Einmal Hirtshals-Bergen-Kirkenes und zurück mit Gruppenanschluss - oder - die Geschichte von großen Koffern und kleinen Taxis

    • B-K-B
    • Montag 4.April


      Ich wache schon vor 6 Uhr auf. Die Enttäuschung den Raftsund wieder nicht gesehen zu haben sitzt tief. Wir liegen mittlerweile in Harstad , es ist stark bewölkt. Aus irgendeinem Grund ziehe ich heute meine Trekkingschuhe mit hohen Schaft an, warum auch immer, was sich später als geniale Eingebung herausstellen soll. Als ich kurz danach auf dem Deck stehe, regnet es zumindest nicht. Ich sehe Renate und den Seebär auf dem Kai, also mache ich mich auch auf den Weg nach unten. Renate hat sich wohl gestern eine ordentliche Erkältung eingefangen, ihr geht es gar nicht gut.



      Hier gratuliere ich dem Seebär erstmal zum Geburtstag. Auch die Svalbards kommen jetzt aus dem Schiff um ihm zu gratulieren. Wir schlendern nun vom Kai zurück ins Schiff, es wird langsam Zeit fürs Frühstück. Kaum haben wir an unserem Tisch Platz genommen, treffen von allen Seiten kleine Geschenke für den Seebär ein, er hat kaum noch Platz für seinen Teller.



      Als nach dem Frühstück die Lofoten eintrifft, hat bereits wieder Regen eingesetzt. Das schöne Schiff fährt in einem großen Bogen in den Hafen, um direkt hinter uns anzulegen. Gerade mal vier oder fünf Passagiere sind auf der Lofoten zu sehen, aber bei uns sind es auch nicht viel mehr. Eisern harre ich im Regen aus, bis mein Lieblingsschiff endlich am Kai fest vertäut ist.



      Genau in dem Moment legt die Nordnorge ab, und wir verlassen Harstad . Wir steuern auf den breiten Vågsfjord hinaus, und schon bessert sich das Wetter. Der Regen hat aufgehört und die Wolkendecke reißt mehr und mehr auf, erste blaue Streifen zeigen sich. Doch ganz wollen uns die Wolken nicht verlassen, an einigen Stellen hängen sie noch tief am Fels. Inzwischen sind wir schon im Solbergfjord in Höhe der Dyrøybrücke.


      Es dauert auch nicht mehr lange, bis wir in Finnsnes anlegen. Renate und ich wollen uns an Land ein wenig umsehen, und verlassen das Schiff. Wir gehen bis zum Ende des kleinen Hafens, hier steht die Statue mit dem halben Schiff, und haben von hier einen guten Blick auf die Nordnorge. Im September war ich noch ein Stück weiter, aber da ist jetzt alles dick vereist, deshalb müssen wir bald den Rückzug antreten.



      Auf dem Rückweg befindet sich aber auch ein Shop, ich warte davor in aller Ruhe, bis Renate wieder rauskommt. Ein kleines Stück weiter geht Renate nochmal ans Wasser um von dort ein Bild zu machen. Zwei Huskies, die in der Nähe angebunden sind, schleichen sich nun an Renate heran, schnuppern vorsichtig und lassen sich danach ausgiebig von Renate kraulen. Nach einiger Zeit mache ich Renate auf die Abfahrtszeit des Schiffes aufmerksam, die Hunde schauen ihr traurig hinterher, während wir wieder zum Schiff gehen.



      Schon heute morgen ist mir im Schiff ein neuer Kapitän aufgefallen. Kai Allbrigsen hat das Schiff verlassen, unser neuer Käpitän ist Kjell Skjoldvær. Wir legen in Finnsnes ab und steuern die Gisundbrücke an. Wir treffen den Großteil unserer Truppe wieder auf Deck 7, von wo aus wir die Abfahrt von Finnsnes und die Einfahrt in den Gisund beobachten.



      Wie immer ist die Fahrt durch den Gisund traumhaft schön, zumal jetzt auch noch das Wetter mitspielt. Am Ende des Sundes wird die Fahrrinne enger, hier liegt Gibostad , die alte Handelsstadt. Ursprünglich sollte Gibostad mal das Zentrums Nordnorwegens werden, aber letztlich wurde es dann Tromsø . Gibostad wurde früher sogar von den Hurtigrutenschiffen angefahren.



      Nachdem wir den Gisund hinter uns gelassen haben, überqueren wir den Malangenfjord und befinden uns im Straumsfjord. Schon von hier sind die hohen, schneebedecken Berge bei Tromsø zu sehen. Doch zuvor müssen wir noch den Rystraumen, einen starken Gezeitenstrom, passieren. Auf der Insel sollen Moschusochsen leben, aber bisher sind mir dort noch nie welche aufgefallen.



      So suche ich auch jetzt wieder vergeblich nach den Tieren, eigentlich sollte man sie doch sehen, immerhin handelt es sich ja um eine recht große Spezies des Tierreiches. So lassen wir Rytsraumen und Insel hinter uns zurück, während vor uns schon der Tromsdalstinden , der Hausberg Tromsøs auftaucht. Auch die Bergstation Storsteinen ist schon oberhalb der Eismeerkathedrale zu sehen.



      Nun liegt die Stadt Tromsø vor uns. Schon schieben wir uns am Polaria vorbei, um an der Baustelle, die sich Kai nennt, anzulegen. Renate, die sich weiterhin heftig mit ihrer Erkältung herumplagt, will sich etwas hinlegen. Daher plane ich alleine einen Rundgang durch Tromsø . Doch zuerst treffe ich arcticGateway am Kai. Er wird von hier aus die Tour mitmachen, bis wir wieder zurück in Tromsø sind.



      Jens hat seine Web-Kamera mitgebracht, und möchte diese an seinem Kabinenfenster befestigen um die Fahrt komplett aufzuzeichnen. Die anderen unserer Truppe erscheinen jetzt auch nach und nach und begrüßen Jens. Jim Knopf und Arctica haben sich mit einer weiteren Passagierin, wie sich später herausstellt bruni, verabredet, um auf den Storsteinen zu fahren. Ich beginne meinen Rundgang, indem ich mich in Richtung der alten Speicherhäuser wende.



