Von den Ilhas de Barlavento zu den Ilhas de Sotavento -- Cabo Verde, eine heiße Reise

    • 2016

    • 16.Oktober --- Tarrafal



      Geschlafen habe ich ganz gut, aber der Hunger treibt mich schon früh aus dem Bett. Immerhin habe ich seit gut 24 Stunden nichts mehr gegessen. Frühstück gibt es aber erst ab 8:30 Uhr. Wie ein hungriger Tiger laufe ich ab 7:30 Uhr auffällig unauffällig vor dem Restaurant auf und ab. Als man mir schließlich das gute Frühstück auftischt falle ich regelrecht darüber her. Keine Ahnung was die Angestellten von mir denken.
      Auf jeden Fall muss ich nicht alleine frühstücken. Eine kleine (ca. 4 cm lang) grüne Gottesanbeterin sitzt nur ca. 25 cm von meinem Teller entfernt und verspeist in aller Ruhe einen kleinen schwarzen Käfer. Es ist einfach schöner zusammen zu frühstücken



      Nach dem Frühstück mache ich mich auf in den Ort. Ich bin mir nicht sicher, ob hier am Sonntag überhaupt die Geschäfte auf sind, aber bereits der erste Minimarkt hat geöffnet. Wie fast alle kleinen Supermärkte auf den Kapverden ist auch dieser Markt in chinesischer Hand. Ich kaufe mir hier einige Flaschen Wasser für die nächsten Tage.
      War es direkt nach dem Frühstück noch recht angenehm was die Temperatur betrifft, so wird es nun von Minute zu Minute heißer und heißer.



      Auf der langen Straße in den Ort liegt auf der rechten Seite eine große Universität. Schon bei der Anfahrt gestern liefen hier viele Kinder und Jugendliche in Schuluniformen herum. Ich gehe bis zur Hauptstraße und wende mich nach links ins Zentrum des Ortes.
      Auf dem zentralen Platz steht auch die Kirche, in der gerade die Messe gehalten wird. Jeder Pfarrer bei uns würde neidisch, wenn er die Menschenmassen sehen würde, die wegen der überfüllten Kirche sogar draußen stehen und durch die offenen Fenster und Türen der Messe folgen.



      Ich spaziere in einigem Abstand zur Kirche über den Platz und gehe dann die Straße herunter zur Bucht. Irgendwo muss dort auch der Strand und das Restaurant sein, in dem ich vor zwei Tagen gegessen habe. Sehr attraktiv ist der Ort nicht, aber zumindest kann man unbehelligt hier entlang laufen und wird höchsten freundlich angelächelt.



      Ich komme an einem Kindergarten vorbei und dann stehe ich oberhalb der Bucht. Auf der linken Seite ist noch ein kleiner Strand, der aber von den Einheimischen stark genutzt wird. Auf der rechten Seite sehe ich den mir schon bekannten Strand und das Restaurant oberhalb. Bei den Fischerbooten ist heute allerdings nur wenig los. Die meisten Fischer sind wohl in der Kirche.



      Die Hitze wird jetzt doch schon fast unerträglich, daher mache ich mich wieder auf den Rückweg zum Hotel. Ich treffe dort den Mitarbeiter der Rezeption und spreche ihn auf das Restaurant-Missverständnis von gestern an. Anschließend verziehe ich mich in mein schattiges Zimmer. Wenig später klopft es an die Tür. Es ist Uschi, die sich auch noch einmal für das Missverständnis entschuldigt. Sie lässt mir dafür eine Flasche Wein zukommen.



      Ich schnappe mir dann mein Netbook und setze mich an einen der großen Tische vor dem Restaurant, da hier der Internetempfang am besten ist. Während ich da so vor mich hin tippe, fühle ich mich irgendwie beobachtet. Es dauert eine Weile, bis ich die Gottesanbeterinnen an den Lampen erkenne. Die sind schon eine Nummer größer, als meine Frühstücksgenossin von heute morgen. Ich schätze die Tierchen so auf ca. 12 cm Körperlänge.



      Da ich sehr spät gefrühstückt hatte und reichhaltig noch dazu, spare ich mir das Mittagsessen. Uschi hat mir einen guten Tipp für ein Restaurant im Ort gegeben, welches ich heute Abend ausprobieren möchte. Den Nachmittag nutze ich noch zu einem ausgiebigen Bad in der Bucht. Ich bin ganz alleine hier und wohl über eine Stunde gehört die Bucht mir. Nur die laute Musik, die von außerhalb der Anlage herüber dröhnt stört das Idyll. Zumal es sich dabei um eine Art afrikanischen Hip-Hop handelt in erheblicher Lautstärke.



