Die vierte Tour - alles vertraut und doch alles neu - MS Polarlys

    • B-K-T
    • Dienstag, 01.11.2016


      Viele von Euch kennen sie, diese Tage, an denen man soviel erlebt und gesehen hat, und doch wenig darüber ezählen kann, weil es nicht Ereignisse waren, sondern eine einzige unbeschreibliche Abfolge von Lichtstimmungen und Farben und Momenten, die man vielleicht bruchstückhaft mit einer Kamera festhalten kann, aber der einzige zuverlässige Speicher das Fühlzentrum irgendwo links im Herzen ist.

      Heute war so einer. Zuerst die Schiffsbegegnung mit der MS Richard With in der Morgendämmerung, der Sonnenaufgang, die Stadtrundfahrt in und über Hammerfest , der Sonnenuntergang und dann die Dämmerung.
      Alles Licht, alles Farbe, alles Walzer. ;)

      Und ich vermute mal, genausolche Tage sind es, welche machen, dass man, kaum hat man eine Tour beendet, daheim sitzt mit einer schmerzhaften Sehnsucht im Herzen, die man eigentlich nur damit bekämpfen kann, sich an eine erneute Planung für solche Tage zu machen. Neben dem, sich nach dem einen oder anderen Erinnerungsbild daheim in aller Ruhe hinzusetzen, die Augen zu schliessen und es aus dem Gedächtnis wieder hochzuholen, wie glücklichmachend und euphorisierend solche Tage sind.

      Der Morgen:




      Der Mittag mit Hammerfest :






      Der "Abend"





      Tageserkenntnisse:

      - jemandem auf dem Schiff einen kleinen Gefallen zu tun, kann darin enden, ein Glas der Moltebeerenmarmelade geschenkt zu bekommen, dass man sich selber nie gönnen wollte. Ich hatte feuchte Augen, und das lag nicht am eisigen Wind.

      - ich wäre schon lang müde genug fürs Bett, draussen ist es seit langem dunkel, aber wir mussten ja unbedingt noch in der Sommerzeit und im Süden das Mitternachtskonzert buchen. Das bedeutet, wir müssen noch 6 1/2 Stunden durchhalten, bis es anfängt, und ins Bett kommen wir frühestens in 9 Stunden. Ich brauch Kaffee, viel mehr Kaffee....

      Gute Nacht, schlaft gut :sleeping:
      Jacqueline, die Ermüdete von und zu Schläfrigkeit
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3
    • Jacqueline, Du könntest ja zwischen Abendessen und Konzert eine Runde schlafen - allerdings gibt es rund um Tromsø gerne mal Nordlicht - und heute hat es kp 3, da bestehen Chancen auch dafür! Grün fehlt ja heute noch in der Farbpalette! :love:
      Also weiter durchhalten, denn Schlaf auf einer Hurtigreise wird ohnehin überbewertet! :thumbup:

      Danke für Deinen emotionalen Bericht! Ich freue mich jeden Tag auf´s Lesen!
      Viel Spaß im Konzert!
      Gerda (Alta Connection) :lofoten2:
    • Gerda, das kann ich nicht - da steht ein Vortrag vom Kapitän auf dem Programm über Navigation und Erfahrung, das möchte ich unbedingt hören, und draussen grünt es auch schon wieder ein bisschen - und wie Du sagst, Schlaf wird überbewertet.
      Ich hab wohl einfach einen Winterzeit-Jetlag durch die doofe Zeitumstellung.
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3
    • Jetzt muss ich mich auch einmal bedanken für die vielen stimmungsvollen Beschreibungen und Fotos. Ganz oft hast Du mir einfach aus der Seele gesprochen und mich an unsere eigenen Erlebnisse mit den nördlichen Himmelsfärbungen erinnert.
      Zwar machen wir nächstes Jahr eine Fahrt zur aller hellsten Zeit, aber den Plan einer Herbst- oder Wintertour werde ich weiterhin unbedingt verfolgen.

      Viele Grüße und weiterhin :godtur:

      Laminaria


      Reiseberichte in meinem Profil
    • Puuuhhh, deine Fotos und deine Beschreibung treffen mitten ins Herz und irgendwo in der Magengrune kribbelt es auch......
      <3 -lichen Danke, es macht soviel Spaß mit dir mitzureisen. Bin auch total gespannt was die Dunkelheit mit mir macht....
      LG Sehpferd /Helga :ilhr:

      [/url]
    • Mittwoch, 02.11.2016


      ****
      Wer das Wort "Ende" oder "Abreise" in meiner Anwesenheit hier erwähnt, muss mit bösen Blicken nicht unter 2 Mnuten rechnen. ICH WILL DAS NICHT WISSEN!!!!
      ****


      Nachtrag von gestern abend:
      wie @norwegenfan.123 gestern schon feststellte, hat in der Farbengalerie etwas gefehlt. Damit haben wir uns die Zeit bis zu dem wunderbaren Mitternachtskonzert vertrieben, zuerst stärker, dann immer schwächer, bis es ganz weg war.


      Doch ganz kurz vor dem Hafen Tromsø kam es nochmal ganz kurz, aber dafür sehr intensiv zurück, und mir gelang mein bisher schönstes Nordlichtbild.


      Der Morgen und der Tag verwöhnte uns mit eisigem, aber klarem Wetter und einer ganz besonders schönen Strecke - ich bin bestimmt nicht die einzige, die Harstad - Svolvaer als einen der schönsten Teile der Reise empfindet:



      Dunkelheit ist nicht einfach dunkel, sondern nur die Möglichkeit, wenig Licht besser zu sehen.

      Der Trollfjord fiel wegen Steinschlaggefahr aufgrund der eisigen Kälte der letzten Tag aus. Für uns war das nicht so schlimm, wir haben ihn ja schon erleben dürfen - aber für Erst- und Einmalfahrer war's schon schade.



      Daneben lag aber wie immer mein Augenmerk auch auf die kleinen Dinge, abseits von Ausflügen und da, wo alle anderen durchlaufen.



      Eigentlich nur Werbeplakate, die dieses Farbenspiel verursachen


      Rauhreif auf Rauhreif auf Rauhreif gibt Eisnadelteppiche


      Das mit dem Littering haben die Möwen ja auch drauf


      die schönste kaputte Scheibe von Stokmarknes


      Neben dem Schiff ist hinter dem Schiff - aber fragt mich nicht, warum die Polarlys da so schwarz geraucht hat...


      Finde den Fehler...


      ****

      Ich möchte mich übrigens sehr bei Euch bedanken für Euren Zuspruch! Er erfreut mich - und er spornt mich an, auch dann, wenn ich müde bin (fast immer), vollgegessen (auch fast immer), keine Lust habe (manchmal), zu faul bin (immer!) dennoch weiterzuschreiben. Und das wiederum ist für mich ein Segen, denn sonst wäre ich mit meinem Reisebericht kaum über den ersten Tag hinausgekommen und hätte mich daheim fürchterlich geärgert, dass ich aus dieser Fülle von Erinnerungen und Erlebnissen keinen klugen Text mehr zusammengebracht hätte trotz Notizen und Rohfassungen.
      Das Hurtigforum macht's möglich, dass ich eine schriftliche und sogar bebilderte Zusammenfassung unserer Reise habe.
      Danke Euch, danke den Forenbetreibern, die hierfür Platz zur Verfügung stellen und danke auch meinen Lesern auf Twitter, die sich hierher begegen, um mich in mehr als 140 Zeichen zu lesen.

      Für heute möchte ich schliessen, die letzte Nacht war sehr kurz, und was weiss ich, was der Abend noch so vorhat mit uns - ich sag nur "sternenklare Nacht"...

      Herzlich aus den Lofoten,
      Jacqueline
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3
    • Hallo Jacqueline
      nochmals Danke für deinen tollen, lebendigen Bericht und die wunderbaren Bilder und noch viel grün von oben und wenig Wellenschlag. :thumbup:
      :lofoten2:
      Gruß
      Jürgen

      Kong Harald 2013 BGO-KKN
      Richard With 2015 BGO-KKN-BGO
      MS Lofoten 2017 BGO-KKN-BGO
      MS Lofoten 2019 BGO-KKN-BGO
    • Marihøna wrote:

      - ich sag nur "sternenklare Nacht"...


      ...und jetzt sag ich nur: ein bisschen später war es über den Wolken sicher immer noch sternenklar und grün, nur haben wir es nicht mehr gesehen. Dafür fühle ich mich jetzt nur noch ein bisschen übermüdet und nicht mehr total und völlig übermüdet.
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3
    • Liebe Jaqueline,

      vielen Dank für die ausführliche und emotionale Berichterstattung und die wunderschönen Fotos! :sdanke:

      Ich freue mich schon immer auf das Tagesfazit! Die folgende Begründung muss ich mir definitiv merken :laugh1: :laugh1:

      Marihøna wrote:

      - Ich glaube, die Kälte hier oben lässt die Körpermasse anschwellen, besonders um den Bauch
      LG Lundefugl
    • 03.11.2016

      Über Wehmut und Sehnsüchte

      Unweigerlich kommt er irgendwann, dieser Punkt, wo man nicht mehr negieren kann, dass diese Reise sich dem Ende zuneigt. Informationen zum Checkout auf dem Tagesprogramm, Mitreisende, die etwas von «Euer letzter Landgang» erzählen, Checkin für den Flug…
      Innerlich wehre ich mich bis zuletzt, diesen Punkt des Eingestehens zu überschreiten, in «letztes Frühstück» , letztes Tageslicht zu denken, verbiege mich und will es einfach nicht wahrhaben, dass die Zeit schon wieder so schnell vorbei ging. Unterdrückte Wehmut macht mir das Herz schwer, aber sie einzugestehen, wäre eben doch ein Schritt Richtung Heimat.
      Doch zum Glück ist diese Phase meistens nicht sehr lang, denn kaum habe ich mir eingestanden, dass es unweigerlich zu Ende geht, kann ich es wieder auskosten, bis zur letzten Minute. Dann ist das Farewell-Dinner ein Signal, wieviel Wunderbares ich auch auf dieser Reise sehen und erleben durfte – und dann wird die Wehmut über das Ende ganz schnell überlagert von Freude, dass ich hier war und noch bin, und all die gemachten Bilder und geschriebenen Texte wecken Sehnsüchte – einfach nur schnell noch mal drinstecken, nur schnell noch mal das sehen können, nur einfach noch mal diese Ruhe spüren…
      …und so werden wohl Wiederholer geboren. Menschen, die sich nicht damit zufrieden geben wollen, das alles schon mal gesehen zu haben, sondern die es immer wieder sehen uns spüren wollen. Und die dann zuerst verblüfft feststellen, dass zwar das Grandiose jede Reise verbindet, aber doch jede einzigartig und ganz anders ist, aus vielen Gründen. Wir dachten, wir hätten es nun gesehen, doch da uns die Absage der Framreise in eine neue klassische Tour manövriert hat, stellen wir nun fest:
      es wird ja mit jeder Tour «schlimmer». Sobald man mal nicht mehr alles unbedingt sehen muss, weil man es schon kennt, entsteht unglaublich viel Platz für neue Erlebnisse, für das kleine neben dem Grossen, für die Stille neben dem Lärm – und ich kann Euch sagen, DAS ist ja noch viel, viel süchtig machender als eine Hurtigrutenreise ja sowieso schon ist.
      Ob es für uns eine fünfte Tour geben wird?
      Nun ja, - 2010 – 2012 – 2014- 2016 - es steht sicher irgendwo auf dieser Welt unter Strafe, eine so regelmässige Zahlenfolge zu unterbrechen :girl:

      Tagesimpressionen:
      Der Tag bricht an, irgendwo nach Ørnes , und schon kommt uns die MS Lofoten in der Morgendämmerung entgegen



      Die letzten Herbstfarben, bevor der Winter kommt - und die Kälte (-2°) und die schneebedeckten Berge, der vielerorts gefrorene Boden sprechen eine deutliche Sprache:




      Die Polarkreisüberquerung hat mir nicht nur einen, sondern drei (!!) Löffel Lebertran beschert - dem Hotelchef werde ich ein allfälliges nächstes Mal tunlichst aus dem Weg gehen :oops:


      Bronnøysund - kein Eis, weil mir einfach zu kalt war, doch ich habe mir eine Stickarbeit gekauft, für die ich mir daheim die Zeit nehmen will, und mich dabei an diese Reise zurückerinnern will, bei jedem Stich - und da sind viele drauf!


      - So ein Hurtigrutenschiff ist der wohl einzige Ort, wo eine gelbe Karte zu bekommen richtig Spass macht - die kann man sich nämlich ins Türschloss stecken, und dann bedeutet sie "late checkout" - so können wir morgen in aller Ruhe packen und frühstücken, bevor wir das Schiff verlassen - und den heutigen Abend noch geniessen - solange wir nicht vor Müdigkeit vom Stuhl rutschen.

      - Ich bin sicher, dass die Polarlys ihre Minibarverkäufe dank unseren Hinweises deutlich steigern kann, wenn sie einen Flaschenöffner dazu legen. :thumbup:

      - wir haben zwischenzeitlich die besten Kenntnisse, wo genau auf dem Schiff man Nescafé, Milch und Zucker in Portionen bekommt, damit der Wasserkocher in der Kabine mehr Sinn macht.

      - die geschenkten Badenmäntel können wir in der Originalverpackung mit nach Hause nehmen, ohne Whirlpool und nur mit Dusche braucht man sie doch eher weniger. Ich bin jetzt schon gespannt, wieviele uns daheim fragen, ob wir sie einfach haben mitgehen lassen.

      - mein unten- oben-Problem der letzten Reisen ist übrigens von einem akuten vorne-hinten-links-rechts-Problem abgelöst worden (anders ausgedrückt - ich laufe öfters in die falsche Richtung...)



      Gute Nacht, Ihr lieben Leser, träumt was schönes,
      Jacqueline



      PS: Den Bericht vom morgigen Tag und ein Resumée schreibe ich wohl erst übermorgen, morgen abend ist erst mal Familie angesagt :love:
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3
    • Es war jeden Tag ein Fest, deinen Bericht zu lesen. Deine Erkenntnisse des Tages gehörten zu meinen Highlights des Tages. Wie oft habe ich herzlich gelacht. Danke dafür! Dein Schreibstil ist eine Gabe. Vielen Dank fürs Mitreisenlassen. Wir sind auch vor 2 Wochen von unserer vierten Reise heimgekehrt und du sprichst uns aus der Seele.
      Gruß aus Bonn
      Rainer

      Reiseberichte und meine eigene Hurtigruten-Homepage mit allen fünf Reisen im Profil.
    • Marihøna wrote:

      Sobald man mal nicht mehr alles unbedingt sehen muss, weil man es schon kennt, entsteht unglaublich viel Platz für neue Erlebnisse, für das kleine neben dem Grossen, für die Stille neben dem Lärm – und ich kann Euch sagen, DAS ist ja noch viel, viel süchtig machender als eine Hurtigrutenreise ja sowieso schon ist.


      Genau so ging und geht es mir auch, liebe Jaqueline! Und die Ruhe und Stille empfand ich als ganz besonders wunderbar.
      Vielen lieben Dank für Deinen tollen Bericht, die so treffenden Worte, den trockenen Humor und die wunderschönen Bilder :love:
      Grüße, Bavaria :)

    • Ich glaube es nicht, Jacqueline, dass diese Reise schon vorbei ist! Bitte fahre die Runde gleich noch einmal und schreibe weiter! Ich lese Dich so gerne :thumbsup: !

      Marihøna wrote:

      wenn sie einen Flaschenöffner dazu legen.

      Wenn Du nicht einen Korkenzieher meinst - in den normalen Kabinen gibt es den Flaschenöffner im Bad am Türstock fix montiert (dieses komische silberfarbene Ding, dass da angeschraubt ist!). Ich könnte mir vorstellen, dass das in den Suiten und Minisuiten auch der Fall ist. Falls Du also vor dem Auschecken hier noch einmal liest, schau doch nach! Ist gut zu klären - nicht mehr für diese Reise, aber für die in 2018! ;)

      Sonst bleibt mir nur mehr, DANKE zu sagen für den tollen Bericht, die Fotos und die Möglichkeit des Mitreisen-Könnens! Ich wünsche Euch beiden eine gute Heimreise und ein sanftes Landen im Familien-Alltag!
      Gerda (Alta Connection) :lofoten2:
    • Marihøna wrote:

      Nun ja, - 2010 – 2012 – 2014- 2016 - es steht sicher irgendwo auf dieser Welt unter Strafe, eine so regelmässige Zahlenfolge zu unterbrechen

      :laugh1:

      Marihøna wrote:

      Ich bin sicher, dass die Polarlys ihre Minibarverkäufe dank unseren Hinweises deutlich steigern kann, wenn sie einen Flaschenöffner dazu legen

      Sowohl mein Männe wie ich haben jeweils einen Flaschenöffner am Schlüsselbund... (nur so als Tipp... - gehört bei uns zur Grundausrüstung ;) )

      Chömet guet hei und es Grüessli mim schöne Bade!!!
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~
      Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~ Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil!