Alle Jahre wieder...

    • Alle Jahre wieder...

      ... kommt vor dem Christuskind auch der Tannenbaum. Seit 1994 erhält auch die Freie und Hansestadt Hamburg alljährlich eine prachtvolle Tanne aus dem Trøndelag als Geschenk der Stadt Trondheim , die die Budenstadt auf dem Rathausmarkt überragt und Grüße aus dem Norden des Kontinents überbringt.

      Gestern war es wieder einmal soweit: Auf dem Grundstück der Familie Tessem im Ortsteil Selsbakk wurde Juletreet 2012, eine majestätische Fichte, unter tätiger Mitarbeit von Vizebürgermeister Knut Fagerbakke an der Kettensäge innert einer Stunde gefällt und auf den Weg gebracht. Wobei "gefällt" eigentlich der falsche Ausdruck ist, denn um Beschädigungen an dem Botschafter in spe zu vermeiden, wurde das Fallen durch Anschirren am Kran verhindert und das Nadelholz direkt angelüftet und auf dem bereitstehenden Tieflader abgelegt. Fagerbakke, der auf lange Erfahrung bei der alljährlichen traditionellen Fällaktion zurückblicken kann, freute sich über den reibungslosen Ablauf der Arbeit und hob hervor, dass der diesjährige Baum für Hamburg sicher einer der schönsten sei, die bisher auf den Weg gebracht worden seien.

      Doch was wären Weihnachtsbäume ohne die sich um sie rankenden Legenden, die uns von kleineren und größeren Katastrophen berichten? So wie einst meine Mutter durch die Straße zog, um einen Tannenbaumständer zu leihen, da der Hausvordere den unsrigen leider zu gut weggelegt hatte - mit dem Resultat, dass ein Jahr später die Nachbarn netterweise zu meiner Mutter kamen und ihr Tannenbaumständer en masse zur Ausleihe anboten, unserer aber längst wieder zur Hand war ;) Auch an dem Trondheim-Baum für Hamburg hätte Loriot sicher seine wahre Freude gehabt - Familie Hoppenstedt lässt grüßen.

      Im letzten Jahr musste Hamburg sich sogar mit einem Ersatzbaum begnügen, war doch die 15m hohe Gabe aus dem Norden beim Aufstellen auf dem Hamburger Rathausmarkt in neun Metern Höhe in zwei Teile zerbrochen und hatte somit seine Eignung für den vorhergesehenen Zweck rettungslos verloren, und das Heranschaffen eines Ersatzbaums aus Trondheim erwies sich zeitlich als nicht möglich... In einer hektischen Aktion gelang es der Stadt Trondheim , dem norwegischen Generalkonsulat in Hamburg sowie der norwegischen Botschaft in norddeutschen Forsten Ersatz zu beschaffen und zum Norweger ehrenhalber zu erklären. Der Lichterglanz auf dem Rathausmarkt war gerade noch gerettet :pleasantry_1:

      Richtig peinlich für Trondheims Bürgermeisterin Rita Ottervik muss die Baumübergabe 2003 gewesen sein, denn der Baum, der Trondheim noch in Grün gewandet verlassen hatte, stand spickrig und nahezu unbenadelt in Hamburgs guter Stube und hatte bereits reichlich Aufmerksamkeit von BILD Hamburg (Auflage: 500.000) und vom HAMBURGER ABENDBLATT erfahren :blush2: Während die deutsche Presse Forstexperten zitierte, nach deren Meinung der Baum bereits beim Fällen morsch und nahezu tot gewesen sein musste, widersprachen die Norweger und warteten mit der Variante auf, dass ein voller Sturm während des Schiffstransports von Skogn nach Hamburg der Übelmann in der affaire gewesen sei... Egal, im Dunklen hat der Baum auch ganz schön geleuchtet... Trotzdem haben sich die Schenker ob der in die Büx gegangenen Werbung durch den gar nicht wie aus Peer Gynts Wäldern stammend aussehenden Baum bannig geärgert und das Word vom juletreskandal machte die Runde...

