für die Fahrt nach Tromsö . Wir schauen dem geschäftigen Treiben an der Laderampe von oben zu, bis diese nach etwa 20 Minuten wieder geschlossen wird. Kurz danach legen wir ab, drehen uns langsam, um dann zu beschleunigen und den Hafen in der Abenddämmerung zurück zu lassen.

      Wir fahren jetzt in einen traumhaften Sonnenuntergang, eine Entschädigung für die kalten und nassen Tage zuvor. Wie ein riesiges Leuchtfeuer am Horizont weist uns das Licht der untergegangenen Sonne den rechten Weg. Dieses Schauspiel zieht sich bis weit nach 20 Uhr hin und hält uns in seiner Fazination gefangen.

      Kaum ist die Sonne und ihre letzten Strahlen endgültig verschwunden, strahlt uns von der anderen Seite ein herrlicher Mond an. Um 21 Uhr taucht fahrplangemäß die MS POLARLYS aus der Dunkelheit auf. Es werden die üblichen Lichtzeichen gewechselt und die Schiffe ziehen aneinander vorbei. Doch wie schon in Trondheim , als es einige Extrabegrüßungssignale zwischen den beiden Schiffen gab, so wird auch jetzt der achterne Scheinwerfer zusätzlich eingeschaltet. Da scheinen sich zwei Kapitäne wohl gut zu kennen.

      Die POLARLYS ist längst schon wieder in der Finsternis verschwunden, der Mond wohl gerade hinter einigen Wolken, als wir gegen 22:30 Uhr sogar ein schwaches Polarlicht über uns sichten. Schmale grüne Streifen ziehen über uns hinweg, gerade noch erkennbar, aber leider viel zu dünn um sie aufs Bild zu bekommen. Immerhin bleibt damit meine Serie erhalten, auf jeder Fahrt mindestens einmal Polarlicht, wenn es auch diesmal mit den Erscheinungen von 2006 und 2009 nicht vergleichbar ist.

      Wir nähern uns nun schon dem hellerleuchteten Tromsö , die Eismeerkathedrale ist weithin sichtbar. Hier werden viele zum Mitternachtskonzert gehen, für uns Zeit genug für einen kleinen Stadtbummel. Diesen starten wir auch, nachdem das Schiff angelegt und die Ausflügler unterwegs sind. Wir nehmen den Weg über den Hauptplatz der Stadt mit dem Dom und wandern dann die Storgata herunter.

      Anschließend wenden wir uns dem kleinen Jachthafen zu, um von hier den schönen Blick auf die Brücke und die Eismeerkathedrale zu geniessen. Am Hafen entlang schlendern wir wieder in Richtung Anlegestelle, hier kann ich Renate all die Stellen zeigen, an denen ich mir 2009 beim historischen Stadtrundgang die Beine in den Bauch gestanden habe.

      Wir haben aber noch nicht vor wieder an Bord zu gehen, sondern wollen noch auf ein leckeres Bier in den Skarven. Hier ist auch noch geöffnet, rund zehn Gäste sitzen hier noch. Wir lassen uns das Bier in dem urigen Gasthaus richtig gut schmecken und wandern danach wieder aufs Schiff. Renate verabschiedet sich in ihre Koje, sie hat sich wirklich wacker gehalten, bedenkt man, dass dies nun wirklich nicht ihre Uhrzeiten sind.

      Ich nutze die verbleibende Zeit bis zur Rückkehr der Ausflügler vom Konzert und der Abfahrt des Schiffes für einige Aufnahmen des nächtlichen Tromsö . Es ist mittlerweile schon nach ein Uhr, der neue Tag hat schon längst begonnen, als die ersten Konzertbesucher wieder eintreffen.

