China - Stadt, Land, Fluss im Reich der Mitte

    • 2009
    • Asien
    • Das ist schon richtig, die alten Kulturgüter werden zwar erhalten, aber die typischen Stadtviertel gehen immer mehr verloren. Von den Hutons ist nicht mehr viel geblieben in Peking, aber noch schlimmer ist es in Shanghai. Die Stadt ist mittlerweile eine hochmoderne Metropole, und alte Stadtviertel muss man sehr lange suchen. :pardon:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • Njord wrote:

      Na wenigtens werden die Kulturgüter erhalten. Das hätte man auch anders erwarten können.

      ...resp. das was nach der Kulturrevolution noch übrig war... ;(
      Jan09 FM B-K ~ Jan10 NL B-K-B ~ Jan11 FRAM (Antarctica) ~ Apr11 NN B-K-B ~ Mrz12 LO B-K-B ~
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    • Donnerstag, 5.November 2009 (Vom steinernen Schiff zum Vogelnest)

      Ich wache recht früh auf, da es ja gestern Abend nicht so spät war. Meine beiden Hemden hingen gestern auch schon auf dem Zimmer, tip top sauber und gebügelt. Nach dem Frühstück habe ich noch ausreichend Zeit bis uns der Bus für die Fahrt zum Sommerpalast abholt, also gönne ich mir einen Spaziergang weiträumig ums Hotel.

      Zuerst schlendere ich die kleine Strasse entlang, die direkt am Hotel vorbeiführt. Dadurch gelange ich auf eine der breiteren Hauptstrassen, die glücklicherweise zu dieser frühen Morgenstunde noch wenig befahren ist. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite kann ich einige Chinesen beim Frühsport, Tauziehen, beobachten.

      Mein Weg führt mich bis zur Kreuzung und dann nach links in eine Nebenstrasse. Auf der anderen Seite sehe ich ein großes Gebäude, mit verschiedenen statuen davor, dessen Funktion sich mir aber nicht erschließt. Nachdem ich auch an der nächsten Ecke wieder links abbiege, stehe ich vor dem Hotel, in dem sich auch die Peking-Oper befindet.

      An einem der vielen Mopeds die hier überall herumfahren und am Strassenrand stehen, sind die schützenden Handschuhe direkt fest angebracht. Fehlte eigentlich nur noch, das auch der Helm schon mit einer Stange am Sitz fest wäre. Die nächste Querstrasse auf der linken Seite ist die Wanming Lu, die Strasse an der das Hotel liegt.

      Wieder im Hotel suche ich noch ein letztes Mal mein Zimmer auf, nehme mein Gepäck auf und deponiere es in der Hotelhalle. Das Gepäck wird gesondert zum Bahnhof gebracht, für die Weiterfahrt nach Xi'an, wir werden es erst im Hotel in Xi'an wiedersehen. Danach zahle ich noch die 40 Yuan für die Reinigung der beiden Hemden. Da der Bus schon draußen wartet, setze ich mich schon auf meinen Platz und warte bis auch die anderen eingetroffen sind.

      Die Fahrt führt uns wieder durch die Stadt in Richtung Nordwesten. Dabei kommen wir auch an einem großen, gläsernen Gebäude vorbei, an dem gerade die Fensterputzer auf akrobatische Weise ihrer Tätigkeit nachgehen. Als KOntrast dazu überholen wir im gleichen Moment einen chinesischen "Kleinunternehmer".

      Die Fahrt dauert etwa eine Stunde, bis wir auf einem großen Parkplatz halten und aussteigen. Bis zum Eingang des Geländes des Sommerpalastes müßen wir noch einige Meter zu Fuss gehen. Während die Reiseleiter die Eintrittstickets holen, halte ich als Ersatzreiseleiter die Truppe zusammen, also das Marco Polo Schild hoch.

      Im ersten Innenhof sehen wir große Statuen von einem Drachen und einem Phoenix. Der Drachen symbolisiert den Kaiser und der Phoenix die Kaiserin. Direkt vorne steht aber eine Statue eines Qilin, des chinesischen Einhorns, wechles Glück, Friedfertigkeit und Gerechtigkeit symbolisiert.

      Gleich dahinter befindet sich die Empfangshalle, hier hat der Kaiser Staatsgäste empfangen. Hinter einer dünnen Wand hat damals die Kaiserwitwe Cixi den Gesprächen gelauscht. Diese hat auch Gelder, die eigentlich für den Aufbau der kaiserlichen Flotte waren, abgezweigt, und damit den Sommerpalast wieder aufgebaut. Er war 1860 von englischen und französischen Truppen zerstört worden, um den Kaiserhof nach dem Opiumkrieg zu demütigen.

      Wir durchqueren einen weiteren Innenhof und gelangen zwischen zwei große Gebäude. Vor dem einen Gebäude befindet sich eine große Treppe, die wir als Tribüne nutzen, da sich gegenüber eine Bühne befindet, auf der eine Vorstellung von Kunststudenten folgen soll.

      Die Vorstellung beginnt auch kurz danach mit einigen jungen Tänzerinnen in originalen Kostümen. Danach erfolgt noch ein Schwertertanz durch zwei weitere Studenten, bevor die Vorführung mit einem langen Glockenspiel endet.

      Wir verlassen die Gebäude wieder und finden den Weg zum Ufer des Kunmimg Sees, eines großen, künstlich angelegten Sees. Der Weg am Ufer entlang ist sehr schmal, hier drängen sich die Besucher ein wenig. Mittendrin ist ein kleiner Stand, der etwa tischtennisgroße Teigbällchen verkauft, 10 Stück für 15 Yuan, die innen mit Hackfleisch und Kräutern gefüllt sind. Die schmecken hervorragend, sind nur ein wenig trocken.

      Unter einem großen goldenen Bogen erklärt Herr Ma uns wieder kurz einiges zu der schönen Anlage. Der See im vormittaglichen Dunst wirkt irgendwie beruhigend, trotz der vielen Besucher die hier sind. In einiger Ferne kann ich die bekannte siebzehnbogige Brücke erkennen. das ganze Szenario macht auf mich den Eindruck eines Gemäldes chinesischer Meister.

      Am Nordufer des Sees führt nun ein fast 800 Meter langer Wandelgang entlang, den wir nun alle durchschreiten. Es soll Glück bringen, diesen Gang bis zu seinem Ende zu gehen. In der Mitte vergrößert sich der Gang zu einer kleinen Halle, hier hat man den besten Blick auf die Pagoden im Hang.

      Am Ende des Wandelganges liegt ein kleiner Hafen. Auffällig ist natürlich sofort das Marmorboot. Eigentlich ist nur der Unterbau aus Marmor, die Aufbauten sind aus Holz, und es kann natürlich nicht schwimmen, sondern ist fester Bestandteil des Ufers. Früher war auf dem Boot ein Restaurant eingerichtet, aber seid die Chinesen selbst in Scharen dem Tourismus fröhnen, war man dem Andrang nicht mehr gewachsen und hat das Restaurant abgebaut.

      Hier am Ufer, direkt hinter dem Marmorboot ist auch wieder unser Treffpunkt. Doch ich bin recht früh hier und habe noch ausreichend Zeit mich auch ein wenig in dem Hafenbereich hinter dem Boot umzuschauen. Hier kann man wirklich hinter jeder Ecke ein tolles Fotomotiv entdecken.

      So nach und nach treffen nun auch die anderen ein. Zuletzt wie immer Herr Ghoa, der ständig fast unbemerkt hinter der Truppe hergeht, um mit einer Engelsgeduld auch auf den letzten Nachzügler zu warten. Sehr oft ist dies unser griechischer Freund, aber niemand nimmt ihm dies übel, man muss ihn einfach mögen, dafür strahlt er einfach zuviel Lebensfreude und Humor aus.

      Zuerst schauen wir uns jetzt noch einen großen Turm am Ufer an, bevor wir dann den Hügel hinauf gehen, um uns schließlich an der Rückseite der Pagoden zu befinden. Wir wählen aber den Weg nach rechts, durch ein großes Tor und haben einen interessanten Blick auf den unter uns liegenden Seearm, an dem sich viele kleine Häuser befinden. Diese wirken auf mich im ersten Augenblick wie eines dieser künstlichen Cowboydörfer, und ich warte eigentlich darauf, das dort Fuzzy in einem Indianerkanu auftaucht und Kautabak kauend unter der Brücke hindurchfährt.

      Auf der anderen Seite der Brücke geht es hinunter zu einem großen Parkplatz, wo unser Bus schon auf uns wartet. Ich muss zugeben, das der Besuch des Sommerpalastes am Kunmimg See für mich der Höhepunkt der Tage in Peking war, und mir auch heute noch gut in Erinnerung ist. Wir fahren nun wieder durch die Stadt, unser nächstes Ziel ist das "Krähennest", das Olympiastadion von Peking.

