Von den Ilhas de Barlavento zu den Ilhas de Sotavento -- Cabo Verde, eine heiße Reise

    • 2016
    • Von den Ilhas de Barlavento zu den Ilhas de Sotavento -- Cabo Verde, eine heiße Reise


      Von den Ilhas de Barlavento zu den Ilhas de Sotavento – Cabo Verde, eine heiße Reise



      Immer auf der Suche nach interessanten Reisezielen hatte ich mich für den Herbst entschieden, noch ein wenig Wärme im Süden zu tanken.
      Im Katalog meines Reiseanbieters für Portugal, mit dem ich schon auf den Azoren war, entdeckte ich die Kapverdischen Inseln.
      Ein Anruf dort hörte sich soweit ganz gut an und man stellte mir ein Programm zusammen.
      Flug via Lissabon nach São Vicente. Zwei Übernachtungen in Mindelo, danach mit der Fähre nach Santo Antão. Auf dieser klassischen Wanderinsel drei begleitete Wandertouren und nach insgesamt fünf Nächten Rückfahrt mit der Fähre nach Mindelo.
      Hier Teilnahme an einer Abendveranstaltung „Mindelensische Nacht“ und am nächsten Tag Innlandflug von den Inseln über dem Wind (Barlaventos) zur Insel Santiago, einer Insel unter dem Wind (Sotavento). Zwei Übernachtungen in Praia, der Hauptstadt der Kapverden und eine Inselrundfahrt mit Fahrer und Guide.
      Als letzten Punkt Empfang eines Mietwagens und Fahrt in den Norden von Santiago nach Tarrafal. Hier noch drei Nächte bevor es dann wieder von Praia via Lissabon zurück nach München geht.

      Die Kapverdischen Inseln sind ein Inselarchipel vor der westafrikanischen Küste, etwa in Höhe Senegal, und bestehen aus 15 größeren Inseln und vielen kleinen Inseln. Nur neun der Inseln werden von den etwas mehr als eine halbe Million Menschen bewohnt.
      Auf den Inseln herrscht ganzjährig eine Durchschnittstemperatur von 25 -30 °C, die Nachttemperatur liegt zwischen 18 – 25°C, die Wassertemperatur bei 22 – 27 °C. Die Monate August, September und Oktober gelten als die Regenzeit mit 3 – 6 Regentagen, aber gerade im September erheblichen Regenmengen. Dazu kommt in diesen Monaten eine Luftfeuchtigkeit von rund 60 bis über 70 %.
      Leider bekam ich diese Informationen nicht von meinem Reiseveranstalter bevor ich buchte. Erst eigene Recherchen brachten diese Informationen an den Tag, ebenso wie die Hinweise auf die nicht ganz ungefährlichen Städte Mindelo und Praia.

      Mitte September bekam ich dann die Reiseunterlagen und habe mir für die Flüge MUC – LIS und zurück noch jeweils eine Platzreservierung für einen Platz mit mehr Beinfreiheit hinzu gebucht. Eine durchaus gute Maßnahme wie sich dann herausstellte.

      Abflug von München war für den 5.Oktober um 06:55 Uhr vorgesehen. Die Flüge wurden von TAP, der portugiesischen Fluggesellschaft durchgeführt. Online-Checkin ist bei TAP 36 Stunden vor Abflug möglich. Die TAP erlaubt auf diesen Flügen in der Economy-Class zwei Gepäckstücke á 23 kg. Da der eine Innlandflug allerdings mit der kapverdischen TACV durchgeführt wird und diese nur ein Gepäckstück á 20 kg erlaubt, konnte ich diesen Vorteil nicht ausnutzen.

      So checkte ich am Abend des 3.Oktober ein und gab dort ein Gepäckstück an. Das Online-Portal der TAP lies mich aber nur den Flug MUC-LIS einchecken. Für den Flug LIS-VXE war ein Checkin nicht möglich.
      Dies habe ich dann am 4.Oktober gleich am Morgen versucht, aber erneut nicht möglich. Anruf bei der TAP, es liege wohl an meinem Browser :pillepalle: . Also Versuch auch mit IE und Edge, aber mit dem gleichen Resultat. Man melde es weiter, ich solle es in einigen Stunden noch einmal versuchen, bzw. am Flughafen am Checkin.

      Am späten Vormittag fuhr ich dann zum Flughafen um schon mal den Koffer aufzugeben. Der Checkin an den Automaten funktionierte erwartungsgemäß nicht, also zum Ticketschalter der Lufthansa, die auch TAP-Flüge abfertigt. Dem Mitarbeiter auch von den Problemen beim Online-Checkin berichtet, er verweist mich auf den normalen Checkin hier, da solle es wohl keine Probleme geben.
      Nun gibt es am Münchner Flughafen viele Checkin-Schalter für First- und Businessclass, die fast alle auch besetzt sind, auch wenn kaum Passagiere dort einchecken, aber für die Economy sind von etwa 10 Schaltern gerade mal drei besetzt und die Passagiere stehen in einer langen Schlange davor.

      Mein Parkschein fürs Parkhaus kostet die erste Stunde vier Euro. Mir schwant schon, dass ich damit wohl nicht hinkomme. Ich stelle mich also an und bin nach gut 45 Minuten endlich am Checkin. Nach einigem Hin und Her will die Mitarbeiterin wenigstens meinen Koffer annehmen, obwohl auch sie mich nicht für den zweiten Flug einchecken kann.
      Die Banderole hängt auch bereits am Koffer, als sie dies alles stoppt, nervös auf der Tastatur rumtippt und mir dann den Koffer wiedergibt. Ich müsse dies am Ticketschalter abklären. Leicht frustriert gehe ich wieder zurück zum Ticketschalter. Nach 10 Minuten komme ich hier dran. Eine Mitarbeiterin bildet hier gerade einen Trainee aus und es zieht sich in die Länge, bis ich alles erklärt habe und die beiden beginnen im System zu suchen.
      Glücklicherweise kommt dann der Mitarbeiter vorbei, der mich zuvor zum Checkin geschickt hat. Ich spreche ihn an und er nimmt mich mit zu seinem Schalter, muss hier aber zuvor noch einen französischen Passagier abfertigen.
      Danach geht er mit mir zu einem anderen Schalter und nach einigem Suchen findet man die Flüge im System auch wenn es erneut nicht gelingt mich für den zweiten Flug einzuchecken. Den Koffer werde ich aber los und ich sehe auch auf der Banderole den Endflughafen VXE. Der Ticketmann druckt mir noch die offizielle Computerinformation aus, für den Fall, dass es morgen Probleme geben sollte.

      Acht Euro ärmer und ein wenig verunsichert fahre ich zurück nach Hause und versuche dort erneut online einzuchecken. Erneut funktioniert es nicht. Mein Koffer ist ja bereits aufgegeben, also nehme ich beim Online-Checkin mal das Gepäckstück weg und schon funktioniert auch der Checkin und ich kann beide Flüge einchecken. Das Gepäckstück erscheint dann auch automatisch dort, obwohl ich ja zuvor eine "0" beim Gepäck eingegeben habe.
      Ist schon ein sehr seltsames OnlineCheckin-System bei der TAP, aber immerhin bin ich jetzt doch etwas beruhigter.

      Ich gehe recht für zu Bett, da der Bus mit dem ich zum Flughafen fahren muss schon um 04:00 Uhr losfährt, also ist 03:00 Uhr aufstehen angesagt.


      ---- es folgt der 5.Oktober ----
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)


    • 5.Oktober - MUC – LIS, LIS – VXE – Mindelo



      Ich hatte mir für 03:00 Uhr den Wecker gestellt, doch ich bin bereits um 02:30 Uhr wach. Nachdem ich mich fertig gemacht habe lasse ich mir bei meinem kleinen Frühstück Zeit. Noch mal alles gecheckt in der Wohnung, Wasser auch abgedreht und Stromverbraucher ausgeschaltet, dann mache ich mich gegen 03:40 Uhr auf den Weg zum Flughafen-Bus.

      Ich habe mir einen dünnen Pullover drüber gezogen, immerhin sind es gerade mal 5°C um diese Zeit. Der Bus ist pünktlich und so erreiche ich um 04:40 Uhr den Flughafen. Noch ist es hier sehr ruhig und nur 20 Minuten später sitze ich bereits am Gate.
      Das Gate füllt sich jetzt doch recht schnell und mir wird klar, dass der Flieger recht voll wird. Als ich dann nach dem Boarding endlich in der Maschine sitze, entdecke ich dann auch kaum noch freie Plätze. Gut, dass ich mir einen extra Platz reserviert habe.

      Wir starten pünktlich und da außer Wolken nach dem dem Start kaum etwas zu sehen ist, döse ich so vor mich hin und merke kaum wie die Zeit vergeht. Als ich nach einiger Zeit wieder bewusst aus dem Fenster schaue, sehe ich unter uns lange Zeit einen Fluss. Als dieser schließlich breiter wird, wird mir klar, dass dies der Tajo ist und wir uns schon im Anflug auf Lissabon befinden. Die Anschnallzeichen leuchten jetzt auch auf, zu spät um noch die Kamera aus dem Gepäckfach zu holen.
      Wir legen uns über dem Atlantik in eine scharfe Kurve und steuern den Flughafen an. Dabei habe ich hervorragende Sicht auf die Stadt mit dem Torre de Belem, der Brücke des 25.April und schließlich der langen Ponte Vasco da Gama. In der Mündung des Tajo kann ich auch großes Kreuzfahrtschiff erkennen, aber nicht um welches es sich genau handelt.

      Pünktlich um 09:05 Uhr machen wir am Terminal in Lissabon fest (Lissabon ist eine Stunde hinter unserer Zeit). Ich brauche mich hier nicht zu beeilen, da der Weiterflug erst um 12:30 Uhr startet. Auf den Infotafeln des Flughafens werden die Gates erst recht spät bekannt gegeben. Für meinem Flug steht dort 10:15 Uhr als Bekanntgabezeit.



      Ich frage eine Bedienstete die mir aber auch nur sagen kann, dass ich hier zuerst durch die Passkontrolle muss. Dies erledige ich dann und wundere mich, dass an den Gates dahinter ein riesiger Menschenauflauf ist. Am Gate werden erneut die Taschen kontrolliert. Ein Sicherheitskontrolle direkt am Gate habe ich so auch noch nicht gesehen. Erst danach wird mir klar, dass es sich hier um die Gates mit den USA-Flügen handelt, die scheinbar verstärkten Sicherheitskontrollen unterliegen.



      Endlich wird auch mein Gate bekannt gegeben, Gate 47. Hier geht es erheblich ruhiger zu und so kann ich die zwei Stunden bis zum Abflug einigermaßen ruhig verbringen. Erst gegen 12.00 Uhr füllt sich das Gate langsam und als das Boarding kurz nach 12:00 Uhr startet haben sich bereits viele Reisende eingefunden.
      Meinen Pullover ziehe ich nun vorsichtshalber aus und falte ihn in den Fotorucksack. In Lissabon sind es so um die 16°C, aber im Flughafen ist es recht warm.



      Auch dieser Flug startet pünktlich. Neben mir sitzt ein älteres Ehepaar von der Insel Santo Antão. Nach dem Start drehen wir südwestlich ab und fliegen über Setúbal auf den Atlantik hinaus. Dort drehen wir nach Süden und fliegen die portugiesische Küste entlang.



      Deutlich kann ich die Hafenanlagen von Sines erkennen und den langen weiten Strand der Küstenregion. Es dauert auch nicht lange, bis die südwestliche Ecke Europas bei Sagres in Sicht kommt.



      Diese Region kenne ich nur zu gut, vom meinem Aufenthalt am Algarve 2008. Damals war ich auch am Cabo de São Vicente, der Südwestspitze Europas. Anschließend ist nur noch Meer zu sehen, bis auch hier leichte Bewölkung aufzieht.



      Mit meinen kapverdischen Nachbarn unterhalte ich mich, trotz einiger Sprachprobleme recht nett. Als unter uns zwischen den Wolken Land zu sehen ist, vermuten die beiden, dass es sich um Madeira handelt. Irgendwie passt die Form und die sichtbare Küste aber nicht wirklich zu Madeira, hier fehlen mir einfach einige markante Punkte, die ich von meinem Besuch 2006 dort in Erinnerung habe. Ganz sicher bin ich mir aber auch nicht und erst später, als ich die GPS-Daten der Bilder betrachte wird mir klar, dass wir über Teneriffa und Gran Canaria geflogen sind.



      Wir sind pünktlich über São Vicente, einer doch recht kargen Insel von oben. Hier sind wir zwei weitere Stunden hinter der MESZ, also insgesamt jetzt drei Stunden. Die Maschine muss eine weite Kurve über den Atlantik drehen und nähert sich dann, vom Wind recht heftig geschüttelt dem kleinen Flughafen.



      Wir rollen nach der Landung zum Flughafengebäude und dürfen nur wenig später aussteigen. Gleich nach dem Verlassen der Maschine empfängt mich sehr heiße Luft und auch der kräftige Wind ist nicht wirklich kühl.
      Im Flughafen ist es auch nicht besser, da das Gebäude keine Klimaanlage besitzt. Wir stehen nun in einer langen Schlange vor dem Visa-Schalter. Hunderte kleine Fliegen (ähnlich unseren Stubenfliegen nur etwas kleiner) nerven hier alle Passagiere. Sie fliegen einem mit Vorliebe ins Gesicht. Augen, Nase, Ohren und Mund muss man ständig freihalten von diesen Plagegeistern.



