Die Geschichte von Eisbergen, Suiten, Walen, Moschusochsen, ..... - Untertitel: Andere Reedereien haben auch schöne Schiffe.

    • 2015
    • Grönland

    • 2.September 2015 – Arsuk – Ivittuut



      Obwohl ich ja erst nach 01:00 Uhr im Bett war, bin ich an diesem Morgen schon um 06:00 Uhr wach. Bei dem schönen Morgen fällt es einem aber auch schwer, noch müde zu sein. Schon zu dieser frühen Stunde zeigt sich überall der blaue Himmel, zumindest hier draußen auf dem Meer. Das Land verbirgt sich allerdings noch hinter einer breiten Dunstschicht.



      Dieser Dunstschicht verdanken wir wohl auch ein seltsames Naturphänomen. An Steuerbord ist deutlich ein weißer Regenbogen zu sehen. Man spricht hier auch von einem Nebelbogen. Natürlich treiben auch hier auf dem Meer wieder zahlreiche Eisberge.



      Auf dem Tagesprogramm steht heute der Besuch der Unterwasser-Stalagmiten im Ikka-Fjord. Doch es noch ein langer Weg dorthin. Wir werden wohl erst nach Mittag im Fjord ankommen. Da das Wetter heute mitspielt haben wir es aber auch nicht sehr eilig. Wir können uns also noch ausgiebig den weißen Riesen widmen, die uns entgegenkommen, bzw. die wir überholen.



      Arsuk selbst ist nur eine kleine Siedlung, die wir auch nicht anlaufen werden, was auch für Ivittuut gilt. Von den zahlreichen Walen und Robben die es hier vor der Küste gibt, sehen wir nur ab und zu den Kopf einer Robbe. Doch die Tiere sind immer nur für Sekunden zu sehen und tauchen sofort weg, sobald sich das Schiff ihnen nähert.



      Gegen 14:30 Uhr haben wir den Arsuk-Fjord erreicht. Der Name Ivittuut bedeutet „Grasreiche“, was sich auch an den Küstenhängen hier im Fjord zeigt. Wir erfahren nun die Einteilung der Gruppen für den Ausflug zu den Stalagmiten im Ikka-Fjord. Wir sind der zweiten Gruppe zugeteilt, werden also erst gegen 17:00 Uhr aufbrechen.



      So bleibt uns viel Zeit die Umgebung zu studieren. Auch andere Reisende nutzen dies und plötzlich richtet sich die Aufmerksamkeit vieler auf einen Hügel an Backbord. Tatsächlich stehen dort auf halber Höhe, aber doch in gehöriger Entfernung zum Schiff zwei Moschusochsen. Es ist nun gar nicht verwunderlich, das diese großen Tiere am Berg herumkraxeln, gehören sie doch zur Familie der Ziegen



      1987 wurden 15 dieser scheuen Tiere hier angesiedelt. Inzwischen hat sich der Bestand hier auf fast 150 Tiere ausgedehnt. Wir sind alle so fasziniert und beobachten die beiden Riesen so intensiv, dass wir fast nicht die Abfahrt der ersten Gruppe der Ausflügler bemerken. Man musste noch ein wenig auf die Ankunft des Scouts im weißen Motorboot warten, doch nun starten fünf Zodiacs in den Fjord.



      Während die Boote im Fjord verschwinden, bemerke ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung oberhalb der Fjordeinfahrt. Erst bin ich noch unsicher, doch dann kann ich ein Seeadlerpaar gut erkennen. Die beiden kreisen um den Hügel und sind vor dem Hügel nur schwer aus zu machen. Dann drehen sie ebenfalls in den Fjord ab. Unterhalb eines Geröllfeldes auf der anderen Seite des Fjordes sehe ich nun eine kleine Gruppe von Moschusochsen stehen. Ein weiteres Tier nähert sich ihnen von oben.



      Pünktlich um 17:00 Uhr kommt die erste Gruppe zurück und nachdem alle ausgestiegen sind dürfen wir als zweite Gruppe einsteigen. Die Boote sind schnell wieder gefüllt und schon lassen wir die OCEAN DIAMOND zurück. Vorbei an der Gruppe der Moschusochsen fahren wir nun tiefer in den Fjord.



      Bald erreichen wir die ersten Unterwasser-Stalagmiten. Mehr als 500 dieser bis zu 20 m hohen Säulen stehen hier. Sie wachsen jährlich etwa einen halben Meter und können bis zu 15 m durchmessen. Entstanden sind sie vor rund 10.000 Jahren. Trotz Polfilter bekomme ich sie allerdings nicht gut ins Bild. Die Wasseroberfläche ist sehr bewegt und spiegelt aus dem flachen Winkel vom Zodiac sehr stark.



      Wir fahren nun immer ein kleines Stück und machen dann wieder Halt an den nächsten Stalagmiten. Es darf auch nur immer einer aufstehen im Zodiac, nie zwei auf einmal. Am anderen Ufer entdecken schließlich Mitreisende im Nachbarboot eine Gruppe Moschusochsen, etwa sieben oder acht Tiere. Ich bekomme diese nur unscharf ins Bild, da ich die lange Brennweite nicht mithabe.



      Noch einmal wechseln wir unseren Platz im Fjord und fahren eine weitere Stelle der seltsamen Mineralienformationen an. Dann wird es Zeit zur OCEAN DIAMOND zurückzukehren. In rasanter Fahrt fliegen wir regelrecht über den Fjord und hinter der letzten Biegung taucht dann auch unser Expeditionsschiff wieder auf.



      Die Fahrt hat hungrig gemacht und nach dem Abendessen sind wir bereits wieder aus dem Arsuk-Fjord hinaus. Zwischen den Eisbergen sucht sich die OCEAN DIAMOND ihren Weg in Richtung Süden. Es wird uns etwas Seegang und eventuell Polarlicht angekündigt. Inzwischen hat sich der Himmel allerdings komplett zugezogen, so dass wir wohl nur Wolken zu sehen bekommen.
      Der nächste Höhepunkt steht für Morgen an, Narsarsuaq.







      Fortsetzung folgt.
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • Ich glaube, ich muss "Gerne-mal-Eisberge-sehen-wollen" auf meiner Reisewunschliste etwas weiter oben platzieren. ;) :mosking:
      :sdanke: für die ausführliche Berichterstattung und die gelungenen Bilder.
      Liebe Grüße, Goldfinch
      :ilhr:


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    • 3.September 2015 – Narsarsuaq, Eisfjord Qoroq, Wikingerruinen in Qassiarsuk



      Langsam treiben wir durch den Tunugdfjarfil als ich am Morgen gegen 6:15 Uhr aus dem Fenster schaue. Wir nähern uns also bereits Narsarsuaq, unserem heutigen Liegeplatz. An Steuerbord ist in einiger Entfernung schon die Einfahrt zum Qoroq-Eisfjord zu sehen. Dies wird später unser erstes Ausflugziel sein. Begleitet werden wir natürlich wieder von vielen Eisbergen, die hier im Fjord treiben. Darunter sind auch viele extrem blaue Eisbroken. Sie stammen aus den untersten Schichten eines Gletschers und bekommen durch die jahrelange starke Verdichtung dieses herrliche Farbe.



      Narsarsuaq selbst ist eigentlich auch nur eine winzige Ansiedlung. Mittelpunkt ist der Flughafen, den die Amerikaner zusammen mit einer Militärbasis 1941 hier anlegten. Während des Koreakrieges waren hier zeitweise annähernd 3.000 Mann stationiert. Im November 1958 verließen die letzten Amerikaner den Stützpunkt und seit 1987 steht der Flughafen unter der Selbstverwaltung Grönlands.
      In den verblieben Containern und Baracken leben heute etwa 130 Menschen.



      Nach dem Frühstück legen wir an dem kleinen Kai an. Gegenüber gibt es einen kleinen Sportboothafen und an der anderen Kaiseite liegen schon die Ausflugsboote. Von hier führt eine schmale Straße hinüber zum Flughafen und der dazugehörigen Ansiedlung. Etwa einen Kilometer muss man gehen, bevor man die ersten Hütten erreicht.



      Als erstes werden heute die Wander-Ausflügler auf den Weg gebracht. Nachdem sie ihre Lunchtüten empfangen haben, werden sie mit den Zodiacs über den Fjord gesetzt. Die Wanderungen werden den ganzen Tag dauern und, wie wir später erfahren doch recht anstrengend sein. Danach startet die erste kleine Gruppe in den Eisfjord. Sie benutzen dazu das kleinere der beiden modernen Ausflugsboote, die am Kai liegen.



