Grönlandkreuzfahrt mit der MS Deutschland 9.8.- 1.9.2017 - LIVE

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      Donnerstag, 11.08.2017, 2. Tag

      SEETAG

      Für eine erste Nacht an Bord haben wir ausserordentlich gut geschlafen, die anstrengende Anreise scheint ihren Tribut gefordert zu haben. Wir geniessen unser erstes Frühstück hier, das Buffet ist reichhaltig und lässt keine Wünsche offen.
      Da das Wetter immer noch sehr mild ist, verbringen wir viel Zeit auf den Aussendecks, lassen uns die Seeluft um die Nase wehen und geniessen das Ungewohnte. Ein kurzes Quiz kommt uns gerade recht, und während mein Mann sich bei der Frage nach den Hauptzutaten von Bier vertut, tippe ich darauf, dass Kartoffeln meist gelbe Blüten haben - wir haben nicht gewonnen ;)
      Immer wieder entdecken wir neue Ecken und Plätze auf dem Schiff - doch die Orientierung ist noch längst nicht so, dass wir nicht viele Umwege machen, um vom einen Ort zum nächsten zu kommen.




      Im Lauf des Nachmittags spürt man eine gewisse Aufgeregtheit auf dem Schiff, die Atmosphäre scheint zu vibrieren, denn es steht Kapitänsempfang und Gala-Abend auf dem Programm. Nach und nach verschwinden Jeans, Turnschuhe und Funktionsjacken und werden ersetzt durch elegante Kleider, Anzüge und hohe Absätze. Im Kaisersaal lernen wir Kapitän und Crew kennen und danach geht es zum Gala-Diner - ein kulinarisches Highlight mit angenehmer Gesellschaft am Tisch.
      Am späteren Abend findet dann eine irische Tanz- und Musikshow statt, die wir uns mit Genuss ansehen, wenn auch die zunehmende Bewegung auf dem Schiff für den einen oder andern erheiternden Moment sorgt. ("Da war doch eben noch der Stuhl!" beim Absitzen oder "Wo kommt plötzlich diese Türe her'" beim Laufen.)

      Mit einem kleinen Spätimbiss beschliessen wir den Abend und gehen zu Bett - da lauert immer noch viel Müdigkeit in unseren Knochen, auch wenn wir heute nacht schon die erste Stunde geschenkt bekommen, weil wir gegen die Zeit fahren.

      ****

      Als klassischer Hurtigrutenfahrer kennt man ja dieses Konstrukt "SEETAG" nicht, ausser bei ganz ungewöhnlichen Umständen. Es ist sehr ungewohnt für uns, dass der Tag so vor sich hin plätschert, ohne einen einzigen Hafen, ohne eine einzige sehenswerte Formation an Land, und das Aufregendste ist die eine oder andere Ölplattform in der Ferne. So wird uns bewusst, warum Kreuzfahrtschiffe eben so ein Programm an Bord haben. Denn auch wenn es sehr entspannend ist, einfach draussen zu sein, wo man ausser Wasser und Himmel nichts sieht - man hats es dann durchaus auch mal gesehen für den Moment.... Das Angebot ist vielfältig, man kann vieles, muss aber nichts. Damit können wir uns gut arrangieren, zumal wir füreinander noch immer das beste Unterhaltungsangebot sind, und wir haben sehr viel zu lachen. Ausserdem tut so ein Seetag zu Beginn der Reise ganz gut, weil man so zuerst den Alltag abstreifen kann wie eine zu eng gewordene Haut, sich von Alltagsgedanken, Pflichtgefühl und Effizienz verabschieden kann, weil das hier überflüssig ist, und darunter die Entspannung und Ruhe steckt.

