Norwegische Brückengeschichte(n)

    • Noch eine Superbrücke

      Heute wird die Regierung das Geld für die neue Hålogaland-Brücke bei Narvik "auf den Tisch legen. :good3:
      2,4 Milliarden NOK wird sie kosten, 1,6 Milliarden kommen von der Regierung und ca. 840 Millionen NOK aus der Maut. Die Brücke wird 1.553 m lang und Norwegens drittgrößte sein. Baubeginn ist im Oktober und 2016 soll sie eröffnet werden. :)
      Sie überquert dann den Rombåksfjord und verkürzt die E 6 um 18 Km, wichtig vor allem auch für den Güterverkehr.
    • Norwegische Brückengeschichte(n)

      Im letzten Jahr hat die einst wichtigste Straßenbrücke Norwegens ihren 65. Geburtstag gefeiert: Die alte Svinesundbrücke, die heute in ein geruhsames Dasein fristet und in Sichtweite ihrer modernen Nachfolgerin den Fv. 118 - einst die E6 und davor der Rv. 1 - über den Svinesund führt, der Norwegen von Schweden trennt. In die Schlagzeilen gerät die Brücke aber von Zeit zu Zeit immer noch, besonders dann, wenn "findige" Alkoholschmuggler meinen, auf ihr den norwegischen Zoll umgehen zu wollen. Dabei ist die Brücke ein Stück Verkehrsgeschichte und voller Überraschungen.

      Dereinst war der Svinesund wirklich ein trennendes Gewässer, das nur per Fähre gekreuzt werden konnte, dabei gab es erste Pläne für eine Eisenbahnbrücke bereits um 1800, also gut 35 Jahre bevor das Dampfross seinen ersten Auftritt in Deutschland hatte. Doch Eigeninteressen, militästrategische Erwägungen und Ideologie verhinderten einen Brückenbau für fast anderthalb Jahrhunderte. Obschon die Brücke sehr in norwegischem Interesse lag, eröffnete sie doch die direkte Straßenverbindung nach Süden, waren es die Schweden, die in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg zur treibenden Kraft des Brückenbaus wurden. Dabei erwies sich Norwegen als erstaunlich widerborstig und vereitelte den schwedischen Plan einer kombinierten Straßen- und Eisenbahnbrücke zugunsten einer einfachen Straßenbrücke und schaffte es zudem, den eigenen Kostenanteil an der letztendlich gebauten Steinbrücke auf weniger als die Hälfte der kostengünstigsten Alternativkonstruktion zu drücken. Alles in Allem zahlte Schweden gut dreieinhalb Millionen Schwedenkronen, während Norwegens Anteil nur 326.900,- norwegische Kronen betrug. Folglich floss auch der Löwenanteil der Baukosten nach Schweden, denn vornehmlich schwedische Unternehmen und Arbeiter waren am Brückenbau beschäftigt.

      Die Bauzeit stand aber unter keinem guten Stern, denn der deutsche Überfall auf Norwegen vom 9. April 1940 stoppte zunächst die für Ende 1941 avisierte Ferstigstellung. Dennoch gingen die Arbeiten letztendlich weiter und 1942 war daws Bauwerk praktisch fertig. Was dann geschah, ist bis heute ungeklärt. Offiziell schlug ein Blitz in die Brücke ein und verursachte großen Schaden, jedoch scheint es glaubhafte Indizien dafür zu geben, dass Schweden die quasi fertige Brücke in einer Nacht- und Nebenaktion sprengen ließ, da das deutsch-schwedische Verhältnis zu der Zeit sehr angespannt war und die Schweden die Nutzung der Straßenbrücke als Rollbahn für Invasionstruppen druchaus fürchteten.

      Die notwendigen Reparaturarbeiten wurden erst nach Kriegsende in Angriff genommen, und am 15. Juni 1946 eröffneten König Haakon VII. und Schwedens Kronprinz Gustaf Adolf die Brücke. Und zunächst waren es vor allem die Schweden, die das Bauwerk nutzten, und sie taten etwas, das heute nahezu unvorstellbar ist: Sie fuhren zum Einkaufen nach Norwegen! Der Grund: Während in Schweden sehr hohe Zölle auf Importzucker lagen, war Zucker in Norwegen zu Weltmarktpreisen zu bekommen und somit deutlich billiger. Weitere für Schweden attraktive Produkte waren v.a. Margarine und Butter. Der Grenzhandel spielte also in der Geschichte der Svinesundverbindung von Anfang an eine tragende Rolle. Inzwischen haben sich die Handelsströme bekannterweise umgedreht und es sind die Norweger, die Jahr für Jahr Milliardenbeträge südlich der Brücke ausgeben, um die hohen Preise im eigenen Land zu umgehen.