      Wir brauchen etwa 30 Minuten, dann ist auf der rechten Seite bereits das Olympiagelände zu sehen. Um aber dorthin zu gelangen, müßen wir einen großen Bogen fahren. Schließlich erreichen wir eine Strasse seitlich des Olympiastadions, wo unser Bus problemlos halten kann, um uns aussteigen zu lassen.

      Peking liegt heute unter einer dicken Smogwolke, die hier bis in Höhe der Fussgänger herunterreicht. Wir müßen auch noch ein gutes Stück zu Fuss durch den Smog laufen, bevor wir an einen der Eingänge des Olympiageländes kommen. Hier steht natürlich wieder die obligatorische Taschenkontrolle an, bevor wir passieren dürfen.

      Vor dem Olympiastadion erhalten wir von Herrn Ma eine kurze Erklärung zu der Anlage und einige Informationen zu den zurückliegenden Olympischen Spielen. Dann bekommen wir ausreichend Zeit, uns auf der Anlage und hauptsächlich im Stadion umzusehen.

      Das Stadion ist riesig, wenn man direkt davor steht. Man kann in die untere oder die obere Ebene hineingehen. Ich entscheide mich für den unteren Eingang und betrete das Stadion. Im Stadion sieht man noch die Aufbauten des "Race of Champion", welches eine Woche zuvor hier stattfand.

      Ich durchquere das Stadion bis weit über das halbe Rund, bevor ich wieder einen der Ausgänge nehme, nur um danach über die großen Treppen zu einem der oberen Eingänge emporzusteigen. Von hier oben hat man einen weiten Überblick über das Gelände vor dem Stadion und den angrenzenden Stadtbereich.

      Danach betrete ich das Stadion im oberen Bereich. Der Anblick des Stadioninnern von hier oben ist schon beeindruckend. Ich gehe hier noch bis zum nächsten Ausgang, der sich über unserem Treffpunkt befindet.

      Hier warten schon einige von unserer Truppe, die anderen treffen nun nach und nach ein. Als auch die letzten ihren Rundgang beendet haben, machen wir uns wieder auf den Weg zum Bus. Dieser steht mittlerweile auf einem der großen Busparkplätze, wo wir ihn nach einigem Suchen zwischen anderen Bussen finden.

      Wir fahren nun zurück in das Hotel, in dem sich auch das Theater befindet, hier steht schon das Abendessen für uns bereit. Nach dem Essen nutze ich die Gelegenheit, mir in dem Shop des Theaters einige kleine Souveniers zu besorgen. Ich finde schöne kleine Masken, den Masken der Peking Oper nachempfunden, die auch recht günstig sind.

      Vor dem Hotel wartet unser Bus, der uns quer durch die Stadt zum Bahnhof fährt. Während der Fahrt wandern zwei Briefumschläge durch den Bus, darin wird das Trinkgeld für Herrn Ma und den Busfahrer gesammelt. Als wir den Bahnhof erreichen, werden die beiden Umschläge übergeben und wir verabschieden uns von dem Busfahrer.

      Herr Ma begleitet uns noch ins Bahnhofsgebäude und besorgt mit Herrn Ghoa die Fahrkarten für uns. Danach werden wir in einen Warteraum geführt, bsi zur Abfahrt sind es noch gut 50 Minuten. Daher nutzen viele, so auch ich, die Zeit, sich nebenan im Supermarkt noch mit etwas ess- und trinkbarem zu versorgen. Anschließend verabschieden wir Herrn Ma, der uns ein guter Reiseleiter in Peking war.

      Etwa zehn Minuten später dürfen wir aufs Gleis und in den Zug, der schon bereitsteht. Es handelt sich um einen Waggon der ersten Klasse, der sogenannten Softklasse. Im Innern befinden sich, in den zwei Waggonhälften, jeweils sieben 4-Bett-Abteile. Ich teile mir das Abteil mit Herrn Ghoa, einer Ärztin und unserem Griechen. Kaum ist der Zug angefahren, liegt unser Grieche schon flach und ist bald eingeschlafen.

      Einige von uns sind aber noch nicht müde, und im letzten Abteil, dem Abteil der vier Forchheimer, wird noch gemeinsam eine Flasche Whiskey geleert. Mit dabei sind zwei befreundete Ehepaare aus Ilmenau und Suhl, sowie die Ärztin aus meinem Abteil und ich.
      Es entwickelt sich hier doch eine recht nette und lustige Runde, allerdings fällt mir schnell auf, das es in diesem Zug heftig durch alle Ritzen pfeift.
      Irgendwann ist aber die Flasche Whiskey leer und wir verteilen uns in unsere Abteile. Zuvor noch ein Gang zur Zugtoilette, deren Benutzung schon einige Überwindung kostet, dann liege auch ich in meinem Abteilbett. Obwohl ich mich zudecke, kann ich auch hier noch den Durchzug spüren, bevor ich einschlafe.


      Fortsetzung folgt
      Gruß Jobo,

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    • Danke Jobo für den wieder herrlich ausführlichen Bericht!

      Jobo wrote:

      ch muss zugeben, das der Besuch des Sommerpalastes am Kunmimg See für mich der Höhepunkt der Tage in Peking war, und mir auch heute noch gut in Erinnerung ist

      Geht mir auch so, natürlich habe ich nach 26 Jahren vieles vergessen (einige Dias müssten mal digitalisiert werden), aber der Besuch des Sommerpalastes mit dem Marmorboot habe ich auch noch in guter Erinnerung!
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    • Na geht doch :imsohappy:
      Das war super heute früh. Am schönsten sind die Fotos vom See.
      Dieses Marmorboot erinnert mich, mit ein bisschen Phantasie, an
      heutige moderne "Wasserfahrzeuge" :mosking: .......
      Jedenfalls wurdet Ihr ja richtig vollgestopft mit Eindrücken, und dann
      am Schluss dieses Zugabteil mit 4 Personen....
      Bin wirklich gespannt, wie das hier weiter geht :hmm:
      Gruß
      Renate
    • Freitag, 6.November 2009 (Mit der Kreissäge zur tönernen Armee)

      Als ich wieder wache werde, fährt der Zug immer noch. Ich habe schlecht geschlafen, spüre schon, das ich mir wohl eine Erkältung geholt habe in dem zugigen Abteil. Noch einmal überwinde ich mich zu einem Toilettengang. Nur Herr Ghoa ist ebenfalls schon wach, alle anderen Mitreisenden schlafen noch. Ich würde gerne Bilder von der vorbeirauschenden Landschaft machen, doch die Scheiben sind von aussen und innen stark verschmutzt, fast schon milchig.

      Nun gehen so nach und nach die einzelnen Abteiltüren auf, und bald sind alle auf den Beinen. Ich fühle mich mies und sehne mich nach einem sauberen Hotelbadezimmer, um mich frisch zu machen. Wir rollen schließlich in den Bahnhof von Xi'an ein. Im der Bahnhohshalle erwartet uns unsere örtliche Reiseleiterin, klein, im mittleren Alter und einer Stimme wie eine Kreissäge. Sie stellt sich vor, ich habe mir den Namen nicht gemerkt, was wohl daran liegt, das sie mir vom ersten Moment an unsympathisch ist, und erklärt uns den weiteren Ablauf. Es ist wie ein nicht enden wollender Redeschwall, ich kann nicht erkennen, wie sie es schafft, dabei noch zu atmen.

      Nachdem wir auch unser großes Gepäck hier empfangen haben, müßen wir noch eine lange Strecke laufen, da der Bus angeblich nicht am Bahnhof parken darf. Ich frage mich, wieso all die anderen Busse und Fahrzeuge es dürfen, an denen wir vorbeigehen. Der Boden ist durchsetzt mit Schlaglöchern, prompt knicke ich mit dem linken Fuß in einem solchen schmerzhaft um, was auch nicht gerade meine Laune hebt. Nach gut 800 Metern haben wir endlich den Bus erreicht.

      Wir fahren nun zu unserem Hotel, das Le Garden Hotel, wo wir in zwei Stunden wieder abgeholt werden. Hier sollen wir unser Frühstück einnehmen, aber irgendwie läuft es nicht so richtig, als hätte man uns gar nicht erwartet. Es dauert fast 30 Minuten, bis endlich auch Kaffee da ist, auch das Buffet ist fast leer. Ich versuche trotzdem einigermassen satt zu werden, und danach gehts erstmal hoch aufs Zimmer. Es liegt in der fünften Etage, und ist ähnlich ausgestattet, wie meinem Zimmer in Peking, welches auf der 12 Etage lag. Als ich nach einiger Zeit die Nasszelle verlasse, fühle ich mich etwas besser.

      Ich begebe mich nach unten, vor dem Hotel warten schon einige Mitreisende und Herr Ghoa auf die Ankunft des Busses. Das Wetter ist mittlerweile auch etwas angenehmer, blauer Himmel und Sonnenschein bei etwa zehn Grad.

      Der Bus trifft schließlich ein, mit einem noch sehr jungen Busfahrer und der Reiseleiterin. Wir fahren los, und schon läuft wieder die Kreissäge an. In weiser Voraussicht habe ich mich gleich etwas weiter nach hinten gesetzt. Xi'an ist inzwischen zum Leben erwacht, während wir uns langsam durch diese 8-Millionen-Stadt quälen, um auf die Autobahn zu gelangen.

      Wir fahren am Stadtrand auf den Autobahnzubringer. Als wir schließlich auf die Autobahn fahren wollen, ist die Auffahrt von Polizisten gesperrt. Wie wir erfahren, ist in der Gegenrichtung ein Stau, weshalb hier niemand mehr auffahren darf, eine seltsame Logik. Also fährt unser Busfahrer die Auffahrt in der anderen Richtung auf, kurz danach kommen wir an eine große Mautstation.

      Hinter der Mautstation möchte unser Busfahrer drehen, um gleich wieder durch die Mautstation in die gewünschte Richtung zu fahren, doch zwei Polizisten stellen sich uns in den Weg. Nun läuft unser Busfaherer zur Hochform auf. Mit lauten Schimpfkanonaden schreit er die Polizisten an, die sofort verstärkung durch acht weitere Polizisten bekommen. Einer der Polizisten reicht unserem Busfahrer ein Blatt Papier ans Busfenster. Unser Busfahrer wirft nur eine kurzen Blick darauf, und wirft dem Polizisten das Papier regelrecht ins Gesicht, und tobt nun noch mehr. Ich bin mir jetzt schon sicher, das ich diesem tapferen Busfahrer ein dickes Trinkgeld geben werde, seine Unerschrockenheit gefällt mir.
      Die Polizisten bleiben aber stur, darum gibt unser Busfahrer schließlich Gas, fährt rechts von der Autobahn herunter, unter der Autobahn hindurch, links wieder auf die Autobahn drauf, um direkt hinter den verdutzten Polizisten durch die Mautstation zu fahren. Nun sind wir endlich auf der Strecke, wo wir hinwollten. Nach wenigen Kilometern sehen wir auf der Gegenseite tatsächlich einen Stau, der sicherlich über mehr als zehn Kilometer geht.

      Die Fahrt dauert nun noch etwa 30 Minuten, bis wir unser Ziel, die Ausgrabungsstätte der Terracotta-Armee, erreichen. Auf dem großen Platz vor den Hallen müßen wir einen weiteren Erklärungsschwall der Reiseleiterin über uns ergehen lassen. Zwar hat sie vorher ein gleiches System wie Herr Ma angekündigt, aber leider hält sie sich nicht daran. Im grunde genommen ist es genau umgekehrt, 30 bis 40 Minuten Erklärung und dann gerade noch 10 Minuten zur Erkundung.

      Wir betreten die große Halle, in der die meisten der Terracotta-Figuren stehen. Natürlich gibts auch hier wieder eine langatmige Erklärung. Ich habe genug von der Kreissäge und setze mich ein wenig ab. Langsam spaziere ich um die vielen Tonkrieger herum, die starr und stumm unter mir stehen.

      Glücklicherweise ist heutzutage das Fotografieren wieder erlaubt. Bisher sind rund 6000 Krieger, seit der zufälligen Entdeckung des Grabes 1974, freigelegt worden. Wobei nicht eine Figur identisch mit einer zweiten ist. Nur wenn man ganz genau hinschaut, kann man winzige Farbreste an den Tonkriegern erkennen, einst waren sie alle prachtvoll angemalt.

      An einer Stelle sind fünf Pferde zu sehen, wovon eines ein neuzeitlicher Nachbau ist. Trotz modernster Technik ist es nicht gelungen, das Pferd ohne stabilisierende Grundplatte zu festem Stand zu bringen. Erneut ein Beispiel dafür, welch hohen handwerklichen Kenntnisstand die damaligen Künstler hatten.

      Die Figuren sind so präzise gefertigt, das man anhand der Gesichtszüge die Volkszugehörigkeit der einzelnen Krieger erkennen kann. Am Ausgang treffen sich nun alle wieder, um zur nächsten Halle, die wesentlich kleiner ist, zu gehen.

      Hier sind die einzelnen Stufen der Restaurierung zu sehen. Auch kann man hier erkennen, wie die Figuren zum Teil gefunden wurden. Ich schlendere bereits durch die Halle, während der Rest unserer Truppe noch der Kreissäge lauscht.

      Als wir auch diese Halle dann wieder verlassen, wird uns eine Pause gegönnt. Herr Ghoa weist vielen die Richtung zu den Hallen der Harmonie. Nach rund 30 Minuten treffen wir uns wieder, um uns erneut von Erklärungen berieseln zu lassen. Ich höre schon lange nicht mehr zu, und hole mir die Informationen die ich brauche aus meinen Reiseführern.

      Es geht nun in die dritte Halle, die die Ausgrabungen im absoluten Anfangsstadium zeigt. Selbstverständlich gibt es hier zuerst, man ahnt es schon, ausführliche Erklärungen. Ich verdrücke mich schnell auf eine gewisse akustische Distanz, und kann nun die Gruben in Ruhe betrachten.

      Rund um diese Ausgrabungen sind noch besonders schöne Exemplare ausgestellt. In mehreren Glasvitrinen sind diese zu sehen. Ich amüsiere mich köstlich über all die Spezialisten, die diese Glasvitrinen mit Blitzlicht fotografieren und sich dann über die bescheidenen Ergebnisse wundern.

      Ich muss allerdings am Hallenausgang lange warten, bis die Erklärungen auf der anderen Seite beendet und die restliche Truppe hier angelangt ist. Das gibt mir noch ausreichend Zeit, auch die aufgestellten Informationstafeln zu betrachten.

      Als wir wieder alle zusammen sind, verlassen wir die Halle. Bald stehen wir wieder auf dem großen Platz vor der großen Halle. Auf der linken Seite ist noch eine weitere Halle, die wir nun ansteuern.

      Als wir die Halle betreten, fällt mir als erstes eine große Marionette auf, die einer Terracottafigur nachempfunden ist. In dieser Halle ist sehr viel Betrieb, und wir müßen uns langsam mit der Masse treiben lassen, aber das erspart uns zumindest weitere Erklärungen, da es auch sehr laut hier ist.

      Wir werden um eine Wand geschoben und befinden uns in einem kleineren Raum, in dem die beiden gefunden Prunkwagen ausgestellt sind. Hier geht es zu wie am Stachus, eine einzige Menschenmasse treibt wie eine Schlammlawine langsam nach vorne.

      Ich nutze hier meinen körperlich Vorteil, und wühle mich durch die Masse schnellstmöglich in Richtung Ausgang. Dieses Geschiebe ist nun wirklich nicht meine Welt. Vor der Halle setze ich mich auf eine kleine Mauer und atme erst mal tief durch. Bald schon leistet mir unser griechischer Freund Gesellschaft, gerade als auch eine Gruppe Mönche die Halle verläßt.

      Nachdem alle es durch das Gedränge geschafft haben, führt uns Herr Ghoa durch ein Nebengebäude an einen großen Tisch im Innenhof, wo wir mit Getränken und kleinen Snacks versorgt werden. Erstaunlicherweise hält sich unsere Reiseleiterin hier sehr zurück, und gönnt uns den Moment der Ruhe.
      Mit dem Bus geht es nun wieder zurück ins Hotel. Die Fahrt verläuft ohne besondere Ereignisse, kein Stau, keine Polizisten, wenig Verkehr. dafür meldet sich meine Erkältung wieder verstärkt, ich fühle mich von Minute zu Minute unwohler.
      Als Herr Ghoa für den Abend einen Gang zur großen Stadtmauer ankündigt, die hier Abends sehr schön beleuchtet sein soll, verzichte ich auf die Teilnahme.
      So begebe ich mich nach dem Abendessen nur noch kurz zur Bar, wo auch die Forchheimer auftauchen, die ebenfalls keine Lust auf den Gang zur Mauer hatten, um nach einem Absacker mein Zimmer aufzusuchen.

      Noch ein schneller Blick aus dem Fenster auf den Dunst in der Stadt, bevor ich mich, in der Hoffnung das es mir morgen besser geht, in mein Bett lege.


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    • Jobo wrote:

      was wohl daran liegt, das sie mir vom ersten Moment an unsympathisch ist

      Mann bin ich beruhigt dass du meinen Namen kennst... :lol:

      Tja - dass zu meiner Zeit Fotografierverbot herrschte bei der Terrakotaarmee ärgert mich immer noch!
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    • Jobo wrote:

      Als ich nach einiger Zeit die Nasszelle verlasse, fühle ich mich etwas besser.
      Das konnte man ja ahnen mit der Zugfahrt - entsetzlich :fie:

      Jobo wrote:

      wieder eine langatmige Erklärung. Ich habe genug von der Kreissäge und setze mich ein wenig ab
      Das kenne ich gut. Mich mussten sie bei so einer Besichtigungstour sogar mal wieder
      einfangen - ziemlich peinlich. :blush2:

      Jobo wrote:

      Dieses Geschiebe ist nun wirklich nicht meine Welt
      Meine auch nicht, dummerweise wollen auch andere Leute das Gleiche sehen, wie man selbst :hmm:
      Aber schön hast Du das wieder hingekriegt, dass ich "nachts" weiterlesen kann, danke :imsohappy:
      Toll sind auch die "Krieger-Fotos". Da hast Du ja viele, die man so noch nie gesehen hat.
      Hier in der Presse sieht man immer nur welche, wo die Figuren in den Gruben stehen. ;(
      Gruß
      Renate
    • Samstag, 7.November 2009 (deutsche Schattenboxer und chinesische Maultaschen)

      Erneut habe ich nicht sonderlich gut geschlafen, aber zumindest besser als im Zug. Heute morgen funktioniert es auch mit dem Frühstück, das Buffet ist reichhaltig, der Kaffee heiß und, für chinesische Verhältnisse, gut. Trotzdem fühle ich mich nicht so besonders, der Kopf ist zu, und ich laufe wie in Trance durch die Gegend, habe auch leicht erhöhte Temperatur.

      Heute morgen steht die große Wildganspagode auf dem Programm, ausserdem hat Herr Ghoa eine kleine Thai-Chi-Einführung angekündigt. Wir starten kurz nach dem Frühstück mit unserem Bus. Die Reiseleiterin schnattern unterwegs schon wieder los, ich höre schon gar nicht mehr hin.

      Auf dem großen Platz, vor der Tempelanlage der Wildganspagode läßt Herr Ghoa Aufstellung nehmen zum Thai Chi. Da ich mich ohnehin nicht sehr wohl fühle, nehme ich nicht daran teil, sondern konzentriere mich aufs Fotografieren. Herr Ghoa macht nun die einzelnen Figuren vor, liefert gleichzeitig eine Erklärung dazu, und die Truppe versucht es ihm nachzumachen.

      Sehr schnell finden sich unzählige Zuschauer. Von den Chinesen unter ihnen können sich einige ein Schmunzeln nicht verkneifen. Jetzt reihen sich auch noch einige italienische Touristen mit ein, und machen alle gezeigten Figuren mit. Nach etwa 40 Minuten sind schließlich alle geschafft.

      Wir wandern nun über den Platz zum Eingang der Anlage. Die Temperatur heute ähnelt der von gestern, aber es ist sehr dunstig, wenn auch ab und zu der blaue Himmel durchschimmert. Nachdem die Eintrittskarten von den Reiseleitern besorgt und an alle verteilt sind, betreten wir die Tempelanlage.

      Direkt hinter dem Eingang sondere ich mich von der Truppe ab, um die buddhistische Anlage auf eigene Faust zu erkunden. Ich schaue mir zuerst die Gebäude rechts und links des Weges an, alle wirken innen wie eine Art Gebetsstätte.

      Die restliche Truppe steht an einem anderen Gebäude und läßt sich von der Kreissäge berieseln, nichts für mich. Der erste Hof wird von einem größeren Gebäude abgeschlossen. Vor diesem Gebäude steht eine große Glocke in einem goldenen Gestell. Gleich daneben kann man an einem Eisengestell Kerzen einstecken, und dahinter befindet sich ein großer Tisch für Räucherstäbchen.

      Im Innern des Gebäudes befindet sich eine große goldene Buddhastatue. Der Raum selbst ist an Wänden und Decke prunkvoll geschmückt. Im Hintergrund läuft eine CD mit dem Gesang buddhistischer Mönche, die sich sehr gut anhört und der ganzen Anlage eine spiritistische Aura verleiht.

      Auch von aussen ist das Gebäude sehr prunkvoll verziert. Ich umrunde das Gebäude einmal komplett, begleitet von dem Gesang der Mönche, der durch die überall angebrachten Lautsprecher laut zu vernehmen ist. Meine Reisegruppe steht immer noch am gleichen Gebäude und erträgt tapfer den Redeschwall.

      Auf der Rückseite des großen Gebäudes befindet sich ein weiterer Platz, der von kleineren Gebäuden umgeben ist. Auch diese Gebäude sind innen sehr schön und kunstvoll ausgestattet. Buddhafiguren, Kaligrafien, prunkvolle Decken und schöne Gemälde, alles ist vorhanden und wird nicht nur von mir bewundert.

      Insgesamt befinden sich aber in der Anlage nur wenige Besucher, wir stellen sicherlich die größte Gruppe. Der Hof zwischen den Gebäuden wirkt daher wie verlassen, und der Gesang der Mönche erklingt ungestört.

      Nun treffen die ersten aus der Gruppe hier ein, die Erklärungen sind wohl vorerst beendet und sie dürfen sich nun frei bewegen. Einige beschließen, den Sondereintritt für die Pagode auch noch zu zahlen, um auf diese hinauf zu steigen. Ich weise kurz daraufhin, das die Sicht von oben, bei dem Dunst, nicht allzu gut sein kann, und lasse die Pagode rechts unbeachtet.

      Neben der Pagode befindet sich eine kleine parkähnliche Anlage, durch die ich jetzt auf die Rückseite der Pagode spaziere. Hier steht ein größerer Gebäudekomplex, den ich nun auf der rechten Seite betrete.

      In dem Gebäude stehe ich sogleich vor einem großen weißen Relief, das buddhistische Szenen zeigt. Ich wechsle über den Innenhof, in dem eine schöne Elefantenskulptur steht, in den linken Gebäudeteil.

      Hier ist ein großer Verkaufsraum eingerichtet. Natürlich erkundige ich mich nach der CD mit dem Gesang der Mönche, die ich hier auch bekomme. Ich höre sie immer noch von Zeit zu Zeit, zum Entspannen ist sie eine gute Alternative zu Cillout-Musik. Zu der CD bekomme ich eine Karte, auf der die 12 chinesischen Tiersternzeichen aufgelistet, und den Geburtsjahren zugeordnet sind. Mein Geburtsjahr entspricht dem Affen, dem, wie man mir erklärt, Schläue und Intelligenz zugesprochen werden. Eine Mitreisende, die ebenfalls etwas gekauft hat, bekommt auch eine Karte. Ihr Geburtsjahr entspricht der Ratte, der nur negative Eigenschaften zugeordnet werden. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.

      Ich schlendere auf der anderen Seite der Pagode wieder nach vorne zurück. Auch hier befindet sich eine Parkanlage, und mittendrin ein goldener Buddha. In der Nähe steht eine große Pinwand, an der wohl Wünsche und Grüße angebracht werden können.

      Ein wenig weiter finde ich, neben einigen steinernen Säulen, eine weitere, in Stein gemeißelte, Buddhafigur. Durch den kleinen Park gelange ich wieder auf den großen Platz im Eingangsbereich, wo in einem kleinen Gartencafe schon einige aus unserer Gruppe warten. mit dabei sind die Pagodenbesteiger, die durchweg enttäuscht sind, ob der fehlenden Sicht durch das dunstige Wetter.

      Die wenigen Plätze in dem kleinen Cafe sind bereits alle besetzt, also nutze ich die verbleibende Zeit, mir ein Gebäude, welches ich jetzt erst bemerke, von innen anzusehen. Danach treffe ich mich mit den Mitreisenden, um den Weg zum Bus gemeinsam anzutreten.

      Ich erfahre, das nun ein Besuch einer Jadeschleiferei ansteht. Dazu müßen wir allerdings noch eine Weile durch die Stadt fahren. Doch diese Jadeschleiferei erweist sich wieder als typisches staatliches Touristenpflichtprogramm. Zwar kann man im Eingangsbereich den Jadeschleifern bei der Arbeit zusehen, aber anschleißend werden wir nach oben, in den großen Verkaufsraum geführt.

      Hier sind die Regale voll mit den verschiedensten Jadefiguren in den unterschiedlichsten Motiven. Je nach Qualität der Jade, variiert auch der Preis. Ich verschaffe mir einen kurzen Überblick, bevor ich schließlich bei den Jadelöwen lande.

      Eine Verkäuferin bemerkt mein Interesse an den Löwen, und bietet mir zwei besonders schöne Exemplare an. Dummerweise habe ich meine Kreditkarte im Hotel gelassen und nur umgerechnet 50 Euro dabei. Die Löwen, in der höchsten Jade-Qualität, Jade-it, sollen 8900 Yuan, also etwa 890 Euro kosten. Ich lehen ab, doch die verkäuferin läßt nicht locker, so landen wir nach einigen Minuten bei 3000 Yuan.

      Doch ich versuche ihr klar zu machen, das ich nicht soviel Geld dabei habe. Ich wandere noch ein wenig durch den Verkaufsraum, um dann den Ausgang anzusteuern. Doch da erwischt mich die Verkäuferin erneut. Sie bietet mir die Löwen jetzt schon für 1800 an, und geht dann sogar noch bis auf 1200 herunter. Nun bedauere ich es schon sehr, das ich meine Kreditkarte nicht dabei habe. Bei der Qualität der Löwen wäre das wirklich ein gutes Geschäft gewesen.

      Wir fahren nun in die Innenstadt, zu einem Strassenmarkt, wo wir uns mit Obst und kleinen Snacks versorgen. Danach fahren wir zu der großen Stadtmauer von Xi'an. Diese Mauer umgibt den inneren Stadtkern von Xi'an. Die Mauer bildet ein großes Rechteck und ist insgesamt 13,7 km lang.

      Wir ersteigen die 12 Meter hohe Mauer am Südtor. Sie ist die einzige vollkommen erhaltene Stadtmauer Chinas, und bis zu 14 Meter breit. Während die Reiseleiterin wieder in ihrem Element ist, schaue ich mich an dem großen Torgebäude, welches auf der Mauer steht, um.

      Vom Südtor hat man einen schönen Blick auf den Glockenturm, der im südlichen Zentrum der Stadt steht. Wir gehen nun in das Innere des Tores, und dort bis nach oben auf einen Aussichtsbalkon, der komplett um das Gebäude läuft. Von hier kann man die wirkliche Größe der Mauer zumindest erahnen.

      Als ich mich wieder nach unten, auf die Mauer begebe, bekommen wir gerade Informationen, in welche Richtung wir uns wenden und wo wir uns treffen werden. Nun haben wir 30 Minuten Zeit auf der Mauer entlang zu spazieren, und von ihr einen Blick in die Stadt zu werfen.

      Es ist schon ein imposantes Bauwerk, auf dem ich mich jetzt befinde. Hier könnten gut und gerne mehrere Fahrzeuge nebeneinander fahren. Direkt unterhalb ist ein schönes altes Stadtviertel, während auf der Mauer auch alte Kanonen zu sehen sind.

      An dem verabredeten Treffpunkt warten schon einige aus unserer Gruppe, als ich eintreffe. Ich machen es mir auf der Mauer gemütlich, um auf den Rest zu warten. Unterhalb der Mauer kann ich einen Markt sehen, der sich eine kleine Strasse entlang zieht. Ich hoffe, das wir diesen Markt besuchen werden, er sieht sehr interessant und einladend aus.

      Als wir schließlich komplett sind, steigen wir über eine Treppe von der Mauer herunter. Ich steuere sofort den Markt an, gleich in der ersten Bude werden Pinsel und sonstige Kaligrafie-Materialien angeboten, doch die Reiseleitung pfeift mich zurück. Es steht nun der Besuch des Konfuzius-Museum auf dem Plan.

      Dazu durchschreiten wir ein großes Tor, und landen im Vorhof des Museums. Hier befindet sich ein schöner kleiner Teich und rechts davon geht es durch kleinere Tore in den eigentlichen Museumsbereich. Zuerst wandeln wir durch einen kleinen Garten, rechts und links befinden sich schöne kleine Pavillons.

      In dem eigentlichen Museum sind allerdings nur schwarze Tafeln mit weißen chinesischen Schriftzeichen ausgestellt. Die Reiseleiterin holt gleich im ersten Gebäude zu einem umfangreichen Erklärungsmarathon aus, ich suche sofort mein Heil in der Flucht. Das Museum weckt nicht allzu viel Interesse bei mir, da eine Tafel aussieht wie die andere.

      Lediglich im letzten Gebäude kann man die Restauratoren bei der Arbeit beobachten, ansonsten gleich jedes Gebäude dem vorherigen. Nachdem ich gut 20 Minuten durch die einzelnen Gebäude gelaufen bin, erreiche ich wieder das erste Gebäude. Hier kreischt immer noch die Kreissäge and der gleichen Stelle. Ich schlendere nun wieder langsam zurück durch den Garten.

      Schließlich setze ich mich in die Nähe des schönen Teiches im Eingangsbereich, um hier auf die anderen zu warten. Viel lieber wäre ich jetzt draussen, und würde mir den kleinen Markt ansehen, aber hier ist der vereinbarte Treffpunkt, und wenn man die Anlage verläßt, kommt man nicht mehr hinein.

      Das Provinzmuseum, wie es offiziell heißt, ist im ehemaligen Konfuziustempel von Xi'an untergebracht. Es beherbert die größte Stelensammlung Chinas, und wird deshalb auch als Stelenwaldmuseum bezeichnet. Die Reste des Tempels kann man hier noch sehen, neben dem Ehrentor aus der Ming-Zeit, der kleine halbmondförmige See.

      Mittlerweile treffen die ersten aus der Gruppe bei mir ein. Ich stelle fest, das inzwischen mehrere von den endlosen Erklärungen der Reiseleiterin genervt sind und auch so langsam mal eine Pause von all den Tempeln brauchen. Nachdem auch Herr Ghoa mit den letzten der Gruppe eintrifft, verlassen wir das Museum und der Bus bringt uns wieder zu unserem Hotel.

      Es wird ein Termin für später vereinbart, wir wollen zum Abendessen zu den für Xi'an berühmten Maultaschen, was bei den schwäbischen Reiseteilnehmern unserer Gruppe doch einige kritische Blicke hervorruft. Mir geht es inzwischen immer schlechter, was man mir wohl auch ansieht, deshalb bekomme ich von einem der Ärzte Novalgin-Tabletten, die ja bekanntermassen das Fiber vorübergehend senken.

      Das Restaurant ist nicht weit von unserem Hotel entfernt, so gehen wir dorthin zu Fuss. Die Tabletten wirken, und mir geht es, zumindest vorübergehend, besser. Die Maultaschen werden vor unseren Augen zubereitet, es handelt sich um kunstvoll geformte, gefüllte Teigtaschen. Die Köchinnen und Köche formen daraus Schwäne, Nüsse, Muscheln, usw..

      Es folgen nun mehrere Gänge, mit jeweils einer Maultasche pro Person, die aber jedesmal eine andere Form und einen anderen Geschmack aufweist. Dazu gönne ich mir ein Hans-Bier, ein streng nach dem deutschen Reinheitsgebot gebrauten Bier. Insgesamt sind es wohl über zehn Gänge, wenn ich mich nicht verzählt habe genau 14. Ich bin einer der wenigen, der tapfer bis zum Ende durchhält, und die chinesische Gastfreundlichkeit damit belohnt, das er alle Sorten probiert.

      Nach dem Essen ist noch der Besuch einer Oper geplant. Ich bin nicht der einzige, der dazu keine Lust mehr hat. Also fährt die Kreissäge mit dem größten Teil der Gruppe zur Oper, während Herr Ghoa mit dem Rest den Fussweg zum Hotel antritt. Als wir aus dem Restaurant herauskommen, entdecke ich in einer kleinen Gasse einen nächtlichen Markt. Wir verabreden einen Zeitpunkt an dem wir uns vor dem Restaurant wieder treffen wollen, und dann geht jeder auf eigene Faust über den Markt.

      Wer von den Maultaschen noch nicht satt geworden ist, kann hier kräftig zulangen. Von Obst über Fleisch bis hin zu Gebäck kann man hier alles bekommen. Allerdings hat uns Herr Ghoa vor dem Verzehr von Fleischprodukten von solchen Märkten gewarnt. Aber auch Dinge des Alltags, wie Knöpfe oder Garn, kann man hier erwerben.

      Als wir schließlich alle unsere Runde durch den kleinen, aber schönen Markt gedreht haben, machen wir uns mit Herrn Ghoa wieder auf den Rückweg zum Hotel. Dabei kann ich mich wieder einmal etwas mit Herrn Ghoa unterhalten. Im Rahmen dieser Unterhaltung meint Herr Ghoa, das unsere Gruppe nicht sehr mutig sei. Er sehe nie jemand mal alleine losziehen, um beispielsweise das bekannte moslemische Viertel von Xi'an, welches sehr interessant sei, zu besichtigen.

      Grundsätzlich pflichte ich ihm bei, erkläre ihm auch, das ich sonst sowas recht gern mache, aber aufgrund meines fibrigen Zustandes heute besser darauf verzichte. An der Kreuzung vor dem Hotel müssen wir noch sehr lange warten, bis sich im Verkehr eine Lücke auftut, und wir über die Strasse sprinten können.

      Im Hotel angekommen merke ich, das die Wirkung der Tablette mittlerweile auch etwas nachgelassen hat. Ich packe noch mein Gepäck für die morgige erneute Bahnreise, dusche noch einmal heiß, und liege kurz danach im Bett.


      Fortsetzung folgt
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • Jobo wrote:

      Thai Chi. Da ich mich ohnehin nicht sehr wohl fühle, nehme ich nicht daran teil
      Ach wie schade, davon hätte ich jetzt auch gerne ein Foto gesehen - so auf einem Bein

      Jobo wrote:

      Mein Geburtsjahr entspricht dem Affen , dem, wie man mir erklärt, Schläue und Intelligenz zugesprochen werden........tatsächlich?

      Jobo wrote:

      Hier kreischt immer noch die Kreissäge and der gleichen Stelle
      Herrlich

      Jobo wrote:

      Ich packe noch mein Gepäck für die morgige erneute Bahnreise
      Ach Du liebe Zeit....

      Aber Spaß beiseite, Jobo, das Lesen macht richtig Freude und die Fotos gucken sowieso :imsohappy:
      Blöd ist nur, dass das ja nun nicht HR ist, und ich bei den Bildern ständig irgendwas fragen will.. ;(
      Gruß
      Renate
    • Sonntag, 8.November 2009 (... und es kam alles noch schlimmer...)

      Die Nacht war grauenhaft, geschlafen habe ich so gut wie gar nicht. Ich zwinge mich unter die Dusche und anschließend zum Frühstück. Unser Zug startet erst am Nachmittag, die Zeit davor steht jedem von uns zur freien Verfügung.

      Ich hatte ursprünglich mal vor, einen Gang zur Innenstadt zu machen, um mir den bekannten Glockenturm anzusehen. Von unserem Hotel wäre das eine Strecke von etwa fünf Kilometer, also rund eine Stunde zu Fuss. Doch aufgrund meines Fibers und der Übelkeit verzichte ich auf meinen Plan.

      Stattdessen begebe ich mich wieder auf mein Zimmer, das mir ja noch bis Mittag zur Verfügung steht, und lege mich noch etwas hin. Zwischendurch nutze ich die Zeit, mein großes Gepäck nach unten zu bringen, wo alles wieder gesammelt, und dann vorab zur Bahn gebracht wird. Zur Mittagszeit begebe ich mich ins Hotelfoyer, um dort in einem der bequemen Sessel noch etwas vor mich hinzudösen, bis uns der Bus anholt.
      Kurz vor 14 Uhr fahren wir dann los, die Fahrt dauert nur 15 Minuten. Erneut parken wir nicht direkt vor dem Bahnhof, sondern etwa 300 Meter entfernt, was ich ja nun gar nicht verstehen kann, da wir ja nur kurz aussteigen, und der Bus sofort weiterfährt.

      In der Bahnhofshalle verabschieden sich noch einige von der Reiseleiterin, bevor wir in die erster Klasse Wartehalle gehen. Schnell noch nebenan im Shop mit Gebäck und Getränken für die Fahrt versorgt, warte ich dann in der Halle darauf, das man uns auf den Bahnsteig läßt.

      Der an der Wand hängende Fahrplan ist für mich eher nichtssagend, da sind die Aussagen auf dem Display über dem Gleiszugang schon erschöpfender. Gegen 14:50 Uhr werden wir dann auch aufs Gleis gelassen. Unser Waggon ist gleich der zweite an Gleisabgang.

      Am Morgen der Einfahrt nach Xi'an hatte ich mich kurz mit Herr Ghoa im Gang unterhalten, als noch alle Abteiltüren zu waren. Damals hatte er mir gesagt, das der Zug mit dem wir nach Chongquing fahren noch wesentlich älter sei, als der mit dem wir da unterwegs waren. Als ich nun diesen Waggon von außen sehen, finde ich, er hat noch untertrieben.

      Der Waggon ist uralt, und eine gründliche Reinigung hat der sicherlich schon seit Jahren nicht mehr bekommen. Unsere Abteile sind nun durch den ganzen Waggon verteilt. Dazwischen immer wieder Abteile mit Chinesen, meist total überfüllt. Ich teile mein Abteil wieder mit den gleichen Personen.

      Den nächsten Schock bekomme ich, als ich die Bettwäsche sehe. Diese wirkt, als wäre sie seit der letzten Wäsche schon von mindestens sechs bis acht Reisenden benutzt worden. Durch mein Fiber ist mir das aber im Moment total egal, zumindest stelle ich, als der Zug losfährt, fest, das dieser alte Waggon winddicht ist und die Heizung hervorragend funktioniert.
      Ich bekomme von Herrn Ghoa zwei kleine Tütchen, die mir helfen sollen. Es befinden irgendwelche zerriebenen Kräuter darin, die ich ohne Getränk schlucken soll, das erste direkt, das zweite 30 Minuten später. Ich halte mich daran, und kaum habe ich auch diese in mir, strecke ich mich auf der alten Matraze aus, decke mich zu, und bin sofort eingeschlafen, trotz der Helligkeit und Geräuschkulisse die noch draußen herrscht.


      Fortsetzung folgt
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • Jobo wrote:

      die durchweg enttäuscht sind, ob der fehlenden Sicht durch das dunstige Wetter.

      Jobo wrote:

      Mein Geburtsjahr entspricht dem Affen, dem, wie man mir erklärt, Schläue und Intelligenz zugesprochen werden

      Tja - deine Mitreisenden wussten ja nicht dass du ein schlauer und intelligenter Affe bist, sonst hätten sie vielleicht auf dich gehört... :8o:

      Jobo wrote:

      An der Kreuzung vor dem Hotel müssen wir noch sehr lange warten, bis sich im Verkehr eine Lücke auftut, und wir über die Strasse sprinten können.

      Wir standen 1984 nachmittags in Xi'an mitten auf einer komplett leeren 6-spurigen Strasse - nicht mal Fahrräder waren unterwegs! Da meinte einer aus unserer Truppe ganz trocken - das ist also jetzt das nervenzerfetzende Leben von Xi'an :mosking:

      Erinnerungen kommen hoch - den Stelenwald besichtigten wir auch, langweilte mich etwas und hatte ich schon vergessen... :pinch:

      Vielen Dank - Äffin freut sich auf die Fortsetzung...
      Jan09 FM B-K ~ Jan10 NL B-K-B ~ Jan11 FRAM (Antarctica) ~ Apr11 NN B-K-B ~ Mrz12 LO B-K-B ~
      Jan13 LO B-Alta ~ Feb14 KH B-K ~ Jan16 LO B-K-B ~ Feb18 LO B-K ~ Jan20 LO B (T)-Alta-B

      Reiseberichte siehe Profil !

    • Jobo wrote:

      Den nächsten Schock bekomme ich, als ich die Bettwäsche sehe. Diese wirkt, als wäre sie seit der letzten Wäsche schon von mindestens sechs bis acht Reisenden benutzt worden
      Na, das wäre ja was für mich gewesen :fie:

      Jobo wrote:

      strecke ich mich auf der alten Matraze aus, decke mich zu, und bin sofort eingeschlafen, trotz der Helligkeit und Geräuschkulisse die noch draußen
      Offenbar das Beste, was Du tun konntest, dann noch geheimnisvolle Kräuter
      ..und wir bekommen im nächsten Teil wieder ein bisschen mehr zu lesen :mosking:
      Gruß
      Renate
      Übrigens habe ich mal geguckt : Ich bin ein Schwein :dance3:
      Meine Eigenschaften findet man hier ?(
      Also, ich weiß nicht :wacko1: ......

      Kommentare möchte ich nicht :cool:
    • Danke für die Fortsetzung, Jobo! ich glaube, da hätte ich auch nur noch geschlafen. :thank_you:

      Renate, wieso willst Du kein Schwein sein? Ich bin ein Schaf, das ist auch nicht besser. Ich habe uns beide schon ein bisschen wiedererkannt bei den Eigenschaften. :imsohappy:
    • Montag, 9.November 2009 (von chinesischen BMWs und Feuertöpfen)

      Es ist kurz vor fünf Uhr morgens als wach werde. Meine Matraze, das Bettzeug, meine Kleidung und ich sind vollkommen durchgeschwitzt. In dem Abteil herrscht aber auch eine Temperatur von etwa 30 Grad. Dafür geht es mir aber wieder richtig gut. Mein Kopf ist wieder klar, und von der Erkältung ist nur noch ein kleiner Schnupfen übrig, der mich aber definitiv nicht stört. Ich ziehe mir unter der Decke schnell trockene Sachen an, und verlasse leise das Abteil, um die anderen nicht zu stören. Auf dem Gang sitzt natürlich schon wieder Herr Ghoa, eine gute Gelegenheit mich bei ihm für die Kräuter, die mir ja offensichtlich geholfen haben, zu bedanken.
      Nun treibt mich ein dringendes Bedürfnis zu der einzigen Toilette im Abteil. Hier wartet allerdings erneut ein Schock auf mich, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie ein solch verdreckte Toilette gesehen. Den Boden kann man gar nicht erkennen, da sich eine zentimeterdicke schlammige Schicht darauf befindet. Die Toilettenschüssel hat keinen Deckel, das ursprünglich wohl silbrige Material der metallenen Toilette versteckte sich unter einer undefinierbaren dunklen Kruste. Das Waschbecken weist die gleiche flexible Patina auf wie der Boden. Der Anblick läßt mich alle Willenskraft zusammenfassen und das Bedürfnis bis zur Ankunft in Chongqing verdrängen, die gegen sechs Uhr sein wird.
      Herr Ghoa erklärt mir jetzt, das wir zuerst in ein Hotel verbracht werden, dort frühstücken werden und dann für zwei Stunden jeweils zu zweit ein Zimmer haben, um uns frisch zu machen. Unser großes Gepäck werden wir erst heute Abend auf dem Yangtzeschiff wiedersehen. Es ist schon gegen 5:30 Uhr, als die ersten Abteile aufgehen und die Mitreisenden erscheinen. Von meinen Abteilgenossen erfahre ich, das ich zuweilen kräftig geschnarcht habe, man mich aber, mit Blick auf meinen schlechten Zustand gestern Nachmittag, schlafen gelassen habe. Ich entschuldige mich dafür und bedanke mich für die Rücksicht.

