Die Geschichte von Eisbergen, Suiten, Walen, Moschusochsen, ..... - Untertitel: Andere Reedereien haben auch schöne Schiffe.

    • 2015

    • 28.August 2015 – Seetag, nordwärts



      Gegen 03:30 Uhr werde ich kurz wach. Das Schiff rollt ein wenig, herrlich dieses doch inzwischen schon lange vermisste Gefühl. Ich schlafe dementsprechend auch schnell wieder gut ein.
      Es ist 05:00 Uhr, als ich erneut wach werde. Also erst mal duschen in einem unserer zwei Bäder.



      Im Schlafraum befindet sich im hinteren Teil ein kleiner Nebenraum mit einem kleinen Schreibtisch vor einem Spiegel und an der Stirnwand Schränke, die viel Stauraum bieten. Rechts daneben kommt man in ein Bad mit Toilette, Waschbecken und einer Sitzbadewanne, in der man auch duschen kann. Im vorderen Wohnraum befindet sich dann links neben der Kabinentür noch ein zweites Bad mit Toilette, Waschbecken und Dusche. Der vordere Raum verfügt auch über einen DVD-Player und ein TV. In beiden Räumen befand sich zudem noch je ein Kühlschrank. Die jeweils oberen beiden Schubladen der großen Schreibtische in jedem Raum sind abschließbar und fungieren somit als Kabinensafes.



      Von unserer Kabine sind es nur wenige Schritte bis zum zentralen Punkt des Schiffes. Hier findet sich die Rezeption und auf der anderen Seite der Expeditions-Schalter, der zu dieser Zeit allerdings noch geschlossen ist. Gegenüber gelangt man über den Niedergang zu den anderen Decks. Vorbei an der Rezeption geht man am Bordshop entlang. Gegenüber befindet sich der obere, kleinere Teil des Restaurants. Wir hatten eine Gruppe Amerikaner mit eigenem Reiseleiter an Bord, die Road Scholar, für die ein Teil dieses Restaurants reserviert war. Am Ende des Ganges befindet sich die Club Lounge. Davor ein großer Tisch mit freien Getränken. Cola (in allen Variationen – light, zero usw.), Fanta und andere Softgetränke standen hier immer ausreichend zur freien Verfügung, genauso wie Flaschen mit gutem isländischem Wasser.



      In der Club Lounge befindet sich linker Hand ein langer Bartresen, hier standen immer reichlich Kaffee und Milch, sowie heißes Wasser für Tee. Die Teebeutel dafür befanden sich gegenüber auf einem großen Tisch, zusammen mit den Keksen (meist zwei oder drei Sorten) und von 06:30 bis 07:30 Uhr das sogenannte Frühstück für Frühaufsteher. Meist weitere kleine süße Teile und/oder kleine Toasthäppchen. Gleiches fand sich hier auch jeden Tag von 16:00 bis 17:00 Uhr in der sogenannten Kaffee- und Teestunde.
      Ich trinke hier mit Renate einen ersten Morgenkaffee, bevor wir zum Frühstück in das große Restaurant auf Deck 3 gehen. Hier gibt es täglich Frühstück von 07:30 bis 09:30 Uhr. Ein tolles Frühstücksbuffet, das kaum Wünsche offen lässt.



      Nach dem guten Frühstück begeben wir uns kurz an Deck. Wie angekündigt ist das Wetter nicht so berauschend, es regnet und die Sicht könnte auch besser sein. Die See ist ein wenig ruppig und hier und da kann man mehr oder weniger viele Schaumkronen entdecken, vermutlich etwa Windstärke 3 bis 4, höchstens 5. Allerdings fahren wir durch eine lange Dünung und das Schiff stampft in einem schönen Rhythmus parallel zur Küste.
      Gestern Abend lag schon der Tagesplan für heute in unserer Kabine. Um 09:00 Uhr steht die Zodiac-Einweisung an, eine Pflichtveranstaltung. Also schnell noch in den Bordshop und die ersten Souvenirs kaufen, bevor wir zu der Veranstaltung gehen.



      Diese findet in der Main-Lounge auf Deck 5 statt. Hierhin gelangt man entweder über den normalen Treppenaufgang, oder über eine Wendeltreppe von Deck 4. Hier kommt man dann auf Deck 5 zwischen der Bibliothek und der Main-Lounge heraus.
      Die Kurzanweisungen von Gestern werden nun noch ausführlicher besprochen. Beim Ein- und Ausstieg fasst man sich gegenseitig am Unterarm, ein wesentlich sicherer Griff, als nur mit der Hand. Im Zodiac gibt der Fahrer die Anweisungen, denen die Paxe zu folgen haben. Die Zodiac sind identisch mit den militärischen Versionen. Sie besitzen acht Luftkammern und sind auch mit nur einer intakten Luftkammer noch voll einsatzfähig. Am Heck befinden sich Yamaha-Außenborder mit jeweils 60 PS.



      Wir machen anschließend eine kurze Pause auf Deck 6. Hier befindet sich auch der kleine Swimmingpool des Schiffes, für maximal 6 Personen. An Steuerbord befindet sich ein Grillbereich, der aber während unserer Fahrt nicht genutzt wurde. Gleich daneben eine Außenbar. Dieser ganze Bereich ist gleichzeitig der einzige Raucherbereich des Schiffes. Auf allen anderen Außen- und Innenbereichen des Schiffes ist das Rauchen strikt verboten.



      Um 10:00 Uhr finden wir uns wieder in der Main-Lounge ein. Es findet jetzt die Vorstellung des Expeditionsteams statt. Alle Zodiacfahrer, Lektoren und sonstige Teammitglieder werden einzeln vorgestellt. Anschließend gibt es noch eine Grönland-Einführung und Vorstellung der Landausflüge. Da wir bereits alle Ausflüge vorab gebucht haben und den Grönland-Reiseführer im Vorfeld schon eifrig studiert haben, sparen wir uns diese letzte Veranstaltung.
      Ich setze meinen Rundgang auf dem Schiff fort und schaue mir kurz den kleinen Fitnessraum an, der sich direkt neben dem Raucherbereich auf Deck 6 befindet.



      Am Heck führt eine Treppe hinunter zu Deck 5. Hier kann man die anderen Zodiacs aufgestapelt sehen. Eine weitere Treppe führt hinunter zu Deck 4. Zwei Ausleger ragen auf beiden Seiten gut 1,5 m aus dem Schiff heraus. Eine Tür führt hier wieder von hinten in die Club-Lounge.
      Da es inzwischen schon kurz vor 12:00 Uhr ist, begeben wir uns zum Mittagsbuffet. Salate und andere kalte Speisen gibt es genauso reichlich, wie viele süße Sachen zum Nachtisch. In den Warmhaltebehältern kann man zwischen vier verschiedenen Gerichten wählen. Das wird wohl schwierig werden mit dem Halten des Gewichtes :blush2: .



      Nach dem Essen gönnt sich Renate eine Ruhepause in der Kabine. Ich setze mich auf Deck 7 an den windgeschützten Tisch neben dem Ausgang. Lang sitze ich hier und genieße die Ruhe und das schöne, gleichmäßige Stampfen des Schiffes. Schließlich kommen zwei ältere Amerikanerinnen aus der Tür und beschließen fünf Meter neben dem Tisch lautstark ihren Nachmittagsplausch abzuhalten. Ich ergreife die Flucht durch den Kabinengang nach vorne in die Panoramalounge.



      Vor der Panoramalounge befindet sich noch ein Außenbalkon, quasi das Dach der Brücke. Backbord und Steuerbord führen Niedergänge über die Nocks (die aber teilweise abgesperrt sind) auf Deck 5. Vorne hat es hier noch einen Balkon, in dessen Mitte einige Stufen herunterführen zum ebenfalls abgesperrten Bug.



      Der Außenbereich von Deck 5 reicht an jeder Seite bis zum hinteren Teil des Schiffes. Hier führen Stufen wieder hoch zum Deck 6 und ein Fenstergang jeweils zum Achterdeck. Steigt man hier wieder auf Deck 7 gelangt man von dort über einen weiteren Aufstieg auf Deck 8, einem großen Freideck mit Rundumblick.
      Hier beende ich meinen Schiffsrundgang und begebe mich auf einen Kaffee in die Club-Lounge. Renate scheint wohl noch in der Kabine oder in einem anderen Bereich des Schiffes zu sein.



      Während ich hier so sitze und meinen Kaffee schlürfe, blicke ich aus dem Fenster. Aus dem Dunst taucht er dann genau um 14:50 Uhr auf, der erste Eisberg. Ich zeige nach draußen und rufe Eisberg :clapping: . Schon stürmen alle Passagiere in der Lounge auf meine Seite an die Fenster. Darauf haben alle gewartet.
      Erst ist es nur der eine, dann taucht ein zweiter auf, weiter hinten ein dritter. Längst bin ich auf dem Außendeck, wo ich auch Renate treffe.



      Jetzt tauchen die weißen Riesen in immer schnellerer Folge auf und werden auch immer größer. Bald darauf ist auch wieder, wenn auch nur im Dunst, das Land zu erkennen. Die Temperatur ist mittlerweile auf gerade noch 6-8 °C gesunken.
      Der Schwung der treibenden Berge lässt genau zur richtigen Zeit nach. Für 18:30 Uhr ist der Captain's-Welcome Cocktail angesetzt. Kapitän Knut Hanssen, ein Norweger, empfängt uns mit Sekt und kleinen Horsd’œuvres. Dazu gibt es eine kleine Begrüßungsansprache. Insgesamt eine angenehm formlose Sache.
      Von hier können wir anschließend direkt zum Dinner im Restaurant gehen. Gleich am Restaurant-Eingang sind alle Gerichte aufgereiht und man kann auch nach Auge aussuchen. Dies hat auch den Vorteil, dass niemand am Tisch die Essen fotografieren muss. Kann man hier alles am Eingang machen.

      Gut gesättigt vertreten wir uns noch ein wenig die Beine an Deck, bevor wir den Tag beschließen. Wir freuen uns aber schon auf Morgen, auf Uummannaq.







      Fortsetzung folgt.
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • Der Beschreibung des heutigen Tages macht dem Untertitel deines Berichtes "Andere Reedereien haben auch schöne Schiffe" ja alle Ehre. Sieht gemütlich aus und so, als ob man sich dort sehr wohl fühlen könnte. :imsohappy:
      ... und dann noch die ersten Eisberge ... :thumbsup:
      Liebe Grüße, Goldfinch
      :ilhr:


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    • 29.August – Uummannaq



      In diesen nördlichen Breiten ist es schon recht früh am Morgen hell (immerhin war hier vor einem Monat noch die Mitternachtssonne), daher ist es nicht verwunderlich, dass ich bereits um 05:00 Uhr wach bin. Als ich kurz vor 06:00 Uhr an Deck bin, befinden wir uns bereits im Umanak Fjord in der Anfahrt auf die 2 km² große Insel Uummannaq. Das Wetter scheint heute mitzuspielen, es ist trocken und der Himmel zeigt sich zwar noch stark bewölkt, aber vereinzelt sind die ersten hellen Streifen zu erkennen.



      Wir bewegen uns in etwas langsamer Fahrt zwischen den reichlich vorhandenen Eisbergen hindurch. An Backbord ist die große Insel Appat zu sehen. Auf der Steuerbordseite zieht die große Landzunge Nuussuag vorbei. Nicht mehr allzu weit voraus ist bereits der 1175 m hohe Uummannaq zu sehen. Der Berg (übersetzt bedeutet Uummannaq herzförmig) gab dem kleinen Eiland seinen Namen und ist schon aus großer Entfernung durch seine markante Form zu erkennen.



      Unsere Ankunft ist für ca. 08:00 Uhr geplant. Für Uummannaq stehen zwei Ausflüge auf dem Programm, eine geführte Wanderung durch den Ort und jederzeit der Besuch des Museums. Wir haben allerdings keinen dieser Ausflüge gebucht, da wir Uummannaq auf eigene Faust erkunden wollen.



      Es ist kurz vor 07:00 Uhr, als ein Mitreisender an Deck auf das Ufer des Herzberges deutet. Zuerst weiß ich nicht was er meint, aber dann sehe ich es auch. Dort schwimmt ein schöner Dreimaster vor der Insel. Dabei kann es sich nur um die REMBRANDT VAN RHJIN handeln, die ich ja schon in den Tagen zuvor auf marinetraffic gesehen hatte.



      Der Dreimaster dreht und fährt nun parallel zu uns auch auf den Inselort zu. Diesen kann man langsam auch gut erkennen. Die einzelnen Häuser stehen weit verteilt auf den Hügeln der Insel. Wie uns der Kapitän mitteilt, ist unser vorgesehener Ankerplatz allerdings von einigen Eisriesen besetzt, so dass wir uns einen anderen Platz suchen müssen.



      Während wir langsam zwischen diesen Eisriesen (die Bezeichnung ist für einige absolut zutreffend) hindurch manövrieren, bricht an einem der großen weißen Blöcke mit lautem Krachen ein Teil heraus. Das Ganze geht relativ schnell und ich bekomme nur noch ein Bild von der sich wieder beruhigenden weißen Gischt vor dem Eisberg.



      Kurz nach 08:00 Uhr beginnt das Austendern und fast gleichzeitig bahnt sich auch die Sonne die ersten dünnen Wege durch die noch dichte Wolkendecke. Neben uns taucht nun auch die REMBRANDT VAN RHJIN auf. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es auch eine tolle Reise mit diesem Schiff sein muss.



      Nachdem zuerst die Ausflügler an Land gebracht wurden, sind auch wir dran. Die See ist hier sehr ruhig und bereitet uns beim Einsteigen in das Zodiac keine Probleme. An Land angekommen, sehen wir die REMBRANDT VAN RHJIN auf den kleinen Hafen von Uummannaq zusteuern. Sie hat wohl nur wenig Tiefgang und kann direkt im Hafen anlegen.



      Vom kleinen Hafen aus muss man unweigerlich hinauf auf einen der Hügel. Sollte kein Problem sein, da wir ja spätestens seit unserer Alta-Reise wissen, dass Renate Anstiege liebt . Auffällig sind hier zum einen die vielen dicken Versorgungsrohre, die zu den Häusern führen (kein Wunder, einen Kanalisation in diesen Fels zu legen stelle ich mir durchaus schwierig vor), wie auch die vielen Holztreppen.



      Schließlich erreichen wir eine erste Anhöhe. Ein Blick in den Hafen bestätigt mir, dass die REMBRANDT hier angelegt und ihre wenigen Passagiere ausgespuckt hat. Ein Blick in die Bucht zeigt die Größe der vielen Eisberge. Die meisten sind weit größer als unsere OCEAN DIAMNOND, die ständig leicht hin und her manövrieren muss, um nicht mit einem der weißen Riesen zu kollidieren.



      Eigentlich erwartet man bei einer winzigen Insel mit nur rund 1.300 Einwohnern (die ganze Kommune hat gerade mal gut 2.300) und einem Wegenetz von vielleicht 5 km nicht wirklich Verkehr. Doch wir müssen mehrfach den Pickups und SUVs ausweichen, die hier herumfahren. Vor den Häusern sieht man auch Schlitten und Schneemobile, die im Winter hier sicherlich unverzichtbar sind.



      Doch dies sind nicht die einzigen Verkehrsmittel im Ort. Schon kurz nach der Anlandung machen sich die häufigsten „Verkehrsmittel“ des Ortes lautstark bemerkbar. Von überall her hört man das Jaulen und Heulen der Schlittenhunde, die hier vor jedem Gebäude angekettet sind oder frei herumlaufen. Die meisten der kleinen Kraftpakete sonnen sich jedoch gemütlich auf den steinigen Plätzen vor den Gebäuden.



      Wir spazieren bis zur nächsten großen Weggabelung und wenden uns dann seitlich, oberhalb der Wohnhäuser über eine Hochebene. Ein kleiner Fußweg führt hier wieder zum oberen Ortszentrum zurück. Hier befindet sich auch ein kleiner Supermarkt. Während Renate hier eine kleine Pause macht um eine SMS zu versenden (hier haben wir endlich mal kurz Empfang), ersteige ich den Felsen hinter dem Supermarkt. Über ein Holztreppensystem gelangt man hier zu einem Aussichtsplatz unterhalb eines großen Sendemastes.



      Der Ausblick von hier oben ist überwältigend. Die REMBRANDT hat den Hafen inzwischen wieder verlassen und scheint sich hinter einem der Eisberge zu verstecken. Der Abstieg erscheint mir schwieriger als der Aufstieg. Die Holztreppen sind sehr steil, stehen frei und bieten nur auf einer Seite ein Geländer. Zudem sind die Stufen unterschiedlich hoch und man muss schon genau darauf achten wo man hintritt.



      Vorbei an einem großen Kindergarten/Vorschule machen uns wieder an den Abstieg zum Hafen und gelangen so an die Feldsteinkirche. Gerne hätten wir einen Blick in die Kirche geworfen, doch leider ist diese geschlossen. Überhaupt haben wir den Eindruck, dass viele öffentliche Einrichtungen im Ort am heutigen Sonnabend geschlossen sind.



      Neben der Kirche stehen auch drei Grassodenhäuser, die zum Museum am Hafen gehören, ebenso wie das große gelbe Gebäude neben dem größeren Supermarkt am Hafen. Auf der anderen Hafenseite finden wir ein kleines Café. Ich frage hier auch nach einer Toilette und man verweist mich auf die öffentliche Toilette gleich neben dem Café. Hier steht ein grünes Gebäude mit einer grauen Tür.
      Innen gibt es nur einen offenen Raum. Hier steht eine Kunstoff-Toiletten-Attrappe in der ein großer Blecheimer steht. Der Eimer ist bis ca. 1 cm unter dem Rand gefüllt. Weitere Beschreibung möchte ich euch ersparen :bad: . Eine Mitreisende vom Schiff sucht anschließend auch die Toilette und ich weise sie gleich darauf hin, dass diese Toilette mehr als nur Überwindung kostet. Mit der Bemerkung dass sie nichts mehr schockiere, da sie schon schlimme Toiletten gesehen habe verschwindet sie im dem grünen Gebäude.



      Als sie nach einiger Zeit wieder herauskommt, ist sie kreidebleich. Mit der Bemerkung: „OK, so etwas habe ich wirklich noch nicht gesehen.“ verschwindet sie wieder im Café. Wir beenden unseren Rundgang und begeben uns wieder zur Anlegestelle der Zodiacs. Die großen Eisberge draußen scheinen sich inzwischen zusammen geschoben zu haben.



      Zurück an Bord gehen wir zuerst zum Mittagsbuffet. Deck 7 ist unser Aufenthaltsort danach. Während die REMBRANDT schon wieder unterwegs ist, bewundern wir die Eisberge, die in der Nachmittagssonne glänzen. Das Wetter meint es heute wirklich gut mit uns.



      Der nächste Programmpunkt ist ein Trommeltanz der Einheimischen an Bord unseres Schiffes. Dazu werden junge Inuit-Mädchen von den Zodiacs an Bord gebracht. Auf Deck 6 führen sie ihre Trommeltänze auf. Ganz anders als die Einheimischen auf den Schilfinseln im Titicacasee hat man bei den jungen Mädchen den Eindruck, dass ihnen die Vorführung selbst riesigen Spaß macht. Als sie nach der Vorführung von den Zodiacs zurück an Land gebracht werden, winken sie uns noch lange zu.



      Kurz nach 15:00 Uhr verlassen wir Uummannaq wieder, ein wirklich sehenswerter Ort. Erneut muss das Schiff vorsichtig zwischen den Eisbergen manövriert werden. Der Herzberg und die größten Eisbrocken bleiben aber bald schon hinter uns zurück, während wir uns durch den Umanak Fjord wieder auf die offene See zu bewegen.



      Kaum sind wir an Nuussuaq vorbei in den Sullorsuaq eingebogen schwimmen uns schon die nächsten weißen Giganten entgegen. Auf die beiden Vorträge am Nachmittag haben wir verzichtet und lieber auf Deck gestanden und die Eisberge vor der imposanten Kulisse gezählt. Irgendwo bei 500 habe ich aufgegeben :wacko1: .



      Als wir den Valgat erreichen zeichnet sich immer mehr ein schöner Sonnenuntergang hinter uns ab. Der Himmel wechseln nun von Seemeile zu Seemeile seine Farben. Während es zuerst noch ein helles Gelb ist, welches dann in Orange über zu gehen scheint, legt sich langsam ein dunkler Schleier über dieses Licht.



      Aus dem Orange wird langsam ein leuchtendes Rot und schließlich ein Dunkelrot. Das ganze Achterdeck ist inzwischen voller Fotografen. Keiner will sich dieses herrliche Naturschauspiel entgehen lassen. Zugegeben, Eisberge vor der untergehenden Sonne haben aber auch etwas.



      Schon am frühen Abend kam die Durchsage, dass die Anfahrt an den Epiq Sermia Gletscher am morgigen Tage noch nicht sicher ist. Auf der vorhergehenden Hinfahrt konnte der Gletscher wegen zu viel Eis in der Zufahrt nicht angefahren werden. Dies hatten wir schon auf marinetraffic beobachtet, uns aber damals keinen Reim darauf machen können. Damals dümpelte die OCEAN DIAMOND die ganze Nacht am Ende des Valgat herum, bevor sie Kurs auf die Discobucht nahm.

      Doch noch sind wir frohen Mutes, dass wir den Gletscher Morgen zu sehen bekommen.








      Fortsetzung folgt.
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • Hallo Jobo:

      Mit Deinen tollen Bildern beweist Du uns, dass man für die Sichtung beeindruckender Eisberge nicht unbedingt in die ferne Antarktis reisen muss. Was mir auch noch einfällt: Vor einem Monat wäre der Sonnenuntergang wohl eine ganze Nacht lang sichtbar gewesen.

      Nun freue ich mich schon auf die nächsten Reiseberichte nebst "Augenschmäuser".

      Beste Grüße

      Lupo

    • 30.August 2015 – Gletscher Epiq Sermia, Ilulissat mit Kangia Eisfjord



      Wir befinden uns schon im Ata Sund auf der Zufahrt zum Gletscher Epiq Sermia, als ich um 05:30 Uhr wach werde und aus dem Fenster schaue. In langsamer Fahrt bewegen wir uns zwischen den treibenden Eisbergen. Sie alle kommen von der Kante des Epiq Sermia, aber es sind doch wohl weniger als vor einer Woche, als das Schiffe keine Möglichkeit hatte zum Gletscher vorzudringen.



      Wie ich später erfahre, sollen wir in der Nacht, so gegen 02:00 Uhr einen kleinen Eisberg gerammt haben. Es soll dabei einen lauten Rums gegeben haben und anschließend sei deutlich das Geräusch des an der Bordwand entlang schleifenden Eises zu hören gewesen :fie: . Einige der Passagiere wollen schon in Ihren Kojen gesessen und auf die Alarmsignale gewartet haben.



      Ich habe davon nichts mitbekommen und geschlafen wie ein Murmeltier :dance3: . Dass auch die scheinbar kleinen Eisstücke wohl nicht ungefährlich sind, kann ich daran erkennen, dass der erste Offizier immer wieder auf die Nock heraustritt und argwöhnisch die vorbeigleitenden Eisstücke beobachtet.



      Wir treiben längst schon am Ende des Sundes, das die Abbruchkante des Epiq Sermia bildet. Genaugenommen sind es inzwischen zwei Abbruchkanten, da schon soviel Eis abgebrochen ist, dass sich die Gletscherzunge an einem großen Felsen geteilt hat.



      Auch eine kleine Insel vor der rechten Abbruchkante wurde mittlerweile freigelegt. Jedenfalls erfahren wir später vom Kapitän, dass diese kleine Insel noch in keinen Seekarten verzeichnet ist. Das Wetter meint es auch einigermaßen gut mit uns. Es ist bewölkt, aber trocken.



      Gegen 07:00 Uhr haben wir unsere Endposition erreicht, nur wenige Hundert Meter von der Abbruchkante entfernt. Bis 09:00 Uhr werden wir hier sanft kreiseln um den treibenden Eisbrocken immer wieder auszuweichen. Es ist eine herrliche, ruhige Atmosphäre hier. Diese lassen wir lange auf uns wirken, bevor wir zum Frühstück gehen :friends: .



      Pünktlich zum Beginn der Rückfahrt sind wir wieder an Deck. Ganz vorsichtig bahnt sich die OCEAN DIAMOND nun wieder den Weg durch die unzähligen kleineren und größeren Eisstücke, die vor und neben uns herziehen. In dem klaren Wasser kann man oft sehen, wie groß manche dieser Eisberge noch unter Wasser sind. Oberhalb der Wasserlinie zeigen sich meist maximal 30 % eines Eisberges.



      Erst als wir uns der Mündung des Fjordes zur Disco Bucht nähern, können wir wieder mehr Fahrt aufnehmen. Doch immer wieder kommen wir in Bereiche, in denen sich mal mehr und mal weniger Eisbrocken angesammelt haben. Die Schiffsführung darf in ihrer Aufmerksamkeit keine Sekunde nachlassen. :search:



      Hier treiben zwar nun wieder weniger Eisberge, dafür jedoch größere. Wir passieren einen besonders großen und als wir fast schon an ihm vorbei sind, wird er von unserer Heckwelle getroffen. Dadurch löst sich ein großes Stück von seiner Stirnwand und kracht mit Getöse in die See.



      Je mehr wir uns nun Ilulissat nähern, umso mehr Eis sehen wir vor uns. Auch werden die weißen Berge immer größer. Wo auch immer man hinschaut, Eis, Eis, Eis. Dabei zeigen sich die skurrilsten Formen und man könnte sich stundenlang damit beschäftigen in diese Formen etwas hinein zu interpretieren.



      Doch dann kommt eine Durchsage, die uns schon ein wenig traurig macht. Ilulissat kann nicht angelaufen werden. Es hat sich zu viel Eis vor der Stadt aufgestaut, da ist kein Durchkommen :nono: . Neben dem Expeditionsschalter hängen aktuelle Bilder aus Ilulissat, die aus der Stadt aufgenommen wurden. Wir werden weit außerhalb vor der Stadt kreisen und der Ausflug in den Kangia-Eisfjord wird mit festen Booten aus Ilulissat durchgeführt werden, da die Schlauchboote bei diesen Eismassen auch gefährdet sind.
      Wir werden nicht die Einzigen sein, die weit vor dem Eisfjord liegen werden. Im Dunst taucht ein größeres Kreuzfahrtschiff auf.



      Zuerst vermute ich, dass es sich um die AMADEA handelt, die ich ja zuvor schon auf marinetraffic gesehen hatte, da ich den türkisfarbenen Schornstein eines Phoenix-Schiffes gut erkennen kann. Doch dann stellt sich der Verdacht eines Mitreisenden als richtig heraus, es ist die ARTANIA (ex. ROYAL PRINCESS, ex. ARTEMIS). Sie wird gerade von einigen kleineren Booten angefahren, die wohl deren Passagiere für Fahrten in den Eisfjord, oder nach Ilulissat abholen.



      Wir erfahren nun die Gruppeneinteilung der Ausflüge. Die erste Gruppe soll um 14:30 Uhr vom Boot FRANK abgeholt werden. Später sollen dann die Boote KATAK und MAYA die nächsten beiden Gruppen abholen. Bald erfahren wir, dass sich die Ankunft der FRANK auf 15:00 Uhr verschiebt, tatsächlich kommt sie dann erst um 15:30 Uhr.
      Die nächsten Boote kommt dann nur mit kurzer Verspätung um 16:10 Uhr, drehen aber wieder erst wieder ab, um dann erst gegen 16:30 Uhr die Passagiere aufzunehmen.



      Wir sind bei der Gruppe um 18:30 Uhr dabei und begeben uns nun zur Kabine um uns für die Tour fertig zu machen. Dick eingepackt und mit der Rettungsweste sind wir gegen 18:00 Uhr vor der Rezeption bereit.
      Doch um 18:25 Uhr kommt die Durchsage, dass keine weiteren Touren mehr stattfinden, da es den Kapitänen der kleinen Boote inzwischen auch zu gefährlich ist. Zudem erfahren wir, dass sich die FRANK auch extrem viel Zeit gelassen hat und zusätzlich noch eine weitere halbe Stunde zu spät zurück gekommen ist.
      Dadurch hätten sich die Touren auch zu weit in den Abend verschoben, da die FRANK insgesamt auch drei Touren machen sollte. Es wurde daher schon zuvor die zweite Tour der FRANK abgesagt.

      Natürlich waren wir zuerst sehr enttäuscht, aber was nicht zu ändern ist ….. :pardon:

      Eigentlich hätten wir ja über Nacht in Ilulissat bleiben sollen und dann Morgen weiter nach Nuuk fahren sollen, aber nun wurde das Programm umgestellt und wir fahren schon über Nacht. Morgen machen wir dann einen eingeschobenen Stopp in Sisimiut.








      Fortsetzung folgt.
      Gruß Jobo,

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    • Ich muss ehrlich sagen - bei diesem Bericht bekomme ich zum Erstenmal Lust auf eine Grönlandtour. Diese Gegend reizte mich bisher nämlich so gar nicht.
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~
      Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~ Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil!


    • 31.August – Sisimiut



      Das erste Mal werde ich gegen 05:00 Uhr wach und riskiere einen Blick aus dem Fenster. Doch außer einer grauen Suppe ist nichts zu sehen, also lege ich mich wieder hin. Ich nicke auch bis 06:00 Uhr wieder ein, aber am Wetter draußen hat sich nichts geändert. Einem ruhigen und ausgiebigen Frühstück steht also nichts im Wege.



      Es ist gegen 08:30 Uhr als wir in Sisimiut einlaufen. Schon gestern hatte man uns darauf hingewiesen, dass wir nicht am Kai liegen werden, sondern davor ankern müssten. Dies muss auch die 75 m Luxusyacht NOTHERN STAR, die gegenüber dem Kai liegt. Grund dafür ist die ARTANIA, die uns wohl in der Nacht überholt hat und die gerade am Kai anlegt.



      Sisimiut war bei ihr wohl im Reiseplan drin und daher der Kai entsprechend reserviert. Ansonsten liegt nur noch ein rostiger Trawler im Hafen. Der passt gut zu dem trüben Wetter. Es regnet und ist rundherum grau. Nur die bunten Häuser der Stadt lockern das Einheitsgrau etwas auf.



      Gerade läuft das grönländische Postschiff ein, während wir auf das Ausbooten warten. Es wird nicht die letzte Begegnung mit diesem Schiff sein. Das Austendern beginnt um 09:15 Uhr und wir sind bereits um 09:30 Uhr im Zodiac auf dem Weg nach Sisimiut. Bei diesen Wetterverhältnissen macht sich die Regenschutzkleidung bezahlt, ist doch die Gummiwulst des Zodiacs heute recht nass.



      Sisimiut, die mit 5.600 Einwohner zweitgrößte Stadt Grönlands zeigt sich heute definitiv von ihrer feuchtesten Seite. Daher sieht man auch überall türkisfarbene Pilze aus dem Boden schießen. Erst bei genauerer Betrachtung stellen sich diese Pilze als die zahlreichen Passagiere der ARTANIA dar, die mit den türkisfarbenen Regenschirmen des Phoenix-Schiffes durch den Ort laufen.



      Vor uns auf dem Hügel sehen wir schon die beiden Kirchen des Ortes, die blaue Berthel Kirche von 1773 und unweit daneben die rote Kirche von 1926. Auf dem Weg dorthin können wir in ein offenes Gebäude des Museums schauen. Einige alte Ruderboote sind hier ausgestellt. Vor der Kirche befindet sich ein großer Bogen aus Walkiefern. 1901/1902 trieb vor der Stadt ein toter Gröndlandwal an, von dem die Kieferknochen stammen.



      Zwischen den beiden Kirchen befinden sich weitere Gebäude des Sisimiut-Museums. Ein Besichtigung schenken wir uns aber, da die Gebäude bereits von vielen anderen Passagieren beider Schiffe besucht werden. Das Gedränge möchten wir uns ersparen. Wenn es dann auch zumindest für einige Minuten trocken wäre. Der inzwischen starke Regen macht uns trotz Regenkleidung zu schaffen. Das Objektiv meiner Kamera läuft immer wieder an, sooft ich es auch wieder trocken wische.



      Immerhin hängen die Dunstschleier doch hoch genug, dass man darunter hindurch wenigstens einigermaßen Aussicht hat. Von der oberen Kirche spazieren wir wieder hinunter zur Hauptstraße. Wir suchen einen Souvenirladen, da wir in Uummannaq nichts dergleichen gefunden hatten. Zumindest einige Postkarten würden wir doch gerne schreiben und verschicken.



      Im Hafenbereich hatten wir uns schon danach umgeschaut, aber keinen Laden gesehen. Auch hier im Museumsbereich ist uns nichts aufgefallen, dass auch nur entfernt einem Souvenirgeschäft gleicht. Wir hoffen im oberen Bereich fündig zu werden.



      Einige Schlittenhunde können wir auch hier wieder sehen. Es wird aber das letzte Mal sein, dass wir diese wolligen Kraftpakete betrachten können. Sisimiut ist die südlichste Gemeinde, in der Schlittenhunde gehalten werden dürfen. Bald treffen wir auf Mitreisende, die ebenfalls auf der Suche nach Einkaufsmöglichkeiten für Mitbringsel sind.



      Wir wandern noch bis hinter den Friedhof, sehen aber auch hier kein Geschäft. Bis in den modernen Teil der Stadt, der am weiteren Verlauf der Hauptstraße sichtbar wird wollen wir nicht gehen. Zudem wird der Regen auch immer stärker, daher drehen wir um und gehen wieder hinunter zum Hafen. Hier werfen wir noch einen Blick in das Künstlerhaus, aber hier gibt es nur Schmuck und geschnitzte Artikel aus Walknochen und anderen Materialien.
      Wir entschließen uns den Rundgang hier abzubrechen und fahren mit dem nächsten Zodiac wieder zurück zum Schiff.



      Zurück auf dem Schiff sind wir froh, die Regensachen loszuwerden. Inzwischen ist es auch Zeit fürs Mittagessen. Vorher lege ich meine Kamera und das Objektiv noch trocken. Wie immer ist das Mittagsbuffet richtig lecker und ebenfalls wie immer esse ich viel zu viel. Der Regen hat jetzt doch etwas nachgelassen und die Sicht ist klarer. Sogar der 784 m hohe Nasaasaaq (Frauenkapuze), der Hausberg von Sisimut zeigt sich jetzt.



      Wir verlassen Sisimiut um 17:00 Uhr wieder und nehmen Kurs auf Nuuk. Als wir den schützenden Fjord hinter uns lassen wird die See recht rau. Darüber freut sich das Wasser in unserem kleinen Pool und macht wahre Freudensprünge.
      Unser Lektor Boris Culik hält um 17:15 Uhr einen Vortrag über Seevögel und Wale, den wir uns heute nicht entgehen lassen. Der Vortrag ist hoch informativ und sehr kurzweilig.



      Die weitere Fahrt entlang der Küste verläuft recht ereignislos, auch ein Ergebnis des schlechten Wetters und der dadurch bedingten geringen Sicht. Wir verbringen den Abend mit einem Glas guten Rotweins in der Club-Lounge, nur unterbrochen von kurzen Abstechern an Deck.
      Mal sehen, was der morgige Tag in Nuuk bringt. Zumindest die Prognose für das Wetter ist wesentlich besser.







      Fortsetzung folgt.
      Gruß Jobo,

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      - Alexander von Humboldt -

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    • 1.September 2015 – Nuuk





      Schon bevor ich überhaupt wach bin, beeindruckt der wunderschöne Sonnenaufgang bereits Renate. Obwohl der Himmel noch überwiegend bewölkt ist, zeichnet sich schon ein Tag mit besserem Wetter als Gestern an. Auf jeden Fall ist es heute Morgen trocken, der Regen hat sich in der Nacht vollkommen verabschiedet.



      Auch als ich schließlich an Deck komme zeigt sich die Morgensonne noch von ihrer schönsten Seite, während wir bereits die Antennenanlage von KNR (Kalaallit Nunaata Radioa) sehen. Diese grönländische Rundfunkanstalt hat ihren Sitz in Nuuk und die Antennen stehen auf einer der Schären an der Einfahrt zum Godthåbsfjord.



      Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Hafen von Nuuk. An dem kleinen Kai legen wir mit unserer OCEAN DIAMOND an. Gleich nebenan liegt die SARFAQ ITTUK, das grönländische Postschiff. Es handelt sich quasi um die Hurtigrute von Grönland. Das Schiff war uns ja schon Gestern in Sisimiut begegnet.



      Nachdem wir angelegt haben ist die erste Gruppe der Ausflügler für die Tour ins Fjordsystem dran. Wir gehören zur zweiten Gruppe, die um 11:00 Uhr startet, daher haben wir genügend Zeit für einen kleinen Rundgang im Hafen. Hier können wir die erste Gruppe bei der Abfahrt beobachten. Die Tour wird mit zwei kleinen Motorbooten durchgeführt. Als die beiden Boote den Hafen verlassen haben, spazieren wir zur OCEAN DIAMOND hinüber.



      Gut vertäut liegt diese am Kai. Die SARFAQ ITTUK ist inzwischen schon wieder losgefahren. Wir konnten vorher beobachten, wie sie die Reisenden an Bord genommen hatte. Gleich gegenüber dem Kai liegen auch einige Fischtrawler. Auf einem dieser Schiffe kann man noch seinen früheren Namen und den ehemaligen Heimathafen erkennen – Kristiansund /Norwegen.



      Zurück an Bord gönnen wir uns noch einen Kaffee und bereiten uns dann auf unseren Ausflug vor. Kurz vor 11:00 Uhr kommt die erste Gruppe zurück. Alle sind begeistert, haben sie doch Wale gesehen. Nun sind wir an der Reihe und schon wenig später brausen wir aus dem Hafen, vorbei an unserer OCEAN DIAMOND. Gerade läuft die IRENA ARTIKA den Hafen von Nuuk an, ein Schiff der Royal Arctic Line, einer Frachtschiff-Linie die die grönländische Küste abfährt und auch Passagiere mitnimmt.



      Kaum haben wir den Hafenbereich verlassen, gibt unser einheimischer Kapitän Gas und wir fliegen geradezu über den Fjord. Nuuk mit seinen wenigen alten und vielen neuen Häusern bleibt schnell hinter uns zurück. Natürlich hält jeder von uns an Bord Ausschau nach den Walen, die die erste Gruppe gesehen hat. Das Wasser im Fjord ist eigentlich sehr ruhig und somit müssten wir einen evtl. Blas gut sehen, doch keiner sieht etwas Verdächtiges.



      Bald schon tauchen die ersten kleinen Eisberge auf und wir verringern das Tempo. Ganz nah fahren wir an eine dieser blauen schwimmenden Inseln heran. An Backbord sehen wir einen Regenbogen, obwohl wir bisher keinen Regen hatten. Rechts und links in den Bergen hängen noch einige Wolken sehr tief, aber keine Spur einer Regenwolke.



      Ein einsamer Seeadler zieht zwischen den frechen Möwen über unser Boot hinweg und dann taucht er auf, der erste Wal. In einiger Entfernung hat unser Kapitän, lange bevor auch nur einer von uns ihn bemerkt, einen Buckelwal gesehen. Ein, zweimal taucht er langsam auf und zeigt kurz seine kleine Rückenflosse, bevor er wieder untertaucht. Die Begeisterung ist natürlich groß und alle Fotoapparate klicken wie wild.



      Nun ist erst mal wieder Stille. In einiger Entfernung taucht dann erneut ein Wal auf und nach einmal kurzem Auftauchen kommt beim zweiten Mal der hohe Buckel, ein sicheres Zeichen, dass der Wal jetzt tauchen wird. Tatsächlich kommt dann auch die Fluke kurz heraus und der Wal taucht ab. Das ist schon eine viel angenehmere Art der Walbeobachtung als ich sie auf den Azoren hatte.



      Als wolle er, oder einer seiner Begleiter uns eine Freude machen, taucht er schließlich sehr nahe am Boot wieder auf und zeigt uns dann beim Abtauchen deutlich seine große Fluke. Eigentlich fahren die Boote nicht so nahe an die Tiere heran, aber diesmal hat der Wal die Entfernung selbst gewählt, sehr zu unserer Freude.



      Noch einige Male taucht er nun (an den Vergrößerungen kann ich später erkennen, dass es meist der gleiche Wal ist – weißer Fleck unterhalb der Rückenflosse) in unterschiedlicher Entfernung auf und wieder ab. Wir sind alle so begeistert, dass keiner merkt wie schnell die Zeit verrinnt. Schon ist es 12:30 Uhr und wir müssen wieder zurück fahren.



      Auf der Rückfahrt zeigt sich wieder kurz der Kopf eines Seehundes, aber kaum gesehen ist er auch schon wieder abgetaucht. Diese Tiere sind hier sehr scheu, da sie auch bejagt werden.
      Kurz nach 13:00 Uhr legen wir wieder im Atlantikhafen von Nuuk an. Diese Tour hat sich wirklich gelohnt. Das Wetter, der Fjord und der Wal, alle haben mitgespielt und die Fahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen. Zurück auf der OCEAN DIAMOND geht es schnell zum Mittagsbuffet. Da wir hier keinen weiteren Ausflug gebucht haben, steht anschließend ein Bummel durch Nuuk an.



      Seit dem Morgen gibt es einen Shuttlebus, der jede halbe Stunde Passagiere in die Stadt bringt, da der Atlantikhafen etwas außerhalb liegt. Wir nehmen den Bus um 14:30 Uhr und sind gegen 14:50 Uhr am alten Kolonialhafen. Leider hat das schöne Wetter nicht gehalten, es regnet inzwischen leicht. Hier am Hafen gibt es einen kleinen Souvenirladen, der auch Postkarten und Briefmarken hat. Leider hat die Verkäuferin nur ein altes Kartenlesegerät, das offensichtlich Probleme mit unseren Kreditkarten hat. Glücklicherweise hat Renate vorab genügend dänische Kronen mitgebracht.



      In der Nähe des Kolonialhafens findet sich auch das Nationalmuseum und die Skulptur „Mutter des Meeres“. Am Fuße des benachbarten Hügels steht die roten Annaassisup Oqaluffia, die Unser-Erlöser-Kirche von 1849. Auf dem Hügel steht das Hans-Egede-Denkmal, der Stadtgründer von Nuuk.
      Nuuk, die Hauptstadt von Grönland hat ca. 16.500 Einwohner und wurde am 29.August 1728 gegründet. Heute ist Nuuk zum größten Teil eine sehr moderne Stadt und passt fast schon nicht mehr nach Grönland.



      Wir spazieren hinauf zum moderneren Stadtteil und kehren im großen Nuuk-Center ein. Hier wimmelt es vor Geschäften und Menschen. An einem Geldautomaten versorge ich mich mit einigen dänischen Kronen und anschließend gönnen wir uns einen guten Kaffee in einem kleinen gemütlichen Café. Zuerst weiß ich nicht so recht, was die Verkäuferin meint als sie mich fragt, ob ich Origin Kaffee möchte. Doch dann begreife ich, dass sie Fair-Trade-Kaffee damit meint.
      Hier schreiben wir die ersten Karten, doch ich brauche mehr Ruhe dazu und stecke meine wieder ein, um sie später in der Kabine zu schreiben. Wir gehen anschließend noch bis zur Post, wo Renate ihr Karten schon einwirft.



      Nun machen wir uns auf den Rückweg zum Kolonialhafen und warten hier auf den nächsten Bus. Lange müssen wir nicht warten und um 17:00 Uhr fahren wir wieder zurück zum Schiff. Ich schreibe schnell meine Karten und möchte mit dem letzten Bus um 18:30 Uhr zur Post fahren, um dann von dort zu Fuß zurück zum Schiff zu gehen. Doch als ich die Kabine um 18:24 Uhr verlasse, sehe ich den Bus gerade draußen abfahren.
      Ich spreche den Teamleiter darauf an. Kein Problem, ich soll ihm die Postkarten geben, er schickt einen der „Burschen“ schnell zur Post.
      Schon nach dem Abendessen bekomme ich die Information von ihm, dass meine Karten schon im Briefkasten sind.

      Den Abend verbringen wir mit einigen netten Mitreisenden in der Club-Lounge. Am Expeditionsschalter liegt eine Liste aus, in die man sich mit der Kabinennummer eintragen kann, wenn man bei Polarlicht benachrichtigt werden möchte. Da die Wahrscheinlichkeit für Polarlicht heute Nacht sehr hoch ist, tragen auch wir uns da ein.


      Das Nuuk auch im Winter eine interessante und moderne Stadt ist, kann man hier sehen:


      (Dank an Boris Culik, der uns dieses Video mit der Musik von Pharrell Williams am Ende eines Vortrages gezeigt hat)







      Fortsetzung folgt (der Tag ist zwar zu Ende, aber noch nicht die Nacht :dance3: ).
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten im Profil)
    • Die Nacht vom 1.September auf den 2.September 2015 – Aurora Borealis



      Da wir uns ja in die Liste zur Benachrichtigung bei Polarlicht eingetragen hatten, legte ich mir am Abend alles für einen eventuellen Einsatz in der Nacht bereit. Strümpfe, Hose, T-Shirt, leichter Pullover, Schuhe und Jacke lagen schlüpfbereit auf dem Weg zur Kabinentür. Ebenso Kamera (schon leicht voreingestellt), Stativ und kleine Stirnlampe für alle Fälle. Zur Sicherheit noch meine Fotohandschuhe und eine Mütze.
      So war es dann schon nach 23:00 Uhr als ich ins Bett wollte. Schnell noch einen Blick aus dem Kabinenfenster aufs Meer. Hmmm, was spiegelte sich denn da leicht grünlich im Wasser?
      Ein Blick nach oben brachte Aufklärung. Da war doch tatsächlich ein schwacher grüner Streifen am Himmel – EINSATZ.
      Nur wenig später stürmte ich schon hoch zum Deck 8, doch hier brannten noch alle Lampen der Decksbeleuchtung. Vorne auf Deck 7 war es besser. Alle Lampen ausgeschaltet und erst wenige andere Passagiere da.





      auch mal über einem Eisberg











      Insgesamt habe ich es bis kurz nach 01.00 Uhr an Deck ausgehalten. Erst gegen 00:10 Uhr kamen mehr Passagiere auf den vorderen Balkon. Anscheinend kam da erst die Durchsage in den Kabinen.

      Es war sicherlich nicht das allerstärkste Nordlicht und durch die etwas raue See und die Schiffsvibrationen ist teilweise eine Unschärfe drin trotz Stativ, aber insgesamt war es doch schön in aller Ruhe Bilder zu machen und 149 Bilder mit hohem Grünanteil :dance3: sind dabei rausgekommen..



      Fortsetzung folgt.
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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