Amsterdam schon mal...

    • 2016
    • Amsterdam schon mal...

      Ich könnte das Ganze hier auch unter den Titel: "Wenn Pauker reisen" stellen und aus irgendwelchen imaginären Nähkästchen plaudern, was am Ende vielleicht den einen oder anderen Mythos dekonstruieren könnte, aber nicht sehr spannend ausfallen würde. :pardon: Also bleibt es schlichtweg bei der Feststellung, dass auch die Schulmeister nur Menschen sind, und Menschen reisen gerne - und die Unterweiser anderer Leute Kinder machen da keine Ausnahme. Ach ja, und ohne anderer Leute Kinder im Schlepptau reist es sich auch ganz nett... ;)

      Also ging es nach der Ausgabe der Halbjahreszeugnisse, die stets zwei unterrichtsfreie Tage bringt, für anderthalb Tage in die Hauptstadt unseres Nachbarlandes, das von meinem Exil nicht wirklich weit entfernt liegt. Und spannend war es von Anfang an - denn am ursprünglich im Paket gebuchten Novotel hatte der für den Mittwoch fest versprochene Regen bereits stattgefunden: Wasserrohrbruch, 21 Zimmer geflutet, kein Platz für die Lehrerschar! :arghs: Aufsteigende Angstgefühle - da gib es doch diese Grachten, diesen Fluss usw. - und überall Brücken, über die man gehen und unter denen man auch nächtigen... :threeeyes:

      Nein, Glück gehabt, die Umbuchung ins nahegelegene Mercure-Hotel hatte bereits stattgefunden, der Check-in lief so zackig, dass nicht einmal Zeit blieb, vor dem Entrée in aller Ruhe die Amsterdamer Luft zu pröben... :whistle3: War aber auch gut so, denn ich hatte beim Beziehen meines Zimmers dann doch noch eine kleine Wanderung zu absolvieren, weil der Flur so elendig lang war, was sich einige Kollegen später sogar zeigen ließen. Da sage noch einmal wer, Unterweiser seien keine Ungläubigen Thomasse! :mosking:



      Schön war die Herberge also, aber viel Zeit zum Genießen blieb nicht, denn die Führung durch das nachtdunkle Jordaanviertel mahnte zur Eile, für einen Kaffee reichte es aber noch. :tee: Nun denn, der Rundgang war nett, aber nass, denn der versprochene Regen tobte sich inzwischen auch außerhalb des Novotels aus. Zunächst wurde aber mit dem Mythos aufgeräumt, Amsterdam liege ungefähr vier Kilometer unter dem Null des Amsterdamer Pegels und sei ständig von Verschlingung durch die Fluten bedroht. Sehr beruhigend war die Auskunft, dass anrollende Flutwellen das Ende des Abschlussdeichs verkünden würden und die daraus resultierenden Probleme dann ganz andere wären... :eeeek: Gut, dass mein Zimmer im 12. Stock lag. :thumbup: Etwas schaurig war dann die Geschichte des Pestfriedhofs im Jordaan, auf dem sich inzwischen ein Spielplatz befindet, von dem bis auf den heutigen Tag die lieben Kinder manchmal etwas sehr makabre Funde mit nach Hause bringen sollen! Ansonsten dominiert der Eindruck von Übersichtlichkeit und Gemütlichkeit, auch eine Folge glücklicherweise fehlender Kriegszerstörungen und letztendlich nachhaltiger Stadtplanung. Gefahr droht eigentlich nur von den zahlreichen Fietsen, deren Reiter stets Vorfahrt haben... =O

      Reichlich durchfeuchtet ging es dann zum Abendessen, nichts besonderes - holländisch eben, bevor die weitere Abendgestaltung nach Gusto erfolgte, im Fall einer Gruppe im Mulligan's - denn Irland ist überall!

      Nach hinreichendem Bettentest und gutem Frühstück bewies der Blick nach oben, dass das versprochene gute Wetter tatsächlich Einzug in Amsterdam gehalten hatte:



      Dem Kulturgenuss stand nichts im Wege. Während einige Kollegen dies taten



      und andere sich Wochenmarkt- oder Konsumtempelbesuchen hingaben, stand für vier wackere Recken der Kulturgenuss auf dem Programm. Die Frage war also:

      oder

      Nein, nicht wirklich das Erste, Brauereien gibt es im Zweifelsfalle ja in Deutschland (noch immer) genug. Es sollte das Rijksmuseum mit seinen zahlreichen Meisterwerken sein! :)

      Schon das kürzlich grundsanierte Gebäude beeindruckt in seiner historistischen Pracht von außen wie von innen, wobei sich gerade im Inneren moderne Elemente harmonisch in das alte Gebäude einfügen, ohne dieses zu verleugnen.





