Immer wieder Winter – mit Fahrrad und (Hurtigruten-) Schiff von Trondheim zur russischen Grenze

    • Teilstrecke
    • Samstag, 24.Juni 2017 – Tag 39 (Teil 2)

      Ein sonniger Abschied von der Westküste (Fortsetzung)

      Ich folge nun dem Snefjord gen Norden an Elvenes vorbei nach Krokelv.



      Jetzt scheint der Anstieg zum nächsten Pass zu beginnen. Ich habe Glück, denn in 5 Minuten fährt die Kolonne :) Merkwürdig nur, dass ich hier ganz alleine stehe ?( Ich hoffe nur, dass ich mich mit meinem Fahrrad anschließen kann :mosking: Die Wartezeit nutze ich zu einem Besuch der (neuen) Toilette.



      Irgendetwas ist da komisch, aber ich komme nicht drauf was :hmm: Also erleichtere ich mich erst einmal und stelle fest, dass die Konstruktion zum Händewaschen genial ist: Wasserzufuhr aus dem Kanister per Pedal – und schon hat man fließendes Wasser :thumbsup: Beim Rausgehen fällt mir auch auf, was es hier Besonderes gibt: Die Transport-Aufkleber sind noch drauf und damit weiß ich, wer das WC den größten Weg aus Südnorwegen transportiert hat :ilhr:
      Nun beginnt der Anstieg zum Finnkonefjell. Unterwegs genieße ich wieder die Aussicht :rolleyes:



      Auf knapp 170 Meter Höhe passiere ich einen ersten See, der sich schon ein wenig vom Eise befreit hat :huh:



      Der rund 230 Meter hoch gelegene Moskevatn auf der Passhöhe dagegen ist noch voll auf Winter eingestellt :S



      Nun beginnt die Abfahrt, wobei ich stets von Schneewänden oder Wasserfällen begleitet werde.



      Noch einige Kehren, und ich erreiche bei Pollen wieder das Meer :)



      Ich folge nun dem Bakfjord gen Nordost.



      In Skibsbukta finde ich einen schönen Ruheplatz am Meer, wo ich meine Mittagspause einlege :essen:



      Hier schaue ich mir die Felsen einmal von Nahem an und laufe noch ein Stück bis zur Einmündung des Bachs.



      Auch dafür brauche ich etwas länger, daher heißt es erneut


      Fortsetzung folgt

      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:
    • Samstag, 24.Juni 2017 – Tag 39 (Teil 3)

      Ein sonniger Abschied von der Westküste (zweite Fortsetzung)

      Weiter geht es am Bakfjord entlang, jetzt allerdings nach Westen :/ Am Ende des Fjords ist mal wieder eine Halbinsel zu durchfahren. Beim Anstieg überholt mich eine Truppe von Schweizer Radfahrern, die ich noch öfters sehen sollte :D



      Die Straße führt langsam wieder zum Meer, genauer zur Selvika. Der gleichnamige Rastplatz fällt vor dem knapp 500 Meter hohen Ongelvikfjell erst auf den zweiten Blick auf :search_1:



      Am Rastplatz mache ich noch einmal eine Pause und stärke mich vor dem letzten Pass für heute. Hier treffe ich auch die Radfahrer wieder. Die Unterhaltung ist allerdings ein wenig mühsam, da es französisch sprechende Schweizer sind, deren englisch allerdings ein wenig besser ist als mein (gar nicht vorhandenes) französisch :whistle3:



      Beim Aufstieg zum Ongelvikfjell genieße ich noch einmal den Rückblick auf die Selvika.



      Überraschenderweise liegt am 190 Meter hohen Pass kaum noch Schnee :| So kann ich die Abfahrt mit Blick auf grün und blau genießen, wie hier am Heastajávri, der aber auch nur noch 50 Meter hoch liegt.



      Bald darauf erreiche ich das Meer und folge dem Eiterfjord gen Norden, leider mit ordentlich Gegenwind :wacko1:



      Zum Glück ist es nicht mehr weit, und Havøysund kommt in Sicht.



      Ich komme gerade noch 5 Minuten vor Ladenschluss am Supermarkt an. So kann ich mir unverhofft noch einen kleinen Nachtisch in Form von Kanelbollern holen :cookie: Weitere Vorräte kaufe ich nicht, da ich für den Folgetag keine Kühlmöglichkeit habe.
      Ich schaue mich noch ein wenig im Ort um. Heimatmuseum und Kirche haben aber beide geschlossen :(



      Ich halte mich nach Westen den Berg hoch und erreiche bald den Storvannet, an dessen Ufer ich mein Zelt aufschlage. Ich finde sogar eine windgeschützte Stelle, wo ich mich ohne Jacke in der Sonne aufhalten kann :8): Ich nutze die Gelegenheit, meine Satteltaschen aus- und wieder neu einzuräumen. Da ich ja die nächste Nacht auf dem Schiff verbringen werde (und ich nicht mein ganzes Gepäck mit auf die Kabine schleppen will) muss ich komplett umpacken, schließlich brauche ich ja normalerweise unterwegs nicht an meine Übernachtsungssachen oder saubere Wäsche ^^
      Als ich damit fertig bin, brauche ich ein wenig Bewegung. Ein Stückchen oberhalb habe ich einen schönen Blick über den Ort.



      Als ich nach dem Abendessen nochmals ein wenig die Gegend erkundige, stolpere ich über einen Globus. Dieser markiert genau den 71. Breitengrad :hmmz:



      Hätte ich das mal vorher gewusst, jetzt übernachte ich 5 Meter südlich davon :hmm:
      Leider zieht es sich später immer mehr zu, gegen 21 Uhr verschwindet die Sonne hinter den Wolken. Für die Nacht ist sogar Regen angesagt; ich hoffe mal darauf dass er sich verspätet :huh:

      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:
    • Sonntag, 25.Juni 2017 – Tag 40

      Im Regen gen Osten

      Strecke: HavøysundHavøysund Hafen, 2 km / Wetter: Regen, 9° C, kräftiger Wind aus SO (11 m/sec)

