Die völlig irre Reise des Schlafwandlers (Übergabe des FOREVER YOUNG Banners)

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    • Die völlig irre Reise des Schlafwandlers (Übergabe des FOREVER YOUNG Banners)

      So endlich ist es soweit. Die 1500 Bilder sind sortiert und ausgedünnt, die ersten Videos geschnitten und hochgeladen und jetzt schreibe ich noch die Texte:

      Die völlig irre Reise des Schlafwandlers (Übergabe des FOREVER YOUNG Banners)

      Zu Vorgeschichte dieser Reise habe ich ja bereits verschiedentlich geschrieben, insbesondere im unmittelbaren Vorfeld der Reise hier und hier . Für alle die, die die Hintergründe nicht kennen, verweise ich auf meinen Reisebericht zur Forever Young Tour, der letzten regulären Küstenfahrt der MS Nordstjernen im März 2012. Den Spitznamen „Schlafwandler“ auf dieser Tour hatte bekommen, weil ich mich in die Liveberichterstattung von unserer Reise als Erzähler eines andauernden Traums eingeklinkt habe.

      Mitglieder des Forever Young-Teams genauso wie einige Forumsmitglieder hatten ja überlegt, mich auf dieser Reise von Deutschland aus zu begleiten. Leider ist das an den zu hohen Anreisekosten nach Tromso gescheitert, da mein Reisetermin zum einen relativ kurzfristig geplant und vom Hurtigrutenmuseum bestätigt und zum anderen in die beginnende norwegische Ferienzeit fiel.

      Besonders gefreut hat es mich deshalb, dass Jim Knopf seine Radrundreise durch Finnland und Norwegen so getaktet hat, dass wir uns zusammen mit ArticGateway zum Reiseauftakt in Tromsø treffen konnten. :thumbsup:

      Da die Forever-Young-Tour im März bereits einen nennenswerten Teil meines Urlaubszeitbudgets verbraucht hatte, kam für die Reise nur ein Kurztrip über das Wochenende infrage. Glücklicherweise hatte Norwegian während der Sommermonate von Köln aus seinen gewohnten Flugrhythmus DI – DO – SO auf MO – MI – FR – SO umgestellt.

      Tag 1, 06.07.2012 Teil 1 (Köln – Oslo – Tromsø )

      (Ich zweiteile die Tagesberichte, damit es nicht so schnell vorbei ist und weil einfach so viel zu erzählen ist. Das Tagesbudget für die Bilder verteile ich entsprechend.)

      So ging es freitags morgens am 06.07.2012 von Köln aus zunächst mit einem Flug von Köln nach Oslo. Entgegen meiner Gewohnheit hatte ich einen Fensterplatz gebucht, um sozusagen Urlaubsgefühl von der ersten Minute an zu haben. Gelohnt hat es sich nicht wirklich. Nördlich von Hessen war die Wolkendecke geschlossen. :( Erst als wir im Rahmen des Landeanflugs unter die Wolken kamen, konnte ich erste Tests mit einer kleinen erst einige Tage zuvor erworbenen Videokamera machen, mit der ich versuchen wollte, die Reise zusätzlich filmisch zu dokumentieren. Die Weitwinkelbilder dieser Kamera sahen gar nicht schlecht aus, aber beim Zoomen in die lange Brennweite geht die Bildqualität dramatisch in die Knie. Auch offenbaren sich gewisse Probleme bei der Belichtungsmessung, die zu Bildflackern führen. Als ich das am Abend bei der genaueren Begutachtung am Laptop erkannte und auch Jim Knopf sein vernichtendes Urteil abgegeben hatte, verzichtete ich ab dem zweiten Tag weitestgehend auf sie und nutze lieber die Video-Funktion meines Fotoapparates. Ich hatte sowie viel zu wenige Hände für die verschiedenen Geräte. :pardon:

      Den Aufenthalt am Flughafen in Oslo nutze ich für einen kurzen Zwischenbericht an das Forum und freute mich über die rege Teilnahme und die vielen guten Wünsche für die Reise – danke an alle !!!

      Auch der Weiterflug nach Tromsø gestaltete sich ruhig, zunächst mit etwas weniger Wolken über der Mitte Norwegen und einer geschlossenen Wolkendecke in Richtung Norden. Erst ganz spät im Landeanflug kamen wir unter die Wolken. Von Norden her ging es ganz dicht über die Hügel der Kvaløya und den Sandnessundet. Die Brücke über den Sund kommt ins Blickfeld, die Stadt kann ich noch nicht sehen. Dafür sitze ich auf der falschen Seite des Fliegers. Die Temperaturen liegen bei etwa 11°C aber der Regen vom Vormittag hat bereits aufgehört und für den Abend sind sogar Auflockerungen in der Wolkendecke angekündigt. Ob es etwas wird mit der Mitternachtssonne ?