      Es dauert einige Zeit, bis ich endlich dran komme und ich war sogar noch recht weit vorne in der Schlange. Nachdem ich den kaum lesbaren Stempel in meinen Reisepass bekommen habe ziehe ich mir noch 20.000 Escudos im Geldautomat. Der kapverdische Escudo ist an den Euro gekoppelt. Ein Euro = 110 ESC. Man kann auch mit Euro bezahlen, bekommt dann aber meist einen schlechteren Kurs von 1 : 100 angerechnet.

      Vor dem Flughafengebäude wartet schon ein Fahrer auf mich, der mich zum Hotel in Mindelo fahren soll. Die Fahrt bis Mindelo dauert nur wenige Minuten. Bei der Fahrt durch die Stadt kann ich allerdings von dem Charme der Stadt, der in allen Reiseführern erwähnt wird nicht wirklich etwas sehen. Auf den ersten Blick erinnert mich die Stadt etwas an die Slumgebiete von Lima, die ich bei meiner Perureise 2010 sehen konnte. Nur die Wellblechdächer fehlen hier.

      Schließlich halten wir vor Kira's Boutique Hotel, meiner Unterkunft für die nächsten zwei Nächte (die Musik von deren Webseite wird mich übrigens die ganzen nächsten 14 Tage begleiten und sorgt noch heute bei mir für Alpträume :fie: ).



      Das Hotel selbst ist recht schön und gemütlich. Ich bekomme ein Zimmer im ersten Stock vorne zur Straße heraus.
      Ich hatte zuvor auch im Kapverdenforum nach Informationen gesucht und erfragt. Dabei waren mir für Mindelo einige Restaurants als empfehlenswert genannt worden. Nachdem ich mich etwas frisch gemacht habe, starte ich zu einem Gang in die Stadt. Unter anderem wurde mir das Domingas am Hafen empfohlen. Das finde ich auch recht schnell und gehe hinein.
      Mein Gefühl sagt mir sofort ich solle es wieder verlassen. Das „Restaurant“ hat den Charme einer schmutzigen Imbissbude. Ich überwinde meine Vorurteile, im Vertrauen auf die Empfehlung und esse dort etwas.
      Diesen Fehler werde ich die Rest des Urlaubs bitter bereuen :diablo: .

      Es wird draußen schnell dunkel und so langsam merke ich doch, dass ich seit 03:00 Uhr (Mitternacht nach kapverdischer Zeit) auf den Beinen bin. So bin ich froh wenig später in mein Hotelbett zu fallen. Die Straße ist recht laut vor dem Hotel, also benutze ich meine Schaumstoff-Ohrstöpsel und schlafe auch recht schnell ein.

      --- es folgt der 6.Oktober ---
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • Jobo wrote:

      In der Mündung des Tajo kann ich auch großes Kreuzfahrtschiff erkennen, aber nicht um welches es sich genau handelt.

      Am 5. Oktober lagen in Lisboa die überall und immer präsente ALBATROS, die THOMSON SPIRIT und der Grosse war die INDEPENDENCE OF THE SEAS.

      Jobo wrote:

      Ein Sicherheitskontrolle direkt am Gate habe ich so auch noch nicht gesehen.

      In Frankfurt gibt es ein Gate, das schon vor der Security weg geht, hier gibt es auch eine Sicherheitskontrolle direkt am Gate. Wurde meistens con Condor genutzt.
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~
      Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~ Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil!

    • Arctica wrote:

      Grosse war die INDEPENDENCE OF THE SEAS.


      Das müsste hinkommen. Zumal die auch noch in langsamer Fahrt in der Mündung Richtung Lissabon zu sehen war, was mit der Ankunftszeit 10:00 Uhr passt. Die anderen habe ich nicht gesehen, die waren wahrscheinlich irgendwo unter mir.
      Gruß Jobo,

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    • 6.Oktober --- Mindelo


      Die Nacht war nicht so wie man sich eine erste Urlaubsnacht vorstellt. Bis ca. 02:30 Uhr habe ich einigermaßen geschlafen, wohl auch weil ich doch von dem langen Tag recht müde war. Das eine oder andere Mal wurde der Schlaf allerdings unterbrochen. Das Hotel liegt in der Nähe des Stadtzentrums an einer geraden, leicht ansteigenden Straße aus dem Stadtinnern. Immer wieder brettern Fahrzeuge mit Vollgas die Straße hoch, vor allem Quads und Motorräder, die garantiert keine Schalldämpfer mehr in ihren Auspuffrohren haben. Gegen diesen Lärm helfen auch die Gehörschützer nicht mehr.



      In den frühen Morgenstunden macht sich dann mein Darm bemerkbar, der doch einige Schwierigkeiten hat. Noch nehme ich es nicht so ernst, da dies in ungewohntem Klima mit ungewohntem Essen ja durchaus mal kurzzeitig sein kann. So gehe ich kurz vor 07:00 Uhr, nicht wirklich ausgeschlafen zum leckeren Frühstück, das man auch in dem schönen Innenhof einnehmen kann.



      Danach schaue ich mir das kleine, aber sehr schöne Hotel in Ruhe an. Kira's besitzt auch eine große Dachterrasse die jederzeit zugänglich ist. Da man mich zuvor vor anderen Aussichtspunkten, z.B. der alten Festung, gewarnt hat (nicht alleine dorthin und schon gar nicht nach Einbruch der Dämmerung), bietet die Dachterrasse eine gute Möglichkeit sich einen Überblick über Mindelo zu verschaffen.



      Etwas unterhalb des Hotels befindet sich der Praça Nova, ein kleiner Platz der Treffpunkt der Einheimischen ist. Gerade Abends geht es hier recht turbulent zu und es wird hier auch von kleinen Kapellen Musik gemacht. Tagsüber wirkt der Platz recht beschaulich. Auf den Parkbänken sitzt man im Schatten und auch die zahlreichen Hunde, die sich in der Nacht recht lautstark bemerkbar machen, liegen hier am Tag faul im Schatten.



      In der Ferne schimmern auch die Berge der Nachbarinsel Santo Antão durch, die morgen mein Ziel für die nächsten Tage sein wird. Für den heutigen Tag beschließe ich einen kleinen Stadtrundgang durch Mindelo zu unternehmen.
      So verlasse ich gegen 09:30 Uhr das Hotel und wende mich in Richtung Praça. Es ist bereits jetzt recht warm, ich schätze so um die 27/28°C mit nur einem ganz leichten Wind, der nicht wirklich abkühlt.



      Am Nordende des Praça steht ein kleiner Pavillon, ich vermute dies als Platz für die abendlichen Kapellen. Ob das kleine Gebäude am Südende eine Art Kiosk ist, hier finden sich Ausleger für Bier und Cola, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Das Gebäude war stets geschlossen, wenn ich hier vorbei ging. Schon hier fällt mir der Gestank in der Stadt auf. Die Fahrzeuge hier blasen kräftig aus den Auspuffrohren und ich bezweifle wohl zurecht, ob da ein Katalysator oder Rußfilter zuvor seinen Dienst getan hat.



      Vom Praça Nova wandere ich hinunter bis ich auf die Rua Lisboa stoße, eine der Hauptstraßen der Stadt. Hier an der Ecke und im Verlauf der Straße sieht man doch einige schöne Häuser. Bei einigen darf man allerdings auch nur aus der Ferne hinschauen. Geht man näher ran erkennt man doch viele Verfallserscheinungen, z.B. alte gusseiserne Balkongeländer, die aber an vielen Stellen schon großflächig weg gerostet sind.



      In der Rua Lisboa befindet sich der Mercado Municipal, ein großes Marktgebäude. Von der Empore kann man schön auf das Marktgeschehen hinabsehen, dass allerdings zu dieser für kapverdische Verhältnisse frühen Stunde noch die Besucher vermissen lässt. Neben mir befinden sich nur die Marktleute und einige wenige andere Touristen hier. Insgesamt macht der Markt so einen sehr sauberen und aufgeräumten Eindruck auf mich.



      Nur wenig entfernt vom Mercado Municipal ist eine große Kreuzung. Hier befindet sich auf der Ostseite der Palácio Presidencial, der Präsidentenpalast, ein ehemaliger Gouverneurspalast. Mindelo war früher mal ein bedeutender Handelsplatz, allerdings ist nicht viel davon geblieben. Die Stadt hat heute rund 75.000 Einwohner und ist damit die zweitgrößte Stadt der Kapverden. An die frühere Bedeutung konnte die Stadt nie mehr anknüpfen. Sie gilt inzwischen als die Kulturhauptstadt der Kapverden. Der Morna und seine Künstler haben viel dazu beigetragen.



      Vom Präsidentenpalast wende ich mich südlich und passiere nach wenigen Metern die Igreja Nossa Senhora da Luz, die kleine katholische Stadtkirche. Hier in den kleinen Nebenstraßen sieht man nicht viele schöne oder prunkvolle Gebäude. Die meisten Häuser sind alt und teilweise massiv verfallen oder es handelt sich um kleine graue Gebäude, bei denen einfach das Geld gefehlt hat, diese zu verputzen.



      Den Altstadtbereich schließt im Süden der Praça Estrela, ein offener Markt, der sehr afrikanisch geprägt ist. Hier ist schon deutlich mehr los als im Mercado Municipal. Als wir gestern vom Flughafen kamen und hier vorbei fuhren, konnte ich schon das hektische Treiben sehen, das am Nachmittag noch viel stärker stattfindet.



      Von diesem Marktplatz sind es nur wenige Schritte und man steht vor der Hafenbucht. Der Hafen macht nicht wirklich einen guten Eindruck auf mich. Auf der südlichen Seite sieht man viele Schiffe in der Bucht vor sich hin rosten. Eine alte Fähre, die TARRAFAL liegt hier ebenso wie ein alter Schlepper, der wohl bereits Grundberührung hat und mit Schräglage im Becken hängt. Lediglich die nördliche Seite sieht wie ein kleiner Jachthafen aus und lädt zum Flanieren am Ufer ein.



      Schon von hier kann ich den Torre de Belém, einen verkleinerten Nachbau des Lissaboner Originals sehen. Direkt vor dem Torre befindet sich der Mercado de Peixe, der Fischmarkt in dem es turbulent zu geht. Laute Schreie sind zu hören und die Enge in dem Markt ist schon von außen zu sehen. Rund um den Torre hingegen ist es sehr ruhig und im Innenhof bin ich sogar alleine.



      Gegenüber dem Fischmarkt steuere ich einen Innenhof an, den ich fast übersehen hätte. Hier scheint es eine Art Künstlerwerkstatt zu geben, jedenfalls finden sich in dem Hof unzählige, teils kuriose Statuen, die wohl auch zum Verkauf stehen. So richtig schlau werde ich daraus nicht, aber es ist ganz witzig anzusehen.



      Ich schlendere anschließend am Ufer entlang, von einer Promenade kann man hier nicht wirklich sprechen. Hier am Ufer stehen auch einige alte Häuser, die sich zumindest teilweise in einem ganz guten Zustand befinden. In den Nebenstraßen dahinter sieht es dann eher wieder grau aus und auffällig ist hier auch der viele Unrat, der oft offen am Straßenrand liegt.



      Am nördlichen Ende des Altstadthafenbereiches befindet sich die Marina und gegenüber die Anlegestelle der Fähren nach Santo Antão unterhalb der Festung. An der Marina gibt es auch ein großflächiges Restaurant, das aber zu dieser Zeit noch geschlossen hat.



      Nachdem ich eine Weile in diesem Bereich herumgeschlendert bin, steuere ich wieder die Altstadt an. Von der zentralen Busstation neben der Marina gelange ich über einige Nebenstraßen zur rückwärtigen Seite der kleinen katholischen Kirche.



      Von der Kirche aus wende ich mich wieder in Richtung Kira's. Vor dem Hotel zweigt eine kleine Straße östlich ab. So lande ich auf einem kleinen Platz mit der großen Kirche Igreja do Nazareno, in der sich aber wohl eine Schule befindet. Jedenfalls kommen gerade viele Schulkinder in einer Schuluniform heraus. Schuluniformen sind typisch für die Kapverden und Pflicht für die Schüler.

      Ich bringe meine Kamera ins Hotel und gehe zum Essen in ein Restaurant, nicht weit vom Hotel entfernt. Auf der ersten Etage sitzt man dort überdacht im Freien und das Essen ist auch gut. Man kann dabei das Treiben auf der Straße und dem Praça Nova recht gut beobachten.

      Im Hotel lege ich mich dann etwas hin um ein wenig Schlaf der Nacht nachzuholen. Immerhin knapp zwei Stunden kann ich ein wenig schlafen, da es ruhiger ist als in der Nacht. Anschließend packe ich meine Sachen so weit es geht schon wieder zusammen. Ich habe an der Rezeption erfahren, dass ich morgen früh bereits um 07:20 Uhr abgeholt und zur Fähre gebracht werde.

      Am Abend drehe ich noch eine kleine Runde und esse wieder in dem netten Restaurant gegenüber der Praça, bevor ich zurück ins Hotel gehe.



