Die Reise mit dem ungeliebten Schiff - oder - Von Zweien die auszogen, das Ende des Regenbogens zu finden

    • B-K-B
    • 2010
    • Jim Knopf schrieb:

      Da habe ich gestern extra eine Nachtschicht eingelegt
      Das musste ich bisher auch, um überhaupt noch mit Bildern und den ersten Tagen fertig zu werden. 8|
      Wenn ich dann mal mit diesem Bericht durch bin, schaffe ich es hoffentlich auch, die schönen anderen Reiseberichte zu lesen, die in der letzten Zeit eingestellt wurden. :rolleyes:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • Ein wunderbarer Anfang einer mit Sicherheit wunderbaren Reise.
      Ich steh nur gerade ein bischen auf dem Schlauch: Kann mir mal jemand den Titel des Beitrages erklären? Den zweiten Teil habe ich ja noch verstanden, aber den ersten HÄÄÄÄ?????
      Oder kommt die Auflösung noch? Oder hab ich hier was verpasst?
      LG Marion
    • Jobo - 1.Seereisetag 11.September

      Die Nacht war deutlich besser als die vorherige, was aber zu einem großen Teil daran lag, dass ich mit der Benutzung von Gehörschutz nachgeholfen habe, die Ventilatorgeräusche waren genauso laut wie zuvor. Ich hätte den Gehörschutz auch schon einen Tag zuvor benutzen können, aber das birgt dann die Gefahr, dass man auch den Wecker morgens nicht hört.
      Nach den bekannten Wasserspielen in der Nasszelle, treffe ich sogar noch vor Renate im Frühstücksraum ein, die allerdings nur wenig später erscheint, da hat wohl zuvor einer dieser Glimmstengel noch sein Leben ausgehaucht.
      Ein Blick aus dem Fenster zeigt ein etwas durchwachsenes Wetter, dichte aber hohe Bewölkung. Da es auch nur leicht nieselt, steht dem geplanten Besuch des Ulriken nichts entgegen. So machen wir uns nach dem Frühstück auf in Richtung Torget, hier soll der Bus zum Ulriken abfahren. Es handelt sich dabei um einen dieser roten Doppeldeckerbusse, mit der langen Motorhaube, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob die alt sind oder nur darauf getrimmt wurden, ich vermute letzteres.

      Der Bus trifft auch gegen neun Uhr ein und fährt uns, für 245 NOK pro Person zur Talstation der Ulriken-Seilbahn, die in diesem Preis mit enthalten ist. Die Fahrt dauert etwa 15 Minuten, dann stehen wir vor dem Gebäude der Talstation, hier wartet schon die Gondel auf uns.

      Außer uns traut sich zu dieser frühen Zeit und bei dem, nicht ganz so schönen, Wetter noch niemand hier hoch, somit hat der Gondelführer nur zwei Fahrgäste. Auf der Fahrt nach oben merkt man schnell wie der Wind immer mehr zunimmt. Die Gondel schwankt heftig hin und her und beim Passieren der Seilstützpfeiler schlägt die Gondel sogar einmal leicht an. Renate scheint deswegen etwas besorgt zu sein, aber meine offen zur Schau gestellt Gelassenheit beruhigt sie dann doch wieder.

      Als wir schließlich oben aussteigen, bläst uns ein starker Wind entgegen. Doch die fantastische Aussicht, wenn auch etwas getrübt durch das Wetter, entschädigt für die Bedingungen. Bei diesem Wind ruhig am Rand der Plattform zu stehen um zu fotografieren, fällt aber doch schwer, zumindest eine ruhige Hand dabei zu behalten ist nicht ganz einfach.

      Nach dem wir einige Zeit im Wind gestanden und das Panorama genossen haben, möchten wir uns gerne etwas aufwärmen. Das große Restaurant neben der Plattform bietet sich dazu geradezu an. Wir setzen uns an eines der großen Panoramafenster und gönnen uns einen Kaffee.

      Ich möchte aber gerne noch einige Bilder machen und versuche auf der Plattform einen kleinen Bilderschwenk. Der Ulriken bietet natürlich, aufgrund seiner Lage und seiner Höhe (643 m), eine wesentlich weitere Aussicht als der Floyen . Als ich dann ein Bild vom Hafen mache, sehe ich einen großen Dreimaster auf den Hafen zulaufen, das kann nur die STATSRAAD LEHMKUHL sein.

