Mal sehen wo das Hoch bleibt – oder – Rückkehr auf die Habichtsinseln

    • 2015
    • Ich habe die Links zu den Bildern noch einmal umgesetzt. Ich denke, so ist es übersichtlicher, als mit den Slideshows durch die man sich sonst durchhangeln muss. ;)
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)


    • 04.Mai 2015 – Monte Caneiro, Caldeira, Monte da Espalamaca, Überfahrt Pico, Madalena



      Die Regengötter wollten gestern wohl nur mal kurz kundtun, dass sie mich nicht vergessen haben. Heute Morgen jedenfalls sieht es wieder sehr vielversprechend aus. Von irgendwelchen Regenwolken ist weit und breit nichts zu sehen. Da schmeckt das Frühstück gleich doppelt so gut.



      Der Pico gegenüber versteckt seine Spitze zwar immer noch vor mir, aber irgendwann wird er sich schon noch in seiner ganzen Größe zeigen. Nach dem Auschecken im Hotel gehe ich hinüber zum Peter Café Sport. Direkt nebenan ist ein Souvenir-Shop mit Artikeln die das Logo des Cafés tragen. Erstaunlicherweise sind die T-Shirts, Sweatshirts und sonstigen Artikel von recht guter Qualität „Made in EU“, daher kaufe ich mir hier einige Souvenirs.



      Die Artikel sind schnell noch im Koffer verstaut, bevor ich durch Horta hinauf zum Monte Caneiro fahre. Der Aussichtspunkt liegt am Hang hinter Horta und bietet eine gute Sicht auf Horta, den Kanal und die Insel Pico gegenüber. Außer mir treiben sich hier nur einige Kühe herum, die sich von mir beim Fressen nicht stören lassen.



      Die gute Sicht macht mir Mut und ich fahre erneut hoch zur Caldeira. Tatsächlich ist auch hier die Sicht gut und ich bin heute nicht der erste, der den Weg hier herauf gefunden hat. Etwa acht, neun Fahrzeuge stehen hier schon auf dem kleinen Parkplatz. Doch nur ein Paar kommt mir im Tunnel entgegen, die anderen befinden sich wohl auf dem Rundweg um die Caldeira.



      Der kommt heute leider aus zeitlichen Gründen für mich nicht mehr in Frage. Der mehr als acht Kilometer lange Weg wird meist mit mindestens zweieinhalb Stunden angegeben, die man braucht um den bis zu zwei Kilometer durchmessenden Krater zu umwandern. Einst war in dem etwa 400 m tiefer gelegenen Karterboden ein See, aber beim Capelinhosausbruch 1957 verschwand dieser und es blieb nur eine kleine Pfütze übrig.



      Ich fahre auch zu dem Aussichtspunkt oberhalb des Schotterweges. Auch der Miradouro do Cabouço bietet heute gute Sicht. Er liegt direkt unter dem Alto do Cabouço, der mit 917 m die niedrigste Stelle des Kraterrandes bildet. Der höchste Punkt ist der Cabeço Gordo im Westen mit 1043 m. Auch wenn mein Navi dies wieder möchte, verweigere ich heute die Abfahrt über den Schotterweg und nehme die neue gut geteerte Straße, die ich auch hochgekommen bin.



      Auf dem Weg zurück nach Horta mache ich danach an einem weiteren Aussichtspunkt Halt und genieße hier neben der guten Aussicht auch die herrliche Ruhe. Doch nicht lange. Kurze Zeit später hält ein Auto und drei Personen steigen aus. Eine davon ist offensichtlich eine Amerikanerin, die in entsprechender Lautstärke ununterbrochen redet, während die beiden anderen (wohl Azoreaner) nur immer freundlich nicken. Das wird mir dann doch zu laut und ich fahre weiter.



      So gelange ich schließlich auf den Monte da Espalamaca, einen Bergrücken, der sich nordöstlich von Horta weit ins Meer hineinschiebt. Mehrere alte Windmühlen stehen hier und ganz vorn ist unter einem großen Kreuz mit einer Madonnenstatue eine Aussichtsplattform. Direkt unter mir kann ich den neuen Fährhafen gut erkennen. Als ich 2004 hier war, gab es den noch nicht, da fuhren die kleinen Fähren nach Pico noch unten an der Marina ab. Ganz im Hintergrund ist der Monte da Guia und dahinter Porto Pim zu sehen.
      Von hier führt die Straße an der Spitze des Bergrückens serpentinenartig nach unten und ich komme genau am Fährhafen heraus.



      Hier ist auch direkt eine Tankstelle, an der ich das Auto wieder volltanken kann. Danach stelle ich es auf dem dafür vorgesehenen Parkplatz am Fährterminal ab. Ich habe noch reichlich Zeit, also lasse ich mein Gepäck noch im Kofferraum und behalte vorerst den Schlüssel. Ich spaziere anschließend ein wenig in diesem Teil Hortas umher und finde ein einfaches Restaurant, in dem ich mich für 12,50 Euro am Buffet satt essen kann.
      Auf einer der vielen Parkbänke an der Uferpromenade mache ich es mir in der Sonne gemütlich und beobachte die Menschen, die hier spazieren gehen und die Fähren die hier ein- und ausfahren. Auch kann ich nun in Ruhe die Postkarten für die Lieben zu Hause schreiben.



      Die lange Mole am Fährhafen ist auch frei zugänglich. Von ihrer Spitze mache ich einige Aufnahmen, die sich zu einem 360° Panorama zusammenfügen lassen. Zuvor habe ich im Terminal schon das Ticket für die Überfahrt gelöst, für 3,40 €. Vor meiner Fähre fährt jedoch noch eine andere Fähre und die Passagiere bevölkern schon den Terminalbereich.



      Ich entnehme mein Gepäck dem Kofferraum des Mietwagens und werfe den Schlüssel in den dafür vorgesehenen Briefkasten im Terminal. Hier gönne ich mir noch einen Bica und gebe anschließend meinen Koffer ab. Wenig später dürfen wir aufs Schiff. Auf dem kleinen Oberdeck bleibe ich mit drei anderen Passagieren während der halbstündigen Überfahrt alleine.
      Sehr interessant finde ich das Fahrzeug, mit dem das Gepäck hier an Bord und drüben wieder von Bord gebracht wird.



      Schon von See her kann ich deutlich das Hotel Caravelas erkennen, das direkt am Hafen liegt. Als ich das Schiff nach dem Anlegen verlasse, erscheint mein Koffer als erster auf dem kurzen Kofferband. Im Terminal werde ich schon von einer freundlichen Mitarbeiterin der Mietwagenfirma erwartet. Ich empfange meinen Mietwagen, erneut einen Renault Captur, draußen auf dem Parkplatz und fahre über die Straße auf den Parkplatz des Hotels. Geschätzte Reiseentfernung für diese Fahrt, 32 Meter :mosking: .



      Ich bekomme ein schönes Zimmer mit seitlichem Meerblick. W-LAN gibt es hier aber nicht, dafür ein LAN über Kabel. Gut dass ich meinen USB-zu-Ethernet Adapter und ein zwei Meter LAN-Kabel immer dabei habe. Gestern schon hatte ich an den bekanntesten Veranstalter der Whale-Watching Touren geschrieben und nach einem freien Platz für Morgen gefragt. Dieser Veranstalter ist quasi der Erfinder der Touren auf den Azoren und hat auch den besten Ruf.
      Leider ist die Tour am Morgen ausgebucht, nur für die Nachmittagstour sind noch Plätze frei. Ein Blick auf den Wetterbericht für Morgen spricht allerdings nicht für einen Nachmittagstour. Es ist starker Regen angesagt, den ich mir bei einer dreistündigen Fahrt in einem offenen Zodiac nicht antun möchte.

      Es ist mittlerweile schon recht spät, höchste Zeit auf Nahrungssuche zu gehen. In Madalena selbst gibt es eigentlich nur ein großes Restaurant, die anderen sind alle etwas außerhalb. Nach einem kurzen Blick in die offenen Kirche sehe ich ein Paar, das sehr zielstrebig in die Richtung geht, in der nach Beschreibung der Reiseführer das Restaurant liegen soll.
      Ich folge den beiden und sitze nach wenigen Minuten an einem Tisch in dem großen Gastraum des Restaurants A Parisiana. Fast jeden Abend sitzen hier auch große einheimische Reisegruppen und bedienen sich am umfangreichen Buffet. Ich entscheide mich jedoch á la carte für gegrillten Oktopus. Ich bekomme dafür ein ganzes Tier, das kaum auf den Teller passt. Zusammen mit Getränken und Trinkgeld kostet es mich nicht mal 20 Euro.



      Zurück im Hotel ordne ich meine Reiseunterlagen ein wenig. Die nicht mehr benötigten Informationen will ich im Koffer verstauen und die Voucher und Fluginformation die ich noch benötige in meinem Fotorucksack. Dabei vermisse ich plötzlich den Recipt meiner Flüge von Insel zu Insel. Ich suche mehrfach alles durch, kann das Schreiben aber nicht finden.
      Gerade bei meinen Reiseunterlagen bin ich aber immer sehr penibel und habe eigentlich immer alles Wichtige zusammen. Irgendwann dämmert mir aber dann, dass ich das Schreiben letztmalig am Checkin-Schalter auf Terceira benötigt hatte. Mir fällt die etwas hektische Mitarbeiterin dieses Schalters wieder ein und mir wird klar, dass diese mir wohl den Recipt vergessen hat zurück zu geben.
      Eigentlich sollte dies kein großes Problem darstellen, da meine Daten sicherlich auch im Flughafen von Pico für den Rückflug nach São Miguel im Computer abrufbar sind. Für alle Fälle schreibe ich aber eine kurze Mail an Picotours und bitte erneut um Zusendung des Schreibens.



      So einigermaßen beruhigt beende ich den schönen Tag und freue mich schon auf eine Rundfahrt morgen.







      Fortsetzung folgt …...
      Gruß Jobo,

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    • Eine richtig spannender Bericht einer wunderschönen Reise, auch wenn die Wettergötter dir nicht immer wohlgesinnt waren.
      Was mir besonders auffällt sind die intensiven Farben, besonders das satte Grün.
      Speziellen Dank für die prächtigen Fotos der Stad Amsterdam!
      Skippertje

    • 05.Mai 2015 – Pico: Entlang der Südküste und zurück über das Hochland



      Picotours hat schnell und gut reagiert. Als ich meine Mails abrufe ist schon eine Mail mit dem Recipt als Anhang da. An der Hotelreception bekomme ich das Schreiben auch problemlos ausgedruckt. Ich möchte, nachdem ich gut gefrühstückt habe, entlang der Südküste der Insel fahren.
      2004 hatte ich mir die Nordküste angeschaut und war dann über das Hochland gefahren. Somit fehlt mir der Abschnitt der Süd- und der Westküste noch.



      Schon als in südlicher Richtung entlang der kurzen Westküste fahre pfeift mir ein starker Wind entgegen. Draußen auf dem Meer sieht man viele Schaumkronen, ein untrügliches Zeichen dass es dort ziemlich bewegt ist. Auch fahre ich bereits jetzt, am frühen Morgen durch so manchen kurzen Regenschauer.



      Ich fahre hier durch das größte und bekannteste Weinanbaugebiet der Azoren. Die Zona de Adegas wurde ebenfalls von der UNESCO als Welterbe ausgewiesen. Meinen ersten Halt lege ich in São Mateus ein. Die schöne Kirche ist eine Besichtigung aber auch wirklich wert. Als ich hineingehe regnet es gerade noch heftig. Wenig später erscheint sogar kurzzeitig ein blauer Fleck am Himmel. Hier an der Küste wechselt das Wetter heute schnell.



      Je weiter östlich ich fahre, umso unruhiger wird die See unter mir. Die Wellen schlagen hier sehr kräftig an die Lavafelsen am Ufer. Vom Pico neben mir kann ich nichts sehen. Tief hängen hier die Wolken nur wenig oberhalb der Küstenstraße.