      Tromsø zeigt sich wieder mal bei traumhaften Wetter, blauer Himmel und Sonnenschein. Von den Speicherhäusern aus, schlage ich den Weg ein zu der kleinen Kirche und dem schönen Pavillon. Oberhalb des Rathauses bummle ich die Strasse entlang und lande unterhalb des schlossähnlichen, großen Gebäudes. Von dort aus erreiche ich nach wenigen Minuten den Hauptplatz mit der großen Kirche.



      Ich spaziere einfach weiter, und lande komischerweise genau an den Ølhallen der Mack-Øl-Brauerei. Hier treffe ich die Kraniche, die wohl auch zufällig hier gelandet sind. Wo wir nun schon mal hier sind, können wir auch kurz hineingehen. Ich bin zuvor den ganzen Weg gegen die Sonne gelaufen. Als ich die Tür zu den Ølhallen öffne, ist es drinnen sehr dunkel, für mich quasi total schwarz.
      Ich mache also einen großen Schritt in diese totale Dunkelheit, und falle ins Lokal. Hinter der Tür sind noch zwei kleine Stufen, die hinunter führen. Ich versuche mich irgendwo fest zu halten, aber in der einen Hand habe ich meine Kamera, mit der ich nun gegen die Wand komme, und die andere Hand kann nichts greifen. Ich komme mit einem Fuß schräg auf der untersten Treppenstufe auf, und knicke entsprechend ab.
      Nur mit Mühe gelingt es mir das Gleichgewicht wieder zu bekommen, der Fuß schmerz so stark, dass ich die nächste Zeit nur humpelnd laufe. Lediglich der hohe Schaft meiner Trekkingschuhe hat hier Schlimmeres verhindert, mit einem normalen Halbschuh hätte ich mir garantiert die Bänder gedehnt, wenn nicht gerissen.



      Nachdem ich den Schreck überwunden habe, sehe ich die Svalbards, die schon hier sitzen, mit einem weiteren Passagier der Nordnorge, und ihr Bier trinken. Ich kaufe mir am Tresen ein dunkles Bier, ein junger Deutscher bedient hier, und setze mich mit den Kranichen zu den Svalbards. Nur wenig später treffen auch die Seebären hier ein, welch ein Zufall, und gesellen sich zu uns. Seebär erkennt am Nebentisch einen jungen Mann, der den Haudegen spielen soll, wenn die Truppe vom polarhistorischen Stadtrumstehen hier eintrifft. Dieser übt schon kräftig mit dem einen oder anderen Bier.



      Ich benötige noch ein weiteres Bier um den starken Schmerz zu unterdrücken, und verlasse dann mit den Seebären die Ølhallen. Während die Seebären noch in ein Geschäft wollen, setze ich meinen Rundgang durch Tromsø fort. Vorbei am Skarven, hier ist heute nichts los, wende ich mich erneut in Richtung des großen Platzes. Von da aus gehe ich nun zurück zum Schiff.



      Ein erster Gang in die Kabine um die Bilder herunterzuladen. Ich bin etwas überrascht, mein Bett sieht zwar gemacht aus, aber wie? Die Zudecke wurde einfach einmal gefaltet und draufgelegt, ein Großteil des Innenteils schaut allerdings unten weit heraus. Das Laken weist noch die gleichen Falten auf, die ich nach dem Aufstehen hinterlassen habe, nicht mal das Kopfkissen wurde ausgeschüttelt. Was ist den bloß mit meiner fleißigen kleinen Asiatin los. Doch als ich die Kabine verlasse, sehe ich zwei junge Norwegerinnen, die jetzt den Kabinenservice machen, obwohl man nicht so richtig davon reden kann.
      Die restliche Zeit bis zur Abfahrt des Schiffes halte ich mich noch an Deck auf. Auf dem Achterdeck ist der Platz allerdings knapp, da viele Reisende es sich hier in der Sonne mit den Stühlen gemütlich gemacht haben.



      Pünktlich treffen wir alle zum Abendessen ein, sogar Renate ist dabei, läßt sie doch sonst immer das Abendessen in Tromsø ausfallen, um die schöne Brückendurchfahrt an Deck mitzubekommen. Die Seebärin hatte mit der Crew über den Geburtstag des Seebären gesprochen, doch zuerst werden nun die Vorspeise und der Hauptgang serviert. Schließlich kommt die Crew in einer Reihe an unseren Tisch, dabei "Hurra for deg.." singend und mit Wunderkerzen und norwegischen Flaggen in der Hand. Wir stehen alle auf und klatschen mit, wer kann darf auch mitsingen.
      Schließlich bekommt der Seebär noch ein extra großes Stück Nachtisch, doch er schafft es alleine nicht und muss mit Jens und Jim Knopf teilen. Währendessen erscheint die Crew ein zweites Mal singend an einem Tisch etwas weiter oben, doch das Geburtstagskind dieses Tisches ist gar nicht beim Abendessen erschienen.



      Wir jedoch feiern Seebärs Geburtstag noch eine Weile. Nach dem Abendessen verzieht sich Renate sofort in ihre Kabine, es geht ihr immer noch nicht besser, eher schlechter. Ich setzte mich mit Jens noch auf ein Bier in die Cafeteria. Er muss in Kirkenes die Kabine wechseln, und wird dann eine Kabine bekommen, bei der er die Kamera nicht sinnvoll anbringen kann. Ich biete ihm an, die Kamera dann in meiner Kabine zu installieren, die hat definitiv die beste Aussicht.



      Wir begeben uns anschließend wieder auf Deck 7, von den anderen ist niemand mehr zu sehen, und verharren dort, bis wir Skjervøy erreichen. Das Schiff verweilt hier nur kurz und wir legen wieder ab, um in die Nacht hinaus zu fahren. Da es schon nach 23 Uhr ist, verabschieden wir uns und nur wenig später liege ich in meiner Koje und bin friedlich eingeschlafen.