      Als wir in Chongqing aus dem Bahnhof heraustreten, um zu unserem Bus zu gehen, fallen mir zwei Dinge auf. Zum einen ist es noch stockdunkel, und zum anderen kann ich auf einem Display im Bahnhof ablesen, das es bereits jetzt 26°C bei 95% Luftfeuchtigkeit hat, aber mit Schwitzen kenne ich mich ja seit heute Nacht aus.
      Chongqing ist, wenn man das administrative Gebiet zugrunde legt, die größte Stadt der Welt mit 32 Millionen Einwohnern. Alleine im eigentlichen Stadtbereich leben fast viereinhalb Millionen Menschen.

      Im Hotel angekommen, empfangen wir das Frühstück, das keiner weiteren Erwähnung wert ist. Danach werden wir auf die Zimmer aufgeteilt, ich teile mir mein Zimmer mit Herr Ghoa auf dem elften Stock. Herr Ghoa läßt mich schon vorgehen, da er noch einige administrative Dinge zu regeln hat. Das ist Zimmer ist groß und mäßig sauber, nach dem Zugabteil aber schon fast hygienisch. Nachdem ich die Nasszelle ausgiebig genutzt habe, mein Handgepäck wieder geordnet habe, lege ich mich noch etwas hin. Kurz bevor wir die Zimmer wieder räumen müßen, stehe ich auf, Herr Ghoa war bis jetzt noch nicht hier, und schaue mir ein wenig die Umgebung an.

      Auf der rechten Seite steht ein großer Wohnblock, links ist ein Kindergarten zu sehen. Hier treffen sich die Kinder kurz danach zum gemeinsamen Frühsport auf den einzelnen Etagen. Während die größeren dabei sehr rythmisch und eingespielt wirken, sieht es bei den ganz kleinen eher wie ein musikalisch untermaltes Chaos aus.
      In der Hotelhalle treffe ich Herrn Ghoa dann wieder, er habe sich schon an anderer Stelle frisch gemacht teilt er mir mit, ich denke, er hat aus Rücksicht auf mich das Zimmer nicht aufgesucht. Ein Bus sei bereits unterwegs zum Hotel, um uns abzuholen. Ich warte vor dem Hotel mit einigen Mitreisenden.

      Genau mit dem Bus treffen auch die letzten Mitreisenden aus dem Hotel ein, so das wir sofort losfahren können. Hier wird uns auch unser örtlicher Reiseleiter vorgestellt. Er ist das genaue Gegenteil der Kreissäge von Xi'an, ruhig, ja fast phlegmatisch, erklärt er uns mit sonorer Stimme, das wir nun hinaus aufs Land zu der buddhistischen Anlage von Dazu fahren.

      Dazu müßen wir natürlich erst diesen Moloch von Stadt durchqueren. Der Reiseleiter, Herr Fu, erklärt uns, das der Dunst über der Stadt nichts mit Smog zu tun habe. Die Gegend hier sei Lössgebiet, und durch die hohe Luftfeuchtigkeit verursache dieser Boden den Dunst. Es scheint tatsächlich so, das einige im Bus dies glauben.

      Wir nähern uns scheinbar langsam dem Stadtrand, zumindest nehmen die Hochhäuser ab und wir können auch zwischen den Häusern mal hindurchschauen. Doch dies ist nur kurz möglich, dann kommt der nächste Stadtteil mit dicht aneinander stehenden Hochhäusern.

      Schließlich nähern wir uns der Mautstation für die Schnellstrasse. Hier haben sich kurze Warteschlangen gebildet, die uns aber nicht lange aufhalten. Die Autobahn auf der wir uns nun befinden, ist gut ausgebaut und läßt sich gut fahren. Mir fällt eine LKW auf, der das Grünzeug neben der Autobahn bewässert. Herr Fu erklärt uns, das dies hier trotz der hohen Luftfeuchtigkeit notwendig sei, da es sonst kaum Niederschlag gebe, deshalb nenne man Chongqing auch die Ofenstadt.

      Herr Ghoa nutzt die lange Busfahrt, um Schlaf nachzuholen, es sei im von Herzen gegönnt. Nach einiger Zeit machen wir kurz Halt an einer Raststätte, hier nutzen viele die Hallen der Harmonie. Danach fahren wir noch einige Zeit auf der Autobahn, bevor es wieder durch die Mautstation geht und wir anschließend auf einer breiten, gut ausgebauten Strasse weiterfahren.

      Ich habe den Platz gleich hinter dem Busfahrer ergattert, was mir gute Aussichten nach vorne garantiert. Diese sind auch sehr nützlich, kann man doch die kleinen chinesischen Besonderheiten so frühzeitig sehen und im richtigen Moment fotografieren.

      Gleich eine ganze Kompanie Enten begegnet uns, wahrscheinlich auf dem Weg nach Peking als Nachschub für die Restaurants. Aber auch so manch andere Besonderheit kann ich erblicken. Auf die seltsamen Hosen, die die kleinen Kinder hier anhaben, gefragt, antwortet uns Herr FU, diese seinen mit einem Griff im Schritt zu öffnen, sogenannte Schnellfeuerhosen.

      Wir befinden uns mittlerweile in einem Reisanbaugebiet, rechts und links kann man riesige Reisfelder sehen. Vereinzelt arbeiten Reisbauern darauf, meist hinter einem Pflug der von einem Wasserbüffel gezogen wird. Laut Herrn Fu handele es sich dabei um den chinesischen BMW, Bauer mit Wasserbüffel.
      Wir halten schließlich an einem dieser Reisfelder an, und dürfen auf steinernen Wegen auch in das Reisfeld hineingehen, um dieses näher zu betrachten.

      Nach dieser etwa 15 minütigen Pause setzen wir die Fahrt fort. Die Strasse ist hier zum Teil sogar sechsspurig, aber wir sind fast alleine unterwegs. Die Strassenlaternen sind hier alle solarbetrieben. Mir kommt es so vor, als hätte man hier für die Zukunft gebaut, als wir uns der Stadt Xinyuanzi nähern.

      Wir verlassen hinter der Stadt die breite Strasse und befahren nun eine kleinere Strasse hinein in eine hügelige Landschaft. Nach weiteren 15 Minuten halten wir schließlich auf einem großen Parkplatz. Von hier aus müssen wir noch eine kurze Strecke bis zum Eingang in das UNESCO-Weltkulturerbe Dazu gehen.

      Die Anlage liegt hier schön in einem Waldgebiet, es handelt sich um mehr als 10000 buddhistische Skulpturen, die hier in die 15 bis 30 Meter hohen Wände gemeißelt wurden. Wir nehmen den Rundgang, der vom Eingang zuerst hinunter, und auf der anderen Seite wieder hinauf führt.

      Herr Fu gibt uns jeweils die notwendigen Erklärungen, zu den insgesamt 19 Gruppen mit Skulpturen. Die meisten der Figuren, die Szenen aus dem religösen oder wirklichen Leben zeigen, sind in dezentem Blau gehalten.

      Einer aus unserer Gruppe entdeckt nun direkt hinter uns auf der Mauer eine Gottesanbeterin, die danach langsam auf eines der großen Blätter wechselt, die von hinten bis an die Mauer heranreichen. Ich kannte diese Tiere bisher nur aus den Insektarien diverser Zoos, und da waren sie eigentlich immer grün. Ein braunes Exemplar kannte ich bisher nicht.

