Lüneburg-Kirkenes, über Kleipeda, Riga, Tallinn, Helsinki und Rovaniemi, August 2016

    • 2016
    • Lüneburg-Kirkenes, über Kleipeda, Riga, Tallinn, Helsinki und Rovaniemi, August 2016

      Vorgeschichte

      Auf Grund der grossen Entfernung Kirkenes-Lüneburg beschloss ich, das diesjährige Klassentreffen mit 2 Wochen Urlaub zu verbinden. Gebucht hatte ich nur den Hinflug. Auf dem Rückweg wollte ich mal was Neues kennenlernen und wie früher bei meinen Touren Zeit und Strecke spontan bestimmen.
      Mit den Fähren Kiel-Oslo und Kiel-Göteborg war ich oft gefahren, die Fähre Kiel-Kleipeda kannte ich nur von aussen. Damit war die erste Etappe entschieden. Und von Kleipeda nach Kirkenes sind es auf der Karte ja nur ein paar Zentimeter, da sollte sich schon eine Verbindung finden lassen..

      Die Anreise von Kirkenes verlief nicht gerade rund. Der Bus zum Flughafen Høybuktmoen lies eine Viertelstunde auf sich warten. Was aber nicht weiter schlimm war, da die Maschine nach Tromsø erst mit weit über einer Stunde Verspätung in Kirkenes eintraf. Grund war starker Nebel in der Region Troms. Es blieben aber noch 2 Stunden für einen Spaziergang in meiner geliebten Stadt. In Tromsø hatte ich mich vom ersten Tag an zu Hause gefühlt, in Kirkenes hat sich dieses Gefühl bis heute nicht ansatzweise eingestellt.

      Hier ein paar Bilder der aus dem Nebel herausragenden Lyngenalpen :




      Zusatzlich zum eigentlichen Klassentreffen gab es eine interessante Führung durch das im Bau befindliche neue Zentralgebäude der Lüneburger Universtät, auf die ich mich besonders gefreut hatte. Während in Tromsø schräge Wände bei Neubauten schon fast normal sind, polarisiert der Bau des Architekten Daniel Libeskind in Lüneburg und stösst bei Leuten, die jegliche Veränderung als Angriff werten, auf Ablehnung. Aufgewachsen in einem über 500 Jahre altem Haus nebem dem Rathaus vermisse ich in Norwegen die Altstadt, bin aber stolz, dass Lüneburg endlich mal etwas Neues wagt und nicht völlig zu einem Museum erstarrt.
      Die Universität ist überwiegend in ehemaligen umgebauten Kasernengebäuden untergebracht, die alle streng hierachisch angeordnet sind. Das neue Zentralgebäude bricht hingegen bewusst völlig mit dieser Ordnung und hat keinerlei rechte Winkel oder lotrechte Linien. Alte Kasernen halte ich ja durchauss geeignet für den Unterricht, denke da aber eher an Schulungsmaterial für effektive Abbruchtechniken!
      Den geplanten Fertigstellungstermin haben wir schmunzelnd zur Kenntnis genommen. :laugh1:
      Und was die Kostensteigerung betrifft: was Hamburg und Berlin kann, können wir schon lange..





      Fähre Kiel - Kleipeda

      Während die Fähren von Kiel nach Göteborg und Oslo gut zu Fuss zu erreichen sind, liegt das DFDS Terminal für die Fähre nach Kleipeda abseits gelegen im Ostuferhafen, kurz vor dem alten Kohlekraftwerk. Ein Shuttlebus pendelt nach dem Einchecken alle 15 Minuten zwischen Terminalgebäude und Kai, der Einstieg erfolgt über die Heckrampe.



      Es gibt eine tägliche Verbindung. Die beiden Fähren Regina Seaways und Athena Seaways sind vorwiegend für den Güterverkehr konzipiert, bieten aber durchaus Komfort für eine zunehmende Anzahl Touristen (Passagierkapazität etwa 600). Eine Kabine ist für die etwa 20-stündige Überfahrt nicht vorgeschrieben, wer will kann auch im Schlafsessel übernachten.



