Wetter, Kapitän und MS NORDSTJERNEN ... nicht immer einer Meinung – oder – zwei 56er on Tour

    • 2018
    • Wetter, Kapitän und MS NORDSTJERNEN ... nicht immer einer Meinung – oder – zwei 56er on Tour

      Wetter, Kapitän und MS NORDSTJERNEN ... nicht immer einer Meinung – oder – zwei 56er on Tour

      29.September bis 13.Oktober 2018

      Nordischer Herbst vom 30.September bis 8.Oktober 2018. Diese Tour, angeboten von Vestland Classic interessierte mich. Schließlich fand sie mit einem Schiff statt, welches im gleichen Jahr seine Jungfernfahrt hatte, indem auch ich meine ersten Schreie von mir gab, 1956 (wenn auch bereits 1955 Stapellauf und Taufe war - des Schiffes, nicht von mir :mosking: ).

      So nahm ich schnell Kontakt mit Margit Distler auf und buchte die Kabine A234 für diese Reise.

      Eine Anreise am 30.September war mir aber bei rund 820 km Anfahrt zu riskant, also buchte ich mir für eine Nacht noch ein Zimmer im Holiday Inn in Lübeck. Das Hotel liegt gleich oberhalb des Burgtorkais und ich buchte noch einen Stellplatz in der Hotelgarage für die Reisezeit dazu.


      Samstag der 29.September 2018

      Gegen drei Uhr werde ich wach, da ich entsprechend früh gestern im Bett war. Bei der zu bewältigenden Strecke und angesichts der Tatsache dass heute auch noch die Herbstferien beginnen, möchte ich genügend zeitlichen Spielraum für die Fahrt haben.

      So starte ich aus der Tiefgarage um 4:30 Uhr und komme natürlich zu dieser Zeit entsprechend gut voran. Die Strecke bis etwa Potsdam ist fast völlig frei und nur wenige andere Fahrzeuge sind mit mir unterwegs. Zwischen Weiden und Hof wird es allerdings schon sehr kalt, mein Außenthermometer zeigt zeitweilig -2°C an, aber die Fahrbahn ist ja zum Glück trocken.

      Auf der A10 wird dann etwas mehr, aber vor allem die unzähligen Baustellen nerven einen schon. Bei Neuruppin fahre ich runter von der Autobahn und tanke recht günstig. Danach kommen noch einige Baustellen doch auch hier ist nur ruhiger Verkehr und so erreiche ich mein Hotel in Lübeck bereits um 13:15 Uhr.



      Schnell ein wenig frisch gemacht und dann natürlich den Weg zum Burgtorkai begutachten. Es sind tatsächlich nur rund 300 Meter vom Hotel zum Kai, an dem heute allerdings nichts los ist.



      Über die Hubbrücken komme ich in den Kernbereich von Lübeck.



      Vorbei an schönen alten Speicherhäusern gelange ich zum Koberg. Hier steht das Heiligen-Geist-Hospital und gleich daneben die Seefahrerkirche St.Jakobi, die im Volksmund auch die Pamirkirche genannt wird.
      Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen diese große Kirche zu besichtigen.



      Besonders die riesige schöne Orgel gleich über dem Eingang ist sehr imposant. Gegenüber der Kirche befinden sich rechts die Häuser der Kaufmannschaft und links die Schiffergesellschaft. Dazwischen führt die Engelsgrube hinunter zur Trave.



      Hier finden sich die ersten Gänge und Höfe, für die Lübeck so bekannt ist. Einst sollen es über 200 gewesen sein, heute existieren noch über 100, wovon viele öffentlich zugänglich sind. In diesen Gängen stehen die Ganghäuser, schöne kleine meist gut restaurierte Häuser mit idyllischen Höfen davor. Die Gänge sind teilweise sehr niedrig und ich komme nur gebückt hindurch. Die Gänge mussten allerdings zumindest eine Mindestbreite haben. Es sollte auf jeden Fall ein Sarg hindurchpassen.