      Mit nur ein paar Minuten Verspätung landet der Flieger und da ich lediglich Handgepäck habe, bin ich einer der ersten am Ausgang. Das Empfangskomitee wartete schon. ArcticGateway und Jim Knopf in seinem leuchtenden Radfahrerdress mit verwegener Bandana waren gar nicht zu übersehen. Und schon zahlte es sich aus, einen Einheimischen dabei zu haben. Statt mit dem Flybussen fuhren wir mit dem viel günstigeren Linienbus in die Stadt direkt zum Hurtigrutenkai. Nicht dass unser Schiff schon da gewesen wäre. Nein, zu meiner großen Freude lag die MS Lofoten am Kai. In der Nähe lag noch die MS Princesse Danae, ein relativ kleines Kreuzfahrtschiff (162 m, max. 568 Passagiere).



      Die MS Lofoten ist ja nach der Nordstjernen-Fahrt unser Kandidat für die nächste Tour – ich fürchte allerdings, nicht vor 2014. Eine ziemliche Schmarre war an der Außenwand auf Höhe des unteren Umlaufs zu sehen. Da muss sie wohl kürzlich bei extrem niedrigem Wasserstand heftig an einem Kai entlanggeschrammt sein.



      Auf dem Schiff habe ich einige Bilder gemacht und diese in das Video integriert. Falls Rock Lobster nichts dagegen hat, kann ich diese noch bei den Bildern zum Schiff einstellen. Im Reisebericht habe ich leider einfach keinen Platz.

      Hier das erste Video des Tages bis zur Abfahrt der Lofoten.

      Auch Jim Knopf interessierte sich für Details. Ein sehr schönes Schiff. Leider auf den Außendecks nicht mit den schönen Holzplanken wie die Nordstjernen aber dennoch mit viel Ambiente in den Innenbereichen und insgesamt etwas großzügiger in der Anlage. Nur bei der Deckenhöhe in den unteren Decks hatte ich das Gefühl, sie ist noch etwas niedriger. Ich musste ständig aufpassen, nicht an den Düsen der Löschanlage hängen zu bleiben. Nach einem ausführlichen Rundgang über das Schiff – neuerdings gibt es sogar Toiletten auf dem Außendeck, gut belüftet, aber mit nur wenig Sichtschutz – war es Zeit für einen kleinen Imbiss. Was hätte das anderes sein können als Waffeln mit Sahne und Erdbeeren. Das könnte ich jeden Tag haben. Gleichzeitig brachten wir die Postkarte an das Forum auf den Weg.



      ArcticGateway zeigte uns dann seine Heimatstadt und ich versuchte noch, einen Beschaffungsauftrag für Leonina zu erledigen. Aber in keinem Laden gab es Sami-Armbänder mit rotem Leder. Alle anderen Farben gab es, nur die nicht. Naja, ein Grund mehr einmal wieder zu fahren.

      Es gab ja bereits verschiedentlich Hinweise, dass Tromsø doch auch an das internationale Eisenbahnnetz angeschlossen ist. In der Tromsø Jernbanestasjon (Bahnhof) sind einige bereits eingekehrt. Die Gleise an der Seite des Gebäudes waren auch schon gesichtet worden. Mir ist es nun gelungen auch noch den Fahrplan zu dokumentieren. OK, fünf Abfahrten pro Tag klingen nicht gerade nach Verkehrsknotenpunkt, aber immerhin.



      Unser Weg führte uns entlang der Fussgängerzone. Blühende Tulpen und Goldregen im Juli sind schon ein ungewöhnlicher Anblick. Uns zog es auf die Mole des Yachthafens direkt unterhalb der Tromsbrua, um die Ausfahrt der MS Lofoten zu beobachten. Auf dem Weg dorthin ergaben sich einige schöne Ansichten und Ausblicke, die man bei den üblichen Ausflugsangeboten einfach nicht zu sehen bekommt.





      Die alte Hafenfestung und das Polarmuseum verstecken sich hinter den Werftanlagen. Die Wälle sind überwuchert von blühenden Kräutern und Blumen. Es duftete herrlich nach frisch gemähtem Gras.



      In der Werft wird überraschenderweise ein russischer Trawler instandgesetzt. ArcticGateway erläutert, dass sich das für die Russen lohnt, einfach weil die Norweger effizienter und zuverlässiger arbeiten als die russischen Werften.



