Im Reich der Eisbären oder rund Svalbard vom 10. bis 18. August 2016

    • Svalbard
    • Naja, das Wetterglück hat uns danach verlassen... Aber ich habe noch einiges Schönes gesehen!
      Zur Frage mit der Kamera: Ich habe eine Canon EOS 7D mit dem Canon EFS -Objektiv 15 - 85 mm als Immerdrauf und das Canon EF 100 - 400mm als Zoomobjektiv. Bei den Anlandungen hatte ich bis zu diesem Tag das kleine Objektiv drauf, bei der Bootsfahrt am 5. Tag allerdings das Zoom. An Bord habe ich meist das Zoom verwendet, wenn ich Tiere fotografiert habe.
    • Dienstag, 16.08.
      „Majestätische Gipfel und dramatische Fjorde machen einen Besuch im Hornsund zu etwas ganz Besonderem. Die höchsten Berge sind oft in Nebel gehüllt, aber mit etwas Glück können Sie den Hornsundtind mit 1431 m erblicken.“ So steht es in der Tagesankündigung, die ich mir wie jeden Abend gestern geholt habe. Neugierig stehe ich gegen 6 Uhr auf und bin total enttäuscht. Dichter Nebel, vorbei ist es mit dem schönen Wetter. Bevor ich zum Frühstück gehe, nutze ich aber die Gunst der Stunde und dokumentiere mal das Innere des Schiffes ohne Personen mit Bildern. Nach dem Frühstück bin ich dann aber draußen und beobachte die Einfahrt in den Hornsund. Und finde natürlich wieder schöne Motive, auch ohne Sonnenschein.





      Gegen 09.30 Uhr erreichen wir unser erstes Ziel, die Burgerbukta am nördlichen Ende vom Hornsund.



      Es folgt die Anlandung in Austre Burgerbukta, einem Nebenfjord des Hornsunds.



      Diesmal geht die Bootsgruppe 6 als erste Gruppe an Land, und so bin ich bei den ersten, die an Land fahren. Mit dabei habe ich diesmal mein Zoomobjektiv. Ich folge den Fähnchen alleine nach rechts, andere nehmen den Weg nach links zum Gletscher. Erst komme ich an an Felsen und einem kleinen Eisberg vorbei, auf dem es sich ein paar Möwen gemütlich gemacht haben.





      Ich unterhalte mich ein wenig mit einer jungen Praktikantin, die hier steht, um uns den richtigen Weg zu zeigen, als ich aus dem Augenwinkel etwas durch die Steine huschen sehe und meine Entdeckung gleich mit der jungen Frau teile, die so etwas noch nicht gesehen hat: ein kleiner Polarfuchs kreuzt meinen Weg.



      Weiter geht es zum nächsten Guide, der mir ebenfalls einen Polarfuchs zeigt, der aber nicht wirklich lebendig ist.



      Ich beobachte die Gletscherwanderer, die trotz des Nebels zu einer Wanderung starten, heute gibt es keinen Eisbäralarm.
      Ich drehe hier um, um auf einen kleinen Hügel zu erklettern.





      Auf dem Weg hinauf ziehen ein paar Pflänzchen mit Perlenschnüren meine Aufmerksamkeit auf sich. Die vor mir Laufenden haben sie nicht bemerkt, wie ich später feststelle.



      So jetzt will ich noch zum großen Gletscher laufen. Aber nein, ich habe mich zu lange aufgehalten, die 90 Minuten sind schon fast vorbei, die Zeit reicht nicht mehr, dorthin zu laufen. Aber ein paar Bilder müssen noch sein, und dann muss ich zurück an Bord.



      Zurück an Bord sehe ich ein paar Belugawale auftauchen, leider verschwinden sie ganz schnell, weil eines unserer Boote sie nicht sieht und direkt auf sie zu fährt.



      Ich beobachte noch, wie die beiden großen Polarcirkelboote zu einer Fahrt hin zum Gletscher aufbrechen. Da wird mir erst bewusst, wie groß und mächtig der Gletscher hier ist.



      Immer wieder höre ich den gewaltigen Lärm, wenn wieder ein Stück ewiges Eis abgebrochen ist. Hoffentlich sind die Kanufahrer, die sich vorhin auf den Weg zu einer Kanutour gemacht haben, nicht zu dicht heran gefahren, aber sie haben ja tüchtige Guides.
      Nachmittags fährt die FRAM durch den Hornsund weiter zum Gletscher Brepollen.

      Hier soll heute ab 17.30 Uhr das große Bord-Grillfest stattfinden. Es ist aber ziemlich kalt und ungemütlich, vor allem als wir uns noch ein Glas kaltes Bier dazu gegönnt haben.



      Nachdem wir uns noch ein wenig vom Nachtisch geholt haben, machen wir es uns wieder im Panoramasalon gemütlich. Einige haben sich sogar mit ihrem Essen hierher verzogen.
      So können wir beobachten, wie sich die Nebelschwaden ein wenig heben und wir ein wenig mehr von der wundervollen Landschaft sehen, so dass ich wieder schnell mit meiner Kamera draußen bin. Die unterschiedlichen Gesteinsarten lassen hier die Berge gelb und rot erscheinen (wieviel besser würde das wohl bei Sonnenschein aussehen – aber ich will mich nicht wirklich beschweren!)



      Wir suchen uns einen schönen Platz für die Crew-Show. Besonders beeindruckt haben mir die mit viel Freude vorgetragenen Tänze und der singende Koch! (habe mein Kontingent an Bildern schon bald aufgebraucht, daher gibt es davon keine Bilder).
      Heute wird es definitiv keine Mitternachtssonne geben, so dass ich mich entschließe, in die Kabine zu gehen, Roland, der früher gegangen ist, schläft schon. Wie üblich, schaue ich mir auf dem Fernseher in der Kabine den Weg an, den wir heute gefahren sind. Da fällt mir auf, dass das Schiff in der letzten Viertelstunde eine Schleife gefahren ist. Hat der Kapitän vorhin bei der Show nicht versprochen dass er sich evtl. auf die Suche nach Walen machen möchte? Also schnell nochmal die Objektive wechseln und dann raus!
      Und ich werde belohnt, dass ich mich nochmal auf den Weg gemacht habe!




    • Auch ich bedanke mich ganz herzlich fürs Zeigen dieser tollen Bilder. Dabei finde ich es besonders bemerkenswert, dass du neben den großen Motiven wie die Gletscher oder Wale auch immer ein Auge hast für die kleinen Motive, wie den Polarfuchs oder sogar die zarte Flora dieses Landstrichs. Du bist wirklich eine begnadete Fotografin, aber die Motive meinen es auch gut mit dir und präsentieren sich von ihren schönsten Seiten, selbst an einem grauen Tag.

      Liebe Grüße von

      Ulli
    • Danke für die Komplimente, aber das war nur: Augen auf, dann findest du auch was! Einige haben gesagt, bei diesem Wetter fahren wir nicht hinüber! Was soll da drüben zu sehen sein... Für mich waren an diesem Tag tatsächlich die wichtigsten Fotomotive die kleinen mit Tauperlen benetzten Pflänzchen, ich war richtig stolz darauf, dass ich sie gesehen habe und nicht achtlos daran vorbeigegangen war. Dann war es natürlich der kleine Fuchs und die 6 Möwen auf dem kleinen Eisberg von Bild 7 (sie bilden gerade das Februarbild in meinem großen Monatskalender, während der Eisbär auf der Eisscholle bis gestern das Motiv auf meinem Wochenkalender war).
      Es hat mir zwar leid getan, dass es mir zeitlich nicht mehr gereicht hat näher zum großen Gletscher zu gehen, aber es war ziemlich anstrengend, auf dem steinigen Untergrund zu laufen. Außerdem bin ich immer auf der Suche nach einer Art von Bildern, die für mich "Sinnbilder" sind, da geht Zeit drauf.
    • Mittwoch, 17.08.
      Um kurz nach 08.00 Uhr soll die MS Fram das Alkhornet am Eingang zum Isfjorden erreichen. Aber als ich um 6.30 Uhr hinausschaue, sehe ich den Berg schon vor mir.



