Vier Schiffe und ein Bus - Winterreise auf die Lofoten - 23.02. - 05.03.16

    • Teilstrecke
    • Vielen lieben Dank für die netten Kommentare :) :) :)
      Ich hatte ja eine Zugabe angekündigt. Wenn die Moderation nichts dagegen hat hänge ich die noch hinten dran.


      Ich bin ein weiteres mal auf die Lofoten gefahren und hatte wieder vier Schiffspassagen in meinem Reiseplan. Von Trondheim nach Svolvaer konnte ich diesmal mit der MS Nordkapp eines der „renovierten“ Schiffe nutzen. Das Design ist zunächst ungewohnt, aber trotzdem sehr ansprechend.









      Während ich in der billigen Außenkabine mit beschränkter Aussicht vergleichsweise luxuriös untergebracht war, durfte sich mein roter VW California den Laderaum mit sechs weiteren VW Bussen teilen. Gut dass ich die Buchungsseite von Hurtigruten vorab ständig im Auge hatte, ich habe nämlich den letzten PKW-Platz auf dem Schiff bekommen.





      Auf einigen Abschnitten gab es spürbaren Seegang und die Ansage des Kapitäns: „Wir haben die nächsten Stunden etwas Bewegung im Schiff. Wenn Sie dadurch Probleme bekommen, gehen Sie bitte in die Mitte des Schiffes oder legen sich ins Bett“.



      Ins Bett brauchte ich nicht, so habe ich mich bis zur Ankunft in Rørvik auf Deck rumgetrieben.Nach Sonnenuntergang wird die Postflagge am Heck eingeholt und im Holzkasten verstaut.





      In Rørvik wartet bereits die MS Richard With mit ihrem qualmenden Schornstein, denn hiertreffen sich Fahrplanmäßig das Nordfahrende und Südfahrende Schiff.





      Juhu, nachdem wir Rørvik verlassen haben ist schwaches Nordlicht am Himmel zu sehen.





      Im nächsten Teil erreiche ich die Lofoten und freue mich gleich am ersten Tag über die Schneeketten in meinem Kofferraum.
      Viele Grüße,
      Gerhard
    • Am nächsten Tag der Schiffsreise hatten wir wieder Bewegung im Schiff. In Ornes wurde wegen dem starken Wind, zum Anlegen der Anker herabgelassen. Danach ging es bewegt weiter :D









      Bis um 12 Uhr musste ich meine Kabine räumen und konnte mir dann das Anlegemanöver am neuen Hurtigrutenkai von Bodø anschauen. Diesmal habe ich auf den Besuch von Bodø verzichtet und mir stattdessen im Panoramasalon einen der saubequemen Sessel in Steckdosennähe gesichert. Dort habe ich mich bis kurz vor Ankunft in Stamsund aufgehalten.





      In Stamsund bin ich im Schneetreiben nur kurz von Bord gegangen um ein paar Filmaufnahmen zu machen, wurde dann aber von der Crew wieder an Bord gebeten, weil sie gern die Gangway schließen würden. Diese Frierkatzen :)
      Die Begegnung der beiden Postschiffe kurz vor Svolvaer war im Schneetreiben schon sehenswert, allerdings habe ich keine Fotos, weil ich mich mit dem Filmen versucht habe.Alternativ ein Foto vom Ausleuchten der zahlreichen kleinen Bojen in der Hafeneinfahrt von Svolvaer .



      Nach der Ankunft in Svolvaer mussten im Laderaum erst ein paar Fahrzeuge umgeparkt werden, damit der rote Bus raus kam.



      Es folgte das obligatorische Beweisfoto Bus mit Schiff, dann wollte ich auf die andere Seite des Hafens fahren, um die Ausfahrt der MS Nordkapp zu filmen. So schlich ich also mit dem Bus im leichten Schneetreiben durch die tief verschneiten Straßen von Svolvaer , bis ich an der Rampe der großen Brücke anhalten musste. Die Überfahrt ist mit einer Ampel geregelt, aber das grüne Licht hatte für mich nur symbolische Bedeutung, denn statt vorwärts, ging es trotz vorwärts drehender Räder nur rückwärts runter ;( Da ich keine Lust auf nächtliche Experimente hatte, blieb ich halt auf meiner Seite und bin für ein paar weitere Fotos zurück zum Hafen.



      Als die MS Nordkapp ausser Sichtweite war, machte ich mich im dichten Schneetreiben auf der E10 Richtung Süden auf. Die Fahrt bis zum Gimsøystraumen hatte es in sich. Mehrmals musste unsere kleine Kolonne, bestehend aus drei Autos auf freier Strecke anhalten, weil die Sichtweite unter 10 Meter lag. Deshalb war ich froh, das der Rastplatz an der Gimsøybrücke befahrbar war und ich einen Platz zum Schlafen gefunden hatte.

      Geweckt wurde ich von einem vorbei brausenden Schneepflug. Draußen waren zwar noch viele Wolken und zwischendurch Schneeschauer aber der Wetterbericht hatte für Mittag Sonne angesagt.





      Abseits der E10 folgte ich den kleinen Straßen, bis an die kleinsten Schiffsanleger.





      Die brechenden Wellen an der Hafenmauer hatten mich neugierig gemacht, - und etwas unvorsichtig. Denn trotz kurzer Bedenken bin ich an dieser harmlosen Stelle zum Wenden in den tiefen Schnee gefahren. Ach, das geht schon. Nee, es gab kein vor und zurück mehr. Also erst versucht mit dem Klappspaten die Räder frei zu schaufeln. Als das nichts brachte, mussten die neuen Schneeketten dran. Ja, Klappspaten und Schneeketten waren meine Weihnachtsgeschenke :) Im letzten Jahr gab es ein Abschleppseil, welches ja prompt in Å zum Einsatz kam.
      Da es völlig unnütz ist, Schneeketten zur Probe aufzuziehen (Ironie), durfte ich es jetzt im Tiefschnee testen. Für den ersten Versuch habe ich das Rad zur Seeseite genommen, denn auf der anderen Seite standen im ersten Stock eines Hauses einige sichtlich amüsierte Littauer am Fenster. Natürlich ging die Kette nicht gleich drauf. Für meine breiten Winterreifen gibt es keine Kettenfreigabe von VW, deshalb brauchte ich eine Kette mit kleineren Kettengliedern. Irgendwann war ich mir gar nicht sicher, ob die Ketten überhaupt passen. Am Ende lag es aber nur am zu tief im Eis eingefahrenen Reifen, der mit Weihnachtsgeschenk Nummer zwei, schnell freigelegt war. 1. Rad 20 Minuten, 2. Rad 4 Minuten, - ich bin ja lernfähig.





      Für den Rest des Tages bin ich mit den Schneeketten weiter gefahren, denn alle Straßen waren mit einer dicken Schneedecke versehen. Als ich Richtung Hov fahre, hatte die Sonne Oberhand gewonnen und ich freute mich bereits auf viele Sonnenfotos. Wurde dann aber auch nichts, denn an einem Parkplatz sprangen einige Leute auf die Fahrbahn um mich anzuhalten. Offenbar hatte sich einer von mehreren Mietwagen in der Zufahrt zum Parkplatz festgefahren. Es waren Spanier, die mir mit vielen Gesten und etwas Englisch Ihr Problem schilderten. Das Erstaunen war groß und mündete in vielfachen Jubel, als ich wortlos die Schiebetür von meinem Bus öffnete und Ihnen den Klappspaten entgegen hielt :D





      Einer hat dann im nächsten Ort eine weitere Schaufel geholt, als dann ein Anwohner noch eine brachte, konnte der Polo mit drei Schaufeln und viel Manpower aus seiner misslichen Lage befreit werden. Die Aktion hat eine Stunde gedauert, so dass es für mich nur noch wenig Sonnenfotos gab.





      Bevor es zurück auf die E10 ging, kamen die Schneeketten wieder runter und blieben für den Rest der Reise im Kofferraum.
      Soweit für heute. Genießt den Sonntag.
      Viele Grüße,
      Gerhard
    • Mainline schrieb:

      Es waren Spanier, die mir mit vielen Gesten und etwas Englisch Ihr Problem schilderten

      Erinnert mich an eine Begebenheit hier in Andalusien - wir machten im Nationalpark Coto Doñana einen Ausflug mit einem Allradbus. An der Ausfahrt vom Park (rein darf man sowieso nur mit geführter Tour) stecke ein Auto im Sand fest - ebenfalls Spanier. Man bat dann die Herren im Bus mal kurz beim Schieben zu helfen. Meinte ein Andalusier lachend - sicher ein Madrilene... :D
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~
      Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~ Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil!

    • Die Zunge vom Kabeljau

      Heute bin ich in Henningsvaer, dem vom Tourismus sehr geprägten Fischerdorf im Südwesten von Austvågøya. Hier wie auch in allen anderen Fischerdörfern kann man sich überzeugen, dass der Fisch sofort nach dem Anlanden verarbeitet wird und noch am selben Tag mit großen Kühllastern auf die Reise nach Süden geschickt wird. Aber heute geht es um ein kleineres Detail der Fischverarbeitung.





      Die Zunge vom Kabeljau ist für viele eine Delikatesse. Weil das Muskelfleisch von einer festen Haut umschlossen ist, wird das Stück beim Braten fester als die bekannten Filets. Die Zungen werden aus den abgetrennten Köpfen der frisch gefangenen Fische herausgeschnitten.







      Dazu wird die Zunge auf eine Spieß gesteckt und dann am Kopf gezogen. Jetzt kann mit einem scharfen Messer die Zunge herausgetrennt werden. Wenn der Kopf groß genug ist, wird auch das Fleisch aus den Backen und dem Nacken herausgelöst. Mit dieser mühsamen Arbeit verdienen sich die Kinder häufig etwas zum Taschengeld hinzu. Das Fleisch wird direkt von Spieß herunter verkauft.











      Bisher kannte ich diese Arbeit nur aus dem Fernsehen, deshalb hat es mich sehr gefreut, dies selbst anschauen zu dürfen.

      Am Abend schimmerte noch schwaches Nordlicht am Himmel und weil ich sowieso draußen war, bin ich noch einmal zum knipsen durch den Ort gegangen.













      Viele Grüße,Gerhard
    • Seeadler am Austnesfjord

      Wenn man von Svolvaer der Europastraße 10 Richtung Norden folgt, kommt man nach etwa 14 Kilometern am Austnesfjorden Rasteplass vorbei. Hier führen Holzstege und Treppen zu wunderbaren Aussichtspunkten. Die Sildpollnes Kirche ragt auf einer Landzunge in den Fjord hinein und ist ein viel fotografiertes Motiv.



      Im Winter sind hier häufig Fischerboote im Fjord anzutreffen. Nachdem der Fang an Bord gebracht ist, suchen die Schiffsführer die windgeschützte Bucht vor dem Aussichtspunkt auf, um hier die Fische auszunehmen.







      Es dauert nicht lange und zahlreichen Möwen versammeln sich über den Fischerbooten. Für sie ist das, was hier über Bord geht, eine bequeme Nahrungsquelle.



      Wenn sich viele Möwen an einer Stelle lautstark um Futter streiten, werden die Seeadler auch neugierig. Zunächst beobachten sie das Getümmel in der Luft und auf dem Wasser. Wenn der Moment günstig ist heben sie ab und holen sich ihren Anteil.









      Am nächsten Tag bin ich noch einmal zu Rastplatz gefahren und konnte bis zu acht Seeadler gleichzeitig beobachten.







      Viele Grüße,
      Gerhard
    • Heute gibt es ein paar Straßenbilder:









      Und weil ich in diesem Jahr den Multicopter nicht nur spazieren gefahren habe, bin ich auch ab und zu in die Luft gegangen:


      Bei Fredvang


      Bei Reine


      Am Gimsøystraumen



      Im nächsten und zugleich auch vorletzten Teil zeige ich Euch, warum es bislang nicht mit den Nordlichtern klappen wollte.
      Einen schönen Samstag wünscht,
      Gerhard
    • Nordlicht

      Ein Blick in die Nordlicht Vorhersage versprach für meine Reisezeit eine starke Nordlicht Intensität. Tatsächlich gab es in den Nächten sehr starkes Nordlicht, aber leider war es nicht immer zu sehen.


      Tagsüber zeigte sich die Sonne und blauer Himmel.



      Regelmäßig zum Sonnenuntergang bildeten sich Wolken, die im Verlauf des Abends den ganzen Himmel bedeckten.





      In der Nacht war das Nordlicht dann nur noch durch die Wolken zu erahnen. Es muss sehr intensiv gewesen sein, denn der ganze Schnee am Boden schimmerte grün.





      Am nächsten Morgen hatten sich die meisten Wolken aufgelöst.



      Als ich oberhalb von Leknes übernachtet habe, konnte ich doch noch etwas Nordlicht fotografieren.







      Bis dahin war die Nordlicht-Ausbeute sehr unbefriedigend. Und dass, wo am Abend die Abreise mit der MS Finnmarken bevorsteht. Aber als ich in Svolvaer auf das Postschiff gewartet habe, hatte ich ein gutes Gefühl.











      Nachdem der rote Bus im Frachtraum verstaut ist, werfe ich schnell mein Gepäck in die Kabine und gehe an Deck. Am Himmel bildet sich gerade ein Nordlichtbogen über dem Schiff. Rasch suche ich mir einen geeigneten Platz für das Stativ. Das ist nicht ganz einfach, denn an Deck ist es sehr hell, vom Schwimmbecken steigen Dampfwolken auf und viele Menschen drängen an die Reling. Das Feuerwerk am Himmel war beeindruckend ^^









      Als wir schließlich ablegen, hat das Nordlicht auch nachgelassen.



      Das Schiff ist jetzt Richtung Trondheim unterwegs, dass heißt für mich einen Tag und zwei Nächte ausspannen.
      Euch allen einen schönen Sonntag.
      Gerhard