      Unbehindert können wir über das Werftgelände laufen. Der Spruch an der Wand spricht mir aus tiefsten Herzen: „LIFE IS BEAUTIFUL !“. Im Hafen liegen zumeist weniger attraktive Schiffe, einzig die große 40 Meter-Yacht Grace Of Rotterdam sticht heraus, eine rumpfverstärkte Yacht für Eis bis 40 cm, die vornehmlich in norwegischen Gewässern fährt. Bei nur 10 Passagierkojen wohl eher etwas für die vermögendere Klientel.

      Kaum an der Molenspitze angekommen, löst sich die MS Lofoten vom Kai und nimmt Fahrt auf weiter Richtung Norden. Vorbei an der Eismeerkathedrale und unter der Tromsbrua hindurch. Siehe dazu das Video (hier nochmal der Link).



      Als die Lofoten außer Sicht ist, wird es Zeit für Abendessen, besonders Jim Knopf will unbedingt seine Energiespeicher auffüllen. ArcticGateway hatte bereits berichtet, dass die Restaurants in Tromsø entweder schlecht oder extrem teuer oder extrem voll oder alles zusammen sind, sodass das Cafeteria-Menü auf den Hurtigrutenschiffen eine ausgezeichnete und relativ kostengünstige Alternative darstellen. Da das Schiff aber gerade losgefahren ist, entscheiden wir uns für Hausmannskost. Im Supermarkt kaufen wir Spaghetti, Hackfleisch, Sauce, Joghurt und Bier und machen uns auf den Weg zu ArcticGateway’s Appartement. Gar nicht so einfach, einen passenden Bus zu finden, da der Fahrplan während der Urlaubszeit etwas ausgedünnt ist und die Abfahrtsstellen der möglichen Linien über mehrere Straßen verteilt sind.

      ArcticGateway’s Appartement liegt auf der Nordseite mit tollem Blick Richtung Nordwesten über den Sandnessundet. Dass der Flughafen in Sicht- und Hörweite liegt, fällt bei dieser Aussicht überhaupt nicht ins Gewicht, zumal das Verkehrsaufkommen ohnehin nicht so nennenswert ist. Ich konnte ArticGateway gut verstehen für die Wahl seines Wohnsitzes, als die Sonne durch die Wolken brach und diese einmalige norwegische Lichtstimmung erzeugte. Die Blumen in den Beeten leuchten im Sonnenlicht.



      Ein kurzer Check im Forum und ein Statusbericht und schon hatte Jim Knopf die Spaghetti gezaubert und dampfend auf den Tisch gebracht !

      Fortsetzung folgt…
      Es grüßt Capricorn :hut:

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Capricorn“ () aus folgendem Grund: Videolink korrigiert

    • Jeep, es geht los ...
      Tolle Bilder ... Was ist das für ein grüner Turm, der übers Dach linst?

      Auf das Klo bin ich natürlich voll reingefallen :dash: Ich denke nur, wie und wo haben sie das hingebaut??? Da ist doch kein Platz :lol:

      :sdanke: Capricorn
      Gruß Akinom :lofoten2:
    • danke für den Bericht. Es ist rauszulesen, wie sehr Du Dich auf die Reise gefreut hast und wie gut Ihr Drei Euch verstanden habt. Außer dem "öffentlichen WC" fand ich auch den "kopflosen" Jim Knopf ganz nett und die Betonung, er

      Capricorn schrieb:

      will unbedingt seine Energiespeicher auffüllen
      Du und arcticGAteway hättet wahrscheinlich gar nichts essen wollen, oder? (bin schon weg...)

      Die versteckten Feinheiten der Stadt finde ich auch schön.
      Ich freue mich auf mehr.
      Lynghei
      Lynghei

    • Hallo capricorn,

      klasse dass es jetzt mit deinem Bericht losgeht. Der Freiluftlokus war mir gar nicht aufgefallen, zumindest erinnere ich mich nicht mehr dran.

      @lynghei: Ich bin nicht kopflos, sondern schaue von oben in die Maschine. Das geht nur bei der Lofoten. :thumbsup:
      Gruß

      Jürgen

    • Toll, dass es los geht! Jetzt heißt es zurücklehnen und genießen! Apropos genießen! Wenn ich so das "Waffel-" Bild betrachte, habe ich vollstes Verständnis dafür, dass Jim Knopf den Speiseplan seiner Reise (Spaghetti und braune Bananen :mosking: ) so oft mit leckeren Waffeln anreicherte! :laugh1: Freue mich auf die Fortsetzung! Schönen Dank für Bericht, Video und Bilder! :good3:

      LG von Ulli
    • Tag 1, 06.07.2012 Teil 2 ( Tromsø - Storsteinen, Ankunft und Abfahrt MS Finnmarken)

      Wie an den letzten Bildern des ersten Post zu sehen war, zeigte sich die Sonne entsprechend der Vorhersage zum Abend hin deutlich mehr. Unser Plan, für den Abend mit dem Fjellheisen (Seilbahn) auf den Storsteinen, den Hausberg Tromsøs zu fahren, erfuhr dadurch Auftrieb. Die Ankunft der MS Finnmarken würde dann in schönes Licht gerückt und die Chance auf Mitternachtssonne wäre gegeben.

      Also schnell den Busfahrplan konsultiert. Jim Knopf packte seine Siebensachen auf seinen Drahtesel und machte sich unabhängig von uns auf den Weg zur Talstation der Seilbahn. ArcticGateway und mich brachte wieder der Bus ins Zentrum, aber leider mussten wir dann etwas länger auf den Anschlussbus (ja, ja, der Ferienfahrplan und die fortgeschrittene Stunde). Aufgebretzelte Mädels stiegen ein und aus, eine Party lockte, hielt sie aber nicht davon ab, nur mit dünnen Jäckchen und knappen Hosen oder Röckchen herumzulaufen. Wir Mitteleuropäer sind doch etwas verweichlicht.



      Zwischendrin rief Jim Knopf schon an und fragte, wo wir bleiben. Da waren wir dann schon fast da. Das Fahrrad von Jim Knopf durfte unten warten. In Deutschland undenkbar, es voll beladen so mehrere Stunden stehen zu lassen, aber hier gar kein Problem. Ohne Wartezeit konnten wir in die Gondel und los ging es gut 600 Höhenmeter hinauf über Tromsø .

      Hier das zweite Video des Tages.

      Leider zeigten sich nur ganz wenige blaue Lücken in der grauen Wolkendecke und weil die Sonne bereits recht niedrig stand, hatte sie keine Chance, ihre Strahlen durch die Lücken zu senden. Dennoch zeigte sich das Panorama von Tromsø einmal schön von diesem tollen Aussichtspunkt.



      Einzelne Schiffe zogen unter der Tromsbrua hindurch, die Häuser entlang des Sundes spiegeln sich im Wasser. Oben auf dem Berg mühen sich die niedrigwachsenden Pflanzen durch den „Sommer“. Letzte Schneefelder liegen in den Senken, frühere Besucher hatten eine ganze Trollheim-Siedlung angelegt.



      Wir liefen weiter weg von der Bergstation, um die Ruhe die Landschaft genießen zu können. Die Princesse Danae hatte sich mittlerweile ebenfalls auf den Weg weiter Richtung Norden gemacht, musste aber um die Tromsøya herum unter der etwas höheren Brücke über der Sandnessund hindurchfahren.

      Und dann tauchte in der Ferne die MS Finnmarken auf, dicht gefolgt von einem Kreuzfahrtschiffwelches aber ebenfalls wieder den Umweg über den Sandnessund nehmen musste. Nahezu zeitgleich passierten die beiden Schiffe die Sundbrücken, die Finnmarken wurde dabei noch von einer Expressfähre passiert. Vom Berg aus beobachteten wir das Anlegemanöver am Hurtigrutenkai. Die Besucher des Mitternachtskonzertes strömten vom Schiff und wurden von den Bussen zur Eismeerkathedrale gefahren.



      Da Mitternacht mittlerweile vorbei war, keinerlei Chance auf Mitternachtssonne bestand und Jim Knopf noch keine Schiffspassage gebucht hatte, machten wir uns auf den Rückweg zur Bergstation der Seilbahn. Natürlich war die Gondel gerade 2 Minuten weg, als wir ankamen. Egal, das gab uns Gelegenheit noch einen Kaffee und einen Zimtbackwerk zu nehmen.

      Dann mit der nächsten Bahn unten angekommen, fuhr Jim Knopf mit dem Rad voraus, um seine Passage und eine Kabine zu buchen, während ArcticGateway und ich uns auf den Fußmarsch von der Talstation durch die Wohngebiete, an der Eismeerkathedrale vorbei und über die Tromsbrua. Wir waren deutlich über 30 Minuten unterwegs, aber als wir am Schiff ankamen, waren die Konzertbesucher längst noch nicht zurück.



