Ganz ohne Schiff durch den Iran - 7. bis 21. Oktober 2017

    • 2017
    • Älbler schrieb:

      Doch vielleicht ist eine solche Rundreise in den nächsten Jahren mal ein Thema...


      Das kann ich nur empfehlen. Der Tourismus boomt gerade, vielleicht auch deshalb, weil die Sicherheitslage in anderen islamischen Ländern schwierig geworden ist. Das Problem ist im Iran eher ein Mangel an Hotelkapazitäten, denn ausländische Investoren halten sich noch zurück.
      Massentourismus mit Horden von Selfiestangen-Fotografen sieht man im Iran jedenfalls noch nicht.

      Viele Grüße
      Laminaria

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    • Tag 7: Persepolis und Schiras – 13.10.2017

      Der tägliche Quartierwechsel hatte nun ein Ende. In Schiras würden wir dreimal übernachten. Laut Plan war eigentlich vorgesehen, an diesem Tag die Altstadt zu besuchen. Da es sich aber um einen Freitag handelte und die Moscheen dann den Gläubigen vorbehalten sind, wurden die nächsten beiden Tagespläne ausgetauscht.

      Wir sollten also zunächst ins etwa 40 km entfernte Persepolis fahren. Das ist der griechische Name für die Stadt Parseh (Stadt der Perser), die Darius I. 518 v.Chr. gegründet hat. Es ist die wohl bekannteste Residenzstadt der Achämeniden, welche die Herrscher zu zeremoniellen Anlässen und bei hohen Festtagen aufsuchten. Zum persischen Neujahrsfest am 21. März schickten alle Völker des großen Reiches Delegationen mit Tributen zum König in den großen Audienzpalast (Apadana).

      Die Anlage befindet sich auf einer Anhöhe und ist von einer Befestigungsmauer umgeben. Der Zugang auf die Terrasse erfolgt durch das von Xerxes I. errichtete imposante Tor aller Länder, das auf einer Inschrift diesen Namen trägt. Der Durchgang dieses Torhauses wird von gigantischen Skulpturen bewacht, die Mischwesen aus Stier und Mensch darstellen.



      Die auffallend hohen Säulen der Palastanlagen waren von aufwändigen Kapitellen gekrönt, auf denen doppelköpfige Tierfiguren angebracht waren. Einzelne Teile davon sind erhalten. Besonders schöne Säulen haben einen kannelierten Schaft und eine mit floralen Mustern verzierte Basis.



      Berühmt ist Persepolis besonders für die zahlreichen, teils sehr gut erhaltenen Reliefs, mit denen viele Gebäudeteile verziert sind und die insbesondere Tore und Treppenaufgänge flankieren.



      Es gibt Motive, die sich häufig wiederholen, wie etwa die Darstellung von Adeligen und Elitesoldaten.
      Mehrfach ist besonders der stiertötenden Löwe abgebildet. Eine Deutung besagt, dass es ein astronomisches Symbol ist. Die Sonne, deren Figur der Löwe ist, trat um 500 v.Chr. kurz vor der Frühlings-Tagundnachtgleiche in das Sternbild Stier ein, also zum persischen Neujahrsfest Nowruz.



      Die Keilschriftfelder sind auch hier wieder oft in den bereits zuvor erwähnten drei Sprachen abgefasst.

      Besonders beeindruckend sind die Flachreliefs an den Aufgängen zum großen Audienzpalast (Apadana).



      In drei übereinanderliegenden Reihen sind die Tribut bringenden Delegationen der 28 Völkerschaften dargestellt. Sie sind durch ihre Tracht gekennzeichnet und kommen in kleinen Gruppen, wobei der jeweils erste von einem Beamten des Königs an der Hand geleitet wird. Dieser Treppenaufgang wird von einer Überdachung geschützt. Durch das fehlende Spiel von Licht und Schatten war es nicht einfach, deutliche Aufnahmen zu machen. Ein paar Beispiele will ich hier aber zeigen.

      Meder mit Kuzschwertern und Krügen

      Elamer mit Löwen (besonders schön der besorgte Blick der Löwenmutter nach ihren Babies)

      Armenier mit Metallkrug und Pferd

      Assyrer mit Widdern

      Lyder mit Gefäßen, Schmuck und einem Zweispänner

      Leider bin ich beim Betrachten der schönen Reliefs auf der flachen Treppe über eine Kante gestolpert und gestürzt. Ich hatte befürchtet, dass der rechte Fuß verstaucht sein könnte, aber es handelte sich wohl nur um eine heftige Prellung des Knöchels. Wegen der unangenehmen Schwellung ließ ich aber meinen Mann allein zum oberhalb gelegenen Felsengrab aufsteigen, von wo aus er einen schönen Blick über Persepolis hatte.



      Auf dem Parkplatz hatte unser Busfahrer inzwischen seinen Tisch mit Kaffee, Tee und Gebäck gedeckt. Nach der kleinen Mittagsrast besuchten wir noch die drei achämenidischen Königsgräber von Naqsh-e Rostam. Eindeutig identifiziert ist das auf dem Bild rechts befindliche Grab Darius I.; die genaue Zuordnung der anderen ist noch umstritten.



      Nachdem wir ins Hotel zurückgekehrt waren, lag ein Nachmittag zur freien Gestaltung vor uns. Schiras ist bekannt als Stadt der Dichter, der Nachtigallen und der Rosen und bezeichnet sich wegen dieser romantischen Atmosphäre auch gern als Stadt der Verliebten. Mehdi riet uns, einen der Gärten aufzusuchen, wobei wir im Herbst natürlich keine allzu große Blütenpracht erwarten sollten. Wir entschieden uns für den fußläufig zu erreichenden Eram-Park, den botanischen Garten der Stadt. Hier standen tatsächlich noch zahlreiche Rosen in Blüte und einheimische Familien und Pärchen verbrachten den Feiertag in dieser schönen Umgebung. Händchenhalten in der Öffentlichkeit ist zwar streng verboten, aber man sieht es doch. ;)



      Im Park befindet sich ein kleines Schlösschen aus dem 19. Jahrhundert, das früher privat von den Herrscherfamilien genutzt wurde. Heute befindet sich darin ein Restaurant und ein Buchladen. Dort erstandenen wir unser erstes Souvenir: Eine Sammlung persischer Gedichte auf Deutsch und in Originalsprache. (Gol-o-Bolbol – Rosen und die Nachtigal). Mehdi hatte den Morgen im Bus immer damit begonnen, uns jeweils ein Gedicht aus diesem Buch vorzulesen. Das hatte uns so gut gefallen.

      Als der Park seine Pforten schloss, machten wir uns auf den Rückweg. Dabei kamen wir wieder an großen Aschura-Fahnen vorbei, denn die 40 Trauertage waren noch nicht um.



      Zum Abendessen wurde unsere Gruppe mit dem Bus in die Innenstadt zu einem Restaurant mit landestypischen Speisen gebracht.
      Später war ich froh, in unserem Zimmer meinen malträtierten Fuß endlich hoch legen zu können.

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    • @Laminaria
      Du kannst dir nicht vorstellen, was du mit deinem tollen Bericht mit Bild und Text bei mir ausgelöst hast:
      Ganz hellhörig wurde ich, als am Samstag 2.12. im WDR5 in der Sendung "Neugier genügt / Mit Neugier unterwegs" ein Interview angekündigt wurde mit einer jungen Frau, die gerade von ihrer zweiten Iran Reise- allein und ohne Reisegesellschaft- zurückgekommen war. Die Sendung kann man als Podcast herunterladen oder hier anhören: ( wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/…esendung02122017_wdr5.mp3)
      - allerdings nur die ganze Sendung. Das Interview kommt gleich am Anfang.
      So manches hatte ich bei dir schon gelesen.
      Der Name dieser jungen Frau ist Nadine Pungs und im Mai kommt ihr erstes Buch heraus mit dem Titel " Das verlorene Kopftuch. Wie der Iran mein Herz berührte".
      Nadine nannte noch ein anderes empfehlenswertes Buch von Ramita Navai (2016) "Stadt der Lügen. Liebe Sex und Tod in Teheran".
      Das Buch habe ich mir gerade bestellt . Wenn ich selber auch nicht mehr in den Iran kommen werde, so interessiert mich das Land u.a. sehr, vor allem über die Infos, die über die der Tagespolitik hinaus gehen.
      Wen es interessiert hier noch ein Buchtipp: Es gibt von Bruni Prasse inzwischen zwar schon zwei Bücher über ihre Reisen in den Iran ( 2008). Ich kenne aber bisher nur das erste: "Mögen deine Hände niemals schmerzen".
      Du hast ja auch durch die Begegnung mit den Menschen ein anderes oder besser gesagt, ein weiteres Bild des Landes erfahren.
      Zurück zu deinem Bericht und den Fotos:
      Bei den Bildern von Persepolis bekam ich richtig Gänsehaut, denn ich kann mich an das Gefühl von damals vor 41 Jahre noch gut erinnern, wie ich überwältigt war, von der Anlage. Ich hatte mich mit dem geschichtl. Hintergrund voher beschäftigt und dann stand ich davor, worüber ich bisher nur gelesen hatte. Ich war damals auch ziemlich am Anfang meiner Reisen und Internet gab es noch nicht mit den vielen Möglichkeiten, sich auch per Bild und Text umfangreich zu informieren. Trotzdem ist der Iran noch immer ein Stiefkind, was Tourismus anbelangt. Wie du auch schreibst: Wer den Iran bereisen will, sollte es bald tun, bevor der Massentourismus sich auch hier ausbreitet. Es ändert sich bereits.
      Isfahan, Shiras, Ghom, die heilige Stadt : zauberhafte Ziele.
      Ein Andenken habe ich noch von damals; Einen achteckigen Gebetstein aus Ton, den man auf den Boden legt und beim Hinknien mit der Stirn den Stein berührt.
      Nun freue ich mich auf die Fortsetzung deines Berichtes und sage dir aber für die bisherigen Teile schon mal :sdanke:
      Liebe Grüße von Trollebo

      Reiseberichte in meinem Profil

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    • @Trollebo
      Herzlichen Dank für deinen ausführlichen Beitrag. Das Interview mit Nadine Pungs habe ich inzwischen angehört und kann die Äußerungen sehr gut nachvollziehen. Uns war ebenfalls klar, dass wir natürlich nicht in der "Achse des Bösen" unterwegs sein würden. Spätestens seit der Grünen Revolution im Jahre 2009 ist einem aber natürlich auch bewusst, dass es in dem repressiven Staat enorm unter der Oberfläche brodeln muss. Alls Pauschaltourist spürt man das allerdings nicht so direkt.
      Ganz offensichtlich leiden die Menschen auch unter dem schlechten Image ihres Landes. Das mag ja teilweise ein Grund für die ganz besonder ausgeprägte Herzlichkeit uns Fremden gegenüber sein.
      Einen Gebetsstein haben wir uns übrigens auch mitgebracht. :)

      Viele Grüße
      Laminaria

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    • Tag 8: Schiras – 14.10.2017

      Endlich machten wir uns an diesem Morgen auf den Weg in die Altstadt von Schiras. Unser erstes Ziel war die Wakil- oder Nasir-ol-Molk-Moschee, die 1876-1888 unter der Kadscharen-Dynastie erbaut worden war.

      Bei der Ankunft erblicken wir gleich zwei der typischen Elemente islamischer Architektur, einen Iwan mit Muqarnas. Der Iwan ist eine hohe, einseitig offene Halle, die von einem Tonnengewölbe überdacht wird und im nahen und mittleren Osten vielfach den Eingang von Palästen und Moscheen bildet. Das Gewölbe ist in Form eines Muqarnas gestaltet, das aus aus einer großen Anzahl kleiner rundlicher Elemente besteht, die in sehr komplexer Weise angeordnet sind. Dieser Stil ist in Persien entstanden und hat sich im islamischen Raum weit verbreitet. Wegen der Ähnlichkeit mit der geologischen Erscheinung in Höhlen spricht man auch von Stalaktitengewölben. @Arctica und manch ein Anderer von Euch hat das sicher schon in der Alhambra in Granada bewundert.



      Als wir in den Innenhof traten, konnten wir jenseits des Wasserbeckens auch den zweiten, noch prächtigeren Iwan sehen und bewunderten dann die reich mit Fliesen geschmückten Wände und Gewölbe der Arkaden. Die Schiraser Fliesenschule hat seit dem 15. Jahrhundert den Stil in ganz Persien geprägt. Auffällig ist, dass die floralen Motive nicht stilisiert sondern naturalistisch dargestellt sind. Wegen der vielen Rosen überwiegt hier ungewöhnlicherweise die Farbe Rosa ganz auffällig. In dieser Umgebung sehen die drei modebewussten jungen Iranerinnen von Bild 5 besonders gut aus.



      Betritt man den Gebetsraum, so steht man zwischen einer Vielzahl von Säulen, die aus einem Marmorblock gehauen und kunstvoll verziert sind. Bunten Glasfenster werfen das Licht auf die Gebetsteppiche und es entsteht eine fast magische Stimmung im Raum. Ebenso wie außen sind auch hier alle Wände und die Gebetsnische mit Fliesen im Rosendekor bedeckt.






      Nach der Einführung gab Mehdi uns reichlich Zeit, die schöne Anlage in Ruhe zu betrachten. Nachdem wir genug geschaut hatten, führte er uns in den direkt angrenzenden Wakil-Basar aus dem 18. Jahrhundert. Es handelt sich um ein Gewirr aus gedeckten und ungedeckten Basarstraßen, deren Gebäude teilweise zweigeschossig sind.



      Reges Treiben herrscht bei den Stoffhändlern.



      Solch farbenfrohe Stoffe sind besonders bei den Nomaden beliebt.



      Wir ruhen uns in einem Teehaus ein wenig aus und steigen dann an einer besonders schönen Stelle zum Obergeschoss hinauf. Bei einem Schmuckhändler kaufe ich hier das zweite Souvenir: Einen Silberring mit einem Stein aus Lapislazuli.



      Im Erdgeschoss nehmen wir dann den Weg durch den Teppichbasar ins Freie.

      Dann bringt der Bus uns zum nächsten Highlight.



      Fortsetzung dieses Tages folgt.

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    • Tag 8: Schiras – 13.10.2017 – Fortsetzung

      An der Zitadelle mit den schönen Rundtürmen stiegen wir aus dem Bus.



      Das nächste Ziel waren die beiden Grabmale der von Iranern sehr verehrten Dichter Saadi (1193 -1292) und Hafis (ca 1315 - ca 1390), die in Schiras gelebt haben. Ihre Mausoleen sind in schöne Gartenanlagen eingebettet und zu Wallfahrtsorten für Liebespaare geworden. Wir sahen mehrfach junge Iraner, die eine Hand auf den Sarkophag legten und dabei ein Gedicht rezitierten.

      Zu Fuß erreichen wir das 1952 errichtete Grabmal des Saadi, einen hohen, turmartigen Bau, der im Innern mit besonders schönen Fliesenbildern ausgeschmückt ist. Sie zeigen Rosen und Nachtigallen, Lieblingsmotive der Dichter.



      Danach fuhren wir weiter zum Mausoleum des Hafis, das ebenso malerisch gestaltet ist. Der Originalbau aus dem 14. Jahrhundert ist nicht mehr erhalten; der heutige Pavillon stammt aus dem 18. Jahrhundert.



      Goethe hatte sich zeitlebens mit dem Orient beschäftigt und kannte die lyrischen Werke von Hafis in deutscher Übersetzung. Als 60jähriger gab er 1814/15 eine umfangreiche Gedichtsammlung heraus, die er West-östlicher Divan nannte und in der Hafis eine große Rolle spielt. Ihn hat Goethe sehr verehrt und seinen geistigen „Zwilling“ genannt. Nicht umsonst ist Weimar 2009 eine Städtefreundschaft mit Schiras eingegangen.

      Direkt neben dem Mausoleum befindet sich ein traditionelles Teehaus, in dem wir Mittagsrast machen konnten. Anschließend fuhren wir zum Hotel zurück und hatten wieder den Nachmittag frei.
      Mehdi hatte uns empfohlen, den Schrein des Shah Cheragh zu besuchen. Das ist ein besonders verehrter Bruder von Imam Reza, des 8. Imams der Zwölferschiiten. Es handele sich um eine bedeutende Pilgerstätte und einen besonders schönen Moscheebau. Allerdings sei die Kleiderordnung für Frauen dort sehr streng, das Ausleihen eines Tschadors also Pflicht.

      Da ich unbedingt umgehen wollte, so ein Teil zu tragen, hatte ich mich im Hamburger Stadtteil St. Georg mit besonders konservativer Kleidung ausgestattet. Mit viel Mut zur Hässlichkeit zog ich also das lange, schwarze Gewand an und zwängte mir den schlauchartigen Hidschab über den Kopf. Letzterer hatte immerhin 3 Euro gekostet und sollte auch einmal zum Einsatz kommen.



      „So willst du doch nicht etwa auf die Straße gehen!“ entfuhr es meinem Mann. Es war dann tatsächlich eine merkwürdige Erfahrung für mich, in diesem Aufzug draußen keinerlei Aufmerksamkeit zu erregen. Wir Vier hatten uns ein Taxi kommen lassen, das uns in die Nähe des Heiligtums brachte. Zunächst trafen wir zwei freundliche Schulmädchen.



      Dann sprach uns ein Mann an und fragte nach unserem Herkunftsland. Als er hörte wir kämen aus Alemania, rief er immer wieder:„anglamärkäl“. Schließlich verstand ich es und wiederholte „Angela Merkel“. Da hob er begeistert die Arme. Sehr nett! In der Karibik waren wir auf Beckenbauer und Klinsmann angesprochen worden.

      Schließlich hatten wir den Eingang des Mausoleums erreicht. Dort erfuhren wir, dass wir zunächst Taschen und Kameras beim Deposit-Schalter abgeben mussten. Aufnahmen dürften wir im Innern aber gern mit dem Smartphone machen. Dann sollten wir warten, bis ein Guide frei wurde, der uns führen konnte. Schließlich kam eine junge Dame in schwarzem Tschador, die eine Schärpe mit der Aufschrift „International Affairs“ trug. Sie musterte uns und erklärte, dass wir Frauen einen Tschador leihen sollten. Ich zeigte auf meine mehr als züchtige Kleidung, aber sie sagte nur: "Someone might object to me.“ Also bekamen wir beide je ein hellgrundiges, kleingemustertes, bettlakenartiges Tuch übergeworfen und unter dem Kinn zusammengeknotet. Dann gingen wir nach Geschlechtern getrennt durch eine Sicherheitsschleuse und wurden abgetastet. Immerhin hatte es am 7. Juni dieses Jahres Terroranschläge des IS auf das Parlament und das Mausoleum des Ayatollah Chomeini gegeben, wobei 12 Personen getötet und 40 verletzt wurden. Die Angst vor sunnitischem Terror ist also keineswegs unbegründet.

      Nach der Kontrolle gingen wir durch einen wieder mit Muqarnas prächtig ausgeschmückten Iwan. Dann konnten wir das Mausoleum des Chah Cheragh von außen betrachten.



      Hineingehen dürfen bedauerlicherweise nur Muslime, die Frauen durch einen Seiteneingang, die Männer durch den mit Spiegelornamenten verzierten Haupteingang an der Stirnseite. Sowohl der Schrein als auch der ganze Innenraum sollen sehr prächtig mit Spiegel- und Fliesenornamenten ausgeschmückt sein. Unser Guide erklärte uns und einem einzelnen Dänen die verschiedenen Gebäudeteile.



      An der linken Hofseite befindet sich ein weiteres Mausoleum, in dem ein Bruder des Shah Cheragh beigesetzt ist. Auch hier durften wir nur versuchen, von weitem einen Blick durch die Tür und auf den prächtigen, goldfarbenen Iwan zu erhaschen.



      Ich entfernte mich etwas von der Gruppe, um einen weiteren, besonders schön in der Sonne liegenden Iwan zu fotografieren.





      Man sagte mir hinterher, das unsere Fremdenführerin mich recht aufgeregt vermisst hatte. Unbegleitet durften wir auf dem Hof offenbar nicht umhergehen.

      Die Schatten wurden länger und so machte ich noch ein letztes Foto, bevor wir das Mausoleum verließen.



      Wir legten die hellen Gebetstschadors ab und holten dann die Kamerataschen wieder ab. Ich hatte ein schwarz-weißes Kopftuch mitgenommen, um außerhalb des Heiligtums den engen Hidschab ablegen zu können. Ich hatte den Wechsel gut vorbereitet; er dauerte maximal 4 Sekunden. Unsere Freunde sagten mir, dass der Mann am Depositschalter erbost aufgesprungen war und sich dann aber schnell wieder beruhigt hatte.

      Wir gingen weiter in Richtung Basar, als mich ein wohlbekannter Mann wieder fragte, ob ich aus Alemania sei. Ich rief darauf: „Angela Merkel“, worauf er begeistert und überrascht gleichzeitig wirkte. Er hatte mich wohl mit veränderter Kopfbedeckung nicht erkannt.

      Nachdem wir noch eine Weile durch den Basar gegangen waren, hielten wir ein Taxi an und ließen uns zum Hotel zurück bringen. An diesem Abend sollten wir das Abendessen nach eigenem Wunsch gestalten. Wir folgten Mehdis Empfehlung und fuhren zu einem modernen Komplex mit mehreren Restaurants. Dasjenige im Erdgeschoss bot landestypische Küche und war chic in weiß gehalten, auch mit weißen Diwanen. Einen Abend im Schneidersitz zu verbringen erschien uns dann aber zu mühsam. Wir bevorzugten es, zwei Etagen höher an einem Tisch zu essen und die Kellner boten uns daraufhin an, die Speisen nach oben zu bringen. So verbrachten wir unseren letzten Abend in Schiras.

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      Ich finde deinen Bericht sehr interessant :thumbup: Und es ist schön hier mitreisen zu können und etwas aus dem Land zu sehen. Aber zu meinen Reisezielen gehört der Iran jetzt nicht. :whistling: Ich glaube ich würde ständig Gefahr laufen irgendwas zu vergessen... Kopfbedeckung etc. :whistling:
      Nordlicht :flower:

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      @Laminaria
      Zu 7. und 8. Tag
      Auf diese Bilder habe ich schon gewartet: Die wunderschönen Moscheen in Blau, Türkis und allen anderen leuchtenden Farben.
      Sicher seid ihr auch so überwältigt gewesen von der Farbenpracht und den architektonischen Künsten.
      Ich mußte mich damals auch in einen schwarzen Tschador hüllen. Irgendwo liegt noch das Foto davon.
      Und der Bummel durch die Basare ! Ist das nicht ein Erlebnis ? Und dann die orientalische Farbenpracht ! Vor allem der Stoffe, des Goldschmucks und der Gewürze. Von den Teppichen ganz zu schweigen.
      Es ist halt eine ganz andere Welt, auch mit anderen Gesetzen und Regeln.
      Erstaunt aber auch erfreut bin ich, daß du die netten jungen Mädchen oder auch Frauen fotografieren konntest und durftest.
      Danke für's so intensive Mitreisen- Dürfen ! :girl-dance:
      Liebe Grüße von Trollebo

      Reiseberichte in meinem Profil

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      Nordlicht schrieb:

      Ich glaube ich würde ständig Gefahr laufen irgendwas zu vergessen... Kopfbedeckung etc.


      Komischerweise ist es mir niemals passiert, das Kopftuch zu vergessen. Wenn mein Mann in der Morgenhektik zum Frühstück drängte, kam von mir stets der Satz: "Nicht ohne mein Kopftuch!"
      Viel schwieriger war es daran zu denken, niemals im Badezimmer das Toilettenpapier ins Klo, sondern stets in den dafür vorgesehenen Behälter zu werfen. Das schafft die Kanalisation auch in den großen Städten nicht. Unterwegs gab es ja sowieso nie Papier. Da durfte man dann nicht vergessen Taschentücher mitzunehmen. ;(

      Viele Grüße
      Laminaria

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      Trollebo schrieb:

      Erstaunt aber auch erfreut bin ich, daß du die netten jungen Mädchen oder auch Frauen fotografieren konntest und durftest.


      Das Kompliment muss ich an unseren Freund weitergeben, denn die Fotos sind von ihm. Ich habe aber die Erlaubnis, sie in diesem Bericht zu verwenden. Ich selbst war immer etwas zu schüchtern, obwohl die Iraner sich in der Regel wirklich gern fotografieren ließen. Die drei jungen Frauen in der Moschee posierten übrigens eigentlich für ihre männlichen Begleiter. ;)

      @Noschwefi
      In Ägypten ist es uns an einer berühmten Ausgrabungsstätte passiert, dass ein selbsternannter Toilettenmann uns einzelne Papierblätter gegen ein Trinkgeld anbot. ?(

      Viele Grüße
      Laminaria

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      Laminaria schrieb:

      niemals im Badezimmer das Toilettenpapier ins Klo, sondern stets in den dafür vorgesehenen Behälter zu werfen


      In Griechenland ist das auch fast überall noch so, für uns meist etwas gewöhnungsdürftig.
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten im Profil)
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      Tag 9: Von Schiras nach Yasd – 15.10.2017

      Die Etappe dieses Tages ist 450 km lang und führt zumeist über eine fruchtbare Hochebene. Wenn sie stellenweise karg wirkt, so liegt es am Wassermangel und nicht am Boden.



      Wenn wir längere Zeit am Stück fuhren, legte Mehdi oft eine CD mit Märchen aus 1001 Nacht ein. Es handelte sich dabei aber nicht um die entschärfte Version für Kinder, die ich in meiner Grundschulzeit gelesen habe. Der Vorleser war ein älterer Iraner mit sehr angenehmer Stimme, der seit Jahrzehnten in Österreich lebt. Leider habe ich mir den Namen der CD nicht abgeschrieben und im Internet finde ich sie auch nicht. Zuhause im Sessel oder beim Fahren durch unsere norddeutsche Landschaft hätten die Märchen aber wohl sowieso nicht mehr dieselbe Wirkung.

      Unser erster Halt erfolgte an einem ganz besonders geschichtsträchtigen Ort: Pasargadae. Hier siegte das persische Heer im Jahre 550 v.Chr über die Meder. Kyros der Große ließ hier seine Stadt errichten. Pasargadae ist also die erste Residenzstadt des persischen Großreiches.

      Man sieht Gebäudereste, wenige stehende und viele umgefallene Säulen und diverse unvollständige Reliefs. Am besten erhalten ist an einer Tür eine männliche geflügelte Figur mit Krone. Auf vielen Inschriften findet sich immer derselbe Text: Ich Kyros, der König, ein Achämenide.



      Nach unserem Rundgang besuchten wir das in 1,2 Kilometern Entfernung befindliche Grab von Kyros I.. Es ist auf einem wuchtigen, sechsstufigen Unterbau errichtet und besteht aus einem ummauerten Raum mit Giebeldach.



      Der Weg führte uns dann weiter durch kahle Hochebenen und an kleinen Betrieben vorbei, die Steinplatten und Fliesen herstellen.



      Schließlich kamen wir an Feldern mit Weinstöcken und Granatapfelbäumen vorbei und in einen dieser Höfe bog unser Bus ein. Mehdi sagte uns, dass wir Frauen hier die Kopftücher ablegen dürften, weil wir uns auf einem eingezäunten Privatgelände befänden. Während er und Jamal das Mittagsbuffet aufbauten, konnten wir eine Weile auf der Plantage spazieren gehen. Endlich in der Natur und Wind in den Haaren!



      Der Winzer war auf Reisegruppen eingerichtet. An einem Brunnen und im Schatten von Bäumen hatte er Bänke und Tische aufgebaut. Hier konnten wir unser Mittagessen richtig genießen.



      Der Besitzer sprach sehr gut englisch. Seine Kinder leben in den USA, doch er möchte auf seinem Land bleiben. Ich fragte ihn, ob er nur Weintrauben erntet, oder auch Wein produziert. Wir sollten Weihnachten wiederkommen, dann habe er richtig viel Wein, meinte er. Wir hatten erfahren, dass es der christlichen armenischen Minderheit gestattet sei, Alkohol zu trinken, allerdings in ihren eigenen Clubs. Ich vermutete also, dass er Armenier sei. Das verneinte er. Er sei Muslim und würde zwar gern Wein trinken, aber nur sehr wenig.

      Früher hatte Studiosus mit Reisegruppen manchmal abends solche armenischen Clubs besucht, damit Touristen persischen Wein probieren konnten. Das hat man aber aufgegeben. Nun, wir hatten auf dieser Reise tatsächlich einmal die Gelegenheit, jeder ein halbes Gläschen zu probieren. Unsere Quelle gebe ich aber nicht preis.

      Weiter ging die Fahrt durch die Hochebene, bis wir an einem alten Eishaus mit leerem Wasserbecken anhielten. Im Winter herrscht Frost in dieser hochgelegenen Region. Das Eis aus dem Becken wurde dann in Stücken in den dickwandigen Lehmkegel gebracht und hielt so bis weit in den Sommer hinein.



      Schließlich kamen wir noch an der Ruine einer Karawanserei vorbei. In der Abendsonne hoben sich die Details der schönen Lehmarchitektur besonders plastisch hervor.



      In den Löwenbergen färbte die untergehende Sonne die Hänge rostrot.



      In der Dunkelheit erreichten wir unser Hotel in Yasd. Es war nicht dasjenige, das Studiosus für die Gruppe ursprünglich vorgesehen hatte, denn der Veranstalter hatte dort kurzfristig eine Absage bekommen. Das war uns bereits in Deutschland mitgeteilt worden und jeder Teilnehmer hatte auch schon den Differenzbetrag für die niedrigere Kategorie erstattet bekommen. Nun waren wir also gespannt, ob wir mit der Unterkunft zufrieden sein könnten. Das Haupthaus war auch ausgesprochen schön und das Essen sehr gut. Besonders hat mir dieses große Teehaus vor dem Zugang zum Restaurant gefallen.



      Unsere Zimmer waren aber nicht in diesem Gebäude, sondern in etwas älteren Flachbauten im Garten. Dennoch war die Unterkunft für die bevorstehenden zwei Nächte absolut in Ordnung.

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      Tag 10: Yasd – 16.10.2017

      Yasd liegt auf 1200 Metern Höhe im zentralen Hochland des Iran und ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Sie liegt am Rande von Salz- und Sandwüsten in einer extrem niederschlagsarmen Gegend und muss durch unterirdische, teilweise antike Kanäle bewässert werden. Besonders interessant ist das einheitliche Stadtbild von Lehmbauten mit vielen Windtürmen und Kuppeln. Yasd wurde daher in diesem Jahr zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

      Yasd ist außerdem das Zentrum der Zoroastrismus, einer sehr alten monotheistischen Religion. Neben der Gottheit Ahura Mazda verehren die Zoroastrier die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft, die nicht verunreinigt werden dürfen. Daher haben sie eine besondere Art der Beisetzung entwickelt: Die Verstorbenen wurden auf hohen Türmen in konzentrischen Kreisen abgelegt und den Geiern zum Fraß überlassen. Die übriggebliebenen Knochen wurden in der mittleren Vertiefung der Plattform gesammelt. Bis 1970 wurde noch in dieser Weise verfahren. Dann wurde das von staatlicher Seit aus hygienischen Gründen verboten. Die Stadt war gewachsen und näher an die Türme herangerückt, so dass Bewohner belästigt werden konnten, wenn Geier im Flug ihre Beutestücke verloren. Die Toten werden heutzutage in Betonwannen beigesetzt.

      Zwei solche Türme des Schweigens haben wir an unserem Tag in Yasd zu aller erst besucht. In der Ebene davor befinden sich Ruinen von Lehmbauten, in denen Trauerzeremonien stattfanden. Den linken der beiden Türme haben wir bestiegen und hatten dabei schöne Ausblicke auf die Stadt. In der entgegengesetzten Richtung sahen wir eine Fernstraße, deren Verlauf mit der alten Seidenstraße identisch ist. Oben auf der Plattform konnte man noch Reste der kreisförmigen Ablagen erkennen. Ein makaberer Ort.



      Passend zum Thema fuhren wir anschließend zu einem Feuertempel der Zoroastrier in der Innenstadt. Außen sahen wir das Symbol der Religionsgemeinschaft, den Fravahar. Im Inneren konnten wir durch eine Glasscheibe das ewige Feuer sehen, das stets am Brennen gehalten wird und gerade von einem Mann in Schutzkleidung versorgt wurde.



      Nachdem wir uns die Ausstellung über Feste der Zoroastrier angeschaut hatten, verließen wir den Tempel wieder und wurden mit dem Bus in die Altstadt an den Platz Meydan-e Amir Chaqmaq gebracht. Hier sieht man vier der zahlreichen Windtürme, die durch den hindurch streichenden Luftzug für Kühlung in den darunterliegenden Gebäuden sorgen. In diesem Fall kühlen sie den zentralen Wasserspeicher. Die Skulpturen im Wasserbecken des Platzes stellen Männer dar, die ihre Wasserschläuche füllen.



      An der Straßenecke befindet sich ein traditionsreiches Konditoreifachgeschäft mit überbordender Auswahl an süßen und klebrigen Backwaren. Hier konnten auch wir nicht widerstehen und kauften zwei Dosen Kekse, die wir mit nach Hause genommen haben.



      Die Lehmarchitektur in dem Gewirr der Altstadtgassen, die wir anschließend erkundeten, hat auf uns einen ganz besonderen Reiz ausgeübt. In einigen der Häuser durften wir Handwerkern bei der Arbeit zusehen, wie etwa einer Geigenbauerin oder einem Mann, der Töpferwaren mit kunstvollen Geflechten versah.



      An den Kreuzungen der Gassen befanden sich immer wieder Hinweisschilder auf kleine Hotels. In einem davon machten wir eine Teepause. Danach setzten wir unseren Streifzug weiter fort.



      Das Ziel war die Freitagsmoschee aus dem 14. Jahrhundert mit ihren beiden ungewöhnlich hohen Minaretten über dem Iwan. Endlich kann ich wieder mein Lieblingsmotiv dieser Reise aufnehmen: Fliesenmuster.



      Im Gebetsraum sahen wir ein Schülerinnen, die offenbar mit einer Aufgabe über die Moschee beschäftigt waren. Eine von ihnen nahm an den Wänden Messungen vor und hielt das Ergebnis schriftlich fest.



      Etwa 100 Meter von der Moschee entfernt befindet sich das Mausoleum des Stifters der Freitagsmosche. Wir bewunderten aber nur die Kuppel von außen.



      Dann wurden wir in unser Hotel zurück gebracht. Zur Abenddämmerung würden wir die Innenstadt noch einmal besuchen.



      Fortsetzung dieses Tages folgt.

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      Tag 10: Yasd – 16.10.2017 – Fortsetzung

      Die Silhouette von Yasd sieht bei Abendsonne ganz besonders schön aus. Bei etlichen Häusern der Lehmstadt wird angeboten, auf der Dachterrasse die Aussicht zu genießen. Eines dieser Dächer suchten wir am Abend auf und zwar das eines Teppichhändlers. Auf dem Nachbardach befand sich eine Bar mit origineller Dekoration. Wir betrachteten das Panorama ausgiebig.



      Danach stand natürlich eine Teepause beim Teppichhändler an. Zahllose sehr schöne Perserteppiche wurden vor uns ausgebreitet. Eine Teilnehmerin unserer Reise hat sogar ernsthaft an einem kleinen Läufer Gefallen gefunden und so waren alle zufrieden.

      Im Dunkeln gingen wir dann noch einmal zur Freitagsmoschee, die ganz in blauem Licht erstrahlte. Wir passierten noch eine andere hübsch erleuchtete Moschee, die nahe am Basar gelegen war. Es handelte sich diesmal um Geschäfte für Goldschmuck und Festkleider.



      Zuletzt kamen wir wieder zum zentralen Meidan, wo der prächtige, im 19. Jahrhundert errichtete Amir-Chaqmaq-Arkadenbau ebenfalls effektvoll erleuchtet war. Es handelt sich um eine Takiyeh, also einen Ort, an dem Passionsspiele am Aschuratag aufgeführt werden.



      Der Bus brachte uns schließlich in dasjenige Hotel, das unsere Gruppe wegen Überbuchung nicht aufgenommen hatte. Man hatte uns angeboten, dass wir wenigstens das Abendessen dort einnehmen könnten. Der Bau war modern, aber ganz ohne Atmosphäre. Eigentlich hatten wir es in dem etwas einfacheren Hotel besser getroffen.

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      Tag 11: Von Yasd nach Isfahan – 17.10.2017

      An diesem Tag betrug die Fahrstrecke 330 km und wieder war die Lehmziegelarchitektur das beherrschende Thema.

      Das erste Ziel war die Wüstenstadt Meybod. Wir hielten an der alten Zitadelle aus dem 14. Jahrhundert und stiegen in der Ruine die 5 Treppen hinauf. Oben angekommen konnten wir nach allen Seiten den Blick über die Stadt genießen. In der mittelalterlichen Altstadt auf Bild 3 sieht man in der Ferne wieder eines dieser alten, kegelförmigen Eishäuser. Rechts daneben befindet sich ein Wasserspeicher mit 4 Windtürmen. Er gehört zu einer vollständig restaurierten Karawanserei, die wir anschließend aufsuchten.



      Karawansereien waren wehrhafte, ummauerte Herbergen, die sich in großer Zahl entlang der Karawanenstraßen befanden. Ihr Abstand betrug nicht weniger als 40 km, was etwa einer Tagesreise entsprach. Reisende und Händler fanden hier ein sicheres Quartier für die Nacht und Versorgung für sich und die Kamele.

      Die Abbasi-Karawanserei von Meybod hat mitten im Innenhof eine begehbare Zisterne. In den zahlreichen Räumen, die den Innenhof umgeben und welche früher als Quartiere dienten, bieten nun Kunsthandwerker ihre Waren an.



      Auf der Suche nach dem „stillen Örtchen“ erblickte ich bald das vertraute Zeichen für Weiblein und stieg die 5 Stufen hinauf. Dort oben fand ich mich dann aber an der Schwelle eines kleinen Gebetsraumes wieder. Naja, still war es dort auch. Beim Hinuntergehen sah ich dann ein zweites dieser Weiblein-Symbole und zusätzlich die Aufschrift WC an einer Tür, die in den Keller führte. Das war das zweite Mal auf dieser Reise, dass ich mich fälschlicherweise in einem kleinen Gebetsraum für Reisende wiedergefunden hatte.



      Nachdem wir genug Kunsthandwerk gesehen hatten, statteten wir einem Friedhof einen Besuch ab. Auffallend viele junge Männer waren dort bestattet, zumeist Opfer von Verkehrsunfällen. Für die gefallenen Soldaten aus dem Irak/Iran-Krieg, deren Symbol die eingravierte Tulpe ist, gab es einen eigenen Raum. Auf vielen Gräbern sahen wir kleine Glashäuschen auf Stelzen. Darin befanden sich meist Blumen, Rosenöl und ein kleiner Koran.



      Einen weiteren Zwischenstopp hatten wir bei der Ruine einer Karawanserei. Dort sollten oft noch Kamele zu sehen sein und das war dann auch so.



      Weiter ging die Fahrt bis nach Nain, das schon zur Provinz Isfahan gehört und auf 1545 m Höhe gelegen ist. Die Freitagsmoschee dieser Stadt ist die älteste Moschee im ganzen persischen Raum. Sie wurde um 960 erbaut; das Minarett mit Balkon stammt aus dem 11. Jahrhundert. Der schön geschnitzte Minbar (Kanzel) trägt die Jahreszahl 1312. An einigen Stellen ist das Stuckdekor erhalten.



      An einem Wasserbecken vor der Moschee, wo wir unter Bäumen Schutz vor der Sonne fanden, hatte unser Busfahrer Jamal inzwischen unseren Mittagsimbiss aufgebaut. Es gab für jeden zwei riesige Falafeln.

      Danach machten wir uns endgültig auf den Weg nach Isfahan. Die schöne Abendsonne nutzten wir gleich zu einem Besuch einer der vielen berühmten Brücken der Stadt. Die Khaju-Brücke wurde ca. 1650 unter Shah Abbas gebaut und ist zweigeschossig. In der Mitte befindet sich ein schön ausgeschmückter Pavillon für den Herrscher.



      Isfahan liegt am Fluss Zayandeh (lebensspendend), der im Zagros-Gebirge entspringt und südöstlich von Isfahan in einem Salzsee versickert. Um das Wasser besser zu nutzen, wird es schon vor Isfahan zur landwirtschaftlichen Nutzung in die besonders trockene Provinz Yasd umgeleitet. Daher führt der Fluss nur etwa 3 Monate im Jahr während der Regenzeit Wasser. Für die Bewohner Isfahans ist das ein sehr trauriger Anblick. Es war vorgekommen, dass die Isfahanis den Yasdis die Wasserpipelines zerstört haben. Daraufhin lieferten die Yasdis den Isfahanis keine Rohstoffe mehr für die Fabriken. Diese Begebenheit erzählte uns Mehdi, während wir entlang der Uferpromenade und über die Brücke gingen.

      Endlich brachte uns dann der Bus in unser mit Spannung erwartetes Hotel. Das Abbasi-Hotel in Isfahan soll das beste im ganzen Lande sein. Es ist aus einer Karawanserei aus dem frühen 18. Jahrhundert hervorgegangen und wird gern zur Unterbringung von Staatsgästen genutzt. Hier drei Nächte verbringen zu dürfen ist für und schon ein besonderes Highlight.
      Eigentlich mochte ich nach dem Abendessen das Hotel gar nicht mehr verlassen, aber Mehdi hatte angeboten, uns noch am Abend zum großen Meydan von Isfahan zu führen. Ich ließ mich überzeugen und war dann einfach nur begeistert. Der Palast und die beiden Moscheen werden bei Dunkelheit sehr geschmackvoll angestrahlt.



      Geht man an das im Zentrum des Platzes befindliche Wasserbecken, so sieht man diese Prachtbauten und die Arkaden auch noch als Spiegelungen.



      „Einfach nicht von dieser Welt“ dachte ich immer wieder.

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