Darf es auch mal Sonne sein? - Wir haben noch eine Rechnung offen, ihr Regengötter.

    • 2018
    • Darf es auch mal Sonne sein? - Wir haben noch eine Rechnung offen, ihr Regengötter.


      Darf es auch mal Sonne sein? - Wir haben noch eine Rechnung offen, ihr Regengötter. (Azoren 18.April - 4.Mai 2018)


      Noch fehlten mir ja einige Inseln des Azoren-Archipels . So war es nur eine Frage der Zeit, wann es mich wieder dorthin zog. Aufgrund diverser privater Verpflichtungen konnte ich diesmal nicht schon weit vorher die Tour planen und buchen. So war ich doch froh, dass ich mit Seabreeze Travel einen Reiseveranstalter fand, der mir noch relativ kurzfristig ein nach meinen Wünschen geprägtes Angebot machte.
      Die einzelnen Zeiten auf den Inseln stimmten, die Hotels, Mietwagen und Flüge passten auch, also buchte ich kurzerhand im Februar-März die Reise. Nach meiner doch etwas feuchteren letzten Tour auf den Azoren, hoffe ich diesmal auf etwas besseres Wetter.
      Da ich bereits über alle gängigen Reiseführer der Azoren verfügte und davon ausging, dass ich einen dieser Reiseführer vom Veranstalter erneut mit den Reiseunterlagen bekommen würde, kaufte ich mir ein Kartenset von Kompass (ideal als Wander- wie auch als Straßenkarte) im Maßstab 1:50000. Meine alten Karten von freytag&berndt waren doch einerseits sehr alt und andererseits nur im Maßstab 1:75000, was sich auf der letzten Tour schon als ein wenig ungenau herausgestellt hatte.
      Natürlich würde ich wieder mein altes TomTom mitnehmen, aber für eine grobe Übersicht und Vorplanung einer Tagesroute finde ich richtige Karten einfach unerlässlich.

      Kurz vor Beginn der Reise trafen dann die Reiseunterlagen ein. Ein komplettes Paket Voucher für Hotels und Mietwagen, einige zusätzliche Informationen und ….. ein Kartenset von Kompass :search: :pardon: .
      Die Flüge zu und von den Azoren würden von TAP, der portugiesischen Fluggesellschaft durchgeführt. München – Lissabon, dort umsteigen und dann Lissabon – Ponta Delgada. Einen Direktflug von München gibt es leider nicht mehr, ebenso fliegt SATA, die Fluggesellschaft der Azoren die Route leider nicht mehr.
      Die innerazorianischen Flüge, Ponta Delgada – Flores, Flores – Terceira, Terceira – Graciosa und Graciosa – Ponta Delgada würden allerdings von SATA durchgeführt.


      Mittwoch der 18.April 2018

      Heute geht es los, zumindest für meinen Koffer. Zuvor hatte ich noch einen Routinetermin bei meinem Zahnarzt. Ich wollte auf jeden Fall sicherstellen, dass mir nicht noch einmal ein solches Malheur wie bei der letzten LOFOTEN-Tour passiert.
      Doch mein Zahnarzt gab Entwarnung und so brachte ich, nachdem ich bereits am Vorabend online eingecheckt hatte (bei TAP geht dies 36 Stunden vor Abflug), meinen Koffer zum Einchecken. Natürlich war das günstige Parkhaus P 20 gesperrt und ich musste am Münchner Flughafen eines der teuren Parkhäuser benutzen.
      Doch der Checkin des Koffers ging zügig am Lufthansaschalter. TAP gehört mit zur StarAlliance und wird bei Lufthansa abgefertigt. Interessanterweise zeigte die Waage des LH-Schalters 21,4 kg an. Meine kleine Handkofferwaage hatte mir zuvor 22,9 kg angezeigt.
      Nachdem der Koffer somit bereits aufgegeben war und ich noch reichlich Zeit an diesem Tag hatte, besuchte ich noch die Frühjahrs-Dult bei uns in Landshut. Bei leckerem Steckerlfisch (Saibling) und einem ebenso guten Mass Bier stellt sich die Urlaubsstimmung doch recht schnell ein. Außerdem hatte ich so schon am frühen Abend die benötigte Bettschwere, da frühes Aufstehen am nächsten Morgen angesagt war.

      Donnerstag der 19.April 2018

      Erstaunlicherweise bin ich kurz bevor der Wecker zuschlägt bereits wach. Es ist 3:00 Uhr am Morgen und nach einem kurzen Frühstück mache ich mich auf den kurzen Weg zum Flughafenbus am Bahnhof. Um 4:00 Uhr ist Abfahrt und wir erreichen den Münchner Flughafen um 4:38 Uhr. Schnell bin ich im Terminal 2 und dort durch die Sicherheitskontrolle. So sitze ich dann schon um 5:00 Uhr am Gate.
      Bis zum Abflug um 6:05 Uhr ist noch reichlich Zeit, ausreichend um sich in das kostenlose W-LAN des Flughafens einzuloggen und meinem Sohn und Renate eine kurze Info zu senden.

      Der Abflug erfolgt pünktlich, der Platz neben meinem Fensterplatz bleibt leer. Die Sitzreihen in den TAP-Fliegern bieten ausreichend Platz, viel Fußraum. Das macht den Flug recht angenehm und die Zeit vergeht doch schnell. Zuerst habe ich recht gute Sicht auf die Alpen und später auch auf die Pyrenäen, wenn es auch recht dunstig ist.



      Kaum über Portugal werden die Wolken weniger und die Luft wird klarer. Der Flug dauert rund drei Stunden und schon ist unter mir der Tajo und die Ponte Salgueiro Maia, etwas südlich von Santarém zu sehen. Als ich schließlich die Mündung des Tajo sehe, weiß ich, dass wir uns bereits über Lissabon befinden.



      Zuerst taucht nun die 1998 eröffnete Ponte Vasco da Gama, mit 17 km Länge eine der längsten Brücken Europas auf. Die 2,3 km lange Ponte 25 de Abril überspannt den Tajo (oder Tejo) an einer Engstelle kurz vor der endgültigen Mündung in den Atlantik. Die Konstruktionspläne der 1966 eingeweihten Hängebrücke basieren auf Plänen einer amerikanischen Firma, die auch die Golden Gate Bridge entworfen hat.



      Wie schon beim Flug meiner Kapverden-Reise ziehen wir weit hinaus über den Atlantik, bevor wir in einer engen Kurve den Landeanflug auf Lissabon starten. Beim Betrachten der schönen Wellen die hier auf den Strand auflaufen, kann ich mir auch gut einen Urlaub hier vorstellen.
      Nun rückt der Torre de Belém ins Bild, das Original, nicht der kleine Nachbau auf den Kapverden.
      Ursprünglich wurde der Turm 1515 als Leuchtturm und Festung zur Verteidigung Lissabons gebaut. Heute ist der Turm das Wahrzeichen der Stadt und UNESCO Weltkulturerbe.
      Wenig hinter dem Turm liegt das Estádio do Restelo. Es ist das Station des am wenigsten bekannten Fußballvereins von Lissabon, von Belenenses Lissabon.



      Der ruhige und langsame Landanflug bietet ausreichend Zeit einige Bilder der Stadt zu machen. So erwische ich den Palácio Nacional da Ajuda, eine ehemalige Königsresidenz (Portugal hatte bis 1910 eine Monarchie). Rechts neben dem Palast der Torre da Ajuda.
      Auf einem Hügel hoch über der Stadt, dem Parque Florestal de Monsanto steht der Fernsehturm der Stadt.
      Immer wieder beeindruckend ist das Aqueduto das Águas Livres, das 941 m lange Äquadukt, das in der Vergangenheit die Wasserversorgung der Stadt sicherstellte. Der Teil in der Stadt besteht aus 35 Bögen deren höchster 62 m hoch ist und 33,7 m breit. Es ist nur der letzte Teil eines Gesamtbauwerkes von 58 km (18,6 km ist die Hauptleitung) mit 127 Bögen.



