Mit Bömmelmanns auf die Schafsinseln

    • 2018
    • Rückblick und Ausblick

      Inzwischen liegt der Reisestart ja schon über einen Monat in der Vergangenheit, der Alltag läuft mit aller Macht und seinen "Aufs" und "Abs" wieder im üblichen Frühjahrschaos, die Färöertour ist nur noch Erinnerung :( Was bleibt am Ende des Berichts? Im Prinzip nur noch ein kleines Fazit, das wahrscheinlich wie erwartet ausfallen wird ;)

      Viel zu kritisieren gibt es eigentlich nicht, die einzig gewöhnungsbedürftigen Dinge waren der fehlende Gästelift im "Føroyar" sowie die in den Zimmern nicht vorhandenen Klobürsten. Ich glaube, daran sieht man schon, dass es eigentlich nichts ernsthaft kritikwürdiges gegeben hat. Der Lift hätte den Koffertransport beim Ein- und Ausziehen einfach bequemer gestaltet, und diue Klobürste... Naja, schwamm drüber ;)

      Viele Dinge sind einfach vom Glück begünstigt gewesen, das muss man realistischerweise so sehen. Dass Smyril Line dieses Knallerangebot mit unschlagbarem Preis- Leistungsverhältnis rausgehauen hat und ich es zufällig entdeckt habe, dass bis auf den letzten Tag und die Rückreise an Bord der NORRÖNA das Wetter voll mitgespielt hat, ist einfach Glück. Wir hätten schließlich auch vier Tage bei Sauwetter auf den Inseln hocken und uns ärgern können, was nicht nur zu der Jahreszeit nicht völlig auszuschließen ist :pardon:

      Die NORRÖNA haben Renate und ich als sehr angenehme, echte Fähre empfunden. Dass sie für die Färöer eine Art Lebenslinie ist, merkt man anhand der großen Frachtmenge sofort, das Passagegeschäft läuft zumindest außerhalb der großen Islandsaison eher nebenbei, man fühlt sich aber nie vernachlässigt. Mittlerweile merkt man dem Dampfer ein wenig an, dass er sich im zweiten Lebensjahrzehnt befindet, aber einen verkommenen Eindruck macht die NORRÖNA nicht. Und was die Außenbereiche betrifft, muss man in Rechnung stellen, dass laufende Instandhaltungsarbeiten im nordatlantischen Winter eher schwierig sind ;) Ich habe mich insgesamt ein wenig an die Fähren der 1980er und 1990er Jahre erinnert gefühlt, die noch nicht versuchten, Kreuzfahrten zu imitieren. Auch mit dem Speiseangebot, sowohl im "Diner" als auch im "Norröna Buffet" waren Renate und ich sehr zufrieden. Besonders gefallen hat uns, dass es an Deck kaum gesperrte Bereiche gibt, ganz anders als auf vielen anderen modernen Fähren, wo sich der sich den Verkaufsangeboten unter Deck verweigernde Passagier oftmals achtern in einen Pumakäfig eingesperrt fühlt... Zudem gibt es auf Deck 8 zwei wintergartenmäßig überdachte Bereiche, die bei Regen und Wind Schutz bieten :thumbup: Etwas gewöhnungsbedürftig war jeweils das Entladen, dass sehr viel Zeit in Anspruch nahm, da die PKW im Hängedeck extrem eng gestaut worden waren und man meist erst an seinen Wagen kam, nachdem die links stehenden Autos bereits weggefahren waren =O Ein bisschen chaotisch war der Eindruck schon, aber passiert ist nichts :good3:

      Das Hotel war auch ein Glücksfall - wenn man sich die Preise im Internet ankuckt, dann ist schnell klar, dass wir unter normalen Umständen wahrscheinlich nicht dort, sondern in der nebenan liegenden Jugendherberge Zuflucht gesucht hätten ;) Die Zimmer sind groß, sauber und modern, haben alle Blick über Tórshavn. Das Restaurant "Gras", in dem wir neben dem Frühstück auch einmal zu Abend gegessen haben, hat keine Wünsche offen gelassen und uns vor "exotischen" Inselgenüssen wie fermentiertem Fisch bzw. Schaf bewahrt. W-LAN war inkludiert, ebenso zwei Flaschen Wasser pro Zimmer. Aber wie gesagt, bis auf den letzten Morgen haben wir das Hotel wirklich nur als Schlafstatt benutzt.