      Vom Dach des Hotels mache ich noch einige Bilder. Da mir morgen nur wenig Zeit fürs Frühstück bleibt und ich immer noch recht müde bin, lege ich mich schon früh ins Bett und hoffe auf eine bessere und ruhigere Nacht.

      --- es folgt der 7.Oktober ---
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    • 7.Oktober – São Vicente – Santo Antão – Pedracin Village



      An Schlaf ist in der Nacht nicht zu denken. Zum Einen macht mir mein Darm einige Probleme und zum Anderen ist es auf der Straße so laut, dass ich alle 15-20 Minuten wach bin. Als dann der Verkehr in den frühen Morgenstunden etwas nachlässt, stehen so gegen vier Uhr drei Einheimische direkt unter meinem Fenster auf der Straße und diskutieren heftig miteinander. Dabei geht es weniger um den Austausch von Argumenten als um die Lautstärke, mit der man den anderen niederschreit. Diese Diskussion dauert gut über 30 Minuten, bevor es wieder ruhiger wird.

      Ziemlich geschlaucht erscheine ich so gegen 06:45 Uhr zum Frühstück, dass es aber offiziell erst ab 07:00 Uhr gibt. Das Personal ist aber so freundlich mir schon Kaffee, Brot, Wurst und Käse zu geben, damit ich in Ruhe frühstücken kann, bevor ich abgeholt werde.



      Der Fahrer erscheint pünktlich um mich abzuholen und nach wenigen Minuten sind wir am Fährterminal. Noch ist der Zugang zum Schiff geschlossen, der wird erst um 7:45 Uhr geöffnet. Ich gebe meinen Koffer an der Autoeinfahrt der Fähre ab und begebe mich aufs Oberdeck. Ich ergattere einen guten Platz an der Steuerbordreling, gleich hinter der Brücke. Hier gibt es einen kleinen Bereich an dem keine Plexiglasscheiben auf die Reling aufgesetzt sind.



      Kurz nach 08:00 Uhr legen wir ab und fahren langsam aus der Bucht hinaus. An der Mole vorbei bleibt Mindelo hinter uns zurück. Ein Angestellter geht nun über die Decks und verteilt an viele Einheimische kleine schwarze Plastiktüten, deren Zweck ich mir denken kann. Die Einheimischen haben mit dem eher geringen Seegang wohl öfter Schwierigkeiten.



      Draußen vor der Bucht fahren wir an einer kleinen Insel vorbei. Die befestigte Anlage auf der Insel macht ein wenig den Eindruck, als hätten die Chinesen hier den Mauerbau geübt. Die Strömung zwischen den Inseln lässt die kleine Fähre, die wohl keine Stabilisatoren hat ein wenig rollen, aber nicht wirklich stark. Hätte mich auch gewundert, bei Wellen bis vielleicht maximal zwei Meter und eher ruhiger See.



      Mitten zwischen den Inseln gibt es dann auch etwas zu sehen im, oder besser über dem Wasser. Ich bin wirklich erstaunt, wie schnell die Kleinen sind und welche Strecken sie so zurücklegen. Man muss schon wirklich flink mit der Kamera sein, um sie ins Bild zu bekommen. (habt ihr sie auf den beiden Bildern gefunden? :search: )



      Wir nähern uns bereits Porto Novo, dem Hafen auf Santo Antão, als sich erneut etwas im Wasser tut. Wie aus dem Nichts erscheint eine Delphinschule und begleitet uns ein wenig. Ausgelassen zeigen sie uns, mit welcher Geschwindigkeit sie durchs Wasser fegen können. Die Geschwindigkeit des Schiffes stellt kein Problem für sie dar.



      In einiger Entfernung zeigen sie dann wirklich was sie können. Immer wieder springt einer aus dem Wasser um sich in der Luft sogar zu drehen und mit einem großen Platscher wieder einzutauchen. Die Sprünge gehen teilweise sicherlich bis in drei, vier Meter Höhe. Da zeigt sich die pure Lebensfreude.



      Ich habe die Delphine so lange beobachtet, dass ich gar nicht bemerke, dass wir längst an der Hafenmole angelangt sind. Die Fähre dreht im Hafenbecken und schiebt sich rückwärts an den Kai. Schließlich wird der Niedergang zum Autodeck freigegeben und ich kann unten meinen Koffer wieder in Empfang nehmen.
      Im modernen Terminal führen etliche Treppen nach oben. Die Rolltreppen rechts und links davon funktionieren leider nicht und so bin ich froh, dass mich mein Guide für die nächsten Tage, Davy hier bereits erwartet und mit meinem Koffer die Treppen heraufsteigt.



      Oben wartet bereits der Fahrer auf uns. Zuerst fahren wir durch Porto Novo, die größte Stadt auf Santo Antão mit rund 10.000 Einwohnern und halten an einem kleinen Supermarkt. Hier kann ich mir noch eine Flasche Wasser kaufen. Für die Kapverden gilt generell die Empfehlung nur Wasser aus richtig neu verschlossenen Flaschen zu trinken und das Leitungswasser auch nicht zum Zähneputzen zu verwenden. Ebenfalls soll man nur wirklich gut durch gegartes Fleisch, Geflügel oder Fisch essen.



      Ich frage Davy ob wir die Route quer über die Insel nehmen können, da ich gelesen habe, dass diese sehr schön sein soll. Leider hat es in den vergangenen Wochen sehr stark geregnet und viele Straßen wurden unterspült und zum teil weggerissen. Dies gilt leider auch für die Straße über die Berge, daher müssen wir die Küstenstraße nehmen. Die Temperatur ist aber entlang der Küste recht angenehm und es ist nicht so stickig wie in Mindelo.



      Die Fahrt ist dadurch recht angenehm und unterwegs zeigt mir Davy auch ein Tal, in dem wir bei einer der geplanten Wanderungen gestartet und wieder geendet wären. Auch dieses Tal ist weiter oben total verschüttet, so dass diese Wanderung nicht möglich sein wird. Wir fahren bis Ribeira Grande und biegen dort ins gleichnamige Tal ab, Richtung Coculi. Hier zeigen sich bereits erste massive Straßenschäden.



      Immer wieder sieht man auf der Straße mit weißen Steinen abgesperrte Schadstellen. Oft genug müssen wir sogar ganz von der Straße herunter über einen provisorischen Schotterweg fahren, da die Straße in voller Breite weggerissen wurde. Diese Schäden habe man jedes Jahr erfahre ich, aber in diesem Jahr sei es wieder mal ganz extrem.



      Schließlich verlassen wir die Straße und überqueren das jetzt wieder fast ausgetrocknete Flussbett über eine kleine Brücke. Danach führt der schmale Weg steil hinauf bis zum Pedracin Village Hotel, meiner Unterkunft für die nächsten fünf Nächte. Ich bekomme ein Zimmer in der Bungalow ähnlichen Anlage. Das Zimmer würde ich als rustikal bezeichnen. Ich richte mich dort ein und stelle bald fest, dass es hier eine Grundfeuchte gibt, die man nicht sofort bemerkt. Meine Sachen, die ich in den Schrank hänge sind nach wenigen Minuten dort richtig klamm und riechen bald muffig. Ich laufe auf Socken durch das scheinbar trockene Zimmer und die Socken sind anschließend richtig feucht an der Unterseite.



      Die Anlage selbst liegt aber sehr schön mitten in den Bergen und sehr ruhig. Ich freue mich schon auf eine endlich ruhige Nacht. Das Hauptgebäude ist auch gleichzeitig die Rezeption und das Restaurant. Neben dem Restaurant ist auch ein großer Pool, den jetzt die überall herumfliegenden Libellen nutzen und kurz mit dem Hinterleib eintauchen.



      Ich nutze die Zeit um hier gleich zu Mittag zu essen. Im Restaurant läuft hier permanent der Morna im Hintergrund, noch empfinde ich dies als ganz angenehm. Das Essen ist gut und nach einem kleinen Gang durch die Anlage nutze ich die herrliche Ruhe und die gerade sehr angenehme Kühle hier oben, ich schätze es auf maximal 24 °C für ein Nickerchen in meinem Zimmer.



      Erst gegen 16:00 Uhr werde ich wieder wach und bummle nun mit der Kamera durch die Anlage. Heute habe ich sonst nichts weiter vor, zumal man hier für die meisten Unternehmungen auf eine Fahrgelegenheit angewiesen ist. Morgen wird man mich um 09:00 Uhr für die erste Wanderung abholen.



      Ich gehe ein kurzes Stück den Weg zur Hauptstraße herunter, aber nicht die ganze Strecke. Ein wenig kommt man sich hier wie in einem botanischen Garten vor. Wann es Abendessen gibt weiß ich nicht da ich weder eine Information zu den Frühstücks- noch zu den Dinnerzeiten bekommen habe. Im Moment habe ich aber auch keinen Hunger, da ich noch satt bin vom Mittagessen und daher auf ein Dinner verzichte.



      Inzwischen ist auch die Bewölkung ein wenig der Sonne gewichen und die Temperatur etwas höher, aber noch sehr verträglich. Auf dem Weg begegnen mir immer wieder Libellen und viele Grashüpfer. Zwischen den Palmen kann ich auch Kühe und Hühner ausmachen.Wieder zurück am Hauptgebäude entdecke ich noch andere Tiere.



      Drei Pfauenpaare wandern hier durch die Anlage. Diese Paare sind hier zu Hause und abends machen sie es sich auf dem Dach neben dem Pool bequem. In den nächsten Tagen kann ich dies immer wieder beim Abendessen beobachten.
      Für heute mache ich aber Schluss und ziehe mich recht früh in mein Zimmer zurück, in der Hoffnung auf eine ruhige, erholsame Nacht.

      --- es folgt der 8.Oktober ---
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      - Alexander von Humboldt -

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    • Feuchtigkeit im Kleiderschrank kenne ich auch von Baustellen in Brasilien. Als Abhilfe haben wir immer eine 100 Watt-Glühlampe in den Schrank gehängt und permanent eingeschaltet gelassen.

      Schön, wieder einmal einen Bericht von einem originellen Reiseziel lesen zu dürfen.

      Beste Grüße

      Lupo
    • Lupo wrote:

      eine 100 Watt-Glühlampe in den Schrank gehängt


      Mal von Womo's berechtigtem Einwand abgesehen gibt es da aber zwei Probleme.
      1. Wo nimmt man mitten in der Wildnis eine 100 Watt-Lampe her
      2. Was hilft eine 100 Watt-Lampe, wenn etwa einmal in der Stunde der Strom in der kompletten Anlage für rund 10 Minuten ausfällt
      :hmm: ?(


      8.Oktober – Pedracin Village


      Um drei Uhr ist die bis dahin ruhige Nacht für mich zu Ende. Aus den Darmproblemen ist inzwischen ein kapitaler Durchfall geworden und ich sehe von 03:00 bis 06:00 Uhr nur den Sanitärbereich.
      Entsprechend ausgepowert schleppe ich mich zum Frühstück und traue mich nicht wirklich viel zu essen.
      Als um 09:00 Uhr mein Wanderguide Davy mit dem Fahrer kommt, muss ich die Tour absagen. Weiter als 500 Meter möchte ich mich im Moment nicht von einer Toilette entfernen.

      Den weiteren Tag verbringe ich entweder im Bett oder auf der Toilette. Erst gegen Nachmittag fühle ich mich ein wenig besser und wandere ein wenig in der Anlage umher.



      Mit dem Tele erkunde ich die gegenüber liegende Bergseite. Das Wetter ist heute nicht mehr so kühl wie gestern, aber noch erträglich. Ich finde nun auch die ersten Einstichstellen an meinem Körper. In meinem Zimmer waren mir bisher keine Moskitos aufgefallen.



      Allzu weit traue ich mich aber noch nicht. Auf Mittagessen verzichte ich ebenfalls vorsichtshalber. Ich denke, dass ich diese Probleme dem empfohlenen Restaurant am ersten Abend in Mindelo zu verdanken habe. Was hilft es, wenn man sich an alle empfohlenen Hygiene-Vorsichts-Maßnahmen hält, sich dann aber in einem Restaurant etwas einfängt.



      Wenigstens gibt die Umgebung hier etwas her und die Lichtstimmungen sind sehr ansprechend. Bald liege ich wieder auf meinem Bett im Zimmer und ruhe mich noch etwas aus. Ich habe versucht einen der Angestellten um einige Papayakerne zu bitten, aber obwohl portugiesisch die Amtssprache und Kriolu die von den Einheimischen gesprochene Sprache hier ist, werde ich vom Personal hier ständig auf französisch angesprochen, obwohl die genau wissen, dass ich kein Französisch spreche.
      Etwas später traue ich mich dann sogar mal bis zur Hauptstraße runter und wieder zurück, für alle Fälle eine halbe Rolle Toilettenpapier in der Tasche :blush2: .



      Gegen Abend entschließe ich mich doch noch etwas zu essen. Ganz ohne Nahrung ist wohl auch nicht der richtige Weg. Großen Appetit habe ich allerdings nicht und ich zwinge das Essen eher in mich hinein, als dass ich es genieße.
      Während des Essens werde ich von Moskitos attackiert. Dabei stelle ich fest, dass es sich um die sehr feingliedrigen Tigermoskitos oder Gelbfiebermücken handelt. Deutlich kann ich die schwarz-weiße Musterung sehen. Man spürt die kaum, aber die sind bekannt für die Übertragung diverser schwerer Krankheiten, z.B. Dengue-Fiber.