      Quasi in der Verlängerung des Äquaduktes steht das Estádio da Luz, das Heimstadion von Benfica Lissabon. Hier steht auch eine Statue von Eusébio, des wohl bekanntesten Spielers Portugals vor Christiano Ronaldo. Vielleicht wird seine Statue auch einst hier stehen, aber der kommt ja von Madeira und ist beim Konkurrenten Sporting Lissabon groß geworden.
      Deren Heimstadion, das Estádio José Alvalade, mit dem auffällig grünen Dach steht nur wenige Hundert Meter entfernt.
      Unsere Landung in Lissabon ist pünktlich um 8:20 Uhr Ortszeit. Meine Armbanduhr hatte ich schon während des Fluges um eine Stunde zurück gestellt. Im Terminal schaue ich auf eine der großen Übersichtsbildschirme mit den Abflügen. Hinter dem Flug nach Ponta Delgada steht Terminal 2. Also mache ich mich auf den Weg. Nach einiger Zeit zweigt der Weg zum Terminal 2 in einen Tunnel ab. Ich entdecke den Schalter eines Autovermieters und frage hier sicherheitshalber nach, da zum Terminal 2 Shuttlebusse fahren.
      Die Dame fragt mich nach meinem Flug und dann nach der Gesellschaft. Als ich TAP sage verweist sie wieder zurück ins Terminal 1, alle TAP-Flüge starten von Terminal 1. Erst jetzt entdecke ich von dem Zielort auch das jeweilige Logo der Fluggesellschaft. RyanAir fliegt nur 10 Minuten nach TAP nach Ponta Delgada und startet von Terminal 2.
      Wie in Lissabon üblich wird das endgültige Gate erst rund eine Stunde vor Abflug bekannt gegeben. Ich habe also ausreichend Zeit zu Hause einen Zwischenbericht abzuliefern.



      Der Abflug nach Ponta Delgada ist für 11:00 Uhr geplant. Das Gate wird um 10:05 Uhr bekannt gegeben. Das Boarding verzögert sich, da zuvor zwei Passagiere im Rollstuhl an Bord müssen. Irgendwie ist das Personal hier aber wohl nicht wirklich darauf eingestellt und so können alle anderen Passagiere erst ab 11:15 Uhr an Bord. Mit 30 Minuten Verzögerung starten wir schließlich. Der Flieger ist gut gefüllt, nur wenige freie Plätze kann ich sehen. Neben mir sitzt ein Ehepaar mittleren Alters, die beide wohl Probleme mit dem Fliegen haben. Er bekreuzigt sich beim Start und sie ist bis zur Landung von Niemanden mehr ansprechbar.
      Ich muss meine Armbanduhr noch einmal um eine Stunde zurückstellen, bevor wir um 12:30 Uhr Ortszeit in Ponta Delgada landen.
      Mein Koffer kommt recht schnell auf dem Band und so stehe ich schnell draußen am Taxistand.
      Die Fahrt bis zu meinem Hotel dauert normalerweise durch die vielen Einbahnstraßen und engen Gassen gut 20 Minuten. Mein Taxifahrer schafft die Strecke locker in drei Minuten. Schilder mit Geschwindigkeit 40 interpretiert er wohl mit Geschwindigkeit pro Rad .
      Leider versteht er kein englisch, sehr ungewöhnlich für einen Taxifahrer auf den Azoren, daher erklärt im der Angestellte der Hotel-Rezeption, dass ich ihn am nächsten Morgen um 7:45 Uhr wieder brauche, um zum Flughafen zu kommen.
      Ich bekomme ein traumhaftes Zimmer im ersten Stock mit Blick in den Innenhof mit Pool, wenn ich auch erst eine geraume Zeit im Gang stehe und verzweifelt die Zimmernummern an den Türen suche.



      Das Hotel do Colégio liegt mitten in den Gassen von Ponta Delgada. Das Haus ist sehr gepflegt, die Zimmer groß und eher modern eingerichtet, das Haus selbst ist sehr stilvoll, rustikal eingerichtet. Nachdem ich mich ein wenig frisch gemacht habe, starte ich zu einem kleinen Rundgang durch Ponta Delgada. Vom Hotel aus ist man schnell an der Hauptkirche Igreja Matriz de São Sebastião. Geht man von der Kirche über den Praca de Gonçalo Velho mit den auffälligen Portas da Cidade gelangt man zur Uferpromenade.
      Im Hafen liegt gerade mal wieder eine Bettenburg, diesmal ist es die 333,33 m lange MSC PREZIOSA, ein Schiff der in Genf ansässigen Reederei MSC. Das Schiff wurde ursprünglich von der libyschen Regierung geordert, aber nie übernommen.



      Ich schlendere die Uferpromenade entlang bis zum Platz des großen Festes in 14 Tagen. Diesmal werde ich es allerdings nicht miterleben dürfen, da ich an dem Freitag davor wieder abreise. Da ich so kurzfristig gebucht hatte, waren sonst keine passenden Flüge und Hotels mehr zu bekommen und ich habe dieses Fest ja auch schon zweimal miterleben dürfen.
      Am Convento de Nossa Senhora da Esperança wird auch schon fleißig gearbeitet. Immerhin müssen Tausende von Lampen angebracht und auf Funktion geprüft werden.
      Ich gehe auch direkt einmal zum Hotel Talisman, das am Ende der Reise mein Quartier sein wird und frage, wo ich dann den Mietwagen parken kann.
      Mein Spaziergang führt dann noch hoch zur Igreja do Colégio de Todos os Santos. Von hier sind es nur wenige Schritte zurück ins Hotel.



      Es ist gerade mal früher Nachmittag und ich bin ja nun doch schon eine Zeitlang unterwegs. Genau die richtige Gelegenheit bis zum Abendessen etwas fehlenden Schlaf nachzuholen. Bevor ich ganz einschlafe höre ich noch ein tiefes Schiffstyphon. Scheint so, als würde die Bettenburg den Hafen verlassen.
      Ich habe dann doch gut über zwei Stunden geschlafen und mache mich gegen 18:00 Uhr auf den Weg zu meinem Lieblingsrestaurant. Ich mache allerdings einen kleinen Umweg über den Hafen und habe dort nun freien Blick zum Meer, die MSC PREZIOSA ist weg.
      So bin ich gegen 18:45 Uhr im O' Corisco.
      Nach drei Jahren erkennt mich der Kellner natürlich nicht mehr wieder, ich belasse es auch dabei und gönne mir leckere Lulinhas grelhadas, leckere gegrillte Babycalamari in einer feinen Knoblauchsauce.
      Auf dem Weg zurück ins Hotel hat es doch schon merklich abgekühlt, gut dass ich eine dünne Jacke mitgenommen habe.
      Auf Nachfrage kann ich Morgen schon ab 7:15 Uhr zum Frühstück.
      Im Zimmer berichte ich noch ausführlich nach Hause und liege dann gegen 23 Uhr im Bett.



      … es folgt der 20.April
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • 20.April 2018 – Ponta Delgada(S
      ão Miguel) – Horta(Faial) – Flores


      Gegen 6:00 Uhr bin ich wach und gehe um 7:05 Uhr runter zum Frühstück. Das Buffet ist bereits fast komplett verfügbar, für mich reicht es allemal. Danach hole ich mein Gepäck vom Zimmer und checke aus. Vor dem Hotel warte ich dann ab 7:40 Uhr auf mein Taxi. Doch der Taxifahrer erweist sich leider als unzuverlässig.
      Obwohl er gestern zugesichert hat um 7:45 Uhr am Hotel zu sein, ist auch um 7:55 Uhr noch kein Taxi zu sehen. Der Hotelmitarbeiter an der Rezeption ruft daher ein anderes Taxi, welches auch nach drei Minuten da ist. Bis zum Flughafen brauchen wir, bei dem wenigen Verkehr heute Morgen, gerade mal zehn Minuten.
      Hier geht alles sehr schnell, nach drei Minuten habe ich für den Flug eingecheckt und bin meinen Koffer los. Nach weiteren vier Minuten sitze ich bereits am Gate. Um 9:00 Uhr sitze ich bereits in dem Flieger, der pünktlich fünf Minuten später anrollt.



      Ich habe einen Fensterplatz, was sich bei dem schönen Wetter heute als gute Wahl herausstellt. Der Flieger ist fast voll besetzt. Der Sitzkomfort in diesen kleinen Turboprop-Maschinen ist aber aufgrund der großzügigen Anordnung der Sitze mit ausreichend Abstand sehr gut.
      Kurz nach dem Abflug ist die Steilküste vor Feteiras zu sehen. Die Wolken verdecken die Sete Cidades nur wenig. Mit einem letzten Blick auf die Westküste mit den Ortschaften Ginetes und Mosteiros lassen wir São Miguel fürs erste hinter uns.



      Unterwegs erhasche ich einen Blick auf Terceira. Der Monte Brasil ist deutlich vor der Hauptstadt Angra do Heroísmo zu erkennen. Der Flug nach Flores, meinem nächsten Ziel, macht in Horta auf der Insel Faial einen Zwischenstopp. Im Landeanflug taucht unter uns der Fährhafen von Horta auf. Hier fährt die Fähre nach Pico ab, mit der ich auch 2015 gefahren bin.
      In Horta steigen sehr viele der Passagiere aus und nur wenige neue kommen hinzu. Als wir nach gut 20 Minuten erneut anrollen ist die Bombardier Q400 nur noch knapp zu einem Drittel gefüllt. Auch der Flug nach Flores dauert nur wenige Minuten bis die kleine Insel im Dunst auftaucht.



      Meinen Koffer bekomme ich relativ schnell, muss allerdings am Mietwagenschalter etwas warten, da noch ein Kunde vor mir bedient wird. Ich bekomme einen Renault Clio, zwar relativ neu, aber schon gut benutzt mit über 15.000 km. Das ist sicherlich für diese westlichste der Azoren- Inseln, Flores ist gerade mal 17 km lang und 12 km breit bei insgesamt 48 km Küstenlinie, bereits eine hohe Laufleistung.
      Vom Flughafen fahre ich zuerst die enorme Strecke von 500 Meter :mosking: bis zum Hotel. Ich bekomme erneut ein schönes großes Zimmer mit Balkon. Von diesem kann ich im Dunst sogar Corvo, die kleinste der Azoren-Inseln gegenüber sehen.



      Ich lade hier aber nur schnell meinen Koffer ab und kaufe mir im großen Supermarkt schräg gegenüber dem Hotel eine Kleinigkeit als Brotzeit. Dann fahre ich Richtung Norden die schöne Küstenstraße entlang. Am Miradouro dos Caimbros halte ich an und mache eine lange Brotzeitpause. Die Aussicht von hier ist fantastisch, zumal das Wetter auch mitspielt.
      Gute gesättigt fahre ich weiter und lege am Miradouro dos Cedros erneut einen Stopp ein. Einige Kurven hinter Cedros zweigt dann eine kleine Straße zur Ponta Ruiva rechts ab.



      Um zur Spitze des Kaps zu gelangen muss man noch einen schmalen Fußweg benutzen. Doch der Weg lohnt sich wirklich. Neben der ruhigen Atmosphäre hat man auch eine tolle Aussicht sowohl nach Süden bis Santa Cruz das Flores (hier kann ich sogar mein Hotel gut erkennen), als auch nach Norden. Auch Corvo ist gut sichtbar. Eine einsame Wanderin kommt mir hier entgegen, sonst bin ich völlig alleine hier.



      Ich gehe den schmalen Weg zurück zum Auto und fahre langsam die schmale, teils sehr steile Straße zurück zur Hauptküstenstraße. Am Miradouro da Pedrinha lege ich noch einen kurzen Stopp ein, bevor ich an dem kleinen Weg anhalte, der von der Hauptstraße zum Pico do Meio Dia abzweigt. Ich lasse das Auto hier stehen und spaziere zu der kleinen Kapelle von der man erneut eine fantastische Rundumsicht hat. Im Süden ist die Ponta Ruiva zusehen, die ich ja zuvor besucht hatte.



      Ich bin hier allerdings nicht ganz unbeobachtet. Während auf der Weide zu meiner Rechten (auf dem Rückweg) einige Kühe mit ihren Kälbern weiden, laufen links die Schafe mit ihren Lämmern. Von den Zweibeinern bin ich allerdings der einzige hier weit und breit. Zurück im Auto nähere ich mich jetzt Ponta Delgada, dem nördlichsten Ort der Insel. Fast auf jeder Insel hier gibt es Orte mit den Namen Ponta Delgada, Praia oder z.b. Lajes.
      Am Miradouro de Ponta Delgada, kurz vor Beginn der Serpentinen hinunter in den Ort, mache ich noch einmal Halt. Die Aussicht will ich mir einfach nicht entgehen lassen.



      Anschließend geht es langsam die Serpentinen hinunter. Ich fahre allerdings nicht direkt in den Ort, sondern biege am Ortsanfang links ab. Meine Fahrt führt zur Ponta de Albarnaz mit dem gleichnamigen Leuchtturm. Das kleine Kap stellt den nordwestlichsten Punkt der Insel dar. Hier bemerke ich eine Tropfenspur, die von meinem Auto sein könnte, bin aber nicht sicher.
      Vom Leuchtturm aus führt eine schmale Straße zu einem weiteren Aussichtspunkt in den Bergen . Als die Straße dorthin extrem steil wird, halte ich erneut an. Wieder kommt es mir so vor, als seien da Tropfen auf der Route, auf der ich bekommen bin. Ich schaue nun unter mein Fahrzeug und hier rinnt, etwa mittig unter dem Auto, Flüssigkeit heraus.
      Ich komme aber nicht richtig ran, um zu testen, um welche Flüssigkeit es sich handelt. Sicherheitshalber breche ich die Tour hier ab und fahre langsam zurück nach Santa Cruz. Immer wieder teste ich unterwegs auf gerader Strecke die Bremsen, aber diese funktionieren einwandfrei. Ich vermute daher Kondenswasser der Klimaanlage, wenn auch die Menge an Flüssigkeit, die dort ausläuft schon sehr groß ist.
      Bei der Autovermietung in Santa Cruz bestätigt man mir, dies sei von der Klimaanlage und normal. Na ja, normal ist dies sicher nicht. Vermutlich wurde diese Klimaanlage schon lange nicht mehr überprüft.

      Zurück im Hotel lege ich eine längere Pause ein, um meine Pläne für den nächsten Tag zu schmieden. Ein Ausflug nach Corvo wäre vielleicht nicht schlecht, also mache ich mich auf den Weg in den Ort um bei RIAC, einer Art Touristenbüro, nach der Möglichkeit der Überfahrt zu fragen.
      Laut meinem Reiseführer soll dieses Büro um 16:30 Uhr schließen, also muss ich mich bei dem inzwischen doch sehr warmen Wetter richtig beeilen. Ich bin dann auch um 16:28 Uhr an der Tür des Büros, nur um dort zu lesen, dass bis 17 Uhr geöffnet ist :pardon: . Ich habe Glück und bekomme noch einen Platz für den nächsten Tag. Die nächste Möglichkeit wäre sonst erst wieder am Dienstag, da das Boot nicht jeden Tag fährt. Am Dienstag ist aber schon mein nächster Flug nach Terceira. Da habe ich wohl einen guten Riecher gehabt.
      Die Fahrt hin (um 10 Uhr) und zurück (um 16 Uhr) kostet 20 €. Man soll jeweils 30 Minuten vorher am Boot sein.



      Zurück im Hotel hat sich der Himmel stark verändert. Dicke Wolken sind von Westen über die Berge gezogen und senken sich nun auf den Ostteil der Insel herab. Immerhin bleibt es trocken, also mache ich mich wenig später erneut auf den Weg in den Ort, um dort ein Restaurant zu finden.
      Leider hat das Restaurante Amanhecer, das mir @phge empfohlen hatte, inzwischen komplett geschlossen. Also greife ich auf das gegenüberliegende Restaurante Sereia zurück.
      Das Restaurant ist recht einfach, aber mit freundlichem Service und auch das Essen ist nicht schlecht. Mein Thunfisch ist vielleicht ein wenig trocken, aber sonst gut. Lediglich die niedlichen 0,25 ltr. Bierfläschchen sind gewöhnungsbedürftig und erinnern stark an meine Kapverden-Reise, auch dort gab es überwiegend diese kleinen Flaschen.
      Wie auch immer, so bleibt der Kellner wenigstens in Bewegung :whistle3: .

      Nach dem Essen schlendere ich gemütlich zurück ins Hotel. Es vergeht nun einige Zeit bis ich die ganzen Bilder heruntergeladen und die Lieben zu Hause informiert habe.


      …. es folgt der 21.April und Corvo
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • Herrlich! Ein Reisebericht über die Azoren! 2 x mit der MS Midnatsol auf die Azoren hat auch in uns den Wunsch geweckt, die Inseln intensiver kennenzulernen.

      Lieber Jobo, vielen Dank fürs Mitreisenlassen! Ich freue mich auf den Reisebericht.
      schöne Grüße Tini


    • 21.April 2018 – Flores – Corvo



      Geschlafen habe ich gut und auch das Frühstücksbuffet lässt kaum Wünsche offen. Die Bewölkung von gestern hält immer noch an, Corvo ist in dem Dunst noch nicht zu sehen. Vom Hotel bis zum Hafen braucht man zu Fuß rund 20 Minuten bei ruhiger Gangart. Trotzdem mache ich mich schon gegen 8:30 Uhr auf den Weg. Das Auto benötige ich heute nicht und lasse es daher auf dem Hotelparkplatz stehen.



      Von außen wirkt das Hotel, das mit grauem Lavastein gebaut wurde, auf mich jetzt nicht so wirklich ansprechend und auch ein wenig deplatziert gegenüber der hier üblichen sonstigen Bauweise. Da es aber im ehemaligen Walverarbeitungsgebiet mit den Gebäuden der ehemaligen Walfabriken steht, fällt dies hier nicht so stark auf.
      Auf dem Weg in den Ort komme ich an einem Kreisverkehr vorbei, auf dessen Mittelinsel stark verrostete Kanonen stehen. Vermutlich stammen diese von einem alten Schiffswrack vor der Küste. Gerade an der Westküste der Insel sind in den vergangenen Jahrhunderten viele Schiffe gestrandet und versunken.
      Jenseits des kleinen Flughafens ist der Monte das Cruzes zu sehen. Von hier soll man die beste Aussicht auf den rund 1.700 Einwohner zählenden Ort haben. An dessen Küste ist auch eine große Station der portugiesischen Telekommunikationsgesellschaft mit einer riesigen Teleskop-Schüssel auf dem Dach.



      Kurz vor 9:00 Uhr komme ich an dem kleinen Friedhof mit der Kapelle vorbei. Hier lege ich eine längere Pause ein und gedenke meinem Freund und ehemaligen Forums-Moderator Jim Knopf, dessen Beisetzung zur gleichen Zeit stattfindet.

      Ruhe und Frieden auf deiner letzten Reise Jürgen.



      Etwas wehmütig gehe ich schließlich weiter. Um in den Kern des Ortes zu gelangen muss man direkt am Tower des Flughafens vorbei. Dieser steht quasi wie jedes andere Gebäude an der Straße.
      Mitten im Ort steht die Igreja Matriz Nossa Aenhora da Conceição. Die neobarocke Fassade der 1859 erbauten Kirche gilt als die drittgrößte der Azoren.
      Inzwischen zeigen sich die ersten blauen Stellen zwischen den Wolken. Auf dem Weg zum Hafen komme ich auch an meinem Restaurante von gestern Abend vorbei.



      Am Hafen angekommen warten auch schon andere Fahrgäste auf die kleine Fähre. Eine deutsche Urlauberin, die auf einem Campingplatz weiter nördlich stationiert ist, hofft auch noch mitfahren zu können. Doch als die kleine ARIEL eintrifft, wird sie enttäuscht. Das kleine Schiff hat nur Platz für 12 Passagiere und ist komplett gebucht. Eine weitere junge Deutsche und ich haben keine Lust uns ins Innere des Bootes zu setzen und nehmen auf dem kleinen Achterdeck Platz. Vier Sitzplätze finden sich hier zusätzlich zu den zwölf Plätzen im Innern.
      Bei der Abfahrt können wir beobachten, wie hier die kleinen Fischerboot ins Wasser gesetzt werden. Santa Cruz lassen wir schnell hinter uns. Noch lange ist die große Kirche von Fazenda de Santa Cruz zu sehen, die mir gestern schon im Vorbeifahren aufgefallen war.
      Gut 45 Minuten dauert die Überfahrt, dann taucht Corvo groß vor uns auf. Die Insel liegt allerdings noch ziemlich im Dunst der Wolken.



      Im kleinen Hafen von Villa Novo do Corvo, dem einzigen Ort auf der Insel, wird kräftig gearbeitet. Große Bagger und Kräne sind in ständiger Aktion auf der Großen Mole. Auf uns wartet ein kleiner Bus, der die Fahrt hoch zur Caldeirão für 5 € pro Person anbietet. Außer der jungen Deutschen und mir fährt auch ein junges Paar mit, die portugiesisch sprechen.
      Zuerst müssen wir aber gut 15 Minuten warten, bis ein Betonmischer seine Ladung abgegeben hat und den Weg von der Mole freimacht. Die Fahrt hoch zur Caldeirão dauert etwa 10 Minuten. Oben angekommen sehen wir quasi nichts. Die Wolken hüllen alles ein und die Sichtweite beträgt vielleicht 20 Meter. Während das Paar und die Deutsche den Abstieg in den Krater wagen, wovor allerdings bei Nebel sämtliche Reiseführer warnen, gege ich die wenigen Meter hinauf zum höchsten Punkt.
      Hier steht noch eine Radarstation, aber die Sicht ist nicht besser.



      Ich entschließe mich zu Fuß zurück zum Hafen zu laufen. Hier oben zu warten, bis die Sicht eventuell besser wird, wenn überhaupt, macht nicht wirklich Sinn. Die Straße hinunter ist recht bequem zu laufen, immer mit einem leichten Gefälle.
      Schon nach etwa dem ersten Kilometer wird die Sicht besser und ab und zu ist sogar der Atlantik zu sehen. Ich bin hier völlig alleine, nur ab und zu kommt ein Fahrzeug (meist der kleine Bus) vorbei, um vereinzelte Besucher hinauf oder hinunter zu fahren.
      Auf den Feldern sehe ich vereinzelte Bauern bei der Arbeit, die mir aber immer freundlich zuwinken.