      Kurz vor Lajes do Pico mache ich noch eine kleine Pause an einer schönen Windmühle. Danach parke ich das Auto am Hafen in Lajes. Hier befindet sich auch das Büro von Espaço Talassa. Das Unternehmen wurde 1989 vom Franzosen Serge Viallelle gegründet und war somit der Pionier des Whale-Watching auf den Azoren. Die Zodiacs des Unternehmens sehe ich im Hafen liegen. Ich vermute daher, dass heute morgen gar keine Fahrten stattfinden. Vielleicht wegen des extremen Wetters. Ich gehe hinein und frage nach einem Platz für die Fahrt morgen früh. Da ich erst am Nachmittag weiterfliege, stünde einer solchen Tour nichts im Wege. Tatsächlich bekomme ich einen Platz für 54,- € für den morgigen Vormittag.



      Es ist noch zu früh fürs Mittagessen, also fahre ich noch etwas weiter. Die Küstenstraße führt jetzt zeitweise hoch über dem Meer entlang. An den Stellen, wo sie wieder nach unten führt und ich der See recht nahe bin, kann ich erkennen, wie groß die Wellen heute sind. Zum Teil kommen da Brechen von bis zu drei Meter an die Küste.



      Ich erreiche die Ostküste und beginne hier mit der Suche nach einem geeigneten Restaurant. Bald schon entdecke ich ein Hinweisschild zu einem Fischrestaurant. Der Weg dorthin führt allerdings ein gutes Stück weg von der Hauptstraße und am Hafen von Manenha kann ich den Leuchtturm der Ponta da Ilha sehen. Unterhalb schlagen mächtige Wellen an die Küste, sicherlich gut fünf Meter hoch oder mehr.
      Das gleichnamige Restaurant liegt nur wenige weiter und bietet mir heute ein sehr gutes Fischbuffet für geringes Geld. Von hier aus fahre ich noch bis Piedade und nehme hier die Abzweigung ins Hochland.



      Zuerst lässt sich der Weg auch noch recht gut fahren, doch je höher ich komme, umso nebliger wird es. Dazu peitscht der Wind quer von der Südseite über die Hochebene. Teilweise so kräftig, dass es heftig am Fahrzeug rüttelt. Die Sicht wird von Kilometer zu Kilometer schlechter, der Regen wird vom stürmischen Wind waagerecht durch die Luft getrieben. Wenn ich auf Terceira schon dachte, noch weniger Sichtweite geht gar nicht, werde ich hier eines Besseren belehrt.
      Teilweise kann ich den Weg vor dem Fahrzeug nicht mehr erkennen und muss mich voll auf die angezeigte Routenführung meines Navis verlassen. An einer Fünffach-Gabelung soll ich mich rechts halten. Im Vorbeifahren bemerke ich noch einen Weg, der hinter einigen Büschen rechts hoch führt, da bin ich aber schon vorbei. Prompt fordert mich mein Navi zum Wenden auf. Der Weg ist kaum breiter als mein Captur, wo soll ich hier wenden?
      In einer langgezogenen Rechtskurve bemerke ich links neben dem Weg einen kleinen Grasstreifen, sicherlich nicht mehr wie einen Meter. Ich halte an und schreite die Länge des Fahrzeugs ab und anschließend die Weite des Weges mit dem Grasstreifen. Sie sind ungefähr gleich. Daraufhin wende ich hier im dichtesten Nebel das Auto. Dazu muss ich ca. 30-40 mal hin und her setzen, bevor ich wieder in der anderen Fahrtrichtung stehe.
      Wie tief es hier neben dem Weg hinuntergeht, kann ich (glücklicherweise) im Nebel nicht erkennen. Sollte sich tatsächlich noch jemand anderes auf diesen Weg verirrt haben, käme er kaum schneller als Schritttempo hier an und wäre schon lange zuvor zu hören, da ich bei dem Wendemanöver das Fenster offen lasse.



      So kann ich wieder zurück zu der Gabelung und hier den richtigen Weg einschlagen. Im weiteren Verlauf halte ich an den nächsten zwei Gabelungen kurz an und steige aus, um zu sehen, welches der richtige Weg von der Gabelung ist. Aus dem Fahrzeug hätte ich es nicht wirklich erkennen können. Von den vielen kleinen Kraterseen die es hier gibt kann ich nur einen sehen. Der Lagoa do Caiado liegt in einer kleinen Senke, in der der Nebel nicht so dicht ist. 2004 war ich hier bei Sonnenschein unterwegs und hatte an einem der Seen Halt gemacht und mich gemütlich für einige Zeit ins Gras gelegt.



      Als ich endlich wieder auf eine breitere Straße stoße, weiß ich, dass ich mich in der Nähe des Pico befinde. Sehen kann ich ihn aber nicht. Die nächste Straße links rein und dann geht es immer geradeaus. Die Straße entlang des Pico hinunter nach Madalena ist rund 24 km lang. Bis auf einen kurzen, ca. fünf Kilometer langen leicht kurvigen Teil führt diese Straße wie am Lineal gezogen kerzengerade hinunter nach Madalena. Auf dieser Straße kann ich dem Nebel auch endlich wieder entfliehen und erkenne Madalena bald vor mir.
      Ich bin dann doch froh, endlich wieder das Auto auf dem Hotelparkplatz abstellen zu können. So ganz einerlei war mir die Fahrt dort oben auch nicht immer.
      Pico ist flächenmäßig die zweitgrößte der Azoreninseln. Mit nur rund 15.000 Einwohnern aber sind nur noch Flores und Corvo, die westlichen Inseln, dünner besiedelt. Dies zeigt sich gerade im Hochland, da alle Ortschaften auf Pico an der, mit 110 km Länge, drittlängsten Küstenlinie aller Inseln liegen. Ich möchte gar nicht daran denken, wie lange ich dort oben im Nebel auf Hilfe hätte warten müssen, falls irgendetwas passiert wäre.



      Auf meinem Hotelzimmer ruhe ich mich ein wenig aus, während ich die Bilder auf mein Netbook lade. Anschließend nutze ich den frühen Abend zu einem Bummel durch Madalena. Ich will mir den kleinen Ort etwas genauer anschauen. Ich habe Glück, denn der Pico ist gerade fast vollständig ohne verdeckende Wolken.



      Gleich hinter dem Hotel führt der Weg zu einer schönen Windmühle gegenüber einer kleinen Werft. Direkt vor dem Hotel liegt das Fährterminal, an dem gerade wieder eine Fähre ankommt. Die Wolken verziehen sich jetzt mehr und mehr und lassen einen schönen Abendhimmel zum Vorschein kommen.



      Ich bringe die Kamera wieder zurück ins Hotel und schlendere anschließend hinüber zum Restaurant. Es ist noch etwas zu früh, das Restaurant hat noch nicht geöffnet. Direkt vor dem Restaurant befindet sich ein frei zugängliches Schwimmbad, dessen Becken jedoch noch nicht mit Wasser gefüllt sind. Daher sind auch noch keine Besucher hier.
      Ich setze mich hier neben dem Schwimmbad auf die Felsen und lasse die Ruhe des Abends und das gleichmäßige Rauschen der ankommenden Wellen auf mich einwirken. Als das Restaurant öffnet, bin ich einer der ersten Gäste.



      Nach dem leckeren Essen gehe ich zurück ins Hotel. Ich packe schon soweit wieder meinen Koffer für Morgen und gehe danach recht früh ins Bett.







      Fortsetzung folgt …...
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    • 06.Mai 2015 – Wale, Wellen und Wetter. Flug nach Ponta Delgada



      Den Weckruf um 6:00 Uhr brauche ich gar nicht, ich bin schon um 5:40 Uhr wach. Ich brauche nur noch das Nötigste einpacken und gehe dann nach unten. An der Rezeption checke ich schon aus und lade meine Sachen ins Auto. Kurz nach 7:00 Uhr bin ich dann schon beim Frühstück und fahre danach wieder in Richtung Südküste.



      Es ist auch heute noch etwas bewölkt, aber die See wirkt von Land aus ruhiger. Ich schätze die Wellenhöhe hier an der Küste auf etwa 1-1,5 m. Bis nach Lajes benötige ich ungefähr 45 Minuten und parke dort mein Auto um 8:30 Uhr. Um 9:00 Uhr geht es mit einem langen Briefing los. Serge stellt sein Unternehmen vor und erzählt etwas über die Entstehung. Danach erklärt uns eine der Mitarbeiterinnen über die Art, wie hier auf Pico die Walbeobachtungen durchgeführt werden. Auch die verschiedenen Walarten bekommen wir ausführlich erklärt.
      Es ist fast 10:00 Uhr als wir draußen dann wasserfeste Jacken und darüber Rettungswesten bekommen. Ich habe mir extra meinen Kameragurt umgebunden, in dem ich meine (mit einer Plastiktüte einigermaßen wasserfest gemachte) Kamera einklinken kann. Somit habe ich beide Hände frei zum Festhalten unterwegs, so zumindest die Idee.
      Die Zodiacs haben Plätze für 12 Personen, zwei Reihen zu sechs Plätzen hintereinander. Man sitzt darauf wie auf einem Pferd und hat vor sich einen dicken Metallbügel um sich festzuhalten. Ich sitze ganz hinten, da diese Plätze die Schläge bei der Fahrt über die Wellen am wenigsten mitbekommen. Nach zwei Rücken-OPs ist dies mir sicherer.
      Insgesamt fahren drei Zodiacs hinaus. Auf unserem sind zehn Teilnehmer, der Bootsführer und eine deutschsprachige Biologin von Talassa, da wir alle deutschsprachig sind. Direkt vor mir sitzen zwei Schweizerinnen, wohl Mutter und Tochter.
      Innerhalb der Hafenmole ist noch verhältnismäßig ruhig, doch kaum haben wir diesen Bereich verlassen, wird es heftiger. Ich stelle schnell fest, dass meine Schätzung von Land doch sehr optimistisch war. Schon jetzt müssen wir uns durch Wellen von gut zwei bis zweieinhalb Meter kämpfen. Während man solche Wellen auf einem großen Schiff nur wenig bemerkt, macht der ca. 10 Meter lange Zodiac bereits heftige Bocksprünge und mehr als einmal gehe ich kurz vor dem Aufschlag aufs Wasser hoch vom Sitz, um den folgenden Aufschlag mit den Beinen abzufedern. Unser Bootsführer fährt aber recht gut. Jedes mal wenn er einen Wellenberg hinauffährt, bremst er kurz vor dem Höhepunkt ein wenig, damit das Boot hinter der Wellenkuppe nicht so stark aufschlägt.
      Die Boote stehen mit den Beobachtern an Land in Funkverbindung und werden von diesen zu den Walen geführt. Früher haben die gleichen Beobachter so die Walfänger dirigiert. Wenn die Boote eine Stelle genannt bekommen, an denen z.B. ein Blas gesehen wurde, gilt es natürlich mit Höchstgeschwindigkeit dorthin zu fahren, da die Wale nie lange an der Oberfläche bleiben und dann wieder für lange Zeit tauchen.
      So rasen wir ständig eine Zeitlang über die inzwischen gut drei Meter hohen Wellen, um danach wieder auf einer Stelle zu warten, bis wir die nächsten Koordinaten bekommen. Hinter dem Zodiac wird einmal kurz eine unechte Karettschildkröte gesehen, aber bis ich aus dem Sitz hoch bin und mich umgedreht habe, ist sie schon wieder abgetaucht.
      So sind wir schon gut 40 Minuten unterwegs, als es die Schweizerin vor mir erwischt. Sie muss sich über den Gummirand legen und erleichtern. Das zu sehen und zu hören tut mir nicht wirklich gut. Bis jetzt fühlte ich mich eigentlich ganz gut, doch nun macht sich ein ganz leichtes flaues Gefühl in der Magengegend bemerkbar.
      Wieder gibt der Bootsführer Gas und wir springen über die Wellen. Es geht rauf und runter, hin und her. Das ist schon ein richtiger Höllenritt. Als wir stoppen, können wir gerade noch zwei Finnwale sehen, die abtauchen. Viel zu schnell um die Kamera überhaupt nur in die Richtung zu bekommen.
      Erneut erwischt es die Schweizerin und der komische Druck in meinem Magen wird stärker.
      Bei der schnellen Fahrt kommt natürlich auch immer wieder ordentlich Wasser ins Boot gespritzt. Die Jacke hält zwar dicht, aber das Wasser rinnt an dieser herunter und läuft mir dann über die Hose und in die Schuhe hinein. Längst habe ich die Kamera stets in der linken Hand, während ich mich mit der rechten festhalte.
      Vor uns taucht nun eine große Regenwand auf. Die Wellen sind inzwischen auch noch angewachsen. Es ist stellenweise, als würden wir einen langen Berg hinauffahren. Es werden wohl im Schnitt Wellen um die 3,5 bis 4 Meter sein, sicherlich einige auch noch ein wenig mehr.
      Jetzt fahren wir in diese Regenwand und die Tropfen knallen uns schmerzhaft ins Gesicht. Da kann man den Kopf nicht oben behalten, man muss nach unten ins Boot schauen.
      Dadurch wird mein Magengefühl wirklich nicht besser. Ich merke langsam wie es auch in mir mehr und mehr brodelt. Nach gut zehn Minuten sind wir durch die Wolke durch und müssen erneut wegen der Schweizerin stoppen. Das gibt mir nun auch den Rest und nur wenig später kann auch ich feststellen, wie bequem man auf dem Rand eines Schlauchbootes liegt. Ich hoffe den Fischen hat mein Käsebrötchen geschmeckt.
      Erst danach komme ich auf die Idee, endlich den Kameragürtel auszuziehen, der mir ständig noch zusätzlich auf den Magen drückt. Ich mache in einfach um den Haltebügel vor mir. Dann taucht direkt neben uns kurz ein Delphin auf, aber da die Mitfahrer auf der Seite natürlich sofort alle aufspringen, bekomme ich ihn leider nicht zu Gesicht.
      Trotz meines eigenen Unwohlseins tut mir die Schweizerin vor mir leid. Sie bekommt wirklich nicht viel mit von der Fahrt und hängt alle fünf Minuten wieder über dem Rand des Schlauchbootes. Mich erwischt es auch noch einmal kurz und beim letzten Mal stellt es sich aber als falscher Alarm raus.
      Wir sind schon gut über zwei Stunden in dieser Wellen- und Wetterhölle, als wir wieder beschleunigen um zu einer angewiesenen Stelle zu fahren.



      Ein Pottwal wurde gesichtet, der zweitgrößte Wal in diesen Gewässern. Es dauert nur wenige Minuten bis wir die Stelle erreichen. Zwar sind die Wellen glücklicherweise hier nicht ganz so hoch, aber trotzdem muss man sich stark festhalten bei dem Geschaukel. Ich halte daher die Kamera einfach am langen Arm in die Höhe und dabei grob in die Richtung des Wals.



      Da wir immer einen guten Abstand zu den Tieren halten, habe ich auf manuellen Fokus und Unendlich gestellt. Der Autofokus würde mir sonst zu oft auf die Wellen oder Schaumkronen fokussieren. Als der Rücken des Wals deutlich sichtbar wird, macht uns die Begleitung darauf aufmerksam, das der Wal jetzt taucht und dabei kurz die Fluke zu sehen sein wird.



      So ist es dann auch. Langsam, fast majestätisch hebt der Wal die Fluke in die Höhe und lässt sie dann genauso langsam wieder in den Wellen verschwinden. Wir drehen danach um und machen uns auf die Rückfahrt zum Land. Unser Bootsführer wählt dabei eine Geschwindigkeit, bei der sich die heftigsten Wellen recht gut überfahren lassen.



      Erst jetzt können wir sehen, wie weit wir draußen im Meer sind. Das Land ist weit entfernt und wir benötigen gut 20 Minuten bis wir die Mole wieder vor uns auftauchen sehen. Nach gut drei Stunden Höllenritt machen wir wieder im Hafen fest. Nun hatte es mich also auch einmal erwischt, nicht zu ändern. Als wir das Boot verlassen, haben alle Standprobleme. Das liegt aber auch an dem schmalen langen Landungssteg, der im Wasser schwimmt. Der schaukelt auch heftig hin und her und wir gehen alle, als würden wir gerade Werbung für Pampers laufen.
      Nicht nur ich bin froh, als ich endlich die Stufen zur Mole hinaufgehe. Wir bekommen noch ein Zertifikat über die gesehenen Tiere, dann verabschiede ich mich, da ich ja noch zum Flughafen muss.



      Schon als ich losfahre spüre ich immer noch einen Rest von Übelkeit in mir. Der Weg führt serpentinenartig auf die Hochebene. Hier ist es noch ein wenig dunstig, aber kein Vergleich zu dem Nebel des Vortages. Auf der anderen Seite geht es wieder genauso kurvenreich herunter und mir wird ein wenig von meinem eigenen Fahrstil schlecht.
      Kurz vor São Roque do Pico sehe ich dann schon die Küste. Vor einer Kirche ist ein großer leerer Parkplatz. Hier stelle ich das Auto auf einen Schattenplatz. Bis zum Flughafen sind es von hier höchstens noch 10 km und ich habe noch fast drei Stunden bis zum Abflug. Also stelle ich mir sicherheitshalber die Weckfunktion meines Handy ein und drehe dann die Rückenlehne herunter und das Seitenfenster auf.
      Tatsächlich schlafe ich so gut eine halbe Stunde und esse danach noch den kleinen Snack, den ich im Handgepäck habe. Dadurch geht es mir jetzt wieder richtig gut, die Übelkeit ist verflogen. Ich fahre weiter in Richtung Flughafen, muss aber zuerst daran vorbei um im nächsten Ort den Mietwagen voll zu tanken. Gegen 15:00 Uhr bin ich dann am Flughafen, aber noch ist der Mietwagenschalter nicht geöffnet. Also checke ich schon mal ein und bin dadurch schon den Koffer los.
      Nun sehe ich draußen auf dem Parkplatz auch schon die Mitarbeiterin der Mietwagenfirma, es ist die gleiche von der Übergabe. Die Formalitäten sind schnell erledigt und dann bittet sie mich, die Post für ihren Kollegen in Ponta Delgada mitzunehmen. Das mache ich natürlich gerne, zumal mir jetzt wieder einfällt, dass ich dies bei einem der Flüge 2004 auch schon gemacht habe :laugh1: .



      Wir starten pünktlich um 16:45 Uhr und brauchen für die rund 270 km bis São Miguel etwa 50 Minuten. Dabei ziehen wir erst eine Schleife über Madalena und fliegen dann zwischen Pico und São Jorge entlang. Kurz ist Terceira noch in der Ferne zu sehen, aber bald schon schiebt sich die Hauptinsel der Azoren, São Miguel ins Bild.



      Schon beim Landeanflug sind die MSC DIVINA Und der Fünfmaster ROYAL CLIPPER deutlich im Hafen auszumachen. Auf die Koffer müssen wir diesmal etwas länger warten. Direkt vor uns ist eine internationaler Flug gelandet und deren Koffer kommen zuerst.
      Daher bin ich auch nicht überrascht, als am Mietwagenschalter viel Betrieb ist und etwa sechs Leute vor mir sind. Ich stelle mich dann als Postbote vor und gebe der Mitarbeiterin die Post ihrer Kollegin von Pico. Draußen gehe ich dann kurz mit einem Mitarbeiter der Mietwagenfirma um mein nächstes Fahrzeug, erneut ein Renault Captur und fahre dann zum Hotel.
      Parkplätze in Hotelnähe gibt es kaum, aber das Hotel hat eine eigene Tiefgarage. Ich fahre dort hinein und kann den ersten Tag dort frei parken, die nächsten Tage wird es etwas kosten.



      Ich bekomme ein schönes Einzelzimmer auf der obersten Etage. Allerdings gibt es zwei Wermutstropfen. Zum einen ist das Zimmer das allerletzte auf dem Gang und etwas nach hinten gebaut. Daher habe ich nach rechts vom Balkon nur eine Mauer und sehe den Hafen nur vor mir und links. Das ist aber eigentlich nicht so schlimm. Unangenehmer ist die Tatsache, dass dieses Zimmer das einzige mit einem nicht überdachten Balkon ist und somit dem Regen frei ausgesetzt, was ich in den nächsten Tagen noch das eine oder andere Mal zu spüren bekomme.
      Egal, erst mal duschen und trockene Klamotten anziehen. Ich hatte ja immer noch die teilweise feuchte Kleidung vom Whale-Watching an. Danach benutze ich das Hotelrestaurant zum Abendessen. Das Buffet ist nicht schlecht, aber ich denke, ich werde es bei diesem einen Mal belassen und mir die nächsten Tage etwas anderes suchen.



      Wieder auf meinem Zimmer kann ich beobachten, welche starke Dünung direkt vor der Einfahrt in den Hafen herrscht. Ein Frachter wird von einer auf die andere Seite geworfen, bis er endlich im Schutz der Mole ist. Im folgt die portugiesische Korvette F 487 die auch enorm kämpfen muss, um in den Hafen zu gelangen.



      Als es schon dunkel ist, mache ich mich auf zu einem Abendspaziergang. Mein erstes Ziel ist natürlich die MSC DIVINA. Das 333,3 m lange Schiff hat Platz für rund 3.500 Passagiere (knapp 4.000 bei maximal möglicher Belegung). Jetzt beleuchtet in der Dunkelheit sieht es sogar recht schön aus. Bei Helligkeit eher wie ein monströser Hotelkomplex. Die ROYAL CLIPPER liegt an der Mole gegenüber und ist nur wenig beleuchtet.



      Ich gehe um die Festung herum, um näher an das Schiff zu kommen, doch nach wenigen Metern auf der Mole versperrt mir ein Zaun den Weg. Inzwischen hat die CLIPPER auch ihre Mastbeleuchtung ausgeschaltet und ist dadurch kaum noch zu sehen. Rund um die Festung sind die Vorbereitungen für das große Fest schon voll im Gange und überall wird gehämmert, geschraubt und geputzt.



      Auch auf dem großen Platz vor dem Kloster war man nicht untätig, seit ich vor acht Tagen hier war. Unzählige neue Lichtketten wurden schon gelegt. Doch die ganzen Buden, die man 2004 hier aufgebaut hatte fehlen noch. Auch die Uferpromenade ist noch völlig leer. Da wird sich bis zum Wochenende garantiert noch was tun.



      Ich bin gerade wieder zurück in meinem Hotelzimmer, als ich die ROYAL CLIPPER unten aus dem Hafen fahren sehe. Jetzt wird mir auch klar, warum vorhin alle Lichter aus waren. Schade, das Schiff hätte ich mir gerne mal aus der Nähe angesehen, gerne auch am Tage.



      Auch der große Fünfmaster hat heftig mit der starken Dünung vor der Mole zu kämpfen. Sollten die Passagier etwa gerade beim Abendessen sitzen, werden sie wohl ihren Weinflaschen hinterher schauen können, sofern diese nicht zuvor gesichert wurden.



      Mit einem letzten Blick auf die immer kleiner werdende ROYAL CLIPPER beschließe ich den Tag. Für Morgen habe ich einen Ruhetag hier in Ponta Delgada eingeplant. Die Touren der letzten Tage fordern doch so langsam ihren Tribut.







      Fortsetzung folgt......
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)


    • 07.Mai 2015 – Ruhetag in Ponta Delgada



      Obwohl ich gestern erst recht spät im Bett war, treibt es mich heute schon um 6:00 Uhr wieder aus den Federn. Ich hatte gestern Abend noch in aller Ruhe meinen Koffer ausgeräumt. Für die sechs Tage hier lohnt sich das zum ersten Mal. Bisher war ich ja immer nur ein, zwei Nächte in den Hotels, da habe ich stets aus dem Koffer gelebt.
      Zuerst teste ich nun ausgiebig das Frühstück hier im Hotel. Das Buffet ist sehr umfangreich und nebendran steht eine Kaffeemaschine, der ich einen wirklich guten Bica entlocken kann. Nur Obst komplett am Stück gibt es leider nicht, ich nehme mir sonst gerne noch einen Apfel oder eine Birne mit. Hier wird zwar ausreichend Obst angeboten, aber nur bereits kleingeschnittenes.



      Nachdem ich anschließend noch einmal kurz auf mein Zimmer gehe und dort einige Hemden und eine Hose bereitlege, um sie waschen zu lassen, gehe ich zu Fuß in die Stadt. Das Auto werde ich heute mal stehen lassen und nur so durch Ponta Delgada bummeln.
      Mein erster Weg führt entlang der Straße hinter dem Hotel zum zentralen Platz mit der Hauptkirche. Auf dem Weg dorthin fülle ich an einer Bank mein Bargeld ein wenig auf. Seit Tagen trage ich schon einige Postkarten mit mir herum, die ich größtenteils schon in Horta geschrieben habe. Diese bringe ich jetzt endlich mal zur Post. Ähnlich wie schon seinerzeit in Venedig muss man auch hier erst am Automaten eine Nummer ziehen und dann warten, bis diese an einem der Schalter aufgerufen wird. Immerhin geht es hier doch deutlich schneller und ich muss nur rund 25 Minuten warten, bis ich dran bin.
      Kurz bevor ich danach den zentralen Platz vor der Kirche erreiche, kaufe ich mir noch die restlichen Postkarten die ich noch schreiben möchte. Die Briefmarken dafür hatte ich mir zuvor natürlich in der Post schon auf Vorrat gekauft.



      In dem kleinen Café gegenüber der Igreja Matriz gönne ich mir einen kleinen Imbiss. Es schaut ein wenig aus wie Blätterteig-Gebäck. Das ist es auch, allerdings gefüllt mit Schinken und Käse. Dazu natürlich einen Bica. Ob des schönen Wetters ist das Café gut gefüllt und ich finde draußen gerade noch einen kleinen freien Tisch, an den ich mich setzen kann.
      Hier schreibe ich dann auch meine restlichen Postkarten und versehe sie gleich mit Briefmarken. Ich werde sie in den nächsten Tagen bei Gelegenheit irgendwo einwerfen.



      Zurück im Hotel komme ich gerade recht, um die MSC DIVINA abfahren zu sehen. Irgendwie hat man das Gefühl es wird gleich heller am Ufer, wenn diese riesige Bettenburg weg ist. Ich bin mal gespannt, wie lange der Liegeplatz am Kai vor dem Hotel leer bleibt.



      Noch einmal verlasse ich kurz das Hotel um mir in einer Nebenstraße etwas Obst in einem kleinen Obstgeschäft zu kaufen. Somit habe ich nun für die nächsten Tage auch immer eine kleine Zwischenmahlzeit parat. Auf meinem Hotelzimmer gönne ich mir heute erstmals ein kleines Nickerchen am Nachmittag, das gehört schließlich auch zum Urlaub.
      Um 17:30 Uhr spaziere ich dann wieder entlang des Ufers in die Stadt. Ich möchte mir irgendwo ein gemütliches Restaurant suchen. Nach einigem Hin und Her finde ich in einer Straße oberhalb der Igreja Matriz das Restaurant O'Corisco. Hier sitzt man sehr gemütlich und wird von freundlichen Kellern bedient. Die Karte ist klein, aber fein. Ich folge aber der Empfehlung des Kellners und nehme den „Fish of the day“, Red Snapper mit einer Suppe vorweg. Da beides sehr gut schmeckt, werde ich mir dieses Restaurant merken und sicherlich auch in den nächsten Tagen hier des Öfteren einkehren.
      Um den Red Snapper zu verdauen drehe ich noch eine längere Runde durch Ponta Delgada, bevor ich wieder ins Hotel zurückkehre. An der Rezeption hole ich mir jetzt schon mal die Karte für die Schranke der Tiefgarage, damit ich morgen, wenn ich von meiner Tour zurückkomme auch wieder dort einfahren kann.
      Irgendwie hat mich der faule Tag doch recht träge und müde gemacht. Anscheinend brauche ich doch mehr Action. Daher lege ich mich recht früh ins Bett um für den nächsten Tag wieder fit zu sein.







      Fortsetzung folgt …...
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • So, ich habe bei den letzten Tagen nun noch den Link zu den Bildern nachgetragen.
      Gruß Jobo,

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    • 8.Mai 2015 – Sete Citades, Mosteiros, Ribeira Grande, Ponta Delgada



      Am frühen Morgen erscheint draußen auf See die nächste schwimmende Bettenburg. Schon gestern Abend konnte ich die QUANTUM OF THE SEAS auf mt sehen, mit Ziel Ponta Delgada.



      Das Schiff ist noch größer als die DIVINA und wird mit ihren 348 Meter Länge sicherlich den Hafenbereich gut ausfüllen. Während ich beim Frühstück sitze nähert sich das Schiff dem Hafen und dreht vor der Mole. In langsamer Fahrt schiebt es sich anschließend rückwärts an den Kreuzfahrtkai.



      Bevor nun die über 4.000 Passagiere die Stadt stürmen, will ich mich auf den Weg machen. Ich nehme mein Fotoequipment, Reiseführer und etwas Obst von meinem Zimmer und fahre aus der Hotelgarage. Die Route führt am Ufer entlang und dann aus der Stadt heraus am Flughafen vorbei.



      Eine der Hauptattraktionen der Insel ist der Riesenkrater Sete Citades. Um dorthin zu gelangen, hat man von Ponta Delgada zwei Möglichkeiten. Entweder fährt man die Küstenstraße entlang und biegt erst kurz vor Feteiras zur Sete Citades ab, oder man benutzt gleich die Strecke über Covoada, die gleich hinter Relva abbiegt. Ich entscheide mich für die letzte Variante, da ich diese Strecke auch 2004 gefahren bin. Es war damals meine erste Tour auf den Azoren. Wie auch damals mache ich auch jetzt am Silo en Covoada, einem alten Wasserturm Halt. Schon von hier ist erkennbar, dass auf der Höhe mal wieder der Nebel auf mich wartet.



      Der Weg führt über den Pico do Carvão an mehreren kleinen Karterseen vorbei zur steilen Serpentinenstraße hinunter zur Sete Citades. Sehen kann ich davon aber erst mal gar nichts, der Nebel ist auf der Höhe einfach zu dicht. Meine Hoffnung ist aber, dass zumindest unten im Krater etwas zu sehen ist.



      Ich habe auch Glück. Auf den letzten Metern tauche ich unter die Nebeldecke und habe immerhin im Krater einigermaßen gute Sicht. Die Straße führt hier zwischen den beiden größten Kraterseen hindurch und an der kleinen Ortschaft Sete Citades vorbei.



      Wieder tauche ich in den Nebel ein um über den Kraterrand zur Westküste zu fahren. Bei Mangana erreiche ich wieder die Küstenstraße und biege südlich ab. Ich besuche die Westspitze der Insel, die Ponta da Ferraria. Etwas unterhalb steht der Farol da Ferraria, ein großer Leuchtturm.



      Von hier aus fahre ich in Richtung Norden, zuerst den gleichen Weg zurück, aber dann am Abzweig zur Sete Citades vorbei. Auf der Ponta do Escalvado befindet sich ein schöner Aussichtsplatz. Von hier kann man sowohl die Ponta da Ferraria im Süden, wie auch Mosteiros im Norden gut sehen. Dies soll auch mein nächstes Ziel sein. Dazu muss ich aber nach etwa zwei Kilometer von der Küstenstraße abbiegen.



      Mosteiros liegt direkt unten am Meer. Die meisten anderen Orte liegen oft oberhalb. Ehemals war Mosteiros ein kleines beschauliches Fischerdorf. Inzwischen ist es stark gewachsen, hat sich aber immer noch ein wenig der Beschaulichkeit erhalten. An der Nordküste des Ortes befinden sich kleine „Pools“ zwischen den Lavafelsen, die als Naturschwimmbad genutzt werden.
      Von hier aus möchte ich weiter die Nordküste entlang fahren, ohne den gleichen Weg zurück zur Küstenstraße zu nehmen. Mein Navi zeigt mir auch einen Weg an, den ich nehme. Prompt lande ich nach drei Kurven wieder auf einem Schotterweg der extrem steil den Berg hinauf führt. Ich muss den ECO-Mode meines Renault ausschalten, um diese Steigung zu schaffen.



      Nach einigem Geholpere schaffe ich es aber und erreiche wieder die Küstenstraße. Diese schlängelt sich hier über die Steilküste und bietet immer wieder herrliche Ausblicke. Die Moinho do Pico Vermelho ist eine schöne alte Windmühle, die direkt neben einer kleinen Heilig-Geist-Kapelle steht. Nur wenige Kilometer entfernt liegt die schöne Ortschaft Remédiòs, an deren Kirche ich wieder einen Halt einlege.



      Bei Capelas weiche ich wieder von der Hauptstrecke ab. Ich möchte hinunter zu einem malerischen Fischerhafen fahren. Doch leider ist die steile Straße hinunter zur Küste gesperrt. Sie wird gerade neu geteert und auch ein Bürgersteig wird angelegt. Also begnüge ich mich mit einigen Bildern von oben.



      Durch enge Gassen, die oft einem Irrgarten gleichen, suche ich mir wieder den Weg zur Hauptstraße. Weiter Richtung Osten gelange ich bald nach Fenais da Luz und dem herrlichen großen Aussichtsplatz hier. Es macht hier auch mehr Spaß die kleine Nebenstraße an der Küste entlang zu fahren, da die Hauptstraße fast kerzengerade oberhalb entlang führt und man dort nicht soviel sieht.



      Doch bei Calhetas kommt man unweigerlich wieder auf die Hauptstraße, die nun nach Ribeira Grande führt. Ribeira Grande ist die zweitgrößte Stadt auf São Miguel mit rund 10.000 Einwohnern. Mittelpunkt der Stadt ist die große Igreja Matriz im Zentrum. In der Nähe parke ich das Auto und bummle ein wenig rund um die Kirche und den großen Platz davor.
      Danach fahre ich über die kurze Autobahn zurück nach Ponta Delgada. Das Auto stelle ich wieder in der Hotelgarage ab und mache mich dann auf den Weg zu einem Stadtrundgang.



      Die QUANTUM OF THE SEAS liegt immer noch am Kai. Gerade fährt die Gondel auf dem Oberdeck die Passagiere hin und her. An der Uferpromenade sind inzwischen schon viele Buden aufgebaut und auch auf dem Platz vor dem Kloster, das jetzt scheinbar fertig geschmückt ist, finden sich schon die ersten Buden und Fahrgeschäfte. Von hier aus nehme ich die Straße am Hotel Talisman vorbei. Kurz nach dem Hotel gehe ich die Rua do Castilho noch eine Ebene weiter hinauf.



      So gelange ich an den Jardim Antero de Quental, einen kleinen grünen Platz mit der Biblioteca e Arquivo de Ponta Delgada. Ich gehe weiter entlang der hochgelegen Straße. Hier in den oberen Bereich der Stadt verirrt sich eher selten ein Tourist und der eine oder andere Einheimische schaut mich verwundert an.



      Nachdem ich die Rua Magarida eine Weile entlang gelaufen bin wende ich mich nach rechts, die kleine steile Ladeira da Mãe de Deus hinauf. Oben angekommen stehe ich vor der Ermida da Mãe de Deus, einer kleinen Kirche hoch über der Stadt die ich gut von meinem Hotelbalkon sehen kann.
      Von dem schönen Platz um die Kirche hat man eine sehr gute Sicht auf die ganze Stadt und das erste was ich sehe, ist die sich schon weit außerhalb des Hafens befindende QUANTUM OF THE SEAS.



      Der Rundblick von hier ist genial. Im Osten ragt das Hotel The Lince in die Höhe. 2004 hieß es noch Holiday Inn und ich habe darin die ersten Nächste verbracht. Schon während ich hier meine Bilder von der Stadt mache, fällt mir ein Mann auf, der sich in der Nähe der kleinen Kirche aufhält und mich genauestens beobachtet.
      Sicherlich wird er mir gleich in die Kirche folgen und aufpassen, dass ich dort nicht fotografiere oder sonst irgendwas Verbotenes anstelle.



      Kaum begebe ich mich in die offene Kirche folgt er mir auch tatsächlich und bittet mich sofort zu warten. Dann rennt er nach vorne und verschwindet kurz durch eine Seitentür. Schon geht das Licht rund um den Altar an. Als er wieder herauskommt, strahlt er und bittet mich nun zu fotografieren.
      Als ich danach die Kirche wieder verlassen will, weist er auf eine kleine Wendeltreppe an der Seite und fordert mich auf, doch hinauf zum Balkon zu gehen.
      Also gehe ich dort hinauf und mache meine Bilder um danach wieder herab zu steigen. Doch schon fragt er mich, ob ich denn auch ganz oben im Turm war, nein, dann weist er wieder auf die Treppe. Ich steige nun hinauf bis in den Glockenstuhl. Weiter geht es hier nicht mehr, nur noch das Dach ist darüber.



      Nun darf ich endlich, nachdem ich mich herzlich bedankt habe die Kirche verlassen. Draußen mache ich noch einige Bilder, während er ganz stolz neben seiner kleinen Kirche steht. Erneut ein tolles Beispiel für die natürliche Freundlichkeit der Menschen hier. Ich wandere nun auf der anderen Seite die nicht minder steile Straße wieder herunter zur Stadt. Das Kopfsteinpflaster ist hier wellenförmig gearbeitet, wohl um bei der Steilheit bessere Bremsmöglichkeiten zu gewährleisten.



      Unten stoße ich nach wenigen Metern auf den großen Markt der Stadt, der auch noch recht belebt ist. Auch hier falle ich mit meiner Kamera eher als Exot auf. Doch unfreundliche Gesichter sehe ich auch hier nicht. Vor dem Teatro Micaelense fahren einige Jugendliche mit ihren Scateboards herum, da der Platz mit seinen Vorsprüngen und kleinen Mauern wohl ideal dafür ist.



      Wenige Querstraßen weiter sehe mein Restaurant O'Corisco etwas unterhalb. Da werde ich auch heute Abend wieder hingehen. Mal sehen, was es heute als Fisch des Tages gibt. Von hier ist es nicht weit bis zur Igreja Matriz und dem netten Café gegenüber. Ich wende mich von hier wieder in Richtung meines Hotels.



      Dabei komme ich wieder am Hotel Camões vorbei. Ich werfe mal einen Blick in die Empfangshalle mit der Rezeption. Das Hotel wirkt sowohl von außen, wie auch von innen sehr gemütlich und macht einen durchweg freundlichen Eindruck. Bei meinem nächsten Aufenthalt hier, werde ich versuchen hier ein Zimmer zu bekommen. Auch wenn hier der Meerblick fehlt, spricht mich dieses nette kleine Hotel sehr an.
      Kurz vor meinem Hotel steht die Igreja de São Pedro. Da sie offen steht gehe ich noch kurz hinein. Sie ist sehr prunkvoll ausgestattet. Ein gold strahlender Altar und ein wunderschönes Deckengewölbe.
      Ich bringe meine Kamera ins Hotel und begebe mich ins O'Corisco zum Abendessen. Der Kellner erkennt mich natürlich sofort und bringt mir die Karte mit dem Hinweis, dass der Fisch of the day Red Snapper sei. Ich nehme diesmal aber ein Fleischgericht.
      Wenig später betritt ein älteres Paar das Restaurant und setzt sich an den Nebentisch. Der Kellner, dessen trockener Humor mir gestern schon aufgefallen ist, offeriert auch den beiden den Fisch of the day. Die Beiden waren wohl gestern auch schon hier, jedenfalls fragt die Frau: „Is it the same as yesterday?“. Daraufhin der Kellner mit todernster Mine: „No, not the same, its a brother.“.
      Ich hätte mich fast an den Kalamari meiner Vorspeise verschluckt, zumal auch der Mann am Nebentisch eine Weile brauchte, bevor er die Antwort begriff und dann herzlich lachte.



      Auf dem Weg zurück zum Hotel komme ich zu der Erkenntnis, dass ein längerer Verdauungsspaziergang nicht die schlechteste Idee sei. Also schnappe ich mir meine Kamera und das Stativ und gehe vorbei an der Igreja São Pedro und der Igreja Matriz hinüber zum Platz vor dem Kloster. Schon in der Straße dorthin ist jetzt die Festbeleuchtung an, dass große Fest hat begonnen.



      Tatsächlich sind jetzt, obwohl es schon nach 22:00 Uhr ist, unzählige Menschen hier unterwegs. Das Kloster strahlt nun in der tollen Beleuchtung, die mir noch von 2004 in bester Erinnerung ist. Schon damals hat mich diese Lichterpracht total fasziniert.



      Reges Treiben herrscht hier auf und rund um den Platz. Die nächsten beiden Tage wird sich dies noch verstärken. Dann wird es noch schwieriger sein, in Ruhe Bilder von dem Platz und dem Kloster machen zu können.



      Auch an den mittlerweile zahlreich aufgestellten Buden auf der Uferpromenade tummeln sich die Menschen in großer Zahl. Dadurch kommt natürlich auch der Verkehr auf der Uferstraße immer wieder zum Erliegen.
      Bevor ich mich in mein Hotel verabschiede, schaue ich noch der EXPRESS SANTORINI zu, der Fähre zwischen den Azoreninseln, die wenig später Ponta Delgada verlässt.






      Fortsetzung folgt …...
      Gruß Jobo,

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    • 09.Mai 2015 – Furnas (Terra Nostra Park), Caldeira Velha


      Irgendwo in der Nähe meines Zimmers knallen Türen und reißen mich aus dem Schlaf. Schuld daran ist wohl der heftige Wind, der am Hotelgebäude rüttelt. Die Flaggen an den Masten im Hafenbecken wehen dauerhaft aufgebläht in voller Größe.
      Beim Frühstück hört man das Heulen des Windes von draußen.



      Zuerst möchte ich heute nach Furnas, den schönen Park mit seinem Naturthermalbad besuchen. Auch wenn entlang des ersten Teils der Strecke die Sicht noch gut ist, kann ich beim Blick ins Inland schon die tief hängenden Wolken sehen. Der Wind hat inzwischen etwas nachgelassen, aber die Sicht wird mit jedem Höhenmeter schlechter.



      Erst als ich wieder herunter fahre ins Tal von Furnas, tauche ich am Ende unter die Wolkendecke und kann wieder etwas sehen. Ich fahre entlang des Lagoa das Furnas und biege am Ende auf eine kleine Nebenstraße ab. Sie endet an einer Schranke, an der ich 50 Cent Eintritt bezahlen muss. Auf dem Parkplatz erwartet mich schon dieser wuschelige vierbeinige Parkwächter.



      Viele seiner Kollegen machen wohl gerade Pause und haben es sich auf dem warmen Boden bequem gemacht. Das Tal von Furnas ist eigentlich der riesige Krater eines erloschenen Vulkans. Zwei Thermalfelder gibt es hier, in denen heißes Wasser und Schlamm aus bis zu 100 Meter Tiefe an einigen Stellen an die Oberfläche steigt. Das Gebiet hier am Nordrand des Sees ist eines dieser Felder und wird von den Einheimischen als Erdwärmeküche genutzt.



      Aus vielen Erdlöcher tritt hier heißes Wasser, Schlamm oder Dampf an die Oberfläche. Im Laufe der Jahrzehnte wurden diese Fumarolen zu runden Kochlöchern zementiert. Am frühen Morgen kommt hier ein großer geschlossener Kochtopf hinein. In ihm befinden sich mehrere Sorten Fleisch, Wurst, Kartoffeln und verschiedene Gemüse, aber kein Wasser. Das Loch wird danach abgedeckt und mit viel Erde „versiegelt“. Gut fünf bis sechs Stunden verbleibt der Topf darin und die Speisen werden so auf sehr natürliche Weise gar gedünstet.
      Am Mittag werden die Töpfe entnommen und u.a. in den Restaurants des Ortes als Cozido das Furnas serviert.



      Bei der Ausfahrt muss ich noch die 20 Cent Parkgebühr bezahlen (keine Ahnung warum man die nicht auch gleich bei der Einfahrt kassiert :hmm: ), bevor ich den See in Richtung Ortschaft verlasse. Furnas mit dem Auto ist immer ein Abenteuer. Die kleine Ortschaft besteht aus einen chaotischen System von Einbahnstraßen und hat man den richtigen Abzweig verpasst, muss man einmal kreuz und quer durch den Ort fahren, bis man wieder an die gleiche Stelle kommt.
      Diese Erfahrung habe ich bereits 2004 gemacht und bin daher vorgewarnt. Ich habe heute Glück, nicht weit vom neuen Eingang des Terra Nostra Parks fährt gerade ein Auto vom Straßenrand los. Ich nutze die Gelegenheit und besetze sofort diesen idealen Parkplatz.



      Der Park ist noch geschlossen und ich spaziere daher zuerst in den kleinen Ort. Ich komme dabei am Hotel Terra Nostra Garden vorbei. Früher musste man durch das Hotel um in den Park zu gelangen, das ist heute nicht mehr so. Schräg gegenüber der Kirche sehe ich schon das Restaurant Tony's, in dem ich heute Mittag unbedingt den Cozido essen möchte. Noch ist es geschlossen, nur die Snack Bar ist schon geöffnet.



      Als ich wieder zurück bin am Eingang des Parks, muss ich nur noch fünf Minuten warten. Dann ist es 10:00 Uhr und der Park öffnet. Der Eintritt beträgt inzwischen sechs Euro, doch das ist der Park allemal wert. Besonders hervorzuheben ist das große Thermalbecken nicht weit vom Eingang des Parks. Park sowie Thermalbecken gehören dem Hotel und die Gäste des Hotels haben auch stets freien Eintritt.



      Der Park, dessen Ursprung auf das Jahr 1780 zurückgeht, hat eine Fläche von 12 ha und beherbergt rund 2800 Bäume (falls ich mich nicht verzählt habe :search: ). Die Pflanzen im Park stammen aus der ganzen Welt und auch endemische Arten findet man hier.
      Viele der schönen Wege sind längst mit Moos überwuchert und man hat oft den Eindruck auf einem weichen Teppich zu laufen. Um diese Uhrzeit sind nur wenige Besucher mit mir hier und stellenweise habe ich den Eindruck, mich alleine in einem tropischen Dschungel zu befinden.



      Ich laufe eine große Runde durch den Park. Zeit genug habe ich ja und muss mich nicht beeilen. Das Wetter könnte allerdings etwas schöner sein. Der graue Himmel über mir begleitet mich ständig. Wenigstens regnet es nicht und die Temperaturen sind sehr angenehm, so um die 20°C. Nach etwa einer Stunde nähere ich mich wieder dem großen Thermalbecken.



      Nun kommt etwas, worauf ich mich schon seit langem gefreut habe. Schon 2004 habe ich das Bad in diesem Becken ausgiebig genossen. Die Temperatur des Beckens beträgt konstant 38°C. Aus zwei großen Zuläufen fließt ständig neues Wasser hinterher. Steht man unter einem dieser Zuläufe, kann man sich regelrecht von dem breiten und warmen Wasserstrahl massieren lassen.
      Das Becken ist 1,5 m tief und besitzt einen ebenen Steinboden. Dieser ist auch nicht etwa klitschig, da in dem Wasser keine Algen wachsen. Da das Wasser aus der Erde kommt, hat es eine hellbraune Farbe, die sich nach dem Bade auch leicht auf der Haut und etwas stärker an der Badekleidung wiederfindet. Es riecht auch etwas nach Erde, aber kein unangenehmer Geruch.
      Rund um das Becken stehen Parkbänke. Hier legt man während des Bades seine Sachen ab. Unterhab des Randes des Beckens gibt es an einer Seite Duschen und Umkleidekabinen. Über eine Stunde verbringe ich in dem angenehmen Warmbecken. Mehr und mehr Besucher kommen in den Park und viele von ihnen auch hierher zum Baden.
      Schließlich wird es mir etwas zu voll, außerdem verkünden mir die Glocken der Kirche des Ortes, dass es Mittagszeit ist. Nachdem ich nun die meisten der braunen Spuren beseitigt habe, verlasse ich den Park wieder. Meine Sachen bringe ich zum Auto und begebe mich anschließend in den Ort zu Tony's Restaurant.
      Schon 2004 wollte ich hier essen, aber alle Tische waren damals reserviert. Ich bin dann in ein anderes Restaurant gegangen. Heute möchte ich aber unbedingt im „Original“ essen. Leider sind auch heute alle Tische reserviert, erst ab 14:00 Uhr wäre wieder etwas frei. Das ist mir aber zu spät. Doch man bietet mir die Snack-Bar nebenan an. Da ich damit kein Problem habe setze ich mich, sehr zum Erstaunen der Einheimischen, hier an einen kleinen Tisch und esse hier meine Cozida.
      Es ist eine riesige Portion. Fleisch, Wurst, Kartoffeln, Reis und viel Gemüse. Das Fleisch so zart, dass es schon auseinanderfällt, wenn man sich nur mit der Gabel nähert. Ich schaffe nur etwas mehr als die Hälfte der Portion, die sicher für eine Kleinfamilie gereicht hätte. Ganze 12,50 Euro muss ich dafür bezahlen.



      Mit meinem vollen Bauch schleppe ich mich zurück zum Auto. Es dauert natürlich wieder eine Weile, bis ich aus diesem Einbahnstraßen-Irrgarten herausgefunden habe und mich wieder den Hügel hochwinde. Bald biege ich ich rechts ab zum Salto do Cavalo. Doch wie ich schon vermutet habe, befindet sich der 805 m hohe Berg mit seinem schönen Aussichtspunkt komplett in den immer noch recht tief hängenden Wolken. Also fahre ich wieder zurück um dann zum Aussichtsplatz am Pico do Ferro abzubiegen. Hier habe ich etwas mehr Glück und kann Furnas und den See zumindest durch den Dunst erkennen.



      Über die Hochebene fahre ich nun weiter. Schnell befinde ich mich wieder im dichten Nebel. Anschließend kommt die Abenteuerlust meines Navis wieder zum Vorschein und ich fahre einen schmalen Kopfsteinpflasterweg hinunter zur Nordküste. Doch die ist nicht mein Ziel. Heute ist Badetag und kurz bevor ich die Küste erreiche, biege ich wieder ins Hochland ab. Auf einer gut ausgebauten Serpentinenstraße erreiche ich so die Caldeira Velha.



      Mitten im Wald befindet sich diese warme Quelle. Inzwischen wird auch hier Eintritt genommen, zwei Euro. Die Quelle wird von einem Wasserfall und einer unterirdischen Quelle gespeist. Einst war das Wasser ähnlich warm wie in Furnas, doch die warme Quelle versiegt mehr und mehr. Trotzdem lasse ich es mir nicht nehmen, das kleine Becken auszuprobieren. Ich schätze die Temperatur etwa auf 25°C. Oberhalb gibt es drei Umkleidekabinen, die man nutzen kann.
      50 Meter unterhalb befindet sich eine wirklich heiße Quelle, der das Wasser mit 61°C entströmt und ein weiteres Badebecken mit Warmwasser versorgt. Dieses war mir jedoch zu voll und ich habe nur im oberen Becken gebadet. Das Becken ist nur rund einen halben Meter tief und hat natürlich einen Naturboden. Man muss also nach dem Bad erst mal die Pflanzenreste zwischen den Zehen beseitigen :mosking: .



      Von der Caldeira Velha aus fahre ich weiter die Serpentinen hinauf zum Lagoa do Fogo. Sehen kann ich diesen jedoch nicht. Der Nebel wird hier so dicht, dass stellenweise selbst Schritttempo noch zu schnell ist. Auf der anderen Seite muss ich noch ein ganzes Stück herunterfahren, bevor ich wieder Sicht habe. Auf der Autobahn nach Ponta Delgada kommt mir dann noch ein ungewöhnliches Gefährt entgegen, bevor ich wieder in die Hotelgarage abbiege.

      Am Abend gehe ich wieder zum O'Corisco zum Essen. Als Vorspeise nehme ich wie schon gestern die Baby-Calamari. Mein Kellner nennt mir als Fisch of the day Red Snapper. Auf meine Feststellung: „Must be a big family.“ muss er dann doch herzhaft lachen.



      Zurück im Hotel schnappe ich mir wieder meine Kamera um noch eine Verdauungsrunde zu drehen. Die Azoren-Fähre EXPRESS SANTORINI liegt wieder am Kreuzfahrtkai, wohl schon zur Abfahrt bereit. Gerade als ich dort meine Bilder mache, kommt ein heftiger Schauer herunter. Es dauert aber nicht lange und ich kann weiter gehen zum Platz vor dem Kloster.
      Doch nun öffnet der Himmel seine Schleusen und ein Platzregen, gepaart mit einem heftigen Wind vertreibt schlagartig tausende von Besuchern von der Straße. Wo immer auch nur minimal Schutz vor dem Regen ist, quetschen sich die Menschen dicht an dicht.



      Ich nutze nun die kurzen Pausen zwischen den einzelnen Schauern um mich langsam wieder meinem Hotel zu nähern. Ganz kann ich es aber auch nicht verhindern, dass ich wieder nass werde, aber es hält sich in Grenzen. Die letzten Meter zum Hotel kann ich glücklicherweise unter Arkaden laufen.
      Für den morgigen Tag hoffe ich dann doch auf etwas trockenere Bedingungen, da ich die Südküste in Richtung Osten entlang fahren möchte.







      Fortsetzung folgt ….........
      Gruß Jobo,

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    • 10.Mai 2015 - Vila Franca do Campo, Salto do Cavalo, Povoacão, Faial da Terra, Ponta do Arnel, Nordeste, Nordostküste, Cete Citades, Ponta Delgada - "Festa do Senhor Santo Cristo dos Milagres"



      Nun wollte ich ja eigentlich heute in Ruhe ausschlafen, doch eine kleine Prozession hatte etwas dagegen. Um 5:15 Uhr werde ich von blechernem Sprechgesang geweckt. Vom Balkon erkenne ich eine kleine Gruppe unten auf der Straße. Vorne weg der Priester, der vorbetet und dahinter rund 50 Gläubige im Gänsemarsch, die dies singend wiederholen. Am Ende fährt ein kleiner Transporter im Schritttempo. Auf seinem Dach zwei große Megaphone, die die Gebete des Priesters laut und deutlich in die Welt hinaus tragen.
      Ich schaffe es immerhin noch einmal für etwa eine Stunde zu schlafen, bevor ich mich nach dem Duschen zum Frühstück begebe.



      Zurück auf meinem Zimmer kann ich beobachten, wie der amerikanische Zerstörer USS BRAINBRIDGE einläuft und fest macht. Für den heutigen Tag möchte ich die Südküste entlang Richtung Osten bis Nordeste fahren. Von dort aus dann wieder die Nordküste nach Westen zurück, je nach dann noch verfügbarer Zeit.
      São Miguel hat als längste der Azoreninseln rund 155 km Küstenlinie. Die Ost-West-Ausdehnung beträgt 62 km. An der breitesten Stelle ist die Insel 15 km breit, nur Terceira ist mit 18 km breiter.



      Von Ponta Delgada führt eine neue Autobahn bis Vila Franca do Campo. Dies ist auch mein erstes Ziel, genauer gesagt die Ermida de Nossa Senhora da Paz. Die kleine Walfahrtskapelle liegt hoch über der Stadt und bietet eine fantastische Aussicht. Früher konnte man einfach von der Hauptstraße abbiegen und den Berg hinauffahren. So möchte mich auch mein Navi von der Autobahn direkt auf die Straße führen, die unter der Autobahn hindurchführt. Ich fahre am nächsten Kreisverkehr rechts ab und kann aber auch nicht die Parallelstraße zur Autobahn zurück nutzen, da es sich um eine Einbahnstraße handelt und das runde Schild auf meiner Seite steht.
      Nach ein wenig jonglieren durch die engen Gassen der Stadt finde ich aber die richtige Straße und erreiche bald den Parkplatz unterhalb der Kapelle. Natürlich erklimme ich die Kapelle über die kachelverzierte Treppe. Ich befinde mich völlig alleine hier oben, erst als ich schon fast wieder am Auto bin, kommt ein weiteres Auto die kleine steile Straße hinaufgefahren.



      Von Vila Franca weicht die Straße von der Küste ab. Man muss den Weg nach Furnas nehmen und von dort wieder hinunter zur Küste. Da das Wetter heute wesentlich bessere Sichtverhältnisse zulässt, mache ich erneut den Abstecher zum Salto do Cavalo. Gestern hatte ich schon auf halber Strecke in dichtem Nebel gesteckt, aber heute hängt die Wolkendecke erheblich höher. Vom Aussichtsplatz auf dem Gipfel hat man eine gute Rundumsicht. Nur wenig hinter dem Gipfel zweigt eine kleine Straße zur Südküste ab. Diese nehme ich und spare mir dadurch die Einbahnstraßen von Furnas.



      Über die schmale Serpentinenstraße erreiche ich bald bei Povoação wieder die Küste. Hier siedelten einst die ersten Menschen auf São Miguel, daher auch der Name. Povoação bedeutet schlicht „Ortschaft“. Povoação erstreckt sich weit auf die umliegenden Hügel. Einst war hier die einzige Disco des Inselostens. Heute wirkt der Ort sehr modern und gerade der Ortskern rund um den kleinen Hafen und die große Kirche in der Ortsmitte lädt zum entspannten Bummel ein.



      Das lasse ich mir hier natürlich auch nicht nehmen und erkunde den kleinen Ort. Obwohl der Ort nicht sehr groß ist, gefällt er mir recht gut. Er wirkt recht freundlich und strahlt eine gewisse Ruhe und angenehme Beschaulichkeit aus. In einem großen Bogen gehe ich entlang des Flusses bis zur Kirche und durch den Ort wieder zurück zu meinem Auto am Hafen.



      An der Küste kann man jedoch nicht weiter fahren. Die Straße führt wieder hinauf in die Berge. Kurz hinter einem Abzweig liegt ein großen Aussichts- und Grillplatz. Auf zwei Etagen finden sich hier teils überdachte Sitzplätze, Toiletten und sogar gemauerte Grillstellen in einer Umgebung mit herrlichen Pflanzen. Von hier aus führt eine teilweise sehr steile, aber gut geteerte Straße wieder zur Küste, die man bei der kleinen Ortschaft Faial da Tera wieder erreicht.



      Doch gleich geht es auf der anderen Seite des Ortes wieder steil bergauf. Es sind alles Nebenstraßen, auf denen ich hier unterwegs bin. Die eigentliche Hauptstraße führt hier weit im Inselinnern nach Osten. Erst bei Água Retorta erreiche ich diese wieder und folge ihr in Richtung Nordeste. So gelange ich zum Miradouro da Ponta da Madrugada, einem weiteren traumhaft angelegten Aussichtsplatz.



      Von hier hat man einen schönen Blick auf den Ponta da Marquesa, den östlichsten Punkt der Insel. Nur ein wenig weiter im Norden steht der Farol do Arnel am Ponta do Arnel. Man kann auch über eine kleine Straße (25% Gefälle) zum Leuchtturm gelangen, aber dies erspare ich mir, da es bereits fast 13:00 Uhr ist und ich langsam Hunger verspüre. Ich mache mich also auf den Weg zu dem Restaurant in Nordeste, dass in den Reiseführern beschrieben steht.



      Doch das Restaurante Tronqueira ist geschlossen und so wie es aussieht nicht nur vorübergehend. Zwar gibt es in Nordeste noch zwei Snackbars, allerdings sind diese am heutigen Sonntag übervoll und ich verspüre keine große Lust mich dort auch noch hinein zu zwängen. Von Nordeste führt eine gut ausgebaute Straße entlang der Nordküste Richtung Westen. Allerdings liegt diese etwas im Inselinnern und man hat nur selten Blick aufs Meer und die kleinen Ortschaften. Daher nehme ich lieber die schmale, kurvenreiche Straße, die die kleinen Orte am Meer miteinander verbindet. Kurz vor Santana mache ich kurz Rast an einer Tankstelle. Hier kaufe ich mir wieder diese leckeren Blätterteig-Gebäcke, die mit Käse und Schinken gefüllt sind.
      Ich nutze gleich auch die Gelegenheit das Auto wieder voll zu tanken. Auf den Preis braucht man auf den Azoren nicht zu achten. In den 14 Tagen, in denen ich hier unterwegs war, gab es an allen Tankstellen den gleichen Preis, egal zu welcher Tageszeit. Diesel 1,17 €, Super (Gasoline 95) 1,30 € und Super Plus (Gasoline 98) 1,35 €.