      Nach all den Gängen und Höfen erreiche ich den zentralen Markt mit Kanzleigebäude, Marienkirche und Rathaus. Inzwischen ist es 16 Uhr und seit dem Frühstück um 3:30 Uhr habe ich nur einen kleinen Snack unterwegs gehabt. Da kommt mir der Ratskeller hier gerade recht.



      Bei einem leckeren Duckstein schmeckt es gleich nochmal so gut. Während ich dort so vor mich hinkaue, kommt ein Chinese herein und sprich die Bedienung auf englisch an. Er sei der Führer einer Reisegruppe und ob eine Person dieser Gruppe hier die Toilette benutzen dürfe. Die Bedienung stimmt zu, jedoch wirklich nur eine Person.
      Es kommt was ich schon vermutet habe. Die Tür geht auf und 37 Chinesen stürmen zur Toilette :mosking: . Die Bedienung ist dementsprechend stinksauer, aber das hätte ich ihr wirklich vorher sagen können.



      Vor der Marienkirche fällt mir dieser kleine Teufel auf, der dort grinsend auf eine Bank sitzt, obwohl er dazu eigentlich gar keinen Grund hat. Der Sage nach soll der Teufel den Bürgern beim Bau der Kirche geholfen haben, da diese behaupteten sie bauen ein Wirtshaus. Als der Teufel den Betrug bemerkte warf er eine großen Stein gegen die Kirche, verfehlte sie jedoch und der Stein liegt noch heute dort.
      Wieder an der Trave fällt mir das Feuerschiff „Fehmarnbelt“ und die Kraweel „Lisa von Lübeck“ auf (ein Nachbau des Hanseschiffes aus dem 15.Jahrhundert).



      Gerade wird die Hubbrücke angehoben, da ein Boot aus dem Klughafen heraus möchte. Das Ganze geschieht mehrfach am Tag und die Autofahrer benötigen hier die entsprechende Geduld.
      Zurück im Hotel gönne ich mir etwas Ruhe und starte dann später noch zu einem kleinen Abendrundgang.



      Über die Burgtorbrücke, von der man einen guten Blick auf die Hubbrücken hat, unterschreite ich das Burgtor. Noch einmal wandere ich bis zum Rathaus.



      Zurück geht es wieder vorbei an der St.Jakobikirche.



      Allzu alt werde ich heute allerdings nicht mehr, zumal ich jetzt doch merke, dass ich seit 3.00 Uhr auf bin.
      Morgen werde ich die NORDSTJERNEN direkt auf dem Burgtorkai erwarten. Einen Zugang zum ISPS-Bereich habe ich zuvor organisiert. Ich kann also die Rückkehrer von der vorhergehenden Fahrt als einer der ersten begrüßen.


      ….... wird fortgesetzt.
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • Schöne Fotos aus meiner 2. Heimat Lübeck. Ich liebe es auch durch die Gänge zu streifen, der Ratskeller ist eine gute Adresse, als Kind liebte ich besonders die Besuche in der Schiffergesellschaft.
      Freue mich auf den weiteren Bericht und die Fotos, hat die Lady doch auch meinen Jahrgang.
      LG Sehpferd /Helga :ilhr:

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    • Keine Sorge, auch Lübeck kommt nicht zu kurz. ;)
      Gruß Jobo,

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    • Da kommt ja "hurtig" schon der nächste Reisebericht. :)

      Die Überschrift stimmt nicht so ganz ......es waren mehr als zwei 56er auf Tour :whistling: ;)

      Ich freue mich auf deinen Bericht und es war schön , dass wir uns auf der Reise mal persönlich kennengelernt haben.

      Liebe Grüße

      Petra
    • Hallo Petra,

      ich weiß dass die NORDSTJERNEN und ich nicht die einzigen 56er waren, aber ich wollte da nicht evtl. weiteren Reiseberichten vorgreifen und wieviele 56er es insgesamt waren, weiß auch ich nicht .... :pardon:
      Gruß Jobo,