      Erste Sprache an Bord ist litauisch, gefolgt von Lautsprecherdurchsagen auf deutsch, englisch und russisch. Der Speiseraum für das Büfett ähnelt einer Kantine, die Auswahl ist aber reichhaltig, speziell zum Frühstück gibt es viele warme Speisen. Die Preise sind eher litauisch, was ich bei den von Norwegen gewohnten Bierpreisen natürlich ausgenutzt hab!






      Durch die späte Abfahrtszeit von 20 Uhr wird es in der Förde schon dunkel, irgendwessen Schiff haben wir schnell links liegen lassen..
    • Für Klaipėda, die einzige Hafenstadt Litauens, war die Zeit leider knapp bemessen. Die Fähre sollte um 16:30 Uhr Ortszeit anlegen, der Bus nach Riga schon am nächsten Morgen fahren. Ich hatte mich daher auf die Kurische Nehrung konzentriert, jener fast 100 km langen aber nur 3,5 km breiten Halbinsel, im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.




      Ohne Fernglas war die Nehrung vom Schiff aus nicht direkt zu sehen, eine Wolkenfront verharrte aber an der exakt gleichen Position. Dass sich auch hier Ölplattformen befinden, war mir vorher nicht bewusst. ;(



      Die Hafeneinfahrt grenzt genau an das nördlichen Ende der Nehrung. Die vielen Kräne erinnerten mich an die Zeit in der ich als Kind öfters mit dem Zug nach Hamburg fuhr. Direkt bei den Elbbrücken lagen damals hunderte Frachtschiffe, deren Stückgut mit Kränen verladen wurde. Die langweiligen Schachteldampfer kamen erst später.

      Mein Hotel war gut vom Schiff aus zu sehen. Ich freute mich schon, dass der Weg nicht Weit war, wollte schließlich noch im Hellen zur Nehrung laufen. Die Rechnung hatte ich allerdings ohne den Kapitän gemacht, der keinerlei Anstalten machte, irgendwo anzulegen und gefühlt die halbe Strecke nach Kiel wieder zurückfuhr. Der Anleger liegt extrem ungünstig, zu Fuss etwa 15 km von der Altstadt entfernt. Auf den Bus hätte ich eine Stunde warten müssen, Taxi war aber billig.



      Nach dem Einchecken im Hotel machte ich mich dann sofort mit vorgehaltenem Smartphone auf den Weg. Nein, nicht Pokemon sondern die Karten-App, um den kürzesten Weg zum Fähranleger nach Smiltynė zu finden. Aufgefallen sind mir viele kleine Grünanlagen in der Stadt. Die kleine Fähre fuhr etwa alle 20 Minuten, abends etwas seltener. Das Wetter lockerte zur richtigen Zeit auf!



      Die Nehrung ist grösstenteils bewaldet, zur Ostsee hin gibt es dann die riesigen Sanddünen. Sehr gefallen hat mir der Radweg längs der Nehrung, werd mir nächstes Mal wohl mehr Zeit nehmen und ein Fahrrad leihen..





      Der Strand war riesig, nicht so ein Gedränge wie ich es vom Schönberg Strand bei Kiel kannte. Das Wasser war mit 17 Grad nicht zu warm, also überlegte ich nicht lange und ging eine kurze Runde schwimmen. Anschliessend spazierte ich noch lange am Strand spazieren und genoss das Farbenspiel. Die Fähre fährt auch spät abends, so ging ich entspannt und zufrieden durch den Wald zurück.



      Nach der Nehrung wurde es Zeit für Nahrung, auf dem Weg lag eine gemütliche Gaststätte. Die deutsche Vergangenheit ist noch an vielen Gebäuden sichtbar. Auf dem letzten Stück zum Hotel setzte dann der Regen ein..


    • Der Regen hörte in der Nacht nicht auf und verwandelte sich genau als ich zum Bus losging in einen Sturzregen wie ich ihn selbst von Bergen nicht kannte. Der Bushof war zwar nur 15 Minuten entfernt, ich war aber pitschnass. Ich hatte mich darauf gefreut im Urlaub endlich mal draussen ein Bier trinken zu können. In Kirkenes ist dies wetterbedingt nur an wenigen Tagen im Jahr möglich, aber selbst dann schliessen die Cafés gnadenlos um 16:30 Uhr wenn ich Feierabend hab. :ireful:
      Vielleicht klappt’s ja im nächsten Jahr.