      Fortsetzung folgt ......
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -
    • Jobo schrieb:

      und lande unterhalb des schlossähnlichen, großen Gebäudes

      Das ist die Kongsbakken videregående skole, eine der bekanntesten Schulen in Nordnorwegen. In Schulgebäude und Kindergärten wird hier viel Geld gesteckt, das sind meistens stattliche Gebäude und fast immer in den besten Lagen. :thumbup:
      Den Weg direkt rechts neben dem Gebäude benutz ich fast täglich, wenn ich zum Kai, äh... ich meine in die Stadt gehe...
    • Jobo schrieb:

      schnuppern vorsichtig
      Die haben nicht vorsichtig geschnuppert, sondern mich fast umgeworfen :D Aber diese knuffigen Kraftpakete waren auch zu drollig Die freuten sich dermaßen über Besuch, dass ich sie nur an der straffen Leine kraulen konnte. Sonst hätte ich lang gelegen. :laugh1:

      Jobo schrieb:

      und falle ins Lokal
      Also nee wirklich :hmm: Offenbar hatte der Schmerz seines Hörnchens nachgelassen, so brauchte er Nachschub für's Mitleid. :cool:
      Aber zum Glück ist nicht viel passiert, das hätte noch gefehlt :fie:

      Jobo schrieb:

      sogar Renate ist dabei
      Das weiß der Seebär gar nicht zu schätzen - ich ohne Brückendurchfahrt in Tromsoe :whistle3:
      Gruß
      Renate
    • Dienstag 5.April


      Hier oben im Norden ist es doch jetzt schon viel früher hell, daher wache ich auch schon gegen 5:30 Uhr auf. Ich stelle wieder mal fest, dass diese Kabine so ruhig ist, dass man nicht merkt, ob man gerade fährt oder im Hafen liegt. Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir, dass wir wie erwartet in Hammerfest liegen. Ich dusche erstmal in aller Ruhe und nach dem Anziehen gehe ich raus aufs Achterdeck.



      Renate ist auch schon an Deck, doch es geht ihr immer noch nicht besser, meine Vorschläge mal ordentlich zu inhalieren werden natürlich nicht beachtet. Zum Glück hat der Seebär sie wenigstens mit Tee und Hustenbonbons versorgt. Ich kontrolliere daher vorsichtshalber, ob sie auch immer warm genug angezogen ist, was leider nicht immer der Fall ist, aber man weiß ja alles besser und hört nicht auf Jobo.



      Wir warten noch, bis wir ablegen und Hammerfest hinter uns lassen, dann machen wir uns auf zum Früstück. Heute gibt es keinen Lachs, sehr ungewöhnlich für ein Hurtigrutenschiff, außerdem fehlt auch noch die Leberwurst. Ich bin gezwungen, meinen kompletten Frühstücksplan umzustellen. Anschließend finden wir uns wieder auf Deck 7, im überdachten Bereich, ein. Wir können schon die Windräder von Havøygavlen sehen.


      Wir brauchen auch nicht lange auf das südgehende Hurtigrutenschiff zu warten, es ist die VESTERÅLEN, die uns dort entgegen kommt. Gleich kommt so etwas wie Wehmut hoch, erinnere ich mich doch sofort an die schöne Regenbogentour im September. Wäre hier nicht die tolle Truppe an Bord............... Die VESTERÅLEN war damals auch voll ausgebucht, trotzdem habe ich es nie so voll empfunden, wie hier auf der Nordnorge.



      Das gemütliche alte Schiff verschwindet schnell im Dunst des leichten Schneeregens, die Sicht ist heute morgen alles andere als gut, während wir den Felsen mit den Windrädern umfahren. Von den kleinen Wellen, die der Wind auf die Wasseroberfläche zaubert, merkt man auf der Nordnorge kaum etwas. So gleiten wir ruhig auf Havøysund , unseren nächsten Hafen, zu. Dieser taucht auch schon vor uns auf, und wir legen zu einem kurzen Stop an.



      Bis zur Ankunft in Honningsvåg verziehe ich mich wieder in meine Kabine um mich noch etwas hinzulegen. Renate und ich haben die Nordkapp-Tour gebucht, hoffentlich heute bei besserem Wetter. In Honningsvåg warten insgesamt sechs Busse, davon alleine vier für die deutschen Reisenden. Wir sitzen im zweiten Bus, können den ersten vor uns während der ganzen Fahrt sehen, die vier anderen hingegen haben wohl reichlich Abstand.



      Es liegt noch ordentlich viel Schnee hier, aber zumindest die Straßen sind frei, einen Schneepflug vornweg brauchen wir nicht. Als wir am Nordkapphaus ankommen quillen die Menschen aus den Bussen und stürmen zum Globus. Vor dem Gebäude steht ein Hundeschlitten und ein Besucher will sich von seiner Frau mit dem Hund fotografieren lassen. Doch jedesmal wenn der Hund vorsichtig auf ihn zugeht, weicht der Mann aus, er hat sichtbar ein wenig Angst vor dem Hund. Anschließend geht Renate zu dem Hund und krault ihn ausgiebig, was den Hund sichtlich freut, hatte ihn der Besucher zuvor nicht mal angefasst.



      Wir halten uns vom Nordkapphaus und dem Globus erstmal fern, und gehen links am Zaun entlang. Von hier hat man eine gute Aussicht auf das Nordkapp. Von See her nähert sich eine dünne Regenwand, während wir ein wenig Probleme mit dem aufgeweichten Boden haben. wir gehen bis zum Ende des Zaunes und dann wieder zurück. Dadurch kommen wir direkt am Oscarstotten, dem Oscarstein, vorbei.



      Während Renate nun in den Nordkappshop möchte, wandere ich zum Denkmal "Kinder der Welt", welches aber tief zugeschneit ist. Viele der Besucher strömen jetzt zurück ins Nordkapphaus, um sich den Film anzuschauen. Am Globus ist daher momentan viel weniger los als zuvor, der richtige Moment für einige Aufnahmen. Zum Glück verschont uns heute der Nordkappnebel, vereinzelt ist sogar blauer Himmel und Sonne zu sehen.