      An einigen Stellen erwischt mich der Nebel der Wolken aber dann doch noch einmal. Es sind dann meist nur kurze Passagen in denen ich mich durch den Dunst kämpfe. Verlaufen kann man sich hier aber nicht. Zur Caldeirão führt nur die eine Straße hoch und auch wieder herunter.
      Schon tauchen nun die ersten Siedlungen auf, einzelne Gehöfte aus grauem Lavagestein errichtet. Es ist schon nach zwölf Uhr, als ich von einem Aussichtsplatz wieder den Ort mit dem kleinen Hafen sehen kann.



      Hier treffe ich eine andere Urlauberin, die nach dem Weg hinauf und der Sicht oben fragt. Es scheint wohl, dass sie auch Quartier auf der Insel hat, denn nachdem ich ich die nicht vorhandene Sicht oben vermittelt habe, beschließt sie an einem anderen Tag den Weg zu wagen.
      Von dem Aussichtsplatz führt die Straße nun serpentinenartig hinab und nur wenig später habe ich den Ort erreicht. Ich habe noch reichlich Zeit bis zur Rückfahrt der ARIEL und möchte mich nun in dem kleinen Ort noch ein wenig umsehen.



      In einer Nebengasse steht die kleine Igreja Nossa Senhora dos Milagres. Vor der Abfahrt zur Mole befindet sich ein Kreisverkehr, quasi der Mittelpunkt des Ortes. Von hier führt unterhalb der Landebahn des kleinen Flugplatzes ein Weg zu den drei alten Windmühlen, die ich schon bei der Einfahrt zur Insel sehen konnte. Sie sind heute alle nicht mehr in Betrieb und stellen wohl, neben der Kirche, die einzigen Sehenswürdigkeiten des knapp über 400 Einwohner großen Ortes dar.



      Direkt gegenüber den Windmühlen befindet sich ein Restaurant. Als ich dort um 13:55 Uhr eintreffe, steht an dem Schild neben der Tür, dass es um 14 Uhr schließt. Da das Restaurant auch wenig einladend aussieht verzichte ich daher auf einen Besuch. Ich habe mir vorsichtshalber zwei Müsliriegel mitgebracht, die reichen mir bis zum Abend.
      Da ich nicht auf der Mole neben der Baustelle warten will, verbringe ich die Restzeit bis zur Rückfahrt neben dem Kreisverkehr. In die kleine Mauer, die hier die Straße zur Küste hin begrenzt, sind einige Sitzgelegenheiten eingebaut.
      So kann ich einen Pickup beobachten, der mit Schwung in den Kreisverkehr einfährt und die Kurve nicht ganz bekommt und frontal in die Mauer neben dem Kreisverkehr kracht. Es fliegen einige Kunststoffteile des Fahrzeuges herum, doch der Fahrer setzt kurz zurück und gibt Gas und verschwindet in der nächsten Straße.



      Auf der ARIEL müssen wir noch einige Zeit warten, das Schiff hupt schon mehrfach, bis eine junge Frau mit ihrem Freund angelaufen kommt. Der Freund bekommt noch einige Abschiedszärtlichkeiten, dann steigt die junge Frau ein und wir fahren zurück nach Flores.
      Während ich auf der Hinfahrt quasi im Wind gesessen habe und daher einiges der Gischt des kleinen Schiffes abbekommen habe, ist der Platz bei der Rückfahrt erheblich trockener.

      Gegen 17 Uhr sind wir zurück in Santa Cruz und ich gehe zuerst wieder zum Hotel um die Fotoausrüstung dort zu lassen. Nachdem ich mich ein wenig frisch gemacht habe steht nun das Abendessen an. Schnell bin ich wieder im Ort und gönne mir im Sereia diesmal die Lapas grelhada. Da die Bewölkung mittlerweile fast vollständig verschwunden ist, lasse ich mir mit dem Rückweg ins Hotel richtig Zeit und genieße das milde Abendklima.


      …......es folgt der 22.April.
      Gruß Jobo,

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    • 22.April 2018 – Lajes das Flores, Mosteiro, Fajãzinha, Fajã Grande und Caldeiras



      Für den heutigen Tag habe ich mich für eine Fahrt um die Südküste der Insel entschieden. Von da aus möchte ich die Westküste hinauffahren. Hier möchte ich dann gerne eine längere Pause einlegen und irgendwo zum Essen gehen. Den weiteren Verlauf lasse ich noch offen, je nach Zeit und Laune.



      Ein Blick aus dem Fenster verspricht einen wirklich schönen Tag. Kaum eine Wolke ist zu sehen, nur strahlend blauer Himmel.
      Ich fahre zuerst um den Flughafen herum und auf der anderen Seite parallel zur Landsbahn. Am Ende steigt die Straße an und nach wenigen Metern kann man rechts auf einen Aussichtsplatz fahren, von dem man einen schönen Blick auf Santa Cruz hat.
      Selbst an einem solch weitestgehend wolkenfreien Tag sieht man auf Corvo die Wolken oben an der Caldeirão.



      Als ich wieder losfahren will bekomme ich eine Warnlampe wegen falschem Reifenluftdruck. Sicherheitshalber schaue ich mir die Reifen alle an, aber alle wirken normal. Ich fahre also weiter und mache zuerst am Miradouro da Fajã do Conde auf dem Rocha da Empena Halt. Der Aussichtspunkt befindet sich kurz hinter der Abzweigung zu den Caldeiras.
      Wenig später erreiche ich die kleine Ortschaft Caveira. Hier zweigt ein schmaler Weg ab, der zu einem Picknickplatz an der Ponta da Caveira führt. Wer trittsicher ist kann hier auch noch komplett bis zur Ponta hinabsteigen.



      Kurz vor Lomba nehme ich erneut einen Abzweig der bis zur Portas da Fajã befahrbar ist. Auch hier gibt es noch einen Wanderweg, der hinunter zum Porto da Lomba führt. Kurze Zeit später finde ich am Ortsanfang von Lajes das Flores eine Tankstelle. Hier überprüfe ich den Reifendruck, muss aber nur geringfügig nachfüllen. Leider weiß ich bei dem Clio nicht, wie ich die Reifendruckwarnmeldung zurücksetzen kann. Muss ich am Abend mal im Internet nachschauen, die Bedienungsanleitung im Handschuhfach ist leider nur in portugiesisch.

      Ich fahre zum Farol das Lajes, einem schönen Leuchtturm. Lajes hat auch einen Hafen, der heute der Haupthafen der Insel ist. Viele Frachtschiffe legen hier an, seit der Hafen entsprechend ausgebaut wurde. Früher gab es hier nur Fischerboote und es soll oft im Hafenbecken vor Haien nur so gewimmelt haben.



      Von Lajes aus ist es nicht weit bis zum Cruz da Pedra, einem großen Grill- und Picknickplatz hoch über dem Meer. Ein alter steiniger Eselpfad führt von hier herab, vorbei an der Ponta Lopo Vaz bis zur Fajã de Lopo Vaz, einem sehr fruchtbaren Bereich am Meer an dem sich viele Plantagen befinden sollen.
      Da der Weg hinab sehr steil sein soll und neben absoluter Trittsicherheit auch Schwindelfreiheit erfordert, verzichte ich auf den Abstieg. So ganz schwindelfrei bin ich denn doch nicht.



      Ich fahre nun die Südküste entlang Richtung Lajedo. Der schmale, aber gute Höhenweg bietet immer wieder herrliche Ausblicke auf die kleinen Siedlungen am Meer und die steile Küste. Am Outeiro da Madeira Seca tauche ich für einige Zeit sogar in die Wolken ein. Kein Wunder, befindet sich diese Anhöhe doch bei gut 680 Höhenmeter.
      Kurze Zeit später führt die Straße wieder ein wenig hinab bis zur Porta da Fajã.



      Von Lajedo aus führt die Straße wieder nach Norden. Unübersehbar ragen hier die Rocha dos Bordões auf. Eine Basaltformation die man zu den höchsten Basaltsäulen der Welt zählt. Die Säulen sollen bis zu 28 Meter hoch sein. Fährt man von Süden kommend um den Felsen herum gelangt man dem gleichnamigen Aussichtsplatz.



      Kurz hinter dem Aussichtsplatz führt eine kleine Straße zur Ortschaft Mosteiro. Hinter der Ortschaft führt der Weg wieder steil nach oben bis zu einem weiteren Aussichtsplatz hoch über Fajãzinha, der Cruzeiro da Fajãzinha. Von hier aus sind sowohl die vielen hohen Wasserfälle aus dem Hochland wie auch Fajã Grande gut zu sehen.



      Ein wenig unterhalb der Wasserfälle entdecke ich eine alte stillgelegte Wassermühle. Durch die verstaubten Scheiben gelingt mir ein Blick ins Innere der Mühle. Mein Weg führt von hier aus durch Fajãzinha. Ich möchte im Restaurant Pôr-do-Sol gerne essen, da dieses von den Reiseführern sehr empfohlen wird. Angeblich soll es Samstags und Sonntags geöffnet sein, doch als ich hier wenige Minuten vor 12 Uhr ankommen, ist alles abgeschlossen und niemand zu sehen.



      Also fahre ich weiter nach Fajã Grande. Hier gibt es ein Naturschwimmbad direkt am nördlichen Ufer des Ortes. Ein großer Parkplatz ist hier vorhanden und gleich daneben ein Restaurant. Im Papadiamandis Restauranti gönne ich mir leckeren gegrillten Polvo.



      Anschließend fahre ich die Straße weiter bis Ponta da Fajã. Hier endet die Straße kurz hinter der kleinen Kirche. Auf dem Rückweg mache ich einen Stop an der Straße und gehe die wenigen Meter zum Poco do Bacalhau, einem kleinen Badeweiher unterhalb eines schönen Wasserfalles. Die Temperatur des Wassers lädt allerdings noch wenig zum Baden ein.



      Gleich neben dem Eingang zu dem Badeweiher führt eine kleine Nebenstraße in die Höhe. Anfangs sehr steil führt sie dann durch einen Wald und endet wieder auf der Straße nach Fajãzinha. Kurz hinter der Ortschaft zweigt die Hauptstraße ab, die von Fajãzinha quer über die Insel nach Santa Cruz führt. Auch hier finden sich einige schöne Aussichtspunkte. Besonders der Miradouro Craveiro Lopes lohnt einen Halt.



      Als ich weiter die Straße hoch fahre tauche ich wieder in die Wolken ein. Ich mache einen Abstecher zu den beiden Kraterseen, Lagoa Negra und Lagoa Comprida. Nur ein schmaler Bergrücken trennt die beiden dunklen Caldeiras. Ich muss schon die wenigen Augenblicke abpassen, wenn sich die Wolkendecke kurzzeitig anhebt, um die Seen zu fotografieren.



      Je weiter ich ostwärts fahre, umso klarer wird es und bald schon kommt die Sonne und der blaue Himmel wieder durch. Als schließlich die Küste wieder zu sehen ist, halte ich noch einmal an. Der Ausblick von hier oben ist schon grandios. Schon wenig später zweigt ein schmaler Weg zum Monte das Cruzes ab, den ich nehme.



      Die kleine Straße geht bald steil nach unten, sehr steil. Auf dem glatten Kopfsteinbelag möchte ich nicht bei Nässe unterwegs sein. Etwas unterhalb der Bergspitze, knapp unter den Antennenanlagen, befindet sich der schönste Aussichtspunkt für Santa Cruz. Während man auf der Rückseite das Meer im Süden und die Straße auf der ich heute Morgen gestartet bin sehen kann, hat man auf der anderen Seite eine gute Sicht auf Santa Cruz.



      Mein Auto stelle ich wieder am Hotel ab. Direkt gegenüber dem Hotel befindet sich ein Walmuseum in einer ehemaligen Walfabrik. Zwischen Hotel und Museum führt ein steiler Weg hinunter zum früheren Walhafen. Man kann hier auch zwischen den Lavafelsen herumlaufen, da hier Wege angelegt wurden und das Areal auch als Naturschwimmbad genutzt wird.



      Neben einem kleinen Kran mit dem wohl die Walboote ins Wasser gesetzt und wieder heraus gehievt wurden findet man hier auch eine alte Feuerstelle an der das Walfett abgekocht wurde. Neben der großen ehemaligen Walfabrik sieht man viele kleiner Häuser, die sicherlich auch der Walverarbeitung dienten. Heute befinden sich kleinere Geschäfte in den Häusern.



      Ich spaziere weiter am Ufer entlang. Hier blüht es schon heftig und ich kann die verschiedensten Blumen auf den Grünflächen erkennen. Vorbei an einem weiteren Kreisverkehr gelange ich schließlich zum offiziellen Naturschwimmbad. Oberhalb des Schwimmbades befindet sich ein großer Parkplatz und eine Bar, die von vielen Jugendlichen besucht wird.

      Ich bringe meine Kamera wieder zurück ins Hotel und mache mich auf den Weg in den Ort um im Sereia zu Abend zu essen. Dort angekommen muss ich feststellen, dass das Restaurant Sonntags geschlossen hat. Da habe ich gestern nicht nachgeschaut.
      Geht man vom Restaurant die Straße hinauf gelangt man an eine kleine Snackbar. Ich setze mich auf die Terrasse und bestelle ein Bier bei der älteren Bedienung. Ich gebe ihr auch zu verstehen, dass ich gerne etwas essen möchte. Sie bring mir das Bier, aber keine Karte oder einen sonstigen Verweis auf Essbares. Erneut deute ich ihr auch mit Zeichen an, dass ich gerne essen möchte. Wieder nickt sie und verschwindet im Innern. Nachdem ich dann gut 40 Minuten dort sitze und sie nicht wieder auftaucht, mein 0,25 ltr. Fläschchen ist auch längst leer, lege ich 2 € auf den Tisch und gehe.
      Das was ich bei meiner Ankunft bei der Familie am Nebentisch als Nahrung gesehen habe ist es wirklich nicht wert länger zu warten.

      Zurück im Hotel begebe ich mich ins Hotelrestaurant und esse hier eine Portion Garnelen.



      Später genieße ich den schönen lauen Frühlingsabend noch lange auf dem Balkon. Corvo hat sich schon seinen Nachthemd angezogen, aber sonst ist weit und breit kein Wölkchen zu sehen. Das verspricht wieder einen schönen nächsten Tag.