      Schnell hat sie an ihrem angestammten Liegeplatz angelegt. Mittlerweile ist dort unten das ganze Kai der Bryggen-Seite mit alten Schiffen belegt. Schnell noch einige Detailaufnahmen, dann gehe ich wieder ins Restaurant zu Renate, um meinen Kaffee wenigstens noch einigermaßen warm zu trinken.

      Zwischenzeitlich hat es immer wieder mal etwas genieselt draußen, doch nun ist es wieder trocken, deshalb trinken wir unseren Kaffee aus und schauen uns noch die nähere Umgebung an. Hinter dem Ulriken zieht sich die steinige Hügellandschaft noch weit hinaus. Der hohe Sendemast auf dem Ulriken ist komplett besetzt mit Antennen und Sattelitenschüsseln.

      Der Wind hat nun auch merklich nachgelassen, der Dunst über Bergen verändert sich nach wie vor ständig. Die Momente, in denen man einigermaßen dunstfrei fotografieren kann, sind sehr begrenzt, trozdem hat sich der Ausflug auf den Ulriken in jedem Fall gelohnt. Was wären das für schöne Bilder geworden, wäre das Wetter ähnlich wie an meinem Ankunftstag gewesen.

      Wir sind jetzt wohl schon über eine Stunde hier oben, werfen nun einen letzten Blick hinunter, bevor wir wieder, an dem obligatorischen Souvenierladen vorbei, zur Abfahrtstelle der Gondel gehen. Im Moment ist gerade keine Gondel hier und wir müssen etwas warten, bis die nächste Gondel eintrifft, die tatsächlich zwei weitere Besucher mitbringt. Auf der Talfahrt, die deutlich ruhiger verläuft als die Bergfahrt zuvor, sind wir dann wieder alleine mit dem Gondelführer.

      Bei der Talstation angekommen, gehen wir gleich nach draußen, um zu sehen, wann der nächste Bus fährt. Wir finden zwar die Bushaltestelle, aber einen Fahrplan suchen wir vergebens, also bleibt nur warten, bis wir den Bus sehen. Ich nutze die Wartezeit, mich in dem Gebäude der Talstation ein wenig umzusehen. Hier kann man sehr schön die großen Rollen sehen, über die die Tragseile der Bahn laufen.

      Ab und zu tröpfelt es etwas von oben, Renate verzieht sich in die Wartehalle der Talstation, ich bleibe draußen um die Ankunft des Busses zu erwarten. Nach etwa einer halben Stunde trifft er schließlich ein, es ist kurz nach 11 Uhr, und wir fahren wieder zurück zum Torget.

      Hier angekommen begeben wir uns sofort auf den Weg nach Bryggen , hier ist richtig was los. Nicht nur, das das Kai über und über mit alten Schiffen belegt ist, vor den alten Hansehäusern in Bryggen sind unzählige Stände aufgebaut und eine riesige Traube von Menschen wandert hier umher.

      In Bergen findet vom 9. bis 11.September das Matfest, ein Nahrungsmittelfestival statt, in das wir nun hineingeraten. Zuerst schlendern wir aber an der Promenade der alten Dampf- und Motorschiffe entlang, einige habe ich ja schon in den letzten Tagen gesehen, aber es sind auch neue dabei. Hier und da werden den Besuchern auch Häppchen von den Schiffen heruntergereicht.

      Nur vereinzelt fallen jetzt noch ein Paar Tropfen von oben auf uns herab, die meiste Zeit kann man sich die Kapuzen sparen. Dadurch ist es doch recht angenehm hier am Kai entlang zu bummeln, zumal hier unten natürlich kein Wind fegt. Auch hat es den Vorteil, dass wir es nachher nicht allzu weit haben, bis wir im Hotel unsere Koffer, die wir heute morgen in dem abgeschlossenen Raum neben der Rezeption abgestellt haben, zu holen.