      Anschließend gönnen sich Renate und ich die leckeren Waffeln mit einer heißen Schokolade, fast schon ein liebgewonnenes Ritual hier am Nordkapp. Ich nutze die verbleibende Zeit um die untere Etage des Nordkapphauses zu besichtigen. Ganz am Ende befindet sich ein Panoramaraum, dessen Fenster aber jetzt geschlossen sind. Auf dem Rückweg statte ich der Kapelle noch einen Besuch ab.



      Es wird nun Zeit sich wieder in die Busse zu begeben. Leider hat uns unser junger Reiseleiter beim Aussteigen eine falsche Busnummer genannt. Während wir und einige wenige, dies sofort bemerkt haben, laufen jetzt viele planlos zwischen den Bussen hin und her. Eigentlich wäre es doch so einfach, wir waren der einzige Bus mit einer Busfahrerin. Auf der Rückfahrt erzählt uns unser Reiseleiter, er fährt selbst mit den Fischern raus, einiges über Fischfang.



      So erreichen wir nach kurzer Fahrt wieder das Kai, wo die Nordnorge schon auf uns wartet. Eskild hat alle Mühe, einige der Nordkappfahrer davon abzuhalten, noch großartig in den Shops an Land einzukaufen. Wir sind auch noch nicht lange wieder an Bord, als die Nordnorge auch schon ablegt und wir Honningsvåg im Sonnenschein zurücklassen.



      Wir treffen die anderen wieder auf dem Achterdeck. Wie immer wenn sich die Sonne in einem Hafen zeigt, sitzen hier viele Passagiere mit Stühlen, die sich schnell verflüchtigen, sobald ein wenig Fahrtwind aufkommt. Es dauert nicht allzu lange, bis vor uns die Finnkjerka auftaucht. Während wir an der Finnkjerka vorbeifahren und uns Kjøllefjord nähern, suche ich auf der gegenüberliegenden Seite nach zwei markanten Felsen.



      Renate entdeckt die Felsen zuerst, aber ich kann natürlich unmöglich zugeben, dass sie damit Recht hat. Svartnakken und Kvitnakken sind zwei Felsen aus sehr hartem Gestein, der eine weiß, der andere schwarz, was je nach Blickrichtung und Lichteinstrahlung schwer zu sehen ist. In Kjøllefjord verabschiedet sich Renate in ihre Kabine, ihr geht es wirklich nicht gut. Als wir Kjøllefjord wieder verlassen, kann man die Felsen besser sehen und unterscheiden.



      Auf der Fahrt nach Mehamn ziehen immer mehr Wolken auf und der blaue Himmel verschwindet. Ich nutze die kurze Fahrt und die Liegezeit in Mehamn um meine Bilder herunter zu laden und stelle meine Kamera für die Winkekonkurenz mit der NORDKAPP ein. Als ich wieder zurück bin auf dem Achterdeck, passieren wir gerade Slettnes Fyr und sehen links daneben die ersten Lichter von Gamvik , einem kleinen Fischerdorf, welches früher ebenfalls von Hurtigruten angefahren wurde.



      Wir nähern uns nun langsam Berlevåg und bereiten uns auf die Begegnung mit der NORDKAPP vor, der Himmel lockert erstaunlicherweise wieder auf. Seebär und ich unterhalten uns gerade mit bruni und einen Reisenden aus ihrer Reisegruppe, als über uns die ersten grünen Schleier erscheinen. Ich weise die anderen auf das Polarlicht hin und ärgere mich danach, dass ich nicht damit gerechnet habe und die Kamera natürlich falsch eingestellt ist.



      Ohne Brille versuche ich meine Kamera im Dunkeln einzustellen, erwische aber beim ISO-Wert statt der 400 die 4000, daher das starke Rauschen. Die Schleier werden immer deutlicher, am unteren Rand wechselt die Farbe sogar teilweise in Rot. Ein so starkes Nordlicht habe ich auch noch nicht gesehen. Ich bin nicht der Einzige, der den Auslöser der Kamera ununterbrochen quält.



      Inzwischen scheint der ganze Himmel grün zu schimmern, man weis schon gar nicht mehr, in welche Richtung man fotografieren soll. Längst achtet hier auf dem Achterdeck niemand mehr auf Berlevåg und die NORDKAPP. Nun kommt auch die Nordlichtdurchsage von Eskild, fast schon zu spät, die hellsten Schleier sind längst schon weggezogen.



      Durch die Durchsage von ihren Longdrinks weggerissen, strömen nun auch die Klunkergäste aus der Bar auf das Achterdeck. Ich habe mich ein wenig auf die Seite zurückgezogen, da ich mich dort mit dem Rücken anlehnen kann. Natürlich sind meine Stative in der Kabine. Also wird einfach alles freihand fotografiert, keine Ahnung ob es mit dem Gorillapod oder dem Einbein besser geworden wäre.



      Ich traue mich einfach nicht, jetzt in die Kabine zu laufen, sie liegt immerhin ganz vorn im Schiff, um eines der Stative zu holen. Zu groß ist die Angst, dass alles vorbei ist, bis ich wieder hier oben auf dem Achterdeck bin. Im Nachhinein hätte ich ruhig das Stativ holen können, das Nordlicht dauerte noch an, als wir schon in Berlevåg waren. So muss halt meine ruhige Hand für die Aufnahmen herhalten.


      Das Lichterspiel am Himmel hält immer noch an, als es plötzlich laut wird. Die NORDKAPP fährt, voll beleuchtet, an uns vorbei, an Bord ist übrigens auch das Forumsmitglied Queen Anduril. Mit lauter Musik und Geschrei, mit Gehupe und Winken macht man nun auf beiden Schiffen auf sich aufmerksam. Ich bin sicher, an Bord der NORDKAPP hat bisher niemand das Nordlicht bemerkt. Mit einem letzten Gruß aus dem Megaphon "We won the competition" verschwindet die NORDKAPP aus unserem Hörbereich.