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    • Schön, dass du auch einen Bericht über diese abenteuerliche Reise schreibst.
      Als ihr unterwegs wart, habe ich so oft an das schöne Schiff und die mir bekannten Mitreisenden gedacht und euch einen guten Reiseverlauf gewünscht.
      LG Eva
    • Wie schön so hurtig 2 Reiseberichte. Ein Bericht von foerdesprotte und von dir Jobo.
      Es werden bestimmt 2 Berichte aus unterschiedlicher Sichtweise.
      Ich freue mich auf beide Berichte und auf noch evtl. andere Berichte über diese wirkliche Abenteuerreise der Nordstjernen.
      LG Petra :flower:
    • Clerence schrieb:

      unterschiedlicher Sichtweise


      Bestimmt, da Carsten ja nur die permanente Sichtweise von der Nock nach vorne hatte :mosking: , während ich auch den Rest des Schiffes inspiziert habe. :laugh1:

      Immerhin hat uns Carsten jeden Abend (bis auf einen :whistle3: ) mit den Tagesbefehlen für den Folgetag versorgt. :good3:
      Gruß Jobo,

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    • Welchen Tagesbefehl? Den ursprünglich geplanten oder den kurzfristig geänderten? :mosking:
      Gruß Jobo,

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    • Sonntag der 30.September 2018



      Nach einem guten Frühstück gehe ich zum Burgtorkai herunter. Ich hatte vorab über das Hafenamt Lübeck angefragt, ob ich bei Ankunft der NORDSTJERNEN in den ISPS-Bereich kann, um Bilder zu machen, die ich dann auch im Wiki verwenden kann.
      Dazu habe ich das Hafenamt Lübeck angeschrieben, die mein Ansinnen an die Lübecker Hafen-Gesellschaft weitergeleitet hat. Von Frau Anja Kron habe ich dann freundlicherweise die Erlaubnis bekommen (nachdem ich noch einige andere Voraussetzungen erfüllt hatte), den ISPS-Bereich bei Ankunft betreten zu dürfen. Ich musste mich lediglich beim Verantwortlichen vor Ort melden und bekam eine Warnweste für den Bereich.
      Von dort konnte ich dann einige Forenmitglieder jenseits des Zaunes begrüßen.



      Pünktlich um 9:00 Uhr schiebt sich die NORDSTJERNEN am Kai vorbei, um vor dem Stadtgraben zu drehen. Anschließend zieht sie an den Kai. Dabei bekomme ich einen ersten Eindruck von den „kreativen“ Anlegemanövern des Kapitän Reidar Berge. Die NORDSTJERNEN legt soweit vorne an, dass der Bug ein gutes Stück aus dem ISPS-Bereich herausragt. Also versucht der Kapitän das Schiff wieder etwas zurück zu nehmen.



      Dabei driftet die NORDSTJERNEN mit dem Heck wieder weg vom Kai und mit dem Bug immer dichter an den Kai. Der ISPS-Zaun hat an der Kaikante noch ein Zusatzgitter, dass ein „Herumklettern“ vorne am Kai verhindern soll. Diesem Gitter kommt der Bug des Schiffes jetzt immer näher und schon sind die ersten schrillen Töne zu hören, als Schiff und Gitter sich berühren.



      Schließlich gibt das Gitter mit einem lauten Kloink!! nach und fliegt in hohem Bogen auf den Kai. An der NORDSTJERNEN bleibt nur ein Kratzer unter dem Bullauge unterhalb der Schriftzuges am Bug. Nun gehen zuerst Hafenmeister, Polizei und Zoll an Bord. Erst danach dürfen die Passagiere das Schiff verlassen.
      Inzwischen hat auch das Feuerwehrschiff FEUERWEHR IV Lübeck erreicht. Es hatte anfangs die NORDSTJERNEN begleitet bei der Fahrt die Trave hinauf, konnte aber die Geschwindigkeit nicht mithalten. Was aber auch bei dem alten Schiff von 1930 nicht verwunderlich ist.

      P1000921.MP4
      (vielen Dank an @Clerence für das Video)



      Wir treffen uns danach mit den ankommenden Reisenden, Bavaria58 mit Göga, Älbler, Duc, Elch30 und Besuchern, Clerence und Lightship, sowie den zukünftigen Reisenden in der Bar Celona direkt neben dem Kai.
      Vergebens warten wir noch auf Foerdesprotte, doch auch als wir nach 12:30 Uhr den Ort verlassen ist er noch nicht da.
      Ich hole jetzt mein Gepäck aus dem Hotel. Die Koffer dürfen wir am Terminal in ein aufgestelltes Zelt stellen, an Bord wird es aber erst um 14:30 Uhr gehen. Also mache ich noch einen kleinen Stadtbummel.