      In der Stadt sieht man jetzt kaum noch Menschen auf den Straßen, nur die Lichter sind noch überall eingeschaltet. Inzwischen scheinen alle Ausflügler wieder zurück an Bord zu sein, denn das Schiff wird nun vom Kai losgemacht, zieht in die Fahrbahnmitte und fährt in die Nacht hinaus. Für mich wird es auch Zeit den schönen Abend zu beenden und in meine Kabine zu verschwinden. Noch vor zwei Uhr liege ich in meinem Bett und bin schnell eingeschlafen.






      -------------- Fortsetzung folgt ---------------







      Renate - 18.9.2010 Honningsvag - Tromsoe



      5.15 Uhr bin ich an Deck. Honningsvaag ist schon zu sehen. Die Insel hat wieder eine Nebeldecke,
      der Himmel ist mit Regenwolken verhangen.Bei der Einfahrt in den Hafen sah man den Regen schon kommen aus NO, es ging auch gleich los.
      Habe noch die Abfahrt der bedauernswerten Nordkapp-Frühstücksausflügler beobachtet und mich dann schnell ins Trockene verzogen. Inzwischen war die Sicht gleich 0, richtiges Schietwetter.Die Nordnorge haben wir bei Havöysund dann auch ohne viel Landschaft drumherum begrüßt . Irgendwie meine ich gesehen zu haben, dass sich die Leute drüben an Deck auch die Ohren zugehalten haben bei unserem Getröte. .
      So ging es auch weiter bis Hammerfest .Dort war die Sicht zumindest besser und es war windstill, pieselte aber leicht vor sich hin. Wir haben einen Spaziergang durch die hinteren Straßen gemacht und sind am Hafen zurückgelaufen.Auf der Felskante oben beim Salen grasten einige Rentiere. Auf dem Rückweg dann noch der obligatorische Besuch im Eisbärenclub.
      Wieder an Bord habe ich mir einen großen Salat mit Krabben gegönnt, diesmal ganz in Ruhe und mit viel Platz am und unter dem Tisch. Jobo wollte nämlich noch die Abfahrt fotografieren...
      Anschließend war, schon wegen des Mistwetters, Mittagsschlaf angesagt. Schließlich musste ich ja bis Tromsoe durchhalten. Auch mein Chef verzog sich in seine Kabine und ward bis 17.00 Uhr nicht mehr gesehen. Ich war immerhin schon in Öksfjord wieder auf !
      Am Ende der ruhigen Loppa dann plötzlich Aufruhr auf dem Schiff. Richtung Süden zeigte sich die Wolkendecke wie abgeschnitten, ein greller schmaler Streifen Sonnenlicht am Horizont. Alles lief wie wild umher und fotografierte.
      Zwischenzeitlich mussten wir zum Abendessen, dann aber schnell wieder raus. Es wurde ein toller Sonnenuntergang. Auch in Skjervöy war der Himmel klar mit ein paar Wolken. Jobo konnte sich vor Freude kaum einkriegen, "ärgerte" mich noch mehr als sonst und rannte ständig aufgeregt hin und her..Vermutlich hat er ca. 500 Bilder gemacht.
      Na gut, ich war sowieso friedlich gestimmt, weil ich ja Urlaub hatte.
      Wir haben uns dann erschöpft noch ein bisschen in die Cafeteria gesetzt, Tagebuch schreiben und auf die Polarlys gewartet. 21.00 Uhr Treffen, auf beiden schiffen war viel Betrieb schon wegen der Crews mit ihren Tüchern. Wenn nur dieses schreckliche Tröten der Vesteraalen nicht wäre. Die Polarlys schaltete nach dem Treffen noch einen grellen Heckscheinwerfer ein. Man scheint auf den Brücken gut Freund zu sein. Fast jedesmal gibt es noch eine Extratröte/Tute oder Lichtsignale.
      Jobo allerdings wurde die Laune "etwas" vermasselt. Er sah sich plötzlich von Blitzlichtknipsern umzingelt, die ihm vor der Kamera rumfuchtelten. Dafür hatte ich ein brauchbares Bild und er Grund zum Schimpfen :ireful: .
      Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass ich am Tag vorher den schätzungweise 100sten Lachkrampf dieser Reise bekommen habe: Jobo reißt wegen eines plötzlich auftauchenden schönen Motivs die Kamera vors Gesicht und will abdrücken. Genau in dem Moment wandert ihm eine Tussi vor die Linse ( wie am Geiranger die Büsche). Er lässt die Kamera vor Schreck blitzartig runter und guckt konsterniert der Frau hinterher. Der ganze Bewegungsablauf war dermaßen urkomisch - ich konnte mich mal wieder auf Dauer nicht einkriegen .
      Kurz vor Tromsoe gab es dann die ersten und letzten schwachen Polarlichter. Dafür hatten wir einen wunderschönen Mondaufgang. Es war kalt und der Himmel sternenklar. Es folgte die lange Einfahrt ins nächtliche Tromsoe . Einem sehr netten Amerikaner hatte ich noch auf das schwache Polarlicht aufmerksam gemacht. Er hat sich so gefreut, dass er sich noch mindestens 5x bis zum Ende der Reise bei mir bedankt hat. Nun standen wir alle auf dem Oberdeck und genossen die vielen Lichter, die Durchfahrt der Brücke und die erleuchtete Tromsdalenkirke. Wir haben ziemlich gefroren, aber wenigstens war die Nordstjernen nicht mehr da. Bei der Ankunft liefen wir gleich raus, spazierten durch die Hauptstraße und am Hafen wieder zurück. Es war reichlich Diskovolk unterwegs. Am Schluss saßen wir noch im Skarven beim Bier.
      Gegen 1.15 Uhr lag ich im Bett und habe von der Abfahrt nix mehr mitbekommen.. .