      Zwei Jahre später schlug der Fehlerteufel dann bezüglich des Prachtbaums für Torvet in Trondheim zu - ein Stück aus dem Tollhaus, das ganz in der Tradition berühmter Verwechslungskomödien steht. Bürgermeisterin Rita Ottervik befand sich gerade auf dem Rückweg aus Hamburg, wo sie einen übrigens makellosen Baum übergeben hatte, als sie erfuhr, dass daheim ein falscher Baum geschlagen worden war, weil der Bauhof schlichtweg die falsche Hausnummer notiert hatte. Der anbetroffene Baumeigentümer zeigte sich so, wie oft der Queen unterstellt: He was not amused :( Zeitgleich saß die Eigentümerin des eigentlich vorgsehenen Baums ein paar Häuser die Straße längs "auf der Wartburg", doch niemand kam, ihren Baum zu schlagen ?( Blöd bloß, dass das Opfer der Holzwilderei überhaupt nicht die Eignungskriterien erfüllte, die Trondheim an den Torvet-Baum stellt, und folglich von dem ihm gar nicht zugedachten Platz wieder weichen musste. :wacko1:

      Und wer jetzt noch glaubt, dass 2011 nur ein Zufall gewesen ist: In jenem Jahr ist auch der Baum auf Trondheims Torvet abgebrochen; nur die Spitze zwar und als Folge stürmischer Winde, aber dennoch musste die Feuerwehr ausrücken und den nur noch am Stromkabel baumelnden Baumspitzen-Leuchtstern zu retten. Wenn das man keine Solidaritätsbekundung mit dem schicksalsgebeutelten Hamburger Kameraden gewesen ist...

      Übrigens: Auch Amsterdam erhält alljährlich einen Nadelbaum aus Trondheim und hat ebenfalls einschlägige Erfahrungen vorzuweisen - aber Weihnachtsbäume aus Trondheim sind eben eine besondere Spezies :mosking:
      Takk for oss

      BRITANNICUS :)
    • Wat een sien Uhl is den annern sien Nachtigall...

      ...gilt für das "Weihnachtshaus" in Mellomvegen in Tromsö . Dieses Jahr wird das üblicherweise geradezu amerikanisch erleuchtete Domizil der Familie Sørensen wohl im Dunkel bleiben. Grund: Ein Nachbar hat sich in seiner Verärgerung nun anwaltliche Hilfe genommen und ein Anknipsverbot durchgesetzt, da ihm die Zahl der Schaulustigen - an Wochenenden sollen bis zu 1500 Stimmungssucher vorbeigeschaut haben - gehörig auf den Spekulatius gegangen ist und er sich auch nicht auf einen auf Leuchtkraftverminderung hinauslaufenden Deal einlassen wollte.

      Nun denn, Stenkelfeld ist überall ... ;)
      Takk for oss

      BRITANNICUS :)
    • Mit dem Risiko mich hier sehr unbeliebt zu machen:
      ich steh irgendwie doch eher auf der Seite des „Meckerers“ und seine Anwalts.
      Mal abgesehen von der Energieverschwendung geht mir diese vorweihnächtliche Disneylandisierung auch sonst gehörig auf den Spekulatius.
      Es heisst doch WeihNACHTen............
      :lofoten2:
    • Alle Jahre wieder...

      lockt auch das traditionelle norwegische Weihnachtsessen, julebord genannt. Eine ernsthadte Angelegenheit, bei dem sich die Tische unter dem Gewicht zahhlosser Spezereien und Delikatessen zu biegen haben, soll es am Ende auch wirklich allen gefallen. Auch dieses Jahr wird es hundrevis landauf landab stattfinden, sogar an Bord von HR-Schiffen ist es ja schon gesichtet worden, bis hin zum Fahrplaneingriff... :x-whistling:

      Nun, was wäre ein gepflegtes Festmahl, wenn sich nicht auch die Warnungen anschlössen :x-question: Völlerei, Gesundheitsgefahr durch Exzess, sogar der Vergleich zum amerikanischen Dokumentarfilm Supersize Me wird bemüht, um die Gefahren der hemmungslosen Völlerei zu illustrieren. Die Galionsfigur der diesjährigen Warnungen ist wohl der Rekordhalter im julebord-Besuchen, der 68jährige Endre Gjerde aus Hermansverk, der im Laufe seines Lebens an gut 260 dieser Festmähler aktiv teilgenommen hat; in einem Jahr soll er sogar an 26 solcher orgiastischer Mähler gelabt haben. Der Höhepunkt war ein Dezembertag in den 1980ern, als der Vorstand von Vestlandske salslag um 12 Uhr, der von Leikanger formannskap um 14 Uhr und die Belegschaft von Leikanger fruktlager um 16 Uhr ihr Weihnachtsessen ausrichteten und der wackere Esser, Mitglied in allen drei Gremien, sich bei allen drei Gelegenheiten würdig schlug...

      Doch Mitte der 1980er folgte die Rechnung für das Schlemmen: gesundheitlicher Zusammenbruch, Diabetes, Übergwicht, inflationärer BMI. Nun, ganz aufgegeben hat Ende das julebord nicht, aber seine Rekordteilnahmen hat er seitdem nie mehr erreicht. Zudem müsse er, seit er im Ruhestand ist, die Kosten für die Schlemmerei ja auch selbst tragen... :x-wacko:
      Takk for oss

      BRITANNICUS :)