Ich bin dann mal weg... - oder: viele Wege führen nach Andalusien

    • 2016
    • Ich bin dann mal weg... - oder: viele Wege führen nach Andalusien

      Normalerweise nutzen wir das Flugzeug um zu unserem Zweitwohnsitz in Andalusien zu kommen, für dieses Jahr haben wir aber andere Pläne geschmiedet. So fuhr ich Anfang Mai mit unserem spanischen Wagen nach Deutschland. Jetzt ging der Weg zurück, allerdings wollten wir uns (ausser meiner Wenigkeit GöGa und Sohn) eine Woche Zeit nehmen und uns die spanische Nordküste ansehen, die wir bisher noch nicht kennen. Der Weg sollte das Ziel sein, aber grosse Städte wie San Sebastian - das heute baskisch Donostia heisst -, Bilbao etc. wollen wir allerdings beiseite lassen, dafür bräuchte man extra ein paar Wochen.

      Samstag, 18. 06. 2016

      Wir starten um 08:20. Die Fahrt ist ruhig, das Wetter bewölkt, sieht man von einem kleinen Schauer ab. Unsere erste Etappe geht bis Poitiers, rd. 250km vor Bordeaux. Näher wollen wir nicht Richtung Bordeaux, da an diesem Nachmittag ein EM-Fussballspiel ebenda stattfindet, und rd. 930km sind dann auch genug für einen Tag. Wir kommen gegen 17:30 an und finden schnell unser Hotel (habe alle über Booking vorgebucht) und lassen uns ein gutes Abendessen in einem nahen Grill schmecken.


      Sonntag, 19. 06. 2016

      Bei schönem Wetter starten wir um 09:20. Unsere heutige Etappe ist rd. 730km. Wir übernachten in San Vicente de la Barquera, rd. 40km hinter Santander, wo wir gegen 16:00 ankommen. Nach Zimmerbezug machen wir einen kleinen Spaziergang. Das Ort wird von einer Burg überragt, die König Alfons I. Mitte 8. Jahrhundert erbaute, nachdem er das Ort von den Muslimen zurückeroberte. Daneben steht die Kirche Santa María de los Angeles, erbaut zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert, sowie ein Stück alter Stadtmauer. Über den kleinen Meeresarm führt die Puente de la Maza aus dem 16. Jahrhundert. Bemerkenswert ihre 28 Bögen.









      Im Ort essen wir auch zu Abend, natürlich lecker Fisch. In der Hotelbar schauen wir uns dann das Fussballspiel Schweiz - Frankreich an.
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    • Montag, 20. 06. 2016

      Weiter geht unser Weg. Kurz hinter San Vicente verlassen wir die Küste und durchfahren die Picos de Europa, ein Kalksteinmassiv, dessen höchster Berg, der Torre de Cerredo 2648m hoch aufragt.




      Kurz hinter den Picos biegen wir ab zum Wallfahrtsort Covadonga. Hier fand 722 die Schlacht von Covadonga statt, wo Pelayo, der Anführer der christlichen Streitmacht, einen Sieg über maurische Truppen errang. Dieser Erfolg wird heute als der Beginn der Reconquista genannt. Die Legende sagt, Pelayo bekam himmlische Unterstützung der Jungfrau, die die Pfeile der Mauren auffing und zurückschleuderte. Neber der grossen Basilika findet sich die heilige Grotte, eine kleine Kapelle im Fels mit der Jungfrau. Auch die Gräber von Pelayo und Alfonso I. befinden sich hier. Wir haben Glück, es ist Montag und erst der Beginn der Saison, so dass ausser uns und ein paar Schulklassen und Radfahrer kaum Leute zugegen sind.







      Auf einer kurvenreichen Strasse geht es wieder Richtung Küste. Unterwegs kommen wir am Aussichtspunkt El Fito vorbei, wo man von einer Plattform einen herrlichen Blick geniesst, auf der einen Seite auf die Picos, auf der anderen Seite auf die Biskaya.






      Gemütlich gondeln wir durch die Geografie, bis wir an unserem heutigen Endpunkt ankommen, dem Fischerörtchen Luarca.






      Auch heute gibt es wieder lecker Fisch zu Abend und anschliessend Fussball (England - Slowakei) in der Hotelbar. Generell interessiert sich allerdings auf unserer ganzen Fahrt kaum jemand für Fussball, hier schaut man nur die Spiele der Nationalmannschaft. Zwar wird die EM von einem öffentlichen Sender übertragen, aus finanziellen Gründen allerdings nur 23 Spiele.
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    • Tolle Bilder Petra und auch gleichzeitig Geschichtsunterricht. ^^ Über das Leben und Wirken von Pelayo habe ich mal einen historischen Schmöker gelesen.Die Burg in San Vicente del Dingens :D sieht richtig spannend aus,habt ihr diese auch von innen besichtigt?Die maurischen Einflüsse in der Basilika von Covadonga sind auch noch gut zu erkennen.Wenn du mir eine Freude machen möchtest,dann gerne mehr Fotos alter Gemäuer von innen und aussen.... :thumbsup:
      Gruss Stefan :)
    • Nein, in der Burg waren wir nicht drin. So wie es anstand waren wohl auch mehr Ausstellungen drin.
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    • Dienstag, 21. 06. 2016