      Nach dem Bad warte ich mit der Kamera auf meiner Terrasse, aber ein so toller Sonnenuntergang wie gestern will sich nicht einstellen. Stattdessen ziehen so langsam dichte Wolken von Südost heran. Höchste Zeit sich auf den Weg in den Ort zu machen.
      Als ich die Straße vom Hotel zum Ort entlang gehe, wird mir klar, dass die Musik doch von viel weiter her kommt. Ich gehe wieder bis zu dem Platz zwischen den Stränden, hier ist das empfohlene Restaurant. Es ist ein großes Restaurant, das Vistamar, dass erst vor kurzem von einem italienischen Paar eröffnet wurde. Von hier kann ich nun sehen, dass die Musik von einer riesigen Bühne hinter dem Restaurant kommt, in dem ich während der Rundfahrt gegessen hatte. Der große Platz davor ist komplett mit Menschen gefüllt, also eine Art Open-Air-Konzert.
      Ich möchte nun auch mal etwas anderes als die kapverdische Einheitskost (zumindest was die Beilagen betrifft – immer gleich angerichtete Kartoffeln, Wurzelgemüse und Reis) essen. Prompt fällt mir auf der Karte eine Lasagne ins Auge und hat schon gewonnen. Als Hauptgericht (hatte ich erwähnt, dass ich Hunger habe?) wähle ich noch gegrillten Oktopus. Dazu gibt es wie immer hier auf den Kapverden ein Bier. Leider wird das Bier hier nur in 0,25 ltr. Fläschchen serviert, daher bestelle ich gleich ein zweites, als mir die Bedienung das erste bringt.
      Bereits während der „Vorspeise“ wechselt so langsam die Musikrichtung hin zu gutem afrikanischen Reggae. Jetzt gefällt es mir gleich noch mal so gut hier.

      Pünktlich um 19:00 Uhr hört die Musik auf. Schade eigentlich, da hätte ich jetzt noch länger zuhören können. Gut gesättigt mache ich mich wieder auf den Rückweg ins Hotel, während die dunkle Wand am Himmel immer bedrohlicher anrückt. Noch ein wenig lesen, die Moskitos 11 bis 16 erledigen und in aller Ruhe unters Netz kriechen.

      Das war definitiv ein schöner Tag und hat über die leider immer noch vorhandenen Darmprobleme ein wenig hinweg getröstet.

      – es folgt der 17.Oktober ---
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
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    • 17.Oktober --- Tarrafal mit Mieze



      Von den inzwischen üblichen Pausen in der Nacht abgesehen habe ich erneut ganz gut geschlafen. Fürs Frühstück bin ich erneut wieder viel zu früh am Restaurant. Nachdem ich gut gefrühstückt habe, will ich einen Gang in den Ort machen. Uschi hatte gestern im Gespräch ein Pulver erwähnt, das es hier im Ort in der Apotheke geben soll und das aufgelöst in Wasser sehr gut gegen den Durchfall helfen soll.
      Geregnet hat es heute Nacht doch nicht mehr, die dunklen Wolken sind wohl abgezogen. Stattdessen ist es heute schwül heiß und der Weg in den Ort ist wahrlich kein Vergnügen. Ich mache auch einen Schlenker zur Post um dort noch meine letzten Postkarten aufzugeben. Auch hier stehen wieder viele ärmlich gekleidete Menschen vor der Post und warten auf ihre Auszahlungen. Eine Mitarbeiterin der Post winkt mich aber direkt zu einem Schalter durch und ich kann meine Karten abgeben.
      Bei den schwülen Temperaturen bin ich recht froh darüber. Die Apotheke finde ich auch schnell und bekomme das Pulver, eine Portion für umgerechnet 0,70 Euro. Ich bin froh endlich wieder zurück im schattigen Hotel zu sein.
      Ich nutze die Gelegenheit und gehe in der Bucht zum Baden. Erneut bin ich hier völlig alleine. Bei diesen Außentemperaturen mag ich gar nicht mehr aus dem Wasser steigen.

      Am frühen Nachmittag checke ich dann online schon die morgigen Flüge ein und lasse mir die Bordkarte an der Rezeption ausdrucken. Da ich am Abend noch einmal im Vistamar gut essen will verzichte ich aufs Mittagessen und lege mich stattdessen ein wenig hin.





      Als ich gerade so ein wenig weg nicke, weckt mich ein lautes Miauen. Vor der Terrassentür steht eine kleine rothaarige Schönheit und möchte wohl ein wenig Gesellschaft haben. Ich habe noch etwas Wein in der Flasche von Uschi. Die nehme ich nun und setze mich auf die Terrasse. Sofort kommt die Mieze an und lässt sich von mir streicheln. Als ich schließlich mal eine Pause mache, legt sie sich zu meinen Füssen und krault sich quasi selbst.



      Jetzt weiß ich auch, woher der Begriff „Schmusekatze“ kommt. Das Tier ist total zutraulich und hat zudem noch ein herrliches weiches Fell. Sie sucht sich dann eine andere Ecke um sich ein wenig zu pflegen. So sitzen wir beide eine ganze Weile hier auf der Terrasse und leisten uns Gesellschaft.



      Die Zeit vergeht wie im Flug, während der Wein zur Neige geht. Es hat schon was von totaler Entspannung mit der Mieze hier zu sitzen und die nachmittägliche Ruhe zu genießen.
      Schon neigt sich auch die Sonne wieder dem Horizont zu und verspricht heute einen schöneren Untergang.



      Eigentlich wollte ich schon längst auf dem Weg ins Restaurant sein. Der Magen knurrt auch schon und im Gedanken sitze ich schon dort am Tisch. Doch der herrliche Sonnenuntergang und das schöne Abendrot lässt mich weiter hier verharren, sehr zur Freude meiner neuen Freundin.



      Mit einem letzten Blick auf die atemberaubende Szenerie verlasse ich die Miezekatze und mache mich auf den Weg ins Restaurant. Erneut ist das Essen hervorragend und ich sitze sehr lange hier und erfreue mich am kühlen Bier und der inzwischen angenehmen Atmosphäre hier.
      Viele andere Gäste des King Fisher Resort haben ebenfalls den Weg hierher gefunden.

      Es schon richtig dunkel, als ich mich auf den Rückweg machen um schließlich sehr entspannt unter das Moskitonetz zu kriechen.


      --- es folgt der 18.Oktober ---
      Gruß Jobo,

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    • 18.Oktober --- Tarrafal – Praia



      Das Pulver aus der Apotheke hat leider nicht so geholfen, wie ich dachte. Im Gegenteil ging es am frühen Morgen wieder richtig los und ab drei Uhr habe ich das Bett nicht mehr gesehen.
      Daher habe ich auch nicht wirklich Hunger, als ich zum Frühstück gehe. Nach dem Frühstück packe ich meinen Koffer soweit, dass nur noch ein, zwei Kleinigkeiten rein müssen.
      Mein Flug heute Abend startet um 23:55 Uhr. Die Fahrt von Tarrafal zum Flughafen dauert maximal zwei Stunden. Es würde also allemal ausreichen, wenn ich um 20:00 Uhr hier losfahren würde. Doch sogar das Auswärtige Amt warnt davor alleine mit dem Mietwagen Überlandfahrten nach Einbruch der Dunkelheit zu unternehmen. Da die Sonne gegen 18:00 Uhr untergeht muss ich also etwa um 16:00 Uhr hier losfahren um den Flughafen noch im Hellen zu erreichen.
      Immer noch genügend Zeit um noch ein wenig zu relaxen.

      Mit der Dame von der Mietwagenfirma hatte ich verabredet, im Laufe des Tages anzurufen und ihr meine Ankunftszeit am Flughafen mitzuteilen. Sie wollte dann auch zur Übergabe des Mietwagens und Rückgabe der Kaution in Höhe von 200 Euro pünktlich dort sein.
      Diesen Anruf erledigt Pedro von der Rezeption freundlicherweise am frühen Nachmittag für mich. Kurz bevor ich losfahren will treffe ich noch Uschi, die mich herzlich verabschiedet. Da ich noch viele Escudos übrig habe und man keine ausführen darf, frage ich sie, ob ich Schwierigkeiten bekomme, wenn ich den Auszahlungsbeleg nicht mehr habe um die Escudos in Euro zurück zu tauschen. Sie ist sich da auch nicht ganz sicher und tauscht mir freundlicherweise 6.000 ESC schon von ihrem Geld in Euro um.



