Very british - Mit der MS Hamburg rund um Großbritannien - 1.-13. August 2018

    • 2018
    • Very british - Mit der MS Hamburg rund um Großbritannien - 1.-13. August 2018

      Zum dritten Mal sollten wir und unsere Freunde nun mit der MS Hamburg unterwegs sein. Speziell mir ist dieses kleine Schiff richtig ans Herz gewachsen, weil wir mit ihr schon zwei ganz besonders schöne arktische Reisen erleben durften: 2012 mit Schwerpunkt Spitzbergen und 2013 mit Schwerpunkt Grönland.

      Die MS Hamburg lief 1996 in Wismar vom Stapel und war von 1997 bis 2012 als C. Columbus für Hapag Lloyd Cruises unterwegs. Seit 2012 fährt sie für den Veranstalter Plantours als MS Hamburg und in diesem neuen Gewand haben wir sie kennen und schätzen gelernt.
      Das Schiff bietet 400 Passagieren Platz und ist klein genug für ungewöhnliche Ziele und Passagen. Das sollte uns auch auf dieser Reise ein Vorteil sein.
      Die folgenden Fotos stammen von den beiden erwähnten Reisen. So schön hat sich die Hamburg uns diesmal nicht präsentieren können.



      Auf zwei Bildern ist deutlich eine der einklappbaren Nocks zu erkennen. Dieses besondere Konstruktionsmerkmal dient dazu, das Schiff für die Passage der Schleusen in den Großen Seen Nordamerikas zu befähigen.
      Oberhalb der Brücke befindet sich die Bar und das Buffetrestaurant sowie der kleine, rechts und links durch zwei Türen begehbare Bug. Dies sollte bei der Einfahrt nach London der begehrteste Ort sein.

      Auf unserer Reise werden folgende Häfen angelaufen: Bremerhaven – London – Torquay – Scilly Inseln – Dublin – Belfast – Stornoway (Hebriden) – Invergordon – Rosyth (Edinburgh) – Bremerhaven.


      Tag 1 – 1. August 18 – Anreise


      Die Kreuzfahrt beginnt in Bremerhaven. Obgleich die Entfernung von unserem Wohnort im südlichen Schleswig-Holstein in der Luftlinie nur 110 km beträgt, ist die Anreise recht umständlich: Taxi nach Ahrensburg – Regionalbahn nach Hamburg – Metronom nach Bremen – Nahverkehrszug nach Bremerhaven – Shuttlebus zum Columbus Terminal. 4 Personen mit 4 großen Koffern und diversen kleinen Rucksäcken und Fototaschen erleben das doch als etwas strapaziös. Zum Glück gibt es heutzutage überall Fahrstühle für den Bahnsteigwechsel, aber in der Hauptreisezeit konkurrierten wir mit richtig vielen Fahrrädern und Kinderwagen.

      Um 14:00 begann das Boarding. Schnell finden wir unsere Koffer vor und erledigen in der Kabine den „Nestbau“, bevor wir uns an Deck in der Sonne einen Kaffee gönnen. Nach der Seenotrettungsübung erfolgt etwa um 17:00 Uhr die Abfahrt und dann passieren wir auch schon die Kräne des Containerhafens.

      Lange nach dem Abendessen stehen wir später noch an Deck, denn das wunderbare Sommerwetter zaubert schöne Dämmerungsstimmungen an den Himmel. Schließlich zieht sogar ein Geisterschiff an uns vorbei.




      Tag 2 – 2. August 18 – Seetag


      Dieser Tag verläuft ohne besondere Ereignisse. Wir sitzen meist in der Sonne, freuen uns des Lebens und lassen uns an Bord verwöhnen.



      Am Abend findet das Galadinner statt, weshalb wir uns ein klein wenig aufbrezeln müssen. Der Koch gibt sein Bestes aber auch sonst werden wir mit dem Abendessen überaus zufrieden sein.



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    • Tag 3 – 3. August 18 – Themse bis London

      Der heutige Morgen ist von allen mit Spannung erwartet worden. Im Tagesbericht steht zu lesen, dass um ca. 7 Uhr die Tower Bridge für unser Schiff geöffnet wird. Ab 5:45 sollen auf den Außendecks Ansagen mit Erklärungen zur Fahrstrecke zu hören sein. Zufällig bin ich früh wach und stehe also schon um 6 Uhr auf dem beliebten, kleinen Aussichtsdeck vorn am Bug über der Brücke. Trotzdem ergattere ich nur noch einen Platz in der zweiten Reihe und muss über die Schultern anderer hinweg fotografieren. Alle Blicke sind an diesem Morgen nach vorn gerichtet, denn jeder möchte den Moment erleben, wenn zum ersten Mal die Tower Bridge zu sehen sein wird. (Auf der Fahrt in umgekehrter Richtung am nächsten Tag wird das anders sein. Man kann sich dann in Ruhe den schönen Motiven beider Ufer widmen und bessere Fotos machen.)

      Um 6 Uhr befinden wir uns schon in den Außenbezirken von London. Der Sonnenaufgang liegt noch nicht lange zurück, weshalb die Themseufer in ein warmes, gelbes Licht getaucht sind. Gegen 6:20 passieren wir das große Sturmflutsperrwerk Thames Barrier im Stadtteil Woolwich. Es wurde 1984 errichtet und hat inzwischen fast 200 Mal als Hochwasserschutz für London gedient.



      Die Themse verläuft in etlichen Windungen. Eine besonders enge liegt im Bereich der Greenwich-Halbinsel, die kurz darauf in Sicht kommt. Hier hat seit der Jahrtausendwende eine enorme Bautätigkeit statt gefunden. Die Seilbahn Emirates Air Line, 2012 zu den Olympischen Spielen fertig gestellt, und der Millennium Dome sind die prominentesten Zeugnisse davon.



      Das gegenüberliegende Ufer wird von der Isle of Dogs gebildet. Hier prallen Gegensätze aufeinander: Bürohochhäuser und ältere, kleinstädtische Bebauung.



      Vorbei an schönen, alten Häuserzeilen folgen wir weiter dem gewundenen Flusslauf. Auf der linken Seite sehen wir ein anderes Kreuzfahrtschiff: Die Viking Sky ist zu groß für die City und muss leider draußen bleiben. :D :D :D



      Schon seit ich an Deck stehe, habe ich hin und wieder in der Ferne die Wolkenkratzer der Londoner City über den Dächern ausmachen können. Nun kommen sie richtig schön ins Bild.



      An der nächsten Flussbiegung kommt uns ein Schlepper entgegen. Er wird uns bis zu unserer Anlegestelle die Richtung vorgeben.



      Noch eine Wendung und dann ist es so weit: Wir haben die Tower Bridge im Blick, die sich dann langsam für uns öffnet. Ein absolutes Gänsehaut-Gefühl, als wir die Brücke passieren!





      Sogleich haben wir auch schon unsere Anlegestelle vor uns: Die HMS Belfast. Das britische Kriegsschiff ist Teil des Imperial War Museums und wurde im Zweiten Weltkrieg als leichter Kreuzer eingesetzt. An dieses Museumsschiff docken wir nun an.





      Fortsetzung Tag 3 folgt.



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    • Tag 3 – Teil 2 – London und Windsor

      An unserem Liegeplatz genießen wir nun das Frühstück oben auf dem Pooldeck. In der Morgensonne sehen die Hochhäuser der City und die Themse im Bereich der London Bridge unglaublich schön aus. Das auffällig spitze Gebäude kam 2012 hinzu: The Shard (der Splitter) im Stadtteil Southwark ist mit 309,6 Metern Höhe der höchste Wolkenkratzer der EU. Noch! :(



      Im vergangenen Jahr hatten wir meine Tante besucht, die seit 65 Jahren in London lebt. Das war natürlich eine gute Gelegenheit, auch wieder einmal etwas Sightseeing zu betreiben. Aber nicht nur wir sondern auch unsere Freunde kennen die Stadt gut. So wird unser Ziel heute nicht die Innenstadt sein, sondern wir haben einen Ganztagsausflug nach Schloss Windsor gebucht.
      In der Lounge des Schiffes erfolgt die Ausgabe der Lunchpakete und dort sitzen auch Vertreter der britischen Behörden, die vor dem Landgang unsere Pässe kontrollieren.
      Um 9:00 Uhr wird unser Ausflug aufgerufen. Wir verlassen das Schiff über eine Gangway, die außen an der HMS Belfast fest installiert ist. Das Museumsschiff selbst dürfen wir nicht betreten. Unten angekommen steigen wir in ein Shuttleboat, das uns an das gegenüberliegende Ufer zum Tower Pier bringt. Hier haben wir zum ersten Mal einen unverstellten Blick auf die MS Hamburg.