      Herzliche Grüsse,
      Jacqueline
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Marihøna“ ()

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      Es gibt bestimmt bald Wale zu sehen, und dann wird das viele Wasser auf einmal ganz spannend :D
      Hat sich da gerade nicht etwas bewegt :?: Ich habe nichts gesehen :!:
      Aber da, der graue Schatten, ist das nicht... ?(
      Und so wird es auch draußen nicht langweilig ;)

      In dem Sinne weiter viel Vergnügen :)

      Viele Grüße
      Noschwefi

      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:
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      @Marihöna
      Du schreibst einfach umwerfend !
      Ich warte auf die unterhaltsame aber zugelich informative Fortsetzung.
      Findest du überhaupt Zeit zu schreiben während der Reise ? Bei meinen Hurtigrutenreisen fällt es mir oft schwer meine Freunde mit Berichten und Bildern zu beglücken, wissend dass sie warten. Aber manchmal möchte ich auch vom PC einfach abschalten.
      Deshalb rechne ich dir diesen Lifebericht ganz hoch an: Doppelte Punktzahl !!!
      Liebe Grüße
      von Trollebo
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      Das Bilderproblem konnte ich mit Hilfe des FF-Forums "Camp Firefox" auch lösen.

      Nachdem ich den Tipp:

      setze die beiden Werte

      privacy.trackingprotection.enabled: true
      privacy.trackingprotection.introCount: 20

      in about:config per Rechtsklick auf "Zurücksetzen"


      beherzigt habe, sind die Fotos aus dem ersten Beitrag sichtbar. :thumbup:

      Es geht auch noch einfacher, falls jemand nicht die Werte im config verändern will. Einfach die Aktivitätsverfolgung für die Seite ausschalten (auch ein Tipp aus dem Camp Firefox):



      danach sieht es dann so aus:



      Nur als Hilfestellung falls jemand in das gleiche Problem läuft.

      Aber jetzt genug OT, genießen wir mit Marihøna weiter die schöne Reise. :thumbsup:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -
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      Freitag, 11.08. 2017, 3. Tag

      SEETAG

      Der Tag beginnt für mich schon kurz nach Mitternacht, als ich mich ausgesprochen müde und mit dem idealen Quentchen Alkohol intus nach einem langen, aufregenden Abend ins Bett lege, voller Vertrauen, dass mir wie immer der zunehmend stärkere Seegang nichts ausmachen wird. Doch erstens kommt es anders und so...
      Während mein Mann schon selig schlummert, stelle ich fest: es knarzt, ausgiebig, bei jeder Bewegung des Schiffs - und derer haben wir mittlerweile viele, scheinen wir doch schon Kontakt mit dem angekündigten Island-Tief aufgenommen zu haben.
      Gut, nun ist ja so ein Knarzen und Knarren auf einem Schiff bei Seegang nicht ganz unüblich, und gewöhnlich hilft es, die Decke über die Ohren zu ziehen bis zum Einschlafen. Doch halt - was soll das? Das Knarzen kommt von direkt unter meinem Kopf! Oh. Ooooh. In der Dunkelheit taste ich dem Bettrand entlang bis dahin, wo das Bett an der Wand befestigt ist und stelle bei der nächsten Schiffsbewegung fest, dass da wohl was nicht stimmt, weil da etwas Spiel hat, was kein Spiel haben sollte. Weitere Untersuchungen verbieten sich jedoch, da neben mir der WBE (WeltBesteEhemann) bereits schläft. Immerhin, wenn ich ganz fest dagegenhalte knarzt es nicht. Blöd nur, dass ich beim Einschlafen wieder locker lasse und die Schiffsbewegungen weiter zu nehmen.
      Sagen wir es mal so: ich habe sicher die eine oder andere Minute gedöst, aber geschlafen habe in dieser Nacht nicht viel.

      Ich war dann auch morgens sehr früh draussen - nachdem ich überhaupt einen Draussen-Ort gefunden habe, denn das Tief hat dazu geführt, dass die meisten Aussenbereiche aus Sicherheitsgründen gesperrt wurden.
      (MiniVideo davon)
      twitter.com/freihalterin/status/895889526844993536

      Als mein Mann dann wach war, konnte ich den Mich-wach-halte-Schlamassel genauer betrachten - da war bei mir einfach eine Schraube locker (am Bett, wo denn sonst? ;) ) Nach dem Besuch an der Réception war dann aber sehr schnell ein Schreiner auf unserer Kabine, der sich des Problems annahm - und zweii Metallwinkel später war unsere Kabine für mehr Islandtief gerüstet.

      Dieses tobte sich ordentlich aus, es dauerte deutlich länger und wurde stärker, sodass man sich bisweilen auf einem fast
      menschenleeren Schiff wiederfand. Zwei von drei Aufzügen waren ausser Betrieb, beide Pools geleert, und dass draussen gesperrt war, durchaus sinnvoll, denn bei 8-9 Beaufort und 4-Meter-Wellen liess selbst für mich Polarmeer-Fan die Attraktivität zu wünschen übrig, von der Sicherheit ganz abgesehen!

      Der Nachmittag war schnell vorbei, denn ich musste schlafen gehen, ich war so hinüber. Das ist ungefähr so häufig, dass ich tagsüber schlafe wie Nordlicht in der Schweiz, doch da sich das Wetter etwas beruhigt hatte, war das einfach:


      Vor dem Abendessen machten wir uns dann noch kurz mit dem Konzept "BINGO"
      vertraut - Lotto spielen mit unseren Kindern früher hatte aber sicher mehr Spass gemacht. Und das sage ich nicht nur, weil wir nicht gewonnen haben. Ehrlich!

      Der Abend war der Entspannung gewidmet - wir sassen hinten am Heck in der Bar "Alter Fritz" aussen und taten "nichts"
      ausser einfach da zu sitzen, an unseren Getränken zu nippen, den ruhigen Abend zu geniessen und festzustellen, dass es doch mehr Leute auf dem Schiff sind als man heute tagsüber vermuten konnte (Es sind übrigens 420, die sich aber sehr gut verteilen) - und wir wurden mit solch umwerfenden Anblicken verwöhnt:



      Es ging zeitig ins Bett, denn vor uns lag eine ruhige Nacht - und am nächsten Tag endlich mal wieder Land unter den Füssen mit einem Ausflug, der schon um halb zehn begann. Erleichternd war, dass 09.30h Bordzeit bedeutete - 11.30 nach heimischer Zeit ;)
      Wir haben wunderbar geschlafen in dieser Nacht, ganz ohne Knarren, obwohl natürlich immer Bewegung im Schiff war, wir sind ja schliesslich nicht auf dem Bodensee unterwegs...

      ***
      Die Internetsituation ist besser, als wir erwartet haben. Solange wir uns einigermassen in Küstennähe befanden, hatten wir guten bis sehr guten Empfang, der konnte dann durchaus auch von den nicht zu sehenden Färöer Inseln oder von einer Ölplattform kommen.
      Das Schiff selber verfügt über ein kostenpflichtiges WLAN , das nicht immer gleich stabil, oft ausgelastet ist, aber für normale Nutzung ausreichend ist - nur grosse Bilddateien sind schwierig, was auch meinen technischen Umweg über Twitter erklärt, wenn ich Bilder hier einsetze. Das WLAN läuft über Satellit, sodass es auch mitten im Nichts noch funktioniert hat.
      Ich kann also live berichten, wenn auch mit eingeschränkteren Möglichkeiten als ich das auf der Hurtigrute könnte, weil das dortige WLAN und Mobilnetz wirklich top ist.
      Aber - andererseits muss man sich das mal vorstellen - ich bin da auf einem Schiff irgendwo zwischen Norwegen und Island, im Nichts - und kann im Forum surfen, Whatsapp-Nachrichten schreiben, twittern, recherchieren - schon unglaublich.

      ****

      So, und nun ist bald Abendessen angesagt - wir haben die frühe Sitzung.
      Genau, früh. Hier ist es ja auch erst halb sechs, und das wird noch mehr, je weiter westlich wir kommen!

      Herzliche Grüsse aus Island, Jacqueline
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Marihøna“ ()

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      Nein, ich habe nicht vergessen, hier weiterzuschreiben, aber sehr intensiv angefüllte Tage haben mich zu müde gemacht, um noch flüssig zu formulieren und mich auf das Wagnis "wackliges WLAN & Berichte abschicken" einzulassen. Nun geht es weiter:

      Samstag, 12.08. 2017, 4. Tag

      Kein Seetag <3 sondern
      Eskifjördur


      Nachdem heute nacht die Uhren um eine weitere Stunde zurückgestellt wurden, ich ausgesprochen gut geschlafen habe und es draussen sehr früh hell wird, bin ich schon um halb sieben draussen und stelle freudig fest: Land in Sicht!



      Nach zwei Tagen nur Meer rundherum ist dieser erste Anblick auf Island ein sehr bewegender Moment, den ich auskosten kann. Das Wetter ist sehr mild und es windet kaum mehr.

      Die Anfahrt auf Eskifjördur hält einige Wow-Momente bereit, und immer wieder fühle ich mich an Hurtigrutenstrecken erinnert, wenn auch der Fjord weiter und flacher ist.




      Nach dem Frühstück geht es auf den ersten Ausflug dieser Reise.
      Wir besuchen mit dem Bus zuerst den Ort Neskaupstadur, der durch eine grosse Fischfabrik dominiert wird, in der noch bis etwa Mitte September täglich etwa 500 Tonnen Makrelen verarbeitet werden. 100 Mitarbeiter in 3 Schichten arbeiten rund um die Uhr, und 3 grosse Fangschiffe liefern im Turnus neue Tonnagen an.



      Unser Guide ist in diesem Ort aufgewachsen und kommt noch immer jeden Sommer hierher, er ist bereits 87 und erzählt uns vieles über die Entwicklung des Landes, wie es hier war, als er noch ein kleiner Junge war.
      Immer wieder gibt es auf unserer Überlandtour kleine Stopps, sei es um die Lawinenverbauung um den Ort zu betrachten, die von vorne wie natürlich gewachsene Landschaft aussieht und erst von hinten an den mit Steinen gefüllten Drahtkörben erkennen lässt, dass hier Menschenhand im Spiel war. Oder sei es, um die sehr reichhaltige und farbenkräftige Fauna und Flora zu betrachten, wo die Glockenblumen viel blauer und die Butterblumen viel gelber sind, und die mich sehr an die alpine Fauna erinnert.

      Wir fahren ebenfalls nach Reydarfjördur, wo im zweiten Weltkrieg im Juli 1940 3000 Soldaten stationiert wurden und die 300 Einwohner des Fischerdorfes förmlich überrannten. Neben dem Museum zeugen noch einige der ehemaligen Baracken davon.
      Zurück in Eskifjördur laufen wir noch einige Schritte durchs Dorf, in dem heute fast alles geöffnet hat – zumindest während unserer Liegezeit. Nach unserer Abfahrt werden die Bewohner wohl erleichtert in ihre Beschaulichkeit zurückgefunden haben.
      Der Abend vergeht entspannt, wir geniessen es, dass wir im Nordmeer unterwegs in der Aussenbar sitzen können, das kennen wir von der Hurtigrute so nicht, deren Aussenbereiche sind eher funktionell als gemütlich. Natürlich wird es zunehmend frischer, je länger wir unterwegs sind, doch mit Decken über den Beinen und Wärmelampen über dem Kopf lässt es sich gut aushalten.
      Und dann zeigte sich auch noch ein UFO!



      Und zu guter letzt noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache:
      Es wird in diesem Reisebericht nur Bilder vom Handy geben, denn das WLAN ist nicht leistungsstark genug - stellt Euch einfach vor, Ihr versucht daheim 3 oder 4 Bilder über ein E-Netz irgendwohin zu schicken - ausserdem kosten 3 GB Daten übers SchiffsWLAN immerhin satte 95 Euro, beim Handy habe ich 3 GB Ausland im Abo, und zubuchen ist nicht ganz so teuer.
      Ich werde aber auf jeden Fall einige auf Twitter abgelegte Bilder hier zeigen - und zuhause eine Bildergalerie mit "echten" Fotos machen, und den Link hier teilen.

      Herzliche Grüsse aus der See zwischen Island und Grönland, Bordzeit aktuell 10.55h
      Jacqueline
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3
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      Sonntag, 13.08. 2017, 5. Tag


      Husavik & Akureyri



      Wieder werde ich sehr früh wach – die Zeitumstellung zusammen mit den frühen Sonnenaufgängen tun das ihrige, dass es kein Halten im Bett mehr gibt, und so stehe ich schon draussen, als wir Husavik anlaufen.



      Ich bin aber nicht die einzige, denn es gibt einige Ausflüge, die hier in Husavik kurz nach sieben beginnen, mit einer Überlandfahrt zum nächsten anzulaufenden Hafen. Wir gehören nicht dazu, und so können wir den Tag mit Musse beginnen, mit einem kleinen Umweg über ein erneutes Quiz, das ich gewonnen habe. (Was aber bei nur 4 Teilnehmern auch nicht so schwierig war, es bekommen dann auch alle einen PreisJ
      Die Einfahrt in den Eyjafjord, wo zuhinterst Akureyri auf uns wartet, ist wunderschön, denn sowohl Wetter als auch Landschaft geben alles, was sie haben.



      Und dann geht es für uns los Richtung Godafoss, dem Wasserfall der Götter, wo der Legende nach ein Dorfältester alle Götterstatuen ins Wasser geworfen haben soll, um den Übertritt zum Christentum zu befestigen. Bei der Anfahrt zum Wasserfall sehen wir uns instinktiv nach einem Hügel oder ähnlichem auf dieser Hochebene um, wo dann ja wohl der Wasserfall sein müsste. Doch dem ist nicht so, denn der Fluss hat sich tief in die Landschaft eingeschnitten und in der Ebene sieht man ihn erst einmal gar nicht, doch als wir ihn dann sehen….



      Im Bus haben wir eine Deutsche als Guide, die seit 30 Jahren aus Island lebt, und uns so vieles aus dem Alltagsleben übers Land erzählen kann. Zum Beispiel die Sache mit dem Wald und den Schafen. Das erste, was mir hier aufgefallen ist, dass es keine Bäume und kaum Sträucher gibt – und die Schafe freilebend sind. Die Wikinger brachten hier die Schafe mit, und weil es keine natürlichen Feinde gab, wurden sie nicht eingekoppelt. Über die Jahrhunderte haben die Schafe so jedoch alle jungen Sträucher und Bäume abgefressen, und der Wald konnte sich nicht mehr erneuern, bis es keinen mehr gab. Heute gibt es staatliche Wiederaufforstungsprogramme, um aus Island wieder eine bewaldete Insel zu machen – in einigen Jahrzehnten…
      Danach ging die Reise weiter zum Myvatn, dem Mückensee – eine Seenlandschaft eingefasst von Pseudokratern, die zwar aussehen wie kleine Vulkankrater, jedoch nur erkaltete Lavablasen-Explosionen sind. Nach einem kurzen Spaziergang wissen wir dann auch, warum hier im Shop Mückennetze für den Kopf verkauft werden – einmal einatmen, und die Mückenflut wird dezimiert ;) Ein Lavagarten, die Lavafelder – Vulkane sind hier omnipräsent. Die beiden Kontinentalplatten treffen sich hier und sorgen für Bewegung in der Erde.




      Danach fahren wir weiter nach Namaskard, wo der Schlamm brodelt und Steinhaufen heissen Dampf ausstossen und man sich in einem Endzeitszenario wähnt.
      Video vom dampfenden Steinhaufen
      twitter.com/freihalterin/status/896805948169363456

      Am Dampf liegt es aber nicht, dass wir uns danach weichgekocht fühlen, sondern vor allem daran, dass wir mittlerweile 5 Stunden unterwegs sind und mein Aufnahmespeicher einfach voll ist. Damit bin ich zwar nicht allein, aber noch liegt mehr als eine Stunde Rückfahrt vor uns. Mein Körper entscheidet sich dafür, dass es ein guter Zeitpunkt für ein Nickerchen ist, denn zurück auf dem Schiff ist es dann schon 20.30h und höchste Zeit fürs Abendessen.
      Ausser ein bisschen draussen sitzen mögen wir dann auch nichts mehr machen, all die eindrücklichen Erlebnisse und unzähligen Informationen wollen zuerst verarbeitet werden. Die ruhige See bei der Ausfahrt aus dem Eyjafjord und auch vor Island tragen zu einer guten Nachtruhe bei.

      Herzliche Grüsse, Jacquelline
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3
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      Hallo Jacqueline,
      Dein Bericht lässt erahnen, wie sehr Du wieder mit allen Sinnen die Reise genießt. Und da das Wetter ja auch immer wieder mit spielt, sollte am Ende der Reise Dein Energiespeicher auch wieder gefüllt sein.
      Viel Spaß weiterhin
      Lynghei

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      Montag, 14.08.2017, Tag 6

      **SEETAG** Dänemarkstrasse

      ..und wieder bin ich sehr früh wach, die Bordzeit ist sechs Uhr, das Schiff schläft noch. In der Nacht haben wir die Strecke bis zu Islands Nordwesten zurückgelegt und ich sehe noch Festland.Vom Frühstück zurück auf der Kabine kommt die übliche 10-Uhr-Durchsage, die neben Hinweisen auf Temperatur, Reiseroute auch Punkte des Tagesprogramms und Hinweise über Region und Orte enthält. Währendessen träume ich aus dem Fenster, sehe einen weissen Fleck am Horizont, den ich für ein anderes Schiff halte. Wir werden darauf hingewiesen, dass wir von nun an in einer Region sind, in der die ersten Eisberge zu sehen sein könnten und dass eine Flasche Champagner ausgelobt wird für die erste gemeldete Sichtung. Oh. Ein Blick durchs Fernglas zeigt – mein vermeintliches Schiff ist in Wahrheit ein Eisberg, die Reception wusste bei unserer Meldung noch nicht mal vom Wettbewerb.

      Wir durchfahren an diesem Tag die Dänemarkstrasse, geführt von zwei Lotsen, die in Island extra für diese Strecke an Bord gekommen sind, und sich mit den Bedingungen hier auskennen.Der Tag war einfach nur wunderbar. Das Blau vom Meer und das Blau vom Himmel wetteiferten um das schönste Blau, die immerwiederkehrenden Sichtungen von Walen mit denjenigen von Eisbergen, die Sonne konnte sich bei nur 2-3 Beaufort ungehindert ausstrahlen, und ich fühlte mich, als könne ich nie wieder was anderes tun, als draussen zu sein, zu gucken, zu fühlen und zu staunen. Ich habe mir die Passage von Island nach Grönland deutlich anders vorgestellt – mehr so barentsseemässig…



      Gegen Abend sehen wir zunehmen immer wieder Nebelbänke, die aber weit entfernt sind, der Sonnenuntergang dauert und dauert und will kein Ende nehmen… Doch dann kommt der Nebel näher und innerhalb weniger Minuten ist alles um uns herum vom Nebel verschluckt – und auf einmal ergeben die Lotsen einen Sinn und wir bekommen einen gehörigen Respekt vor dieser bisher so leichten Passage. In festem Vertrauen auf deren Fähigkeiten gehen wir schlafen – die wissen hier alle schon, was sie tun!

      Erkenntnis des Tages: wir werden mit Bingo unsere Reisekasse auch nicht mehr retten können…


      ******************************************************


      Dienstag, 15. August 2017, Tag 7


      ...und wieder bin ich früh wach, aber wir bekamen heute Nacht wieder eine Stunde geschenkt, der Zeitunterschied zu daheim beträgt nun minus 4 Stunden. Draussen waberte immer noch der dicke Nebel von gestern, doch wir sollten uns eigentlich langsam der grönländischen Küste nähern. Hätte man mir erzählt, wir seien direkt vor Land, hätte ich es glauben müssen, denn sehen konnte man das nicht. Doch nach dem Frühstück begann der Nebel aufzureissen. Zuerst nur über uns, doch auf einmal sah man durch den Nebel Konturen von Land – Grönland – und im Nebel einen Regenbogen, einen sogenannten Nebelbogen ;) (Jacquelin’sche Wortkreation)



      Es lichtet sich immer mehr, und die Küste kommt zum Vorschein. Viele kleine bunte Häuser schmiegen sich an die kargen Felsen, dicht zusammengedrängt, wie um sich gegenseitig zu wärmen.



      Der erste Blick auf Ammassalik macht mir klar:
      Liebe Jacqueline,
      auch wenn Du es eigentlich noch immer fast nicht glauben kannst, Dir die letzten Tag wie in einem Traum vorkamen : Du bist tatsächlich in Grönland angekommen, so weit von daheim weg, so fremd und anders als alles, was du bisher gesehen hast – und eine grosse Dankbarkeit durchflutet mich. Es ist einfach nur – nicht in Worte zu fassend gut, einfach gut.


      Wir werden an Land getendert, spazieren durch den Ort (2000 Einwohner), sehen Menschen, die uns freundlich begrüssen. Das kleine Ortsmuseum erlaubt uns einen Blick in Tradition und Kunsthandwerk, fremdartig und beeindruckend.Ich kann das alles noch gar nicht einsortieren und begreifen, und je mehr ich lese und höre, desto mehr weiss ich, wie verschwindend wenig ich erst weiss.

      Ausblick über den Fjord von Amassalik und unser Schiff (Kurzvideo)
      twitter.com/freihalterin/status/897462515495514112

      Als wir ablegen, erklingt wie immer zuerst das Typhoon – und dann an Bord die Traumschiff-Melodie, die eigentlich schon fast kitschig ist, und doch die Wünsche und Hoffnungen der meisten Passagiere in Töne fasst. Wenige Minuten später ist alles wieder vom Nebel verschluckt und der Temperatursturz räumt blitzartig alle Sonnenliegen.

      Tageserkenntnis:
      Selbst wenn die Reisekasse nicht mehr zu retten ist, können wir ja dennoch Bingo spielen gehen, einfach, weil’s uns Spass macht.


      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3
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      @Marihona wenn ich deinen Bericht so lese komt in mir eine Ehrfurcht auf die ich gar nicht beschreiben kann. Und das, obwohl ich nur virtuell mitreise. Das ist unglaublich schön. Danke dir dass wir mitfahren dürfen.
      Grüße aus dem Rheinland

      Berichte sind in meinem Profil zu finden
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      Liebe Jaqueline,
      wir immer sind Deine Berichte etwas ganz Besonderes - lassen sie uns doch auch an Deinen Gefühlen teilhaben, die ich sehr gut nachvollziehen kann. <3 Interessant ist Dein Bericht für mich auch hinsichtlich der eigenen Reise in 10 Tagen, dann allerdings mit der FRAM und in der "Gegenrichtung" :love:
      :) Grüße, Bavaria

      Grüße, Bavaria
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      Marihøna schrieb:

      und im Nebel einen Regenbogen, einen sogenannten Nebelbogen (Jacquelin’sche Wortkreation)

      Das ist keineswegs eine Jaquelin'sche Wortkreation, sondern wird tatsächlich so bezeichnet, es ist tatsächlich ein Regenbogen, der die Farbigkeit durch extrem feine Tröpfchen verliert.
      Es grüßt Capricorn :hut:

      7/11 RW // 3/12 NX // 7/12 FM/VE // 3/13 VE // 1/14 TF // 3/14 LO Verweise auf Reiseberichte im Profil
      7/14 NX
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      Merci, @Capricorn und @Jobo - das wusste ich nicht, und meine Recherchemöglichkeiten sind hier deutlich eingeschränkt - doch beeindruckt hat mich das allemal, denn so etwas habe ich nie zuvor gesehen.

      Und - ich gebe es zu, ich habe im Vorfeld bewusst keine Reiseberichte zu Grönland gelesen, damit ich all dies hier unvoreingenommen, ja vielleicht gar etwas naiv wahrnehmen kann - wieder daheim wird sich das vermutlich ändern, auch aus Ladezeitgründen. Es ist hier für mich nämlich auch eine Form der erzwungenen Entschleunigung, mir wirklich erst zu überlegen, ob ich die Wartezeit für eine Seite, einen Artikel, eine Recherche-Suche auf mich nehmen will, ganz davon abgesehen, dass ich eben die ersten 3000 MB schon verbraten habe - weitere 95 Euro werden unserem Bordkonto belastet....

      Im Moment ist es übrigens hier kurz vor elf, wir fahren durch dicksten Nebel, hoffen aber alle, dass sich dieser bei der anstehenden Passage durch den Prins Christian Sund verzieht.

      Herzlich, Jacqueline
      Grüessli, Jacqueline


      Es gibt keinen vernünftigen Grund, die gleiche Reise immer und immer wieder zu machen,
      aber es gibt tausend gute Gründe <3