      Ganz vorne in der Reihe der historischen Schiffe liegt die STORD 1 an der Stelle, an der 2009 noch die BRUVIK lag, die ich diesmal aber nirgendwo ausmachen kann. Unser Spaziergang führt ein kurzes Stück an der Straße entlang, gerade steigen hier einige Leute aus einem Bus aus und es wird etwas eng auf dem Bürgersteig.

      Dann ereichen wir den Liegeplatz der STATSRAAD LEHMKUL, deren Klüverbaum sich vor uns majestätissch in den grauen Himmel reckt. Wie schon 2009, so macht die Dreimastbark auch jetzt einen sehr gepflegten Eindruck, ein sicheres Indiz dafür, das ihre Mannschaft liebevoll mit ihr umgeht.

      Wo man auch hinschaut, überall glänzt und stahlt dieses schöne Schiff, wie toll wäre es, mit einem solchen prachtvollen Schiff mal eine Reise zu machen. Der Anblick solch schöner alter Windjammer begeistert mich immer wieder aufs Neue, sie haben nichts an ihrer Faszination in all den Jahren verloren.

      Hinter der STATSRAAD LEHMKUHL, liegt, etwas unbeobachtet von den meisten Besuchern, die LOYAL, eine 25,5 m lange, als Galease getakelte Ketsch aus dem Jahr 1877. Im Sommer kann man mit der kleinen Ketsch Touren entlang der norwegischen Küste machen, oder Touren zu den Shetlands und den Orkney-Inseln. Gerade als ein schöner Fischkutter einläuft, wenden wir uns der anderen Straßenseite und damit den ersten Ständen zu.

      Gleich vorne stehen nebem einem Stand mehrere Ackergeräte und zwei schön restaurierte Traktoren der Marke Allgaier, einem schwäbischen Traditions-Unternehmen, das von 1946 bis 1955 Traktoren produzierte, bevor man diese Sparte an Porsche abgab.

      Wir schlendern nun zwischen den Häusern und den Ständen, an denen reges Treiben herrscht, hindurch, da wir entschlossen haben, uns bei Zachen bei einem leckeren Bier etwas auszuruhen. Als wir nach den Ständen die Straße überqueren wollen, fällt mir ein großes Plakat auf, das auf den Hurtigruten-Tag morgen hinweist, davon werden wir allerdings nichts mehr mitbekommen.

      Wir setzen uns also bei Zachen in den Freiluftbereich, der von vereinzelten Heizstrahlern so aufgewärmt wird, dass ich meine Jacke ausziehen muss, da es sonst zu warm ist. Hier beschließen wir nun bei Egons uns dem Pizza-Buffet zu widmen, schließlich muss der Mensch von irgendwas leben.
      Nach dem üppigen Mahl holen wir unsere Koffer aus dem Hotel, nicht ohne uns von dem Mann an der Rezeption ein Taxi ordern zu lassen.

      Wir gehen also vor bis zur Straße und das Taxi kommt auch schon bald angefahren. Schon stürmt ein weiteres Paar auf das Taxi zu, aber doch nicht mit Jobo, zwei Minuten später sitzen WIR in dem Taxi und fahren zum Hurtigruten-Terminal. Hier werden wir auch gleich unser Gepäck los, erhalten unsere Kabinennummern und erfahren, das nordgehend 186 Passagiere an Bord sind. Anschließend fahren wir mit der Rolltreppe in die obere Etage, hier befindet sich der Wartebereich, der auch schon von einigen Reisenden genutzt wird.

      Auf dem breiten Balkon vor der Wartehalle stehen wir zum Glück trocken, da nun doch stärkerer Regen einsetzt, Bergen will uns anscheinend mit dem üblichen Wetter verabschieden. Es dauert nicht lange, dann sehen wir die MS VESTERÅLEN , die langsam hinter der Halbinsel auftaucht und sich schnell dem Terminal nähert.

      Hier dreht sie sich, und schiebt sich dann, mit dem Heck voraus ans Terminal. Ausgerechnet mit dem Heck, dem sicherlich hässlichsten Teil des ungeliebten Schiffes. Was haben wir nicht in der Vergangenheit über dieses Schiff gelästert, über seine Hässlichkeit, über den schwimmenden Legostein und was nicht noch alles für Begriffe gefallen sind, und nun, nun stehen wir kurz davor mit diesem Schiff die komplette Rundreise zu machen.

