.... und dann wurde es Grönland im Februar (21.02 - 26.02.2018)!

    • 2018
    • .... und dann wurde es Grönland im Februar (21.02 - 26.02.2018)!






      Wie alles begann:


      Meine Tochter hat das Studium beendet, ich bin in Ruhestand gegangen. Was bietet sich da an? Eine gemeinsame Reise!!
      Wir beide hatten schon lange den Wunsch, einmal im Leben Nordlichter zu sehen. Planungen zu einem Urlaub in einem Hotel mit nächtlichen Ausflügen haben wir schnell verworfen. Eine Reise mit Hurtigruten sollte es sein. Im Oktober 2016 waren wir dann mit der MSVesteralen unterwegs. Eine Traumreise mit 5 Nordlichtnächten. Unsere Reise hat uns so beeindruckt, dass gleich klar war, das muss wiederholt werden. Meine Tochter wollte gerne das Ganze noch mal mit Schnee, ich träume eigentlich von der Polarnacht. Aber wenn Mama die Wahl hat......

      Immer heißt es, im Winter sind die Schiffe nur halb ausgebucht. Also glaubten wir, in den Weihnachtsferien in Ruhe eine Reise aussuchen zu können, wir waren nicht auf einen Tag oder ein Schiff festgelegt, da würde das schon klappen. Dachten wir.... Manche Schiffe waren ausgebucht. Die freien Kabinen, die es in den letzten beiden Februarwochen noch gab, überstiegen unser Gesamtbudget. Wir waren etwas geknickt.

      Nun hat man Weihnachten viel Zeit, man spielt auf dem Tablet rum, findet plötzlich eine Reise nach Grönland. Grönland geht ja wohl nicht. Oder doch? Der Gedanke setzt sich fest. Wer war schon mal in Grönland? Abenteuer!?!? 5 Tage sind ja nicht so lang, man ist schnell wieder zurück, falls es nichts ist. Polarlichter?!?! Das Hotel hat Etagenduschen und Gemeinschaftsküche. Egal. Gedacht, gebucht. Aber wo war mein Verstand beim Unterschreiben? In der Reisebeschreibung stand doch was von 5,5 Stunden Flug.



      Ich könnte ja eventuell auch schwimmen ( genervter O-Ton „Mama, du machst dich lächerlich.“)Was soll es? Ich weiß ja, dass wir abstürzen.

      Trotzdem wird geplant und eingekauft. Reisepass beantragen - sicherheitshalber per Express. Sonnenbrille, Sonnencreme, Skiunterwäsche und Skihosen – im Moment sind es -34 Grad. Tütensuppen aus dem Bioladen. Ich bin Vegetarierin. Laut Auskunft des Reiseveranstalters isst man in Grönland viel Fleisch, gerne auch mal Wal oder Robbe. Man ist nicht wirklich auf Vegetarier eingestellt. Meine Tochter isst keinen Fisch und Wal und Robbe eher auch nicht. Und ich habe das in Polen und dem Baltikum erlebt, auch da sind die Essgewohnheiten anders, es gibt Fisch und Grillwürstchen schon zum Frühstück. Mein vegetarisches Abendessen bekam ich immer mitleidig lächelnd vorgesetzt. Und auch auf der Vesteralen waren wir Exoten, das Menue war ausgezeichnet, was es war, wurde uns vom Personal aber immer zugeflüstert, als wäre das was Unanständiges. Egal, man muss sich anpassen, das heißt für uns Schokolade, Kekse und Tütensuppen...

      Tag 1


      In aller Frühe zum Bahnhof, der Zug nach Frankfurt ist pünktlich. Mutter und Tochter treffen sich am Flughafen. Wir checken ein, es geht erst mal nach Kopenhagen. Die Zeit zwischen Frankfurt und Kopenhagen blende ich dank der biologischen Pharmaindustrie aus: Die sechsfache Dosis der Baldriantabletten wirkt.. Unser Hotel liegt am Flughafen. Wir haben einen halben Tag in Kopenhagen und machen einen kurzen Ausflug nach Nyhavn, einem Szeneviertel am Hafen. Wunderschön!




      Tag 2

      Der Hotelshuttle bringt und zum Flughafen.

      Der Flug ist angenehm und ruhig, wir sehen Schweden und überfliegen Südnorwegen. Island liegt leider unter einer Wolkendecke.Über Grönland lockern die Wolken auf und wir erkennen unter uns das Inlandeis.






      Der Anflug auf Kangerlussuaq ist nicht schön. Wir sehen den Flughafen und den zugefrorenen Fjord.




      Dann fliegt der Pilot eine gefühlt zu enge Kurve und wir gehen tiefer. Rechts und links die schneebedeckten Berge. Gut, dass ich zu diesem Zeitpunkt die Info unseres örtlichen Reiseleiters noch nicht kenne: Der Flughafen kann nur auf Sicht angeflogen werden. Die Piloten benötigen, um hier landen zu dürfen, eine Spezialeinweisung, weil die Landebahn einen Neigungswinkel von 5 Grad hat.

      Entgegen meiner Vorhersage sind wir aber sicher angekommen.

      Wir sind die Gangway noch nicht ganz unten, da hat die Kälte schon meine Jeans durchdrungen. Die kalte und trockene Luft lässt uns husten. Aber wir sind schnell im Flughafengebäude und holen unser Gepäck vom Band. Die Treppe zum Erdgeschoss müssen wir die Koffer aber tragen. Zum Glück habe ich nur 16 Kilo, dass war dann zu schaffen.

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    • Zur Polar Lodge - unserem Hotel- sind es über einen Fußweg nur 100 m, die wir gut zu Fuß gehen können, das Gepäck wird aber gefahren.





      Nach der Zimmerbelegung haben wir eine Einführungsveranstaltung; Die für uns wichtigste Info: Es sind - 28 Grad, was fresh ist, nicht cold, das ist es erst ab - 40 Grad! Dann gibt es eine Fahrt durch den Ort und zum Hafen, der etwa 10 km außerhalb liegt. Wir sehen nicht viel von der Gegend, da die Fenster des Busses von innen vereist sind.





      Kangerlussuaq ist ein alter Stationierungsort der amerikanischen Luftwaffe. Hier war Zwischenlandung der Maschinen während des Krieges, aber auch der Rosinenbomber während der Berliner Luftbrücke. Die Amerikaner gaben das Lager 1992, nach Ende des Kalten Krieges auf und verkauften das komplette Gelände mit alles Resten für 1 Dollar an Grönland. Heute leben hier ca. 500 Menschen, z.T. in den alten Baracken, die allerdings jetzt bunt gestrichen sind. Trotzdem sieht der Ort im
      sommerlichen Google Street view mehr als trostlos aus. Jetzt durch den Schnee wirkt alles etwas freundlicher. Der Ort hat einen Supermarkt , in dem es alles gibt,sogar frische Kräuter, Ananas und Melonen.





      Alles lebt vom Flughafen und dem Tourismus.





      Kangerlussuaq ist der einzige innergrönländische Ort, nur von hier kann man über die einzige Straße Grönlands zum Inlandeis gelangen. Die besondere Lage zwischen den Bergen lässt das Wetter ideal für Nordlichtliebhaber werden: 300 Tage klarer Himmel im Jahr.

      Jetzt ist es leider bewölkt, am zugefrorenen Hafen lugt kaltes Sonnenlicht durch die Wolken.



      Es herrscht eine gespenstische Atmosphäre: das gelbe Licht am Himmel, sonst alles weißgrau, außer uns keine Menschenseele, eingefrorene Schiffe, gebrochenes und wiedergefrorenes Eis...Für uns alles sehr ungewohnt.
    • komma20 schrieb:

      sieht der Ort im
      sommerlichen Google Street view mehr als trostlos aus.


      Da wir 2013 im Sommer in Kangerlussuaq gelandet sind, können wir das bestätigen. Es wurde danach eine überwiegend sonnige Kreuzfahrt mit viel saftigem Grün am Boden bei den Landgängen.
      Ich habe noch nie einen Bericht "normaler Sterblicher" über eine winterliche Grönlandreise =O gelesen und bin nun sehr gespannt auf die Bilder von Schnee und Eis und vermutlich auch Grün am Himmel.

      Viele Grüße
      Laminaria



      Reiseberichte in meinem Profil
    • Wir waren nach knapp zwei Stunden froh, wieder in der Lodge zu sein. Der Bus war ungeheizt, draußen war es kalt und wir noch nicht richtig angezogen. 2 Schichten reichten nicht.
      Um 18.00 Uhr wurden wir wieder mit dem Bus abgeholt. Es ging zum Essen in den Roklubben, das alte Ruderbootshaus der Amerikaner, schön an einem See gelegen. Das sahen wir allerdings nicht, es war ja schon dunkel.Wir hatten vegetarisches
      Essen bestellt. Das klappte auch, war aber viel zu wenig. Gemischtes Gemüse: Rotkohl, Mais, Sellerie und Rote Bete. Es schmeckte, aber davon konnte man nicht satt werden. Die anderen bekamen ein dickes Stück Fleisch, unser Gemüse ohne die Rote Bete und eine große Portion Kartoffelpüree. Das hatte uns gefehlt. Als wir wieder vor die Tür kamen, empfing uns ganz leichter Schneefall bei
      sternenklarem Himmel.
      Unsere Reisegruppe fand sich langsam: 28 verrückte Dänen, Deutsche, Amerikaner, Iren und Holländer zwischen Mitte 20 bis Mitte 70, alle waren wegen des Nordlichts gekommen. Also machten wir aus, wer zuerst etwas sieht, weckt die anderen. Wir stellten den Handywecker auf alle 2 Stunden. Das war aber nicht nötig. Vor Aufregung konnten wir nicht schlafen. Und gegen 1.00 war es soweit, wir haben einen hellen Streifen am Himmel gesehen. Vom Halbmond angestrahlte Wolken oder Nordlicht? Zum Glück gibt es den Kameratest. Ein Foto machen, ist es im Kameradisplay grün, dann ist es Nordlicht.Und es war grün!! In die Hosen, wieder nur 2 Schichten, aber egal, es musste ja schnell gehen. An die anderen Türen geklopft und raus in die Nacht.

      Meine Kamera machte keine Bilder, aber meine Tochter war perfekt vorbereitet mit Stativ, Objektiv, Blende und Belichtungszeit:







      Wir waren glücklich. Das Ziel unserer Reise war schon am ersten Abend erreicht. Nachdem die ersten Fotos getauscht waren, ging es immer noch etwas durchgefroren wieder ins Bett. An Schlafen war aber kaum zu denken. Obwohl der nötig war, denn am nächsten Morgen ging das Programm weiter.

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    • Am schwarzen Brett hatten wir am Vorabend schon gesehen, wie wir für die heute anstehende Hundeschlittenfahrt eingeteilt waren. Wir waren in der ersten Gruppe. Auf in den Morgen:


      Es waren – 26 Grad, laut Wetterapp gefühlt wie - 44 Grad, aber dass hält niemanden ab.

      Bei der Einführungsveranstaltung hatte man uns schon gesagt, dass wir keine wasserhaltigen Cremes benutzen sollten und dass die Füße das Wichtigste sind: Also 4 Schichten Hosen (Skiunterwäsche,Thermoleggins,Laufhose,Schneehose), 6 Schichten oben: Unterhemd, Seidenrolli, T-Shirt, Wollpullover, Fleecejacke und Jacke) , 2 Paar Wollsocken übereinander, mit Alu beschichtete Lammfellsohlen, Sturmhaube, Wollschal, 2 Mützen und 2 Paar Wollhandschuhe. Bei der Einkleidung mit Fellkleidung wurde uns aber direkt klar gemacht, dass das grenzwertig sei. Also mussten die Jacken an bleiben und die Felljacke kam darüber. Auch die Handschuhe reichten nicht aus. Wir mussten noch Fellhandschuhe überziehen und bekamen noch spezielle Canadian Boots.
      Ich habe an diesem Tag meien Fotoapparat vergessen, meine Tochter sollte ihre große Kamera auf Anraten des Reiseleiters nicht mitnehmen. Dank meiner lieben Mitreisenden habe ich aber trotzdem Bilder zur Erinnerung!!!!





      Ich hatte damit gerechnet, dass die Fahrt viel schneller sein würde, aber es ging in gemütlichem Tempo über den zugefrorenen Fjord. Der Fahrtwind war für Augen und Haut kein Problem. Es war absolut still, nur das Knirschen der Kufen, die Hunde und die Rufe des Schlittenführers waren zu hören.



      Trotzdem kroch die Kälte langsam durch alle Schichten, nach einiger Zeit hätte ich nichts gegen die Rückfahrt gehabt.



      Nach etwa anderthalb Stunden gab es eine Pause mit heißem Tee, dann ging es noch ein Stück weiter. Vor dem Hafen wurden wir dann abgesetzt, wir gingen über Eis und Schnee zum Bus, der die dritte Gruppe gebracht hat und uns zum Umziehen und dann in die Lodge zurück fuhr.

      Erstaunlich schnell waren wir wieder durch gewärmt. Jetzt gab es noch Tütensuppen und dann eine Runde Schlaf, schließlich mussten wir abends fit sein, die Nordlichttour stand für diesen Abend an. Der Himmel war schon sehr viel versprechend klar. Das Essen im Restaurant haben wir uns heute geschenkt, wir sind über den Trampelpfad zum Flughafen und haben da mit Wonne 1a Pommes mit Mayo gegessen.
    • @komma20
      Oh, was für eine tolle Reise ! Mutig, mutig !
      Konntet ihr euch überhaupt noch bewegen mit den vielen Kleidungsschichten ?
      Frieren, nicht genug oder das falsches Essen. . . was macht das schon, wenn man so etwas erleben kann! Dann ist anderes wichtig.
      Danke fürs Miterleben-Können, ohne selbst frieren zu müssen ! :flower:
      Ich freu mich schon auf die Fortsetzung.
      Liebe Grüße von Trollebo

      Reiseberichte in meinem Profil

    • Um 21.00 ging es dann raus, mittlerweile wussten wir, was wir anziehen mussten, auch die 20 Minuten Ankleidezeit waren mit eingeplant. Wir fuhren über die einzige Straße Grönlands in die Nacht. Als der Bus hielt, konnte man einen hellen Streifen am Himmel erkennen. In dem Moment, in dem wir ausgestiegen waren, schien es, als hätte jemand am Himmel das Licht angeknipst.

      Wir wussten nicht,wo wir zuerst hingucken sollten.Streifen, Bögen, die sich ganz langsam, an anderer Stelle aber schnell bewegten, in grün, weiß und rosa. Ich hatte schon mal die Formulierung gelesen: Das Nordlicht tanzte über den Himmel. Jetzt weiß ich, wie das aussieht. Alle unsere Fotos aus Norwegen und von der ersten Nacht hier zeigen das Nordlicht grüner, als es in Wirklichkeit war. Diese Fotos geben die Wirklichkeit der Nacht aber nicht richtig wieder. Es war unbeschreiblich.






      Nach 20 Minuten war alles vorbei, wir fuhren voller Eindrücke ins Museum, wo es Pharisäer auf grönlandisch und eine Videoinformation zu Nordlichtern gab. Thematisch hätte das eigentlich an den Anfang gemusst. Aber nicht auszudenken, wenn dem so gewesen wäre. Wir drinnen und draußen...... Ein Glück!!!!!!

      Über die Fotos fand sich unsere Gruppe immer mehr. Der meist gesagte Satz an diesem Abend auf englisch, deutsch, dänisch und holländisch: Schickst du mir bitte deine Fotos?

      Wir gingen glücklich und aufgeregt ins Bett und konnten nicht schlafen. Obwohl wir ausgeruht sein sollten: Am nächsten Tag stand der Russel-Gletscher auf dem Programm.