      Ich verabschiedete mich herzlich von ArcticGateway – vielen Dank für die Gastfreundschaft !!! Er bezog gleich seine Position am Stromverteilerkasten, die ihm einen stabilen Stand bei den Filmaufnahmen sicherte und die wir schon in so vielen Aufnahmen gesehen haben. Ich hatte die Finnmarken ja bereits bei einer Besichtigung im März kennengelernt. Ich wusste also ungefähr was mich erwartete. Da ich die Passage ohne Kabine gebucht hatte, hatten ich von Foris gute Tipps bekommen, wo ich am besten mein müdes Haupt betten kann (Danke an Cassia, Entusiast und alle anderen). Jetzt konnte ich mich aber nach dem Erhalt der CruiseCard gleich auf die Back begeben um das Auslaufen der Finnmarken zu beobachten. Die Ausflügler waren mittlerweile zurück an Bord und auch Jim Knopf hatte sein Fahrrad gut untergebracht und seine Kabine belegt.

      Die Leinen wurden gelöst, der Hafenarbeiter fuhr standesgemäß mit dem Mercedes von Poller zu Poller. Langsam glitt die Finnmarken weg vom Kai in das spiegelglatte Wasser der Fahrrinne. Ein letztes Winken an ArcticGateway und wir (Jim Knopf und ich) waren südgehend unterwegs.

      Schnell nach der Abfahrt suche Jim Knopf sein Kabine für seinen Schönheitsschlaf auf. Ich machte zunächst einen Rundgang durch das Schiff, um dann auf der Back die Fahrt zum Straumsfjorden zu verfolgen. Die Schneereste auf den Bergen des Bentjordstinden leuchteten in der Nachmitternachtssonne, das Wasser war absolut ruhig.



      Zum Aufwärmen musste ich dann auch mal in den Panoramasalon wechseln. Zum Abschluss des Tages dann um 3 Uhr morgens noch eine letzte Runde über die Decks, bevor ich mich in den Salon an der Bar für eine Mütze Schlaf zurückzog – nicht ohne nochmals kurz ins Forum zu schauen. Das WLAN funktioniert übrigens ausgezeichnet (und kostenlos).

      Fortsetzung folgt….
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    • Das ist schon verrückt, jetzt sitze ich hier wartend am Flughafen in Malaga (leider nur eine kurze dienstliche Reise) bei sonnigen knapp 30°C und schreibe einen Reisebericht über eine Tour am anderen Ende von Europa.

      OK, wo waren wir ? Ich hatte es mir auf der Couch im Barbereich der Finnmarken bequem gemacht und es war auch in der Tat sehr angenehm und ruhig, bis dann kurz vor Harstad – viel mehr als viereinhalb Stunden nach dem Hinlegen war das nicht – Reinigungspersonal durchzog und dabei recht lautstark kommunizierte, um den Staubsauger zu übertönen. Naja, soll wohl so sein, also aufstehen, etwas Morgentoilette und nichts wie raus. Das Wetter war annehmbar, immer wieder kam die Sonne durch den fast bedeckten Himmel. Das sah recht freundlich aus. Die MS Midnatsol lag vor uns am Kai und legte ab, kaum waren wir angekommen.



      Am Kai von Harstad wurde mittlerweile fleißig entladen. Ein Kücheninstallateur holte mit Bus und Anhänger einen Küchenbausatz ab und versuchte verzweifelt, alle Teile auf seinen Anhänger zu schichten. Erst half ihm noch der Staplerfahrer, aber der zog sich dann zurück, als er sah, dass es eng wird. Schließlich hatte der noch anderes zu be- und entladen. Dann brauste ein Audi TT mit zwei jungen Kerlen herbei, offensichtlich aus dem Betrieb des Installateurs. Zum Glück stellten sie den TT quer zur Kaikante ab, denn offensichtlich hatten sie vergessen, die Handbremse anzuziehen. Als einer sich gegen den Wagen lehnte, um etwas aus dem Kofferraum zu holen, fing dieser an zu rollen. Eiligst sprang der Fahrer bei, um den Wagen zu sichern. Keine Ahnung, ob das Beladen schließlich geklappt hat. Als wir losfuhren, waren sie noch zugange.

      Oh, Moment, ich hatte ja eine Mission. Während ich den Installateur beobachtete, liefen auch die Vesteralen-Ausflügler am Kai entlang, angeführt von einem agilen Mann. Das konnte nur Peter Jensen, der Reiseleiter sein. Als er an Bord zurückkam fing ich ihn ab und stellte mich vor. Ein paar Tage vorher hatte ich ihm bereits eine E-Mail geschickt, in der ich meine Mission beschrieben hatte und meine Hoffnung geäußert hatte, dass er mir dabei vielleicht helfen könne.