      Wir sind bei der zweiten Gruppe dabei, da wir für den Nachmittag noch den Ausflug zu den Wikingerruinen gebucht haben. Insgesamt wird es heute sechs Touren in den Eisfjord geben. Wir entern das größere der Ausflugsboote und schon wenig später fahren wir den Fjord wieder zurück und nähern uns der Einfahrt in den Eisfjord.
      Die Steuerbordspitze des Bootes ist mit Seilen abgesperrt, was einige Mitreisende nicht verstehen und ihren Unmut darüber äußern. Anscheinend muss es schon sehr schwer sein zu begreifen, dass der Kapitän unseres kleinen Bootes freie Sicht bei der Slalomfahrt durch dieses dichte Eisfeld braucht.



      Der Eisfjord ist das Ergebnis des Qoroq-Gletschers, der täglich etwa gut 200.000 t Eis produziert. Als wir mitten im Fjord sind, nimmt der Kapitän Fahrt heraus und die Absperrung wird entfernt. In langsamer Fahrt treiben wir in dieser unwirklichen, aber unwahrscheinlich faszinierenden Eiswelt. Teilweise nähern wir uns den weißen und leuchtend blauen Riesen bis auf Armlänge. Ein-, zweimal sehe ich auch kurz den Kopf einer Robbe zwischen dem treibenden Eis. Doch kaum dass ich sie wahrgenommen habe, sind sie auch schon abgetaucht.



      Es ist schon noch etwas ganz anderes, die Eisriesen von dem kleinen Boot aus zu betrachten als vom Deck unserer OCEAN DIAMOND. Hier wird einem die Größe der kalten Riesen erst richtig bewusst. Die Stille hier schafft dazu eine total entspannte Atmosphäre.



      So treiben wir hier einige Zeit in der Mündung des Eisfjordes. Nur ab und zu fährt unser Kapitän langsam von einer Eisansammlung zur nächsten. Dadurch gelangen wir immer tiefer in den Eisfjord hinein. Insgesamt sind wir etwa mit 10 bis 12 Ausflüglern auf dem Boot. Nur selten steht man sich da mal im Wege, es ist ausreichend Platz für alle vorhanden.



      Als die Treibeismenge im mittleren Teil des Fjordes etwas auflockert, gibt unser Kapitän Gas und wir fahren schnell tief in den Fjord hinein. Bis etwa 200-300 Meter kommen wir so schließlich an die Gletscherzunge heran. Hier noch dichter an den Gletscher zu fahren wäre selbst mit dem kleinen Boot zu gefährlich.
      Aber auch so ist dieser Eisfjord und der Gletscher absolut beeindruckend und von uns denkt schon keiner mehr an den entgangenen Kangia-Eisfjord bei Ilulissat zurück.



      Auch das zweite Boot, das vor uns losgefahren ist treibt hier umher. Unser Boot hat neben dem Kapitän auch noch einen zweiten Mann an Bord. Der junge Mann schnappt sich nun einen Köcher, der am Heck des Bootes festgemacht war. Damit fischt er, nach einer kurzen Suche einige der vorbeitreibenden kleinen Eisklötze aus dem Wasser.



      Mühsam werden diese anschließend in einem alten Topf noch zerkleinert und wir bekommen nun Martini mit Gletschereis. Zugegeben, der schmeckt schon sehr gut und als er den Rest aus der Flasche verteilt erwische ich mich dabei, fast automatisch meinen Plastikbecher wieder hin zu halten.
      Manche Menschen, so auch ich, neigen ja dazu den Eiswürfel im Glas zu zerbeißen, wenn das Getränk alle ist. Dies sollte man allerdings bei Gletschereis tunlichst vermeiden. Das Eis ist so dicht und hoch komprimiert, dass wohl eher die Zähne nachgeben als das Eis. Jedenfalls kaue ich auf diesem Eiswürfel sehr lange herum, bis ich ihn endlich klein habe.



      In einiger Entfernung bemerke ich nun auch ein rötliches Zodiac. Ich konnte dieses Boot schon am Kai beobachten, als es einige Passagiere aufnahm, die mit einem kleinen Bus zum Hafen gebracht worden waren. Sie stammen aus einem Zeltlager, das wir später noch sehen werden.
      Lange treiben wir hier vor dem Gletscher, bis die Zeit zur Rückfahrt mahnt. Zuerst noch langsam, bis wir den Fjord verlassen haben, aber dann mit Vollgas geht unsere Fahrt zurück zur Anlegestelle mit dem kleinen Hafen.



      Diese erreichen wir gegen 11:00 Uhr. Gleich in der Kabine die vielen Bilder heruntergeladen und danach wird sich erst mal gestärkt am Mittagsbuffet. Unser Ausflug zu den Wikingerruinen ist für 13:30 Uhr angesetzt. Bis dahin sind auch meine Kameraakkus wieder aufgeladen.
      Mit zwei, drei Zodiacs setzen wir anschließend über den Fjord nach Qassiarsuk. Insgesamt sind es gut 20 Personen, die an diesem Ausflug teilnehmen.



      Kaum an Land fällt mir eine Statue hoch oben auf einem Hügel auf, die mir irgendwie sehr bekannt vorkommt. Qassiarsuk ist eine kleine Ansiedlung mit rund 50 Einwohnern. Im Jahre 982 soll Erik der Rote hier gelandet sein und sich dann 985 endgültig hier niedergelassen haben. Den Beinahmen „der Rote“ soll er wegen des Blutes, das an seinen Händen klebte bekommen haben.
      Eiríkur Thorvaldson, wie Erik richtig hieß musste Island 982 als Geächteter verlassen, nachdem er etwa 970 aus Norwegen nach Island übersiedelte. 985 kehrte er dann mit etwa 300-400 Siedler zurück nach Grönland und ließ sich hier am Fjord nieder.



      Wir müssen einige Zeit warten, dann kommt unser örtlicher Führer. Es handelt sich um einen jungen Grönländer dessen Wurzeln halb Inuit und halb deutsch sind. Er betreut auch das kleine örtliche Museum hier.
      Unsere Gruppe teilt sich nun in einige die unten den Weg langsam voraus gehen und den Rest, der hoch zur Statue klettert. Sie stellt Leif Eriksson, den eigentlichen Entdecker Amerikas dar. Die Staue ist, ebenso wie die in Trondheim (daher kam sie mir gleich so bekannt vor) eine Kopie des Originals ins Seattle/USA. Während wir so an der Statue von Leif Eriksson, dem Sohn Erik des Roten stehen, fällt mir ein Seeadler auf, der hoch über uns kreist und nur wenig später hinter dem nächsten Hügel verschwindet.



      Als wir an der Rückseite den Hügel wieder herunter wandern fällt mir ein alter verrosteter Traktor der englischen Marke Ferguson auf. Dieser zwischen 1946 und 1956 gebaute Ferguson TE-20 war zu seiner Zeit einer der meistgebauten Traktoren der Welt. Auffällig ist sein Antriebsaggregat. Für Traktoren eher unüblich wird dieses Arbeitstier von einem Bezinmotor angetrieben. Auch sucht man vergeblich ein Gaspedal, der Ferguson hat dafür einen Handgashebel.
      Unten angelangt finden beide Gruppen wieder zusammen und gemeinsam besichtigen wir nun das örtliche Museum, das Otto-Frederiksen-Wohnhaus, das nur aus vier Räumen besteht.



      Gleich an der roten Dorfkirche beginnt Brattahlid, die Siedlung Erik des Roten. Hauptsächlich besteht diese Siedlung heute aus Original-Ruinen und diversen originalgetreuen Nachbauten. Die meisten Ruinen sind mit Gras und anderen Pflanzen überwachsen und man kann sie leicht übersehen. Umrahmt von einer kleinen Mauer mit einem Durchgang mit Glocke gelangt man zu Thojdhilds (der Frau Eriks) kleiner Kirche, deren Bau sie wohl gegen den Willen ihres Mannes durchgesetzt hat. Diese Kirche schließt uns der junge Grönländer mit den passenden Schlüsseln auf :search: .



      Wenige Meter daneben hat man ein Wikinger-Langhaus rekonstruiert. Hier hat man sogar die Grassoden als Dach genau nachgebaut. Im Innern finden sich Feuer- und Schlafstellen ebenso wie ein rekonstruierter Webstuhl. Mit diversen Kleidungsstücken, Fellen und Arbeitsgeräten ist das Langhaus ebenfalls ein kleines Museum innerhalb einer Museumsanlage. Ein Inuit-Winterhaus direkt vorne am Ufer besichtigen wir nicht mehr, die Zeit ist schon fortgeschritten und wir machen uns auf den Rückweg.



      Vor dem Hostel fällt mir noch ein Umiak, ein typisches Boot der Inuit auf. Es besteht aus einem Holzgerippe, welches mit Haut bespannt ist. Diese Boote sollen erstaunlich seetüchtig sein und auch große Lasten tragen können. Bald erreichen wir die Anlegestelle unsere Zodiacs. Wenig entfernt sehen wir nun auch die Zeltlager der Schlauchboot-Passagiere aus dem Eisfjord.
      Nach einer kurzen Überfahrt sind wir wieder auf der OCEAN DIAMOND und ich will die verbleibende Zeit für einen kleinen Spaziergang Richtung Narsarsuaq nutzen. Schon nach wenigen Metern fällt mir auf, wie warm es inzwischen ist. Ich spaziere die Anhöhe hinauf und habe von hier einen guten Blick auf den Flughafen und die wenigen Häuser dahinter. So richtig lohnt sich der Gang dahin eigentlich nicht, also mache ich kehrt.



      Auf dem Rückweg sehe ich ein Seeadlerpaar hoch über dem Fjord kreisen. Ich bleibe stehen und beobachte die beiden bei ihren anmutigen Schleifen. Auf diesen Moment hat die einheimische fliegende Bevölkerung nur gewartet. In Sekundenbruchteilen schwirren die örtlichen Plagegeister zu Tausenden um mich herum :search_1: …., ok, vielleicht waren es auch nur Hunderte :blush2: ….. , aber es waren mindesten zwanzig :whistle3: . Ich gehe noch auf die andere Seite des kleines Hafens, bevor ich mich wieder an Bord begebe.



      Um 18:30 Uhr ist Landgangende und um 19:00 Uhr verlassen wir Narsarsuaq wieder. Das war wirklich ein schöner und unvergesslicher Tag. Der Eisfjord gehört auch heute noch für mich zum Höhepunkt dieser Reise.
      Wir nehmen nun Kurs auf die Südspitze Grönlands. Ob wir morgen allerdings auch durch den Prins-Christian-Sund fahren können ist noch nicht sicher und hängt von den Bedingungen vor Ort ab.
      Sicherlich wird es dort morgen kälter sein als hier im Fjord. Das Thermometer auf dem Achterdeck zeigt inzwischen 20°C an.

      Während des Abendessens hat das Schiff plötzlich extreme Schlagseite. Es muss ein sehr starker Wind hier im Fjord herrschen. Erst als wir später den Fjord verlassen und wieder über das offene Meer fahren, liegt das Schiff wieder gerade.
      Ich nutze die Zeit noch für einen kleinen Einkauf im Bordshop, bevor wir den Abend mit einem Glas Rotwein in der Club-Lounge ausklingen lassen.






      Fortsetzung folgt.
      Gruß Jobo,

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    • 4.September 2015 – Prins-Christians-Sund, Dänemarkstraße



      Da uns gestern Abend die Einfahrt zum Prins-Christians-Sund für 6:00 Uhr angekündigt wurde, stehe ich gegen 5:15 Uhr auf. Im Norden war es um diese Zeit noch hell, aber hier im Süden, wir befinden uns hier etwa auf dem Breitengrad von Oslo, ist es noch dunkel. Erst als ich kurz vor 6:00 Uhr an Deck komme, setzt langsam die Morgendämmerung ein.



      Voraus ist die Insel Ikeq zu sehen, etwas dahinter die südwestliche Spitze der Insel Eggers. Auf südlichsten Spitze dieser Insel liegt auch das Kap Farvel, die offizielle Südspitze Grönlands, wenn es auch einige kleine Inseln gibt, die noch ein wenig weiter südlich liegen. Die südlichste dieser namenlosen Inseln liegt 2,1 km von Kap Farvel entfernt.



      Um 6:30 Uhr steuern wir nach Backbord und halten nun auf den Torssukaatak zu, der Zufahrt zum Prins-Christians-Sund. Es ist erheblich kälter heute Morgen, wozu auch der sehr starke Wind beiträgt. Ich begebe mich auf den Balkon über der Brücke um die Fahrt durch den Sund besser mit zu bekommen. Doch hier Bilder zu machen ist gar nicht so einfach. Der starke Sturm der uns hier entgegen bläst wirft mich fast um. Trotz Bildstabilisator erweisen sich viele Aufnahmen später als verwackelt und unscharf, auch da ich die Kamera bei den starken Windböen kaum richtig halten kann.



      Im Sund hängt über uns eine dichte Nebelschicht und wir können die meisten Bergspitzen kaum erkennen. Nebel, vereinzelt Nieselregen und dazu der beißende Wind von vorn, das gefällt nicht mal dem Troll im Fels. Jedenfalls deute ich seine Miene so. Von den Berghängen rauschen unzählige Wasserfälle herunter, es erinnert schon etwas an die Fahrt durch den Geiranger und durch die hohen Berge rechts und links bei dem grauen Wetter an die Fahrt durch den Toppsund.



      Wir nutzen die Zeit in der es nun nicht wirklich viel zu sehen gibt und frühstücken in aller Ruhe. Als wir wieder an Deck kommen, schwenkt unser Schiff gerade scharf nach Steuerbord. Ein kurzes Stück führt der Weg nun wieder geradeaus, bevor wir nach Backbord abdrehen. Hinter einigen Steinhügeln am Ufer taucht nun das Dorf Aappilattoq auf. Wir erfahren über die Bordlautsprecher, dass hier ursprünglich ein kleiner Stopp geplant war. Wir sollten mit den Zodiacs zu einem kurzen Besuch an Land gebracht werden, aber der starke Wind verhindert diese Aktion. So begnügt sich unser Kapitän mit einem langen Gruß aus dem Typhon, das erste Mal während dieser Reise.



      Nach einem weiteren Links-Rechts-Schwenk, einmal so stark dass ich mich im Stokksund vermute, taucht an Backbord der erste Gletscher auf. Nun befinden wir uns wirklich im etwa 100 km langen Prins-Christians-Sund. Ganz ungefährlich ist die Fahrt hier auch nicht, da uns immer wieder kleinere und größere Eisberge entgegenkommen. Bislang hatten wir den Eindruck ganz alleine in dem Sund zu sein, doch nun taucht sogar eine kleine Segeljacht vor uns auf, die wir aber schnell überholt haben.



      Wasserfälle und Gletscher lösen sich nun ab. Man weiß zum Teil wirklich nicht wo man zuerst hinschauen soll und auf welche Seite des Schiffes man gehen soll. Der Prins-Christians-Sund verbindet die Labradorsee im Westen mit der Imingersee im Osten. Die sehenswerte Durchfahrt erspart den Schiffen den Weg um die Südspitze Grönlands, die durchaus sehr stürmisch sein kann.



      Wir nähern uns nun der engsten Stelle des Sundes und irgendwie muss ich unwillkürlich an den Raftsund denken, es fehlen nur die Seeadler . Vermutlich sieht man die durch die tiefe Wolkendecke nicht. Hier kommt uns sogar ein kleines Fischerboot entgegen. Natürlich sind auch hier an beiden Seiten wieder Gletscher zu sehen und Wasserfälle rinnen von den höher gelegenen Gletscherzungen in den Sund.



      Der Wind hat zumindest in diesem Teil des Sundes erheblich nachgelassen und es ist auch trocken von oben. Immer wieder treiben nun wahre Eisinseln vorbei, mit denen man sich definitiv keine Kollision wünscht. Ich hätte mir schon gewünscht einmal Zeuge eines Abbruch eines solchen Eisriesen von einer Gletscherzunge zu sein, aber soviel Glück hatten wir leider nicht.



      Erneut wechselt nun das Bild der Landschaft durch die wir hier fahren. Richtig, der Steinsund hatte ja noch gefehlt. Irgendwie verkörpert der Prins-Christians-Sund alle norwegischen Sunde in einem, quasi ein All-in-One-Sund :pleasantry_1: . Den Unterschied machen wirklich nur die vielen Gletscher die ihre Eisbrocken in den Sund kalben.



      Am Ende dieses „Steinsundes“ wartet auch das Ende des Prins-Christians-Sundes auf uns. An Steuerbord wird noch eine große Wetter- und Radiostation sichtbar. Der Sund öffnet sich nun und der Wind kommt uns erneut entgegen. Die schöne Fahrt durch dieser herrlichen Sund liegt hinter uns. Es ist 11:00 Uhr als wir in die Imingersee eintauchen.



      Diese müssen wir durchqueren um zur Dänemarkstraße zu gelangen. Ein letzter Blick zurück nach Gönland. An der ganzen Küstenline haben sich riesige Eisberge versammelt. Es schaut fast so aus als seinen sie hier gestrandet. Lange können wir den Anblick nicht genießen, denn die See wird nun rauer und unsere OCEAN DIAMOND beginnt lustig auf den Wellen zu tanzen. Die meisten Passagiere verschwinden nun wie von Geisterhand.