      Fortsetzung folgt
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • Ronald, das liegt daran, das wir hier in Landshut nur die Isar haben, und die hat keine Fahrwassermitte, geschweige denn ein Fahrwasser..... :blush2:
      Gruß Jobo,

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    • Jobo - 9.Seereisetag - 19.September


      Heute morgen brauche ich den Wecker um wach zu werden, kein Wunder, bin ich doch erst nach zwei Uhr eingeschlafen. So schleppe ich mich mühsam in die Dusche, und, nachdem ich mich angezogen habe, auf Deck. Auch Renate wirkt nicht gerade richtig ausgeschlafen, da fehlen wohl auch noch einige Stunden. So stehen wir beide denn, irgendwie noch nicht so richtig wach, auf Deck und warten darauf, das es sieben Uhr wird.

      Endlich ist es soweit und wir stürmen zum Frühstück. Immerhin hat die Müdigkeit den Hunger nicht vertrieben und wir nutzen das Frühstücksbuffet mal wieder gnadenlos aus. Trotz allem sind wir heute rechtzeitig mit dem Frühstück fertig und schon um 7:35 Uhr wieder an Deck. Der Himmel zeigt an einigen Stellen doch recht dunkle Bewölkung, aber direkt über uns ist es hell.

      Es dauert nicht lange, da ist schon Harstad vor uns zu sehen. Die MS NORDLYS liegt dort schon am Kai und erwartet uns. Die See ist heute morgen total ruhig, der klassische Ententeich, kaum eine Welle zu sehen. Die Anfahrt auf Harstad ist immer wieder schön, wenn man außer acht lässt, dass wir uns ja schon wieder südgehend befinden.

      Ganz langsam ziehen wir nun hinter die NORDLYS und machen dort am Kai fest. Fast scheint es als wolle die VESTERÅLEN dieses spiegelglatte Wasser nicht durch ihre Wellen verunstalten. Wir wollen uns die Abfahrt der NORDLYS vom Kai anschauen und sind bei den ersten, die das Schiff verlassen.

      Die NORDLYS macht aber noch keine Anstalten loszufahren, alle Leinen sind noch fest, niemand weit und breit der diese lösen will. Erst als wir schon am Bug des Schiffes sind, rührt sich etwas im Schiff, dunkle Rauchwolken kommen aus dem Schornstein. Die Laderampe wird auch schon zugefahren.