      Als wir schon auf Berlevåg zulaufen kann ich sehen, dass die NORDKAPP scheinbar Fahrt rausnimmt und die Beleuchtung herunterfährt. Anscheinend hat man nun auch dort das Nordlicht bemerkt. Selbst als wir am Kai liegen, ist das Nordlicht noch zu sehen, doch jetzt wird es auch für mich Zeit, meine Kabine aufzusuchen. Ich liege schon in der Koje, als wir Berlevåg wieder verlassen.
      Kaum verschwinden die Lichter des kleien Ortes, schimmert es grün durch das Fenster in meine Kabine. Wer kann schon von sich behaupten, dass er in seinem Bett eingeschlafen ist, während er vom Nordlicht angestrahlt wurde?






      Fortsetzung folgt ......
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -
    • Jobo schrieb:

      Gleich kommt so etwas wie Wehmut hoch, erinnere ich mich doch sofort an die schöne Regenbogentour
      Ja, es ist schon merkwürdig. Aber daran sieht man, dass eine besonders schöne Reise nicht unbedingt von der Wahl des Schiffes abhängt.

      Jobo schrieb:

      aber ich kann natürlich unmöglich zugeben, dass sie damit Recht hat.
      Wie immer

      Jobo schrieb:

      In Kjøllefjord verabschiedet sich Renate in ihre Kabine
      Umso schöner, dass ich mir jetzt die Bilder ansehen kann, von dem was ich verpasst habe ;(

      Jobo schrieb:

      daher das starke Rauschen
      sind doch trotzdem schön geworden. Das nächste Mal dann eben mit Brille
      Gruß
      Renate
    • Mittwoch 6.April


      Ich werde wach, draußen ist es schon hell. Mal sehen, ob wir schon in Vadsø sind. Erstmal einen Blick auf die Uhr, was ist das denn? Es ist ja gerademal 3:45 Uhr und schon so hell draußen. Man merkt halt doch, dass man schon weiter östlich und hoch im Norden ist. Also kann es noch nichts sein mit Vadsø , dafür ist es noch zu früh. Richtig, als ich aus dem Fenster blicken, kann ich Vardø vor uns sehen.



      So früh war ich hier oben noch nie wach. Die Helligkeit bringt einem den ganzen Tagesrythmus durcheinander. Ich könnte natürlich jetzt aufstehen und schon an Deck gehen. Ich möchte Renates verdutztes Gesicht sehen, wenn ich schon an Deck bin, wenn sie mit ihrem Kaffee rauskommt. Wahrscheinlich würde sie mich sofort, mit großem Gezetere, wieder in die Kabine schicken.



      Da ich aber noch die Müdigkeit spüre, lege ich mich wieder zurück und bin auch schnell wieder eingeschlafen. Es ist etwa sechs Uhr als ich wieder aufwache. Der Blick nach draußen zeigt mir Skallhalsen, die große Hochebene vor Vadsø ist schon als Windpark genehmigt. Dieser wird hier wohl in den nächsten Jahren entstehen. Wir laufen gerade auf Vadsø zu, das schon in hellem Sonnenlicht vor uns liegt.



      Die übliche Prozedur morgens, duschen und anziehen, dann bin ich schon auf der Treppe hinunter zum Restaurant, Frühstück steht an. Lachs fehlt immer noch, aber zumindest Leberwurst ist wieder da. Nach dem Frühstück schaue ich mir Vadsø vom Achterdeck an. Direkt hinter uns, an Ende des kleinen Kanals ist der Mast des Luftschiffes von Nobile zu sehen, warum auch immer man den hier hat stehen lassen. Vadsø ist, bei Tag betrachtet, gar nicht so klein wie ich immer dachte.



      Wir verlassen Vadsø und überqueren den Varangerfjord . Es wird wohl ein traumhafter Tag heute werden, blauer Himmel und Sonnenschein satt. Leider hat sich Renates Zustand bisher nicht verbessert, sie hustet ständig und fühlt sich elend. Als wir in den Bøkfjord einfahren, treiben uns die ersten kleinen Eisschollen entgegen.



      Das Wasser ist hier spiegelglatt, nur die von unserem Schiff verursachten Wellen sind zu sehen. Immer wieder treiben nun die kleinen Eisschollen an uns vorüber. Wir können Kirkenes schon vor uns sehen, der Wendepunkt der Tour ist erreicht. Wie immer werden hier einige Passagiere aus- und andere einsteigen, an der Gesamtzahl der Passagiere wird sich aber wohl nichts ändern, also auch wieder voll belegt zurück.



      Wir haben in Kirkenes ausreichend Liegezeit, eine gute Gelegenheit für einen ausgedehnten Spaziergang. Renate geht auch das erste Stück mit, sie möchte in dem Rema-Markt am Hafen einkaufen. Ich gehe allerdings weiter und nehme den kleinen Weg auf den Hügel. Auch einige andere Passagiere nutzen die Möglichkeit, sich bei dem schönen Wetter ein wenig die Beine zu vertreten.



      Auf dem Hügel angekommen, wende ich mich nach rechts und komme wenige Meter später an dem berühmten Wegweiser vorbei. Der Weg endet schließlich unten auf dem Hauptplatz von Kirkenes . Hier ist rechterhand die Kirche, geradeaus die Hauptstraße und links der Platz mit dem Rica Arctic Hotel. Ich wähle den gleichen Weg den ich gekommen bin, um wieder zurück zu gehen.



      Vom Hügel aus kann man die NORDNORGE am Kai sehen. Als ich wieder unten auf der Querstraße am Hafen angekommen bin, wende ich mich nach links und gehe die Straße etwas entlang. Hier steht der so oft fotografierte Feuerwehrwagen, eine ähnliche Attraktion für Kirkenes , wie das Schokoladenschild für Finnsnes .



      Nun mache ich mich wieder auf den Rückweg zum Schiff, was nicht so leicht ist. Die Straße ist neben der Fahrbahn unbefestigt, hier haben sich durch das Tauwetter große Pfützen gebildet, die ich nun umgehen muss. Ich mache in der Nähe des Schiffes noch einen Umweg um eine Lagerhalle, um von der anderen Seite der Halle das Schiff zu fotografieren. Hier habe ich eine gute Sicht auf das Schiff, allerdings ist der Boden hier dick vereist.