      Erst als wir die Dänemarkstraße erreichen wird die See etwas ruhiger. Dafür hat die Sicht ihren Status von sehr schlecht zu quasi Null verändert. Ein weiterer Verbleib an Deck macht so nicht wirklich Sinn und auch ich verziehe mich nun bis zum Abendessen in die Kabine.



      Schon am Morgen hatten wir auf dem Tagesplan die Ankündigung gelesen: „Abendessen mit einer anschließenden Überraschung im Foyer auf dem Deck 4“. Diese Überraschung erweist sich dann als ein riesiges Kuchen- und Gebäckbuffet. Zudem gibt es Drinks bis zum Abwinken. Man hat fast den Eindruck, als gäbe es für jeden Passagier an Bord einen eigenen Kuchen, so hat die Küche aufgefahren. Da wird wohl weit mehr als die Hälfte übrigbleiben.
      Wir lassen den Abend wieder ruhig in der Club-Lounge ausklingen. Morgen steht uns der zweite komplette Seetag bevor, bei dem Wetter sicher nicht der attraktivste Tag der Reise.
      Bevor ich ins Bett gehe, stelle ich meine Uhr schon mal um eine Stunde vor, da wir heute Nacht wieder eine Zeitgrenze überfahren.






      Fortsetzung folgt.
      Gruß Jobo,

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    • Du meinst sicher den auch dem zweiten Felsen im Hintergrund. Solche Trolle findet man dort überall, wenn man sie denn wahrnimmt.

      Nordlicht wrote:

      Ihr habt doch bestimmt mal probiert?


      Ich jedenfalls nicht, aber Renate konnte sich nicht zurückhalten. Warum auch, sie müssen wirklich lecker gewesen sein. ;)
      Gruß Jobo,

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    • 5.September 2015 – Seetag, Dänemarkstraße



      Große Attraktionen stehen heute nicht an, daher verpasse ich nichts auch wenn ich bis kurz vor 7:00 Uhr schlafe. Auch später beim Frühstück kann man sich so richtig Zeit lassen, zumal es draußen nicht wirklich viel besser ist wie gestern Abend. Aber selbst bei guter Sicht würde man außer Meer ohnehin wohl nichts sehen.



      Auch die See hat sich etwas beruhigt in der Nacht und wir gleiten relativ sanft über die kleinen Wellen. Auf den Decks finden sich aber kaum Passagiere ein, sie wirken wie leer gefegt. Auch ich nehme mir nun in der Kabine die Zeit, die ersten Bilder zu bearbeiten. Erst gegen Mittag lege ich mein Netbook wieder weg und wir gehen hinunter um das Buffet zu begutachten.



      Während des Mittagessen erfahren wir, dass heute Nachmittag die Brücke für die Passagiere offen steht und somit jederzeit besichtigt werden kann. Dies nutze ich natürlich nach dem Essen aus und mache mich gegen 14:00 Uhr auf zur Brücke.



      Ein junger Offizier ist gerade dabei einer kleinen Gruppe der Amerikaner einige Instrumente zu erklären. Als ich auch die eine oder andere kurze Erklärung am Rande mit einfließen lasse, wenden sich auch einige der Amerikaner an mich. Da ich von den Brückenbesichtigungen bei Hurtigruten viele Instrumente zumindest einigermaßen kenne, kann ich hier und da entsprechende Auskunft geben.



      Der junge Offizier scheint zumindest nicht böse darüber zu sein, verschaffe ich ihm doch hier und da ein wenig Luft und Pause bei seinen Erklärungen. Nun trudeln nach und nach auch weitere Passagiere auf, während die Amerikaner langsam schon wieder die Brücke verlassen.



      Ich verweile jedoch hier noch einige Zeit, überlasse aber dem jungen Offizier wieder das Feld der Erklärungen. Danach begebe ich mich wieder in die Kabine und arbeite weiter an meinen Bildern. Ganz bis zum Abendessen muss ich jedoch nicht warten, zuvor ist noch ein Kapitäns Abschieds Cocktail in der Main-Lounge angesetzt. Es gibt Sekt und kleine Häppchen.
      Ich bin bei diesen Häppchen inzwischen sehr vorsichtig. Vor einigen Tagen gab es auch abends in der Club-Lounge für alle außer der Reihe kleine Häppchen isländischer Spezialitäten, quasi als Vorbereitung auf Island. Unter anderem wurden dort auch kleine Stücke des für Island so berühmten Eishais serviert. Natürlich bin ich nicht feige und probiere ein Stück davon. Zuerst lässt es sich nur etwas schwer kauen, doch dann entfaltet er sein volles Aroma :bad: . Nach dieser Kostprobe bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich so edle Leckerbissen :wacko1: nicht wirklich verdient habe und werde zukünftig in Bescheidenheit ablehnen :fie: .



      Beim Abendessen wird dann noch für 21:00 Uhr ein Abend mit Geschichten über Island angekündigt. Arndis Halla wird diese vortragen und wird dabei von Övar, unserem Reiseleiter unterstützt. So finden wir uns mit vielen anderen Passagieren kurz vor 21:00 Uhr oben in der Main-Lounge ein. Mit vielen Geschichten, die teilweise auch singend vorgetragen werden, erfahren wir Vieles auch über die Sagenwelt Islands, in der Trolle und Elfen eine große Rolle spielen.
      So erzählt uns Arndis auch die Geschichte um die 13 Weihnachtsmänner Islands. Eigentlich sind es ja Trolle, alle Söhne der jahrhundertealten Trollfrau Grýla. Sie ist nun alles andere als eine Vorzeigemutter und ihre Söhne dürfen so gut wie nie aus dem Haus. Auch ist sie eine schlechte Köchin und der Haushalt ist total verwahrlost.
      Nur im Dezember, wenn es draußen fast ganztägig dunkel ist lässt die Alte ihre Söhne für einen Tag aus dem Haus, jeden Tag einen anderen. Die Söhne und die Katze Jólakötturin sollen der Mutter unartige Kinder bringen, die sie verspeisen will. Mit der Zeit wurden die Söhne sehr gutmütig und beschenken stattdessen an diesem Tag die Kinder in Island, die ihre Schuhe auf den Fenstersims stellen.
      So bekommen die isländischen Kinder an 13 Tagen jeden Nacht kleine Geschenke. Im einzelnen sind dies die Weihnachtsmänner:

      12. Dezember Stekkjarstaur – Schafschreck, auch Pferchpfahl genannt
      13. Dezember Giljagaur – Schaumschuft, auch Schluchtentölpel genannt
      14. Dezember Stúfur – Kurzer, auch Knirps genannt
      15. Dezember Þvörusleikir – Löffellecker, auch Kochlöffelschlecker genannt
      16. Dezember Pottasleikir – Kesselkratzer, auch Topflecker genannt
      17. Dezember Askasleikir – Schüssellecker, auch Essnapflecker genannt
      18. Dezember Hurðaskellir – Türentreter, auch Türschläger genannt
      19. Dezember Skyrgámur – Skyrschlund, auch Skyrgierschlund genannt
      20. Dezember Bjúgnakrækir – Rauchwursträuber, auch Wurststibitzer genannt
      21. Dezember Gluggagægir – Fensterglotzer, auch Fenstergaffer genannt
      22. Dezember Gáttaþefur – Türschlitzschnüffler
      23. Dezember Ketkrókur – Keulenklauer, auch Fleischangler genannt
      24. Dezember Kertasníkir – Kerzenschnorrer

      Aufpassen müssen die Kinder nur auf die Weihnachtskatze, die unartige Kinder mit Haut und Haar auffrisst, oder zur Trollmutter verschleppt.
      Doch die Söhne bringen heimlich die Kinder in den 13 Tagen nach Weihnachten wieder zurück und spätestens am 6.Januar sind alle wieder zu Hause. Die böse Alte soll schon seit Jahrhunderten kein Kind mehr zwischen die Zähne bekommen haben.
      Na ja, sehr zimperlich scheint man in Island mit Weihnachtsgeschichten nicht zu sein.

      Auf jeden Fall ist der Abend sehr unterhaltsam und wir sitzen mit einigen netten Mitreisenden anschließend noch bis nach 24:00 Uhr unten in der Club-Lounge.
      Dann wird es auch für uns Zeit – Island wir kommen.







      Fortsetzung folgt.
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    • 6.September 2015 – Stykkisholmur, Snæfellsnes Halbinsel



      Als ich am Morgen, noch vor dem Frühstück an Deck gehe, ist Island voraus nur ganz schwach aus zu machen. Oder sind es doch nur Wolkenformationen, die wie Land aussehen? Es ist sehr windig und immer wieder nieselt es leicht. Also erst mal in aller Ruhe frühstücken.



      Nach dem Frühstück ist die isländische Küste vor uns gut zu erkennen. Doch über dem Land drohen richtig dunkle Wolken. Uns wird mitgeteilt, dass die Tour zum Vogelfelsen zwar stattfindet, wir hatten diese auch gebucht, aber leider brüten dort inzwischen keine Vögel mehr, da die Zeit fürs Brüten bereits vorbei ist. Wir entscheiden uns daher spontan für die Bustour über die Snæfellsnes Halbinsel und melden uns von der Tour zu den Vogelfelsen ab. Um 9:00 Uhr steht für alle ein Briefing für die Disembarkation am nächsten Morgen in Reykjavik an. Wir beobachten die näher kommende Küste noch eine Weile, dann gehen auch wir zu dem Briefing.



      Hier erfahren wir nun, wie der Ablauf am nächsten Morgen von statten geht. Pro Gepäckstück bekommen wir ein farbiges Band. Die Farben unterscheiden sich je nachdem, wie es vom Schiff aus weitergeht. Wer den weiteren Ablauf in Eigenregie gestaltet bekommt einen pinkfarbenen Gepäckanhänger, die Passagiere die direkt zu Hotels oder zum Flughafen gebracht werden einen grünen und die Passagiere die, wie wir, noch die Bustour gebucht haben bekommen einen orangefarben für die deutschsprachige und einen gelben Gepäckanhänger für die englischsprachige Tour. Die Road Scholar schließlich bekommen einen blauen Anhänger.



      Die Koffer müssen mit den Farbbändern bis 6:00 Uhr vor die Kabinentür gestellt werden. Sie werden dann vom Schiff runter auf den Kai verbracht, von wo wir sie dann wieder in Empfang nehmen können. Die einzelnen Passagiergruppen werden dann nacheinander von Bord gelassen. Für uns wird ein Reisebus dort bereitstehen.



      Den Rest des Vormittags verbringen wir auf Deck. Islands Küste wird immer besser erkennbar. Wir sind bei den ersten am Mittagsbuffet, da wir ja nach der Ankunft in Stykkisholmur gleich zu unserem Busausflug über die Snæfellsnes Halbinsel starten.
      Als wir anschließend ausflugsbereit an Deck kommen, liegt Stykkisholmur schon direkt vor uns. Auch wenn inzwischen vereinzelt die Sonne kurz durchblickt und der Himmel sogar blaue Stellen zeigt, ist es doch immer noch sehr nass und regnerisch. Kurz nach 14:00 Uhr sitzen wir schon im Zodiac auf dem Weg zum Hafen von Stykkisholmur.



      Doch was ist das? Auf halbem Weg gibt der Motor des Zodiacs nur noch ein dünnes Brummen von sich und der Vortrieb setzt aus. Unser Zodiacpilot, Hermann aus dem Reiseleiterteam (der uns anfangs als Vorzeigewikinger vorgestellt wurde) funkt die Panne zum Schiff und versucht weiter den Motor wieder in Gang zu bringen. Dies gelingt ihm auch nach einigen Versuchen und er funkt Entwarnung.
      Doch der Motor zickt nach wenigen Metern erneut und alle Versuche ihn wieder zur Mitarbeit zu bewegen scheitern. Erneut wird die Brücke angefunkt, während eine Mitreisende mit einem Grinsen halblaut „Mayday, Mayday, Mayday“ murmelt :laugh1: . Trotz der feuchten und leicht misslichen Lage verlieren wir nicht unseren Humor und es fallen noch einige andere ironische Sprüche (so z.B. das sich Wikinger doch wohl besser mit Langbooten auskennen :mosking: ).
      Ein zweites Schlauchboot nähert sich uns nun und per Abschleppseil werden wir zum Kai gezogen.



      Nach dieser interessanten Zodiacfahrt und dem leichten Spott der Passagiere der anderen Zodiacs besteigen wir den bereitstehenden Bus. Arndis Halla wird auf der Fahrt unsere Reiseleiterin sein. Wir stellen schnell fest, dass dies eine gute Wahl ist. Wir haben Stykkisholmur kaum hinter uns gelassen, als das Wetter wieder schlechter wird. Starker Wind schüttelt uns durch und peitscht der Regen über die Straße. Wenig später setzt auch immer wieder Nebel ein.



      Da durch das Wetter nicht soviel von der Landschaft zu sehen ist, lauschen wir gespannt den Ausführungen von Arndis Halla. So erfahren wir viel über das Leben und Arbeiten auf Island. Sie erzählt uns von den Mieten, von günstigen Energiekosten, dem Schulsystem und vom Überstehen der Wirtschaftskrise. Ein schöner Regenbogen zwingt den Bus zu einem kurzen Fotostopp in Ólafsvik.



      Die Fahrt geht weiter, die Sicht ist allerdings nach wie vor sehr schlecht. Uns wird ein Parkplatz mit Toilette angekündigt, von dem aus man zum Strand hinunterlaufen kann. Es ist der Strand bei Djupalonssandur zu dem ein kurzen, teilweise hölzerner Weg führt. Bis hoch auf den dunklen Strand liegen hier verrostete Wrackteile, die von Schiffsschicksalen verkünden. Die angekündigten Toiletten sind zwar vorhanden, aber leider allesamt verschlossen.



      Unsere Fahrt führt nun weiter südlich, bis wir unseren nächsten Stopp erreichen. Es ist die imposante Steilküste Lóndrangar. Die beiden Felsen in der skurrilen Basaltlandschaft sollen eine Kirche der Elfen sein, so erzählt man sich. Wir fahren weiter nach Arnarstapi, einem kleinen Hafenort und früheren dänischen Handelsplatz.
      Von hier darf, wer will die Steilküste hoch wandern zu einem kleinen Café in dem der Teil der Gruppe warten wird, der nicht an der Wanderung teilnehmen wird. Genau zu dieser Gruppe gehören wir auch, da es doch sehr stark regnet und die Sicht an der Küste annähernd Null ist.



      Wir fahren daher mit dem Bus und vielen anderen Mitreisenden die wenigen Meter zurück zum Cafè. Dieses befindet sich gleich gegenüber der Statue von Bárður Snæfellsás, der der Sage nach zu den ersten Siedlern in dieser Gegend gehört haben soll. Er war größer und stärker als alle anderen, da Trollblut in seinen Adern geflossen sein soll. Auf der einen Seite half er seinen Nachbarn, war aber auch durch seine Berserkertaten gefürchtet.
      In dem Café wärmen wir uns etwas auf und nutzen hier auch die Toilette. Als auch die Wanderer wieder eintreffen, etwas durchnässt, starten wir zur Rückfahrt nach Stykkisholmur. Anfangs erzählt uns Arndis noch mehr über Island. Dann fragt sie in den Bus, ob die Reisenden noch mehr hören wollen oder eher etwas Ruhe benötigen. Die meisten stimmen für Ruhe, was ich eigentlich bedauere, da ihre Erzählungen sehr interessant waren. So schlummern die meisten anschließend vor sich hin, bis wir in Stykkisholmur wieder unsere Zodiacs besteigen. Ein letztes Mal fahren wir nun mit den wendigen Gummibooten zur OCEAN DIAMOND.



      Dort werden die Boote diesmal besonders gut verzurrt, da sie nun eine Weile nicht mehr benötigt werden. Auch an anderen Stellen im Schiff wird nun schon alles für den Abtransport, bzw. eine lange Seereise befestigt und eingepackt. Die Charter von Island Pro Cruises endet nach unserer Reise. Dann gehen alle von Bord, Passagiere, Expeditionsteam und auch die komplette Crew. Es kommt dann eine neue Crew an Bord, die das Schiff zuerst nach Lissabon/Portugal überführt. Hier wird das Schiff für einige Zeit in die Werft gehen um für die nächste Charter umgerüstet zu werden. Dann wird das Schiff in die Antarktis fahren und dort die Wintersaison verbringen.
      (Am 10.Oktober hat das Schiff Lissabon verlassen mit Ziel Montevideo)



      Um 21:00 Uhr verlassen wir Stykkisholmur und machen uns auf die 111 Seemeilen lange Strecke nach Reykjavik. Der Sturm bläst uns nun kräftig entgegen und die gerade einfahrende Fähre wird auch ordentlich durch geschaukelt.
      Wir packen unsere Koffer soweit fertig, dass wir diese morgen früh nur noch vor die Kabine stellen müssen. Danach lassen wir den letzten Abend auf dem Schiff bei einem leckeren Glas Rotwein in der Club-Lounge ausklingen.







      Fortsetzung folgt.
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • Von der Farbgebung her könnte man es ja auch glatt vermuten. :D
      Gruß Jobo,

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    • 7.September 2015 – Reykjavik, Golden-Circle-Tour



      Die Nacht war doch recht stürmisch. Um 3:00 Uhr war ich kurz wach und konnte die Gischtböen sehen, die an unserem Kabinenfenster vorbeiflogen. Um 4:45 Uhr war ich dann endgültig wach. Nach der Morgentoilette haben wir dann um 5:45 Uhr die Koffer vor die Kabine gestellt. Einige der anderen Koffer, die wohl schon gestern Abend herausgestellt wurden, hatte der Sturm überall im Gang wild verteilt. War anscheinend doch eine gute Idee unsere Koffer erst heute Morgen in letzter Minute raus zu stellen.



      Als wir wenig später die Kabine verlassen um an Deck zu gehen, sind unsere Koffer schon abgeholt worden. Fleißiges Personal wuselt überall herum und schleppt Koffer und Taschen weg. Draußen merken wir gleich, wie windig es hier ist. Auch nieselt es ein wenig, als wir uns langsam Reykjavik nähern. Eine Zeitlang dümpeln wir vor der Stadt herum, die Hafenbehörde hat wohl noch nicht die Erlaubnis zum Einlaufen erteilt.
      Dann werden die Hafenlotsen an Bord gebracht und wir fahren sehr langsam auf den Kai zu.



      Da offensichtlich ist, dass es noch geraume Zeit dauert bis wir anlegen, nutzen wir diese zu unserem letzten Frühstück an Bord im, zu dieser Zeit noch leeren Restaurant. Wieder an Deck haben wir gerade angelegt, gegenüber einem Schiff der Küstenwache. Es ist immer noch sehr grau, aber der Regen hat aufgehört und auch der Wind weht etwas schwächer.



      Auf dem Kai werden nun bereits die Koffer der Reisenden aufgebaut. Wann wir wirklich von Bord können richtet sich auch hier, wie in vielen Häfen zuvor, nach der Erlaubnis der Behörden. Unsere Reisepässe, die wir in Kangerlussuaq abgeben mussten, können wir ab 7:00 Uhr wieder an der Rezeption in Empfang nehmen.
      Nun warten alle darauf, dass die einzelnen Gruppen von Bord dürfen. Wir haben es nicht eilig, da wir uns in den letzten zwölf Tagen auf dem Schiff sehr wohl gefühlt haben und dieses nur ungern verlassen.



      Doch gegen 8:30 Uhr wird auch unsere Gruppe aufgerufen und mit ein wenig Wehmut verlassen wir das schöne Schiff und die nette Crew. Unser Bus für die Tagestour steht direkt auf dem Kai vor dem Schiff und unsere Koffer müssen wir nur fünf Meter bis zum Bus ziehen. Wir ergattern einen guten Platz im Bus und einige Minuten später fährt der Bus los.
      Zum Abschied steht das komplette Expeditionsteam auf dem Kai vor dem Schiff Spalier und winkt uns noch lange zu. Ein letzter Blick zurück auf die OCEAN DIAMOND, dann fahren wir schon aus der Hauptstadt Islands heraus.



      Island hat 330.000 Einwohner und über 120.000 davon leben in der Hauptstadt Reykjavik. Die Landflucht hat somit auch Island erreicht. Die Scheibenwischer des Busses sind gut beschäftigt und der Wind schüttelt uns auch gut auf den schmalen Straßen hin und her.
      Nach einer knappen Stunde erreichen wir Þingvellir. In dieser Ebene der Versammlungen traten seit 930 frühere Parlamente Islands zusammen. Hier wurde Recht gesprochen und politische Entscheidungen getroffen. Erst im Jahr 1798 lösten die Dänen dieses Parlament auf.



      Seit 1928 ist dieses Gebiet ein ausgewiesener Nationalpark, damals der erste Islands und wurde 2004 von der UNESCO in die Liste der Welterbe aufgenommen. Diese Senke ist auch tektonisch höchst interessant, driften doch hier die Nordamerikanische und die Eurasische Platte auseinander. Dadurch sinkt die Ebene jedes Jahr um einige Millimeter ab (alleine bei einem Erdbeben 1789 um 67 cm in 10 Tagen).
      Wir wandern vom oberen Ende der Verwerfung durch die große Spalte bis zu einem Parkplatz am unteren Ende. Hier warten neben unserem Bus auch andere Busse auf ihre Reisenden. Deren Tour geht sicherlich noch in andere Gebiete, die weniger glatte Straßen aufweisen.



      Während wir weiterfahren, lässt der Regen mehr und mehr nach und es wird auch etwas heller. Unser Reiseführer im Bus, ein junger Mann aus Reykjavik, erzählt uns wieder viel über Island und das Leben auf der Insel. Vieles davon haben wir aber gestern schon von Arndis Halla erfahren und so hören wir meist nur noch halb hin.
      Wir passieren das Thermalgebiet Haukadalur. Hierher werden wir später noch zurückkehren.



      Nur noch zwölf Kilometer weiter geht unsere Fahrt, dann haben wir den Gullfoss, den goldenen Wasserfall erreicht. Dieser Wasserfall hat eine durchschnittliche Wasserführung von rund 120 m³/s. Über zwei Stufen, die erste 11 m und die zweite 21 m rauscht das Wasser in die bis zu 70 m tiefe Schlucht.
      Ich nutze gleich die Toilette vor dem kleinen Restaurant. Doch hier muss man Eintritt zahlen und ich habe keine isländischen Kronen bei mir. Doch die Zahlung mit Kreditkarte ist auch möglich. Dies ist das erste Mal, dass ich für eine Toilettenbenutzung mit Kreditkarte bezahlt habe. Im Restaurant entdecken wir danach noch eine kostenlose Toilette :ireful: .
      Wir spazieren den Weg zum Wasserfall bis zur mittleren Stufe hinunter. Den Weg direkt bis zum Wasserfall sparen wir uns, da dort doch sehr viel Gischt in der Luft steht und man eigentlich von der mittleren Stufe aus besser sehen kann.



      Wir fahren anschließend wieder zurück zu den heißen Quellen. Hier finden wir den Geysir, der allen anderen bis heute den Namen gab. Im Jahr 1915 stellte dieser aber seine Tätigkeit ein und nur noch vereinzelt meldete er sich kurz zu Wort. In früheren Zeiten schossen die Fontänen regelmäßig um die 60 Meter in die Höhe, vereinzelt auch weit über 100m. Heute blubbert und dampft er meist nur noch still vor sich hin im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder Strokkur.



      Mehrere kleine Geysire und dampfende Quellen finden sich hier verteilt auf dem weiträumigen Gelände. Hauptattraktion ist aber definitiv der Strokkur. Etwa alle fünf bis sieben Minuten schießen seine Fontäne zum Teil bis 35 Meter in die Höhe. Rund um den aktiven Geysir stehen ständig Tourist mit ihren Kameras im Anschlag. Legt der Strokkur dann los hört man neben dem Zischen des heißen Wassers nur noch das Klicken unzähliger Kameraauslöser.



      Die Fontänen seiner Nachbarn fallen dagegen erheblich bescheidener aus, haben aber durchaus auch ihren Reiz. Zumindest versammeln sich hier nicht die Menschenmassen. Überall in der weiten Ebene dampft, brodelt und zischt es. Wir schlendern nun von dieser Hochtemperaturzone hinüber zum angrenzenden Tourismuszentrum.



      Auch hier gibt es noch einiges zu bestaunen. Der große Troll steht etwas abseits, während man den schön restaurierten Deutz und den alten Ford direkt vor dem Zentrum bewundern kann. Auch einige Skulpturen fristen hier ihr Dasein, deren Zweck oder Aussage sich mir aber nicht erschließt.



      In dem großen Gebäude befinden sich Café und Restaurant, sowie ein großer Shop mit vielen Souvenirartikeln. In der Mitte des Shops stehen einige ausgestopfte Präparate. Das Wichtigste hier sind aber klar die Toiletten, die von den Touristen ausgiebig genutzt werden. Die Schlange davor reicht weit bis in den Shop hinein.
      Wieder draußen gehen wir jetzt zurück zu unserem Bus. Neben dem Bus haben zwei der für Island typischen Geländewagen geparkt.



      Da wir noch etwas Zeit haben, machen wir noch einen zusätzlich Halt auf dem Weg zurück nach Reykjavik. Am Vatnsleysufoss, einem kleineren Wasserfall steigen wir aus und beobachten von einem extra angelegten Aussichtsplatz wie sich die Wassermassen in die Tiefe stürzen. Bis hierher hat sich das Wetter heute eigentlich ganz gut gehalten. Endgültig starten wir nun zur Fahrt zurück nach Reykjavik.



      Unterwegs erzählt der Reiseleiter wieder über Island. Dabei kommt auch die Rolle der Elfen und Trolle zur Sprache. Diese spielen auch im alltäglichen Leben der Isländer eine große Rolle. Wenn eine neue Straße gebaut wird, vermeidet man es z.B., große Felsen aus dem Weg zu räumen, wenn diese im Verdacht stehen Gebäude der Elfen oder Trolle zu sein. Die Straße wird dann tatsächlich um die Steine herum gebaut. Es gibt ja sogar eine Elfenbeauftragte in Island.
      Der Sage nach soll Gott das verborgene Volk erschaffen haben. Als er einmal Adam und Eva besuchte, hatte Eva noch nicht alle Kinder gewaschen und zeigte Gott nur die sauberen Kinder. Daraufhin soll Gott gesagt haben: Wenn ich die anderen Kinder nicht sehen darf, sollen ab nun auch die Menschen diese Kinder nicht mehr sehen können.“. Von diesen Kinder stammen die Elfen und Trolle ab. So soll das verborgene Volk entstanden sein und war seitdem für die normalen Menschen unsichtbar.



      Gegen 16:00 Uhr erreichen wir das Grand Hotel Reykjavik. Wir bekommen ein schönes großes Zimmer mit allem Komfort. Auch habe ich hier wieder Internetanschluss und kann nach 13 Tagen mal wieder ein Blick ins Forum werfen. Anschließend gehe ich hinunter zur Rezeption, um nach der Möglichkeit zu fragen, ein online eingechecktes Ticket irgendwo auszudrucken. Dies stellt kein Problem dar, da eine Etage darüber mehrere Computer mit einem Drucker stehen. Hier checke ich für Renate und mich für den nächsten Tag ein und drucke mir die Tickets gleich doppelt aus.
      Wir werden am nächsten Morgen zwischen 4:00 und 4:15 Uhr für den Transfer zum Flughafen abgeholt. Daher sollten wir heute zeitig zu Bett gehen. Ein Rundgang durch Reykjavik lohnt bei dem Regenwetter ohnehin nicht.
      Das Hotelrestaurant bietet ein Abendbuffet für 7.500 Kronen pro Person, also über 50,- Euro pro Person. In der Hotel-Lobby ist aber auch ein offener Stand, an dem man Speisen und Getränke kaufen und im Lobby-Bereich verzehren kann. Damit kommen wir mit der Hälfte der Kosten hin und es schmeckt trotzdem sehr gut.

      Noch vor 20:00 Uhr beschließen wir dann den Abend, die Nacht wird ohnehin nur sehr kurz.








      Fortsetzung folgt.
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • 8.September 2015 – Rückreise



      Bereits um 2:15 Uhr werde ich wach und stehe eine Viertelstunde später auf. Die Dusche hilft mir anschließend richtig wach zu werden. Die Sachen, die wir hier gebraucht haben müssen natürlich jetzt wieder in den Koffer geräumt werden. Da ausreichend Zeit zur Verfügung steht, kann ich meine Koffer noch ein wenig umpacken, um so die Gewichte besser zu verteilen.



      Kurz vor 4:00 Uhr sind wir unten an der Rezeption und checken aus. Es soll ab 4.00 Uhr im Restaurant Frühstück geben, aber zum einen ist uns dies noch viel zu früh und zum anderen ist uns die Zeit zu knapp bis der Bus kommt. Immer mehr Reisende treffen nun hier unten ein.



      Wir wollen draußen warten und tatsächlich steht dort der Bus schon bereit. Schnell habe ich unser Gepäck eingeladen und wir sind die ersten im Bus. Um 4:30 Uhr sind alle Mitreisenden im Bus und wir fahren zum Flughafen.



      Die Fahrt dauert gut 50 Minuten, dann parken wir vor dem Abflugterminal. Nun zeigt es sich, dass der Online-Checkin gestern eine gute Idee war. Vor den Schaltern der Icelandair sind die Warteschleifen schon fast halb gefüllt. Da wir schon Tickets haben und nur das Gepäck aufgeben wollen, können wir uns direkt anstellen. Die meisten anderen müssen erst gegenüber an den Checkin-Automaten einchecken und sich dann weit hinter uns anstellen.
      Da zu dieser Zeit sehr viele Flüge von Keflavik abgehen, hatte sich die Warteschleife hinter uns blitzschnell gefüllt.
      Wir werden unsere Koffer nach etwa 15 Minuten Wartezeit los und gehen nun zu einem kleinen Frühstück in einer Cafébar im Flughafen. Danach geht es eine Etage höher zur Sicherheitskontrolle. Auch hier herrscht schon ein großer Andrang. Doch wie so oft rennen die meisten Reisenden zu den ersten Kontrollschaltern gleich am Eingang. Wir gehen seitlich durch und erreichen einen Schalter der nur mäßig besucht ist. Keine fünf Minuten später sind wir schon im Gatebereich.

      Renates Flieger nach Hamburg hat um 7:50 Uhr Startzeit, meiner nach München schon um 7:20 Uhr. So können wir beide noch ganz gelassen die sauberen Toiletten im Flughafen benutzen. An einem Snackstand kaufe ich mir dann von den letzten Kronen noch ein Sandwich für unterwegs.

      Renate begleitet mich bis zu meinem Gate und als dort das Boarding beginnt verabschiedet sie sich zu ihrem Gate. Ich bin als einer der Ersten beim Boarding und auch in der Maschine. Ich habe wieder einen Economy-Comfort-Platz ergattert. Die Dreiersitzreihe hat etwa 45-50 cm Abstand von der vorderen Sitzkante zu den Rückenlehnen der beiden Business-Sitze davor. Hinter unserer Sitzreihe befinden sich die Einstiege, daher hatte hier wohl keine zweite Sitzreihe hingepasst. Auf der anderen Seite befinden sich die Toiletten, was sich aber während des Fluges nicht wirklich als störend erweisen sollte.

      Längst ist unsere Abflugzeit verstrichen, als man uns mitteilt, wir müssen noch auf Anschlusspassagiere aus einer verspäteten Maschine warten. Da wird Renate wohl doch vor mir in der Luft sein.
      Mit gut 35 Minuten Verspätung starten wir endlich von Keflavik. Auf Wiedersehen Island.

      Der Flug ist wieder sehr angenehm und ruhig. Zeit aufholen können wir aber unterwegs wohl nicht wirklich, jedenfalls landen wir mit immer noch 30 Minuten Verspätung in München. Mein Gepäck kommt zwar relativ schnell, trotzdem ist mir der Bus nach Landshut durch die Verspätung quasi vor der Nase weggefahren und ich muss eine Stunde auf den nächsten warten.

      Gegen 16:00 Uhr bin ich dann wieder zu Hause und Grönland und Island liegen hinter mir. Immerhin kann ich die Eindrücke noch einige Tage wirken lassen, da ich erst nächste Woche wieder zur Arbeit muss.








      Fazit folgt.
      Gruß Jobo,

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    • Fazit der Grönland - Island Reise





      Der Veranstalter:
      Island Pro Cruises erwies sich als professioneller Veranstalter. Das Reiseangebot war gut und der Service vor, während und nach der Reise vorbildlich.
      Das Preis-Leistungs-Verhältnis hat absolut gestimmt. Flüge, Transfers, Hotels und die Schiffsreise mit Ausflügen waren sehr gut organisiert.
      Wir hatten stets das Gefühl uns in guten Händen zu befinden.
      Absolut empfehlenswert.

      Icelandair:
      Gute Fluggesellschaft mit Flugzeugen, die auf allen Sitzen ausreichend Platz und Komfort bieten. Bei den Flügen wird Essen nur gegen Bezahlung gereicht. Empfehlenswert ist es, sich zuvor im Gatebereich mit einem Snack für unterwegs zu versorgen, wenn man denn dies auf den Flügen benötigt. Die Flugzeuge machten einen guten Eindruck was Technik und Sauberkeit betrifft. Die Bordcrew war hilfsbereit und stets freundlich.

      Die Hotels:
      Die Hotels entsprachen gutem europäischen 4-Sterne Standard. Große Zimmer mit dem notwendigen Komfort. Die Betten waren sehr angenehm in der Größe und die Matratzen wirkten neuwertig und boten guten Halt. Sie waren weder durchgelegen noch zu hart.
      Der Service in den Hotels war durchweg gut.



      Das Schiff:
      Die OCEAN DIAMOND wirkte auf uns vom ersten Moment an gemütlich. Auch fühlten wir uns immer absolut sicher auf dem Schiff. Durch die Größe des Schiffes hatte man nie Orientierungsschwierigkeiten. Schon nach dem ersten Rundgang wusste man genau wo man was findet. Die gesamte Einrichtung des Schiffes wirkte stabil und hochwertig.
      Die Kabinen waren groß und sauber. Stauraum war ausreichend vorhanden. Die Kabineneinrichtung wirkte hochwertig und funktionell. So rasteten Schranktüren und Schubladen immer richtig ein und mussten mit den Klappgriffen richtig entriegelt werden zum Öffnen. Dadurch war sichergestellt, dass sich bei Seegang nichts von alleine öffnete. Einige Schubladen konnten sogar mit separatem Schlüssel verschlossen werden, und hatte somit die Funktion eines Kabinensafes.

      Die Crew:
      Stets zuvorkommend, außergewöhnlich freundlich und hilfsbereit. Ich habe während der ganzen Reise nie ein mürrisches oder unfreundliches Gesicht gesehen.
      Man hatte eigentlich immer den Eindruck, es macht der Mannschaft wirklich Spaß auf dem Schiff zu arbeiten und die Gäste zu betreuen. Dies gilt für alle, sowohl die komplette Küchenmannschaft, die Offiziere, wie auch das Kabinenpersonal bis hin zu den „einfachen“ Matrosen.

      Das Expeditionsteam:
      Ein sehr engagiertes Team, das ständig dafür sorgte, dass keine Fragen offen blieben und alles gut und reibungslos organisiert wurde. Auch bei den Zodiac-Fahrten fühlten wir uns nie unsicher. Die Durchsagen an die Passagiere kamen überwiegend rechtzeitig und enthielten alle nötigen Informationen. Ständig hatte man ein offenes Ohr für die Reisenden, auch außerhalb der offiziellen Zeiten des Expeditionsschalters.
      Die Vorträge und Informationen waren sehr gut und interessant. Die Begleitung auf den Ausflügen vorbildhaft.



      Grönland:
      Absolut faszinierend. Ich hätte nie mit solchen Eismassen gerechnet. Die Landschaften auch an der Küste sind sehr abwechslungsreich. Teils karg und felsig, teil sehr grün und teils auch im Sommer unter Schnee und Eis.
      Die Städte, bzw. Orte sind einfach und meist eher klein. Durch die Lage der Orte und die vielen bunten Häuser wirken diese Ortschaften durchweg sehr angenehm und freundlich.
      Einheimische begegnen den Touristen sehr freundlich und meist offen.
      • Uummanaq: Für mich der schönste Ort auf unserer Reise. Die herrliche Lage auf der kleinen Insel vor dem Herzberg ist einfach traumhaft. Dazu die vielen Hunde im Ort und die Eisriesen vor dem Ort. Hier hätte ich wirklich noch länger herum spazieren können.
      • Epiq Sermia: Der Gletscher und die Anfahrt zu ihm sind ein besonderes Erlebnis. Die stille Atmosphäre mit dem ruhigen Fjord und dem vielen Treibeis regen einfach zum Nachdenken an.
      • Ilulissat und der Kangia Eisfjord: Fielen leider aus, aber allein der Anblick der riesigen Eisbarriere davor bleibt in Erinnerung.
      • Sisimiut: Kurzfristig eingeschoben spielte hier leider das Wetter überhaupt nicht mit. Der kleine Ort ist bei besserem Wetter sicher absolut sehenswert.
      • Nuuk: Fast zu modern für Grönland konnte aber der herrliche Fjord mit seinen Buckelwalen punkten. Zumindest im Bereich des Kolonialhafens aber auch ein Hingucker.
      • Arsuk/Ivittuut: Schöner Fjord mit vielen Moschusochsen auf den Anhöhen. Die Stalagmiten haben mich allerdings nicht so vom Hocker gerissen, da sie auch nur schwer zu sehen waren in den Wasserspiegelungen.
      • Narsarsuaq: Vom Ort her nicht besonders sehenswert, aber der Qoroq-Eisfjord war ein absoluter Höhepunkt. Auch Qassiarsuk mit seinen Wikingerruinen war sehr interessant.
      • Prins-Christians-Sund: Ein schöner Abschluss für Grönland und sehr beeindruckend. Auf kleinstem Raum enorm viele Gletscher und natürlich Wasserfälle.

      Island:
      Leider haben wir von Island ja nur einen winzigen Teil gesehen. Selbst dieser Teil war schon hochinteressant. Es hat Appetit auf mehr gemacht. Ich kann mir durchaus einen längeren Aufenthalt, vielleicht im Rahmen einer kompletten Rundreise auf dieser so mystischen und geologisch interessanten Insel vorstellen.
      • Keflavik: Im Bereich der Hotels und des industriellen Fischereihafens nicht besonders sehenswert. Schöner ist da schon der kleine Ortskern an der Küstenstraße mit dem Jachthafen und den Steilklippen.
      • Stykkisholmur und die Snærfellsnes Halbinsel: Sowohl vom Ort wie auch von der Halbinsel haben wir durch das schlechte Wetter nicht sehr viel gesehen. Da ist eine Wiederholung fast schon Pflicht.
      • Reykjavik: Die Ansicht vom Meer aus ist durchaus einladend. Ansonsten sind wir nur kurz durch die Stadt gefahren. Daher ist eine objektive Bewertung nicht möglich.
      • Golden-Circle-Tour: Klar ist dies die Haupttouristen-Tour und zeigt nur einen winzigen Teil Islands. Trotzdem ist sie ein absolutes Muss und macht Appetit auf mehr Island, selbst bei nicht ganz so schönem Wetter.

      Das Wetter:
      Hat leider nicht immer mitgespielt. Einige Regentage und auch die Eisbarriere vor Ilulissat zwangen zu Umplanungen und Improvisationen. Ich denke aber, mit so etwas muss man in diesen Regionen immer rechnen und dieser Teil der Welt ist einfach bei jedem Wetter interessant.
      Insgesamt können wir uns aber nicht beschweren, lediglich in Island hätten wir uns das eine oder andere Mal auch etwas blauen Himmel und Sonnenschein gewünscht.



      Normalerweise mache ich im Fazit immer eine Gegenüberstellung der positiven und der negativen Aspekte. Dies kann ich mir bei dieser Reise allerdings sparen. Es gab schlichtweg keine negativen Punkte. Sollte tatsächlich mal etwas gewesen sein, was uns nicht so gefallen hat, so war es so geringfügig, dass wir es längst wieder vergessen haben.


      Gesamtfazit: Es war eine tolle und angenehme Reise ohne erwähnenswerte Probleme. Wir würden diese Reise jederzeit wieder so machen und können dies auch nur jedem empfehlen.




      Gruß Jobo,

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    • Danke für deinen interessanten Bericht und die tollen Fotos :thank_you: Grönland steht auch noch auf meiner Wunschliste. Ich muss gestehen, dass mich die Fram nicht wirklich anspricht, deswegen klingt Island Pro Cruises als Alternative sehr gut :thumbup:
      Mit Island Pro Travel habe ich vergangenes Jahr landseitig in Island allerbeste Erfahrungen gemacht. Natürlich ist der Hotelstandard außerhalb der Hauptstadtregion keine 4 Sterne, aber es ist immer sauber. Auch bei den Bussen muss man etwas Komfortverzicht üben, wenn Hochlandpisten dabei sind. Dennoch kann ich es uneingeschränkt empfehlen!
      Viele Grüsse, Albatross
      Reiseberichte im Profil
    • @Albatross, habe deinen Bericht von Island gerade mal durchgeschaut. Hört sich wirklich toll. Habe das damals gar nicht mitbekommen, dass du in Island warst. Zu der Zeit hatte ich allerdings auch andere Probleme.

      Du hast da in deinem Bericht mal geschrieben, dass du wegen Schleichwerbung den Veranstalter nicht nennen willst. Wir sind ein Reiseforum und von daher betrachten wir die Namen von Veranstaltern auch nicht als Werbung, zumal man ja auch sowohl positive (wie jetzt bei meiner Reise hier oder bei meinem Azoren-Tripp) wie auch negative (wie z.B. bei meiner Mauritius-Tour - zumindest auf den Veranstalter und die Reiseleiterin bezogen) Erfahrungen hier nennen kann.
      Wir betrachten sowas als notwendige Informationen für unsere user. Eine Empfehlung für einen guten Veranstalter ist ebenso hilfreich, wie ein Hinweis auf einen Veranstalter mit dem man Probleme hatte. ;)
      Gruß Jobo,

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    • Vielen Dank Jobo für den eindrücklichen Bericht - ich glaube ich habe es schon mal geschrieben, zum Erstenmal habe ich Lust auf Grönland bekommen, das mich bisher überhaupt nicht gereizt hat.
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~ Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~
      Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

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