      Die Färöer sind als Reiseziel fraglos hochattraktiv ^^ Die Kleinräumigkeit sorgt dabei dafür, dass alle Ziele in Reichweite von Tórshavn liegen, die fortschreitenden Unterseetunnelbauten tun da das ihrige zu. Was man allerdings nicht erwarten darf, ist eine ausgebaute touristische Infrastruktur, wie sie in Norwegen seit den 1980ern immer weiter aufgebaut worden ist (und zahlreiche Orte entsprechend unattraktiv gemacht hat :( ), dafür gibt es aber reichlich Natur, die Möglichkeit zu - auch ausgedehnten - Wandertouren und - je nach Jahreszeit - zur Vogelbeobachtung . Dennoch ist schon zu merken, dass der Tourismus auf den Färöern heute eine größere Rolle spielt, als vor 32 Jahren. Wenn man sich selbst beschäftigen kann, auch mal einen Schauer (oder Dauerregen ;) ) aushält, dann ist die Destination zweifellos die richtige :thumbup:

      Zur Vorbereitung sollte man eine Straßenkarte mindestens 1:100000 und einen Reiseführer zur Hand haben, auf handelsübliche Navis ist auf den Inseln kein Verlass, die meisten Programme kennen sie einfach nicht! Ich habe meine Karte, von Solberg in Tórshavn verlegt, problemlos bei Globetrotter bekommen, den Reiseführer Insel Trip Färöer von Jörg-Thomas Titz über den Buchhändler meines Vertrauens bezogen. Dazu gibt es eine Reihe guter Internetlinks, wobei die Auswahl eben nur eine solche ist ;)

      visitfaroeislands.com/ (Touristinformation/Fremdenverkehrsverband)

      ssl.fo/ (Strandfaraskip Landsins - ÖPNV)

      faeroeer.de/info/index.html (deutschsprachige Infoseite)

      forum.faroe-islands.de/phpBB2/index.php (deutschsprachiges Färöerforum)

      faeroeer.eu/de (Deutsch-Färöischer Freundeskreis e.V.)

      Wie gesagt, es ist nur eine Auswahl - das Internet kennt ja bekanntlich keine Grenzen :whistle3:

      Dennoch: Renate und ich sind nicht mit einer ausgearbeiteten Reiseroute losgefahren, hatten keinen Marschplan zum Abhaken und geplante Zeitfenster an den verschiedenen Orten. Dass wir die Fahrt mit der RITAN machen wollten, war schnell klar, dass wir die Südinseln zeitbedingt wegen der doch recht langen Anfahrt ausklammern würden, ebenso. Gjógv und Kirkjubøur waren für mich gesetzt, weil ich doch sehr genaue Erinnerungen an 1986 hatte. Alles andere hat sich dann ergeben, teils erst morgens beim Frühstück, wenn ein wenig Klarheit über das Wetter bestand, oder auch erst im Laufe des Tages. So halte ich es auch bei meinen Sommerreisen: Das grobe Ziel liegt fest, die Feinheiten ergeben sich dann vor Ort ^^

      Ein Wort noch zur Reisebegleitung: Renate ist auf dem Posten vollumfänglich die Idealbesetzung :thumbup: Ihre Skandinavienerfahrung reicht ja weiter zurück, als meine, die Färöer waren für sie aber Neuland, und ich habe den Eindruck, sie kuckt jetzt jeden Tag bei Smyril Line vorbei und sucht nach Angeboten ;) Ihre Reisephilosophie bezüglich der Planung deckt sich mit meiner, und am Ende waren alle zufrieden ^^

      Und Bömmelmanns? Naja, man kann eben nicht alles haben, aber ich glaube, weder Renate noch ich werden unsere imaginären Reisebegleiter jemals vergessen :mosking:

      Bleibt die eingangs gestellte Frage, ob es möglich sei, eine Inselgruppe 32 Jahre lang im Nordatlantik liegen und alleine vor sich hinmachen zu lassen. Die Antwort ist klar:

      Möglich ist es, aber für den Besucher alles andere als ratsam :sgenau:
      Takk for oss

      BRITANNICUS :)
    • BRITANNICUS schrieb:

      Wir hätten schließlich auch vier Tage bei Sauwetter auf den Inseln hocken und uns ärgern können

      Oh das wäre sicher kein Problem gewesen, ihr hätte euch mit Bömmelmanns angefreundet... :laugh1:
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~
      Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~ Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil!

    • Danke für deinen amüsanten und interessanten Bericht. Neulich hatte ich nur den Anfang gelesen und wegen meiner Leipzig-Recherchen keine Zeit, ihn weiter zu verfolgen. Jetzt bin ich unterwegs, freue mich auf Leipzig und den Stammtisch und habe soeben deinen Bericht mit großem Vergnügen gelesen. Die Fotos machen Lust, auch einmal eine solche Reise zu wagen.
      LG Eva aus NRW