      Wie kam es eigentlich dazu, dass ich damals ausgerechnet dieses Schiff ausgewählt habe? Ich wollte unbedingt mal eine Tour im Sommerfahrplan machen, schon um auch mal in den Geiranger zu kommen, der im Winterfahrplan ja nicht angefahren wird. Auch wollte ich endlich einmal in den Trollfjord , das hat bei den bisherigen Winterfahrten noch nie geklappt. Da kam das Sommerspecial gerade recht, hier waren die günstigsten Fahrten kurz vor Inkrafttreten des Winterfahrplanes, nur mit welchem Schiff? Ich habe mich dann für die VESTERÅLEN entschieden, da ich davon ausging, dass wenn es ein Schiff gibt, das nicht ausgebucht ist, dann sicher die VESTERÅLEN.

      Aus dem Schiff steigen jetzt die Passagiere aus, ich bin erstaunt wie viele es sind. Um 15 Uhr ist offziell Checkin, der allerdings eigentlich bereits unten läuft, und um 16 Uhr das Boarding. Es ist auch kurz vor 16 Uhr soweit, wir dürfen aufs Schiff, die Kabinen sind allerdings erst ab 18 Uhr bereit. Wir verstauen unsere Taschen in einem Schließfach unweit der Rezeption, dabei kann ich bereits einen Blick in die Kabinen hier auf Deck 3 werfen, die sehen wirklich gut aus, allerdings ist die Steuerbordseite, wo sich meine Kabine 338 befindet, noch abgesperrt.

      Also machen wir erstmal einen kleinen Rundgang durch das Schiff. Ich muss zugeben, der erste Eindruck, den das Schiff innen und auf den Decks bei mir hinterlässt ist mehr als gut. Das Schiff wirkt sehr gemütlich und gerade das etwas verbaute und verwinkelte Außendeck hat absolut seinen Reiz. Sogar für die Raucher dürfte dieses Schiff ideal sein, hat es doch, als einziges der ganzen Flotte, neben der Cafeteria sogar einen großen Raucherraum. Nun kaufen wir uns zuerst mal das Kaffepaket in der Cafeteria. Wir gehen auch kurz an Renates Kabine vorbei, sie hat eine Kabine der P-Kategorie bekommen, die 522, diese liegt in dem achternen Anbau des Schiffes.

      Um 18 Uhr schließlich begebe ich mich zu meiner Kabine, der Koffer steht schon vor der Tür. Als ich dann die Tür öffne, ist meine gute Laune schlagartig dahin. Das ist keine Kabine, das ist ein dunkles Loch. Nur ein kleines Bullauge, keine Sitzgelegenheit, nur ein Bett, bei dem die Rückenlehne, dieses Bett kann man zum Sofa hochklappen, halb über dem Bett hängt, da die Scharniere ausgeleiert sind. Dazu ein kleines Bad, ohne wirkliche Abtrennung zwische Dusche und WC/Waschbecken, also ständige Überschwemmung nach dem Duschen.
      Erst jetzt wird mir bewußt, die haben mir eine A-Kabine angedreht, allerdings waren die A-Kabinen der LOFOTEN wahre Luxussuiten gegen das, in dem ich jetzt stehe. Der Schock sitzt erstmal so tief, dass ich mich aufs Bett setzen muss um durchzuatmen, eine Bett, das auch noch eine ziemlich ausgeleierte Matraze hat, wie ich jetzt bemerke.
      Nach kurzem Abwägen der Situation steht für mich fest, hier bleibe ich nicht 11 Tage lang, also zurück zur Rezeption. Ich trage hier mein Anliegen vor und weigere mich, diese Kabine zu behalten, zumal ich auch nicht einsehe, das zwei Personen, die das gleiche Paket gebucht, den gleichen Preis bezahlt haben, Kabinen bekommen, zwischen denen gleich drei Kategorien liegen.

      Die junge Dame an der Rezeption kommt nun etwas ins Schwitzen. Sie könne mir zwar nordgehend eine andere Kabine geben, ich müsse dann aber in Kirkenes wieder in die 338 zurückziehen, da das Schiff ab Kirkenes ausgebucht ist, der nächste Schock. Doch ich bleibe standhaft und weigere mich weiterhin in dem Loch zu wohnen. Irgendwie versteht die junge Dame meinen Hinweis mit den extrem unterschiedlichen Kabinen auch nicht so richtig. Sie wälzt nun verzweifelt Liste um Liste und nach gut 15 Minuten kommt sie schließlich mit der Karte zu einer anderen Kabine, 503, die ich mir doch mal anschauen soll. Also gehe ich nach hinten zu dem Anbau und schaue mir diese Kabine an. Die Kabine ist eine J-Kabine, also mit eingeschränkter Sicht. Das kleine Fenster führt in Fahrtrichtung heraus, und ich kann dadurch sowohl rechts wie links, über die große flache Ladelucke hinweg, bis aufs Wasser sehen, damit kann ich leben. Ansonsten ist die Kabine recht schön, ein Bett, gegenüber noch ein Sofa und eine schöne Nasszelle, ausreichend Stauraum und Steckdosen .

      Ich begebe mich also wieder nach unten zur Rezeption, hier ist jetzt Hochbetrieb, eine italienische Reisegruppe ist gerade angekommen, um der jungen Frau mitzuteilen, dass ich diese Kabine nehmen werde. Nun will sie von mir aber einen Aufschlag bezahlt haben, da dies eine andere Kategorie sei, als die die ich gebucht hätte. Ich versuche ihr erneut zu erklären, dass ich gar keine Kategorie, sondern ein Special mit garantierter Außenkabine gebucht habe, aber sie scheint es nicht zu begreifen. Ich möge doch später noch einmal wiederkommen, wenn es hier ruhiger ist.
      Ich bringe meinen Koffer auf jeden Fall schon mal in die neue Kabine, mit dem Auspacken warte ich aber noch, da die Sache ja noch etwas unsicher ist. Anschließend, es ist auch fast schon Zeit zum Abendessen um 18:30 Uhr, gehe ich zu Renates Kabine, klopfe vorsichtig an, und erkläre der verdutzen Renate die fatale Situation. Ich zeige ihr danach sowohl die Kabine 503, wie auch die 338. Auch sie ist total geschockt über diese unzumutbare Kabine.
      Auf dem Weg zum Restaurant sehe ich die Reiseleiterin, Anna-Kristin Tvedt, an ihrem Desk, und spreche sie auf meine Situation an, schließlich ist sie die einzige der Crew, die ausreichend deutsch versteht. Sie verweist darauf, dass dies Sache des Hotelmanagers sei und sie nur für die Tagesausflüge zuständig. Ich erkläre ihr trotzdem unsere Art der Buchung und bitte sie doch das Missverständnis bei den Kategorien der jungen Dame klar zu machen. Im Verlauf dieser Unterhaltung kommt auch die Sprache auf vorherige Reisen und somit auch den Reiseleiter Egbert, den ich auf der LOFOTEN hatte. Sie ist einigermaßen erstaunt, das Egbert mal auf der LOFOTEN war, da Egbert und sie sich auf der VESTERÅLEN abwechseln als Reiseleiter.
      Wir gehen nun erstmal zum Dinner, wie immer am ersten Abend ein Buffet, um später den Hotelmanager aufzusuchen. Nach dem guten Essen marschieren wir in Richtung Rezeption, um dahinter unsere Taschen aus dem Schließfach zu holen, hier sind gerade die junge Frau und die Reiseleiterin in ein Gespräch vertieft. Als mich die Reiseleiterin sieht, erfreut sie mich gleich mit der guten Nachricht, dass ich die 503 behalten kann und natürlich keinen Aufpreis zahlen muss, also doch noch ein guter Abschluss. Ich bedanke mich bei ihr für ihre Hilfe und gebe die Karte für die 338 direkt an der Rezeption ab, schade, die Kabine hätte ich gerne noch für alle Fälle fotografiert. Danach verabrede ich mich mit Renate für später und gehe in meine neue Kabine, endlich den Koffer auspacken.

      Wir treffen uns kurz vor der Abfahrt in der Cafeteria, Renate bucht schnell noch bei der Reiseleiterin die Trollstigentour, und sind pünktlich zur Abfahrt auf den Decks vor und über meiner Kabine. Langsam schiebt sich die VESTERÅLEN vom Kai weg und beschleunigt anschließend den Puddefjord heraus. Voraus taucht auch schon bald die Askoybrücke auf, die wir als erste einer langen Reihe von Brücken auf dieser Fahrt durchfahren werden.

      Nur wenig hinter der Brücke schwenken wir nach Steuerbord, um eine steinige Landzunge herum. Dahinter ist schon von weitem die hell erleuchte Bohrplattform zu sehen, die scheinbar gerade hier gebaut wird. Der Regen setzt nun wieder stärker ein, auch wird es langsam zu dunkel um noch viel zu sehen, also setzen wir uns noch etwas in die Cafeteria, ich auf ein Bier, Renate auf ein süsses ungesundes Getränk.

      Gegen 22:30 Uhr beenden wir schließlich den Abend und begeben uns, nach einem letzten Blick in die Dunkelheit, in unsere Kabinen. Schnell noch einige Notizen gemacht, schlafe ich schließlich gegen 23:15 Uhr ein.



      ----------- Fortsetzung folgt ----------





      Renate - 11.9.2010 - Abfahrtstag



      Nachts fing es an zu schütten. .
      Um 7.00 Uhr trafen wir uns zum Frühstück ( Jobo Frühaufsteher ? )
      Auch er hatte die "äußeren" Umstände natürlich zur Kenntnis genommen,beschloss
      aber für den geplanten Ulrikenausflug das Wetter erst mal schönzureden. Alle 3 Minuten
      änderte er dann seine Prognose, immer mit dem Ergebnis, in jedem Fall auf diesen Berg
      zu gondeln. Es blieb bei dem Mistwetter...
      So haben wir um 9.00 Uhr die Fahrt dorthin angetreten. Zunächst stiegen wir in diesen
      roten Doppeldeckerbus - erste Reihe Oberdeck - wie echte Touris eben. Platz hatten wir
      auch sonst - wir waren nämlich die einzigen Fahrgäste, komisch...
      Auch in der Gondel waren wir mit dem Gondeliere alleine - wo es doch auf dem Ulriken so
      schön sein soll. Zunächst wurde es auf dem letzten Stück vor der Bergstation schon recht
      windig, was dieses "Fahrzeug" heftig ins Schlingern brachte. Oben änderte es sich dann in
      nassstürmisch und saukalt. Die Aussicht war eigentlich recht gut. Man sah entweder das
      ganze Fjordland oder nix.
      Auch dort oben waren wir die einzigen Menschen. Nur in der zum Glück offenen Cafeteria
      mit der flotten Oldiemusik trafen wir noch den Kellner. Ob der uns für schwachsinnig hielt
      oder sich über Gäste freute, war mir nicht ganz klar. Egal, Spaß hatten wir trotzdem.
      Nach 1 1/2 Stunden - immerhin - traten wir den Rückweg an. 3 oder 4 weitere Verrückte hatten
      sich inzwischen auch hierauf verirrt , Na denn viel Spaß
      :wacko1:
      Unten mussten wir fast eine halbe Stunde auf den Bus warten - bei Regen. Im kleinen Eingangs-
      gebäude konnte man sich wenigstens etwas unterstellen.
      Zurück in der Stadt spazierten wir erst mal an den vielen Dampfschiffen entlang. Manchmal
      hörte der Regen sogar fast auf, dann schüttete es wieder. Zurück liefen wir dann an den
      Bryggenhäusern entlang. Dort tobte das Leben. Es waren viele Zelte und Stände aufgebaut -
      Matfestivalen an diesem Wochenende in Bergen . Wir gönnten uns eine Pause bei Zachen und
      gingen dann zum Pizzaessen zu Egon.
      Danach fuhren wir endlich zum Terminal. Um 14.30 Uhr kam unser Zuhause für die nächsten
      11 Tage an. Die Vesteraalen schob ihr dreieckiges Hinterteil langsam den Kai entlang.
      Also nee, schön ist es wirklich nicht, muss man zum Glück ja nicht ständig sehen.
      Da waren wir uns tatsächlich einig .
      16,00 Uhr boarding. Ich bekam Kabine 522 im hinteren Kastenaufsatz, Deck E. Jobo auf Deck C.
      Dort standen bei unserem ersten Rundgang einige Kabinentüren offen. Das Innere gefiel mir
      sehr gut, auch die Flure sahen sehr schön aus. Zunächst kamen wir auf die Idee, ob ich vielleicht
      versuchen sollte zu tauschen. Würde schwierig sein, meinte die Rezeptionsfrau, ab Kirkenes sei
      das Schiff voll, 150 neue Passagiere. Na gut, ich hab's dann auch gelassen. Wir gaben uns weiter
      der Erkundung hin. Ziemlich verwirrend...Ich brauche dringend einen Decksplan, sonst finde ich
      mich hier nie zurecht.
      Neben der Cafeteria gab es sogar einen gemütlichen Raucherraum mit sehr guter Belüftung...
      Noch größerer Luxus, als die beheizten Raucherecken auf der Nordlys.Auch sonst machten die
      Salons einen sehr gemütlichen Eindruck. Nach der üblichen Kreditkartenaktion hatte ich mir
      gleich den Kaffeepott zugelegt und - Jobo auch..wo er doch angeblich nur Espresso trinkt, weil
      der Kaffee zu dünn sei - merkwürdig .
      Um 18 Uhr wurden die Kabinen freigegeben, und ich begann sofort mit dem Einräumen. Die P-Kabinen
      auf dem E-Deck sind sehr schön, grau-weiß mit teilweise blauen Möbelelementen und blauem Teppich.
      Jedenfalls wirkte es recht harmonisch und war sehr gepflegt.Dann plötzlich die Katastrophe:
      Jobo hämmerte aufgebracht und wütend gegen meine Kabinentür - ich solle sofort mitkommen...
      Was passiert war, erzählt er sicher selbst
      :good3: . Außerdem war ich friedlich gestimmt, hatte ja Urlaub. :imsohappy:
      Um 20 Uhr fuhren wir ab - im Regen. Zum Essen gingen wir aufgrund der vorherigen Aufregung etwas später,
      das Restaurant proppevoll. Nach einem Zwischenaufenthalt in der Cafeteria krabbelten wir noch auf dem
      Oberdeck herum und gingen um 22.30 schlafen. Inzwischen war es sogar trocken.