      Frühstück als solches gibt es im Hotel nicht und um 09:00 hat im Hafen noch alles zu. Hier gibt es nur Fischer und etwas Tourismus, aber es ist noch Vorsaison. So fragen wir in der Hotelbar wo gerade aufgeräumt wird. Kein Problem, wir bekommen Kaffee, den guten starken aus der Maschine, und spanische Croissants und Madalenas, das Gebäck das in Frankreich als Madeleines bekannt ist. Wird in Spanien gerne zum Frühstück verzehrt. Als wir zahlen wollen ist niemand greifbar. Also gehen wir Zimmer räumen. GöGa holt das Auto vom Parkplatz, Sohn hütet das Gepäck und ich gehe in die Bar zum Zahlen, da die Rezeption nicht besetzt ist. Nette Überraschung, für das einzel belegte Doppelzimmer berechnet der Wirt 5 Euro weniger und Frühstück geht aufs Haus. Er meint er möchte doch dass wir wieder kommen!

      Wir fahren auf dem direkten Weg rd. 300 km nach Kap Finisterre, heute galizisch Cabo Fisterra. Dazu muss man anmerken dass General Franco seinerzeit in Spanien jede Zweitsprache verboten hatte, es durfte nur spanisch gesprochen werden. Nach der transición (Wende) wurden die lokalen Sprachen wieder erlaubt, so dass sie heute wieder Hauptsprachen sind. So wird in Katalonien und Balearen katalanisch gesprochen (in der autonomen Region Valencia valencián, welche offiziell ein katalanischer Dialekt ist, von den Valencianern allerdings als eingenständige Sprache angesehen wird, zumal sie mit den Katalanen nicht ganz grün sind). Katalanisch ist eine Mischung von spanisch und französisch, ähnlich dem Ladin oder Räterromanisch in Graubünden. Dann im Baskenland baskisch (euskera), eine Sprache deren Ursprung im Dunkeln liegt und eine der wenigen Sprachen die keinerlei Verwandtschaft zu einer anderen Sprache hat. In Asturien asturisch, das allerdings von manchen als spanischen Dialekt angesehen wird. In Galizien spricht man galizisch, das dem portugiesisch schon sehr ähnlich ist. Unsere Freunde in Portugal erzählten mal dass sie oft galizisches Fernsehen schauen, sei sprachlich kein Problem. Das restliche Spanien spricht castellano, wie man spanisch nennt, allerdings zum Teil - wie in Andalusien - mit herrlichen Dialekten.

      Zurück zum Kap Fisterra. Erster Halt machen wir bei einem View Point, wo man einen schönen Blick auf die Bucht sowie auf das Örtchen Fisterra hat. Das eigentliche Kap sieht man links vom Ort.





      Weiter geht die Strasse, durch Fisterra bis zum Kap.





      Für viele Pilger, die den Jakobsweg nach Santiago machen ist das eigentlich Ende des Weges hier. So steht hier auch der Kilometer 0 des Santiagoweges.




      Wir machen uns auf und legen die 85km nach Santiago de Compostela zurück. Unterwegs sieht man immer wieder Speicher, die zum Maistrocknen genutzt werden und gegen etwelche Nager auf Steinen stehen.




      Auch an einer altehrwürdigen römischen Brücke kommen wir vorbei.




      Wir entern unser Hotel, streamen auf dem Laptop das Fussballspiel und gönnen uns eine gutes Essen beim Mexikaner um die Ecke.
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    • Naja, wir Schweizer schaffen es im kleinen Land auch mit vier ;) Und Räterromanisch im kleinen Graubünden sind fünf unterschiedliche Dialekte, die sich zum Teil kaum verstehen.
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    • Mittwoch, 22. 06. 2016

      Nach gemütlichem Frühstück im Hotel spazieren wir in die Innenstadt.




      Als erstes schauen wir uns natürlich die Kathedrale an.







      Neben dem Altar steht eine Schlange und wir stellen uns einfach auch mal an. Es geht recht flott vorwärts und über eine Treppe kommt man hinter die Büste von Jakobus. Ich (naja - evangelisch mit seltenem Gottesdienstbesuch) berühre die Statue, immerhin ist dies ein sakraler Ort. Daneben sitzt ein Mann, ähnlich gewandet wie die Führer im Trondheimer Dom, beaufsichtigt die Menschenschlange und meint ich dürfe die Figur gerne umarmen und küssen. Das lasse ich dann allerdings. Anschliessend geht es eine Treppe abwärts in die Krypta mit dem Sarkophag von Jakobus




      Um 12:00 ist Pilgermesse, die möchten wir gerne besuchen. Schon eine halbe Stunde vorher sind fast alle Plätze belegt. Pünktlich geht es los und als erstes werden die Pilger willkommen geheissen, die den camino zurücklegten. Es wird verlesen wo sie starteten und aus welchen Ländern sie kommen. Viele hierzulande kennen den Jakobsweg nur von den Pyrenäen bis Santiago, aber eigentlich kann man überall starten. Der Jakobsweg über die Pyrenäen startet eigentlich in Wien. Göga möchte in zwei bis drei Jahren mit seiner Schwester denn Jakobsweg begehen, über die Ruta de la Plata (Silberroute), die in Sevilla startet und fast 400km länger ist wie die klassische Route von den Pyrenäen.

      Nach der Messe schauen wir uns noch etwas in der Stadt um, lassen uns bei einem nette Kneipchen nieder und "tapatieren" (Ausdruck eines Freundes)









      Wir spazieren ins Hotel zurück, nicht ohne unterwegs nochmal einzukehren, und halten eine kleine Siesta. Wir schauen das 18 Uhr-Fussballspiel auf Laptop und gehen dann in eine nahe Kneipe für das Abendspiel, begleitet von lecker Tapas.
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    • Donnerstag, 23. 06. 2016

      Nach dem Frühstück satteln wir wieder unser Auto und weiter geht die Fahrt zu unserer letzten Station. Nach rd. zwei Stunden erreichen wir die portugiesische Grenze und nach weiteren zwei Stunden den Wallfahrtsort Fátima.

      Ich mache mich erstmal etwas über die Geschichte von Fátima vertraut und muss sagen - damit habe ich etwas Mühe. Die Geschichte (Legende?) sagt, dass am 13. Mai 1917 drei Hirtenkinder auf dem Feld eine Marienerscheinung hatten. Sie teilte den Kindern mit, nun immer am 13. jeden Monats zu erscheinen. Die drei Kinder - ein Geschwisterpaar und ein weiteres Mädchen - beschlossen erst, dieses Erlebnis für sich zu behalten, erzählten es aber trotzdem weiter, so dass jeweils am 13. jeden Monats mehr Leute kamen. Am 17. Juli 1917 erhielten die Kinder von der Erscheinung eine Botschaft mit drei Geheimnissen, die vorerste nicht veröffentlicht werden durften. Kurz darauf verstarb das Geschwisterpaar an der Spanischen Grippe, nur die Freundin, Lucía überlebte und bekam zehn Jahre später die Erlaubnis zwei der drei Geheimnisse zu veröffentlichen. Sie schrieb sie nieder und übergab sie ihrem Priester, der darauf bestand sie zu verbrennen. Erst 1941 schrieb sie sie erneut nieder und übergab sie dem Bischof, der sie an den Vatikan weiterleitete. Die Geheimnisse wurde am 13. Mai 1942 veröffentlicht.

      Das dritte Geheimnis schrieb Lucía 1944 nieder und übergab es in einem versiegelten Umschlag dem Bischof. Es sollte nicht vor 1960 geöffnet werden, 1957 kam es ins vatikanische Geheimarchiv. Erst im Jahr 2000 liess es der damalige Kardinal Ratzinger öffnen und bekannt machen.

      Die drei Geheimnisse findet man hier.

      1928 wurde mit dem Bau der Basilika begonnen.








      Die Gräber der drei Hirtenkinder in der Basilika. Lucía verstarb 2005 im Alter von 98 Jahren


      Am 30. Mai 2007 zur 90. Jahrfeier der Erscheinung wurde die neue Dreifaltigkeitskirche gegenüber der Basilika eingeweiht. Sie ist bisher der grösste Kirchenbau im 21. Jahrhundert und die viertgrösste Kirche der Welt. Sie bietet 9000 Besucher Platz.




      Zwischen den beiden Kirchen steht die Erscheinungskapelle an dem Ort an dem angeblich die Erscheinungen waren. Über die Kapelle wurde eine moderne offene Halle gebaut, wo ständig Gottesdienste in vielen Sprachen stattfinden.




      Der Pilgerplatz zwischen den beiden Kirchen ist 750m lang und 200m breit, somit handelt es sich um den grössten Kirchenvorplatz der Welt und bietet Platz für ca. eine halbe Million Menschen.




      Auch unser Hotel mit Namen Domus Pacis hat eine eigene Kapelle





      Die Eingangshalle des Hotels


      Ausser einer italienischen Reisegruppe ist unser Hotel im Moment allerdings leer. Trotzdem geniessen wir ein vorzügliches Abendessen mit Superservice.


      Freitag, 24. 06. 2016

      Nach dem Frühstück nehmen wir den letzten Teil unter die Räder und nach 560km sind wir in unserem andalusischen Zuhause, wo wir noch drei Wochen Urlaub vor uns haben.
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    • Als wir mit der Fram im April in A Coruña lagen,haben wir einen Busausflug nach Santiago gemacht.Ein Teil der Kathedrale war aussen eingerüstet.Davon sehe ich auf deinen Bildern nichts mehr.Wesentlich beeindruckender fand ich allerdings die spätgothische Kathedrale von Oviedo,der Hauptstadt Asturiens. ^^
      Gruss Stefan :)
    • Ein kleiner Teil der Kuppel war noch eingerüstet.

      In Oviedo waren wir ja leider nicht, aber so ist es halt in Spanien, jede einzelne Stadt wäre sehenswert.
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