      Doch wer zwischen Schweden und Norwegen reiste, der hatte zunächst eine ganz andere Herausforderung zu meistern: Den Wechsel vom schwedischen Linksverkehr zum norwegischen Rechtsverkehr, der zunächst ganz informell irgendwie mitten auf der Brücke vorgenommen wurde - ein Umstand, der von Anfang an als große Verkehrsgefahr wahrgenommen wurde - der norwegische Riksvei 1 sowie der schwedische Riksväg 2 (die Vorläufer der heutigen E6) waren der Unfallschwerpunkt ihrer Zeit. Zunächst wurden eine Reihe kreativer Lösungen vorgeschlagen: So empfahl ein Leserbriefschreiben in der Zeitung Halden Arbeiderblad allen Ernstes, man solle es mit einem weißen Handschuh versuchen. In Norwegen ziehe man diesen rechts an, bei der Einreise nach Schweden wechsle man ihn nach Links und man wisse immer, auf welcher Straßenseite man fahren müsse. Ob nun wegen Handschuh- und Fahrspurwechsels auf der Brücke Autos von dieser in den Svinesund absegelten, ist aber nicht überliefert.

      Erst 1967 löste sich dieses besondere Verkehrsproblem: Zwar hatten sich die Schweden in einer Volksabstimmung mehrheitlich für die Beibehaltung des Linksverkehrs ausgesprochen, doch setzte sich der schwedische Reichstag über dieses Votum hinweg und führte zum 3. September 1967 als letztes Land Festlandseuropas den Rechtsverkehr ein.

      Die alte Svinesundbrücke gilt heute als verkehrshistorisches Symbol und ist konsequenterweise von riksantikvaren als Symbol für die norwegisch-schwedische Verkehrsberbindung unter Schutz gestellt worden - als Denkmal in Gebrauch.
      Takk for oss

      BRITANNICUS :)
    • Brücke über den Oslofjord?

      Derzeit wird die Machbarkeit eines Brückenbaus über den Oslofjord diskutiert, die die fylker Vest- und Østfold verbinden und so die Großregion Oslo enger miteinander verweben soll. Als Kostenrahmen werden derzeit 20 Milliarden Kronen (ca. 2,7 Milliarden Euro) genannt.

      Da es sich derzeit noch um eine Diskussion handelt, liegen keine Zieldaten auf dem Tisch. Vielmehr geht es darum, mögliche Standorte - es werden Orte zwischen Moss und Drøbak überdacht - zu finden, und es steht auch noch nicht fest, welche Verkehrsmittel die Brücke tragen soll. Interessant scheint jedenfalls die Möglichkeit, auch Fußgänger und Radfahrer zuzulassen. Ebenso sind soziale und Umweltgesichtspunkte noch zu klären: Die Region ist Naherholungsgebiet für Oslo und weist viele ökologisch wertvolle Bereiche auf.

      Ein Opfer eines Brückenbaus, so er denn realisiert werden sollte, dürfte mit der Fähre Moss-Horten jetzt schon feststehen.
      Takk for oss

      BRITANNICUS :)
    • Sowas erinnert mich immer an die Tragödie von Koblenz . Ich habe das damals fast live mitbekommen vom anderen Rheinuferweg. ;(
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten im Profil)
    • Tverlandsbrua

      Ab heut Abend kann man endlich ueber die Tverlandsbrua fahren. :D

      Wenn man schnell liest , passiert so etwas.... :blush2:
      Fuer den Verkehr wird die Bruecke erst im NOV. freigegeben ,
      jedoch ist die Strasse an der Bruecke seit heut befahrbar. :whistle3:
      Hilsen Eva :flower:

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    • ...die "Brücke der Entscheidung" für Nordlandfahrer, die nicht nach einem genauen Plan reisen, sondern sich flexibel den Gegebenheiten anpassen: Fahre ich jetzt hoch auf die Varanger-HI oder doch lieber nach Kirkenes ? ?( Irgendwie ist das Wetter ja nicht so toll :S Oder bleibe ich auf dieser Seite der Brücke und fahre übers Ifjordfjell hoch auf die Nordkyn-HI Richtung Slettnes fyr? ?( Die Tana ist eine Barriere, die man weit im Norden nur auf der E6 über die Tana bru überwinden kann. :whistling:
      Sie ist alt und schmal. Nun soll sie neu gebaut werden. 2016 beginnen die Arbeiten lt. nationalem Transportplan. Über die gesamten Pläne ist man in der Finnmark nicht glücklich, weil sie die maroden Fernstraßen zu wenig einbeziehen.