      Nicht wirklich ein beruhigender Gedanke, auch wenn die reichlich vorhandenen Geckos an den Wänden äußert fleißig sind und so mancher Mücke schnell den Garaus machen. Es bleiben aber noch reichlich der surrenden Plagegeister übrig. Ich trage mückenabweisende Kleidung und bin gut mit Mückenschutz eingerieben, aber diese Moskitos stören sich nicht wirklich daran.



      Gleich nach dem Essen lege ich mich wieder hin und hoffe, dass es mir morgen etwas besser geht.

      Ich habe mit Davy ausgemacht, dass ich ihm eine Mail schreibe, falls ich auch die Tour morgen absagen muss.


      --- es folgt der 9.Oktober ---
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
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    • Jobo:

      Ich habe doch nur beschrieben, wie wir das in Brasilien gemacht haben! Den Hinweis bekamen wir von den Einheimischen, die mit der Feuerwehr wohl bis dato keine Probleme hatten. Wahrscheinlich reicht eine 60 oder 40 Watt-Lampe aber auch aus.

      Beste Grüße

      Lupo

    • 9.Oktober – Cova-Krater – Paul-Tal



      Die Nacht habe ich erneut größtenteils auf der Toilette verbracht. Erst am frühen Morgen scheint es mir etwas besser zu gehen. Da ich schon so früh wach war, konnte ich den hiesigen Hähnen beim Krähen zuhören. Na ja, mit Krähen hatte dies eigentlich nichts zu tun. Der Begriff Krächzen ist wohl eher zutreffend. Was sich die einheimischen Gockel so aus der Kehle quälen hat mit Krähen kaum noch etwas gemein. Den Geräuschen nach zu urteilen laufen die meisten der Kammträger bei den Anstrengungen zu diesen Tönen garantiert blau an und die Hälfte davon fällt vermutlich nach dem letzten Ton tot um.
      Ich versuche dann zumindest einigermaßen normal zu frühstücken und warte danach noch eine Weile, bevor ich Davy eine Mail sende, dass ich es heute versuchen will. Bis 09:00 Uhr habe ich nun noch Zeit mein Wohlbefinden zu beobachten.



      Diesmal kommt Davy mit einem anderen Fahrer, der auf mich einen reichlich mürrischen Eindruck macht. Dies kann man dann auch seinem Fahrstil durchaus anmerken. Als ich bei der Vorbeifahrt die schöne Kirche von Coculi fotografiere, erzählt mir Davy ganz stolz, dass dies seine Heimatstadt ist. Wir fahren durch Ribeira Grande und eine steile Serpentinenstraße hoch.



      Der Ausblick von dieser Sraße in das Ribeira Grande Tal ist allerdings trotz der abenteuerlichen Fahrweise des Mürrischen grandios. Die schmale teils sehr steile Straße schlängelt sich hier den Berg hinauf. Das eine oder andere mal müssen wir scharf bremsen, da es tatsächlich jemand wagt uns entgegen zu fahren.



      An einem der schönsten Aussichtspunkte, am Delgadim machen wir kurz Halt und ich bin froh für wenige Minuten diesem rasenden Pickup zu entkommen. Die Aussicht von hier oben entschädigt dann aber auch für einiges. Man kann weit in die Täler hineinblicken und wenn es nicht so stark bewölkt wäre, würde man wahrscheinlich noch weitere Täler und Berge sehen.



      Nach dem kurzen Halt geht die wilde Fahrt weiter und ich muss noch einige Zeit auf der Rückbank leiden, bevor wir den Punkt in der Nähe des Cova-Kraters erreicht haben, an dem wir aussteigen und zu Fuß weitergehen. Kaum ist der Fahrer weg, entschuldigt sich Davy für dessen Fahrweise. Der Fahrer würde sich mit ihm nicht sehr gut verstehen und fährt ihn wohl nicht zu gerne. Er habe ihn anfangs auch nicht wirklich als offiziellen Wanderguide aufgrund seines noch jungen Alters akzeptiert, daher stamme wohl die Abneigung.



      Wir wandern nun entlang des Cova-Kraters, eines großen Einsturzkraters vulkanischen Ursprungs. Hier bleiben oft die Wolken hängen und spendieren dem fruchtbaren Kraterboden viel Feuchtigkeit. Daher wird der Krater von den Bauern der Umgebung als fruchtbares Ackerland genutzt. Der Weg entlang des Kraterrandes ist fast eben und lässt sich gut laufen.



      Bei den Ruinen einiger alter Häuser führt nun ein kurzer, aber zum Teil recht steiler Weg zum Kraterrand hinauf. Wir sind hier auch nicht alleine, ein Paar steigt einige Meter vor uns hinauf. Teilweise liegen hier große Steinbrocken, die extrem hohen Stufen gleichen und daher etwas anstrengend sind, doch allzu lang ist dieser Aufstieg nicht.



      Als wir endlich den höchsten Punkt des Kraterrandes erreicht haben, bin ich sprachlos. Die Aussicht von hier ist überwältigend. Man sieht den steiler Steinweg hinunter ins Paul-Tal und auch das Paul-Tal ist einsehbar bis hinunter zur Küste. Ein weiteres Paar steht auch hier oben und genießt diesen Anblick. Sie steigen dann vor uns hinab.



      Das Wetter ist im Moment ideal für diesen Abstieg. Es ist bewölkt und die Temperatur noch recht angenehm. Der Steinweg geht steil nach unten und ich bin froh, dass ich meine Wanderstöcke dabei habe. Davy erzählt mir auf dem Weg nach unten, dass er gerne nach Deutschland möchte, da ihn die Sprache sehr interessiere. Er fragt mich daher auch immer wieder, wie die eine oder andere Pflanze oder ein Begriff auf deutsch heißt.



      Er kennt sich erstaunlich gut mit der hiesigen Flora aus und weist mich ein ums andere mal auf endemische Pflanzen hin. Der Weg ist kopfsteinpflasterartig und man muss schon sehr aufpassen, wo man hintritt. Immer wieder ist auch mal eine feuchte Stelle dazwischen und man kommt darauf schnell ins Rutschen.



      Wenn wir Pausen machen genieße ich immer wieder den herrlichen Blick in das Tal und bemerke so gar nicht, dass inzwischen immer mehr die Bewölkung weicht und die Sonne herauskommt. Hier zeigt es sich wieder, wie anstrengend doch ein ständiges steiles Bergabgehen ist, zumal wenn man sich gesundheitlich nicht in Bestform befindet.



      Langsam kommen wir dem ersten Dorf im Tal immer näher und damit auch dem Ende des Steilen Steinpfades. Trotz Wanderstöcke macht sich der Weg in den Oberschenkeln etwas bemerkbar und die immer stärker werdende Sonne lässt auch mein mitgeführtes Trinkwasser langsam zur Neige gehen. Im Ort sei ein kleiner Supermarkt sagt mir Davy.



      Leider bekomme ich dann doch massivere gesundheitliche Probleme kurz bevor wir den Ort erreichen. Ich bin daher froh, dass ich im Hof des kleines Supermarktes auf einer Steinbank im Schatten ausruhen kann. So richtig komme ich hier aber nicht mehr in Schwung und wir brechen die Tour hier vorsichtshalber ab. Davy beordert das Fahrzeug hierher um uns abzuholen.



      Der Fahrer ist etwa zwanzig Minuten später da und wir fahren das Paul-Tal hinunter und dann die Küste entlang bis Ribeira Grande. Den schönsten Teil der Wanderung konnte ich wenigstens mitmachen. Ich hoffe, dass es mir in den nächsten Tagen besser geht und die anderen Wanderungen für mich besser zu bewältigen sind.
      Von Ribeira Grande fahren wir wieder das Tal hinauf und ich bin froh, als ich den Pickup am Pedracin Hotel endlich verlassen kann.



      Den restlichen Nachmittag ruhe ich mich in meinem Zimmer aus und gegen Abend fühle ich mich eigentlich wieder recht wohl.
      Für den morgigen Tag steht keine Wanderung an. Pläne habe ich auch noch keine für den Tag. Was ich mache, will ich erst Morgen entscheiden, wenn ich weiß, wie ich mich fühle.
      Nach dem Abendessen genieße ich noch ein wenig die abendliche Stimmung hier in den Bergen , bevor mich die Tigermoskitos vertreiben.


      --- es folgt der 10.Oktober ---
      Gruß Jobo,

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    • 10.Oktober --- Ponta do Sol, Ribeira Grande


      Die Nacht war ein wenig besser als die vorherigen, wenn ich auch wieder viel Zeit auf der Toilette verbracht habe. Als ich gegen 07:00 Uhr zum Frühstück gehe, befindet sich das Buffet allerdings noch im Aufbau. Erst so gegen 08:00 Uhr kann ich dann frühstücken.
      Der heutige Tag ist quasi mein freier Tag auf Santo Antão, keine Wandertour ist vorgesehen. Noch weiß ich nicht so recht, was ich heute machen soll. Den ganzen Tag hier oben in der Hotelanlage will ich auch nicht verbringen. Außer mir sind zur Zeit nur noch zwei französische Paare hier, jeweils mit ihrem Personal-Guide samt Fahrzeug.
      Kurz nach dem Frühstück brechen diese auf und ich befinde mich alleine hier. Davy gab mir gestern den Tipp nach Ponta do Sol zu fahren und mir den Ort anzuschauen.



      Ich frage an der Rezeption nach einer Fahrgelegenheit nach Ponta do Sol. Es gäbe auch noch die Möglichkeit mit einem der Aluguer auf der Hauptstraße zu fahren. Diese Fahrzeuge sind quasi eine Art Jedermann-Taxi, das man einfach anhält oder an Sammelstellen wartet und dann für wenig Geld mitfährt. Meist sind dies PickUps mit zwei Holzbänken auf der Pritsche. Hier kann es natürlich auch mal sehr voll werden, wenn Fahrgäste noch Waren mitnehmen (z.B. habe ich einmal gesehen, wie ein Motorroller noch auf der Pritsche mitgenommen wurde).
      Bei den momentanen Straßenverhältnissen will ich eine solche Fahrt meinen Bandscheiben aber nicht zumuten.



      So wird mir vom Rezeptionspersonal ein vorhandenes Taxi vermittelt. Ich vereinbare mit dem Fahrer eine Fahrt nach Ponta do Sol, dort nach drei Stunden Abholung und Fahrt nach Ribeira Grande. Nach etwa einer bis eineinhalb Stunden dann die Rückfahrt zum Hotel. Der Fahrer verlangt dafür 5.000 Escudos, also fast 50 Euro, doch eine Alternative habe ich nicht.
      Die Strecke bis Ponta do Sol ist nicht lange. Das Tal hinab bis Ribeira Grande und dann entlang der Küstenstraße bis Ponta do Sol, insgesamt knapp 12 km.



      Wir sind um 10:00 Uhr in Ponta do Sol und der Fahrer setzt mich an dem kleinen Hafen ab. Hier soll er mich um 13:00 Uhr wieder abholen. Drei Stunden sollten für den kleinen Ort (rund 2.100 Einwohner) samt Mittagessen ausreichen. Vom Hafen aus spaziere ich eine Straße leicht ansteigend hinauf zum Hauptplatz des Ortes. Es ist inzwischen recht warm und ich bin froh meinen UV beständigen Hut mit Nackenschutz dabei zu haben.



      Der Platz macht für kapverdische Verhältnisse einen richtig schönen Eindruck. Übersät mit großen Palmen steht hier an der Südseite das große gelbe Rathaus. An der Ostseite steht die kleine katholische Kirche, in deren Richtung ich nun weitergehe. Die Kirche ist geöffnet und ich werfe einen Blick hinein.



      Es befindet sich niemand in der Kirche und ich sehe auch nirgendwo Schilder, die das Fotografieren verbieten. Direkt über dem westlichen Eingang der Kirche befindet sich noch ein Balkon zu dem eine Holztreppe hinaufführt. An der Südseite gibt es noch einen seitlichen Ausgang, der durch eine Art Kindergarten führt, jedenfalls sieht der Raum danach aus. Hier in der Kirche ist es angenehm kühl. Erst wenn man wieder aus der Kirche herauskommt merkt man wie warm es inzwischen ist.



      Unterhalb der Kirche führt eine Straße entlang eines seit langem stillgelegten Flughafens. Hier hat schon sehr lange kein Flugzeug den Boden mehr verlassen. Entlang der Straße stehen auch einige überfüllte Mülltonnen. Die sind wohl schon lange nicht mehr geleert worden, jedenfalls liegt in einem weitem Umkreis mittlerweile der Müll auch schon neben und vor den Tonnen. Die obligatorischen Straßenköter wühlen im Müll nach Essbarem.



      Am Ende der Straße befinde ich mich wieder an dem kleinen Fischerhafen und kann die Fischer beim Verteilen und Abwiegen der Fische von der kleinen Mole aus beobachten. Ich spaziere nun südwestlich am Hafen vorbei, um mir ein Restaurant anzusehen, dass sich dort oberhalb des Meeres befindet. Man arbeitet dort aber gerade an der Kanalisation nicht gerade eine Einladung dort zu essen.
      An der Statue auf einer kleinen vorgelagerten Insel erkennt man die hier vorherrschende sportliche Aktivität.



      Der Blick von hier auf die steile Nordwestküste der Insel ist fantastisch. Hier soll es auch einen schönen Wanderweg geben, der dann nach ca. 11 km von der Küste weg in die Berge führt, nur wenig oberhalb des Pedracin Hotels. Durch die starken Regenfälle ist der Weg zur Zeit aber auch nicht komplett begehbar und durch ständig drohende Erdrutsche sehr gefährlich.
      Das Flugzeuggerippe könnte vielleicht die letzte Maschine gewesen sein, die hier gelandet ist.



      Von hier wandere ich wieder in den Ort hinein und lande, nachdem ich durch einige Nebenstraße gegangen bin wieder auf dem zentralen Platz. Etwas unterhalb befindet sich in einer Parallelstraße zum Hafen das Justizgebäude. Das Kopfsteinpflaster in den Straßen weist ein Muster auf, wie ich es in noch ausgeprägterer Form von Portugal her kenne.



      Ich komme gerade rechtzeitig zum Hafen, um zu beobachten, wie ein kleines Fischerboot ankommt. Alle helfen nun das Boot ans Ufer zu ziehen. Das Ganze dauert allerdings eine Weile und wird von vielen Rufen und Gesten untermalt. Anschließend wird der Fang ausgeladen. Wer dabei welche Rolle spielt erschließt sich mir allerdings nicht wirklich.



      Die Fische werden danach zu einem großen Tisch etwas oberhalb der Boote gebracht und dort gewogen. Aus dem Nichts heraus erscheinen nun immer mehr Einheimische dort und die Fische finden schnell ihre neuen Besitzer und werden zum Teil in Plastiktüten nach Hause oder in die umliegenden Restaurants getragen.



      Dies erinnert mich daran, dass es schon Mittag ist und ich langsam etwas essen sollte. Auf dem Weg zum Hafen bin ich an einem Restaurant vorbeigekommen, dem Gato Retro, das ich nun aufsuche. Inzwischen hat es auch geöffnet und ich bin der erste und einzige Gast.
      Als Vorspeise probiere ich Muräne. Auf dem Teller befinden sich drei kleine Stücke des Knochenfisches. Er schmeckt recht gut, allerdings ist es schwierig ihn richtig von den Knochen und Knorpeln zu lösen. Als Hauptgang habe ich ein Fischfilet-Teller aus drei Fischarten gewählt. Das Essen ist gut und schmeckt hervorragend. Ich bin froh, dass ich es problemlos genießen kann.



      Mein Taxi ist pünktlich am Hafen und wir fahren die schöne Küstenstraße zurück nach Ribeira Grande. Die Hauptstadt von Santo Antão ist mit 2.500 Einwohnern nicht viel größer als Ponta do Sol. Im Zentrum, so man es überhaupt so nennen kann setzt mich der Fahrer ab. Ich verabrede mit ihm die Abfahrt von hier in eineinhalb Stunden.



      Vor kurzem hat hier ein Fest stattgefunden. Die Hauptstraße ist immer noch ein wenig geschmückt rund um den Bereich der Kirche, die leider verschlossen ist. Der Ort gefällt mir nicht so gut wie Ponta do Sol. Nur wenige Häuser wirken wirklich gepflegt und schön. Viele Häuser in dem Ort sind nicht mal verputzt.



      Ein Teil des Ortes befindet sich auf einer Anhöhe im Nordosten. Seitlich führt ein Steinpfad hinauf. Ich steige dort ein wenig hinauf um einige Bilder des Ortes von oben zu machen. Wie auch schon in Ponta do Sol werde ich überall angesprochen, ob ich ein Taxi benötige. Ich hätte mein teures Taxi wohl nur für die Fahrt nach Ponta do Sol benötigt. Von dort und von hier wäre ich problemlos wieder weg gekommen und wahrscheinlich erheblich günstiger.



      Von dem Seitental in dem sich der Weg befindet wandere ich hinunter bis zur Küste. Fast jedes zweite Auto am Straßenrand hat das Aluguer-Schild im Fenster. Ich sehe sogar einen großen LKW mit diesem Schild. Dort möchte ich nicht wirklich gerne auf der Muldenkipper ähnlichen Ladefläche sitzen.



      An einer Hauswand entdecke ich ein großes buntes Gemälde. Immerhin mal ein farbiger Lichtblick in dem ansonsten eher grauen Ort. Ich gehe nun von der anderen Seite wieder in den Ort hinein und komme in einer engen Seitengasse auch am örtlichen Markt vorbei. Um diese Zeit ist hier aber eher wenig los und nur wenige Menschen befinden sich hier.



      Zumindest diese vielen kleinen Nebengassen haben ihren eigenen Reiz und wirken auf mich recht interessant und ansehnlich. Die Sonne brennt hier aber schon sehr vom Himmel und von kühlendem Wind ist in den Straßen und Gassen nicht viel zu spüren. Auf den Straßen befinden sich zu dieser Zeit auch nur wenige Menschen. Die meisten ziehen jetzt wohl schattige Plätze vor.



      Zum vereinbartem Zeitpunkt wartet mein Taxi am vereinbarten Treffpunkt auf mich und wir fahren wieder zurück zum Hotel.
      Immerhin habe ich den Tag so ganz gut genutzt und Ponta do Sol hat mir auch ganz gut gefallen. Vielleicht auch dadurch geht es mir heute etwas besser und ich nehme ganz mutig noch ein Abendessen zu mir. Ich hoffe nun auf eine bessere Nacht und begeben mich in mein Zimmer.



      An der Wand in meinem Zimmer mache ich allerdings dann eine Entdeckung, die mich doch ein wenig unruhig werden lässt. Auf den Kapverden gibt es nur ein gefährliches Tier, ein Hundertfüßer, dessen Biss sehr giftig ist. Das skorpionartige Gift führt beim gesunden Menschen zwar nicht zum Tod, soll aber sehr schmerzhaft sein.
      Ob es sich bei dem Exemplar in meinem Zimmer um einen solchen Hundertfüßer handelt weiß ich nicht. Jedenfalls lässt das Tierchen sich anschließend von der Wand fallen und ich kann es auf dem Boden nirgendwo mehr sehen. Das Tier war zwar nur ca. 4-5 cm lang, die gefährlichen sollen über 20 cm lang werden, aber der Gedanke ein solches Tierchen irgendwo unter dem Bett zu haben ist nicht wirklich beruhigend.
      Trotzdem schaffe ich es irgendwann einzuschlafen.


      --- es folgt der 11.Oktober ---
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    • 11.Oktober --- Ribeira de Torre, Ribeira Grande



      Die Nacht habe ich einigermaßen gut überstanden. Diesmal nur wenig auf der Toilette verbracht und zumindest immer wieder für einige Stunden geschlafen. Schon in der Frühe ist es recht warm, es wird wohl ein heißer Tag werden.
      Gemäß der Urlaubsplanung soll es heute eine Wandertour durch die Tropischen Gärten bei Ribeira Grande geben. Nach Aussage meines Reisebüros eine kurze Wanderung von ca. zwei Stunden mit maximal 250 m Gesamtauf- und abstieg.



      Davy kommt kurz nach neun Uhr und ich frage ihn wegen der heutigen Strecke. Er ist erstaunt über die falschen Informationen die ich habe. Die tropischen Gärten sind nicht bei Ribeira Grande sondern im Paul-Tal, dort waren sie schon immer. Die Wanderung dauert auch gut fünf Stunden und hat viele steile Auf- und Abstiege. Da sind wieder mal die Informationen des Reisebüros völlig falsch.
      Nach einer kurzen Beratung beschließen wir die angedachte Tour nicht zu machen. Auch wenn ich mich heute insgesamt etwas besser fühle, bin ich doch noch reichlich entkräftet und möchte kein Risiko eingehen.



      Davy schlägt mir eine leichte Wanderung, eher ein Spaziergang das Tal de Torre hinunter bis Ribeira Grande vor. Ich willige ein und der Fahrer bringt uns bis ans Ende des Tales. Von dort aus spazieren wir die asphaltierte Straße hinab. Hier spürt man die Hitze auch nicht so stark, zumal ein einigermaßen frischer Wind von der Küste das Tal hinaufzieht.



      Die Straße läuft fast eben, nur ein minimales Gefälle ist erkennbar. Das fast ausgetrocknete Flussbett täuscht über die Wassermaßen hinweg, die noch vor wenigen Wochen hier das Tal hinabgestürzt sind.
      Auf den Hügeln und Bergen rechts und links des Tales ist alles saftig grün. Davy zeigt mir die verschiedenen Bäume und Pflanzen, die hier wachsen.



      Bananen, Mangos, Papayas, Avocados wachsen hier überall. Zwischendurch steht dann immer mal wieder ein großer Brotfruchtbaum. Von den Bananen gibt es hier mehrere Sorten. Einige kann man nur in gekochtem Zustand verzehren, andere sind eher als Viehfutter gedacht.
      Auch die Straße in diesem Tal ist an einigen Stellen zumindest teilweise weggebrochen und entsprechend markiert.



      Jetzt treffen wir einen Händler, der hier auf der Straße aus seinem Auto heraus seine Waren verkauft. Er beginnt gleich ein Gespräch mit uns und schnell stellt sich heraus, dass er früher lange in Deutschland gelebt hat. Er war Matrose und hat in Norddeutschland gewohnt. In seinem Auto zeigt mir Davy die verschiedenen abgeernteten Obst- und Gemüsesorten.
      Wohl gut 20 Minuten unterhalten wir uns mit dem Händler, dann setzen wir unseren Gang fort.



      Nach einer Kurve können wir weit vor uns Kinder erkennen, die sich in einer größeren Wasserstelle im Flussbett tummeln. Das kleine provisorische Schwimmbad wird mit Freuden von den Kindern zum Plantschen und Hineinspringen genutzt. Einige Erwachsene stehen auch dabei und beobachten lachend die Kinder. Auch wir schauen dem fröhlichen Treiben eine Zeitlang zu, bevor wir den Weg fortsetzen.



      Langsam weitet sich das Tal vor uns, ein sicheres Zeichen, dass wir uns der Küste und Ribeira Grande nähern. Nach knapp drei Stunden erreichen wir die ersten Häuser des kleinen Ortes. Davy möchte mir den Ort noch etwas zeigen. Das meiste habe ich aber bereits gestern gesehen. Das Haus mit dem Gemälde steht aber in einer kleinen Gasse, in der ich am Vortag nicht drin war und ist daher neu für mich.



      An dem kleinen Platz vor der Kirche zeigt mir Davy das älteste Haus des Ortes. Das hatte ich gestern schon eher zufällig aufgenommen (Bild 230 rechts neben dem gelben Haus, das alte kleine Haus mit der roten Holzdoppeltüre hinten dem Einfahrt-Verboten-Schild). Heute haben wir aber auch Glück, die Kirche ist geöffnet und wir werfen einen Blick hinein.



      Davy will mich zu einem Restaurant bringen. Inzwischen ist es ja längst Mittagszeit und ich habe tatsächlich etwas Hunger. Auf dem Weg dorthin kommen wir wieder an dem Markt vorbei, den ich gestern schon von außen gesehen habe. Heute gehen wir hinein und ich kann sehen, wie man ie Überdachung um den alten Baum herum gebaut hat.
      Auf der anderen Seite des Flussbettes gehen wir noch etwas die Straße hinauf in Richtung Coculi. Auf der rechten Seite ist schließlich ein nettes Restaurant. Man geht durch die abfallende ehemalige Garageneinfahrt hinein. Dahinter liegt ein großer Restaurantbereich und seitlich mehrere Tische in einem schattigen Innenhof. Hier nehmen wir Platz.
      Ich lade Davy zum Essen ein. Für seine gute Betreuung hat er sich das absolut verdient. Er nimmt auch dankend an.

      Nach dem guten Essen werden wir wieder vom Fahrer abgeholt und zum Pedracin Hotel gebracht. Für den morgigen Tag schlägt mir Davy eine kleine Wanderung von Ponta do Sol nach Fontainhas auf dem Küstenweg vor, als Ersatz für die erste ausgefallene Wanderung. Da meine Fähre nach Mindelo erst um 16:30 Uhr abfährt habe ich ja noch den ganzen Tag Zeit und die schöne Küste möchte ich gerne näher kennenlernen.
      Um 12:00 Uhr will Davy mich abholen, da habe ich zuvor genügend Zeit zu packen und das Zimmer zu räumen.

      Am Abend sitze ich daher noch etwas länger im Restaurant und genieße ein leckers Fischgericht bevor ich vor den Tigermoskitos Reißaus nehme und mich auf mein Zimmer begebe.


      --- es folgt der 12.Oktober ---
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    • 12.Oktober --- Ponta do Sol – Fontainhas, Porto Novo, Fähre, Mindelo



      In der Nacht hatte sich der Durchfall wieder mit Nachdruck zurück gemeldet. Nur mühsam schleppe ich mich zum Frühstück, um wenigstens ein wenig wieder aufzufüllen. Ich weiß auch nicht, bis wann ich das Zimmer räumen muss. Daher lasse ich es einfach drauf ankommen und ruhe mich nach dem Frühstück erst ein wenig aus, bevor ich langsam meinen Koffer packe.