      Ich fürchte, ich habe ihn zu früh angesprochen. Er konnte sich an die E-Mail erinnern, wirkte aber noch nicht ganz wach. Er meinte, er wollte erst einmal frühstücken und bat mich, ihn später nochmal anzusprechen.

      Frühstück ? Gute Idee. Von Jim Knopf noch weit und breit keine Spur, er fröhnte wohl noch seinem Schönheitsschlaf. Also setzte ich mich in die Cafeteria, mit nem schönen Kaffee und einem großen Sandwich und beobachtete die vorbeiziehende Landschaft. Die Kirche von Trondenes vor den mächtigen Bergen dahinter. Immer wieder kam die Sonne durch kurze Wolkenlücken, während wir durch den Toppsund fuhren. Als ich mittlerweile wieder auf der Back stand, gesellte sich Jim Knopf dann auch wieder zu mir. Ein Schwarm Möwen wurde vom Schiff aufgeschreckt und suchte hektisch flatternd das Weite.



      Ich glaube, wir haben dann die gesamte Fahrt bis Risøyhamn auf der Back zugebracht. Wie anders die Berge und die Landschaft doch aussah, als im März noch Schnee darauf lag. Die Risøyrenna hatte ich ja bisher noch nicht im Sommer kennen gelernt, da wir letzten Sommer den Vesteralen-Ausflug gemacht haben. Und im März müssen wir einen relativ hohen Wasserstand gehabt haben, weil die Enge der Risøyrenna damals eigentlich nur aus den Baken links und rechts erkennbar war. Ansonsten war damals links und rechts eine weitgehend geschlossene Wasserfläche. Jetzt hatten wir ausgesprochenes Niedrigwasser und man konnte gut sehen, dass wirklich nur zwischen den Baken eine ausreichend tiefe Rinne war. Das Wetter war vom Toppsund her immer besser geworden, kaum Wind und immer mehr Sonne. Der Reiseleiter kündigte an das am Kai in Risøyhamn eine Tanzgruppe etwas zum besten geben würde, es war heute Markttag dort.

      Langsam schob sich das Schiff durch die Risøyrenna – auffällig war, dass auf nicht einer einzigen der Baken Kormorane oder auch irgendwelche anderen Vögel saßen. Unmittelbar vor Risøyhamn ließ die MS Finnmarken dann zum ersten Mal ihr machtvolles Horn erklingen. Mit einem eindrucksvollen Echo, das leider auf der Filmaufnahme nicht so gut herauskommt. Mit Kopfhörer geht es noch am besten.

      Hier der Link zum Video des Tages Teil 1 Toppsund - Risøyhamn.



      Beim Anlegen am Kai gab es kleine Hindernisse. Insgesamt vier Versuche, die Wurfleine für das zweite Bugtau auf den Kai zu werfen, gingen daneben. Jedes Mal landete die Kugel im Wasser. Das führte dazu, dass die Finnmarken immer weiter nach vorne schob. Irgendwann haben sie dann aufgegeben, weil einfach keine Poller mehr in Reichweite waren, um das zweite Tau fertigzumachen. Am Ende war die Finnmarken dann tatsächlich nur jeweils mit einem Tau an Bug und Heck festgemacht. Da es weitgehend windstill war, war das wohl akzeptabel.

      Am Kai war eine etwas größere Menschenmenge zusammengekommen, um das Schiff zu begrüßen. An einem kleinen Verkaufsstand wurden Svele (etwas dickere Pfannkuchen) mit Erdbeermarmelade unters Volkgebracht, die Verkäuferinnen waren in Tracht und schwenkten fröhlich ihre norwegischen Fähnchen. Der Seniorentanzkreis vollführte einen Reigentanz, die Reling war dabei voll besetzt. Ich nutzte die Gelegenheit, kurz an Land zu gehen und die Svele zu probieren (mhhh, lecker). Als dann die Tanzguppe das zweite Lied auflegte, sind Jim Knopf und ich bald abgebrochen – Patrona Bavariae. Das war dann des guten doch zu viel. Wie so oft war auch wieder jemand mit einem Oldtimer an den Kai gekommen, diesmal ein alter Ford Popular. Und im Hintergrund wurde fleißig Blumenerde für Norwegen und die Welt geladen.



      Nach einem etwas verlängerten Aufenthalt ging es dann weiter. Ententeich im Sortlandsund.