      Wir gehen zu einem unterirdischen Parkhaus, wo wir unseren Ausflugsbus vorfinden.
      Auf der Hin- und Rückfahrt wird uns jeweils eine Panoramafahrt geboten, die an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei führt. Wir sehen zunächst die St. Paul's Cathedral, die Fleet Street, und den Royal Court of Justice, fahren wegen der schönen Aussicht über die Waterloo Bridge und queren kurz darauf die Themse in umgekehrter Richtung über die Westminster Bridge. Vorbei an den Parlamentsgebäuden und der Westminster Abbey führt die Route dann durch den schönen Stadtteil Knightsbridge zu den westlichen Vororten und hinaus aus der Stadt. Die auf dieser Tour hastig aus dem Bus heraus „geschossenen“ Fotos sind leider nicht gut genug, um hier gezeigt zu werden.

      Schließlich erreichen wir den riesigen Parkplatz nahe dem ehrwürdigen Bahnhof von Windsor. Von dort gehen wir über eine Fußgängerbrücke, von der aus man einen sehr schönen Blick auf die Schlossanlage hat.



      Nach einem kurzen Fußweg haben wir das Bauwerk dann vor uns. Ich war zuletzt im Alter von 12 Jahren hier und staune nun über die Menschenmassen, die in einer langen Schlange vor dem Haupttor auf Einlass warten. Wir haben den Vorteil, in einer Gruppe unterwegs zu sein, und werden zu einem anderen Eingang geführt.



      Das Schloss ist die älteste dauerhaft bewohnte Residenz des Landes. Die Anfänge gehen auf Wilhelm den Eroberer zurück. Danach haben Monarchen in allen Jahrhunderten Änderungen im jeweiligen Zeitgeschmack durchgeführt. Die ältesten Gebäudeteile sind Teile des runden Turms und der Außenmauern. Sie gehen auf das 11.-13. Jahrhundert zurück.



      Zunächst besuchen wir die gotische St. George's Chapel. Sie entstand 1475-1528 und ist die Ordenskapelle der Hosenbandritter. Im Innern ist das Fotografieren verboten, aber da in diesem Frühjahr Prinz Harry und Megan Markle hier getraut wurden, ist durch dieses Fernsehereignis bei vielen bestimmt noch eine Erinnerung an den beeindruckenden Kirchenraum vorhanden.



      Anschließend werden uns ausgezeichnete Audioguides ausgehändigt und es schließt sich eine ausführliche Besichtigung der prunkvollen Staatsgemächer an. Auch dort dürfen keine Aufnahmen gemacht werden. Leider ist das berühmte Puppenhaus der Königin Mary von 1923 wegen Renovierung nicht zu besichtigen. Schade, das hätte ich gern wieder gesehen.
      Allerdings haben wir nun über eine Stunde Freizeit uns Windsor anzuschauen und verlassen das Schloss durch das Haupttor.



      Zunächst fällt uns die sehr schöne Guild Hall auf – das Rathaus. Darin befindet sich das Standesamt, in dem 2005 die Trauung von Prinz Charles und Camilla Parker Bowles stattfand. (Oh, ist das wirklich schon 13 Jahre her?)



      Wir bummeln ein wenig durch die gemütlichen, kleinen Straßen, in denen sich viele Souvenirläden befinden. Nicht nur die offiziellen Schlossboutiquen, auch alle anderen Läden stehen ganz im Zeichen der neueren royalen Ereignisse. Da mögen wir auch nicht abseits stehen. ;)



      Am Ende unseres Rundgangs treffen wir die Gruppe am Bahnhof wieder und gehen gemeinsam zum Bus. Bald beginnt dann der zweite Teil der Panoramatour. Diesmal geht es am Hyde Park und dem Buckingham Palace vorbei. Wir queren die Themse über die Lambeth Bridge und fahren über die Tower Bridge zum Tower Pier zurück. Wieder geht es dann mit dem Shuttleboat zurück auf unser Schiff.

      Als wir auf Deck in die Runde blicken, liegen der Tower of London, die Tower Bridge und die Town Hall nicht mehr im Gegenlicht sondern in der Abendsonne vor uns. Ein Freitag im Hochsommer – da ist das Gedränge an den Ufern nicht verwunderlich. Die Brücke hat sich gerade wieder geöffnet – diesmal für ein ziemlich kleines, aber sehr hohes Moorboot. Der Berg kreißte und gebar eine Maus. :D



      Nachdem wir uns tagsüber aus der Lunchbox verpflegt hatten, freuen wir uns nun auf ein richtig gutes Abendessen.


      Fortsetzung Tag 3 folgt.



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    • Tag 3 – Teil 3 – Abendstimmung

      Nach dem Abendessen wollen wir eigentlich noch eine Bootsfahrt auf der Themse unternehmen. Die Reiseleitung unseres Schiffes erfährt aber nun, dass der Veranstalter das Angebot geändert hat. Der Ausflug soll nun erst mit einer Panoramafahrt durch London beginnen. Alle Gäste haben die Stadt auf die eine oder andere Art aber am Tage schon erkundet. Unter diesen veränderten Bedingungen ist es jedem, der die Tour gebucht hat, nun frei gestellt teilzunehmen oder abzusagen. Das ist uns sehr recht. Der Tag war ereignisreich genug und die Atmosphäre an Deck ist sehr angenehm. Wir lassen den Tag mit Piña Colada ausklingen.



      Etwa eine Stunde lang werden wir Passagiere dabei von einem Parodisten unterhalten, der Lieder von Reinhard Mey vorträgt. Das klingt so echt, dass es fast unheimlich ist.
      (Der Sänger soll noch etliche andere Stimmen im Repertoire haben, aber seine anderen Auftritte in der Lounge auf Deck 4 haben wir immer geschwänzt. Eigentlich benötigen wir keine Unterhaltung auf einem Schiff, würden aber zugeben, dass die engagierten Künstler auf der MS Hamburg einen wirklich guten Job machten. Es gab z.B. auch Lesungen durch einen ehemaligen Kapitän und einen Schauspieler.)

      Auf die Gefahr hin, dass sich die Motive wiederholen, füge ich hier noch ein paar Stimmungsfotos des Abends bei:






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    • Das ist ja mal ein interessanter Bericht mit tollen Fotos, der sich mit der spektakulären Fahrt auf der Themse schon gut anlässt! London hat sich wahnsinnig verändert!
      In Windsor hat mich dieses Jahr der Rummel gewaltig abgeschreckt, ihr hattet echt Glück mit dem Seiteneingang. Den Laden mit dem royalen Kitsch habe ich im Juni auch fotografiert ;)
      Ich bin gespannt, wie's weitergeht!
      Viele Grüsse, Albatross
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    • Ja, die Reise begann quasi mit einem Paukenschlag. Nach diesem Höhepunkt hätten wir eigentlich gleich wieder umkehren können. :sironie:
      Der Rummel hat uns in Windsor auch sehr erschreckt. Möglicherweise hat die königliche Hochzeit in diesem Jahr einen Anteil daran. Wir wollen es hoffen.

      Viele Grüße
      Laminaria



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    • Tag 4 – 4. August 18 – Themse abwärts

      Früh morgens schon vor 7 Uhr macht ein Schlepper an der MS Hamburg fest, um das Schiff rückwärts durch die Tower Bridge und in breiteres Fahrwasser zu ziehen. Um Viertel nach 7 passieren wir dann erneut die Tower Bridge Die Unterbrechung des Straßenverkehrs ist dabei erstaunlich kurz. Unserer Fotoserie zufolge dauert der gesamte Hebe- und Senkvorgang der Klappbrücke 11-12 Minuten.




      Wir haben uns einen Tisch auf dem Poldeck gesucht, um während des Frühstücks immer wieder für ein Foto aufspringen zu können. Zunächst aber kommen wir gar nicht zum essen, weil wir uns ganz im Banne der neu gestalteten Docklands an beiden Themseufern befinden.






      Bei der nächsten Flussbiegung dreht unser Schiff mit Hilfe des Schleppers und befindet sich nun mit dem Bug in Fahrtrichtung. Eine ganze Weile noch wird ein leerer Lastkahn unser Begleiter sein.






      Schließlich passieren wir erneut die Viking Sky an ihrem Ankerplatz.





      Fortsetzung von Tag 4 folgt.



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    • Tag 4 - Teil 2 - Themse abwärts

      Nun erreichen wir den Vorort Greenwich. Wir sehen die schöne alte Cutty Sark, den letzten der sogenannten Teeklipper, die im 19. Jahrhundert zwischen England und China verkehrten. Der Segler wurde erst 1954 außer Dienst gestellt und ist Teil des National Maritime Museum.




      Direkt nebenan befindet sich das Royal Naval College. Den zweiteiligen Palastbau hat der bereits erwähnte führende Architekt Londons, Christopher Wren, entworfen. Als königliche Residenz erbaut, diente es später als Hospital, dann als Marineakademie und ist heute Teil der Universität Greenwich. Es handelt sich um eines der bedeutendsten Barockgebäude Englands und ist Teil des UNESCO Weltkulturerbes Maritime Greenwich.




      Über dem Dach des Gebäudes erkennt man in der Ferne das Royal Observatory auf dem hier definierten Nullmeridian. An dem Flamsteed House, benannt nach dem ersten königlichen Astronomen, fällt auf dem linken Türmchen eine rote Kugel auf.. Sie ist weithin sichtbar und diente seit 1833 den Schiffen als Zeitangabe. Seit damals wird der Zeitball täglich präzise um 13:00 Uhr fallen gelassen, so dass es für alle in Sichtweite Befindlichen möglich sein sollte, die Uhr danach zu stellen. Greenwich Mean Time eben - die mittlere Sonnenzeit auf dem Meridian von Greenwich. Diese Bezeichnung wird noch heute im United Kingdom verwendet. Seit 1972 spricht man allgemein von einer koordinierten Weltzeit (UTC), der Ball soll aber wohl immer noch täglich fallen. Auf dem Foto sieht es aber so aus, als sei er schon unten ?( . Auf jeden Fall ist es ein erhebendes Gefühl, sich so nah der Keimzelle des Nullmeridians zu befinden.




      Schon liegen am anderen Ufer die hypermodernen Gebäudekomplexe der Isle of Dogs vor uns.




      Wenden wir den Blick zurück auf die Greenwich-Halbinsel, erscheint hier die Multifunktionsarena The O2 oder auch Millennium Dome. Das zeltartige Gebäude hat eine Kapazität von 20 000 Plätzen. Gleich dahinter, bei der neuen Großbaustelle, quert die Seilbahn Emirates Air Line die Themse. Schade, dass wir sie nicht ausprobieren können! Wir passieren gleich danach einen farbenfrohen Wohnkomplex mit runden Dächern.




      Sodann nähern wir uns wieder dem imposanten Gezeitensperrwerk Thames Barrier, in dessen Nähe sich einige Kraftwerke etabliert haben.




      Bei Dartford passieren wir eine 1991 errichtete Schrägseilbrücke, welche die zweitlängste des vereinten Königreiches ist. Sie trägt den Namen Queen Elisabeth II Bridge, hätte nach den berühmten Söhnen der Stadt aber ebenso gut Sir Mick Jagger and Keith Richards Bridge heißen können. ;) Wenig später treffen wir auf ein weiteres Kreuzfahrtschiff: Die MS Columbus des Veranstalters TransOcean Cruises. An dieser Stelle verlässt uns nun der Schlepper, der bislang immer noch hinter uns geblieben war. Nachdem wir den hübschen Ort Gravesend hinter uns gelassen haben, sehen wir nur noch flaches Land und ein wenig Industrie.




      Am Nachmittag werden wir auf die weißen Kreidefelsen von Dover hingewiesen, aber leider sind wir viel zu weit von der Küste entfernt, um sie wirklich gut sehen zu können.




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    • Auch ich bedanke mich für den tollen Bericht. Ich liebe England und verfolge eure interessante Reise mit Vergnügen. Eine reizvolle neue Sicht auf England vom Wasser aus.
      Ich bin regelmäßig mit meinen Scotties in ihrem Heimatland, war allerdings noch nie in Schottland, das steht 2020 an. Über sie Brücke bin ich schon oft gefahren, wusste allerdings nicht, dass sie Queen Elizabeth II Bridge heißt. Ich kenne sie nur als Dartford Crossing, eine Mautbrücke.
    • Tag 5 – 5. August 18 – Torquay und Devon

      An diesem Tag liegt unser Schiff von 9:00 – 18:00 Uhr vor Torquay auf Reede. Wir befinden uns hier an der sogenannten britischen Riviera mit ihren hübschen Steilküsten und feinsandigen Stränden. Torquay ist ein typisch englischer Badeort; es gibt sehr viel Rummel in jeder Beziehung. :thumbdown:



      Naja, so etwas muss man mögen. Den Tag auf eigene Faust an Land zu verbringen war für uns keine Option und so haben wir einen Ausflug gebucht. Es besteht die Möglichkeit, die Küstenlandschaft per Bus oder mit einer historischen Bahn zu erkunden. Wir haben aber eine Ganztagestour vor, die sich „Höhepunkte Devons“ nennt. Eine Abtei, das berühmte Dartmoor sowie die Kathedrale von Exeter stehen auf dem Programm.
      Die Tenderboote unseres Schiffes nehmen ihre Tätigkeit auf und bald sind alle Gäste hinüber zum Yachthafen gebracht, von wo aus die Ausflüge starten.



      Schon zu Beginn der Busfahrt bemerken wir, dass die Klimaanlage nicht funktioniert. Auch die Lüftung erweist sich als recht schwach. Das soll sich noch als fatal erweisen, denn das heiße und trockene Sommerwetter, das Norddeutschland schon seit vielen Wochen im Griff hat, herrscht offensichtlich auch in Südengland. Auch in London waren uns etliche gelbe Rasenflächen aufgefallen.
      Die Landschaft Devons empfinde ich als sehr reizvoll. Ein Beispiel, aus dem Busfenster aufgenommen:



      Unser erstes Ziel ist Buckfast Abbey. Die ersten Anfänge gehen auf das Jahr 1018 zurück, weshalb die Abtei ganz im Zeichen des 1000jährigen Jubiläums steht. Die Anlage wie wir sie heute sehen, stammt allerdings aus dem 20. Jahrhundert. Die Geschichte ist ungewöhnlich und soll daher erwähnt werden:

      Als Zisterzienserabtei gegründet, waren dem Kloster wechselvolle Zeiten der Blüte und des Niedergangs beschieden Schließlich ließ Heinrich VIII nach dem Bruch mit Rom alle englischen Klöster schließen und konfiszierte die Kirchengüter. Buckfast Abbey wurde 1539 geschlossen und dem Verfall preisgegeben. Erst 1806 wurden Teile der Ruine in ein Herrenhaus umgebaut. 1882 stand das Anwesen zum Verkauf und wurde von französischen Benediktinern erworben, die in Irland im Exil lebten.
      Vom Beschluss, das Kloster wieder aufzubauen, bis zum Beginn der Ausführung des Planes sollten viele Jahre vergehen. Nach Plänen eines Architekten begannen die Mönche ab 1906 selbst mit dem Aufbau in normannischem und frühgotischem Stil. Darüber steht in einer Broschüre zu lesen:
      „Mit dem Pferdewagen holte man Steine aus einem nahegelegenen Steinbruch. Diese schwere Arbeit wurde von einer kleinen Gruppe von Mönchen (normalerweise vier, nie mehr als sechs) ausgeführt. Da die Mittel zunächst sehr knapp bemessen waren, bearbeiteten die Mönche die Steine in selbst errichteten Werkstätten, mischten ihren eigenen Mörtel, bauten ein hölzernes, mit Seilen und Ketten zusammengehaltenes Gerüst und hievten die Steine per Hand hoch. Beim Bau der Wände standen sie fast 50 Meter über dem Boden – in Wind uns Wetter, ohne Helme oder Sicherheitsgeländer.“
      1932 wurde die Abtei eingeweiht und letzte Bauarbeiten 1938 abgeschlossen.1968 kam eine kleine Kapelle mit modernem Glasfenster hinzu.



      Wir haben ausgiebig Zeit, in der schönen Kirche und dem Klostergarten zu verweilen. Als wir zum Bus zurückkehren, hat sich dieser schon reichlich erwärmt. Wir starten nun zu unserer Fahrt durch das Dartmoor. Wer am Fenster in der Sonne sitzt, ist nach kurzer Zeit völlig überhitzt. :cursing: Die Gardine vorziehen kommt nicht in Frage. Schließlich möchten wir ja die schöne Landschaft sehen. Ich versuche, mir kühlen Nebel und den Hund von Baskerville vorzustellen. Das nützt ein klein wenig. ;)

      An einigen Stellen gibt es große Flächen von Heidekraut gemischt mit Ginster – beides in voller Blüte. Gern würden wir hier ein wenig herumgehen. Wir waren davon ausgegangen, hauptsächlich einen Ausflug in die Natur zu machen. Schließlich gab es den Hinweis auf festes Schuhwerk. Eine kleine Wanderung durch das Moor soll uns aber nicht vergönnt sein. Wir sind sehr enttäuscht, als wir nur ein einziges Mal den Bus verlassen dürfen. :(



      Am Nationalparkzentrum in dem kleinen Ort Postbridge ist es so weit: Wir dürfen hinaus und zwei Brücken besichtigen. Die eine stammt von 1780, die andere ist bemerkenswert, weil es eine sogenannte clapper bridge ist. Große, flache Natursteine, die über steinerne Stützpfeiler gelegt werden, ermöglichen das Überqueren eines fließenden Gewässers. Viele Individualreisende sind bereits auf dieser Brücke, als sich die Insassen von zwei Bussen der MS Hamburg dazu gesellen. =O



      Die Außentemperatur ist seit der Mittagszeit auf deutlich über 30 Grad geklettert und wir setzten den Weg weiterhin ohne Klimaanlage fort. Mein Göga wird inzwischen von üblen Kopfschmerzen geplagt. Ein Entrinnen gibt es schließlich in Exeter. Bei der beeindruckenden Kathedrale bekommen wir viel Freizeit, die Kirche und die Altstadt anzuschauen.



      Bald flüchten wir uns in die Kühle des sakralen Raumes. Obwohl hinten im Chor ein Gottesdienst stattfindet, werden wir eingelassen, zahlen aber nur den halben Eintritt. Wir stören nicht, denn das Langhaus der Kirche ist mit 100 Metern das längste ununterbrochene Gewölbe der Welt. Es gibt viel zu bewundern und wir bleiben so lange, dass wir zuletzt doch noch die geschnitzten Chorbänke sehen können.



      Von Exeter aus fahren wir zügig nach Torquay zurück. Die Hitze ist jetzt am Abend nicht mehr so groß und unser Bus stand zudem an einem schattigen Ort.

      Als alle wieder an Bord sind wird zum Auslaufen an Deck ein Cocktail ausgeschenkt. Dabei erklingen Shanties zum Akkordeon. Ein letzter Blick auf Torquay und dann ab unter die Dusche!




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    • Danke, das ist natürlich viel besser. :)
      In den 60er Jahren war das Fliegen ja noch ein Luxus. Wenn meine Mutter und ich dann meine Tante in London besuchten, sind wir immer mit der Fähre Oostende-Dover gefahren. Der Anblick der Kreidefelsen war immer ein Höhepunkt für uns, quasi wie eine Begrüßung.

      Viele Grüße
      Laminaria



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    • Herzlichen Dank,
      vertraute Anblicke, wenn auch in Torquay offensichtlich viel dazugebaut wurde, seit ich 2007 dort war. Mir hat der Rummel dort auch nicht so gefallen, zudem wirkte alles nach den vielen aufgeräumtens Örtchen an der Süd- und Westküste Cornwall eher ein bisschen schmuddelig.

      Im Dartmoor waren wir auch, dort hatten wir unseren einzigen regnerischen, grauen Tag, passte aber zum Moor. An der Clapperbridge waren wir auch, es gibt davon noch einige im Dartmoor, aber die in Postbridge ist die berühmteste.
      Die Kathedrale von Exeter hat uns damals auch sehr gut gefallen, auch der Ort selbst ist wunderschön.
      Bin schon ganz neugierig, wie es weitergeht. Auf die Scillys haben wir es damals leider nicht geschafft. Die stehen bei mit auch noch auf der Wunschliste.
      LG Sehpferd /Helga :ilhr:

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    • Wir hatten uns sehr gewundert, dass die Küste von Cornwall auf der Route nicht enthalten ist, dafür aber die Scilly Inseln. Das ist typisch MS Hamburg. Sie hat 2014 den Rang Schiff des Jahres in der Kategorie Routing bekommen. Kleine besondere Ziele sind die Spezialität des Schiffes.

      Nun muss ich aber erst einmal wieder Bilder sortieren. ;)

      Viele Grüße
      Laminaria



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    • Ja, englische seaside amusements sind für uns extrem gewöhnungsbedürftig :wacko1: , da habt ihr mit eurem Ausflug alles richtig gemacht. Schön, die Kathedrale von Exeter wieder ohne Gerüst zu sehen :thumbup:

      Laminaria schrieb:

      immer mit der Fähre Oostende-Dover gefahren


      Das kenne ich auch noch gut, mit dem Nachtzug (Tauernexpress) nach Oostende und beim Anblick der Kreidefelsen war die Müdigkeit wie weggeblasen.

      Ich bin gespannt auf die Scilly Islands, da war ich auch noch nie.
      Viele Grüsse, Albatross
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    • @Laminaria
      Vielen Dank für das Wiedersehen mit England ! Wir haben vom 23.6.-24.7.18 eine selbst geplante und organisierte Autotour rund um Südengland mit Wiltshire, New Forest, Davon, Dartmoor, Cornwall, Exmoor, Cotswolds, Norfolk und Canterbury usw. gemacht. Es war mit vielen Orten ein Wiedersehen nach 40, 30 oder 5 Jahren. Recht spannend.
      Im Dartmoor Nationalpark waren wir 5 Tage und wohnten in einem kleinen und feinen privat geführten Hotel in Postbrigde, die Straße rechts rein hinter der Clapper Bridge, an der wir jeden Tag vorbei kamen. Da wir ja Zeit hatten, konnten wir auch die, von dir so vermißte Wanderung machen. Dartmoor ist einfach zauberhaft!Trotz super Wetter auf der ganzen Reise hatten wir dort richtiges "Dartmoor Wetter" mit Nebel und Regen in der Nacht, Nebel und nasse Wiesen auch auf unserer Wanderung. Besser konnte es gar nicht passen! Ich habe ja vor, von dieser Reise einen Bericht ins Forum zu stellen, ABER am 14.9. geht es schon wieder ab nach Norden. Dritte HR Reise. Also liebe Foris, es heißt Warten. Da ich es nun versprochen habe, bin ich eine Verpflichtung eingegangen und muß nun das Verprechen erfüllen !
      Ich freue mich aber auch über deinen Bericht, und bin auf die Fortsetzung gespannt. Ganz toll: Die Einfahrt per Schiff unter der Tower Bridge her ! :good3:

      Hier eine kleine Collage von unserer Wanderung in Dartmoor

      Die Wanderung ging zu diesem Zauberwald Whistman's Wood. War der Tipp einer Freundin. Man findet an Ort und Stelle keinen Hinweis. Ging von Two Bridges aus.


      Und an dem Nebeltag in Dartmoor der Weg vom Hotel zur Haupstraße


      Jetzt ist aber Schluß mit meinen Fotos. Es ist ja Laminarias Bericht !! Da sollte ich nicht mitmischen. Es ging ja auch nur um Dartmoor.
      Liebe Grüße von Trollebo

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