      Alles was ich einpacke schüttle ich vorher kräftig aus um möglichst keine der Tigermoskitos im Gepäck zu haben. Es ist wieder sehr heiß heute, sicherlich gut über 30°C und weit und breit keine Wolke zu sehen.

      Kurz vor 12.00 Uhr checke ich aus und warte vor dem Hotel im Schatten auf Davy und den Fahrer. Pünktlich um 12:00 Uhr erscheinen beide, diesmal ist es wieder der mürrische Fahrer, der aber heute wohl einen besseren Tag hat. Jedenfalls begrüßt er mich sogar.



      Auch sein Fahrstil hält sich heute in Grenzen, man könnte ihn fast schon als gemäßigt bezeichnen. Wir fahren vom Hotel aus über Ribeira Grande und die schöne Küstenstraße nach Ponta do Sol. Ich hoffe, dass sich mein Darmproblem wenigstens während der kleinen Wanderung zurück hält. Gleich am Ortsanfang, an der kleinen Kapelle lässt uns der Fahrer raus, meinen Koffer kann ich im Auto lassen. Der Weg führt nun stetig leicht bergan und bald schon befinden wir uns hoch über dem Ort.



      Schon bald zeichnet sich die imposante Küstenlinie vor uns ab, während Ponta do Sol tief unter uns zurückbleibt. Auch kommen uns andere Wanderer hier entgegen, aber viele sind es nicht. Der Weg soll hin und zurück jeweils rund eine Stunde dauern, wie mir Davy mitgeteilt hat. Die Sonne knallt inzwischen richtig stark herunter und ich benutze wieder meinen Hut mit Nackenschutz. Meine Trinkflaschen habe ich natürlich auch wieder gefüllt dabei, die braucht man hier einfach.



      Wir kommen oberhalb eines Feldes von grauen Betonkästen vorbei und Davy erklärt mir, dass es sich dabei um Schweineställe handelt. Tatsächlich müssen wir nun auch einem PickUp Platz machen, welcher von diesen Ställe kommt und weiter den steinigen Weg hinauffährt. Der steinige Pfad gleicht dem Weg von Cova ins Paultal. Immer wieder machen wir kurz Halt um die tolle Aussicht auf diesen Küstenabschnitt zu genießen.



      Leider spielt mein Darm doch nicht ganz mit und als wir einen ersten Blick auf Fontainhas erhaschen, muss ich mich kurzzeitig ins Gebüsch verabschieden. Wir wandern noch ein, zwei Kurven weiter und haben dann einen tollen Blick auf den Ort mit der zweitschönsten Lage der Welt, laut National Geographic (eine Information von Davy). Nur ein Ort irgendwo in Frankreich soll noch schöner liegen.



      Nun wird es Zeit wieder umzukehren. Auch auf dem Rückweg treffen wir immer wieder einzelne Wanderer. So richtig genießen kann ich den Rückweg allerdings nicht, da ich doch erhebliche Probleme im Magen-Darm-Bereich habe. Daher geht es auch nur langsam voran, doch irgendwie kommen wir Ponta do Sol langsam wieder näher.



      Davy erreicht den Fahrer schließlich mit dem Handy und dieser kommt uns dann sogar bis etwa in Höhe der Schweineställe entgegen. Wir fahren noch kurz nach Ponta do Sol hinein, da ich mir noch eine große Flasche Wasser kaufen will.
      Da ich die komplette Küste bis Porto Novo ja schon kenne, lege ich mich auf der Sitzbank während der Fahrt lang. Dadurch kann ich Magen und Darm gut entlasten und es wird mir wieder etwas besser.
      Die Fahrt dauert gut über eine Stunde und wir treffen um ca. 15:30 Uhr am Fährterminal in Porto Novo ein.

      Ich verabschiede mich von Davy und dem Fahrer und steuere auf die Treppen zum Terminal zu. Die Rolltreppen funktionieren ja nicht und ich bin froh seitlich einen Aufzug zu sehen. Doch ein Bediensteter des Terminals gibt mir zu verstehen, dass auch dieser nicht in Betrieb ist. Also schleppe ich mein Gepäck die gut 80 Stufen hinunter und komme mir irgendwie vor wie in Hamburg bei der S- und U-Bahn.

      Im Terminal ist es stickig und ich kaufe mir noch etwas zu trinken, die Flasche von Ponta do Sol ist fast schon wieder leer. Ich muss hier im Terminal schließlich bis 16:30 Uhr ausharren.



      Doch auch um 16:30 Uhr bleibt die Tür hinaus auf den Kai immer noch verschlossen, inzwischen ist mein Hemd komplett durchgeschwitzt und ich kann es im wahrsten Sinne des Wortes auswringen.
      Erst kurz vor 17.00 Uhr wird die Tür geöffnet und ich stürme als erster hinaus und gehe zur wartenden Fähre. Den Koffer gebe ich wieder unten ab und steige hoch aufs Oberdeck. Viele Passagiere kommen nicht an Bord und ich lege mich daher auf einer Bank lang hin.
      Die Fahrt über den Kanal empfinde ich nicht nur wegen des kühlen Windes als absolut angenehm. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte diese Fahrt ruhig die ganze Nacht dauern können.



      Doch bereits nach gut einer Stunde legen wir in Mindelo an. Als einer der Letzten verlasse ich die Fähre und gehe mit meinem Gepäck durch das Terminal. Draußen wartet schon ein Fahrer auf mich und ein weiteres Paar. Das Paar setzt er am Plaza ab und mich schließlich am Kira's. Als er mir den Abholtermin für die Mindelensische Nacht heute mitteilen will, sage ich diese ab.
      In meinem jetzigen Zustand macht eine Teilnahme für mich überhaupt keinen Sinn und würde mir nur Probleme bereiten. Wann er mich morgen zum Flughafen abholen will, will er morgen per Telefon mitteilen.

      Im Kira's bekomme ich diesmal ein wunderschönes Zimmer im zweiten Stock nach hinten hinaus. Dieses Zimmer hat sogar eine Klimaanlage, die ich heute gerne nutze.



      Bei der herrschenden Hitze trocknet feuchte Kleidung sicherlich recht schnell denke ich mir und nutze die Gelegenheit meine durchgeschwitzten Hemden der letzten Tage im Bad zu waschen und zu trocknen.
      Auf ein richtiges Abendessen habe ich keinen Appetit und so verspeise ich einige meiner mitgebrachten Müsliriegel. Danach bin ich froh mich in einem angenehm temperierten Raum ins Bett legen zu können. Ich hoffe die Nacht wird nicht so schlimm wie die letzte.


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    • 13.Oktober --- Mindelo – Praia



      Die Nacht im dem Zimmer zur Rückseite war erheblich ruhiger als die ersten beiden Nächte im Zimmer zur Straße. Trotz dem Geräusch der Klimaanlage habe ich zumindest in den Zeiten gut geschlafen, in denen ich nicht die Toilette aufsuchen musste.

      Meine Hemden sind fast komplett trocken, als ich am Morgen zum Frühstück gehe. Anschließend packe ich meinen Koffer wieder soweit vor, dass nur noch die Hemden und einige Kleinigkeiten hinein müssen.
      Ich frage an der Rezeption, wo ich Postkarten und Briefmarken kaufen kann und mache mich danach auf den Weg. Das Geschäft mit den Andenken und Postkarten befindet sich gleich hinter der Plaza in einer Nebenstraße, hat aber noch geschlossen. Also mache ich mich auf den Weg zur Post, die nur wenig entfernt ist.
      Vor der Post warten schon viele ärmlich aussehende Einheimische. Es scheint so, als bekämen sie hier bei der Post wohl eine Art staatliche Hilfe ausbezahlt. Sie haben alle kleine blaue Zettel mit Nummern in der Hand.
      Ein Bediensteter in der Tür lässt mich ein und ich muss mir auch einen Zettel ziehen, allerdings einen gelben. Der gilt für einen anderen Schalter als der blaue und ich komme hier als fünfter an die Reihe. Nachdem ich die Briefmarken in der Tasche habe, spaziere ich zurück zu dem Andenkenladen, der inzwischen geöffnet hat.
      Groß ist die Auswahl an Ansichtskarten nicht und auch die Qualität lässt zu wünschen übrig. Ich suche mir noch die schönsten aus und gehe zurück zum Hotel.

      Auf meinem Zimmer schreibe ich die Karten und klebe die Briefmarken drauf. Ich bringe diese zur Rezeption und frage, ob ich sie dort abgeben darf und sie dann zur Post gelangen. Selbstverständlich kümmert man sich darum. Ich erfahre auch, dass mein Fahrer mittlerweile angerufen hat und mich um 16:30 Uhr abholen wird.
      Ich darf mein Zimmer bis dahin behalten, da es nicht weiter vermietet ist. Überhaupt ist man hier im Hotel wieder sehr nett und hilfsbereit. Die Chefin ist jetzt auch da, sie spricht auch etwas deutsch und wir unterhalten uns kurz.

      Die weitere Zeit ruhe ich mich auf dem Zimmer aus und nachdem auch das letzte Hemd trocken ist, packe ich meinen Koffer fertig. Auf ein Mittagessen verzichte ich um dem Darm noch etwas Ruhe zu gönnen. Heute Abend werde ich ja in Praia in einem großen 4-Sterne-Hotel sein, dass auch ein Restaurant hat. Ich freue mich schon darauf dort in aller Ruhe gepflegt zu Abend zu essen.

      Gegen 16:20 Uhr verlasse ich das Zimmer und checke aus. Ich warte im Schatten des schönen Hinterhofes auf die Ankunft des Fahrers. Gegen 16:40 Uhr trifft dieser auch ein. Ich verabschiede mich im Hotel und nach einer kurzen Fahrt sind wir um 17:00 Uhr am Flughafen.
      Meinen Koffer werde ich gleich los. Erlaubt sind auf den Flügen der TACV nur 20 kg, doch die 22,8 kg meines Koffers werden nicht beachtet. Der Zugang zum einzigen Gate des Flughafens ist aber noch geschlossen. In der Vorhalle ist es ähnlich stickig wie im Fährterminal von Porto Novo. Das Jahrestreffen der westafrikanischen Stubenfliegen ist immer noch im Gange (siehe Ankunft erster Tag), so habe ich wenigstens eine Beschäftigung .

      Der Flug nach Praia soll um 18:10 Uhr starten und die Landung ist für 19:05 Uhr geplant. Ich rechne also so etwa mit 17:30 Uhr als Öffnungszeit für das Gate. Doch selbst um 17:45 Uhr tut sich noch nichts. Da ich schon in den Reiseführern gelesen hatte, dass man es hier mit den Flugzeiten nicht so genau nimmt, bin ich auch nicht verwundert, als um 18:00 Uhr der Gatebereich noch geschlossen ist.
      18:15 Uhr, keine Aktivitäten. Um 18:25 Uhr kann ich zumindest die Maschine landen und ans Gate rollen sehen. Schließlich öffnet um 18:40 Uhr der Gatebereich und wir müssen durch die Sicherheitskontrolle, einem Röntgengerät auf einem Küchentisch für das Handgepäck und dem üblichen Metalldetektorrahmen für die Passagiere.

      Am Gate sind schnell die Sitzbänke besetzt. Jetzt geht ein Angestellter durch die Reihen und sammelt die Abschnitte der Bordkarten ein. Ich bin froh den Platz 3 B zu haben und mich nicht durch die kleine Maschine zwängen zu müssen.
      Um 18:51 Uhr öffnen sich die Türen zum Vorfeld und wir dürfen zur Maschine gehen. Einstieg ist nur hinten :dash: , also doch durchzwängen. Um 19:00 Uhr starten wir schließlich und landen nach dem kurzen Flug um 19:45 Uhr in Praia. Ich muss gut 10 Minuten auf meinen Koffer warten. Am Terminalausgang wartet schon mein Guide mit Fahrer auf mich. Der Flughafen wird zur Zeit umgebaut, daher kann man nicht direkt am Terminal parken. Wir laufen gut 10 Minuten bis zum Auto. Schnell merke ich, dass der Guide gerne und viel erzählt. Auf dem Weg zum Auto erfahrer ich die komplette Entstehungsgeschichte des Flughafens, warum er ausgerechnet Airport Nelson Mandela heißt und nun in italienischer Hand ist und umgebaut wird. Der Weg zum Auto wird dadurch gefühlt 20 Minuten lang.



      Die Fahrt durch die Hauptstadt der Kapverden dauert gerade mal sieben Minuten. Genug Zeit für meinen Guide, um mir die komplette Geschichte der Stadt und der Insel zu erklären. Am Hotel verabschiedet er sich bis zum nächsten Tag, um 9:00 Uhr will er mich zur Inselrundfahrt abholen. Ich bin mir zwar noch nicht sicher, ob ich die Fahrt aufgrund meiner momentanen Problematik mitmachen kann, aber ich hoffe doch dass es geht.
      Ich bekomme an der Rezeption meinen Zimmerkey und soll warten, bis mich ein Angestellter dorthin führt.



      Nach mir checkt noch ein Paar ein und nach einiger Zeit kommt ein junger Angestellter und nimmt sich die beiden Koffer des Paares und marschiert mit ihnen los. Die Dame an der Rezeption gibt mir ein Zeichen dort mitzugehen. Nun hat mein Koffer vier Rollen und lässt sich problemlos nebenher rollen, etwas unhöflich mir gegenüber finde ich es aber schon. Entweder lässt man alle Gäste ihr Gepäck selbst schleppen oder man beauftragt einen zweiten Angestellten.
      Na ja, eigentlich ist es mir aber egal. Ich bin froh endlich ein Zimmer und damit auch eine Toilette zu bekommen und langsam meldet sich der Hunger doch massiv.



      Die Anlage ist sehr weiträumig (die Bilder habe ich am nächsten Morgen gemacht) und nach einiger Zeit gibt mir der Angestellte zu verstehen, ich soll die Stufen rechts hinabgehen und würde dort mein Zimmer finden. Es sind glücklicherweise nur sechs Stufen und so stehe ich bald vor meinem Zimmer.
      Ich öffne die Tür und will eintreten, doch die Hitze in dem Zimmer wirft mich gleich wieder zurück. Es sind sicherlich gut über 40°C in dem Zimmer. Ich gehe dann hinein und schalte zuerst die Klimaanlage ein. Diese zeigt auch 17°C an und beginnt zu blasen. Ich stehe davor und warte auf den kühlenden Luftstrom. Der Luftstrom kommt auch, aber von Kühle kann keine Rede sein. Auch nach gut 10 Minuten kommt nur ein heißer Luftstrom aus der Anlage.
      Ich nehme mein Gepäck wieder auf und gehe zurück zur Rezeption um dies zu reklamieren. Dort schickt man mich zurück zum Zimmer, ein Techniker sei benachrichtigt und käme zur Reparatur.

      Wenig später erscheint auch ein Mann in einem Monteursanzug und stellt sich vor die Klimaanlage. Er deutet auf den Luftstrom und will schon wieder gehen, quasi nach dem Motto „läuft doch“. Ich halte ihn zurück und mache ihm klar, dass hier die Kühlung fehlt. Nach weiteren gut 10 Minuten scheint er das Problem endlich zu erkennen und er telefoniert per Handy mit der Rezeption. Ich bekäme ein anderes Zimmer und soll zurück zur Rezeption. Also erneut mit dem Gepäck den Weg zurück zur Rezeption. Mein Key wird umprogrammiert und der junge Angestellte schiebt diesmal meinen Koffer zum neuen Zmmer.
      Wir öffen die Tür und erneut schlagen mir Saunatemperaturen entgegen. Kein Problem meint der junge Mann und schaltet die Klimaanlage ein, die 13 °C anzeigt. Es kommt ein Luftstrom, genauso heiß wie die Luft im Zimmer. Es dauere etwas meint der junge Mann, ich warte lieber vor der Sauna, äh dem Zimmer.
      Nach gut 10 Minuten ruft er mich hinein, nun käme kühle Luft. Der Luftstrom mag vielleicht keine 40 °C mehr haben, aber weniger als 32°C sind es sicherlich nicht. Es dauere sicherlich noch etwas meint der Mann. Ich mache ihm klar, dass ich nur zwei Nächte hier bin und daher nicht eine Woche auf Kühlung warten kann. Daher weigere ich mich strikt dieses Zimmer zu nehmen.
      Während ich draußen warte, hat er wohl die Hoffnung noch nicht aufgegeben und wartet erneut noch über 15 Minuten auf den erlösenden kühlen Luftstrom, der sich allerdings nicht einstellen will.



      Sichtlich verlegen telefoniert er dann erneut mit der Rezeption und bittet mich um noch etwas Geduld. Nach weiteren 10 Minuten, die wir vor dem Zimmer warten bekommt er einen Anruf. Wir gehen nun den Gang entlang zurück und halten vor einer Tür zu einem Zimmer zur Hotelinnenseite, die anderen wären zur Seeseite gewesen. Er klopft dort an und ein Zimmermädchen kommt heraus mit gebrauchten Handtüchern über dem Arm.
      Im Zimmer ist es angenehm kühl und die Klimaanlage wird ihrer Bezeichnung auch gerecht. Das Bad ist erkennbar erst vor Kurzem benutzt worden. Auf dem Boden sind deutlich eingetrocknete Wasserflecken zu erkennen und im und um das Waschbecken herum sind neben Wasserflecken auch Reste von Zahnpasta zu sehen.



      Mir ist es aber inzwischen auch egal, ich bin froh ein kühles Zimmer und vor allem eine Toilette zu haben und nehme das Zimmer trotzdem. Mit der Bemerkung, er bringe mir gleich noch frische Handtücher verabschiedet sich der junge Mann.
      Mittlerweile ist es nach 22:00 Uhr und das Restaurant hat geschlossen. Meine letzten beiden Müsliriegel müssen als karges Mahl herhalten.

      Im Kühlschrank befindet sich nur eine kleine Flasche Wasser, die nach einem kräftigen Schluck nur noch totale Leere aufweist. Nach 10 Minuten klopft es und der junge Angestellte bringt mir die Handtücher. Ich bitte ihn mir noch eine große kalte Flasche Wasser zu bringen.
      Die Wartezeit verbringe ich mit der Jagd auf zwei, drei Moskitos im Zimmer. Diesmal sind es normale Stechmücken und keine Tigermoskitos.
      Um 22:40 Uhr bekomme ich endlich die Flasche Wasser, allerdings warm. Ich stelle sie in den kleinen Kühlschrank, damit ich wenigstens morgen auf der Fahrt ein kühles Getränk habe.

      So habe ich mir den Abend in dem 4-Sterne-Hotel nun wirklich nicht vorgestellt. Es kann nun nur noch besser werden, denke ich mir bevor ich einschlafe.

      --- es folgt der 14.Oktober ---
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • 14.Oktober --- Praia, Botanischer Garten, Assomada, Tarrafal, Ostküste, Praia



      Ich bin schon recht früh wach, habe aber den Umständen entsprechend gut geschlafen. Der Darm hat sich recht ruhig verhalten und weitere Stechmücken haben mich auch nicht geärgert. Den Vorhang des Zimmers kann man zwar aufziehen, aber da das Zimmer direkt am Hauptweg liegt, zudem noch etwas unterhalb kann jeder ins Zimmer hineinschauen, der draußen vorbei geht.

      Nach einer längeren Duschzeit, das warme Wasser braucht sehr lange bis es den Weg aus dem Duschkopf findet, suche ich das Restaurant zum Frühstück auf. Zumindest das Frühstücksbuffet hat 4-Sterne-Standard. Zum ersten Mal auf den Kapverdischen Inseln bekomme ich auch ein gekochtes Ei und verschiedene Brötchen, darunter auch eine Art Roggenbrötchen.
      Ich setze mich an einen der Tische vor dem Restaurant mit Blick auf die Bucht von Praia. Nach dem Frühstück fühle ich mich wesentlich besser und habe nun auch keine Bedenken für die heutige Inselrundfahrt.



      Pünktlich um 9:00 Uhr steht mein Guide mit Fahrer vor der Rezeption. Ich mache es mir auf der Sitzbank hinter dem Fahrer bequem. Schon als wir durch Praia fahren bekomme ich wieder reichlich Text zu hören. Zwar erklärt mir der Guide auch, wie ich morgen mit meinem Mietwagen zu fahren habe um die Stadt schnell zu verlassen, aber durch die vielen zusätzlichen Beschreibungen anderer „Sehenswürdigkeiten“ kann ich mir den Weg nicht komplett merken. Wir kommen nach einigem Hin und Her wieder am Flughafen vorbei und nehmen die breite Straße Richtung Norden.



      Auf den ersten Kilometern komme ich kaum dazu Bilder zu machen. Der Guide erklärt mir in jedem kleinen Ort welches die öffentlichen Gebäude sind, wo welche Schule ist und mit welchen europäischen Fördergeldern sie gebaut wurde. Zwischen den Orten erfahre ich was auf welcher Plantage angepflanzt wird und auf welcher Insel das Gleiche wächst, sowie wann die Straße gebaut und erneuert wurde. Es dauert nicht lange, bis ich nur noch automatisch nicke und mit Bemerkungen wie: „interesting“, „really?“ und „nice“ antworte. Aber er erzählt mit solchem Eifer und mit einer solchen Begeisterung, dass ich ihn auch nicht vor den Kopf stoßen will und mich in mein Schicksal ergebe .



      Bald schon kündigt er mir den Besuch des Botanischen Gartens südlich von São Jorge dos Órgãos an. Ich freue mich schon mal einige Minuten alleine durch den schattigen Park zu schlendern, aber zu früh gefreut. Er geht natürlich mit, schließlich muss er mir ja die ganzen Pflanzen erklären :wacko1: . Der Garten ist nicht wirklich groß, hat aber auf dem relativ kleinen Raum doch eine Vielzahl an unterschiedlichen Pflanzen zu bieten.



      Wir nehmen quasi einen kleinen Rundkurs durch den Garten. Viele Pflanzen kenne ich schon von Mauritius und den botanischen Gärten auf den Azoren, so den Elefantenbaum, den ich auf der Ile aux Aigrettes damals häufig und in wesentlich größerer Ausführung gesehen habe. Der ganze Rundgang dauert auch nicht länger als 20 Minuten und wir sitzen wieder im Kleinbus.



      Wir fahren wieder die Nebenstraße zurück bis zur Hauptroute und wenden uns dort wieder nach Norden. Auf dem weiteren Weg fahren wir an vielen kleinen Ortschaften vorbei, mit vielen Schulen und öffentlichen Gebäuden. Dementsprechend gibt es viel zu erzählen .



      Unser nächster Stopp ist ein Aussichtspunkt am Fonte Lima, kurz vor Assomada. Die Aussicht hier ist wirklich schön und für wenige Minuten ist sogar mein Guide schweigsam, bevor er mir etwas über die Landschaft erzählt. Schon geht die Fahrt weiter hinein in die Stadt.



      Assomada ist mit über 13.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt der Kapverden nach Praia und Mindelo. Es ist eine quirlige Stadt in der ein stetiges Treiben herrscht. Bekannt ist Assomada vor allem durch seinen berühmten Markt, der an bestimmten Tagen in der ganzen Stadt stattfindet.



      Heute ist jedoch ein eher ruhiger Tag und nur rund um den eigentlichen Markt ist wirklich viel los. Obst, Gemüse, Fleisch und natürlich Fisch wird hier überall angeboten. Auch PiriPiri, die kleinen scharfen Chilischoten findet man hier.



      Wir bummeln ausgiebig durch die Stadt und den Markt. Mein Guide unterhält sich dabei mit vielen Einheimischen in der hier üblichen Sprache, dem Kiriolu, eine Mischung aus kreolisch und portugiesisch mit afrikanischen Einflüssen.
      Nach dem Rundgang fahren wir weiter in Richtung Norden und schon bald bietet sich wieder ein weiter Blick ins Land.



      Die Strecke steigt nun erst leicht und danach immer steiler an. Vor uns liegt die Serra Malagueta, ein über 1.000 Meter hoher Gebirgszug, der den Norden der Insel von der südlichen Seite abgrenzt. Die Passstraße führt immer höher hinauf und auf der Höhe machen wir einen kurzen Fotostopp. Auf der Abfahrt kann man in der Ferne schon die Ortschaft Tarrafal, unser nördlichstes Ziel und mein Domizil ab morgen erkennen.



      Kurz vor Tarrafal biegen wir von der Hauptstraße ab und nach wenigen Metern stehen wir vor dem Campo do Tarrafal, einem ehemaligen Konzentrationslager. Das portugiesische Salazarregime nutzte dieses Lager von 1936 bis 1954 für politische Gefangene. Etwa 340 Gefangene waren in diesen Jahren hier inhaftiert, wovon 32 den Tod fanden.



      Ab dem Jahr 1961 wurde das Lager aber erneut wieder genutzt, diesmal unter dem Namen Campo de Trabalho de Chão Bom als Arbeitslager. Mitglieder verschiedener Unabhängigkeitsbewegungen von Kap Verde, Angola und Guinea-Bissau wurden hier präventiv ohne Gerichtsverhandlung eingesperrt.



      Erst am 1.Mai 1974 nach der Nelkenrevolution in Portugal befreite die Bevölkerung von Santiago die Gefangenen. Das Lager wurde dann noch bis zum Juli 1975 als normales Gefängnis genutzt, bevor es endgültig geschlossen wurde.
      Wir sind heute hier alleine in der Anlage unterwegs und ich kann mir alles in Ruhe anschauen. Ist schon irgendwo eine bedrückende Atmosphäre.



      Bis Tarrafal ist es nun nur noch eine kurze Fahrt. Wir parken direkt am herrlichen Strand, dem schönsten auf der Insel Santiago. In einem Restaurant hoch über dem Strand gibt es nun ein gutes Mittagessen. Anschließend habe ich noch Zeit, den Strand und das herrliche Wasser auszuprobieren. Gut eine halbe Stunde lasse ich mich im herrlichen Wasser ein wenig hin und her treiben.
      Zum ersten Mal seit ich auf den Kapverden bin kommt so etwas wie Urlaubsstimmung auf.