      Aber ich hatte ja eine Mission. Die Zeit war gekommen, Peter Jensen nochmals anzusprechen. Wir verabredeten, dass erstens Kapitän Arvid Hansen versucht zu einem Fototermin zu gewinnen. Und dann sagte er zu, dass er uns ins Museum begleiten würde. Dazu würden wir als erstes vom Schiff gehen, was dazu führen würde, dass alle Passagiere, die ebenfalls zum Museum gehen, uns zwangsweise begleiten würden.



      Nachdem das geklärt war, ging es sofort wieder an Deck. Sortland rückte näher. Natürlich waren wir auf der Back. Die Reiseleiterassistentin Elisabeth kam zusammen mit einem weiteren Besatzungsmitglied. Unter den auf der Back stehenden Leuten wurden mehrere Büschel mit Luftballons verteilt und die beiden hatten noch ein großes Transparent mit der Aufschrift HALLOOHHH. Als der Ausflugsbus über uns hinwegfuhr, wurde es eiftigt schwenkt. Dabei ertönte heute zum zweiten Mal das Horn der Finnmarken, wieder mit einem tollen Echo (am besten wieder mit Kopfhörern zu hören im Video des Tages Teil 1). Der Bus antwortete mit der Hupe, naturgemäß nur ein schwacher Abklatsch des Horns der Finnmarken. Etwas zeitversetzt drückte dann auch auch noch ein Autofahrer auf seine Hupe. Das klang ausgesprochen piepsig und sorgte an Deck für Heiterkeit.

      Hier das Video des Tages Teil 2 Sortland – Stokmarknes – Hurtigrutenmuseum.

      Das Anlegen in Sortland klappte besser. Das Schiff war ordnungsgemäß vertäut. Kurz nachdem wir den Ort verlassen hatten, kam über eine Lautsprecherdurchsage von Peter Jensen die Bitte, dass ich mich doch einmal an seinem Desk einzufinden soll. Kurz darauf kam der Kapitän und ich erläuterte ihm meine Mission. Er war sehr interessiert und wir suchten eine Stelle für einige Fotoaufnahmen. Die Tanzfläche in der vorderen Bar auf Deck 5 (?) musste dafür herhalten. Dies sorgte für interessierte Blicke der Passagiere und ein paar Nachfragen, die ich gerne beantwortete.

      Das Wetter war mittlerweile allererste Sahne, zwar eine steife Brise von vorn, aber so viel Sonnenschein, dass ich mir dabei den ersten Sonnenbrand des Jahres auf der Nase geholt habe. Jim Knopf war genauso standhaft wie ich, was die Besetzung des „Ausguck Back“ anging.
      Die Fahrt ging durch den Sortlandsund und über den Hadsel geradewegs auf Stokmarknes zu. Irgendwie war ich mit der Filmaufnahme für das Hornsignal in Stokmarknes ein bisschen spät dran, wie auf dem Video zu sehen ist. Das Echo war wieder ganz toll.

      Wieder eine Lautsprecherdurchsage, ich möge mich doch bitte am Ausgang auf Deck 3 einfinden. Am Kai warteten einige Leute, zumeist Passagiere, aber unter ihnen auch Kapitän Sten Magne Engen, der Leiter des Museums und seine Assistentin May-Britt. Diese fotografiere wie wild während wir begleitet von den Passagieren zum Museum gingen. Ich versuche, von ihr Bilder zu bekommen, aber wegen der Ferien war die Kontaktaufnahme in den vergangenen Wochen schwierig.



      Im Museum angekommen zeigte uns Kapitän Engen die Wand, die für das Banner vorgesehen ist und wir hielten es probeweise schon einmal hin, während Jim Knopf und May-Britt aus allen Lagen Bilder schossen. Dann bat uns Kapitän Engen noch ins Büro, wo ich die Gelegenheit hatte, noch die zusammengestellten Dokumentationen zu übergeben. Zum einen eine DVD mit Fotos und Links zu Websiten, die über die letzte Fahrt der Nordstjernen berichtet haben, ein kurzer von mir erstellter Bericht über die Entstehung des Banners. Rock Lobster hatte mir eine Wiki-to-Go DVD zusammengestellt. Obwohl nur auf deutsch, war Kapitän Engen daran sehr interessiert. Jim Knopf und ich fanden dann noch Aufnahme in den Hurtigrutenmuseumsclub. Es gab eine kleine Urkunde und ein paar Geschenke – das Hurtigmuseum-Poster, Kaffeebecher und Pin. Insgesamt eine sehr herzliche Aufnahme. Und dann rückte auch der Reporter von vol.no an. Wir mussten das Banner nochmal rausholen, nochmal hinhalten, die Story des Banners und warum wir das persönlich überbringen, nochmals zum besten geben. Den Artikel dazu gab es dann zwei Tage später online. Auch hier versuche ich, noch die Bilder zu bekommen. Momentan ist der Reporter aber auf Urlaub.

      Dann hatte es Kapitän Engen aber etwas eilig, offensichtlich war gerade seine Tochter aus Deutschland zu Besuch gekommen und er wollte sie nicht zu lange warten lassen und zum anderen hatte Kapitän Hansen von der Finnmarken wohl gefragt, ob er die in den Containern vor dem Museum zur Restaurierung eingelagerten Segmente der alten D/S Finmarken (1912) anschauen können. Freundlicherweise fragte uns Kapitän Engen, ob wir Interesse hätten, mitzukommen. Was für ein Frage !!!! Die Bilder davon und ein paar Zusatzinformationen hatte ich bereits HIER eingestellt.

      Eigentlich hatte ich ja vor, von Stokmarknes aus mit dem Bus nach Svolvær zu fahren. Da die Finnmarken aber logischerweise noch nicht losgefahren war – ihr Kapitän war ja mit uns im Container – ergriff ich die Gelegenheit am Schopf, die Raftsundpassage auch südgehend heute noch mitzunehmen. Die zusätzlichen Euros waren es wert, weil das Wetter einfach fantastisch war.

      Wieder an Bord zog es Jim Knopf und mich erst einmal in Babette’s Café. Die Übergabe des Banners musste bei Kaffee und Waffeln gefeiert werden.

      Aber dann gleich wieder raus auf die Back und einen geeigneten Stehplatz für die Raftsundpassage und den Abstecher in den Trollfjord okkupiert. Da die Finnmarken auf der Back sehr großzügig bemessen ist, gab es kaum Leute, die am Geländer in zweiter Reihe stehen mussten. Selbst wenn man seinen Platz mal kurz verlassen hat, kam man eigentlich wieder gut nach vorne. Der Raftsund war wie immer ein Erlebnis für sich. Ich bin ihn mit der Rückfahrt später an dem Tag jetzt bereits 5 Mal gefahren und vier Mal davon hatte ich strahlenden Sonnenschein.

      Videobilder gibt es im Video des Tages Teil 3 Raftsund - Trollfjord - Svolvaer.

      An der Straße blieben immer wieder Autos stehen, die Insassen stellten sich an die Leitplanke und winkten. Aus den Hütten gab es Grüße und auf dem Anleger am Campingplatz im Raftsund unterbrachen die Leute ihren Grillabend um zu winken.



      Die Seeadlersafari wurde ausgetendert und das Boot war noch keine 100 m vom Schiff weg, da kamen schon die ersten Seeadler . Die Möwen waren ja sowieso schon da. Eigentlich hätte ich fragen sollen, ob noch ein Platz verfügbar gewesen wäre.

      Der Trollfjord wie immer ein Erlebnis, gut war der freundliche Troll am Eingang des Fjords zu erkennen.



      Dann wurde es schnell leer an Deck. Die Leute gingen zum Abendessen. Aber die Fahrt durch die Inseln vor Svolvær ist zu sehr Erlebnis, dass Jim Knopf und ich uns das entgehen lassen wollten. Als wir uns Svolvær näherten, nahm ich wieder die „Svolvær-Ziege“ mit der langen Brennweite aufs Korn. Bei der späteren Durchsicht der Bilder stellte ich fest, dass wieder eine größere Bergsteigergruppe das Wagnis unternommen hat, dort hinaufzusteigen. Auch am Berg dahinter sind einige Leute zu erkennen. Wohl die, die den waghalsigen Sprung von einem Horn auf das andere dokumentieren sollten.



      Unser Plan war für das Abendessen war, erst im Hafen von Svolvær in der Cafeteria zu essen. ArcticGateway hat ausgesprochen recht. Die Portionen dieser Speisen sind sehr großzügig bemessen und die Preise dafür durchaus angemessen für Menge und Qualität.

      Dann war auch für uns die Zeit des Abschieds gekommen. Jim Knopf verschwand im Laderaum, um sein schwer bepacktes Rad zu holen und das letzte Stück zu seinem heutigen Campingplatz unter die Reifen zu nehmen. Ich habe mich riesig über die Begleitung bei meiner Mission gefreut – vielen Dank, Jim Knopf !!!

      Fortsetzung folgt...
      Es grüßt Capricorn :hut:

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