      Also schnell zum Frühstück und dann wieder hinaus, um zu beobachten, was passiert.
      Um 8.45 soll mit der Anlandung mit Bootsgruppe 7 begonnen werden, d.h. ich kann anfangen unsere Koffer packen, denn unsere Bootsgruppe ist diesmal als letzte dran. Etwas besorgt schaue ich mir die Anlandungsstelle an, denn uns war am Abend vorher gesagt worden, dass gleich nach der Anlandungsstelle einen kleinen steilen Anstieg gibt, mal sehen ob ich das packe, denn Klettern mag ich nicht und da es leicht nieselt, ist es bestimmt rutschig. Ich fahre auf jeden Fall mal hinüber, wenn ich merke, das geht nicht, kann ich auch gleich wieder mit dem Boot zurückfahren.



      Doch als ich um 10.30 Uhr dran bin mit der Anlandung, sehe ich, dass es gar nicht so schlimm ist. Ich folge den Markierungen und sehe bald einige Rentiere ganz gemütlich äsen, die sich von uns auch nicht stören lassen.


      Hier ist richtig schwierig, den Anweisungen der Expeditionscrew zu folgen, nur auf Steine zu treten und nicht auf Pflanzen, denn durch die vielen Seevögel wird die Erde gut gedüngt, und so wachsen die Flechten und Gräser besonders üppig.



      Als einer der Passagiere aber sich der alten verfallenen Trapperhütte zu sehr nähert, um möglichst tolle Fotos schießen zu können, wird er von einem unserer Scouts zurückgepfiffen.



      Auf dem Rückweg zur Anlandungsstelle komme ich noch bei einem kleinen Wasserfall vorbei.



      Beim Abstieg zum Boot habe ich mich so beeilt, weil die Mannschaft noch auf mich gewartet hat, um mich mitzunehmen, dass ich meine Kamera nicht wie üblich verpackt habe. Und so hat sich meine Sonnenblende kurz verabschiedet und musste wieder aus dem Wasser aufgesammelt werden. Ist nochmal gut gegangen, aber ärgerlich, denn das hätte auch schief gehen können.
      Zurück an Bord geht es zum letzten Mal zum tollen Mittagsbuffet.



      Und dann geht es weiter mit Kofferpacken, um 15.30 ist dann Kapitän‘s Abschiedscocktail in der Panorama Lounge.


      Um 16.45 gibt es noch eine Exkursion nach Pyramiden, Wir sind etwa 60 Personen, die mit den kleinen PolarCirkel-Booten übergesetzt werden.
      Ein Guide im russischen Militärmantel führt uns durch die verlassene Bergarbeitersiedlung.



      Pyramiden war nach dem Zweiten Weltkrieg die wichtigste und größte Kohleabbausiedlung der sowjetischen Regierung in der Arktis. Neben dem Kohleabbau wurde in Pyramiden auch der Tourismus zu einer wichtigen Einnahmequelle der Stadt, und ein großes Hotel wurde in Betrieb genommen.
      Anfang der 90er Jahre wurden bereits die ersten Bewohner zurück in ihre Heimat (zumeist Russland oder die Ukraine) geschickt, da der Kohleabbau reduziert wurde, und 1996 waren die meisten Familien nicht mehr vor Ort. Die russische Regierung beschloss 1998, den Kohleabbau in Pyramiden ganz stillzulegen, da dieser nicht mehr rentabel war. Am 3. März 1998 fuhr der letzte Kohlewagen, und im Oktober wurde die Stadt mehr oder minder fluchtartig verlassen. Viele der Gebäude waren zu diesem Zeitpunkt nicht einmal zehn Jahre alt, da noch bis kurz vor Aufgabe der Stadt viel investiert wurde. Im Jahr 2000 hatten die letzten Bewohner die Siedlung verlassen und Pyramiden ist seitdem entvölkert.
      Nach der Aufgabe des Ortes wurden viele Gebäude geplündert und durch Vandalismus in kleinen Teilen beschädigt. Lange stand zur Debatte, was mit dem Ort geschehen soll, weshalb viele Jahre der Zerfall an der Stadt genagt hat. Seit etwa 2007 sind jeden Sommer nun eine Handvoll Arbeiter in Pyramiden tätig, die den Zerfall der Stadt verhindern sollen und vor Ort aufräumen.
      Wir laufen an einigen Häuser, dem Hubschrauberplatz und an einem Stall vorbei zum Kulturzentrum, das wir auch innen besichtigen konnten.



      Die vielen Gegenstände, die von einem reichen kulturellen Leben zeugen, machen mich betroffen: hier haben einmal Menschen gelebt, haben gefeiert und gelacht, das zeigen auch Fotografien, die noch an den Wänden hängen.
      Wir besuchen zum Abschluss noch die alte Kantine, bevor wir im kleinen Hotel mit Bar unser Abendessen bekommen.







      Um 20.45 kommen wir auf das Schiff zurück, das in der Zwischenzeit durch den Isfjorden gekreuzt war. Und jetzt beginnen die traurigen letzten Stunden auf dem Schiff. Ich versuche ein wenig zu schlafen, aber das funktioniert nicht.

      Bald bin ich wieder draußen, und dann sehe ich auch wieder die ersten Gebäude von Longyearbyen, wo wir gegen 24 Uhr festmachen. Unsere Koffer werden auf die Pier gebracht und dort aufgestellt.


      Und um 1.15 starten schließlich die Transferbusse zum Flughafen, unser Flugzeug hebt um 3.30 Uhr nach Oslo ab.
      In Oslo geht es dann nach einem kleinen Frühstück bei einem der Bäckereien (war ziemlich überfüllt) gegen 9.00 Uhr weiter nach Stockholm. Während wir auf dem Flug seither nur Wolken gesehen haben, empfängt uns Schweden mit Sonnenschein, beim Überfliegen des Mälaren kann ich einige Inselchen fotografieren.



      Später stelle ich fest, dass ich auch den Westteil der Insel fotografiert habe, auf dem wir die nächsten zwei Wochen es uns gemütlich machen wollen. Unsere Vermieterin Cajsa empfängt uns herzlich auf dem Flughafen Arlanda und bringt uns gut und sicher in unser kleines Ferienhäuschen. Es folgen dann noch zwei schöne und gemütliche Wochen, aber das ist eine andere Geschichte…
    • Ganz herzlichen Dank für den eindrucksvollen Bericht :clapping: :clapping: :clapping: , den ich glücklicherweise noch vor unserer Abreise in den Urlaub zu Ende lesen konnte.
      Natürlich fand auch ich die Tierfotos, insbesondere die der Eisbären, besonders hinreißend. Spitzbergen ist einfach ein unglaublich faszinierendes Ziel.

      Viele Grüße
      Laminaria




      Reiseberichte in meinem Profil
    • Schnee ist natürlich etwas Besonderes! :) Aber es war auch faszinierend zu sehen, wie sich die kleinen Pflänzchen dort droben durchkämpfen und überleben.

      Hier mein Fazit der Reise:

      Es war eine faszinierende und eindrucksvolle Reise, die aber bei mir viel Nachdenken ausgelöst hat. Eigentlich weiß man es ja. Aber es ist mir bewusst geworden, welche Folgen der Klimawandel mit sich bringt. Diese Strecke, die wir gefahren sind, konnte vor ein paar Jahren noch nicht befahren werden, in diesem Winter wurden ungewöhnlich hohe Temperaturen auf Spitzbergen gemessen.
      Besonders traurig gemacht hat uns die Tatsache, dass der Lebensraum für die stolzen Könige des Eismeers, die Eisbären, immer kleiner wird und sie sich, wie auf Barentsoya gesehen, im Sommer oftmals mit den Eiern von Vögeln begnügen müssen, weil das Eis sich zurückzieht und es dadurch immer weniger Eisschollen gibt, von denen aus sie jagen können.
      Immer wieder wurden wir in den Vorträgen darauf hingewiesen, was wir selbst zur Erhaltung der unberührten Natur hier im hohen Norden beitragen können, und angehalten, manches schon auf dieser Reise zu verwirklichen.
      Wir fühlten uns auf der ganzen Reise gut betreut, sowohl von der Expeditionscrew als auch der Service- und der Schiffsmannschaft.