      In der Nacht muss ich, so gegen 2 Uhr, austreten. Draußen herrscht eine ganz merkwürdige Stimmung :huh: Die grau-schwarzen Wolken hängen tief am Himmel, sogar der 300 Meter hohe Gavlen ist eingehüllt; von den Windrädern ist nichts mehr zu sehen. Der Wind zieht die Wolken auseinander; der Ort liegt tief geduckt zu meinen Füßen. Aber es regnet nicht.
      Ein wenig durchgepustet verziehe ich mich wieder in mein Zelt :sleeping:
      Gegen 6 Uhr bin ich wieder wach. Inzwischen hat es ganz leicht angefangen zu tröpfeln. Genug, dass ich nicht draußen frühstücken kann und dass ich mein Zelt wohl nicht trocken einpacken kann :( Dafür aber längst nicht so viel wie im Wetterbericht angekündigt. Allerdings hat der Wind auf Südost gedreht und nimmt langsam zu.
      Jetzt bin ich froh, dass ich am Vorabend schon vorgepackt habe, so habe ich schnell gefrühstückt und alles zusammengeräumt. Ich packe mein Fahrrad und schaue auf die Uhr: Es ist gerade erst 7 Uhr vorbei 8|
      Da der Regen jetzt stärker wird, mache ich mich direkt auf zum Hafen. Dort hoffe ich mich unterstellen zu können, und außerdem komme ich dann noch rechtzeitig um auch das südgehende Schiff begrüßen zu können :ilhr:
      Eine Viertelstunde später habe ich mein Fahrrad im Windschatten einiger Kabelrollen trocken abstellen können. Es geht also manchmal auch ohne Unterstellen, draußen trocken zu bleiben :D
      Aus dem Ruteplan weiß ich ja schon, welches Schiff mir entgegenkommt. Daher bin ich auch nicht überrascht, dass ich heute meine vierte Begegnung mit der MS Kong Harald habe :pardon:



      Mir ist vorher noch nie aufgefallen, dass man das „Wohnzimmer“ auch von außen sehen kann :whistling:
      Nun muss ich noch eine halbe Stunde warten, bis die MS Midnatsol, meine Heimat für die nächsten 24 Stunden, auftaucht. Die meiste Zeit verbringe ich im recht einfach eingerichteten, aber warmen und trockenen Aufenthaltsraum.
      Dann kommt das Schiff auch schon um die Ecke und kündigt sich – im Gegensatz zur MS Kong Harald – dabei auch akustisch an :thumbup:



      Als ob sie auf das Signal gewartet haben, kommen 5 Minuten später die Schweizer Radler angerollt. Sie wollen in Honningsvåg aussteigen und weiter zum Nordkap fahren – bei dem Wetter aber sicher kein Vergnügen X/ Wir müssen noch ein paar Minuten warten, bis 3 Autos ausgeladen worden sind, dann dürfen wir an Bord. Dass einer der Schweizer zwischenzeitlich versucht hat, mit seinem Rad die Gangway zu erklimmen, verschweigen wir aus Höflichkeit :mosking:
      Um 9 Uhr habe ich mein Rad abgestellt und stehe fünf Minuten später an der Rezeption. Ich erhalte wunschgemäß eine Innenkabine. Im Gegensatz zur MS Richard With erhalte ich hier meine Fahrradkarte sogar ausgedruckt (vielleicht haben sie aber auch keine alten Rohlinge mehr :whistle3: ). Der Eintrag ist auf Englisch; anscheinend rechnet Hurtigruten auch auf Distanzreisen mit internationalen Gästen. Meine Kabinenkarte bekomme ich in einer Hülle überreicht, auf der sogar meine Kabinen-Nummer (handschriftlich) eingetragen ist. Bei dem zu zahlenden Betrag muss ich erst einmal schlucken, aber er entspricht genau dem vorher von mir ausgerechneten. Dabei hätte ich noch nicht einmal eine Kabine nehmen müssen, aber bei dem Wetter kommt draußen Schlafen nicht wirklich in Frage, und im Panoramasalon möchte ich nicht unbedingt die Nacht verbringen :hmm: Ich bezahle noch Mittagessen für heute und Frühstück für morgen mit. Auf die Frage, wann das Mittagessen ist, erhalte ich die Antwort 12 bis 14:30 Uhr – das darf eigentlich nicht passieren :nono: Gut, dass ich die tatsächliche Zeit bereits kenne.
      Interessant finde ich die Preise für die Distanzreisen: Abgesehen davon, dass ich (zufällig) für die Kabine exakt den gleichen Betrag zahle wie für die Überfahrt bis Kirkenes (859 Kronen) hätte ich den gleichen Betrag auch bis Båtsfjord bezahlt; bis Berlevåg wären es immerhin 29 Kronen weniger gewesen. Eine Fahrt von Båtsfjord nach Kirkenes hätte allerdings noch einmal 722 Kronen gekostet ?(
      Aber das nur am Rande, jetzt beziehe ich erst einmal meine Kabine, die 681. Ich lande auch auf Anhieb im richtigen Flur (was einer 50%-Chance entspricht, da die Innenkabinen alternierend Zugang vom Backbord- oder Steuerbord-Gang haben :D ).
      Ich verstaue schnell mein Gepäck und gehe aufs Umlaufdeck, um die (pünktliche) Abfahrt nicht zu verpassen. Da ich es nicht weit habe (meine Kabine befindet sich ganz hinten im Heck; direkt neben der Tür nach draußen) bin ich genau rechtzeitig draußen, um noch einen Rückblick auf den Ort und das Nipfjell zu werfen, das ich gestern noch bei strahlendem Sonnenschein durchquert habe :)



      Da es draußen immer ungemütlicher wird, schaue ich mich erst einmal am Informationsschalter um. Das Tagesprogramm ist schnell gefunden. Für mich ungewohnt ist es nicht nach Zeiten, sondern nach Themen aufgebaut (Häfen, Mahlzeiten, Ausflüge heute, Ausflüge morgen, Sonstiges). Das Ganze ist auch noch viersprachig, was nicht gerade zur Übersichtlichkeit beiträgt :| Dafür gibt es eine separate Übersicht über alle Ausflüge, die während der kompletten Fahrt angeboten werden. Außerdem sind dort einige Museen aufgeführt, die auf eigene Faust erkundet werden können (aber natürlich nur die, zu denen keine Ausflüge angeboten werden; in Tromsø gibt es also keine solche Museen :negative: ).
      Das führt allerdings teilweise zu Widersprüchen. So kostet der Eintritt in die Vardøhus Festung mal 30 und mal 50 Kronen (aber da bin ich ja eh nicht mehr an Bord :fie: ).
      Es gibt aber auch ein eigenes Kinderprogramm, heute beispielsweise von 9 bis 10:30 Uhr :thumbsup:
      Ich entdecke dabei aber zufällig noch den Hinweis auf eine Veranstaltung in Honningsvåg , deren genaue Anfangszeit ich noch beim Reiseleiter erfrage.
      Nun suche ich mir einen ruhigen (Fenster-) Platz, wo ich mich mit Buch und Rätselheft zurückziehe. Die Hektik um mich herum ignoriere ich, bis es nach 11 Uhr deutlich ruhiger wird. Das Schiff legt gleich in Honningsvåg an – Zeit meine Sachen auf die Kabine zu bringen und das Restaurant aufzusuchen :essen:
      Draußen scheint es sich endgültig eingeregnet zu haben, so gehe ich zum Anlegen auch gar nicht mehr an Deck – das kenne ich ja schon. Im Restaurant fällt es mir schwer, einen Platz zu finden – die Auswahl ist einfach zu groß :hmmz: Außer mir sind noch 2 Personen im Raum, die keine Hurtigruten-Angestellte sind.
      Schließlich habe ich mich für einen Fensterplatz mit Aussicht auf die Mole entschieden und schaue mir das Buffet an. Von der Auswahl bin ich allerdings ziemlich enttäuscht. Wenn ich das erste Mal an einem Mittagsbuffet teilgenommen hätte, wäre alles wunderbar gewesen. Es gibt ein Fisch-, ein Fleisch-, ein Geflügel- und ein vegetarisches Gericht, dazu kalte Vorspeisen und Salate. Am Nachtischbuffet gibt es einen Kuchen und eine Milchreisspeise – es schmeckt auch alles, von daher ist alles in Ordnung. Wenn ich das Angebot allerdings mit dem vergleiche, was ich 2014 auf der MS Richard With erlebt habe, ist es (was warme Speisen und das Nachtischangebot angeht) sehr enttäuschend. Damals war das Angebot mehr als doppelt so groß. Aber irgendwo scheint Hurtigruten ja sparen zu müssen, schließlich sind die Preise seitdem ja auch kaum gestiegen :ui:
      Ich bestelle mir noch ein Bier zum Essen – das dritte seit meiner Ankunft in Norwegen. Da ich meine Kabinenkarte nicht zum Bezahlen nutzen kann (sie ist ja nicht als Cruisecard freigeschaltet), ich aber auch nicht mit Bargeld bezahlen kann, stifte ich kurzzeitig etwas Verwirrung ?( Anscheinend sehe ich aber so vertrauenerweckend aus, dass ich eine Rechnung zum Bier bekomme, die ich am Ausgang bezahlen soll :thumbup:
      Nach einer knappen Stunde bin ich gesättigt. Zwischenzeitlich hat sich das Restaurant gut wieder gut gefüllt; anscheinend sind viele Personen auf Wiederholungstour und können daher ruhigen Gewissens auf einen Nordkap-Ausflug in Sturm und Dauerregen verzichten.
      Ich gehe raus und habe Mühe, meine Schulden begleichen zu können :/ Erst nachdem ich jemanden vom Service angesprochen habe, holt er jemanden, der kassieren darf – aber schließlich ist das auch erledigt.
      Ich schaue noch einmal raus – der Regen zieht immer noch im 45-Grad-Winkel an den Scheiben vorbei :S Gut, dass ich die Regenhose dabei habe. Ich gehe zur Kabine und packe mich gut ein, bevor ich das Schiff verlasse.
      Ich laufe ins Zentrum, wo ich mich zuerst noch ein wenig mit Bargeld versorge – nicht dass ich bei meinem nächsten Campingplatzbesuch wieder ohne Bezahlmöglichkeit da stehe :D Und notfalls kann ich es ja immer noch bei meinem nächsten Norwegenbesuch ausgeben.
      Ich schaue mir die Scheine genauer an – es sind neue 200-Kronen-Scheine. Was allerdings fehlt, ist der Nordkap-Stempel :huh: Den hätte ich hier eigentlich erwartet. Viele Touristen hätten den Schein dann sicher als Souvenir mit nach Hause genommen :whistle3:
      Gegen 12:45 Uhr habe ich mein Ziel erreicht: Das Kulturhaus Perleporten, das ich bisher nur von außen kenne. Ich will die für mich wohl einmalige Chance nutzen, es auch einmal zu betreten. Zur Kirche möchte ich auch noch, aber das verschiebe ich auf später; schließlich will ich nicht in Hektik verfallen.
      So gehe ich rein und löse ein Ticket für „Our Northernmost Life“. Die Show wird von einheimischen Jugendlichen auf die Beine gestellt und zeigt mit viel Humor und auf Englisch die (teilweise sicherlich sehr subjektive) Geschichte von Magerøya und Honningsvåg :thumbup:
      Ich suche mir einen Platz und warte auf den Beginn der Vorstellung.



      Obwohl es sogar einen Ausflug von der MS Midnatsol hierhin gibt, sind gerade einmal 3 (in Worten: drei) Zuschauer im Raum =O Dennoch (oder gerade deswegen?) geben sich alle vier Schauspieler große Mühe. Die 45 Minuten sind viel zu rasch vorüber. Besonders ist mir der Refrain eines Liedes im Gedächtnis geblieben. Es gäbe zwar keine Palmen hier auf der Insel, aber sie haben ihre persönlichen Palmen immer im Herzen dabei. Eine schöne Einstellung! :thumbsup:
      Nach der Vorstellung habe ich noch eine knappe Stunde Zeit, bevor das Schiff wieder abfährt – Zeit genug, noch einmal zur Kirche zu gehen. Bisher war sie immer verschlossen, wenn ich hier vorbei gekommen bin – heute habe ich aber Glück und kann reingehen :)



      Sehr interessant finde ich die Geschichte der Kirche. Sie ist das einzige Gebäude im Ort, das den zweiten Weltkrieg überstanden hat. Als die Regierung beschloss, den Ort auf dem Festland wiederaufzubauen, hat sich die Bevölkerung dagegen gewehrt.
      Die Kirche wurde als Notunterkunft eingerichtet (mit eigener Bäckerei) und der Aufbau an alter Stelle wurde gemeinsam angepackt. Im Eingangsbereich der Kirche sind noch einige sehr beeindruckende Fotos aus dieser Zeit zu sehen :thumbup: Den freiwilligen Eintritt, um die Kirche erhalten zu können, zahle ich vor dem Hintergrund dieser Informationen natürlich gerne :)
      Auf dem Rückweg zum Schiff sehe ich, dass in der Zwischenzeit noch ein zweites Kreuzfahrtschiff angelegt hat. Als ich von Bord gegangen bin, lag nur das Viking-Schiff am Kai :|



      Die Midnatsol legt mit knapp einer halben Stunde Verspätung ab; ein Ausflugsbus hat es nicht rechtzeitig zurück geschafft :pardon: Wenn ich mir das Wetter draußen anschaue, bin ich froh, gerade heute meinen Transfertag zu haben. Besser hier an Bord zu sein und transportiert zu werden als bei Sturm und Regen für das Vorankommen selber verantwortlich zu sein :/
      So suche ich mir wieder einen ruhigen Fensterplatz (was gar nicht so einfach ist, da – warum auch immer – sehr wenige Leute nach draußen gehen und es entsprechend voll ist :D ) und lasse die Landschaft an mir vorbeiziehen. Ich stelle wieder mal fest, dass das Schiff für die Hinfahrt verkehrt herum konstruiert ist :( Auf der Landseite gibt es viel zu wenige Fensterplätze; die meisten befinden sich auf der Seeseite :mosking: Dort gibt es heute aber außer hellgrau über dunkelgrau mit ein wenig weiß gar nichts zu sehen.
      Gegen 17 Uhr gehe ich noch einmal aufs Umlaufdeck – die Finnkjerka im Regen ist mal was neues für mich. Außerdem entdecke ich einen mir bisher unbekannten Wasserfall.



      Im Hafen von Kjøllefjord ducken sich die Schiffe ganz eng zusammen – gut dass ich hier nicht (wie ursprünglich geplant) aussteigen muss.



      Ich bin noch gut gesättigt vom Mittagessen, daher fällt das Abendessen für mich aus. Ich finde wieder einen schönen ruhigen Fensterplatz. Kurz nach 22 Uhr gehe ich aber in die Kabine, Jacke und Kamera holen. Schließlich will ich ja die Begegnung mit meinem Lieblingsschiff nicht verpassen :lofoten2: An der Tür finde ich einen Hinweiszettel, dass ich meine Kabine am nächsten Morgen bis 8 Uhr räumen muss – doof aber nicht zu ändern :| Immerhin darf ich mein Gepäck rausstellen, damit es mir von Bord gebracht wird – aber da komme ich ja momentan gar nicht dran :fie: Dann muss ich halt den Gepäckraum für meine Übernachtungstasche nutzen.
      Ich nehme meine Sachen und gehe zuerst nach draußen, aber hier ist es entweder feucht oder windig oder beides :hmm:
      Also gehe ich rauf in den Panoramasalon und halte Ausschau. Schließlich, gegen 22:20 Uhr, scheint sich am Horizont etwas zu bewegen :search_1: Ich schaue genauer hin, und tatsächlich erscheint ein Schiff am Horizont, das quer zu uns fährt. Ein paar Minuten später kommt auch die Durchsage, dass wir gleich an backbord die MS Lofoten passieren :) Ich habe es befürchtet, dass es natürlich auf der Windseite passiert. Ich suche mir einen trockenen Platz hinter den Rettungsbooten und genieße es, wenigstens einmal auf meiner Fahrt mein Lieblingsschiff sehen zu können :8):



      Da wir erst gegen 23 Uhr, also in einer halben Stunde, Berlevåg erreichen werden, beschließe ich nicht darauf zu warten – Nichts tun macht auch müde ||
      So verziehe ich mich in meine Koje, die für die Lage am Heck oberhalb des Maschinenraums erstaunlich ruhig ist, und lasse mich sanft in den Schlaf schaukeln :sleeping:

      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:

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    • Montag, 26.Juni 2017 – Tag 41

      Stadt oder Land?

      Strecke: Kirkenes – Tangen bru, 9 km / Wetter: heiter und leichter Regen, 12° C, leichter Wind aus O

      Nun bin ich fast am Ende meiner Reise angelangt – zumindest räumlich. Schließlich habe ich noch 3 Tage, die ich rund um Kirkenes verbringen kann und will. Vielleicht schaffe ich es ja wirklich, meine letzte Fahrrad-Lücke hier im Osten zu schließen und im dritten Anlauf den südöstlichsten Punkt des Varangerfjord zu erreichen? :hmm:
      Jetzt heißt es aber erst einmal aufstehen und frühstücken. Es ist jetzt 6 Uhr – also ab ins Bad und dann mal schauen wo wir gerade sind (das ist halt der Nachteil an einer Innenkabine, neben der ungewohnten Dunkelheit :whistle3: ). Gegen 6:45 Uhr stehe ich auf dem Umlaufdeck und sehe, dass wir uns noch in der Anfahrt auf den Hafen von Vadsø befinden. Dabei stelle ich fest, dass es gar nicht mehr regnet. Beinahe ganz ungewohnt :D
      Da es eh noch kein Frühstück gibt, bleibe ich noch draußen, bis wir kurz nach 7 Uhr anlegen.



      Ich gehe ins Restaurant und wieder fällt es mir schwer einen Platz zu finden :/ Diesmal aber, weil es so voll ist. Zum Glück ist der hintere Teil des Restaurants nicht abgesperrt, so dass ich hier am Heck etwas Ruhe finde :) Ich suche mir einen Platz und genieße mein Frühstück. Kurz nach 8 Uhr bin ich fertig und gehe meine Kabine räumen. Vor dem Frühstück hatte ich nicht wirklich Lust dazu :| Ich finde im Gepäckaufbewahrungsraum so gerade noch ein Fleckchen, wo ich meine Tasche unterbringen kann – in Kirkenes scheinen wohl sehr viele Passagiere das Schiff zu verlassen. Da es draußen wieder trüb mit leichtem Nieselregen ist, suche ich mir einen ruhigen Platz und lande dabei auf Deck 5. Per Zufall entdecke ich, dass es hier eine interessante Ausstellung über Thor Heyerdahl gibt 8| Das meiste davon habe ich zwar bereits im entsprechenden Museum in Oslo gesehen, aber als kleine Auffrischung (und um die Zeit zu überbrücken) ist sie gerade richtig.
      Um 9 Uhr gehe ich wieder an Deck, und mit rund einer Viertelstunde Verspätung erreichen wir Kirkenes .
      Am Kai wird schon einmal für die Instandsetzung von Risøyhamn geübt :mosking:



      Gegen 9:40 Uhr wird dann auch endlich das Frachtdeck geöffnet (nachdem sich vorher hunderte von Passagieren auf die geschätzt 200 Gepäckstücke gestürzt haben, die am Kai aufgebaut worden sind :fie: ). Ich packe meine Sachen aufs Rad und lasse mich per (Lasten-) Aufzug an Land bringen.
      Noch ein Blick auf die MS Midnatsol, und ich fahre zum nahe gelegenen Supermarkt meine Vorräte auffüllen.



      Auf dem Schiff habe ich schon nach dem Wetterbericht schauen können (das WLAN des Hafens ist öffentlich). Heute soll es ab Mittag immer wieder regnen, die beiden Folgetage ist es trocken. Mit Sonne kann ich die ganze Zeit nicht rechnen. Da ich nun schon mal in der Stadt bin, werde ich mich heute erst einmal hier umschauen und morgen weiterfahren :locomotive: Insbesondere interessieren mich das Grenzlandmuseum und die Andersgrotta, die ich beide noch nicht kenne. Laut dem Stadtplan, den ich mir im Schiff mitgenommen habe, gibt es in der Grotte täglich um 12:30 Uhr eine Führung auch für Einzelpersonen. Da es bis dahin noch weit über zwei Stunden sind, fahre ich erst einmal zum Grenzlandmuseum, das am Südende des Zentrums, schon halb auf dem Prestefjell, liegt.



      Am Eingang frage ich die junge Frau beim Ticketverkauf, wo und wann der Treffpunkt für die Führung durch die Andersgrotta ist. Sie weiß es nicht auswendig, aber sie ruft für mich bei der entsprechenden Nummer an. Einige Minuten später teilt sie mir mit, dass diese Information nicht mehr stimmt; die offenen Führungen wurden vor einigen Jahren eingestellt ;( . Sie würde aber versuchen herauszubekommen, ob ich mich einer anderen Führung anschließen kann :thumbup:
      Also schaue ich mir erst einmal in Ruhe das Grenzland-Museum an. In dem Museum ist die Geschichte der Region Sør-Varanger dargestellt, die immer schon Grenzgebiet zwischen Norwegen, Russland und Finnland war. Der Schwerpunkt der Ausstellung ist dem zweiten Weltkrieg gewidmet. Neben den üblichen Ausstellungsstücken gibt es hier sehr persönliche Texte zu lesen, beispielsweise Tagebucheinträge oder Gedichte von direkt Betroffenen. Ein Beispiel, das mich besonders berührt hat, möchte ich hier zitieren:

      Die Kinder im Krieg

      Krieg oder Frieden –
      die Mamma war da
      In Kirkenes in Varanger in Petsamo in der Welt
      Bomben auf Strassen
      Granaten heulten eine Warnung des Todes
      Flammen in Dunkelheit und Sonne
      Die Mamma war da

      Der Pappa musste weg
      Zwangsarbeit auf dem Flugplatz
      Tage und Wochen auf einem Schiff und im Wald
      Weg im Arbeitslager Gefangenenlager
      Die Mamma war da
      Die sichere Hand

      Wir Kinder als die Flugzeuge kamen:
      Wo ist die Mamma?
      Und sie als die Bomben fielen:
      Wo in Gottes Namen sind die Kinder?

      Krieg ist nicht für Kinder und Mütter
      Krieg ist für harte Männer
      Nein nein Krieg ist nicht für Menschen
      Krieg ist Angst
      Krieg ist für niemanden

      Neben diesen Texten gibt es ein russisches Militärflugzeug, das im Grenzgebiet entdeckt und 1991 geborgen wurde. Anschließend wurde es in den Zeiten von Perestroika und Glasnost in Russland restauriert und dem Museum wieder zur Verfügung gestellt :thumbsup:
      Die Decke, die auf dem Foto zu sehen ist, hat auch ihre eigene Geschichte:
      Dagny Loe und ihr Mann Osvald arbeiteten 1942-1943 mit den Partisanen zusammen. Ihr Mann wurde zum Tode verurteilt und in Kirkenes erschlagen. Ihr neugeborenes Kind starb auf der Reise zum Gestapo-Verhör in Kirkenes und wurde dort begraben. Dagny wurde 1943 zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie wurde nach Deutschland und weiter nach Polen geschickt.
      Die letzte Phase war der Todesmarsch im Winter 1945. Da wurden die Gefangenen nach Westen gezwungen, als sich russische Streitkräfte näherten. Dagny Loe bestickte die Decke in den Zuchthäusern mit der Reise von Berlevåg durch die Gefangenschaft zur Freiheit. Später schenkte sie dieses Erinnerungsstück unter dem Titel „Todesmarsch zum Leben“ dem Museum.



      Aber es werden auch andere Themen behandelt. Neben der Geschichte der Bergbaugesellschaft A/S Sydvaranger gibt es auch einen Bezug zur Gegenwart. So sind hier auch einige Fahrräder ausgestellt, mit denen syrische Flüchtlinge 2015 die Grenze von Russland nach Norwegen passiert haben :)
      Als Kontrastprogramm oder als Ergänzung (je nach Standpunkt) gibt es auch noch einen Saal mit Gemälden des samischen Künstlers John Savio zu sehen.
      Ich bin jetzt knapp zwei Stunden in dem Museum gewesen, und langsam schwirrt mir der Kopf :S Ich frage noch einmal wegen der Andersgrotta nach, aber heute stehen keine Führungen mehr an :( Ich schaue mich noch ein wenig im Museumsshop um und finde noch ein kleines Mitbringsel für GöGa.
      Als ich wieder draußen bin, fängt es gerade leicht an zu regnen, während noch die Sonne scheint 8| Ich überlege, ob ich mir noch etwas in der Stadt anschauen will, aber die Aussichtspunkte sind bei dem Wetter nicht wirklich reizvoll und die Innenstadt kenne ich schon. Daher beschließe ich, dem Radweg nach Süden zu folgen und weiter zum Campingplatz zu fahren, der rund 7 Kilometer außerhalb der Stadt liegt, sozusagen auf halbem Weg zum Flughafen.
      Rund eine halbe Stunde später bin ich da, finde an der Rezeption allerdings nur einen Zettel, dass sie erst um 13:30 Uhr wieder besetzt ist. Kein Problem, da ich mich auf einer überdachten Veranda unterstellen kann. Ich schiebe auch mein Rad unters Dach und warte, wobei ich schon einmal das WLAN nutze ^^
      Zehn Minuten vor der Zeit kommt auch tatsächlich schon jemand, und ich miete mir eine Hütte. Es gibt zwar auch eine Zeltmöglichkeit hier, aber die völlig durchnässte Wiese überzeugt mich nicht so wirklich :|
      Es regnet sich für ein paar Stunden ein, dann schaut die Sonne wieder vorsichtig durch die Wolken. Ich nutze das für einen kleinen Spaziergang. Zuerst will ich zum Langfjord laufen, aber ich finde keinen Weg den steilen Abhang hinunter. Statt dessen finde ich einen Wanderweg zu einem kleinen Aussichtsberg oberhalb des Campingplatzes, von dem aus ich den Langfjord immerhin sehen kann :search_1:



      Den Rest des Tages verbringe ich in der Hütte, da es wieder anfängt zu regnen.

      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:
    • So nun bin ich endlich auch dazu gekommen deinen wundervollen Bericht in Ruhe weiter zu genießen. :thumbsup:
      Man bekommt tatsächlich Lust auch so eine Tour zu machen, aber als alte, nicht besonders sportliche Frau wird das Utopie bleiben ;( und ich muss mich an so fantastischen Berichten wie deinem erfreuen.
      Vielleicht schaffe ich es wenigstens nochmal eine individuelle motorisierte Tour zu machen. :rolleyes:
      Herzlichen Dank und ich freue mich auf den Rest.
      LG Sehpferd /Helga :ilhr:

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    • Dienstag, 27.Juni 2017 – Tag 42

      Auf nach Russland

      Strecke: Tangen bru – Lillesanden, 58 km / Wetter: bedeckt mit tief hängenden Wolken, 8° C, leichter Wind aus N

      Ich mache die Augen auf. Irgendwie herrscht hier ein sehr merkwürdiges Licht ?( Nicht richtig hell und nicht richtig dunkel. Ich schaue auf die Uhr: Beinahe 7 – merkwürdig :huh: Ich stehe vorsichtig auf (schließlich will ich mir an den Etagenbetten nicht den Kopf anstoßen :whistling: ) und gehe zum Fenster. Die Vorhänge vorsichtig zur Seite gezogen – und schon wird es deutlich heller :| Ein Blick nach draußen: Alles weiß 8| Zum Glück nicht auf dem Boden, aber nach oben hin kommen meine Blicke nicht weit, nur bis zu den niedrig hängenden Wolken. Aber der Boden ist trocken – immerhin :hmm:
      Ich stehe auf, frühstücke und mache mich abfahrtsbereit – schließlich steht heute der erste Teil meiner Extra-Runde auf dem Programm. Kurz nach 9 Uhr habe ich alles gepackt und gebe an der Rezeption den Schlüssel ab. Sicherheitshalber reserviere ich die Hütte noch einmal für die übernächste Nacht – man weiß ja nie, und auf diesen Campingplatz bin ich dann schon angewiesen :/
      Ich fahre die Einfahrt runter bis zur E6, der ich nach Osten folge. Nicht lange, und ich kann auf einen Radweg ausweichen, der mich genau zu einem Supermarkt führt. Das passt gut, schließlich muss ich wieder Vorräte für 2 Tage auf- und mitnehmen.
      Nun ist es nicht mehr weit und ich unterquere die E6 um unmittelbar danach schon an der E105 zu stehen, die mich erst einmal zur russischen Grenze führen wird :8):



      Nach einigen Kilometern führt die Straße zum ersten Mal runter auf Meereshöhe. Ich überquere den Bøkfjord und kann dabei die neue Brücke begutachten, ebenso wie den Tunnel, durch den die E105 ab dem Herbst führen soll :search_1:



      Bald darauf stoße ich wieder auf einen Radweg, der mich bis nach Storskog begleiten wird, wo ich am Pikevatnet mein zweites Frühstück zu mir nehme.



      Nun folge ich der Straße 886 nach Norden (die Nummer finde ich interessant, schließlich bin ich ja erst letzter Woche der 889 nach Havøysund gefolgt :huh: Und die Straße, die von Mehamn aus nach Süden führt, hat die Nummer 888 :D ). Nach der Überquerung eines kleinen Passes erreiche ich den Jarfjord, dem ich auf skandinavisch ebener Straße einige Kilometer nach Osten folge.



      Danach geht es langsam aber sicher wieder bergauf. Am knapp 100 Meter hoch gelegenen Langvatnet komme ich mir vor wie im Herbst :S Bis exakt hierhin habe ich es bei meinem letzten Versuch 2014 geschafft – welch ein Vegetations-Unterschied zu damals.



      Nachdem ich den See passiert habe, folge ich dessen Zulauf noch weiter bergauf. Auch hier begegne ich wieder dem Winter (dabei sollte doch hier schon das im Sommer wärmere Kontinentalklima gelten :| ), und auf dem Jarfjordfjell habe ich die Unterkante der Wolkendecke erreicht.



      Der Holmvatnet, rund 160 Meter hoch gelegen, zeigt sich mal endlich wieder wie gewohnt, nämlich winterlich zugefroren (und das Ende Juni) :fie:



      Nun geht es allerdings rapide bergab und damit mitten hinein in den Frühling: In Bjørnstad erreiche ich den Jakobselv und damit die russische Grenze.



      Kurz bevor ich den Schnee verlasse steht auf einem kleinen Parkplatz (natürlich auf der linken Straßenseite :hmm: ) eine Hinweistafel, wie man sich an der russischen Grenze verhalten soll. Vermutlich ist das so gedacht, dass sich die Touristen, die zurückfahren, hier schlau machen können, ob sie alles richtig gemacht haben oder ob sie bereits verhaftet wurden (denn das passiert hier schnell, wenn man sich nicht an die Regeln hält) :whistle3:
      Die Straße wird nun zur Piste. Ich muss auf jedem der noch kommenden 10 Kilometer gefühlt 10% Zusatzstrecke fahren, um den ganzen Schlaglöchern auszuweichen :wacko1: Gut, dass hier kaum Verkehr ist. Beim Fahren muss ich mich voll auf die Straße konzentrieren. Es gibt aber außer Wald und ab und zu einen Grenzpfosten (und einmal einen Grenzposten :D ) nicht viel zu sehen.
      Nach rund 7 Kilometern wird der Fluss langsam breiter und am Horizont taucht bereits die Oskar IIs kapell auf :huh:



      Ich stelle mein Rad am alten Pfarrhaus ab und schaue mich ein wenig in der Gegend um.



      Auch der alte Friedhof bietet schöne Perspektiven, nicht zuletzt wegen des Wetters. Ich glaube, die Stimmung dieses Ortes kommt so viel besser zum Vorschein als bei Sonne :thumbup:



      Ich fahre weiter nach Nordwesten, bis die Straße einen Knick nach Süden macht und ich am Ende der Welt stehe. Für mich ganz überraschend gibt es sogar einen kleinen Rastplatz mit WC 8| Wasser gibt es an einem kleinen Fluss ein paar hundert Meter weiter – also habe ich auch schon mein Übernachtungsplätzchen gefunden. In den Dünen, etwas oberhalb vom Wasser, finde ich auch noch einen ebenen Platz und baue mein Zelt auf.
      Auf einem Hügel ein paar Meter oberhalb habe ich einen schönen Blick auf den kleinen Hafen und über das Mündungsdelta des Jakobselv nach Russland, wo so gerade noch ein Wachturm zu erkennen ist. Gut, dass ich außer Sichtweite übernachten kann :whistle3:



      Es gibt aber auch andere schöne Impressionen auf dem Weg.



      Der Abend verläuft ganz ruhig. Da es hier nicht ganz windstill ist (der Wind kommt leicht vom Meer herein) ist es zu frisch und auch zu feucht um länger draußen sitzen zu können. Daher verziehe ich mich ziemlich früh ins Zelt || :sleeping:

      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:
    • @noschwefi: je länger ich deiner Reise folge, desto mehr nehme ich wahr, dass dies eine ist, die auch dich sicherlich am stärksten beeindruckt hat. Allein die Länge der Strecke, die Dauer der Tage und die Vielfalt der Landschaften, und nicht zuletzt von den klimatischen Bedingungen her. Faszinierend.
    • Mittwoch, 28.Juni 2017 – Tag 43

      Eine unangenehme Überraschung und ein versöhnlicher Abschluss

      Strecke: Lillesanden – Tangen bru, 58 km / Wetter: Regen, später bedeckt, 8° C, leichter Wind aus N

      Heute bin ich wieder zu meiner Standard-im-Zelt-schlaf-Aufwachzeit munter: Kurz vor 6 Uhr. Ich schaue raus, ob die Wolken immer noch so tief hängen wie am Vortag. Dem ist nicht so – sie hängen nämlich noch viel tiefer :S Ich sehe feine Regenspuren im 30-Grad-Winkel vor mir X/ Da ich keine Ahnung habe, wie lange sich das Wetter so hält, stehe ich trotzdem auf und mache mich abfahrtsbereit :|
      Kurz nach 8 Uhr fahre ich los. Als ich nach einigen Metern nach Südost abbiege, stelle ich schnell fest, dass das Wetter doch einen positiven Aspekt hat: Rückenwind :whistling:
      So kann ich mit halbwegs trockenem Blick feststellen, wie Russland in der Ferne verschwindet :search_1:



      Auch den trostlosen Unterstand kann ich in passender Umgebung festhalten. Ich frage mich nur, ob die Plane gegen den Regen oder gegen die auf der Tafel neben dem Grenzpfosten angekündigte Video-Überwachung schützen soll :mosking:



      Auf dem Jarfjordfjell habe ich dann noch die Gelegenheit, die einzige Stelle meiner Fahrradtour festzuhalten, an denen die Schneewände beide Straßenseiten begleiten ;( – das lässt mich erahnen, wie die Straße auf den noch rund 150 Meter höher gelegenen Pässen ausgesehen hätte, die ich auf dem Weg von Kjøllefjord nach Osten hätte passieren müssen :fie: Der kurze Sommer, den ich in Tromsø genießen durfte und dort ziemlich stark zur Schneeschmelze beigetragen hat, ist nach Osten ja gerade einmal bis Alta und zum Nordkap gekommen.



      Nach rund 2 Stunden erreiche ich den Store Kobbholmsvatnet. Die Straße führt nun ein wenig im Windschatten der Berge und den höchsten Punkt des heutigen Tages habe ich hinter mir. Das merke ich direkt daran, dass der Regen schlagartig aufhört :huh: Die Wolken hängen allerdings weiterhin sehr tief in den Bergen .



      Eine Stunde später bin ich wieder auf Meereshöhe. In Tårnet kann ich den Jarfjord bis zu seiner rund 20 Kilometer entfernten Mündung in den Varangerfjord überblicken. Auch die Straße ist hier komplett trocken – der Regen scheint sich wirklich nur auf die Küstenregion zu beschränken :hmm:



      In Storskog erreiche ich nach insgesamt 4 Stunden wieder den Grenzübergang nach Russland und damit die E105. Ich mache an der gleichen Stelle Mittagspause, wo ich am Tag mein zweites Frühstück hatte und folge dann dem Radweg gen Westen.
      In Elvenes schaue ich den Bøkfjord entlang nach Norden und sehe in der Ferne Prestøya, das bereits zu Kirkenes gehört. Als ich genauer hinschaue, sehe ich auf der Leitplanke wieder Aufkleber, die mir irgendwie bekannt vorkommen :D



      Ein paar Minuten später kommen mir die Schweizer Radfahrer entgegen 8| Allerdings achten sie nicht auf die Hinweisschilder, so dass sie nicht dem Radweg folgen sondern ins Tal in eine Sackgasse fahren. Aber das werden sie schon noch merken :whistle3:
      Gegen 13:15 stehe ich wieder vor dem gleichen Supermarkt wie am Vortag und kaufe noch das ein, was ich bis zum nächsten Mittag brauche. Eine weitere halbe Stunde später erreiche ich wieder den Campingplatz und beziehe erneut meine Hütte.
      Ich packe alles aus, was ich dabei habe, sortiere aus, was ich nicht mitnehmen will und schaue, dass ich beide Satteltaschen mit möglichst gleichem Volumen und Gewicht belade – die üblichen Dinge halt, die am Vorabend meiner Heimreise von meinen Radtouren eben so anstehen :/ Allerdings steht in gewisser Hinsicht doch eine Premiere an: Bisher bin ich ja immer von Nord nach Süd gefahren und die Heimreise bestand aus einer Fähr- und einer Bahnfahrt. Jetzt muss ich erstmals alles Flugzeugtauglich verpacken. Aber das wird schon klappen :)
      Gegen 17 Uhr kommt ein wenig die Sonne durch die Wolken. Das nutze ich aus und steige noch einmal auf den gleichen Hügel wie 2 Tage zuvor.



      Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, nach einer so langen Tour am Vorabend der Heimreise zu stehen. Einerseits freue ich mich natürlich auf Göga und zu Hause, andererseits habe ich mich irgendwie dran gewöhnt, ständig unterwegs zu sein :| Aber es ist schon gut so, wie es ist :thumbup:

      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:
    • Donnerstag, 29.Juni 2017 – Tag 44

      Plötzlich wieder zu Hause

      Strecke: Tangen bru – Høybuktmoen, 6 km / Wetter: heiter, 12° C

      Heute bin ich bereits um kurz nach 5 Uhr wach. Ist es die Aufregung? Ist es die Ungewissheit, ob ich alles am Flughafen so verpackt bekomme, wie ich mir das in der Theorie vorgestellt habe? Ist es die Sonne, die in die Hütte scheint? Ich weiß es nicht ?(
      Ich weiß nur, dass ich jetzt nicht mehr einschlafen kann :S Da ich noch viel zu früh dran bin, um auch nur daran zu denken mich für die Abfahrt fertig zu machen, unternehme ich einen kleinen Spaziergang. Nicht zuletzt auch, damit ich hinterher alle Brot- und Marmeladenreste zum Frühstück vertilgen kann :D – schließlich kann ich davon nichts mitnehmen.
      Also laufe ich wieder zu meinem Aussichtshügel :rolleyes:



      Dennoch sitze ich um 6:30 Uhr am Frühstückstisch, und eine Stunde später habe ich alles fertig gepackt :/ Ich setze mich noch ein wenig vor der Hütte in die Sonne, aber nach einer halben Stunde habe ich keine Ruhe mehr :locomotive: Da trifft es sich gut, dass jetzt auch ein paar kleine Wolken kommen und die Sonne verdecken. Im Schatten ist es doch noch zu frisch, um draußen zu sitzen.
      Gegen 8 Uhr fahre ich dann los. Unterwegs genieße ich das schöne Wetter und einen letzten Blick in den (südlichen) Langfjord.



      Ich lasse es ruhig angehen, und nach einer knappen halben Stunde erreiche ich den Flughafen.
      Ich schiebe mein Rad in die Abflughalle und stelle fest, dass ich nicht der erste bin, obwohl der Flug erst in 3 Stunden geht 8|
      Ich suche mir eine freie Sitzbank, entlade erst einmal mein Rad und verschaffe mir einen Überblick über meine 7 Gepäckstücke, deren Anzahl ich noch drastisch reduzieren muss :hmm:
      Dafür muss ich alles außer dem Handgepäck in meine Schutzhülle, die ich auch auf dem Hinflug genutzt habe, packen. Das geht leider nicht ganz so einfach wie vorher geplant; im Gegensatz zum Hinflug muss ja diesmal mein großer Rucksack mit in die Hülle :| Aber schließlich habe ich alles drin und schleppe das Paket zu einem (leeren) Schalter, an dem ich die Waage ausnutze: 22 kg – Maßarbeit :thumbup:
      Nun noch alles mit meinen Packbändern verschnüren, so dass nichts rausfallen kann und nichts hängen bleibt. Jetzt noch die Gepäckanhänger aus dem Automaten ziehen und befestigen – und gerade passend fängt das Check-In an :)
      In der Zwischenzeit sind auch die Schweizer Radfahrer hier eingetroffen. Sie sind am Vortag mit der Hurtigrute von Honningsvåg nach Kirkenes gekommen und waren auf dem Weg zu ihrer Übernachtungsgelegenheit an der russischen Grenze, als sie sich verfahren haben :| Da sie aber jetzt hier stehen, müssen sie den Weg ja doch noch gefunden haben :whistling: Sie haben sich am Vortag in Kirkenes Fahrradkartons bestellt, die per Taxi angeliefert werden – allerdings müssen sie jetzt ihre Räder komplett auseinander bauen :S Das erspare ich mir lieber; ich nutze wieder meine Fahrradgarage vom Hinflug. Ich habe sie ja schließlich nicht umsonst mehr als 2.000 Kilometer mitgeschleppt :huh:
      Inzwischen ist die Schlange kleiner, und ich begebe mich zum Check-In. Zwei Minuten später bin ich mein Hauptgepäck los – nur mein Fahrrad will keiner haben ?( Ich bin zu einer Tür geschickt worden, an der ich klingeln soll, aber es tut sich nichts. Schließlich gehe ich zurück zum Schalter. Nach einigen Telefonaten geht dann doch die Tür auf, und ich kann endlich weiter durch die Sicherheitskontrolle :/
      Vorher muss ich allerdings noch ein Foto von den Grenzpfosten machen; am Vortag war die Gelegenheit dazu einfach nicht gegeben.



      Als ich wieder rein gehe, fängt es gerade an zu regnen – als ob das Wetter auch meint, dass ich nach Hause fliegen soll :hmm:
      Der Flug nach Oslo verläuft vollkommen ereignislos. Den Fensterplatz hätte ich gar nicht gebraucht, da nur eine geschlossene Wolkendecke zu sehen ist – aber das kann man ja vorher nicht wissen.
      In Oslo kommen wir pünktlich an, so dass ich rund 2½ Stunden Aufenthalt habe. Ich schaue mich ein wenig um und entdecke per Zufall am Gate D eine Bäckerei, die Baguettes und Teilchen frisch und vor Ort backt :woot: Eine (zugegebenermaßen sehr große) Kanelbolle kostet allerdings 59 Kronen :hmmz: Ich überlege noch, ob ich mir eine holen soll (der Duft ist schon ausgesprochen verführerisch), da sehe ich ein Schild: 4 Teilchen kosten 100 Kronen. Also nehme ich 2 als Mittagessen und 2 nehme ich mit nach Hause. Ich bekomme sie sogar noch in zwei Tüten gepackt – besser geht’s nicht :thumbsup:
      So vergeht die Wartezeit auf den Anschlussflug schnell. Dieser ist auch pünktlich und so betrete ich gegen 18:30 Uhr wieder deutschen Boden und bin rund 1½ Stunden später (das Gepäck muss ja erst mal kommen und dann ins Auto) wieder zu Hause.

      Damit geht ein ereignisreicher Urlaub zu
      Ende.

      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:
    • Hast du mal durchgezählt, an wie vielen der 44 Reisetagen du blauen Himmel hattest? Das muss doch ein für norwegische Verhältnisse ganz ungewöhnlich hoher Prozentsatz sein. Wer sich derartigen physischen Herausforderungen stellt, hat es aber auch verdient, vom Wetter so begünstigt werden. :)

      Ganz herzlichen Dank für deinen anschaulichen und reich bebilderten Reisebericht.

      Viele Grüße
      Laminaria




      Reiseberichte in meinem Profil
    • Ich bin deinem Bericht bis jetzt still gefolgt und möchte mich bedanken für das Auffrischen einiger Erinnerungen an eigene Reisen oder auch Inspiration für weitere Reisen in Norwegen, wenn auch nicht mit dem Fahrrad.

      Bei unserer letzten Tour mit dem Wohnwagen im Juni sind uns auch viele Radfahrer auf der Straße begegnet und jedes Mal hatte ich ganz viel Respekt, vor allem wenn das Wetter mal wieder ganz schlecht war.

      Danke, dass du uns auf diese lange besondere Reise mitgenommen hast!
      :gr-blume: Sandra

      2011 NO * 2012 NN * 2012 LO * 2013 LO * 2014 2x LO * 2015 VA * 2016 2x NX
      Reiseberichte im Profil