      Während unser Herr Fu mit seiner ruhigen Stimme trotzdem für uns alle deutlich zu vernehmen ist, laufen alle anderen Gruppen mit den gemieteten Führern der Anlage herum. Diese sind in der Regel junge Frauen, die mit einem batteriegetriebenen Megaphon herumlaufen. Dieses mechanische Gequäke hört man nun von allen Seiten.

      Irgendwie erinnern mich diese Blechquäken an die Kreissäge von Xi'an, vielleicht hat sie ja mal akustisch Modell gestanden. Wenn es mir jetzt zu laut wird, gehe ich schon einige Schritte weiter, und schaue mir die nächsten Skulpturen schon vorab an.

      Insgesamt ist es aber sehr angenehm durch die Anlage zu gehen. Die Luftfeuchtigkeit ist hier bei Weitem nicht so hoch wie in Chongqing, und der Wald spendet einen angenehmen Schatten. Alles in allem fühle ich mich jetzt wieder sehr gut, von der fiebrigen Erkältung ist nichts mehr übrig geblieben.

      Wir arbeiten uns jetzt langsam wieder nach oben, direkt an den Wänden mit den Skulpturen entlang. Die meisten anderen Gruppen kommen uns entgegen, sie nehmen den Rundgang entgegen dem Uhrzeiger. Das ist gut für uns, da sich diese Gruppen dann immer schnell entfernen, nachdem sie uns passiert haben.

      Schlimmer wäre es, wenn eine solche Gruppe direkt vor oder hinter uns laufen würde, dann hätte man die Blechtröten die ganze Zeit. Herr Fu bringt aber die Informationen so ruhig und interessant herüber, das wir ihm gespannt zuhören, und eigentlich nicht merken, wie schnell dabei die Zeit vergeht.

      Wir kommen schließlich an einen kleinen Platz. Hier steht eine Malerin und malt die Figuren im Stein auf der Leinwand ab. Vor ihr, in der Wand, befindet sich ein riesiger liegender Buddha, auf dem Weg davor eine gewundene Rinne, die am Ende einen symbolisierten Schlangenkopf aufweist.

      In einem kleinen Tümpel neben dem liegenden Buddha fällt mir im Wasser eine dicke Kröte auf, die sich regungslos hin und her treiben läßt. Ich warte hier, bis unsere Gruppe wieder komplett ist, und wir nun am anderen Ende des Platzes wieder die Richtung zum Ende der Anlage einschlagen.

      Auch hier sind die Felswände noch voll mit Skulpturen, zu denen wir noch die eine oder andere Information von Herrn Fu bekommen. Ganz am Ende unserer Gruppe läuft wie immer Herr Ghoa, mit seiner Ledertasche in der Hand. Ohne die Tasche habe ich Herrn Ghoa in den ganzen 14 Tagen nie gesehen.

      Als wir uns nun langsam wieder dem Eingang nähern, kommen uns immer mehr Gruppen entgegen. Die Anlage wird voller und voller. Es war wohl gut, das wir schon am frühen Vormittag hier waren, sonst hätte man sicherlich nur halbsoviel gesehen.

      Wir verlassen die Anlage nun wieder, und gehen den Weg zurück zum Bus. Dabei kommen wir neben den vielen Souvenierläden auch an einem Supermarkt vorbei, wo wir uns mit kleinen Snacks eindecken. Ich kann beobachten, wie ein Chinese sich mit einer der vielen Ritschka-Fahrerinnen anlegt. Dabei geht es laut her und schließlich wagt es der Mann die Hand gegen die Fahrerin zu heben. Nun strömen von überall Ritschka-Fahrerinnen und Fahrer zusammen um ihrer Kollegin beizustehen. Der Mann zieht schließlich schimpfend ab.

      Mit dem Bus machen wir uns nun auf den Rückweg, die gleiche Strecke, die wir gekommen sind. Schnell sind die meisten der Gruppe eingeschlummert, noch bevor wir wieder die kleine Stadt erreichen. Ich habe wohl in der letzten Nacht ausreichend geschlafen und bin überhaupt nicht müde.

      Somit kann ich die Fahrt in Ruhe geniessen, und mich den Besonderheiten rechts und links der Strasse widmen, und von denen gibt es wahrlich genug. Deutsche Ordnungshüter würden hier wahrscheinlich graue Haare bekommen. Aber hier gilt wohl was irgendwie geht wird auch gemacht.

      Draußen wird es inzwischen immer dunstiger, ein sicheres Zeichen dafür, das wir uns Chongqing nähern. Ich freue mich schon auf des Yangtzeschiff, mit dem wir die nächsten Tage unterwegs sein werden, aber zuvor steht noch das Abendessen an.

      Dazu halten wir jetzt vor einem Restaurant oberhalb des Yangtze. Hier gibt es für uns das für Chongqing typische Feuertopfessen. Auch hier warten drei Tische auf uns, auf denen bereits der Feuertopf steht. Der innere Topf enthält die scharfe Sauce, der äußere heißes Wasser. Man nimmt nun Fleisch oder Gemüse und taucht es für einige zeit in einen der Töpfe, dann fischt man es wieder heraus. Leider wird das Essen hier viel zu schnell beendet, indem man einfach das Feuer unter dem Topf aus macht. Da ich gerne scharf esse, bin ich dementsprechend enttäuscht, das hatte ich mir anders vorgestellt.

      Wir besteigen nun wieder den Bus, und fahren weiter in Richtung Yangtze. Nur zwei Kilometer später hält der Bus, und wir verabschieden uns von Herrn Fu. Es ist mittlerweile dunkel, und die Stadt erstrahlt im Glanz der Lichtreklamen und Hausbeleuchtungen.

      Wir befinden uns auf einer breiten Strasse oberhalb des Yangtze, unten liegen verschiedene Passagierschiffe. Um dort hinunter zu gelangen, müßen wir einen großen Schrägaufzug benutzen. Unten angekommen weist man uns den Weg an dem ersten Schiff vorbei. Dahinter liegt die Victoria Queen, unser Schiff. Als ich auf den Eingang des Schiffes zugehe, legt eine kleine Kapelle mit Blasinstrumenten und Trommeln los. Sie spielen nicht besonders schön, aber besonders laut.

      Ich bekomme Kabine 303A, weit vorne auf einem der oberen Decks. Auf dem Weg zur Kabine höre ich immer wieder, wie die Kapelle kurz losspielt. Sie machen dies für jeden ankommenden Gast, und ich bin froh, als scheinbar endlich alle an Bord sind. Die Kabine ist sehr groß und gut ausgestattet, kein Wunder, handelt es sich doch um ein Fünf-Sterne-Schiff unter amerikanischer Leitung. Zu der Kabine gehört auch ein kleiner gemütlicher Balkon und eine schöne Nasszelle.

      Schnell habe ich das notwenigste Gepäck ausgepackt, um dann sofort auf das große Oberdeck zu laufen. Endlich wieder Wasser unter dem Hintern, ich lebe auf. Vom Oberdeck bietet sich ein toller Rundumblick auf die riesige stark beleuchtete Stadt.

      So nach und nach treffen noch andere aus der Gruppe ein. Auch wenn diese ganze Beleuchtung sicherlich eine enorme Energieverschwendung darstellt, kann sich keiner deren Faszination entziehen. Ständig ziehen kleinere, stark beleuchtete Schiffe an uns vorbei, und vom Ufer strahlen Laserlichter über den Himmel.

      Zwischen all den Hochhäusern am Ufer beeindruckt auch eine nachgebaute alte chinesische Pagodenstadt, die hervorstrahlt. Gegenüber befindet sich ein modernes Gebäude, ebenfalls vollkommen beleuchtet, neben einer Brücke.

      Nachdem vor uns eines der größeren Schiffe losfährt, legen auch wir ab, nicht ohne kräftig Signal zu geben. Langsam schieben wir uns aus dem Hafen heraus und steuern die Strommitte an. Noch einige Zeit kann ich die Stadt hinter uns leuchten sehen, bevor uns die Dunkelheit verschluckt.

      Wir fahren nun mit mäßiger Fahrt den Yangtze herunter, zu sehen ist eigentlich bei der Dunkelheit nichts, nur der große Suchscheinwerfer erhellt ein kleines Stück Ufer. Wir sind noch nicht allzu lange gefahren, als das Schiff anhält und den Anker herunterläßt. Wir werden die Nacht hier in der Strommitte verbringen, die Suchscheinwerfer vorne bleiben die ganze Nacht an, um anderen Schiffen unsere Position zu zeigen.

      Schließlich verlasse auch ich das Oberdeck. Ich hoffe in der Bar noch jemand aus unserer Gruppe für ein letztes Glas Bier zu treffen, doch sind alle wohl schon in ihren Kabinen und alleine möchte ich mich jetzt auch nicht hier reinsetzen. Also suche ich meine Kabine auf, setze mich noch einige Zeit auf den kleinen Balkon, bevor ich entspannt und zufrieden ins Bett gehe.


      Fortsetzung folgt
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)