      In den Hotels und Restaurants sprach das Personal überall englisch, der Busfahrer hingegen nur russisch. Die Strassen waren nur zum Anfang etwas holprig, danach bis Tallinn sehr gut ausgebaut. Nur die Sicht war bei dem Starkregen zum Teil unterirdisch.




      Roland-Denkmal, Stadtmusikanten, Schlüssel im Wappen - die 800 jährige Verbundenheit Rigas mit Bremen ist unverkennbar. Gegründet wurde Riga 1201 von Bischof Albert von Buxhoeveden aus: genau - Bremen. Die enge Zusammenarbeit der Hansestädte tat ein übriges, Globalisierung gab es damals schon!






      Die Altstadt ist liebevoll restauriert, fast alle Strassen und Fusswege gepflastert. Besonders in der Kreuzfahrtsaison wimmelt die Stadt von Touristen, dank des Regens hatte ich wenigstens ab und zu die Linse frei.





      Das originalgetreu rekonstruierte Schwarzhäupterhaus ist ein gutes Beispiel für den Wohlstand der Kaufleute aus der Hansezeit.




      An jeder Ecke gibt es Restaurants und Plätze zum draussen Sitzen.
    • Am nächsten Morgen ging es weiter nach Tallinn, wieder eine etwa 4 stündige Fahrt mit dem Bus. Das Bahnfahren ist im Baltikum nicht so verbreitet, diese Funktion nehmen überwiegend Fernbusse wahr. Die Bushöfe sind entsprechend ähnlich gross wie in Deutschland die Bahnhöfe und genau so voll. Das Einchecken beim Bus ähnelte dem an Flughäfen, jedes Gepäckstück wurde mit einem Kontrollstreifen versehen und beim Aussteigen nur gegen Vorzeigen des dazugehörigen Tickets ausgehändigt. So versucht man, dem zunehmenden Gepäckschwund bei Fernbusreisen entgegen zu wirken.




      Auf der gesamten Fahrt im Baltikum, Finnland und Norwegen hatte ich sehr guten Mobilfunkempfang, meist 4G oder 3G. In Schleswig Holstein hätte der Empfang hingegen alle 10 km gerade mal für eine SMS gereicht. Die norwegischen Provider haben übrigens bei Neuverträgen das Datenroaming europaweit abgeschafft, öffentliche WLANs sind damit überflüssig geworden. Gebucht hatte ich sämtliche Tickets unterwegs online.

      Für Tallinn hatte ich mir 2 Tage vorgenommen.
      Es regnete immer noch stark, in Tallinn wurde es etwas besser. Das normale Sommerwetter kan aber erst eine Stunde vor meiner Fahrt nach Helsinki zurück.

      Auf dem Weg vom Bushof zum Hotel fiel gleich der grosse Wandel vom Mitglied der Sowjetunion zum Mitglied der EU auf. Überall wurde gebaut. Neben unterschiedlich gut erhaltenen Holzhäuser werden riesige moderne Neubausiedlungen aus dem Boden gestampft. Alte Bausubstanz wird so gut es geht integriert, es gibt aber noch genügend zu tun. Im Centrum gibt es viele Hochhäuser, auch hier wird kräftig gebaut.






      Damit dieser Beitrag doch noch etwas mit Hurtigruten zu tun hat, hier ein Bild eines Bürogebäudes aus der Hobujaama Strasse, klingelt´s?



      Die touristische Hauptattraktion ist natürlich die zum Teil sehr gut erhaltene mittelalterliche Stadtbefestigung mit den vielen Türmen, dazu gibt es im nächsten Teil mehr.



      Die Architektur ist sehr unterschiedlich zu der von Riga, statt Backstein eher getünchte Fassaden. Mein Weg führte zu dem alten Rathaus von 1404 mit dem markanten Turm.



      Nun war Lüneburg ja auch eine Zeit lang Hansestadt, was lag da näher als standesgemäß in der «Olde Hansa» zu speisen, die gleich neben dem Rathaus liegt?

      Es gibt nur Kerzenlicht, alles ist wie zur Blütezeit der Hanse eingerichtet, einschliesslich der Waschbecken. Das Essen war damals gar nicht so schlecht, zumindest wenn man als reicher Kaufmann die nötigen Taler besass: Wildschwein, Pudding mit echten Rosenblättern, Bier mit Kräutern im angemessenem 1 Liter-Krug und Schnapps. Es wurde ein langer Abend..

    • Allgegenwärtig in der Altstadt ist die mittelalterliche Stadtmauer. Der Bau begann in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und dauerte die 300 folgenden Jahre an (also nicht so ein Hastwerk wie die Elbphilharmonie :D ). Erhalten sind noch knapp 2 km und 26 Türme, einige kann man besichtigen.








      Fast wie ein Fremdkörper im Stadtbild wirkt da die russische Kathedrale:




      Zum Abschluss meiner Fahrt durch das Baltikum wollte ich wenigstens einmal draussen essen, schliesslich war es ja Hochsommer. Ich entschied mich für das russische Restaurant Troika am Marktplatz. Gleich nach der Vorspeise prasselte ein heftiger Sturzregen nieder. Es erforderte einiges Geschick, den Tisch unter dem Schirm so zu platzieren, das aus dem Gericht keine Suppe und dem Getränk kein Vodka-Light wurde.



      Am nächsten Morgen kurz vor der Weiterfahrt nach Helsinki verzog sich endlich das 4-tägige Sauwetter, ganz nach dem Motto: das währe ihr Preis gewesen.
      Der Fähranleger liegt zum Glück nur einen Katzensprung von der Innenstadt entfernt, so dass ich wenigstens noch eine Stunde mit blauem Himmel geniessen konnte.



      Auffallend in allen 3 Ländern war die überall sichtbare Präsenz skandinavischer Firmen. An jeder Ecke ein Narvesen, Remi-Supermärkte und fast alle skandinavischen Banken.
    • Tallinn - Helsinki



      Zum Fährterminal sind es von der Innenstadt nur 10 Minuten zu Fuss. Nach Helsinki gibt es etwa 17 Verbindungen täglich! Die Fahrzeit reicht von 2 Stunden bei den Schnellfähren bis 3,5 Stunden bei den herkömmlichen Schiffen. Ich hatte mich für die 2009 in Dienst gestellte Baltic Queen entschieden, mit 3,5 Stunden eher ein Musikdampfer.



      So lob ich mir das Einchecken: Smartphone mit dem Barcode scannen, nur die OK-Taste drücken und fertig! Gesamtdauer 3 Sekunden.

      Nachdem ich bislang alle Souvenirläden ignoriert hatte, war es jetzt Zeit für eine Ausnahme. Den alten Tallinn kannte ich vom Kieler Weihnachtsmarkt, der ideale Zusatz zum Glühwein. Kiel und Tallinn sind Partnerstädte.


      Eine der schnellen Shuttle Fähren:


      Wohl auch ein Musikdampfer:


      Ein letzter Blick auf Tallinn:



      Die Baltic Queen bietet Platz für 2800 Paxe . Ich hatte irgendwann aufgehört, die Restaurants und Bars zu zählen. Es waren jedenfalls mehr als Kirkenes hat, die Fahrt nach Helsinki war entschieden zu kurz. :D





      Im Hafen von Helsinki die üblichen Verdächtigen.


      Irgendwie erinnern mich diese Kräne an den alten Märklin-Kran aus meiner Kindheit.


      Direkt hinter dem Kai gab es rege Bautätigkeit. Der Weg Richtung Bahnhof war eher ein Kulturschock, so viele Menschen gibt es in der gesamten Finnmark nicht. Die Dürreperiode sollte auch nicht lange anhalten, zum Abend gab es wieder kräftig Regen.




      Bei dem Nachtzug nach Rovaniemi hatte sich zum einzigen Mal das kurzfristige Buchen gerächt. Freitag und Ferienende, alle Schlafplätze waren ausgebucht, ich bekam nur noch einen normalen Sitzplatz direkt an der lauten Tür zum Speisewagen. Von Schlaf konnte man nur träumen, der Speisewagen war bis zum Morgen ständig gut besucht.




      Armleuchter? :hmm:
    • Danke für den tollen, interessanten Bericht. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. :thumbsup:

      In Helsinki war ich vor Urzeiten auch einmal auf einem Kurztrip, zu der Zeit als die Finnjet ( Travemünde- Helsinki) relativ neu war, muss so Ende der Siebziger gewesen sein. Die großen alten Gebäude fand ich beeindruckend. :rolleyes:
      LG Sehpferd /Helga :ilhr:

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