      …......... es folgt der 23.April
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • Aufgrund der Resonanz bin ich froh, dass es überhaupt jemand liest ...... :huh:
      Gruß Jobo,

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    • Selbstverständlich lese ich! Habe mir wg. deines Hinweises aber erst mal deinen Bericht 2015 vorgenommen, den hatte ich vorher noch gar nicht im Blick. Herzlichen Dank für deine ausführlichen Beschreibungen und Tipps! :sdanke: Das wird uns bei einer eigenen Planung sehr nützlich sein. Nach deinem Bericht 2015 weiß man die Sonnenfotos noch viel mehr zu schätzen. Wir hatten an den insgesamt 6 Tagen im April/September 2017 Glück mit dem Wetter, uns wurde aber auch gesagt, dass man auf den Azoren alle Jahreszeiten an 1 Tag haben kann.
      schöne Grüße Tini

    • das ist das schöne an den Azoren, selbst bei "schlechtem" Wetter sind sie eine Reise wert. ;)
      Gruß Jobo,

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    • Man schafft nicht immer zeitnah alle Reiseberichte, aber nun hatte ich endlich Muße, mich nicht nur durch die vielen schönen Fotos :thumbsup: zu klicken, sondern auch den Text zu lesen.
      Vielen Dank, dass du deine interessanten Eindrücke mit uns teilst. Ich bin natürlich weiter dabei. :)

      Herzliche Pfingstgrüße
      Laminaria



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    • 23.April 2018 – Caldeiras – Ponta Delgada – Fazenda de Santa Cruz



      Eigentlich wollte ich heute richtig lange ausschlafen, aber wenn man einmal einen gewissen Rhythmus inne hat, tut man sich schwer diesen zu verlassen. So bin ich wie schon üblich kurz nach 6:00 Uhr wach und döse noch eine Weile vor mich hin. Frühstück gibt es erst ab 7:30 Uhr, ich muss mich beim Duschen also nicht wirklich beeilen.
      Übrigens ist das Hotel das Flores bisher das einzige Hotel auf den Azoren, wo es morgens so eine Art Vollkornsemmel gibt. Alle anderen habe eher die kleinen hellen Weizensemmel.



      Immerhin führt das frühe Aufstehen dazu, dass ich noch den herrlichen Sonnenaufgang miterleben kann. Ich bin lange Zeit alleine beim Frühstück, eine Situation die ich liebe. Völlige Ruhe und man kann das Frühstück in vollen Zügen genießen. Vor allem der leckere Kaffee aus der großen Maschine ist ein Genuss. Alleine der Kaffee in Portugal ist schon die Reise wert.
      Nur in Italien gibt es einen ähnlich guten Kaffee (Spanien soll auch einen guten haben, aber da war ich 1978 zuletzt und da hat mich der Kaffee noch nicht so sehr interessiert).



      Gegen 8:30 Uhr fahre ich los, nachdem ich zuvor den Reifendruckwarner resettet habe (die Information habe ich gestern noch im Internet gefunden). Zuerst die gleiche Richtung wie gestern, aber dann nehme ich die Straße nach Fajãzinha. Ich komme an dem Abzweig zum Monte das Cruzes vorbei und wenig später stoppe ich am Aussichtspunkt Pico da Casinha. Eine tolle Aussicht bietet sich von hier. Doch wenn ich die Straße weiter entlang blicke sehe ich schon die Wolken, die heute wirklich sehr tief hängen.



      Die Straße führt danach lange Zeit geradeaus, bevor ein Abzweig zur Caldeira da Lomba auf der rechten Seite auftaucht. Bis kurz vor der Caldeira ist die Sicht noch einigermaßen gut, doch direkt an der Caldeira stehe ich schon im Nebel. Zumindest kann man hier noch den See erkennen.



      Als ich schließlich den Aussichtsplatz zwischen den beiden Caldeiras Rasa und Funda erreiche, kann ich von den Seen absolut nichts sehen. Ich stehe hier im dichtesten Nebel und kann die Caldeiras unter mir nur vermuten. Damit muss man auf den Azoren leider immer rechnen. Ich nehme von hier einen schmalen, aber weitestgehend ebenen Schotterweg um wieder auf die Haupt-West-Ost-Verbindung zu gelangen.



      Zurück auf der Hauptverbindung nach Santa Cruz, der ER2-2, schlage ich die Richtung zurück nach Santa Cruz ein, um wenige Kilometer weiter links in Richtung Norden abzubiegen. Schon taucht wieder der gestrige Abzweig zu den beiden Lagoas auf, den ich aber links liegen lasse. Stattdessen biege ich wenig später links ab auf die Straße nach Ponta Delgada.
      Immer noch ein wenig in den Wolken mache ich am Aussichtsplatz an der Caldeira Seca Halt. Zumindest ein wenig kann man hier wieder sehen. Die Caldeira Seca ist als Vogelparadies bekannt, aber heute ist davon nicht wirklich etwas zu sehen.



      Die Straße führt weiter über die Hochebene, bevor es dann doch relativ steil hinunter geht. Ich erreiche wieder die Küstenstraße, auf der ich vor drei Tagen schon unterwegs war. Gemütlich fahre ich bis Ponta Delgada. Ich finde die kleine Straße, die zum Hafen führt. Es geht steil bergab und ich habe schon Bedenken, wie ich wieder hinauf kommen soll. Doch weiter unten ist die Straße so breit, dass ich problemlos drehen kann und wieder hinauf in den Ort fahren kann.



      Vom Hafen kommend biege ich in den Ort ein und parke an der Kirche, die zentral in dem kleinen Ort steht. Die Igreja de São Pedro des knapp 500 Einwohner zählenden Ortes stammt aus dem 18.Jahrhundert. Sie ist auf den Resten einer Kapelle aus dem 16.Jahrhundert errichtet. Weitere Sehenswürdigkeiten hat der kleine Ort nicht zu bieten, sieht man von seiner schönen Lage und der ruhigen Atmosphäre ab.



      Auf dem Rückweg entlang der schönen Küstenstraße lege ich noch einen Halt in Fazenda de Santa Cruz ein. Die unübersehbare Igreja Nossa Senhora de Lurdes zwingt einen geradezu zu einem Halt. Die mächtige Kirche, die für den kleinen Ort reichlich überdimensioniert erscheint, stammt von 1909. Ich habe wieder Glück und die Kirche ist offen und kann besichtigt werden. Von hier sind es nur wenige Kilometer zurück zum Hotel.



      In Santa Cruz tanke ich zuerst das Auto für die Abgabe Morgen wieder voll, die 500 Meter vom Hotel zum Flughafen werden wohl den Tank nicht wirklich belasten. Im Supermarkt versorge ich mich noch mit einigen Kleinigkeiten, bevor ich wieder in meinem Zimmer im Hotel bin.
      Es ist noch früh am Nachmittag, also nutze ich die Gelegenheit zu einem erholsamen Nickerchen. Das Wetter hat, bis auf die Wolken auf der Höhe voll mitgespielt, lediglich Corvo hat bereits wieder sein übliches Häubchen.

      Am Abend genieße ich noch einmal die leckeren Lapas im Sereia. Morgen steht die Weiterreise nach Terceira an. Mal sehen, ob Terceira mich so „stürmisch“ empfängt wie 2015.




      …....... es folgt der 24.April und Terceira.
      Gruß Jobo,

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    • Das passt aber dann so gar nicht zu den Azoren. In Punkto Kriminalität sind die Azoren eher ganz weit hinten dran (glücklicherweise) :imsohappy: . Selbst als Frau könntest du hier Nachts um zwei Uhr durch die Straßen laufen, ohne dass dir etwas passiert oder du belästigt wirst. Hoffentlich bleibt dies auch noch lange so. :ok:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
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    • 24.April 2018 – Flores – Terceira – Angra do Heroísmo



      Heute Morgen kann ich es wirklich ruhig angehen lassen. Der Weiterflug nach Terceira ist für 11:30 Uhr angesetzt. Auf dem kleinen Flughafen hier in Santa Cruz reicht es sicherlich aus, wenn ich eine Stunde vorher einchecke.
      Ich frühstücke daher in aller Ruhe. Zuvor gab es draußen einen kurzen Regenschauer, aber nicht wirklich heftig und nach gut zehn Minuten war der ganze Spuk vorbei. Nach dem Frühstück sind schon wieder die ersten blauen Stellen am Himmel zu sehen.
      Nachdem ich in aller Ruhe gepackt habe, checke ich im Hotel aus. Bis zum Flughafen brauche ich keine zwei Minuten und kann dort auch direkt das Auto abgeben.