      Nein, nein, keine Angst - es folgen jetzt keine kunsthistorischen Betrachtungen zu Rembrandt, Vermeer, den van der Veldes und wie sie alle heißen. Aber ein Besuch sei wirklich wärmstens empfohlen. Für die Highlights reichen am Ende wirklich zwei, drei Stunden - ein Studienbesuch würde allerdings fraglos mindestens einen ganzen Tag benötigen... Fotografieren ist im Museum übrigens ausdrücklich erlaubt, nur Blitzlicht ist verboten, um Schäden an den Kunstwerken zu vermeiden. Sicher von Vorteil für den Museumsbesuch war die frühe Reisezeit, denn von "Überbevölkerung" konnte nicht die Rede sein, selbst vor der Nachtwache war ein ausgedehntes Stehen und Diskutieren in der ersten Reihe problemlos möglich. :thumbup:

      Amsterdam ist übrigens sehr übersichtlich, im Prinzip lässt sich innerhalb des Grachtengürtels alles problemlos zu Fuß erreichen, und so ging es dann auch gemächlichen Tempos und mit Mittagspause unter freiem Himmel zu Fuß zurück Richtung Hauptbahnhof, wo der Bus für die Rückfahrt auf uns wartete.





      Ach ja: Sagte ich schon, dass Fietse in Amsterdam sehr verbreitet sind? Ihre hohe Beliebtheit zeigt sich vor allem an dem durchschnittlichen niederländischen Kettenschloss ;)



      Wie bemerkte doch ein Kollege? "In Berlin oder Venedig befestigen die Liebenden ein Schloss am Brückengeländer und schmeißen dann den Schlüssel ins Wasser - in Amsterdam ketten sie gleich ein ganzes Fahrrad an!" :laugh1:

      Zum Abschied gab es dann noch ein paar maritime Grüße und ausdrucksstarke Gesichter am inzwischen als Hotel fungierenden Scheepvaarthuis



      bevor es wieder zurück in die heimatlichen Gefilde ging.

      Amsterdam war schön, und sicher werde ich eines Tages mal wiederkommen, schon alleine wegen des derzeit geschlossenen Schifffahrtsmuseums. Und da wird dann bestimmt ein ganzer Tag fällig! :good3:
      Takk for oss

      BRITANNICUS :)
    • Hallo Britannicus,
      danke für den netten Kurzbericht von Amsterdam. Mich würde interessieren, ob man beim Rijksmuseum lange auf Einlass warten muss. Sollte man sich ggf. vorher per Internet eine Karte mit bevorzugtem Eintritt , evtl. auch für das van Gogh Museum , besorgen ? Hintergrund : Vorzeitige Anreise nach Amsterdam im April, bevor es mit der FRAM dann weiter nach Tromsö geht. Würde mich über kurze Nachricht freuen. Danke
    • Wir sind "einfach so" hingegangen und mussten auch nicht warten. Allerdings war im Rijksmuseum saisonbedingt auch nicht sehr viel los, sodass eine Vorbestellung auch keine Zeitersparnis gebracht hätte, obwohl die Ankunft in die auf der Homepage des Museums als am belebtesten beschriebene Zeit gefallen ist. Im April kann das schon ganz anders aussehen. Gerade bei begrenztem Zeitbudget würde ich deshalb schon zur Onlinebuchung raten - im Rijks bringt sie allerdings keinen Vozugspreis, es bleibt bei den auf den ersten Blick happigen, aber eingedenk des Angebots berechtigten € 17,50. Dann kannst Du zumindest direkt in die Ausstellungen gehen.

      Handtaschen sind im Museum übrigens erlaubt, ebenso wie Jacken. Rucksäcke usw. hingegen nicht, es gibt aber reichlich Schließfächer, die gegen ein Pfand von 50 Cent oder € 1,- benutzt werden können.
      Takk for oss

      BRITANNICUS :)