      Wir stehen in Höhe der Gangway, als es plötzlich an dem Fenster neben der Gangway klopft. Da hat jemand Renate entdeckt und erkannt. Es findet nun eine Kommunikation durch das Fenster statt, bei der keiner so richtig weiß, was der andere meint. Das geht so, bis die Gangway geschlossen wird und die NORDLYS ablegt und in den schönen Morgen hineinfährt.

      Renate erzählt mir, dass sie das Crewmitglied hinter dem Fenster noch von der Finnmarken kennt. Er war wohl dort Zahlmeister und ist jahrelang dort gefahren, zuvor auch schon auf der LOFOTEN. Wir schauen der NORDLYS noch einige Augenblicke hinterher, bevor wir uns auf den Rückweg zur VESTERÅLEN machen.

      Diese wird jetzt schön von der Morgensonne angestrahlt, wie auch ein Großteil des Ortes und der Umgebung. Doch immer noch schweben rundherum dunkle Wolken, die auf heftigen Regen hindeuten. Prompt ist auch ein schöner Regenbogen über Harstad zu sehen, vielleicht sollten wir mal nach dessen Ende suchen, da soll ja bekanntlich ein Eimer mit Gold stehen.

      Um 8:30 Uhr, also genau nach Fahrplan, legen wir in Harstad ab, in der Ferne ist noch die NORDLYS als kleines Schiff vor dem Horizont zu sehen. In Harstad haben uns einige Ausflügler verlassen, die zur Bustour durch die Inselwelt der VESTERÅLEN aufgebrochen sind, diese Tour werde ich auch im April machen.

      Um noch etwas Schlaf nachzuholen, begebe ich mich in meine Kabine, der Kabinenservice ist noch nirgendwo zu sehen. Immerhin kann ich hier eine gute Stunde dösen, bevor ich wieder auf Deck bin. Keine Sekunde zu spät, ist doch vor uns schon die Einfahrt zur Risöyrenna zu sehen, sicherlich auch eines der Highlights auf jeder Reise.

      Nun heißt es natürlich schnell nach vorne auf den Balkon vor dem Panoramasalon. Ich komme gerade recht um zu sehen, wie ein Schwarm Kormorane aufgeschreckt wird und mit heftigem Flügelschlagen davon fliegt. Nur einer scheint keine Lust zu haben und schwimmt nur zur Seite, ... aber moment .... das ist ja gar kein Kormoran, das ist eine Robbe. Schnell haben auch andere Reisende die Robben, jetzt tauchen in einigem Abstand mehrere auf, gesehen.

      Die Kameras laufen natürlich sofort heiß, jeder will eine Robbe im Bild haben, aber schon tauchen auch die letzten wieder ab. Mittlerweile befinden wir uns schon tief in der Risöyrenna und die Brücke von Risöyhamn ist auch schon vor uns zu sehen. Die Fahrwassermarkierungen sind, wie immer hier, dicht besiedelt mit Kormoranen.

      Für diese sind die Markierungen wohl der ideale Platz ihr Gefieder nach einem Fischzug zu trocknen. Wir haben jetzt das Ende der Rinne erreicht und lassen uns langsam ans Kai des kleinen Hafens von Risöyhamn gleiten. Ein kurzer Halt, dann geht die Fahrt weiter.

      Renate verschwindet in ihre Kabine, auch ich würde mich gerne noch etwas hinlegen, aber meine Kabine ist immer noch nicht gemacht, also bleibe ich weiter an Deck. Der Himmel wird auch immer grauer, das schlechte Wetter holt uns scheinbar wieder ein.

      Aber noch bleibt es trocken, nur die Wolken kommen bedrohlich tiefer. Gerade als wir uns Sortland nähern, erscheint auch Renate wieder. Im Gegensatz zu meiner Kabine, ist ihre immer recht früh fertig. Vor der Brücke von Sortland warten schon die beiden Busse, die allerdings fast zu spät losfahren. Jedenfalls sind wir schon mit dem Bug unter der Brücke, unser Kapitän quält uns und die nähere Umgebung mit unserer Vuvuzela, als die Busse die Mitte der Brücke erreichen.

      Wir nehmen in Sortland unsere Ausflügler wieder an Bord, halten uns aber sonst nicht sehr lange dort auf. Nachdem wir das Kai von Sortland wieder verlassen haben, dampfen wir zügig durch den Sortlandsund in Richtung Stokmarknes . Hier gehen wir von Bord, zuerst durch das neue Terminal, um dem Hurtigrutenmuseum einen Besuch abzustatten. Uns geht es aber heute nur um den Museumsshop, doch wir finden leider nichts, was uns gefällt.

      Also zurück an Bord, endlich ist meine Kabine gemacht und ich lege mich kurz hin, kann aber nicht so richtig einschlafen, dafür sorgt schon die Eingangstür. Schon kurz nach dem Ablegen bin ich wieder an Deck und bekomme dort dann auch die schöne Anfahrt auf den Raftsund , übrigens unter dem einzigen hellen Fleck am Himmel, mit.

      Wir unterqueren die Brücke, nordgehend bei Nacht das leuchtende Ende des Raftsundes, und schon sind wir mittendrin in der, meiner Meinung nach, schönsten Passage der Hurtigruten. Die Reiseleiterin ruft auch schon die Teilnehmer der Seeadlersafari auf, sich auf dem Autodeck einzufinden. Da wir unsere Sachen schon bereit haben, gehts gleich nach unten und durch die schon bekannte Luke werden wir wieder ausgebootet.

      Wir entfernen uns schnell von der VESTERÅLEN und nehmen Kurs auf den Trollfjord , für mich eine Premiere. Wir fahren in den Trollfjord ein um an der rechten Felswand entlang bis zum Ende des Fjordes durchzufahren. Hier drehen wir und ein erster Versuch, Adler anzulocken schlägt fehl. Wir können aber jetzt beobachten, wie unsere VESTERÅLEN in den Trollfjord einfährt, an einer breiten Stelle dreht, und uns vorbeiläßt.

      Wir starten einen erneuten Anlockversuch, weit oben am Himmel kreist auch ein Adler, aber nur Möwen kommen sich die angebotenen Leckerbissen holen. Diese Möwen begleiten uns jetzt auch aus dem Trollfjord hinaus wieder in den Raftsund . Die VESTERÅLEN bleibt vorerst hinter uns zurück.

      Unser nächster Stop ist dann schon erfolgreicher, ein Adlerpaar kreist über uns und stürzt sich dann auf den angebotenen Fisch. Leider ist der Platz am Bug des Schiffes zwar gut für die Adler in der Luft zu sehen, aber beim Zugriff direkt über dem Wasser verdecken mir meist einige Personen die Sicht.

      Nachdem sich das Paar jeweils einen Fisch geholt hat, fahren wir weiter, um an der nächsten großen Felswand erneut zu stoppen. Wieder dauert es nicht lange, bis einige Adler auf die Möwen und unser Boot aufmerksam werden. Auch diese stürzen sich nacheinander in die Tiefe, um sich den angebotenen Fisch zu krallen.

      Diese Aktion wiederholt sich nun mehrfach, kurze Fahrt bis zur nächsten Steilwand, füttern der Möwen, Seeadler tauchen am Himmel auf und werden mit Fischen heruntergelockt. Die Kameras können die Bilder gar nicht so schnell auf die Speicherkarten schreiben, wie sie ausgelöst werden.

      Das es auf dem Boot während der Fahrt von Felswand zu Felswand richtig kalt wird, nehme ich gar nicht richtig wahr, so bin ich ständig auf der Suche nach dem nächsten Adler am Himmel, um ihn schon frühzeitig in den Sucher der Kamera zu bekommen, um ihn bei seinem Sturzflug zu verfolgen.

      Endlich sind wohl alle Fische verfüttert und kein Adler taucht mehr auf, die sitzen wohl jetzt alle fett und träge in ihren Horsten und danken Hurtigruten für das tägliche, reichhaltige Nahrungsangebot. Auch wenn man über die Art wie diese Tiere angelockt werden sicherlich geteilter Meinung sein kann, muss ich doch sagen, es war ein fantastisches Erlebnis und ich bin froh, dass ich diese Tour für April bereits auch wieder gebucht habe.

      Die letzten Brotreste werden an die uns begleitenden Möven verteilt, bevor wir dann beschleunigen, um Richtung Svolvaer zu fahren. Im Raftsund fährt parallel die VESTERÅLEN in die gleiche Richtung. Erst jetzt kommt die Kälte so richtig durch, so warm können unsere Jacken gar nicht sein. Da bräuchte man jetzt doch schon einen dicken Windbreaker.

      Während unsere VESTERÅLEN den offiziellen Weg um die ganzen kleinen Felsen herum und dann zwischen den Hafenmolen hindurch nimmt, nehmen wir den Hintereingang zwischen den kleinen Inseln hindurch und erreichen das Hafenbecken von Seiten der Anker Brygge.

      So können wir, während unser Boot langsam in das Hafenbecken hineinfährt und seinen Liegeplatz ansteuert, schön beobachten, wie unsere VESTERÅLEN von den Molen kommend, das Hurtigrutenkai ansteuert.

      Wir selbst legen ein kleines Stück weiter vorne an, gleich unterhalb des großen Stadtplatzes am Hafen. Es dauert etwas, bis wir alle das kleine Schiff verlassen haben, die Uhr zeigt 18:30 Uhr, also können wir uns mit dem kurzen Rückweg zum Schiff ausreichend Zeit lassen.

      Wir machen daher noch einen kleinen Schlenker durch den Hafenbereich und über den Stadtplatz, bevor auch wir die VESTERÅLEN wieder ansteuern. Eigentlich erwarte ich jeden Moment eine SMS die uns an eine bestimmte Stelle vor der Webcam von Svolvaer beordert, aber man hat wohl heute ein Einsehen mit uns und die Handy's bleiben stumm.

      Wir gehen also ungestört an Bord und bringen erstmal unsere nicht mehr benötigten Sachen in die Kabinen. Ich lade dann schnell noch die Bilder aufs Netbook und hänge die Akkus an die Ladestation. Danach treffen wir uns in der Cafeteria, um von dort zum Dinner zu gehen. Durch den Ausflug sind wir heute ausnahmsweise der zweiten Dinnersession zugeordnet, die um 20 Uhr, also zur Abfahrtszeit der VESTERÅLEN von Svolvaer beginnt. Da wir hungrig sind und uns auch erstmal aufwärmen müssen, verzichten wir darauf bei der Begegnung mit der RICHARD WITH an Deck zu sein, durch die Dunkelheit würde man ohnehin nichts mehr sehen. Nach dem Abendessen gönnen wir uns noch ein leckeres Bier in der Cafeteria, bevor wir gegen 22 Uhr, kurz nach der Abfahrt von Stamsund , in unsere Kabinen verschwinden.




      ----------- Fortsetzung folgt -------------






      Renate - 19.9.2010 Harstad - Stamsund



      5.30 Uhr Weckerklingeln - Tiefschlaf.
      Das war eine kurze Nacht mit Unterbrechung in Finnsnes . Jobo erschien auch um 7.00 Uhr zum Frühstück - total müde. Es war locker bewölkt, Richtung Harstad ziemlich bedrohlich, Ententeich.
      Am Kai lag bereits die Nordlys. Die Sonne lukte durch die Wolken. Beim Anlegen um 7.40 Uhr sind wir sofort rausgelaufen, um die Nordlys auf die Reise zu schicken. Als die Gangway geschlossen wurde,stand ich genau daneben und guckte zufällig zum Fenster hoch. Dort lachte und gestikulierte Karl Arne, der Zahlmeister der Finnmarken. Ihn kenne ich schon von meinen Reisen mit der Lofoten. Er war offenbar ziemlich erstaunt, mich plötzlich auf dem Kai zu sehen und zeigte immer nach hinten Richtung Vesteraalen. Schade, dass man das Fenster nicht öffnen konnte....So fuhr er langsam mit seiner Nordlys davon .
      Es war ein traurig-schöner Anblick, wie immer in Harstad , wenn man selber südgehend ist. Auch das Wetter spielte ganz gut mit - Sonne, Wolken und immer noch Ententeich. Nach unserer Abfahrt haben wir ein bisschen Tagebuch geschrieben und mit den Seebären SMS ausgetauscht.
      Es wurde eine Superfahrt durch die Risöyrenna , Sonne, Wolken, der Horizont teilweise schwarz, jedenfalls tolle Lichtspektakel. Zudem tauchten auch mal wieder Robben auf, hatte ich hier lange nicht mehr gesehen.
      Nach Risöyhamn habe ich mich etwas hingelegt bis Sortland . Das Mistwetter hatte uns fast eingeholt, nur in Fahrtrichtung war es noch heller.
      Jobo wollte eigentlich auch etwas Schlaf nachholen. Weil aber die Servicefrau schon wieder trödelte,kam er nicht dazu, schimpfte stattdessen nur mit mir, wusste alles besser, auch was er gar nicht wissen konnte.
      Aber ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich friedlich gestimmt war, weil ich Urlaub hatte.....
      In Stockmarknes waren wir nur kurz im Museum, dann zurück zum Schiff. Nächster Kurzschlafversuch von Jobo. 16,00 Uhr Raftsund . Überall, auch zwischen den Gipfeln der Lofotwand bedrohliche Wolken. Ich hatte den Auftrag Jobo kurz vor der Einfahrt in den Raftsund zu wecken, er war aber schon wach. Wir sind zuerst auf den Balkon gegangen. Komisch, genau über dem Raftsund war es hell - wie für uns bestellt. Als es eng wurde, bin ich aufs hintere Oberdeck geklettert. Am Ende des Sundes legte das Ausflugsboot für die Adlersafari an und wir stiegen um. Zunächst fuhren wir in den Trollfjord - ohne Adler. Dafür folgte uns aber kurz danach die Vesteraalen. :clapping:
      Es war ein toller Anblick, auch weil das Wetter, zumindest über uns, weiter gut war.Wir fuhren auch zuerst wieder raus und an der Lofotwand entlang. Anfangs passierte nicht viel, außer dass massenhaft Möwen uns umschwirrten. Nach einiger Zeit kamen sie dann doch - die Adler, manchmal 3 oder 4 zu gleicher Zeit. Wir hockten in der Bugspitze. Ich habe sie nur beobachtet, aber Jobo hat viele, schöne Fotos gemacht.
      Das letzte Stück mit Vollgas nach Svolvaer war sehr kalt. Zum Glück hatte ich ja meinen Reisebegleiter dabei, der mich ein bisschen wärmte.... Er schimpft also nicht nur mit mir, sondern ist auch manchmal richtig nett und fürsorglich :friends:
      Wir waren froh endlich an Land zu sein, zeitgleich mit der Vesteraalen, deren Fahrt Richtung Hafen wir immer von weitem beobachten konnten.
      Abendessen gab es heute erst um 20.00 Uhr. Von der Richard With haben wir darum nur die Tute gehört. Anschließend saßen wir noch beim Bier in der Cafeteria und sind gegen 22,00 Uhr hundemüde ins Bett gefallen.

      Fortsetzung folgt
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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