      Nach dem kleinen Imbiss fahre ich weiter entlang der Nordküste und nähere mich bald wieder Ribeira Grande. Das Wetter spielt heute wirklich mit und so beschließe ich, einen erneuten Versuch zu wagen die Sete Citades zu besuchen. Ähnlich wie bei meinem zweiten Versuch zu der Caldeira auf Faial habe ich auch heute Glück und die Wolken sind hoch genug um nicht zu stören. Ich habe heute die Route über Cerrado Grande gewählt und komme daher direkt oben am Vista do Rei (Königsblick) heraus. Im Schatten eines riesigen Gebäudes, das sich als ehemaliges Hotel Monte Palace herausstellt bietet sich ein guter Blick auf die Caldeira da Sete Citades. Das Hotel, welches wie ein schwarzer Bunker in der schönen Landschaft wirkt, war 1984 eröffnet worden und nur ein Jahr später wieder geschlossen. 1989 versuchte man es dann erneut um Ende 1990 endgültig dicht zu machen. Seitdem steht es als hässliche Bauruine weithin sichtbar.



      Mitte des 15.Jahrhunderts soll der 12 km durchmessende Krater aus einem rund 1.200 m hohen Vulkan entstanden sein. Damals soll es den kompletten Vulkankegel weggesprengt haben. Der ganze Vulkankomplex ist gut 210.000 Jahre alt. Im Krater entstanden drei Seen. Der größte See wird durch eine Brücke in den größeren Lagoa Azul (blauer See) und den Lagoa Verde (grüner See) geteilt. Etwas oberhalb hat man von einem Parkstreifen der Straße einen guten Blick auf den Lagoa de Santiago, der mitten im Wald liegt.



      Für den Rückweg nach Ponta Delgada wähle ich den Weg über Covoada. Oberhalb des Silo en Covoada mache ich noch einmal an einem großen Aussichtsplatz Rast. Einige Einheimische sind auch bereits hier und grillen. Der große Platz bietet sich für solche Picknicks aber auch geradezu an. Mein weiterer Weg führt hinunter nach Relva und ich erreiche Ponta Delgade von Westen.



      Ich halte noch kurz oberhalb des Flughafens und fahre von dort zurück ins Hotel. Schon auf dem Weg dorthin fällt mir auf, dass die komplette Uferstraße zugeparkt ist. Kaum fahre ich in die Hotelgarage taucht dann auch schon ein Problem auf. Kein einziger Platz ist mehr frei. Das Fahrzeug, welches vor mir eingefahren ist stellt sich jetzt auch schon auf den Platz für die Fahrräder. Ich lasse mein Auto erst mal stehen und gehe zur Rezeption. Man schicke jemand herunter, ich möge bitte solange warten. Unten kann ich sehen, dass sich vor der Schranke inzwischen eine Schlange gebildet hat. Tatsächlich kommt dort auch jemand von der Seite und weist alle Fahrzeuge zurück.
      Zu mir kommt derjenige jedoch nicht, sondern ist plötzlich wieder verschwunden. Ich warte noch gut zehn Minuten, dann stelle ich mein Auto vor den Zugang des Hotels und blockiere dadurch nur den Parker auf dem Fahrradplatz. Ich beschwere mich an der Rezeption und auf die Antwort, ich möge doch irgendwo außerhalb parken, verweise ich darauf, dass ich schließlich für den Parkplatz zahle. Picotours hatte mir vorab einen Preis von sieben Euro pro Nacht mitgeteilt, dafür stelle ich das Auto sicher nicht zwei Kilometer entfernt ab.
      Schließlich einigen wir uns darauf, dass ich das Auto erst mal so stehen lasse und man sich bei mir meldet, falls es stört.



      Nachdem ich mich meine Bilder heruntergeladen und mich etwas frisch gemacht habe, will ich zum Essen gehen. Ich schaue kurz in der Hotelgarage vorbei, aber immer noch sind alle Plätze belegt. Ich sage kurz an der Rezeption Bescheid und verlasse das Hotel. In der Stadt ist die heutige große Prozession noch voll im Gange. Der tolle Blumenschmuck, der morgens auf den Straßen ausgelegt wird ist allerdings längst platt getreten. Ich erwische gerade den hinteren Teil der Prozession mit den Pfadfindergruppen.



      Die Statue des Nossa Senhor Santo Cristo steht bereits vor dem Kloster. Auf dem Platz davor drängt sich auch schon eine riesige Menschenmenge. Kein Wunder, dass die Parkplätze in der Stadt inzwischen rar sind.
      Ich begebe mich nun zuerst zum Restaurant O'Corisco, hier habe ich während des Umzuges noch die freie Platzwahl. Die Red Snapper Familie scheint mittlerweile ausgerottet zu sein, Fish of the day ist Thunfisch. Als ich das Restaurant wieder verlasse ist es bereits dunkel draußen.



      Der Umzug ist jedoch immer noch unterwegs. Das Festa do Senhor Santo Cristo dos Milagres findet jedes Jahr fünf Wochen nach Ostern statt. Das größte Fest der Azoren lockt jedes Jahr unzählige Portugiesen nach Ponta Delgada. Portugiesen vom Festland und auch die Emigranten aus USA, Kanada und anderen Ländern fallen regelrecht über die kleine Insel herein um das Fest mit Verwandten zu feiern.
      Auf dem Platz vor dem Kloster wandern die Gläubigen teils barfuß oder auch auf den blanken Knien zur Buße stundenlang herum. Abends werden das Kloster, der Platz, die umliegenden Gebäude und die Straßen rundherum beleuchtet. Vor dem großen Umzug am Sonntag werden die Straßen mit kunstvollen Blumenteppichen ausgeschmückt.



      Im gesamten Hafenbereich stehen Buden mit den verschiedensten Waren. Sei es Verpflegung, Schmuck, Kleidung oder Spielzeug, alles ist hier zu bekommen. Ein besonderer Höhepunkt ist es nach dem Einbrechen der Dunkelheit, wenn das erste Mal die Beleuchtung am Kloster eingeschaltet wird. Habe dazu ein schönes Video gefunden.



      Bis zur letzten Gruppe, in der Regel sind dies die Feuerwehr und Rettungskräfte, gibt es von der großen Menschenmenge Applaus. Erst danach löst sich die Menge langsam auf.



      Doch die Menge verschwindet nicht, sondern verlagert nur ihre Plätze. Nun werden die vielen Festzelte rund um die Festung gefüllt. Selbst als Einzelperson ist hier nun kein Platz mehr zu bekommen und ich füge mich in die Menge der Menschen ein, die einfach nur hier entlang schlendern.



      Gerade als ich schon wieder auf dem Weg zurück zum Hotel bin, startet von der Festung am Ufer ein kleines Feuerwerk. Die Uferstraße ist inzwischen auch voll und ein Vorankommen geht nur in der Menge. Auffällig ist aber, dass ich nirgendwo unter den vielen Menschen aggressive oder gar betrunkene Menschen gesehen habe und dass, obwohl das Fest doch schon seit Stunden im Gange ist und in den Festzelten sicher schon reichlich ausgeschenkt wurde.



      Erst im Bereich des Kreuzfahrtterminals ist es wieder möglich, sein eigenes Tempo zu gehen und so erreiche ich schließlich wieder das Hotel. Bei dem kurzen Blick in die Hotelgarage fährt nun auch gerade ein Auto heraus und ich kann mein Auto auf den freien Platz stellen, bevor ich diesen Tag beende.






      Fortsetzung folgt …............
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)


    • 11.Mai 2015 – Ponta Delgada – Botanische Gärten



      Der Morgen zeigt sich alles andere als freundlich. Es ist dunkelgrau und regnet. Dazu pfeift ein heftiger Wind am Hotelgebäude entlang. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für meinen Gang zu den botanischen Gärten von Ponta Delgada. Die Hoffnung, dass es nach dem Frühstück besser wird erfüllt sich leider auch nicht.



      Was soll es, die Klamotten sind Regen ja ohnehin schon gewöhnt und die Kamera verpacke ich mit zwei Plastiktüten wieder einigermaßen wasserfest. Das hat sich ja beim Whale-Watching auch schon bewährt.
      Die botanischen Gärten, Ponta Delgada hat drei größere und einige kleine, liegen in der Stadt verteilt. Die drei großen befinden sich alle im oberen Stadtbereich, dicht beieinander.



      Günstigerweise hat der Regen etwas nachgelassen, als ich mich auf dem Weg zum ersten botanischen Garten befinde. Ich muss zuerst die Straße hinter dem Hotel entlang bis etwa in Höhe des O'Coriso und dann steil die kleinen Straßen hinauf. So erreiche ich einen Parkplatz, hinter dem sich der Eingang zum Jardim Antonio Borges versteckt.



      Der Garten ist bereits geöffnet und der Eintritt ist frei. Schon nach wenigen Metern verliebe ich mich, trotz des jetzt wieder stärker einsetzenden Regens, in den liebevoll angelegten Park. Die Wege führen hier zum Teil verschlungen durch künstliche Grotten und über kleine Brücken. Die Pflanzen sind mit viel Fingerspitzengefühl passend in die Struktur des Parks eingesetzt.



      Wie beim dem Wetter nicht anders zu erwarten, bin ich hier wohl der einzige Besucher. Zumindest dachte ich dies anfangs, doch dann entdecke ich eine Frau in regenfester Outdoorkleidung und mit Kamera. Die gehört sicher nicht zum Personal. Sie macht Nahaufnahmen der Pflanzen. Dafür hat sie erkennbar ein Makroobjektiv aufgeschraubt.



      Gerade als ich mich dem oberen Parkausgang nähere, kommt ein heftiger Regenschauer herunter. In einem der Tunnelgänge stelle ich mich unter und muss dort sicherlich gut 20 Minuten ausharren, bevor der Regen etwas nachlässt.
      Nun kann ich den schönen Park verlassen. Direkt gegenüber befindet sich ein großes Einkaufzentrum. Ich hoffe mir dort einen kleinen Snack besorgen zu können, aber es handelt sich überwiegend um Sanitärhandel und Baumärkte. Doch gleich dahinter steht eine große Tankstelle. Hier gönne ich mir einen Bica und eines dieser Schinken/Käse-Blätterteig-Sandwiches.



      Bis zu den beiden größten Parks, die direkt nebeneinander liegen, sind es nur wenige Meter. Doch zuerst kommt man noch an einem großen Friedhof vorbei. Der Jardim do Palacio do Sant'Ana hat noch geschlossen. Da es bereits nach 10:00 Uhr ist, glaube ich auch nicht, dass er heute noch aufmacht. Ich gehe also direkt weiter zum nächsten.



      Der Jardim José do Canto hat geöffnet. Hier kostet es 3,50 Euro Eintritt. Meine humorvoll gemeinte Frage nach einem Regenrabatt versteht der Kassierer wohl nicht. Das Lachen scheint irgendwie nicht zu seinen Stärken zu gehören. Vielleicht ist er aber auch einfach nur schlecht drauf, weil er bei so einem Wetter arbeiten muss.



      Und genau dieses Wetter spielt nun total verrückt. Der Himmel öffnet nun alle Schleusen und selbst die größten Bäume bieten keinen Schutz mehr. Doch nicht nur wegen des Wetters gefällt es mir hier nicht so gut. Der Park ist bei Weitem nicht so schön angelegt wie der Antonio Borges. Die Wege besitzen scheinbar auch keinerlei Drainage, jedenfalls steht das Wasser fast überall zwischen fünf und acht Zentimeter hoch in voller Breite auf den Wegen.



      Nach einem kurzen, weil sehr nassen Rundgang habe ich bald genug von diesem Park und kaum bin ich draußen auf der Straße, hört der Regen wieder auf. Anscheinend gefällt den Regengöttern dieser Park auch nicht so recht.
      Genau diese Regengötter haben es mir aber noch mal so richtig gezeigt. Zwar hat der Schutz um die Kamera geholfen und mit einem zusätzlichen Schutz über der Jacke ist auch diese weitestgehend trocken geblieben, aber diesmal hat es die Schuhe erwischt. Obwohl sie als absolut wasserdicht gelten, habe ich komplett nasse Füße bekommen (die Schuhe wurden aber anstandslos gegen neue nach dem Urlaub ausgetauscht).

      Im Hotel ziehe ich mich kurz um und stelle die Schuhe auf den Balkon zum trocknen. Die anderen feuchten und nassen Sachen hänge ich im Bad auf, schließlich muss ich nachher noch alles in den Koffer packen.

      Als ich zum Mittagessen gehe, sehe ich im Gang den Zimmerservice, der dann wohl auch bald in meinem Zimmer angekommen sein dürfte. Ich setze mich in eines der Restaurants an der Uferstraße. Die Stühle und Tische im Außenbereich sind überdacht, die Jalousien sind alle ausgefahren. Ich finde einen schönen Platz und das Essen ist auch recht gut. Während des Essens kommt ein weiterer sehr heftiger Schauer herunter.
      Eine Frau am Tisch vor mir sitzt genau unter der Nahtstelle zweier Jalousien und muss nun fluchtartig den Platz verlassen, da das Regenwasser wie ein Wasserfall dort runterrinnt.



      Erst auf dem Weg zum Hotel, der Regen hat inzwischen wieder aufgehört, fällt mir ein, dass ich ja meine ohnehin nassen Schuhe auf dem nicht überdachten Balkon gelassen habe. Da diese aber direkt vor der Balkontür stehen, gehe ich davon aus, dass der Zimmerservice diese hoffentlich hereingeholt hat.
      Im Hotel angekommen muss ich mich leider vom Gegenteil überzeugen. Nun sind die Schuhe erst wirklich richtig nass und ich benötige viel Toilettenpapier und den Fön im Bad um sie wieder so trocken zu bekommen, dass ich sie in den Koffer packen kann.
      Während ich bereits die ersten Teile in den Koffer einräume, toben sich die Regengötter draußen noch mal richtig aus. Monsunartig peitscht der Regen quer am Hotel vorbei, die Sicht ist gleich Null. Zum Abschied gibt es noch einmal das volle Programm. Erst als es ein wenig nachlässt, lohnt sich überhaupt ein Bild.
      Doch als sich bei mir schließlich später der Hunger bemerkbar macht, haben sich die Regengötter ausgetobt und es ist wieder trocken. Natürlich gehe ich wieder ins O'Corisco und tröste meinen Abschiedsschmerz mit leckeren Baby-Kalamari. Als wenn es nicht schon schlimm genug wäre, dass der trotz der Wetterkapriolen schöne Urlaub morgen vorbei ist, läuft im Hintergrund nun noch eine CD mit dem typischen portugiesischen Fado (ich vermute Ana Moura oder eher Amália Rodrigues). Sicherlich tolle Musik, aber nicht wirklich zum Aufheitern geeignet.



      Zurück im Hotel packe ich meinen Koffer weiter. Als ich anschließend ein Bad in der Badewanne nehmen will, fällt mir auf, dass der Zimmerservice mir kein Badehandtuch da gelassen hat. Das hat heute aber gar nicht geklappt. Ein kurzer Anruf bei der Rezeption und wenige Minuten später wird mir ein Handtuch gebracht.

      Nach einem entspannenden Bad beende ich recht früh diesen Abend, muss ich doch morgen sehr früh schon zum Flughafen.








      Fortsetzung folgt …....
      Gruß Jobo,

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    • 12.Mai 2015 – Rückflug Ponta Delgada – Porto – München, Pyrenäen, Alpen



      Ich wache gegen 4:50 Uhr auf und habe somit ausreichend Zeit zu duschen und meine letzten Sachen zusammenzupacken. Um 5:50 Uhr bin ich bereits an der Rezeption um auszuchecken. Der Parkplatz in der Garage wird mir nicht berechnet, angeblich weil ich sechs Nächte im Hotel war. Ich vermute eher, dass man hier auf die Berechnung verzichtet hat, wegen des Parkproblems vor zwei Tagen.
      Erst jetzt erfahre ich, dass ich auch bereits um diese frühe Uhrzeit hätte frühstücken können. Das ist nun aber zu spät, da ich rechtzeitig am Flughafen sein möchte. Der Abflug ist für 8:35 Uhr geplant und bekanntlich sollte man ja rund zwei Stunden vorher am Flughafen sein.

      So verlasse ich also kurz nach 6:00 Uhr zum letzten Mal die Hotelgarage und fahre durch die zu dieser Zeit noch recht leere Hauptstadt der Azoren. Ponta Delgada hat rund 35.000 Einwohner, von denen aber gerade kaum etwas zu sehen ist. Das war die letzten Tage ganz anders. Mit all den Besuchern des Festes war die Zahl der Menschen in der Stadt sicherlich auf das zwei- bis dreifache angestiegen.



      Nach ca. 15 Minuten bin ich am Flughafen und parke das Auto wieder in dem für Mietwagen abgesperrten Bereich. Am Mietwagenschalter muss ich ein wenig warten, bis die Mitarbeiterin sich das Auto draußen angeschaut hat. Da der Checkinschalter der SATA noch fast frei ist, im Gegensatz zu dem von Ryanair, habe ich auch gleich mein Ticket.
      An der Sicherheitsschleuse ist allerdings ein Riesenandrang, also setze ich mich in das kleine Flughafencafé und gönne mir in Ruhe ein Frühstück.



      Viel leerer ist die Sicherheitsschleuse danach allerdings auch nicht, also ist Anstellen angesagt. Etwa 30 Minuten dauert es, bevor ich durch die Schleuse bin. Der Wartebereich am Gate ist nur spärlich besetzt, da sieht es nebenan bei Ryanair schon anders aus.
      Um 7:55 Uhr soll bei uns das Boarding beginnen, doch zu der Zeit tut sich noch nichts. Inzwischen füllt sich der Gatebereich auch bei uns zusehend. Schließlich startet um 8:20 Uhr das Boarding und ich bin als einer der ersten auf dem kurzen Weg zu unserem Airbus, der direkt vor dem Gate steht.
      Schnell füllt sich die Maschine und ein Portugiese bittet mich seinen Platz mit meinem tauschen zu dürfen. Seine Frau hatte den Platz neben mir, er den direkt hinter mir. Kein Problem, also schnell getauscht. Die Maschine wird gut voll, es sind wohl nur noch fünf oder sechs Plätze frei, als die Crew Boarding completed meldet.

      Zuerst wundere ich mich ein wenig über die vielen Fluggäste, doch dann wird mir klar, dass es sich überwiegend um ausgewanderte Azoreaner handelt, die von Porto aus wieder zurück in ihre Heimat in USA oder Kanada wollen. Die Flughäfen auf den Azoren sind einerseits zu klein für Langstreckenmaschinen und andererseits lohnen auch solche Linieflüge von dort den Rest des Jahres nicht. Also müssen die Besucher des Festes immer den Umweg über Porto oder Lissabon wählen.



      Nach dem trotzdem fast pünktlichen Start stelle ich zuerst meine Uhr wieder um. Der Flug verläuft angenehm und ruhig und um 11:40 Uhr Ortszeit landen wir in Porto. Wie schon auf dem Hinflug müssen alle Passagiere samt Handgepäck die Maschine verlassen, auch die Transitpassagiere. Ich bekomme wieder mein gelbes Transitschild und warte am Gate.
      Der Abflug hier soll planmäßig um 12:45 Uhr sein und daher startet schon um 12:15 Uhr wieder das Boarding. Die Maschine füllt sich nun maximal noch zu 25% und ich habe wieder eine ganze Dreierbank für mich alleine. Schon um 12:40 Uhr lösen wir uns vom Gate.



      In einem schönen Bogen steigen wir über Porto in die Höhe und drehen dann nach Nordost. Die Sicht ist gut, nur ein wenig dunstig, aber man kann die Stadt unter uns gut erkennen. Noch einmal stelle ich meine Uhr um und habe nun wieder die deutsche Zeit auf dem Zifferblatt.



      Der Service an Bord ist wieder sehr gut und freundlich. Schon bald nähern wir uns der Grenze nach Spanien. Manchmal ist die Sicht nach unten völlig klar, aber meist schaut man durch einen dünnen Dunstschleier.



      Wir fliegen über Alt-Kastilien, das Iberische Randgebirge und Navarra, bevor unter uns die ersten schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen auftauchen. Die Berge die kurz hinter Pamplona erscheinen sind zwischen 2.300 und 2.700 Meter hoch und befinden sich noch auf spanischem Boden.



      Noch eine Weile fliegen wir entlang der Pyrenäen bereits über Frankreich, dann wird es wieder flacher. Toulouse mit seinem großen Flughafen ist gut erkennbar und es dauert auch nicht lange, bis Lyon zu sehen ist.



      Nun haben wir den Alpenwestrand bereits erreicht. Es wird ein wenig dunstiger, aber immer noch ist die Landschaft unter uns gut zu erkennen. Wir überfliegen den Lac du Bourget und den Lac du Annecy.



      Dann wechseln wir in den schweizer Luftraum. Heute kein „Smoke on the Water“ über dem Genfer See bei Montreux. Von Bern direkt unter uns kann ich nichts sehen, aber der Blick auf den Thunersee ist frei. Auch der Vierwaldstättersee und der Zugersee zeigen sich weitestgehend wolkenfrei.



      Weiter geht es über den Zürichsee, bevor wir die Schweiz bei Bregenz über dem Bodensee wieder verlassen. Die einzelnen Berge von hier oben auszumachen ist allerdings sehr schwierig. Meist kennt man nur die Silhouetten vom Boden her.



      Ich bin schon oft von München abgeflogen oder dort angekommen. Immer schon wollte ich mal die Berge von oben sehen. Bis jetzt hat es aber nie gepasst. Entweder habe ich auf der falschen Seite des Fliegers gesessen oder die Wolken haben eine Sicht verhindert. Heute jedoch habe ich endlich Glück. Über den Staffelsee drehen wir nun langsam schon nach Norden ab. Längst befinden wir uns im leichten Sinkflug.



      Von oben kann man sehr gut die Versandungen im Starnberger See erkennen. Nur wenig später ist das Autobahnkreuz bei Taufkirchen zu sehen. Wir haben also die Stadtgrenze von München erreicht. Wir fliegen nun in einem weiten Bogen von Osten auf den Flughafen zu. Bei Eitting sind wir bereits tief im Landeanflug.



      Es wird eine saubere Landung und der bayerische Boden hat mich nach 14 Tagen wieder. Schon weit vor der Zeit, um 16:10 Uhr sind wir gelandet. Eigentlich war die Landung für 16:30 Uhr geplant. Am Kofferband muss ich noch etwas warten und unterhalte mich kurz mit der jungen Frau, die in der Reihe vor mir gesessen hat. Sie bedankt sich bei mir, weil sie während des ganzen Fluges eigentlich nicht raus schauen musste. Sie brauchte nur auf das Klacken meiner Kamera zu achten, um zu wissen, dass es sich nun lohnt aus dem Fenster zu schauen :laugh1: .

      Bereits um 16:30 Uhr stehe ich an der Bushaltestelle. Der Bus kommt auch schon um 16:47 Uhr und um 17:05 Uhr fahren wir vom Flughafen los. Kurz vor 18:00 Uhr bin ich wieder zu Hause. Schade, ein sehr schöner und interessanter Urlaub ist schon zu Ende.








      Fazit folgt …............
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
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    • Sehr interessant zu lesen und tolle Fotos! Eine Reihe von deinen Beschreibungen von Aussichtspunkten und Restaurants hab ich mir gleich notiert, denn in drei Tagen geht es auch für mich auf die Azoren :) Nach zwei Besuchen auf der wunderschönen Insel Madeira wollte wir diesmal noch etwas weiter raus :)

      Wir werden allerdings nicht 4, sondern nur 3,5 Inseln besuchen: Faial, Flores (mit Abstecher nach Corvo, deshalb 0,5) und Sao Miguel. Ich bin sehr gespannt, aber auch sicher, dass es uns gefallen wird...
      --

      Allzeit gute Fahrt wünscht Peter
    • Jobo:

      Danke für die ausführlichen Berichte und die wunderbar stimmungsvollen Fotos. Bei Regenwetter - finde ich - sind die Farben der Landschaften besonders intensiv. Die Ortschaften und Parks auf den Azoren sind ganz offensichtlich sehr gepflegt und einsam. Wenn ich da an Mallorca und die Kanaren denke!

      Beste Grüße

      Lupo