Ganz ohne Schiff durch den Iran - 7. bis 21. Oktober 2017

    • 2017
    • Tag 12: Isfahan – 18. Oktober 2017

      An diesem Morgen war es endlich soweit, dass wir ausgiebig Isfahans prächtigen Platz, den Meydan-e Imam anschauen sollten. Für mich persönlich war das nach Schiras der zweite große Höhepunkt der Reise.



      Der Platz ist 510 x 160 Meter groß und damit nach dem Tiananmen-Platz in Peking der zweitgrößte der Welt. Wegen der herrlichen Prachtbauten ist er ganz sicher auch einer der weltweit schönsten. Im Jahre 1598 verlegte Shah Abbas I., ein Herrscher aus der Dynastie der Safwawiden, seine Hauptstadt nach Isfahan. 1602 hat er den Platz anlegen lassen, auf dem Paraden und Versammlungen abgehalten werden konnten, und auch Polospiele fanden hier statt. Letztere sind eine persische Erfindung. Die Engländer, die man hauptsächlich mit diesem Sport in Verbindung bringt, haben ihn in Pakistan kennengelernt. Auf dem mittleren Bild der Collage sind zwei der marmornen Polo-Torsäulen zu sehen.

      Das linke Bild zeigt den Ali-Qapu-Torpalast, was Hohe Pforte bedeutet. Er wurde ab 1597 erbaut und bildet den Zugang zum dahinter liegende Palastbezirk. Von der großen Veranda aus konnte die Königsfamilie den gesamten Platz überblicken. Auf dem rechten Bild ist die Lotfullah-Moschee zu sehen, die auch Frauenmoschee genannt wird. Sie war durch einen unterirdischen Gang mit dem Palast verbunden und der Familie des Herrschers vorbehalten sowie den Damen des königlichen Gefolges.

      Wir standen zunächst am südlichen Rand des Platzes, wo sich die Imam- oder Jame Abassi-Moschee befindet, die von 1611 bis 1630 errichtet wurde. Sie war unser erstes Ziel. Wir gelangten durch den reich verzierten Eingangsiwan auf den Vier-Iwan-Moscheehof mit zentralem Reinigungsbecken. An dem prächtigsten Iwan, der zum Gebetsraum unter der großen Kuppel führte, befand sich leider ein Baugerüst. Alle Flächen außen und innen sind von quadratischen Fliesen mit Motiven in blau, türkis und gelb bedeckt. Ein unglaublicher Anblick!





      Gleich im Anschluss ging es weiter zur Frauenmoschee. Als Privatmoschee ist diese Anlage kleiner, aber nicht weniger prachtvoll. Eine Besonderheit sind hier die besonders fein gearbeiteten kalligraphischen Inschriftbänder. Auch viele florale Motive bestehen aus kleinen, unterschiedlich geformten Fliesenstücken. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus.



      Der Weg war danach nicht mehr weit zum gegenüberliegenden Palast.



      Nachdem wir den Haupeingang durchquert hatten, führte uns Mehdi zunächst in ein kleines Garten-Teehaus, in dem wir uns mit Granatapfelsaft erfrischen konnten. Nach dieser Pause stiegen wir zur Veranda empor, deren Dach auf 18 Säulen ruht. Leider wurde auch sie gerade durch ein Baugerüst verunstaltet. Das beeinträchtigte aber nicht den wunderbaren Ausblick.



      Bei beiden Moscheen fiel uns von hier oben aus auf, dass der Eingangsiwan im Verhältnis zum Kuppelbau abgewinkelt ist. Auf diese Weise sollte eine Ausrichtung der Gebetsnischen nach Mekka erreicht werden.

      Schließlich besichtigten wir auch die höher gelegenen Palasträume mit ihren reichen Wandmalereien. Am eindrucksvollsten sind die Zierwände im zentralen Audienzsaal des 5 Stockwerkes, der wegen seiner guten Akustik auch Musikzimmer genannt wird.



      Nachdem wir den Torpalast verlassen hatten, gingen wir durch eine dahinter gelegene Parkanlage zum Chehel-Sotun-Palast. Er wurde noch von Abbas I. in Auftrag gegeben und von Abbas II 1647 fertiggestellt. Dem Palast ist eine Terrasse mit 20 Säulen aus Zedernholz vorgelagert, die sich im Wasser des großen Beckens spiegeln. Daher spricht man auch vom „Vierzig-Säulen-Palast“. Durch einen mit Spiegelmosaiken geschmückten Iwan gelangt man in die Haupthalle, deren Wände über und über mit Fresken bedeckt sind. Sie zeigen verschiedene Herrscher in historischen Situationen. In diesem Raum wurden Würdenträger und Botschafter empfangen.



      Dieser Palast war der letzte Programmpunkt des Vormittags. Der Bus brachte uns zurück zum Hotel und wir hatten den Nachmittag zur freien Verfügung.


      Fortsetzung dieses Tages folgt.



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    • Tag 12: Isfahan – 18.10.2017 – Fortsetzung

      Nun war es uns auch endlich möglich, den wunderschönen Innenhof des Abbasi-Hotels zu genießen. In einer der schattigen Nischen haben wir Vier uns niedergelassen, völlig stillos Hamburger und kleine Pizzen bestellt und dazu Coca-Cola getrunken. Das durfte auch mal wieder sein.

      Die ursprüngliche Verwendung des Baues als Karawanserei ist dem Innenhof deutlich anzusehen. Der Garten ist sehr reizvoll angelegt und trotz der herbstlichen Jahreszeit blühten noch etliche Blumen. Die Orangenbäume und einige andere Ziergewächse trugen reichlich Früchte.



      Nach den Mußestunden am Nachmittag trafen wir uns mit Mehdi gegen Abend in der Halle, um noch einmal zu Fuß in die Innenstadt zu gehen. Zunächst wurden wir zu einem Safran-Geschäft geführt, wo uns etwas über die Herkunft dieses kostbaren Gewürzes erklärt wurde. Dabei bekamen wir Safran-Tee gereicht. Einige von uns haben kleine Portionen Safran bestellt, die sie dann auf dem Rückweg gut verpackt mitnehmen konnten.

      Den nächsten Halt machten wir bei einem Miniaturmaler. Im Basar, der an den Meydan angrenzt, konnten wir dann weiteren Kunsthandwerkern bei der Arbeit zusehen. Aus Metall kunstvoll gearbeitete Wandbilder und Teller treffen wohl weniger unseren Geschmack, sind aber im Lande sehr beliebt. Auch Behältnisse aus Keramik und Metall empfanden wir als überladen. Hübsch fand ich allerdings die kleinen, mit Miniaturmalereien bedeckten Kästchen aus Kamelknochen oder Holz. Wir sahen auch einem Stoffdrucker bei der Arbeit zu. Die vielen Fotos an den Wänden hinter ihm zeugten von zahlreichen Besuchen ausländischer Persönlichkeiten. Gerhard
      Schröder und auch Siegmar Gabriel waren dort gewesen. Die alte Technik des Stoffdruckens hatten wir schon in Indien schätzen gelernt. Hier schlage ich also zu und erwerbe eine blau gemusterte runde Tischdecke.



      Nach diesem ausgiebigen Streifzug führte uns Mehdi in ein ganz spezielles Teehaus. Im Zugang und im Inneren waren alle Flächen und Wände mit Krimskrams, Antiquitäten, Plunder – wie auch immer man das nennen mag – bedeckt. Generationen waren an der Anhäufung dieser Gegenstände beteiligt gewesen. Auch von den Decken hingen dicht an dicht diverse Lampen, schwarze Sufi-Schalen, Waffen und allerlei für uns Undefinierbares. Das Etablissement nennt sich „Ali Baba und die 40 Räuber“ und mag früher ein Gebrauchtwarenladen gewesen sein. Über eine Rampe kam man zuerst in einen Hinterhof und von dort dann in die eigentliche Gaststube. In dieser urigen Umgebung haben wir uns unglaublich wohl gefühlt.



      Schließlich wurde es dann Zeit für das Abendessen. Neben der Frauenmoschee tauchten wir in einen anderen Teil des Basars ein. Dieser Weg führte zu einem Hotel, in dessen Restaurant eine lange Tafel für uns gedeckt war und das traditionelles Essen anbot. Zumeist tranken wir abends alkoholfreies Bier in Dosen. In unserer Erinnerung gab es an jedem Ort eine andere Sorte. (Lizenz meist aus Deutschland oder Holland)



      Ein krönender Abschluss des Abends war dann noch einmal der Gang über den großen Platz auf dem Weg zu unserem Hotel.




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    • @Laminaria

      Laminaria schrieb:

      Wir sahen auch einem Stoffdrucker bei der Arbeit zu.


      Bei meinem Aufentalt damals im noch " Persien" genannten Land vor 41 Jahren habe ich bei einem Stoffdrucker drei Tischdecken gekauft: Eine für meine Freundin, eine für meine Eltern und eine für mich.
      Alle drei sind immer noch in Gebrauch und das Muster fast überhauptnicht ausgewaschen . Inzwischen ist die Decke meiner Eltern nach dem Tod meiner Mutter vor drei Jahren in meinem Haushalt gelandet. Die Tischdecken sind einige der schönsten Erinnerungstücke an diese Reise. Meine Freundin benutzt sie auch immer noch, wovon ich mich beim letzten Besuch im Sommer überzeugen konnte.

      Dir danke ich aber nun für die zauberhaften Fotos von Isfahan. Sind die Moscheen mit ihrem leuchtende Blau-Türkis nicht wunderschön?
      Auch deine Beschreibung der Begegnungen mit den Menschen des Landes berühren mich.
      Herzlichen Dank fürs Mitnehmen und deine Mühe mit diesem umfangreichen Bild-Bericht. :sdafuer: :sdanke: :x-whistling:
      Liebe Grüße von Trollebo

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    • Tag 13: Isfahan – 19. Oktober 2017

      Der Bus brachte uns morgens zu einer unterirdischen Straßenkreuzung mit Parkplatz. Ich fühlte mich etwas an Tromsø erinnert. Damit nicht genug: Als wir zum Tageslicht emporgestiegen waren, fiel unser Blick als Erstes tatsächlich auf einen sehr hohen Leuchtturm. Er hat in längst vergangener Zeit Wüstenschiffen den Weg gewiesen.



      Unser erster Programmpunkt war an diesem Tag die alte Freitagsmoschee aus der Seldschukenzeit, die am Rande eines großen Basargeländes liegt. Wir waren früh unterwegs und die Basaris öffneten gerade erst ihre Läden. Neben Tschadors und Festkleidern sahen wir auch viel warme Kleidung. Man stellte sich schon auf den Winter ein. Isfahan liegt 1575 Meter hoch, weshalb hier regelmäßig Schnee fällt. Lustig fand ich die Schaufensterpuppen mit nur halb modellierten Köpfen. Ohne Schädeldach haben sie sicher kein Kopftuch nötig. :D



      Baumeister vieler Jahrhunderte haben an dem ehrwürdigen Moscheekomplex gearbeitet. Es wurden hier sogar vorislamische Gebäudereste sowie Teile einfacher Pfeilerhallen aus dem 8. und 10. Jahrhundert gefunden. Die beiden jetzt noch genutzten großen Kuppelbauten an der Süd- und der Nordseite wurden 1087 und 1088 errichtet. Als im Jahre 1121 die Moschee durch Brandstiftung zerstört wurde, blieben die beiden Kuppelbauten erhalten. Der Wiederaufbau des dazwischen befindlichen Raumes erfolgte im Stil eines Vier-Iwan-Hofes nach Art sassanidischer Paläste.

      Der Haupteingang liegt inmitten einer Ladengasse. Wir kamen zunächst in eine seldschukische Säulenhalle mit vielen kleinen Kuppeln. Bemerkenswert sind die zahlreichen unterschiedlichen Lehmziegelmuster an Säulen und Gewölben.



      Durch den reich verzierten Süd-Iwan aus dem 15. Jahrhundert gelangten wir in den Innenhof. Hier lag der West-Iwan fotogen in der Sonne. Seine Stalaktitengewölbe und der Fliesenschmuck stammen aus dem frühen 18. Jahrhundert, die allgegenwärtigen Bildnisse der Ayatollahs Khomeini und Khamenei aus jüngerer Zeit. Letzterer kam gerade ein wenig aus dem Gleichgewicht. =O :D
      In vielen Nischen der Anlage sieht man zusammengerollte Teppiche, die erst am Freitag ausgebreitet werden, wenn die Gläubigen zum Gebet herbei kommen. An anderen Tagen sind die Steinböden unbedeckt, so dass alle Besucher ihre Schuhe anbehalten dürfen.



      Hinter dem West- und Nordiwan bewunderten wir weitere Kuppeln und Gewölbe, insbesondere aber auch das wunderschöne Stuck-Mihrab (Gebetsnische) aus dem Jahre 1310.



      Nach dem Besuch der Freitagsmoschee fuhren wir ins armenische Viertel. Hier gibt es 12 armenisch-apostolische Kirchen, deren bedeutendste die Vank-Kathedrale ist. Sie wurde 1663 unter Abbas II. fertig gestellt und weist sowohl persische als auch europäische Stilelemente auf. Der getrennt stehende Glockenturm erinnert an russisch-orthodoxe Kirchen.



      Geradezu berauschend wirkt die überreiche und sehr prachtvolle Ausmalung des Innenraumes mit biblischen Motiven. Das erinnerte uns stark an den tags zuvor besuchten Audienzpalast, was eigentlich nicht verwunderlich ist, denn die beiden Bauten stammen aus derselben Zeit.



      Mehdi äußerte, dass er hier wohl auf Erklärungen verzichten könne, da uns die Geschichten der Bibel ja bekannt seien. In Einigen von uns hatte er sich da aber getäuscht, wie ich beiläufig mit bekam.

      Auf dem ummauerten Grundstück steht außer der Kirche auch noch ein Museum, in dem die Geschichte der armenischen Christen im Iran dargestellt wird. Es gibt dort etliche frühe Bibeln in armenischer Schrift und andere sakrale Gegenstände. Einen breiten Raum nimmt auch die Dokumentation der Verfolgung durch die Türken während des Ersten Weltkrieges ein. Eine Landkarte zeigt Orte, aus denen Armenier vertrieben worden waren. Davor steht eine Ansammlung von Fahnen derjenigen Länder, die jene Ereignisse als Völkermord anerkannt haben. Draußen vor dem Museum erinnert auch ein Mahnmal an die Tragödie. Den Iranern ist sehr bewusst, was damals geschehen war, denn das Land hat viele der Flüchtlinge aufgenommen.



      Gegen Mittag absolvierten wir noch einmal einen Besuch in einem zoroastrischen Feuertempel und hatten hier auch Gelegenheit, einem Priester dieser Glaubensgemeinschaft Fragen zu stellen. „Gut denken, Gut reden, gut handeln“ sei deren einfache Maxime.



      Einen kleinen Aufenthalt hatten wir danach noch an einer weiteren historischen Brücke Isfahans. Die Si-o-se Pol oder 33-Bogen-Brücke ist 360 Meter lang und wurde 1602 fertig gestellt.



      Ursprünglich sollte sie nur 30 Bögen haben, aber da sie ins armenische Viertel führt, war diesen Christen zuliebe der Plan geändert worden. Den genauen Grund sollten wir erraten. Der Sieger bekäme von Mehdi einen Preis. Eine Theologin unter uns kam auf die Lösung: Jesus ist 33 Jahre alt geworden. Ihr wurde ein typisches Souvenir überreicht: Eine Nachbildung des in Babylon gefundenen Keilschrift-Zylinders des Kyros.

      Als wir über die Brücke gingen, war wohl gerade schulfrei. Im Schatten der vielen Nischen hatten sich Jungen und Mädchen getrennt in kleinen Grüppchen niedergelassen – kichernde Teenager wie wohl überall in der Welt. :) Auch ein Wahrsager saß hier und amüsierte seine Kunden sichtlich.



      Aber was sahen wir denn da am anderen Ufer des ausgetrockneten Flusses? Das war doch wirklich ein Bootsverleih! :lol:


      Nun ja, ungefähr drei Monate lang führt der Fluss ja Wasser. Wären wir in der Regenzeit dort gewesen, hätte ich den Titel meines Berichtes vielleicht ändern müssen.

      Immerhin gab es an diesem Vormittag zwei Objekte zu sehen, die wir auch bei einer Hurtigrutenreise erwarten würden: Einen Leuchtturm und Boote. :x-biggrin:


      Fortsetzung dieses Tages folgt.



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    • Tag 13: Isfahan – 19.10.2017

      Nachdem uns der Bus ins Hotel zurück gebracht hatte, blieb uns der Rest des Tages zur freien Gestaltung. Uns Vieren stand nicht mehr der Sinn nach weiten Wegen und so traf es sich gut, dass sich direkt neben dem Abbasi Hotel die Medresse Chahar Bagh befindet.
      Die theologische Hochschule wurde 1704-1714 unter dem letzten safawidischen Herrscher in gemeinsamem Baukomplex mit dem jetzigen Hotel errichtet. Letzteres war damals eine Karawanserei deren Einnahmen dem Unterhalt der Koranschüler dienen sollten.

      Die Kuppel mit ihren weißgelben Ranken auf türkisfarbenem Grund hatten wir schon mehrfach vom Hof des Hotels aus bewundert. Leider war sie ebenso eingerüstet wie die Kuppel der Imam-Moschee. An beiden werden gerade die Fliesen erneuert.



      Als wir am Eingang den Eintritt bezahlten, wurden uns Frauen gleich wieder diese weißgrundigen Tschadors übergeben, damit wir uns als Gespenster verhüllen konnten. Beim Fotografieren war das doch extrem lästig.
      Der Innenhof ist eine Vier-Iwan-Anlage mit doppelstöckigen Arkaden, die als Wohnräume für Professoren und Studenten dienen. Im Schatten der vielen hohen Bäume gingen wir umher und betrachteten die vielfältigen Fliesendekore an den Fassadenflächen und Portalen.



      Als es 15 Uhr war, überkam uns der Hunger uns so schlichen wir Gespenster wieder davon.



      Der Weg war nicht weit bis in den Garten unseres Hotels. Dort erinnerten wir uns an die gute Erfahrung vom Vortag und bestellten uns Pizzen mit Cola.



      Das Abendessen war uns ebenfalls zur eigenen Regie überlassen woden. Mehdi empfahl uns ein Restaurant im armenischen Viertel. Er würde auch das Bestellen der Taxis für uns übernehmen. Eigentlich hatten wir angedacht, noch einmal zu Fuß zum Meydan zu gehen und uns dort ein Restaurant zu suchen. Fast alle von uns entschieden sich aber für Mehdis Tipp und dem haben wir uns dann auch angeschlossen. Bei so vielen Interessenten war dann auch noch Jamal so nett, uns mit dem Bus hin und her zu fahren und dabei einen Teil seiner Freizeit zu opfern.

      Im armenischen Viertel staunten wir dann über die europäisch anmutenden Einkaufsstraßen, die so gar nichts Basarartiges mehr an sich hatten. Die weltweit anzutreffenden Luxusmarken waren auch hier zur Stelle. Das Restaurant hatte einen sehr schönen Garten, aber weil der Abend schon recht kühl war, wählten wir Tische im Inneren.



      Die Speisekarte bot interessante Spezialitäten, die in Teig eingebacken waren. Hier ein Beispiel:



      Wieder zurück im Hotel reizte uns nun das im Garten befindliche traditionelle Teehaus. Es war für uns gar nicht so leicht, einen Tisch zu finden, denn es war Donnerstag Abend. Vom Lebensgefühl der Iraner her entspricht das unserem Sonnabend, denn der Donnerstag ist ja deren Vorabend des Feiertags. Das Abbasi Hotel scheint ein beliebter Ost zum Ausgehen für Paare und Familien zu sein, die sich dafür auch gern richtig schön anziehen. Der Tee wurde im Garten serviert. Suppe und Speiseeis konnte man sich selbst abholen. Wir saßen eine Weile und genossen das Treiben. Nach einer knappen Stunde hatte uns noch kein Kellner beachtet. Das war aber nicht weiter schlimm, denn nach dem Restaurant waren wir eigentlich kaum noch durstig und so zogen wir uns auf unsere Zimmer zurück.



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    • Tage 14 und 15: Von Isfahan nach Teheran und Heimflug – 20./21.10.2017

      Gern wären wir am Vorabend noch etwas länger im Hotelgarten geblieben, aber wir mussten ja auch noch unsere Koffer packen. Zwar würden wir abends in Teheran noch für wenige Stunden das uns schon bekannte Laleh-Hotel beziehen, aber unser Rückflug sollte ja noch in der selben Nacht erfolgen.
      So stellten wir also ein letztes Mal unsere Koffer in den Flur, bevor wir zum Frühstück gingen.



      Die letzte Etappe von 390 km würde also den Kreis unserer Reise schließen. Zunächst haben wir den gewohnten Anblick von flachem, braunem Land und Lehmziegeldörfern, in denen sich oft eine Moschee mit markant gold- oder silbrigglänzendem Kuppeldach befindet.



      Bald kamen wir aber an ein Gebirge, das aufgrund der Erosion eine besonders eindrucksvolle Faltenstruktur aufweist. Leider stiegen wir hier nicht aus sondern mussten uns mit Fotos aus dem schnell fahrenden Bus begnügen.



      Bald steuerten wir eine sehr moderne und sehr saubere Raststätte an. Die Nähe zur Hauptstadt machte sich bemerkbar. Wir hatten hier nicht nur Zeit für eine „Technische Pause“, sondern auch zum Erkunden des bunten Warenangebotes. Es gab einerseits hochwertige und typische Produkte des Landes wie etwa Rosenöl, Kaviar aus dem Kaspischen Meer und Kekse, andererseits war das Angebot an extrem kitschigem Spielzeug ganz enorm. Letzteres hatten wir so auch schon in allen Basaren gesehen – ganz sicher Made in China.



      An einem Stand mit verschiedenen Sorten Weingummi konnten wir nicht widerstehen und ließen uns ein Sortiment als Wegzehrung zusammenstellen. Auch zwei Keksdosen passten noch in meinen Rucksack.

      Als nächstes erreichten wir die Stadt Ghom, welche nach Mashhad der bedeutendste Pilgerort im Iran ist. In Mashhad ist der 8. Imam Reza bestattet. Das Mausoleum von zweien seiner Brüder hatten wir in Schiras schon gesehen. In Ghom wird seit 816 das Grabmal seiner Schwester Fatimeh Masumeh verehrt, die trotz ihres frühen Todes als sehr gebildet und religiös galt. Große Teile des Gebäudekomplexes wurden erst im 19. Jahrhundert angelegt und werden von einer goldenen Kuppel überragt. Etliche persische Könige, andere Würdenträger und Nachkommen der Imame haben sich nahebei bestatten lassen. Es gibt in Ghom also zahlreiche weitere prächtige Mausoleen und Moscheen. Die Stadt ist außerdem mit seinen vielen theologischen Hochschulen zentrale Ausbildungsstätte der schiitischen Geistlichkeit.

      Die prächtige Altstadt hätten wir natürlich gern angeschaut, doch Studiosus hat diesen Punkt aus dem Programm genommen. Zu oft konnten Reisegruppen wegen irgendeiner Veranstaltung doch nicht hinein. Der Besuch ist außerdem umständlich, weil man in kleine Shuttlebusse umsteigen muss, um in die Innenstadt zu gelangen. Es ist immerhin eine Monorail im Bau, die die Prozedur in Zukunft vereinfachen wird. Alle Frauen bekommen allerdings beim Aussteigen einen Leihtschador.

      Hätte ich die Reisebeschreibung aufmerksamer gelesen, so wäre mir frühzeitig aufgefallen, dass wir nicht nach Ghom hinein gelangen, sondern stattdessen am Stadtrand einen geistlichen Führer kennen lernen würden. Wir fuhren also zum Wohnhaus des Ayatolla Ayazi, der uns in seiner Bibliothek empfing. Er ist hochrangiger Professor in Ghom, ein würdiger alter Herr, der seine Zeit inzwischen hauptsächlich mit dem Schreiben von theologischen Büchern verbringt, und gern ausländische Reisegruppen empfängt. Der schwarze Turban weist ihn als Nachfahren Mohammeds aus. Theologen, die einen solchen Stammbaum nicht haben, tragen einen weißen Turban, Abkömmlinge des Propheten, die keine Geistlichen sind, einen grünen.
      Wir durften ihm Fragen stellen, wobei Mehdi der Dolmetscher war. Unseren Gastgeber mochte niemand zu aggressiv angehen, doch Fragen nach dem Kopftuch oder diversen Fatwas wurden natürlich gestellt. Seine persönliche Meinung sei z.B., dass eine Frau weder gezwungen werden sollte, das Kopftuch zu tragen, noch dürfe man es ihr verbieten. Mehdi erklärte uns später, dass Ayatollah Ayazi ein sehr gemäßigter Geistlicher sei. Wir spekulierten ob das der Grund sei, weshalb er trotz seiners besonders hohen theologischen Ranges nicht Teil der Regierung (des Wächterrates) ist.



      Nach einer Stunde verabschiedeten wir uns und setzten die Fahrt fort. Bald sahen wir in der Ferne die große Salzwüste, die sich südöstlich von Teheran ausdehnt.



      Am Rande der Hauptstadt machten wir noch einen kurzen Fotostopp, um von Ferne das Mausoleum des Ayatollah Khomeini zu sehen. Wie schon erwähnt, hatte es hier im vergangenen Juni einen schweren Terroranschlag gegeben.



      Bald erreichten wir das Verkehrsgewimmel der Innenstadt, wo uns dieser merkwürdige Autoturm auffiel. Eine Art Parkhaus? Das Gestell eines Autohändlers?



      Nett fanden wir diese Familie auf dem Motorrad. Die Ohrenmützen sind also auch im Iran modern.



      Am späten Nachmittag erreichten wir das Laleh-Hotel, wo wir diesmal keine Aussicht auf den Fernsehturm hatten. Dafür konnten wir die Rushhour beobachten.



      Wir hatten Zeit zum Ausruhen bis 19:00 Uhr. Dann sammelten wir uns in der Halle und wurden in ein anderes Hotel gefahren, wo unser Abschiedsessen stattfand. Es hatte auf der Tour viele schöne Gespräche gegeben und so war es ein wenig bedauerlich, dass sich die Gruppe nach dem Essen auflösen würde.

      Übrigens hatte ich als Fan der Hurtigrute natürlich ein gewisses Sendungsbewusstsein. Meine Nachfragen, ob jemand schon einmal eine solche Reise entlang der norwegischen Küste unternommen habe, waren stets verneint worden. Mit Ausnahme unserer Freunde habe ich niemanden gesprochen, der überhaupt schon einmal im Norden gewesen war. Die Schnittmenge der Orientliebhaber und der Skandinavienfreunde scheint nicht sehr groß zu sein.

      In unserem Hotel verabschiedeten wir uns von Mehdi, Jamal und den meisten Mitreisenden. Um 23:00 Uhr wurden wir von einem anderen Bus zum Flughafen gebracht, wo um 2:00 nachts unser Flug nach Frankfurt startete. Von 5:50 bis 7:00 hatten wir Zeit zum Umsteigen und beim Landeanflug auf Hamburg ging schon die Sonne auf. Zum ersten Mal seit 14 Tagen sahen wir wieder Wolken.



      Zu Hause ließ ich es mir nicht nehmen, all unsere mitgebrachten „Schätze“ auf der neuen Tischdecke auszubreiten.






      Fazit:

      Es war eine ganz wunderbare Reise in einem sehr schönen Land mit freundlichen Menschen. Von den 22 UNESCO-Welterbestätten haben wir 9 besucht. Hätte die Reise länger dauern sollen, um noch mehr historische Stätten zu einzuschließen? Nein, für uns waren 14 Tage genau richtig. Kürzer hätte es aber auch nicht sein dürfen.

      In Mehdi Moghaddasi hatten wir einen Reiseleiter, wie wir ihn uns besser nicht hätten wünschen können. Ganz offen konnte man mit ihm auch über brisante politische Themen diskutieren. Er erklärte dabei die Haltung seiner Regierung. Auch wenn wir oft nicht übereinstimmten, so ist unser Verständnis doch gewachsen für ein Land, das von schwierigen Nachbarn umgeben ist und das sich in keiner leichten Situation befindet. Ein Perspektivwechsel ist manchmal ganz gut.

      Zur Reisezeit: Wir waren am Ende der Trockenzeit im Iran. Deshalb sah die Landschaft fast durchweg karg und verdorrt aus. Wenn ich es noch einmal entscheiden könnte, würde ich im Frühjahr reisen. Dann gibt es mehr grün und die Wiesen blühen üppig.

      Von allen Dingen, die sehen konnten, haben mich persönlich die Moscheen mit ihrem unglaublich schönen Fliesenschmuck am meisten beeindruckt. Unsere jüngste Mitreisende hatte aber zu mir gesagt, Isfahan sei ja wirklich schön, aber ich solle doch einmal nach Samarkand und Buchara fahren. Was sie dort als Individualreisende gesehen habe, sei noch beeindruckender gewesen. Dann habe ich nun also ein neues Traumziel: Usbekistan!



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    • @Laminaria
      Nun ist deine wunderschöne Reise schon wieder Erinnerung, die aber nie verblassen wird. (Weiß ich aus Erfahrung). :girl_sigh:
      Herrlich das Foto mit den Mitbringseln bzw. Souvenirs ! Wie eine Jagdausbeute !

      Ich danke dir für die Möglichkeit, daß ich die Reise mit dir machen konnte . :sdafuer: :sdanke:
      Dein Text-Bild -Bericht ist eine wunderbare Ergänzung zu den, auch interessanten, Büchern über den Iran, die Alleinreisende mit unterschiedlichster Motivation geschrieben haben. :flower:
      Liebe Grüße von Trollebo

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    • Vielen Dank für den tollen Bericht aus einem zumindest touristisch fast unbekannten Land!

      Laminaria schrieb:

      aber ich solle doch einmal nach Samarkand und Buchara fahren. Was sie dort als Individualreisende gesehen habe, sei noch beeindruckender gewesen. Dann habe ich nun also ein neues Traumziel: Usbekistan!

      Schon lange meine Traumziele, gerade letzte Woche sah ich im TV eine Doku darüber, die mich wieder darin berkaftigte. Leider zieht von meiner Family keiner mit... :S
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~
      Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~ Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil!

    • Arctica schrieb:

      Leider zieht von meiner Family keiner mit...


      Dann kann ich so eine Gruppenreise nur empfehlen. Gerade bei den exotischen Zielen, die Leute mit speziellen Interessen ansprechen, ist die Zusammensetzung der Mitreisenden vom Alter her übrigens sehr gemischt. Bei uns waren auch mehr Einzelreisende dabei als es sonst der Fall ist.
      Ich persönlich mag jede Art von Reise - egal ob im Auto, mit dem Schiff oder im Bus. Gruppenreisen sind von der Stimmung her doch auch kaum anders als Klassenfahrten - oder eher noch wie die Exkursionen während meiner Studienzeit. :)

      Viele Grüße
      Laminaria



      Reiseberichte in meinem Profil
    • Laminaria schrieb:

      Dann habe ich nun also ein neues Traumziel: Usbekistan!

      Dieses Land steht auch noch auf unserer Löffelliste :)
      Wir haben auch schon einen Veranstalter gefunden, mit dem wir diese Reise unternehmen wollen, aber der konkrete Zeitraum ist ncoh offen, da wir auch noch diverse andere Ziele ins Auge gefasst haben...

      Viele Grüße
      Noschwefi
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


    • Liebe @Laminaria, Du hast mir mit Deinem Bericht eine große Freude gemacht, denn viele der Orte, die Du gesehen hast, begleiten mich seit Kindertagen aus "Was ist Was?"-Büchern u.ä. - und frühe Hochkulturen sind für Kinder ja nun einmal eine spannende Sache ;) Gerade heute, wo aus der Region leider immer wieder und zu oft über die mutwillige Zerstörung antiker Kulturdenkmäler zu hören und zu lesen ist (hoffentlich war!) zeigen Deine Beiträge auf sehr schöne Weise, dass dem nicht überall im Mittleren Osten so ist, sondern dass es auch anders geht :)
      Takk for oss

      BRITANNICUS :)
    • Ich bedanke mich ganz herzlich für diesen tollen Bericht, eine ehemalige Arbeitskollegin ist mit einem Iraner verheiratet und hat schon von diesem tollen Land erzählt, Naächstes Jahr wollen sie eine Familien-Gruppenrundreise machen.

      Ich glaube trotzdem, dass ich wohl nie dahin kommen werde, ich bleibe der "nodische Typ" .

      Wünsche euch ein besinnliches Weihnachtsfest und ein tolles Jahr 2018 - voller Gesundheit und wieder mit spannenden Reisen.
      LG Sehpferd /Helga :ilhr:

      [/url]
    • KamillaS schrieb:

      leider schaffe ich es nicht irgendwo hinzufahren wo ich mich im Gegensatz zu Männern nicht witterungsgemäß kleiden darf.


      ich gebe zu, dass ich in Teheran beim Überqueren der Schwelle des Flugzeuges mein Kopftuch mit großer Geste herunter gezogen habe. Vor der Reise habe ich in Bekleidungsgeschäften auch gelegentlich den Satz gehört:"Also in solch ein Land würde ich ja niemals fahren." Andererseits bin ich überzeugt davon, dass die gemäßigten Kräfte im Iran davon profitieren, dass Touristen das Land bereisen. In den letzten 10 Jahren haben sich die Kleidervorschriften schon durchaus gelockert.

      BRITANNICUS schrieb:

      frühe Hochkulturen sind für Kinder ja nun einmal eine spannende Sache


      Ja, in unserer Kindheit und Jugend hätten wir es uns nicht träumen lassen, dass wir die spannenden Orte aus Büchern oder dem Schulunterricht tatsächlich einmal selbst würden sehen können. Das genießen wir nun sehr.

      Viele Grüße
      Laminaria



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