      Der Checkin für den Flug ist auch bald erledigt und ich begebe mich mit meinem Handgepäck eine Etage höher zur Sicherheitskontrolle am Gate. Hier ist aber noch alles geschlossen. Ich treffe hier die junge Deutsche, die mit auf dem Boot nach Corvo war. Sie fliegt ebenfalls nach Terceira und wir setzen uns in das Café und unterhalten uns dort eine ganze Weile.
      Sie war ja auf Corvo zum Caldeirão hinabgestiegen und hatte dort sogar kurzzeitig gute Sicht, was aber dann auch nicht lange vorgehalten hat.

      Inzwischen ist es bereits 11:00 Uhr durch und wir gehen langsam hinüber zur Sicherheitskontrolle. Es erfolgt eine Durchsage, der wir entnehmen können, dass sich der Flug verspätet. Den Grund dafür können wir aber nicht wirklich verstehen, ich meine etwas von einer defekten Maschine verstanden zu haben, aber es ist wohl eher Vermutung.
      So setzen wir uns erneut ins Café und warten auf unseren Flug.



      Es dauert bis 12:30 Uhr bis die Durchsage kommt, dass der Sicherheitscheck jetzt geöffnet ist. Um 12:45 Uhr landet die Maschine, eine kleine Bombardier Q200, die gerade mal 37 Sitzplätze hat. Schließlich dürfen wir um 13:10 Uhr in die Maschine, die fast voll wird, der Platz neben mir bleibt glücklicherweise frei.
      Mit fast zwei Stunden Verspätung starten wir von Flores. Bald taucht auf der rechten Seite die Spitze des Pico aus den Wolken, bevor wenig später Terceira ins Bild rückt.



      Wir landet kurz nach 14:00 Uhr und ich bekomme recht schnell meinen Mietwagen, einem recht guten Renault Clio. Das Wetter hier ist sehr angenehm, warm und viel blauer Himmel. Was für ein Unterschied zu dem Empfang hier vor drei Jahren, als mir der Sturm sogar den schweren Koffer aus der Hand gerissen hatte.
      Zuerst fahre ich nun zum Miradouro da Facho. Einem Aussichtsplatz mit einem Monument hoch über Praia da Vitória, der schönen kleinen Hafenstadt. Von hier hat man wirklich einen schönen Blick auf die Stadt und die Bucht davor.



      Mein Navi führt mich anschließend durch die Stadt, allerdings muss ich eine große Baustelle noch nach „Gefühl“ umfahren, bevor ich an einen Kreisverkehr südlich der Stadt gelange. Hier kann ich zum Ufer fahren und habe hier Blick auf den Hafen von Praia in Cabo da Praia.
      Hier lag ja damals die SERENISSIMA, die ehemalige HARALD JARL.
      Heute liegt hier die ARCADIA am Kai.



      Die Uferstraße ist eine Einbahnstraße und ich muss wieder zurück nach Praia um wieder auf die Hauptstrecke entlang der Südküste zu kommen. Schon damals bin ich die Strecke ja gefahren, allerdings ohne auch nur irgendetwas zu sehen, so dicht war seinerzeit der Nebel.
      Heute ist die Sicht sehr gut und ich kann einen kurzen Halt in Porto Martins einlegen.



      In Porto Judeu wird auch schon fleißig an der schönen Heilig-Geist-Kapelle gearbeitet. Terceira ist ja die Insel der Heilig-Geist-Kapellen, der Impérios die beim Festa do Espírito Santo am Pfingstsonntag oder dem Sonntag danach im Mittelpunkt stehen.
      Auf Terceira gibt es mehr dieser schönen Kapellen, als auf irgendeiner anderen Insel.



      Es ist kurz vor 16:00 Uhr, als ich am Hotel eintreffen. Im Terceira Mar war ich bereits zweimal und werde auch diesmal nicht enttäuscht. Ich bekomme ein schönes, großes Zimmer mit Balkon. Das Hotel ist sehr voll, wie ich schnell feststellen kann, aber das stört mich wenig. Ich mache mich etwas frisch und genieße den schönen Blick von meinem Balkon. Der Monte Brasil ragt groß vor mir auf und versteckt sich diesmal nicht im Wolkendunst.



      Bald schon meldet sich der Hunger und ich gehe in die Stadt. Ich kehre im Tasca das Tias ein, einem wirklich guten Lokal mit hervorragendem Essen. Polvo-Salat und anschließend Lapas müssen zu einem guten Bier herhalten.
      Nach dem Essen hole ich mir im Hotel eine dünne Jacke, es ist doch ein wenig abgekühlt, und die Kamera und starte einen abendlichen Verdauungsrundgang durch Angra do Heroísmo.



      Ich nehme wieder den gleichen Weg wie zuvor und komme an der großen Kathedrale Igreja de Santíssimo Salvador da Sé vorbei. Drei Querstraßen dahinter befindet sich das Tasca das Tias. Ich gehe weiter zur Praça Velha, dem großen Platz vor dem Paços do Concelho, dem Rathaus.
      Hier treffe ich auch auf die junge Deutsche von Flores.
      Welchem Zweck das Gebäude mit den Gesichtern dient kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass dort jedes mal wenn ich hier bin andere Bilder oder Zeichnungen zu sehen sind.



      Das Gebäude befindet sich direkt gegenüber der Igreja da Misericórdia, der schönen blau-weißen Kirche an der Marina. Das Restaurant in dem ich 2015 versucht habe einigermaßen trocken zu werden existiert immer noch. Viele Boote liegen heute hier an der Marina.



      Ich schlendere noch eine Zeitlang kreuz und quer durch die kleinen gemütlichen Gassen. Überall kann man sehen, warum Angra do Heroísmo Welterbe der UNESCO ist. Nach einer Weile nähere ich mich wieder der Kathedrale Sé, allerdings von der Rückseite.
      Um 22:30 Uhr treffe ich wieder im Hotel ein und beende hier den Tag auf meinem schönen Zimmerbalkon.





      ….......... es folgt der 25.April
      Gruß Jobo,

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    • @Jobo
      Ich freue mich, dass du deinen besonderen Reisebericht fortsetzt, den ich mit großer Begeisterung lese.
      Am Anfang ging es mir so wie Tini und ich machte mich erst über deinen Bericht von 2015 her "Mal sehen wo das Hoch bleibt – oder – Rückkehr auf die Habichtsinseln", danach entdeckte ich den aus 2016 "Von den Ilhas de Barlavento zu den Ilhas de Sotavento -- Cabo Verde, eine heiße Reise"...
      Es gibt ja so viele schöne Reiseberichte und ich komme nicht immer zum Lesen...
      Deine interessanten Berichte über Länder, die ich aus den unterschiedlichsten Gründen nie bereisen werde, mag ich besonders gern. Ich brauche dafür aber auch mehr Zeit zum Lesen als bei den normalen Hurtigruten-Reisen, weil ich bei GoogleMaps immer nachschauen muss, wo du warst und welche Strecken du in damals gefahren bist. Danke fürs Mitreisenlassen und die schönen Fotos.

      Schöne Grüße Eva aus NRW
      :lofoten2: