Hurtigruten, die Fünfte - MS Nordkapp 16.09.-27.09.2018

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    • Hurtigruten, die Fünfte - MS Nordkapp 16.09.-27.09.2018

      Sowas wie ein Vorwort:

      Grüezi, mein Name ist Klärli Bünzli geb. Muggishuser, ich bin die Nachbarin von der Frau Freihalterin. Ebendiese behauptet ja, ich sei die Sorte Nachbarin, die ein jeder kennt und fürchtet, aber ich verstehe nie so ganz, was sie damit meint.

      Auf alle Fälle bin ich die Frau vom Ruedi Bünzli, kümmere mich um Haus und Garten und auch darum, dass in der Strasse alles seine Ordnung hat.
      Das ist wichtig, denn heutzutage verrohen die Sitten und es wird sogar am Sonntag gestaubsaugt – unvorstellbar, oder!?

      Nun ja, was wollte ich jetzt sagen? Ah ja, eben die Frau Freihalterin, die geht mir ja schon seit Jahren auf die Nerven mit ihren Lobgesängen auf die Hurtigrute – schönste Seereise und sowas. Wie wenn ich keine Ahnung von Schiffsreisen hätte, ich war durchaus auch schon auf einer Kreuzfahrt – Rhein und Mosel, das war sehr nett. Eben, und
      damit ich mir jetzt ein Bild machen kann, habe ich mich entschieden, die Reise von der Frau Freihalterin und ihrem Mann (armer Kerl, bei DER Frau!) als unsichtbarer Passagier mitzumachen – und dann werden wir ja dann sehen!!!

      Als ich heute rein zufällig natürlich nämlich rübergeschaut habe, sah ich die beiden doch beim Packen. Beim Packen! Dabei reisen sie morgen schon. Sowas kann ich ja gar nicht verstehen, mein Koffer ist seit zwei Wochen gepackt, siebenmal abgestaubt, dreimal gewogen und acht mal umgepackt. Aber ich hab ja schon lang vermutet, dass die gute Frau von drüben ihren Haushalt nicht im Griff hat. Am Vortag packen, also wirklich!

      Nun gut, ich lass mich überraschen, was sie sonst noch so bringt – und ob dieses Norwegen und diese Kreuzfahrt wirklich so zum Lobhudeln sind. (Und ich höre sie schon wieder dazwischenkrähen – keine Kreuzfahrt, eine Seereise, papperlappapp!)

      Bleiben Sie mir gewogen, ich melde mich wieder, sobald ich kann, denn allein die Anreiseplanung – ich sag ja lieber nichts dazu…

      Hochachtungsvoll grüsst Ihre Klärli Bünzli


      *******************************

      TAG 1 BERGEN
      Grüezi miteinander, hier schreibt wieder die Klärli Bünzli, ich muss Ihnen jetzt einfach von der Anreise und den ersten Stunden auf der MS Nordkapp erzählen. Und glauben Sie mir, da gibt es einiges!

      Ich weiss ja nicht, was die Frau Freihalterin geritten hat, als sie die Anreise gebucht hat – kann aber nichts Gutes gewesen sein – um halb fünf aufstehen! um viertel nach fünf losfahren und kurz vor sieben abfliegen. Da hätte man doch auch am Vortag nach Bergen fliegen können und dort eine Übernachtung machen. Schliesslich kenne ich Bergen noch nicht. Und dann die Sache mit dem Gepäck. Sie hat ja vorher ausgiebig bei SAS und Avinor recherchiert, dass ihr Gepäck in Oslo durchgecheckt wird und nur 50 Min. zum Umsteigen gebucht – naja, das war ja klar, dass das nicht funktioniert. Zum Glück hat sie der nette SAS-Mitarbeiter gerettet und umgebucht, weil’s ein Fehler im Buchungssystem sei. Ach was– sie hat doch nur einfach wieder mal keine Ahnung gehabt.

      Zwei Stunden später als geplant waren wir dann aber doch in Bergen – und glauben Sie nur ja nicht, dass ich irgendwas von Bergen gesehen hätte! Auf direktem Weg zum Hurtigrutenterminal, Koffer abgeben, ins Café setzen und auf die Ankunft des Schiffs warten, das haben sie gemacht. Man hätte doch locker noch die Brygge und den Floyen und den Hafen anschauen können, dafür reichen doch zwei Stunden, und es gibt ja schliesslich Regenjacken.

      Auf dem Schiff haben sie dann so getan, als seien sie alte Routiniers, aber nicht gewusst, dass die Sicherheitseinweisung jetzt auf dem Schiff stattfindet. Aber dann während dem Auspacken schon Champagner trinken, das passt ja wieder! Ein bisschen lustig war es aber schon, denn die Frau Freihalterin wird ja immer so redselig und
      schusslig, wenn sie Alkohol trinkt – keine Übung, die Gute. Zum Glück bin ich da trinkfest, denn das eine oder andere Verdauungsschnäpschen hilft mir gern mal.

      Das Ablegen mussten sie ja dann unbedingt vorne im Freien unter der Brücke verfolgen, dabei wäre es im Panoramasalon so nett gewesen, ich hätte mir bestimmt noch einen Platz geangelt, glauben Sie mir, da drin bin ich gut!

      Als sie dann was erzählt hat von unruhiger Nacht, dachte ich , das sei wieder ihr übliches besserwisserisches Geschwafel, aber ungern muss ich zugeben, dass sie recht hatte. Es war heute nacht schon ziemlich Bewegung auf dem Schiff – also auf dem Fluss hatten wir sowas ja nie! Vielleicht ist der Kapitän ja noch unerfahren!

      Und dann möchte ich noch klarstellen:
      – 450 Passagiere auf dem Schiff sind doch nicht viel, auch wenn die beiden das anders kennen! Die sollten mal auf eine MeinSchiff oder sowas!
      – von wegen „norwegisches Wetter“ – es regnet immer wieder, und ich bin ja nicht wegen der schönen Regenbogen hierhergekommen. „Lichtstimmungen“ – pah, man kann sich ja alles schönreden!
      – man muss nicht aufs Mittagessen verzichten, nur weil man spät gefrühstückt hat. Also ehrlich, wenn ich das zuhause dem Ruedi vorschlagen würde, der würde glatt fragen, ob ich krank sei.
      – es ist nicht nötig, einfach zu jedem so freundlich zu sein – ich rede ja schliesslich auf der Strasse auch nicht mit jedem! Konktaktfreudig? Blödsinn, eine alte Schnattertante ist sie, meine werte Nachbarin, ganz anders als ich!

      Nun liegen wir hier im Hjorundfjord , aber ich kann Ihnen grad keine Bilder davon zeigen, ich kann das nicht, und eigentlich will ich die Frau Freihalterin nicht um Hilfe bitten… Aber ein Reisebericht ohne Bilder ist auch blöd, vielleicht kann ich sonst wen von all den Kameraträgern hier fragen, mal schauen. Den Ruedi kann ich grad nicht
      fragen, der ist auf Kegelclubreise.

      Ich muss jetzt Schluss machen für heute, ich muss dringend schauen gehen, was sie jetzt schon wieder treibt, nicht, dass sie mir entwischt.

      Bleiben Sie mir gewogen, ich melde mich wieder,

      Ihre Klärli Bünzli!


      (Anmerkung zur Sicherheit:
      Frau Freihalterin ist mein "Nick", den ich ausserhalb des Hurtigforums benutze und Klärli Bünzli eine freie Erfindung meinerseits, um mal einen andere Art Reisebericht schreiben zu können, jedwelche Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig)


      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3
    • Sehr geehrte Frau Bünzli,

      ich fürchte mit Frau Freihalterin sind Sie an ein Suchtopfer geraten. Jeder Versuch des Entzugs ist zwecklos... Entfernen Sie sich, so lange Sie noch nicht angesteckt sind. Erste Anzeichen der Sucht: Trotz klappernder Zähne an Deck stehen, sinnloses glotzen in den Nachthimmel, übertriebenes Essverhalten, um nur einige zu nennen! Wenn Sie bereits eines der Anzeichen verspüren, machen Sie das Beste daraus!

      In diesem Sinne alles Gute und Toi, Toi, Toi für die Reise! :D
    • Köstlich,
      :D bitte ganz schnell weitermachen, man wünscht sich, die Nordkapp würde ein bisschen schneller fahren, damit es schnell weitergeht.

      Hochverehrte Frau Bünzli, sie werden sicher noch ihr blaues, ähhh, grünes Wunder erleben auf dieser Reise :whistling: :8):
      LG Sehpferd /Helga :ilhr:

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    • :laugh1: :laugh1: :laugh1: :laugh1: :laugh1:
      Ich amüsiere mich köstlich, musste gerade schallend lachen (Gut, dass ich alleine daheim bin! Meine Verrücktheit, jährlich mindestens einmal mit so einem Postschiff zu fahren, kennen ja nun schon alle meine Freunde. Aber dass ich beim Lesen von Reiseberichten lautschallend lache, muss ja nicht jeder mitbekommen - wäre eine weitere Verrücktheit.)

      Was Dir immer wieder einfällt! Herrlich!

      Und die Sicherheitseinführung findet wirklich an Bord statt? Das ist mir neu!
      Gerda (Alta Connection) :lofoten2:
    • Tag 2: ALESUND – HJORUNDFJORD – ALESUND – MOLDE

      Grüezi allerseits,

      hier ist wieder das Klärli Bünzli. Ich habe mich jetzt mal kurz von der Frau Freihalterin entfernt, die sich wieder mal draussen festgeplaudert hat, damit ich Ihnen berichten kann, wie das hier alles so weiterging.



      Dieser Horundfjord war ja schon ganz nett, auch wenn die Freihalterin nicht an Land wollte wegen dem Regen. Ich hab mich dann einfach aufs Tenderboot geschmuggelt, damit ich mal an Land komme, aber, ich sag’s ja nur ungern – bei dem Wetter hatte die Freihalterin recht, an Bord zu bleiben. Dafür mussten sie dann in Alesund unbedingt an Land, wo es noch viel schlimmer regnete. Aber meinen Sie, die hätten einen Regenschirm mitgenommen? Nein, die wollten nur schnurstracks einkaufen gehen. Joghurt. Obst. Wer braucht denn sowas! Und Sie glauben ja nicht, was ich in dem Laden gesehen habe:



      Backmischung für Rüeblikuchen! Ich bin entsetzt, ich bin ja gebürtige Aargauerin, wo der Rüeblikuchen von meiner Ururgrossmutter vatertantenseits erfunden wurde und so etwas ist ja der Gipfel der Unmöglichkeit! Backmischung – typisch neumodisches Zeugs! Ja, und dann habe ich die Frau Freihalterin doch mal überrascht erlebt, auch wenn sie immer so tut, als käme sie so gut draus mit der modernen Technik. Da musste sie also ihrem Kram im Bunnpris bezahlen, streckte dem Kassenmann ihren Kronenschein entgegen – und der deutete auf einen Automat. Da steckte man seine Note hinein, und bekam sein Rückgeld, quasi eine Selbstbedienungskasse. Die hat ja lachend schön den Kopf geschüttelt und gemeint, dass sie in Zukunft wieder lieber mit Karte bezahlen wird.

      Zurück auf dem Schiff mussten wir dann erst mal die triefnassen Sachen aufhängen – also, wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich mir doch noch ein paar robuste Schuhe eingepackt, und der Freihalterin ihr „ich hab’s Ihnen ja gesagt“ wäre überhaupt nicht nötig gewesen.

      Abends gab es dann mal schön Essen im Speisesaal, nicht dieses moderne Büffetzeugs, wo man sich alles selber holen muss. Das war schon nett. Und ich weiss ja nicht, wie sie es angestellt hat, aber die Freihalters hatten doch tatsächlich einen dieser schönsten Tische zuhinterst an den grossen Fenstern. Sie hat mal was erwähnt, dass sie
      eine freundliche Mail ans Schiff wegen der Essenszeit geschrieben hat, aber wahrscheinlich hat die ja noch ganz anderes gemacht, über das mir meine gute Erziehung zu sprechen verbietet. Ich finde ja sowieso, dass die Freihalterin das mit der Freundlichkeit übertreibt, vor allem gegenüber dem Personal. Die werden ja bezahlt dafür, da muss man sich doch nicht bedanken, wenn sie einem was bringen!!!? Und das mit dem Personal, das ist ja hier auch schlecht organisiert, denn das Zimmermädchen hat uns das Essen serviert – da ist das alles so teuer, und dann sparen sie am Personal. Unglaublich! Also ich wüsste ja schon, wie man das organisieren müsste, das ginge dann viel mehr Ruckzuckzackzack!

      Nach dem Essen habe ich die beiden dann in Ruhe gelassen, dieses Geturtel und Händchengehalte war ja so peinlich, wie wenn sie frisch verheiratet wären. Das gehört sich doch einfach nicht mehr, sobald mal Kinder da sind. Ich hab da dem Ruedi ja schnell klar gemacht, dass wir damit jetzt durch sind, aber diese modernen Frauen von heute haben einfach kein Ehrgefühl mehr – Küssen und sowas, einfach so *tststs* Ich hab mich dann ein bisschen um diesen netten alleinstehenden Herrn gekümmert, der so allein da sass und bei meinem Anblick bedeutungsvoll mit den Augen gerollt hat.



      Und glauben Sie ja nicht, dass dann Ruhe im Karton gewesen wäre, die Frau Freihalterin hat dann einen Riesen-Aufstand gemacht, weil wir in Mölde der MS Polarlys begegnet sind – nur weil sie da schon mal mitgefahren ist. Das war ja auch nur ein anderes Hurtigrutenschiff und sah genau wie unseres aus. Und wegen ein bisschen Herumspielen mit den Scheinwerfern und der Decksbeleuchtung so in Verzückung zu geraten – ehrlich, ich verstehe die Frau nicht, und ihren Mann hat sie auch schon
      angesteckt damit, der Arme...

      Schütteln Sie gern mit mir den Kopf, und bleiben Sie mir treu, ich berichte bestimmt weiter,


      mit freundlichen Grüssen, Ihr Klärli
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3
    • Marihøna schrieb:

      Ich bin entsetzt, ich bin ja gebürtige Aargauerin, wo der Rüeblikuchen von meiner Ururgrossmutter vatertantenseits erfunden

      Jaja, Klärli - entschuldige dass ich dich so nenne - das kenne ich, ich bin genau der Meinung Rüeblichueche können nur wir Aargauer machen (obwohl ich zugeben muss dass ich kürzlich in Irland einen ass, der fast so gut was ;) )

      Marihøna schrieb:

      das ginge dann viel mehr Ruckzuckzackzack!

      WAAHHH - Cabaret Rotstift lässt grüssen...
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~
      Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~ Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil!