Mal dem Bayerischen Wald aufs Dach steigen

    • 2016
    • Mal dem Bayerischen Wald aufs Dach steigen

      Die Wetteraussichten für den gestrigen Samstag waren ja recht gut, also stieg auch meine Lust zu einer kleinen Wandertour.
      Zuerst dachte ich an eine Tour in die Alpen, aber dann fiel mir ein, dass ja Ferienbeginn in Bayern und Baden-Württemberg war. Da war eine Fahrt in den Süden vielleicht doch nicht der klügste Plan.
      Dann erinnerte ich mich an frühere Touren in den Bayerischen Wald auf den Großen Arber. Diese Tour habe ich früher öfter mal gemacht. Keine allzu schwere Route mit schöner Aussicht am Gipfel.
      Somit ideal, um meine neuen Schuhe einzulaufen. Nein, nicht die Lowa-Schuhe aus diesem Bericht, die waren ja schon eingelaufen und hatten nur neue Sohlen bekommen.
      Ich hatte mir zusätzlich neue Trekkingschuhe einer italienischen Marke gekauft und die wollte ich dort einlaufen.



      Also startete ich nach dem Frühstück in Richtung Deggendorf und von dort über Bodenmais zum Großen Arbersee. Dies war mein Ausgangspunkt. Ich hatte mir zuvor einen gpx-Track für einen Rundkurs aus dem Internet besorgt. Den hatte ich in mein Garmin geladen, um in als kleine Orientierungshilfe zu nutzen.
      Um mir auch für weitere Touren etwas Kondition anzutrainieren hatte ich auch meinen Fotorucksack dabei, sicherlich mit mehr Inhalt als ich wirklich benötigt hätte.
      Früher konnte man auf dem Parkplatz am Arbersee kostenlos parken, aber die Zeiten sind längst vorbei. Drei Euro kostet hier das Parken für 24 Stunden.



      Vom See aus führt ein überwiegend schattiger Waldweg mit meist mittlerer Steigung in die Höhe. Ich war am See um 09:30 Uhr gestartet und bin in ruhigem Tempo mit vielen Bilderstopps den Weg hinauf. Nach etwa 30 Minuten (alle Zeiten gelten für eine sehr ruhige Gangart mit vielen Pausen) überquert man einen Waldwirtschaftsweg. Hier endet auch der Waldweg und nun befindet man sich auf einen Stein- und Wurzelweg, der teilweise treppenartigen Charakter hat.



      Das Schöne an diesem Weg ist, dass man sich fast überwiegend im Schatten bewegt und nur wenige kurze Strecken in der Sonne. Dies gilt für meine komplette Rundwanderung (etwa zu 85-90% im Schatten).



      Immer wieder bietet die Strecke interessante Erscheinungen der hier sehr vielfältigen Natur. Allerdings empfiehlt es sich durchaus, den Boden ständig im Auge zu behalten. Schnell liegt man sonst auf der Nase, weil man einen nassen Stein oder eine Wurzel übersehen hat.



      Nach weiteren 20 Minuten überquere ich erneut einen Forstweg. Dahinter wird es noch ein wenig steiniger und man kommt an der alten Brennes Fichte vorbei.



      Knapp 15 Minuten Später lichtet sich der Wald und eine Hochebene wird sichtbar. Fast hätte ich den Kameraden übersehen, der sich dort auf einem Stein sonnte. Wie der wohl hierher kommt? Weit und breit ist hier kein See oder Tümpel zu sehen. Vielleicht wartet er aber auch nur auf eine Prinzessin, die ihn küsst.



      Nach der Ebene wird der Weg schmäler und die Steine dafür größer. Allerdings bieten sich von hier oben auch die ersten schönen Aussichten, so z. B. auf Bayrisch-Eisenstein.



      Gegen 11:00 Uhr tauchen dann die Hütten und die Bergstation der Gondelbahn vor mir auf. Die Gondeln schaufeln natürlich viele Touristen auf den Berg. Aber noch ist nicht zu viel Betrieb und in der Eisensteiner Hütte sind nur wenige Plätze besetzt.



      Ich gönne mir hier eine Portion Kässpatzen und ruhe mich ein wenig aus. Doch jetzt spuken die Gondeln mehr und mehr Menschen aus und die Biertische vor der Hütte füllen sich schnell. So mache ich mich dann auch bereits kurz nach 11:30 Uhr wieder auf den weiteren Weg zum Gipfel.



      Der Große Arber besteht aus insgesamt vier Gipfeln. Der höchste mit 1.455,5 m trägt das Gipfelkreuz. Ein wenig südöstlich davon sieht man den Seeriegel mit 1.400 m. Die Arberkapelle steht an seinem Fuß.



      Neben dem Arbergipfel befinden sich zwei große Kuppeln. Eine Radarstation und die zweite Kuppel ist militärischer Bereich. Etwas unterhalb der Kuppeln hat man einen schönen Blick auf den Kleinen Arbersee.



      Im Süden ist der 1.426 m hohe Bodenmaiser Riegel zu sehen, mit dem berühmten Richard Wagner Kopf auf der linken Seite. Der Kleine Arber mit 1.384 m ist etwa 1.000 m entfernt im Westen. An seinem Fuß kann man die Chamer Hütte gut erkennen.



      Ich wähle nun den Weg zum Mittagsplatzl. Dazu geht es am Bodenmaiser Riegel einen treppenähnlichen Holzbohlenweg hinab. Die Abstände zwischen den einzelnen Stufen sind teilweise ziemlich groß, was die Abstieg etwas beschwerlich macht.



      Doch hier kommen mir nur wenige Wanderer entgegen und beim Abstieg bin ich weitestgehend alleine. Nach einer etwas flacheren Strecke geht es dann ziemlich steil hoch zum Mittagsplatzl. Hier ist schon etwas Trittsicherheit gefragt.



      Vom 1.340 m hohen Mittagsplatzl hat man einen wirklich traumhaften Blick auf den Großen Arbersee, Bayrisch Eisenstein und in die Tschechische Republik. Hier gönne ich mir noch eine lange Pause. Danach steigt der Weg noch kurz an, bevor es über eine kleine Hochebene geht.
      Dann taucht man wieder in den Wald ein.



      Eine Zeitlang geht man nun über einen breiten Forstweg, doch dann biegt der Weg wieder in den Wald ein. Hier führt schließlich ein schmaler, teils steiniger Waldweg wieder hinunter zum See.

      Um 16:00 Uhr steht ich wieder an meinem Auto und mache mich auf die Rückfahrt.

      Die Gesamtstrecke war 12,1 km lang und hatte insgesamt 683 m Aufstieg. Mit vielen Fotostopps und ausgedehnten Pausen habe ich 6:30 Stunden dafür benötigt.

      Ein dickes Lob den neuen Schuhen. Schon beim ersten Anprobieren passten diese wie angegossen. Dieser Eindruck verstärkte sich während der Tour noch mehr. Ich hatte überhaupt keine Probleme mit den Schuhen. Der, gerade für Abstiege gute Halt war stets gegeben und die Sohle bot auch auf feuchten, rutschigen Stellen guten Halt.

      Wer sich für die kleine Wanderung interessiert, hier der GPX-Track: Jobo-arber.gpx
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • Vielen Dank für den schönen Bericht und die herrlichen Bilder, den ich jetzt erst entdeckt habe.

      Was den auf den erlösenden Kuss wartenden Prinzen angeht, bist du dir da sicher, dass das nicht umgekehrt ein weiblicher Frosch war, die auf ihren Prinzen gewartet hat? Die Chance hättest du dann wohl verpasst. ;)

      Tatsächlich könnte es sich dabei wohl eher um so einen Kameraden oder einen anderen Braunfrosch gehandelt haben. Ich kenne mich zwar nicht sonderlich gut mit Amphibien aus, aber letztes Jahr ist mir ein ähnliches Exemplar beim Himbeerpflücken entgegen gehüpft, um dann in Nachbars Lorbeerhecke zu verschwinden. Und da es bei uns auch keine Teiche oder Bäche in der Nähe gibt, habe ich mal nachgeforscht. Die Braunfrösche leben terrestrisch, d.h. außer zum Laichen nicht unbedingt in unmittelbarer Nähe von Gewässern. Und den typischen braunen Schläfenfleck hat das von dir fotografierte Individuum ja auch.
      Liebe Grüße
      Calluna