      Anschließend verabschiede ich mich und verlasse mit dem kleinen FIAT das King Fisher und Tarrafal. Das waren immerhin noch drei einigermaßen schöne Urlaubstage. Ich nehme die gleiche Strecke zurück wie bei der Hinfahrt. Das Wetter ist gut, die Hitze spürt man bei offenen Seitenscheiben nicht so stark durch den Fahrtwind.
      Der kleine FIAT quält sich wieder hinauf auf die Serra Malagueta und auf der anderen Seite geht es dann zügiger wieder hinab auf die Hochebene. Assomada lässt sich heute auch besser durchfahren, da wohl heute nur kleiner Markt ist. So komme ich schneller voran, als ich dachte und lege daher 12 km vor Praia noch eine längere Pause ein. Der Tank ist immer noch zu einem Viertel voll, da hätte ich auch weniger tanken können.



      Nur wenige Kilometer später kommen schon die ersten Häuser von Praia in Sicht. Ich fahre um 17:56 Uhr auf den Parkplatz vor dem Flughafen und nur wenige Minuten später erscheint die Dame von der Mietwagenfirma. Die Formalitäten sind schnell geklärt und ich bekomme meine Kaution zurück.
      Durch die Baustelle gehe ich nun zum Eingang des Flughafens und hoffe zumindest erst mal meinen Koffer loszuwerden. Doch der Checkin-Bereich ist noch geschlossen und soll erst gegen 21:00 Uhr öffnen. Immerhin ist die Flughafenhalle etwas gekühlt und weitestgehend frei von Fliegen.
      Ein kleines offenes Café bietet auch einige belegte Sandwiches an, die zuvor in einer Mikrowelle warm gemacht werden. Hier möchte ich nun gerne meine restlichen Escudos loswerden und futtere zwei dieser recht großen Sandwiches. Die Preise hier sind allerdings nicht mit europäischen Flughafenpreisen vergleichbar und ich müsste schon an die 18 bis 20 verspeisen um mein kapverdisches Geld loszuwerden.
      Im Flughafen von São Vicente gab es eine große Plexiglasvitrine mit einem Schlitz, in die man Restgeld einwerfen und für ein Kinderhilfsprojekt spenden konnte. Eine solche Vitrine kann ich hier nicht sehen. Am Geldwechselschalter frage ich danach, aber die Angestellte weiß nichts davon. Immerhin kann ich hier weitere 1.100 ESC in Euro umtauschen.
      Anschließend laufe ich noch ein wenig im Flughafen und draußen herum. Erst wenn man die Halle verlässt merkt man, wie schwül heiß es auch um diese Zeit noch draußen ist. Ich gönne mir anschließend noch ein Sandwich und dazu ein Bier (0,25) und gebe dann die restlichen ESC als Trinkgeld.
      Um 20:50 Uhr wird der Checkin geöffnet und ich werde meinen Koffer los. Das Gate (auch dieser Flughafen hat nur ein Gate) soll erst um 22:00 Uhr geöffnet werden. Hier im Checkin-Bereich finden sich allerdings nur wenige Sitzplätze, also setze ich mich auf einen unbenutzten Tisch an der Seite.
      Kurz vor 22:00 Uhr wird dann der Gang zur Gate-Lounge geöffnet und ich bin einer der ersten, der hier durch die Sicherheitskontrolle geht. Inzwischen habe ich Durst bekommen und kaufe mir daher am Gate eine Flasche Wasser. Natürlich bekomme ich das Rückgeld in Escudos :dash: .
      Im großen Gate-Bereich sehe ich aber dann an einer Seite auch eine dieser Spendenvitrinen und lasse das Wechselgeld dort.
      Inzwischen bin ich doch etwas müde und lege mich daher, Platz ist hier genug, auf eine Sitzbankreihe an der Seite. Kurz vor Mitternacht entsteht etwas Hektik hier, da für einen verspäteten Flug nach Sal das Gate geöffnet wird. Die Durchsage (Anzeigetafeln gibt es hier keine) wird aber nur auf portugiesisch gemacht und viele Reisende für den Flug nach Lissabon wollen jetzt auch schon nach draußen.
      Es dauert einige Zeit, bis sich die Passagiere wieder sortiert haben und die letzten Passagiere für den Sal-Flug das Gate verlassen. Wir müssen weiter warten.


      19.Oktober --- Praia – Lissabon – München


      Um 0:00 Uhr startet schließlich das Boarding und wir dürfen nach draußen zum Flieger. Als wir in den Flieger kommen trifft uns der Kälteschock. Die Klimaanlage des Fliegers läuft auf Hochtouren und oberhalb der Gepäckfächer werden eiskalte Dunstwolken in den Flieger geblasen. Schnell greift sich jeder die auf den Plätzen bereitliegenden Decken und schützt sich so gegen die Kälte.
      Der Flieger wird nur zu etwa zwei Drittel voll und gegen 0:30 Uhr können wir endlich starten. Am Fenster sitzt eine Deutsche, die mit ihrem Mann auf Fogo ein Haus hat. Sie ist auf dem Weg nach Frankfurt um die Heimat mal wieder zu besuchen. Der Platz zwischen uns bleibt frei, was den Flug sehr angenehm macht.
      Obwohl ich eigentlich recht müde bin und ursprünglich die Augen zumachen wollte unterhalten wir uns gut auf dem Flug. Sie erzählt mir auch, dass sie früher oft über Dakar eingereist ist. Auf diesem Flughafen gehe es chaotisch zu. Dort würden sich teilweise Prügelszenen an den Checkins und am Gate abspielen, da viele Maschinen dort ständig überbucht seien.
      Erneut führt unser Flug genau über Garn Canaria und wir können die stark beleuchten Orte von oben gut erkennen. Zeit können wir allerdings nicht aufholen, da wir auf der kompletten Strecke Gegenwind haben.
      So landen wir mit gut 30 Minuten Verspätung in Lissabon. Meine Sitznachbarin hat nur eine Stunde zwischen den Flügen und spurtet los. Allerdings stehen wir etwas außerhalb des direkten Terminalbereiches und müssen in einem Bus warten, bis dieser gefüllt ist und losfährt. Zu allem Unglück muss der nun noch fast einmal um den ganzen Terminal herumfahren, bis wir aussteigen können. Die Frau hofft allerdings darauf, dass der Anschlussflug wartet, da es auch ein Flug der TAP ist.
      Ich habe reichlich Zeit und kann so in Ruhe erst durch die Passkontrolle gehen und mir danach den ungefähren Gatebereich suchen. Bis das endgültige Gate bekannt gegeben wird, muss ich erneut lange warten. Dabei sehe ich in der Ferne die Frau mit einem TAP-Mitarbeiter sprechen und damit wird klar, dass die Maschine nicht gewartet hat.

      Als ich am endgültigen Gate ankomme, ist dieses bereits gut gefüllt. Gut dass ich mir einen Platz mit extra Fußraum reserviert habe. Am Nachbargate wird ein Flug nach Venedig abgefertigt. Anscheinend fehlen aber immer noch Passagiere. Mehrfach wird der Flug deutlich ausgerufen und eine Angestellte geht ebenfalls mehrfach durch den Gatebereich und ruft laut den Venedigflug aus.

      Irgendwann wird dann das Gate geschlossen und die Angestellten dort arbeiten wohl ihre Listen durch. Der Venedigflieger löst sich schließlich vom Gate und ein Schwarzafrikaner der mit seinen vier Kindern die ganze Zeit direkt vor dem Fenster zum Flieger gesessen hat läuft nun aufgeregt zum Gateschalter.
      Die nun folgenden Szenen sind filmreif. Der Afrikaner wird immer lauter und schreit aufgeregt herum. Das Gatepersonal macht ihn darauf aufmerksam, dass der Flug unzählige Male ausgerufen wurde und man sogar durch die Reihen gegangen ist und gerufen hat.
      Der Mann wird aber immer aggressiver und ein Gatemitarbeiter geht schon etwas abseits und telefoniert mit dem Handy. Ich vermute, dass er Sicherheitspersonal verständigt. Schließlich hebt der Afrikaner die zwei kleinsten seiner Kinder über die Gateabsperrung als wolle er so die Rückkehr der Maschine verlangen.
      Es dauert noch eine ganze Weile bis er endlich nachgibt und mit einer Mitarbeiterin der TAP mitgeht, wohl zu einer Stelle um zu klären, wie man ihm nun helfen kann. Kaum sind sie weg, als mehrere Sicherheitskräfte um die Ecke kommen und nach kurzer Rücksprache mit dem Gatepersonal in die gleiche Richtung verschwinden, wie der Afrikaner.