      Die Rückfahrt machen wir dann entlang der Ostküste der Insel. Mein Guide hat jetzt wohl auch ein Einsehen und ich bekomme nur noch dann und wann eine kurze Erklärung. Ich genieße diese ruhige Fahrt in vollen Zügen. In den Ortschaften befinden sich an den Fußgängerüberwegen immer hohe Schwellen in den Straßen. Einmal übersieht der Fahrer eine solche und wir fahren zu schnell darüber. Es scheppert kräftig und allzu oft sollte man dies nicht mit einem Fahrzeug machen.



      Die Küste ist hier überwiegend steinig, was aber daran liegt, dass seit Jahrzehnten der Sand der ehemaligen Strände systematisch Eimer für Eimer abgebaut und zum Bau der Häuser verwendet wurde. Inzwischen hat dieser Sandraubbau bedrohliche Ausmaße angenommen und wird von den Behörden bekämpft. Einige Steinbrüche sind stattdessen entstanden, die nun Sand und Steine für den Hausbau liefern.



      Dieser Küstenabschnitt ist definitiv ohne jede Form von Tourismus. Hier kann man in den kleinen Orten noch gut die Lebensweise der Kapverdianer sehen. Die Straße schlängelt sich entlang der Küste bis zur Ortschaft Pedra Badejo, danach führt sie wieder ins Landesinnere.



      Einmal führt die Straße nun sogar durch einen längeren Tunnel. Hier auf der Höhe fahren wir wieder durch viele Plantagen und mein Guide erzählt nun wieder etwas mehr, sind doch auch wieder Schulen zu sehen, die mit europäischen Fördergeldern gebaut wurden.



      Bald sehen wir den Flughafen von Praia wieder vor uns auftauchen. Die Häuser werden wieder mehr und wir fahren die breite Straße vom Flughafen hinab in die Stadt. Vorbei geht es an der großen Bucht, in der einige Schiffe ankern. Gegen 16:45 Uhr erreichen wir das Hotel wieder.
      Ich frage den Guide noch, ob es gefährlich ist, den alten Leuchtturm der nur gut 500 Meter vom Hotel entfernt auf der Landzunge steht zu besichtigen. Er rät mir dies nur im Hellen zu machen, nach Einbruch der Dunkelheit sei dies zu gefährlich, da sich dort immer viele Kriminelle herumtreiben.

      Ich will also nur schnell meine Tasche ins Zimmer bringen um dann noch einige Fotos am Leuchtturm zu machen. Doch an meinem Zimmer angelangt, funktioniert mein Key nicht mehr. Ich gehe zur Rezeption um dies zu reklamieren und der junge Angestellte beginnt mich aus zu checken :dash: . Es dauert etwas, bis ich ihm klarmache, dass ich das Zimmer für zwei Nächte gebucht und bezahlt habe, dabei hilft mir mein Guide, der noch hier ist.
      Der Angestellte reaktiviert meinen Key und ich gehe zurück zum Zimmer. Als ich das Zimmer öffne die nächste Überraschung. Mein Bett liegt noch so da, wie ich es am Morgen verlassen habe und es ist weder das Zimmer noch das Bad gemacht.

      Inzwischen bin ich doch recht sauer, meine gute Laune von diesem schönen Tag ist dahin. Ich lege meine Tasche ab, nehme meine Kamera und gehe zur Rezeption. Hier reklamiere ich das Zimmer und verlange, dass das Zimmer wenn ich vom Fotografieren zurück komme gemacht ist.



      Auf dem Weg zu dem Leuchtturm sollte besser niemand versuchen mich zu überfallen. Mit meiner momentanen Wut im Bauch wäre dies keine gute Idee. Als ich schließlich zurück bin, ist das Zimmer natürlich noch nicht gemacht, nur meine Wut ist etwas verraucht. Ich warte gegenüber einige Minuten, dann kommt die Putzbrigade. Als sie wieder geht und mir zu verstehen gibt, das Zimmer sei jetzt fertig, gehe ich wieder hinein.
      Das Zimmer ist quasi geflutet und es dauert noch gut 20 Minuten, bis der Boden wieder trocken und begehbar ist. Zu allem Überfluss entdecke ich jetzt noch einen Tigermoskito im Zimmer. Nach dem guten Essen heute Mittag habe ich keinen rechten Hunger mehr und beschäftige mich lieber mit meinen Bilder.

      Morgen früh bekomme ich einen Mietwagen und fahre nach Tarrafal, der letzten Station meiner Kapverdenreise.
      Kurz bevor ich mich hinlege erwische ich den Tigermoskito noch. Der stört mich auf jeden Fall nicht mehr heute Nacht.


      --- es folgt der 15.Oktober ---
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    • 15.Oktober --- Praia – Tarrafal, King Fisher Resort



      Die Nacht habe ich ganz gut überstanden und nach einem ausgiebigen Duschen lasse ich mir beim Frühstück reichlich Zeit. Der Koffer ist schnell wieder gepackt und kurz nach 9:00 Uhr verlasse ich das Zimmer und checke aus. Meinen Mietwagen soll ich hier um 10:00 Uhr empfangen.
      Kurz vor 10:00 Uhr kommt eine junge Frau und setzt sich an einen der Tische gegenüber der Rezeption. Ein bisher auf der Schrift liegendes Schild wird von ihr aufgestellt und ich weiß was es mit dem Vermerk „Office in Hotel“ auf meinem Mietwagen-Voucher auf sich hat :mosking: .



      Ich gehe zu ihr und wir klären die Formalitäten. Draußen etwas abseits vor dem Hoteleingang steht ein weißer FIAT Panda und wird noch von einem Mitarbeiter kräftig abgeledert. Sie erklärt mir wo sich die Fahrzeugpapiere befinden, da diese bei Polizeikontrollen gerne kontrolliert werden.
      Der Tank ist fast leer und so brauche ich das Fahrzeug in drei Tagen auch nur am Flughafen wieder abgeben. Für die Strecke bis Tarrafal und zurück, ich habe inzwischen nicht mehr vor irgendwelche Touren zu machen, empfiehlt sie mir etwa 20 Liter zu tanken, da man auf den kurvigen und teils steilen Straßen mehr Kraftstoff als normal verbraucht.



      Die Seitenscheiben fahre ich runter und los geht die Fahrt. Nicht weit entfernt vom Hotel tanke ich noch und fahre dann einfach Richtung Flughafen, die Strecke die mir der Guide gestern empfohlen hat würde ich sicherlich ohnehin nicht mehr finden. Vom Flughafen aus ist die Straße nach Tarrafal gut ausgeschildert und lässt sich auch gut fahren.
      Nur wenig hinter dem Flughafen steht tatsächlich eine Polizeikontrolle. Ich setze meine „Harmloser-Tourist-Maske“ auf und darf auch problemlos durchfahren.



      Die Strecke kenne ich noch gut von gestern, aber es ist schon ein Unterschied ob man selbst fährt oder nur daneben sitzt. Nur an einer Kreuzung bin ich etwas unsicher, wähle aber dem Gefühl nach den Weg und bin dann auch richtig. Es ist recht warm, aber mit den offenen Seitenscheiben lässt es sich im Auto ganz gut aushalten.
      Nur in Assomada wird es stickig. Gegen Gestern ist hier heute die Hölle los. Selbst die Hauptdurchgangsstraße gleicht einer Marktgasse und ich muss höllisch aufpassen, dass mir nicht einer vors Auto läuft. Als ich die Stadt hinter mir habe, mache ich erst mal eine kleine Pause und atme tief durch.



      Jetzt wo ich selbst am Steuer sitze merke ich erst, wie steil es auf die Serra Malaguta hoch geht. Außer mir ist hier aber kein anderes Auto unterwegs und ich lege den einen oder anderen Fotostopp ein. Gestern hatte ich nur während der Fahrt aus dem Kleinbus heraus fotografiert, lediglich oben auf dem Pass hatten wir kurz Halt gemacht.



      Das schenke ich mir aber jetzt. Bei langsamer Fahrt kann ich ganz gut aus dem Auto heraus fotografieren. Der nicht vorhandene Verkehr lässt dies problemlos zu. Die Menschen unterwegs sind meist sehr freundlich und winken mir das eine oder andere Mal herzlich zu.



      Von der Serra Malagueta geht es wieder genauso steil hinab in die nördliche Ebene. Schon kann ich Tarrafal in der Ferne erkennen. Ich bin mittlerweile gut eineinhalb Stunden unterwegs, wobei mich der Verkehr in Assomada rund 10 Minuten gekostet hat.



      Am Konzentrationslager fahre ich diesmal vorbei und habe auch schon die Ortsgrenze von Tarrafal vor mir. Hier hört auch die asphaltierte Straße auf und macht dem alten Kopfsteinpflaster platz. Kurz vor der Ortsmitte biege ich links ab. Ich fahre die Straße bis zur Küste durch und sehe dort schon auf der linken Seite die Einfahrt zum King Fisher Resort, meinem Hotel für die letzten Tage auf den Kapverden.



      An der Rezeption bekomme ich meinen Zimmerschlüssel und werde zu meinem Zimmer geführt. Die Anlage ist wunderschön angelegt, direkt an einer kleinen, schönen Meeresbucht. Mein Zimmer liegt im ersten Stock und gefällt mir auf Anhieb, auch wenn das Moskitonetz über dem Bett für sich spricht. Im hinteren Teil befindet sich ein kleines Bad mit Dusche.



      Vorn heraus gelange ich auf eine geräumige Terrasse mit herrlichem Ausblick auf die Anlage und die Meeresbucht davor. Ich packe meinen Koffer aus und mache es mir im Zimmer gemütlich. Jetzt entdecke ich auch gleich fünf Gründe für das Moskitonetz und mache Jagd darauf – erfolgreich.



      Anschließend mache ich einen ersten Rundgang durch die Anlage. Die Anlage ist rundherum immer geschlossen und wird von Wachpersonal bewacht. Zusätzlich sorgen drei gefährliche vierbeinige Bestien für Sicherheit. Da Gefährlichsein sehr anstrengend ist, müssen sich die Bestien davon natürlich ausgiebig erholen. Jedes mal wenn ich die Bestien in den nächsten Tagen treffe, müssen sie davor sehr gefährlich gewesen sein …..



      Zum Resort gehört auch eine Tauchschule, welche gut besucht wird, wie ich in den nächsten Tagen feststellen kann. Vor dem Frühstücksraum stehen noch zwei große Tische. Nur hier hat man Internetempfang, auf den Zimmer nicht. Oberhalb der Bucht gibt es noch eine Sonnenterrasse mit Sitzgelegenheiten.



      In der Bucht wird auch schon gebadet. Vor allem Einheimische Kinder und Jugendliche haben hier ihren Spaß, aber auch einige Hotelgäste kann ich sehen. Von der Anlage führt ein schmaler Weg zur Bucht. Ein verschließbares Tor sicher die Anlage nachts vor unbefugtem Zutritt von der Bucht.



      Auf der gegenüberliegenden Landseite springen junge Einheimische mit Anlauf ins Wasser. Danach klettern sie wieder die Felsen hinauf, nur um dann erneut zu springen. Nicht alle trauen sich dies wohl, vielleicht auch so eine Art Mutprobe für die Halbwüchsigen.



      Ich frage den Mitarbeiter der Rezeption wann den das Restaurant zum Dinner geöffnet sei. Im Moment ist es noch sehr ruhig in der Anlage. Auf dem Weg zurück zum Zimmer treffe ich Uschi, die deutsche Betreiberin der Anlage. Sie begrüßt mich und wir unterhalten uns kurz.

      Kurz vor Sonnenuntergang mache ich mich dann auch auf den Weg zum Wasser. Eine Metallleiter führt von den Felsen hinab. Das Wasser ist angenehm erfrischend und ich schwimme eine ganze Zeitlang hier herum.
      Besonders als die Sonne über dem Atlantik untergeht, bietet sich mir im Wasser ein fantastisches Panorama.

      Zurück auf dem Zimmer ziehe ich mich um und will zum Essen gehen. Doch in der Anlage ist alles ruhig, nur der Wachmann ist noch da. Das Restaurant sei geschlossen erfahre ich. Da hat mich der Mitarbeiter an der Rezeption und auch Uschi falsch verstanden. Sie meinten wohl die Restaurants im Ort, während ich das in der Anlage meinte.
      Jetzt noch in den Ort zu laufen und mir dort ein Restaurant zu suchen habe ich keine Lust. Zudem ich mir durch eine falsche Restaurantauswahl auch nicht wieder mehr Probleme einheimsen will.



      Also verzichte ich zähneknirschend auf das Abendessen und hebe mir den Hunger fürs morgige Frühstück auf. Auf meinem Zimmer genieße ich zumindest noch die tolle Abendstimmung, bevor ich das Moskitonetz über meinem Bett ausbreite. Mit dem Gedanken, dass mich gefährliche Bestien beschützen schlafe ich friedlich ein.


      --- es folgt der 16.Oktober ---
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
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    • Wenn ich so lese, wie of Du armer Kerl auf den Kapverden auf Essen verzichten musstest oder hast - das war wohl der reinste Fastenurlaub. :)

      ​Aber danke für Deine tollen Eindrücke von unbekannten Gefilden !
      Es grüßt Capricorn :hut:

      7/11 RW // 3/12 NX // 7/12 FM/VE // 3/13 VE // 1/14 TF // 3/14 LO //
      7/14 NX Verweise auf Reiseberichte im Profil