      Fortsetzung folgt

      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • Köstlich, einfach herrlich :dance4:

      ER (auf dem Ulriken):
      wenn auch etwas getrübt durch das Wetter,

      SIE (an der gleichen Stelle)
      Oben änderte es sich dann in nassstürmisch und saukalt.

      ER ( Bryggen )
      Nur vereinzelt fallen jetzt noch ein Paar Tropfen von oben auf uns herab, die meiste Zeit kann man sich die Kapuzen sparen.

      SIE (an der gleichen Stelle):
      Manchmal hörte der Regen sogar fast auf, dann schüttete es wieder.


      :dance3: :dance3: :dance3:
      Gruss - Arctica

      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~
      Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~ Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil!
    • ...oder Hamburger-Bayer (ja, Jobo - ich weiss, du bist nur zugezogener, sozusagen Bayer mit Migrationshintergrund...)
      Gruss - Arctica

      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~
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    • Jobo schrieb:

      Ich möchte aber gerne noch einige Bilder machen, und versuche auf der Plattform einen kleinen Bilderschwenk. Der Ulriken bietet natürlich, aufgrund seiner Lage und seiner Höhe (643 m), eine wesentlich weitere Aussicht als der Fløyen .

      schön, aber schade, dass sich nur die zwei Bilder rechts ausreichend überlappen um daraus ein Panorama zu stitchen.
      Bei den zwei rechtsaußen ist es kein Problem.
    • Ja, ich hatte auch nicht direkt an ein Panoramabild gedacht, dafür habe ich da zu wenig Erfahrung mit. Ich denke, dann müßte man sowas auch mindestens mit einem Stativ machen, ich glaube, da gibts dann auch noch Spezialhalterungen für Panoramaaufnahmen. 8|
      Ich denke, da kennst du dich besser mit aus. :thumbup:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
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