      Mit gut 30 Minuten Verspätung startet dann auch der Flieger nach München, voll besetzt bis auf den letzten Platz. Auf meinem Extra-Seat habe ich aber einen angenehmen Flug, bei dem ich oft die Augen zumache. Bis München haben wir kaum etwas aufgeholt. Doch ich habe Glück und mein Koffer erscheint als einer der ersten auf dem Band. Dadurch erwische ich den Flughafenbus gerade noch und bin schließlich um 16.00 Uhr wieder zu Hause


      --- es folgt ein kleines Fazit ----
      Gruß Jobo,

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    • Fazit

      • Flüge: Die Flüge mit der TAP waren durchweg positiv. Auch bei vollen Maschinen sitzt man gut, der Service an Bord ist sehr gut und freundlich. Lissabon als Flughafen ist auf den ersten Blick ein wenig unübersichtlich, aber wenn man die Abflugtafeln beobachtet und sieht wo in etwa Flüge mit ähnlichen Zielen abfliegen, kann man sein Gate schon ungefähr erahnen, bevor es offiziell bekannt gegeben wird.
      • Der Flug mit der TACV war erwartet etwas chaotisch und unpünktlich, kapverdisch halt. Die Flughäfen sind vom Aufbau einfach aber der Ablauf der Abfertigung ist gewöhnungsbedürftig.
      • Die Inseln: Santiago und Santo Antão sind landschaftlich sehr schön. São Vicente wirkte aus der Luft auf mich eher kahl und langweilig.
      • Die Orte: Mindelo und Praia waren jetzt nicht so mein Ding und dies nicht nur weil vor der Kriminalität dort überall gewarnt wird. Die kleineren Orte waren soweit ok. Insgesamt haben die Orte auf mich einen sehr grauen, vielerorts schmutzigen Eindruck gemacht. So richtig einladend fand ich keinen der Orte.
      • Die Menschen: In den kleineren Orten meist freundlich und hilfsbereit. In Mindelo konnte man eine gewisse Abneigung Fremden gegenüber deutlich spüren.
      • Essen und Hygiene: Sehr fragwürdig. Man sollte sich Restaurants schon sehr genau aussuchen und dort nicht essen, wenn es einem nicht sauber vorkommt, bzw. man kein gutes Gefühl hat. Diese Erfahrung hat mir fast drei Wochen massive gesundheitliche Probleme bereitet.
      • Das Klima und die Tierwelt: Obwohl ich ja auch in wärmeren Regionen schon zurecht gekommen bin (z.B. Mauritius, Peru, usw.) war das Klima auf den Kapverden bisher das unangenehmste was ich erlebt habe. Der Wind war meist heiß und unerträglich. In nicht klimatisierten Gebäuden war es stickig und kaum auszuhalten, Dazu die ständigen Moskitos, die einem das Leben schwer machten trotz Insektenschutzmittel.
      • Die Hotels: King Fisher in Tarrafal ist ein sehr schönes und angenehmes Hotel in toller Lage. Das gleiche gilt auch für das Kira's in Mindelo mit Ausnahme der Lage. Nach vorne raus ist die Straße dort extrem laut. Das Hotel Oasis Praiamar ist eine einzige Katastrophe. Anscheinend werden auf den Kapverden die Sterne nur nach Größe der Anlage vergeben und spiegeln in keiner Weise die Qualität und den höflichen Umgang mit den Gästen wieder. Das Pedracin hat sicher die schönste Lage aller Hotels, aber mit einem „komfortablen Landhotel“ wie es in den Reiseführern beschrieben wird hat es wirklich nichts gemein. Um hier einen guten Service zu erhalten muss man schon Franzose sein.
      • Transfers und Guides: Die waren alle eigentlich durch die Bank weg sehr gut, pünktlich, freundlich und hilfsbereit. Besonders den jungen Davy auf Santo Antão möchte ich hier hervorheben :good3: . Auch der Mietwagen und die Verleihfirma machten keinerlei Probleme.
      • Reiseveranstalter/-büro: Leider musste ich hier sehr negative Erfahrungen machen. Ich kannte den Veranstalter von der Azorenreise. Dort war alles zu meiner Zufriedenheit, allerdings kannte ich mich dort ja schon aus und hatte mir die Tour nach meinen Vorstellungen genau zusammenstellen lassen. Die Kapverden waren neu für mich und ich hätte da schon eine wesentlich intensivere und genauere Beratung vorab erwartet. Ein wirklich gutes Reisebüro klärt auch ab, ob ein Reiseziel für einen Kunden überhaupt geeignet ist. Dies hat hier nicht stattgefunden und meine entsprechenden Hinweise, was ich machen möchte und kann wurden gar nicht oder nur unzureichend beachtet. Auch wurden wichtige Informationen nicht an die Reiseführer vor Ort weitergegeben, was aber zum Teil notwendig gewesen wäre. Hinzu kam noch, dass Beschreibungen der Wandertouren teilweise überhaupt nicht stimmten und bei den Guides vor Ort nur Verwunderung auslösten. Daher war dies definitiv die letzte Tour die ich über diesen Veranstalter gebucht habe, da gibt es sicher Bessere.
      • Insgesamt und auch mit dem zeitlichen Abstand waren die Kapverden ein klarer Fehlgriff und nicht meine Welt. So daneben habe ich bisher noch nie gelegen und wären nicht die letzten drei Tage in Tarrafal gewesen, wäre es ein totaler Reinfall gewesen. Noch nie hatte ich schon nach den dritten Tag den Wunsch der Urlaub möge schon zu Ende sein.
      • Auch hat sich gezeigt, dass es nicht grundsätzlich in Foren gute Informationen und Empfehlungen gibt. Die Restaurant-Empfehlung für Mindelo hatte ich im Kapverden Forum bekommen, vielen Dank für mehr als zwei Wochen ständigen Durchfall und Darmbeschwerden :negative: . Hier bekam ich auch die Aussage (von jemand der dort eine eigene Gästeanlage betreibt) es gäbe nach der Regenzeit keine Moskitos mehr auf Santo Antão (Schmetterlinge haben mich jedenfalls nicht am ganzen Körper zerstochen) :pillepalle: . Lediglich die Hinweise auf die Gefährlichkeit der großen Städte deckte sich weitestgehend mit den Warnhinweisen der Einheimischen vor Ort

      Mein Fazit: Kapverden ist eher etwas für Abenteurer (zumindest die Inseln die ich bereist habe).

      Mich wird diese Region der Welt jedenfalls nie mehr wiedersehen. :fie:
      Gruß Jobo,

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    • Jobo schrieb:

      Die Restaurant-Empfehlung für Mindelo hatte ich im Kapverden Forum bekommen, vielen Dank für mehr als zwei Wochen ständigen Durchfall und Darmbeschwerden

      Nun ja, sowas kann sich ja auch mal ändern, manchmal sogar in kurzer Zeit, sowohl in die eine wie in die andere Richtung. So las ich bei unserer letzten Ecuadorreise in einem Internetreisebericht - gleiche Reise, gleicher Veranstalter und zeitnah - über eines unserer Hotels nur schlechtes, und der Schreiber war generell wirklich kein Meckerer wie es so im Bericht rüberkam (O-Ton - das schlechteste Hotel auf der Reise) . So hatte ich etwas gemischte Gefühle. Mittlerweile hatte aber der Besitzer gewechselt und alles war Bestens und sauber.

      Schade wenn ein Urlaub so schief geht und man nur schlechte Erinnerungen hat :(
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~
      Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~ Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil!

    • Bei uns am Hamburger Flughafen finden sich öfter Last-Minute-Angebote für die Kapverdischen Inseln. Das hat uns immer sehr gereizt und wir waren eigentlich entschlossen, dieses Reiseziel einmal auszuprobieren.
      Deshalb bin ich besonders dankbar für Deinen Reisebericht :thumbsup: , denn nach all den hier beschriebenen negativen Erfahrungen werden wir die Buchung lieber bleiben lassen.
      Die zum Teil wunderschönen Fotos hätten einen ohne die Kommentare aber glatt über die Nachteile hinwegtäuschen können. :)

      Viele Grüße
      Laminaria



      Reiseberichte in meinem Profil
    • Hallo Jobo,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht und die vielen Fotos !!! :thumbup:
      Es tut mir echt leid, dass der Urlaub so daneben ging, so ein hartnäckiger Durchfall kann einem wirklich die gute Laune verderben, wenn dann auch das Umfeld nicht passt, ist es erst Recht unerträglich.
      Als wir noch aktiv tauchen gingen, hatten wir auch mal eine Reise auf die Kapverden in Betracht gezogen, es wurde dann aber doch nichts aus den Plänen, zum Glück, denn das Klima wäre auch nichts für uns gewesen. :wacko1:
      Viele Grüße
      Seemaus
    • Arctica schrieb:

      Nun ja, sowas kann sich ja auch mal ändern, manchmal sogar in kurzer Zeit, sowohl in die eine wie in die andere Richtung


      Na ja, die Empfehlung kam eine Woche vor Abreise von einer auf den Kapverden (Mindelo) lebenden Reiseleiterin. Da erwarte ich schon, dass es eine gute Empfehlung ist.

      Laminaria schrieb:

      denn nach all den hier beschriebenen negativen Erfahrungen werden wir die Buchung lieber bleiben lassen.


      Es hängt sicherlich sehr viel davon ab, was man auf den Kapverden machen will. Meine Durchfall-Geschichte hat sicherlich auch sehr dazu beigetragen, dass ich meist negativ von den Kapverden spreche.

      Die Deutsche, die ich auf dem Rückflug neben mir sitzen hatte meinte auch, da hätte ich wohl wirklich sehr viel Pech gehabt. Sie könnte gerade über die gebirgigeren Inseln nur Positives sagen.
      Es ist halt wirklich mein subjektiver Eindruck, den ich nach 14 Tagen gewonnen hatte.
      Gruß Jobo,

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    • Ich hätte dort im Atlantik nicht mit so viel Hitze und einer solchen Mückenplage gerechnet.
      Durchfall kann einen im Urlaub natürlich überall im Süden ereilen. Wir haben einmal eine böse Erfahrung in Südtirol gemacht, dabei sah das kleine Hotel sooo sauber aus. :(

      Viele Grüße
      Laminaria



      Reiseberichte in meinem Profil
    • Die durchschnittliche Tagestemperatur liegt auf den Kapverden (je nach Insel) zwischen 25 und 30°C (in der Regenzeit August bis Oktober meist um die 29-30°C), wobei die Nachttemperatur meist nur etwa 4-5 °C niedriger ist. Dazu kommt eine durchschnittliche Luftfeuchtigkeit von 70% und mehr.
      Gerade nach der starken Regenzeit (und 2016 war im September eine starke Regenzeit) gibt es Moskitos in Massen.
      An den Flughäfen laufen sogar permanent auf großen Videowänden Warnfilme, die die Bevölkerung darauf hinwiesen, keine stehenden Wasserflächen als Brutstätten zu bieten mit Hinblick auf die Moskitos.
      Gruß Jobo,

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    • Laminaria schrieb:

      Wir haben einmal eine böse Erfahrung in Südtirol gemacht,

      Wir haben ja auch schon einige Reisen hinter uns - aber GöGa erwischte es schlicht in der Schweiz. Dabei handelte es sich um eine Frühlingsrolle an einem chinesischen Stand auf einer Messe. Und nein - es waren nicht die Zustände am Stand und nicht die Chinesen, wie sich herausstellte war es der Geflügelbetrieb in Basel, wo das Hähnchenfleisch herstammte. Wir mussten damals fast eine USA-Reise absagen deswegen. Womit auch gesagt ist dass manchmal das Restaurant gar nichts dafür kann.
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    • Vielen Dank Jobo für deinen Bericht :thumbup:
      Ich hatte ja auch immer mal gedacht einen Badeurlaub auf den Kapverden... Aber nach dem Bericht und den Bildern ist das bei mir gestrichen. Ich glaube nicht das ich dort glücklich werden würde.

      Ich hoffe du kannst es unter Erfahrung verbuchen und der nächste, tolle Urlaub kommt bestimmt :D
      Nordlicht :flower:

    • Vielen Dank für deinen Bericht! Die Fotos sehen schöner aus, als es wohl tatsächlich war- ich hoffe, deine Gesundheit hat sich wieder stabilisiert :thumbup: Was für ein Pech, dass es dich gleich zu Anfang erwischt hat.
      Die Kapverden waren noch nie auf meiner Liste und nun werden sie sicher nicht draufkommen.
      Viele Grüsse, Albatross
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