      Pünktlich um 14:25 Uhr bin ich wieder am Terminal. Micha, Schneehuhn, Foerdesprotte und Senja mit Göga sind auch schon da. Die Koffer wurden zwischenzeitlich bereits gescannt und um 15 Uhr dürfen wir endlich auch durch zum Schiff.
      Kurz danach bin ich als erster Passagier an Bord und bringe mein Gepäck in meine Kabine A234.



      Anschließend starte ich einen ersten kleinen Rundgang über das Schiff, während mehr und mehr Passagiere an Bord kommen. Die Abfahrt ist für 19:00 Uhr vorgesehen. Nachdem es am Morgen noch recht frisch war, ist die Temperatur inzwischen trotz Bewölkung angenehm.



      Um 18:30 Uhr findet die Sicherheitsbelehrung an Bord statt. Dann stehen wir alle auf Deck um das Ablegen zu beobachten. Gerade wird die Achterspring gelöst, als es bei mir Platsch macht und ich ein gewisse Feuchtigkeit im Nacken spüre. Ich fasse nach hinten und meine Finger greifen in eine glitschige Masse und sind anschließend braun. :fie:
      Da hat mir doch glatt so eine extrem sadistische Möwe aus gut zehn Höhe in den Hemdkragen gesch***en. :diablo:
      Obwohl alle um mich herum ein ernstes und mitleidiges Gesicht machen, kann ich deren inneres Grinsen deutlich erkennen :threaten: .



      Ich bleibe noch bis nach dem Passieren der Eric-Warburg-Brücke an Deck, bevor ich mich dann in der Kabine der Hinterlassenschaften dieses hinterhältigen Federviehs entledige. Dann steht das erste Abendessen an, Buffet in freier Sitzordnung. Für 21:15 Uhr ist eine Infoveranstaltung im vorderen Panoramaraum angesetzt, aber ich erfahre schon zuvor, dass die Nordsee wegen des extremen Wetters komplett gestrichen ist und wir morgen im Nord-Ostsee-Kanal nach Rendsburg wieder umdrehen.



      …........ wird fortgesetzt.
      Gruß Jobo,

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    • Ich hätte es mir in Natura auch nicht verkneifen können- soviel Selbstbeherrschung besitze ich nicht, glaube ich jedenfalls. :hmm: :mosking: Aber im Rahmen von 'erster Hilfe' hätte ich mit Tempos eine erste Entfernung angeboten!
      Wichtiger finde ich, dass ansonsten bis dahin alles gut geklappt hat. :thumbup:
      Lynghei

    • Interessant ist eher schon, dass alle meinten es müsse Glück bringen. :hmm: Wenn ich mir den Verlauf (zumindest der nächsten Tage) so im Nachhinein anschaue, ist wohl eher das Gegenteil der Fall. :fie:
      Jedenfalls habe ich mir das Gesicht der Möwe genau eingeprägt. :search: Man sieht sich immer zweimal im Leben. :pleasantry_1:
      Gruß Jobo,

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    • Ich mag Tiere ja recht gerne, aber gibt auch Momente, da kann ich recht nachtrragend sein ..... :miffy:
      Gruß Jobo,

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    • Jobo schrieb:

      Inzwischen hat auch das Feuerwehrschiff FEUERWEHR IV Lübeck erreicht.

      Das Video bringt mich zu der Frage, warum die Feuerwehrschiffe, wenn sie schon mal interessante Schiffe begleiten, dabei immer so sinnlos in der Gegend rumspritzen müssen, als ob sie leckgeschlagen wären. Das hat mir schon so manches Foto versaut :cursing:

      Beste Grüße,
      Alex
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      MS Nordkapp: V – MS Finnmarken: II – MS Trollfjord: III – MS Nordlys: I