      Wieder an Bord, treffe ich den größten Teil unserer Truppe wie gewohnt auf Deck 7. Wie schon befürchtet haben sich hier auch wieder viele Sonnenanbeter mit ihren Stühlen breit gemacht, und dies teilweise in unverschämter Weise. Da stehen dann vier Stühle direkt vor der Reling, obwohl die Personen die diese Stühle nutzen mit geschlossenen Augen in den Stühlen liegen, während niemand vorn an die Reling gelangen kann. Eigentlich sollte man etwas dazu sagen, doch da ich weiß, dass die Leute beim ersten kleinen Fahrtwind ohnehin verschwinden, spare ich mir dies.
      Wir legen pünktlich in Kirkenes ab und fahren wieder über den Bøkfjord zurück. An der Mündung des kleines Fjords steht an steuerbord das Bøkfjord Fyr, dann liegt die Barentsee vor uns.



      Die Überfahrt ist sehr ruhig, auch die Barentsee zeigt sich uns von ihrer friedlichen Seite, Ententeichtour. Was für ein Unterschied zum September, als wir heftig durch die Wellen tobten, kurz nachdem wir den Bøkfjord verlassen hatten. Damals hat es die neu zugestiegen Passagiere gleich böse erwischt und viele mussten den Elch rufen. So erreichen wir Vardø gegen 16 Uhr, auffällig die großen Radarkugel vor dem Hafen.



      Wie immer hier in Vardø nutzen viele Passagiere den kurzen Aufenthalt zu einem Besuch der Festung Vardøhus. Diesmal steht auch schon ein Soldat mit einer Flagge bereit, um die Besucher zur Festung zu führen. Von unserer Truppe machen sich Arctica, Jim Knopf, articGateway und die Kraniche auch auf den Weg dorthin, während wir anderen auf dem Schiff bleiben.



      Kurz vor der Abfahrt trudeln alle dann wieder am Schiff ein. Doch die Abfahrt verzögert sich noch, man hat massive Schwierigkeiten die Gangway zu schließen. Immer wieder fährt diese runter und wieder rauf, aber sie bleibt dann immer auf halber Strecke stecken und rührt sich nicht mehr. Es dauert rund 20 Minuten, bis sie endlich schließt, und wir Vardø verlassen können, vorbei an der großen Leuchtfeuerstation von Vardø .



      Das Sonnenscheinwetter hält an, während wir die Finnmark entlang fahren. Blauer Himmel, ruhiges Wasser und an Land schneebedeckte Berge, eine richtige Bilderbuchfahrt ist das heute. Man merkt es auch daran, dass viel mehr Passagiere auf den Außendecks sind als sonst. Schließlich neigt sich die Sonne zum Horizont, als wir in den Båtsfjord einbiegen.



      Am Ende des Fjords liegt der gleichnamige kleine Ort, unser nächster Hafen. Wir legen diesmal allerdings am vorderen Teil des Kais an, da wir an der normalen Stelle, wegen der abgebrannten Lagerhalle, nicht anlegen können. Im September stand diese Halle noch unversehrt am Kai, doch kurz danach war ein großes Feuer ausgebrochen und die Halle wurde total zertsört. Auf dem Hang oberhalb des kleinen Ortes können wir einen Snowmobil sehen, dass in schneller Fahrt den Berg erklimmt.



      Als wir Båtsfjord wieder verlassen, ist die Sonne schon hinter dem Horizont verschwunden, zaubert aber noch eine schöne Abendstimmung an den Himmel. Wir genießen diesen herrlichen Anblick noch eine ganze Weile, dann treffen wir uns alle in der Cafeteria zu einem gemeinsamen Bier. In unserer Ecke sitzen wir zusammen bis kurz vor Berlevåg , hier werden wir heute Abend die nordgehende Polarlys treffen.



      Kaum sind wir an Deck, bekommen wir auch schon wieder Polarlicht, diesmal aber erheblich schwächer als gestern. Heute bin ich schon gezwungen den ISO-Wert auf 1600 hochzudrehen, sonst wird die Belichtungszeit aus der Hand einfach zu lange. Auf dem kleinen Display der Kamera sehen die Bilder zwar noch gut aus, aber in Originalgröße wirken die Bilder dann nicht so gut.



      Muss ich wohl doch bei der nächsten Tour mal das Dreibein mitnehmen und ein wenig die richtigen Einstellungen testen. Wir legen in Berlevåg kurz an, dann verlassen wir den Hafen wieder. Vor dem Hafen begegnet uns dann die POLARLYS, an Bord sind aus dem Forum Nordic und Christine nebst Ehemann, wieder wird ordentlich Krach gemacht, aber doch nicht so heftig, wie gestern als sich die beiden Schwesterschiffe begegneten.
      Bald schon kehrt wieder Ruhe ein und die Finsternis der Nacht verschlingt die Polarlys und Berlevåg . Auch wir beenden den Tag nun und suchen unsere Kabinen auf. Mal sehen, was der morgige Tag bringt.







      Fortsetzung folgt .......
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -
    • Jobo schrieb:

      Von unserer Truppe machen sich Arctica, Jim Knopf, articGateway und die Kraniche auch auf den Weg dorthin, während wir anderen auf dem Schiff bleiben.

      Wir waren nicht auf der Festung, wir wendeten uns nach links Richtung Kirche. Allerdings waren die Wege sehr vereist und besonders im Hafengebiet musste man sehr auf seine Schritte achten.
      Gruss - Arctica

      Jan 2009 FM * Jan 2010 NL * Jan 2011 FRAM (Antarctica) * Apr 2011 NN * Mrz 2012 LO * Jan 2013 LO (Alta)* Feb 2014 KH *
      Jan 2016 LO

      Reiseberichte siehe Profil

    • Hallo Jobo,

      leider habe ich erst heute Deinen Bericht entdeckt, so dass ich jetzt ziemlich lange zum Lesen gebraucht habe (und nicht mehr dazugekommen bin, selbst wieder was einzustellen). Es hat sich jedoch absolut gelohnt und ich freue mich wenn es weitergeht. Ein ganz toller Bericht. :sdanke:

      Interessant finde ich, dass ihr teilweise noch viele vereiste Wege hattet. Als ich 6 Tage hinter Euch da war, war schon etliches wegetaut. Da sieht man wirklich jeden, wie es langsam weiter Frühling wird.

      Schöne Grüße
      Eisbär 66
    • zumal es in diesen Gegenden sehr schnell wechseln kann. Letztes Jahr hatten wir im Januar nordgehend traumhaften Schnee bei Eiseskälte - in Molde über 1m und es schneite weiter. Ein paar Tage später südgehend war fast alles weg.
      Gruss - Arctica

      Jan 2009 FM * Jan 2010 NL * Jan 2011 FRAM (Antarctica) * Apr 2011 NN * Mrz 2012 LO * Jan 2013 LO (Alta)* Feb 2014 KH *
      Jan 2016 LO

      Reiseberichte siehe Profil

    • Eisbär 66 schrieb:

      Als ich 6 Tage hinter Euch da war, war schon etliches wegetaut. Da sieht man wirklich jeden, wie es langsam weiter Frühling wird.
      Das mit dem "Frühlingwerden" betrachte ich eigentlich jedes Jahr mit Interesse. Wir sind ja am 31.3. gestartet und damit einen Monat später, als ich es gewohnt bin. Klar hat das den großen Vorteil , dass es auch aufgrund der inzwischen vollzogenen Zeitumstellung erheblich länger hell war. Aber sonst ? Wie man an Jobos Bildern sehen kann, hatten wir wenigstens noch schöne weiße Landschaften. Aber, wie er auch schrieb, schon viel Matsch z.B. auf dem Nordkapp. Für mich ist es als Reisezeit gerade noch annehmbar. Vorziehen würde ich künftig doch lieber wieder den März als den April....und bloß nicht Mai. Das ist dann gar nix, wenn obendrein noch wie in letzter Zeit das Wetter schlecht ist :fie: Dann doch lieber Schneestürme :mosking:
      Aber dieser Tag war wirklich schön, wie man an den Fotos sieht. Davon habe sogar ich etwas mitgekriegt - auch in Berlevag :girl_sigh:
      Gruß
      Renate
    • Donnerstag 7.April


      Ich werde gegen 6:30 Uhr wach, habe irgendwie nicht so gut geschlafen. Jens hatte gestern noch die Web-Kamera an meinem Kabinenfenster und sein Notebook auf dem leeren TV-Brett angebracht und mir kurz erklärt, worauf ich achten muss. Also werfe ich zuerst einen Blick auf sein Notebook, doch alles läuft noch ohne Fehler.
      Nach der üblichen Morgentoilette mache ich mich auf zum Restaurant. Da gerade der Aufzug bereit steht, möchte ich diesen nutzen, doch er funktioniert mal wieder nicht, ein Übel das wohl beide Aufzüge schon seit Tagen immer wieder haben, wie mir Mitreisende bestätigten. War also nichts mit Faulheit, muss ich doch die Treppe nehmen, um zum Frühstück zu gelangen.



      Als wir uns dann gut gesättigt, es gab endlich wieder Lachs und Leberwurst, auf dem Achterdeck treffen, laufen wir gerade Havøysund an. Das Wetter ist durchwachsen, viele Wolken aber auch blauer Himnmel. Von Regen aber weit und breit keine Spur, insgesamt sieht es eigentlich nach schönem Wetter aus. Renates Erkältung ist leider auch heute nicht besser, scheint eine hartnäckige Sache zu sein.



      Ich unterhalte mich mit einigen Teilnehmern einer Reisegruppe, sie sind immer noch begeistert, dass sie gleich bei ihrer ersten Hurtigrutenreise auch Nordlicht gesehen haben. Wir müssen nun wieder Havøygavlen , den Felsen mit dem großen Windpark, umrunden. Wie immer, steht hier auch wieder eine Schiffsbegegnung an, uns kommt die nordgehende NORDLYS entgegen.



      Einige aus unserer Gruppe sind ja schon mit der NORDLYS gefahren, ich habe die Strahlsunder Schiffe bisher immer nur im Hafen kurz besucht. Die Schiffe ziehen die übliche Begrüßungszeremonie durch, während sie zügig aneinander vorbeigleiten. Auf beiden Schiffen hält sich die Zahl der Passagiere, die außendecks stehen und winken, in Grenzen.



      Wir schauen der NORDLYS noch hinterher, bis sie hinter Havøygavlen verschwunden ist. Es ist gleich 10:30 Uhr, wir haben uns alle, solange Jens noch an Bord ist, zu einem Gruppenfoto auf Deck 7 verabredet. Auf der Steuerbordseite, unter der Überdachung treffen wir uns daher jetzt. Einige von uns, so auch ich, machen nun ein Gruppenfoto mit dem Selbstauslöser.



      Hammerfest kommt auch schon in Sicht und nur wenig später haben wir dort am Kai angelegt. Ich beschließe einen kleinen Bummel durch die Stadt zu machen, Renate kommt zwar mit, aber nur zum Einkaufen, danach verzieht sie sich wieder aufs Schiff. Ich nutze die Gelegenheit und wende mich hinter dem Eisbärenclub nach rechts, um dann von einer Mole zu fotografieren.



      Anschließend spaziere auch ich wieder zurück zum Schiff, Renate hat sich wohl inzwischen wieder hingelegt, ich kann sie nirgens finden. Also beschäftige ich mich wieder mit der Stadt Hammerfest . Fürs Wiki brauche ich noch einige Bilder von der berühmten Meridiansäule, doch das ist gar nicht so einfach. Diese Säule muss man erstmal finden, da sie auf der Halbinsel gegenüber der Anlegestelle etwas versteckt steht. Doch die lange Brennweite leistet hier gute Dienste.



      Noch deutlicher wird die Säule, bei der Ausfahrt aus dem Hafen. Wir fahren nahe an Håja vorbei, der Felsen in der Bucht vor Hammerfest sieht fast aus wie ein riesiger Unterlegkeil, und können bald schon Nordmannsjøkelen, einen der vielen Gletscher hier oben, sehen. Das Wetter wird auch immer besser, während wir inzwischen den Sørøysund erreicht haben.



      Die Strecke durch den Sørøysund ist traumhaft, rechts und links verschneite Berge, darüber blauer Himmel und im Wasser spiegelt sich die Sonne. Ab und zu zieht eines der schönen kleinen Fischerboote vorbei und hinterläßt eine Spur im Wasser. Ich stehe die ganze Zeit an der Reling und lasse diese Atmosphäre auf mich einwirken.



      Nur wenig später kann man an Backbord in den Rognsund hineinschauen. Durch ihn hindurch gelangt man in den Altafjord, hier waren im März die NORDKAPP und die NORDNORGE hineingefahren, um in Alta zu verweilen, bis sie wieder südgehend weiterfahren konnten. Eine Weiterfahrt über Hammerfest hinaus war damals aufgrund der Wetter- und Seebedingungen nicht möglich.



      Wir nähern uns dem nächsten Hafen, Øksfjord . Das diese kleine Ortschaft tatsächlich ein Hotel besitzt, erstaunt mich immer wieder. Wir legen am Kai an und es werden einige Waren aus- und andere wenige dafür eingeladen. Das Problem mit der Gangway tauchte übrigens nicht mehr auf, sie öffnet und schließt anscheinend wieder ohne Probleme.



      So dauert es auch nicht allzu lange, bis wir wieder ablegen und den kleinen Hafen verlassen. Gegenüber des Ortes kann man den Øksfjordjøkelen sehen, sozusagen den Hausgletscher. Wir müssen wieder den Øksfjord zurückfahren, um auf die normale Route zu kommen. Doch kaum sehen wir die Mündung des kleinen Fjordes, gibt es Schweinswalalarm (oder sind es doch arktische Delphine?- danke Jens).



      Schräg hinter uns tummelt sich, allerdings in erheblicher Entfernung, gleich eine ganze Walschule. Dafür geben sich die etwa delphingroßen Tiere wirklich alle Mühe, uns zu unterhalten. Da wird aus dem Wasser gesprungen, sich auf den Rücken gedreht, fast schon ein Überschlag zelebriert um dann wieder elegant ins Wasser zu gleiten. Das ist die pure Lebensfreude und Ausgelassenheit. Die ganze Vorführung hält wohl mehrere Minuten an, bis wir die übermütigen Tiere nicht mehr sehen können.



      Der Freudentanz der Schweinswale hat alle die es gesehen haben tief beeindruckt. Wir gönnen uns jetzt ein Bier auf dem Achterdeck, man kann es innen in der Bar bekommen. Schon seit einigen Tagen sind wir von dem Bier in den Gläsern, was leider irgendwie schal schmeckt und auch nicht richtig eingeschenkt wird, auf das Ringnes Bier in den kleinen Flaschen umgeschwenkt, weil es einfach herzhafter und würziger schmeckt.



      So verbringen wir den restlichen Nachmittag auf dem Achterdeck, bis es Zeit ist fürs Dinner. Als wir uns nach dem Abendessen wieder auf dem Achterdeck treffen, Skjervøy haben wir schon hinter uns gelassen, hat sich der Himmel doch ordentlich zugezogen. Nichts ist mehr von dem schönen Sonnenwetter von heute Nachmittag zu sehen. Glücklicherweise regnet es aber nicht.



      Wir nähern uns dem Punkt, an dem wir die nordgehende Hurtigrute, die MS RICHARD WITH (der Stockfischdampfer :mosking: ), treffen. An Bord dieses Schiffes befinden sich die Forumsmitglieder Ronald und seine Frau Doris, sowie Garry. An Bord unseres Schiffes gibt Eskild jetzt durch, das Reisende der NORDNORGE (also wir) an Bord der RICHARD WITH Freunde haben und diese sich grüßen werden, wer will darf sich daran beteiligen.



      Zwischen Ronald und Arctica findet jetzt ein reger Handy-Kontakt statt, wer wo auf welchem Schiff steht. Die Kapitäne der Schiffe spielen auch mit, trotz des fortgeschrittenen Abends begrüßen sich die Schiffe mit dem Typhon, was sicherlich auch daran liegt, das wir uns an einem menschenleeren Küstenstreifen befinden. Wir winken uns bei der Vorbeifahrt zu und können auch Ronald mit seiner Taschenlampe gut erkennen. Nach nur zwei Minuten sind die Schiffe aneinander vorbei und der Spuk ist vorüber. Noch ein, zwei SMS, ob man sich denn auch gesehen hat und Gute Fahrt.



      Wir setzen uns noch ein wenig unter die Überdachung, um die weitere Fahrt nach Tromsø zu genießen. Doch hier erwischt es mich ziemlich übel. Ich habe ohnehin so meine gesundheitlichen Probleme mit dem Rauch von Zigaretten und halte es daher nur im Freien bei Rauchern aus. Ganz übel ist es und wird mir, wenn ich in den Rauch von Zigarren komme. Ich bemerke leider nicht, dass sich hinter uns an den nächsten Tisch ein Zigarrenraucher gesetzt hat und atme eine volle Ladung dieses Rauches ein. Mir wird schlagartig übel und ich muss den Tisch verlassen und versuche auf dem Achterdeck mit Frischluft die Übelkeit zu bekämpfen.
      Leider gelingt mir dies nicht so recht, immer wieder wird mir schwindlig und die Übelkeit kommt hoch, also verziehe ich mich in meine Kabine, um mich hinzulegen. Doch es hilft alles nichts, die Übelkeit gewinnt und werde mein Abendessen wieder los, erst danach wird es erträglicher. In meiner Kabine befindet sich noch die Kamera und das Notebook von Jens, während wir gerade in Tromsø einlaufen.
      Ich warte noch eine Weile bis wir angelegt haben dann informiere ich Jens per SMS, dass ich jetzt in der Kabine bin. Jens erscheint auch nur wenig später und wir bauen seine Geräte ab. Aufgrund meines miesen Zustandes fällt die Verabschiedung von Jens sehr kurz aus, sonst wäre ich sicherlich mit ihm noch an Land gegangen. Doch heute bin ich wirklich froh, als ich wieder alleine bin in meiner Kabine und mich hinlegen kann. Es dauert auch nicht lange, bis ich eingeschlafen bin.





      Fortsetzung folgt .....
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -
    • Benutzer online 17

      17 Besucher