Im Reich der Eisbären oder rund Svalbard vom 10. bis 18. August 2016

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    • Im Reich der Eisbären oder rund Svalbard vom 10. bis 18. August 2016

      Die Vorgeschichte

      Eineinhalb Jahre vorher haben wir diese Reise gebucht, eine Reise rund Spitzbergen mit der MV Fram von Longyearbyen aus, mit Hin- und Rückflug von Frankfurt, selbst die Zugfahrt nach Frankfurt ist im Preis inbegriffen. Ziemlich kurz entschlossen waren wir, als ich das Schnäppchen mit Hilfe des Forums entdeckt hatte, eine U-Kabine mit einem günstigeren Preis als die normalerweise teureren N-Kabinen. Wir hatten einfach zugeschlagen, wir hatten es als ein Geschenk zu meinem 65. Geburtstag deklariert. Los sollte es am 10. August 2016 gehen.
      Im Herbst 2015 hatte ich nochmal Kontakt mit Hurtigruten aufgenommen, ob wir nicht unsere Rückreise in Oslo unterbrechen könnten. Wir wollten gerne noch zwei Wochen in Schweden an diese Reise anhängen und bei unseren Freunden am Mälaren verbringen. Kein Problem, eine nette Dame buchte unseren Rückflug für 150 € um, so dass wir von Oslo nach Stockholm/ Arlanda fliegen könnten und zwei Wochen später nach Frankfurt. Ich habe mich so darauf gefreut!
      An meinem Geburtstag im Januar 2016 überraschte uns dann unsere Tochter mit der Nachricht, dass wir am 4.8.16 zum ersten Mal Großeltern werden sollten. Darüber habe ich mich noch mehr gefreut. Aber jetzt...
      Was wird jetzt aus unserer Reise, werden wir sie noch genießen können? Denn wenn sich das Baby verspätet, habe ich spätestens ab dem Augenblick, wenn wir auf dem Schiff sind, erst mal keinen Kontakt mehr mit zu Hause, das war mir klar. Und war es wirklich gut, die Reise auch noch zu verlängern?
      Je näher der errechnete Geburtstermin und unser Abreisetermin kam, umso aufgeregter wurde ich. Wird bei Ulrike alles gut gehen? Werde ich das Baby vorher noch sehen können? Werde ich bei unserer Abreise wissen, ob alles gut gegangen ist? Und dann erreichte mich am 30. Juli der Anruf unseres Schwiegersohnes, dass die kleine Leonie angekommen ist und wir die Kleine am nächsten Tag besuchen könnten. Stolz konnte ich die Kleine auf meinem Arm wiegen und den beiden Eltern alles Gute wünschen.
      Damit konnte ich mich dann vom 1. August an wieder ganz auf unsere Urlaubsreise konzentrieren. Denn der kleinen Familie ging es gut, davon habe ich mich überzeugt! Koffer wurden gepackt, Foto- und Filmutensilien durchgesehen. Alles ist bereit zur Abreise!

      Mittwoch 10. August

      Kurz vor 10 Uhr machen wir uns auf den Weg zu unserer S-Bahn-Haltestelle, jeder von uns mit einem Rollkoffer und dem Fotorucksack.
      Überpünktlich, nämlich eine Minute vor der Zeit, fährt die S-Bahn in den Bahnhof ein und wir sind fünf Minuten später am ersten Umsteigebahnhof. Glücklicherweise müssen wir den Bahnsteig nicht wechseln. Als der Zug einfährt, sehen wir, dass er gut gefüllt ist, wir bekommen aber ohne Probleme einen Sitzplatz, wenn auch getrennt voneinander, weil unsere Koffer doch ziemlich Platz brauchen. Jetzt könnte ich doch ein wenig in meinem E-Book lesen. Aber denkste, es empfängt mich mit der Meldung, dass der Akku leer ist. Habe ich es nicht noch letzte Woche geladen und seither nicht mehr benutzt? Also wandert es zurück in meinen Rucksack, ich döse einfach vor mich hin.
      Am übernächsten Bahnhof muss der Zug ziemlich lange warten, er fährt mit fünf Minuten Verspätung weiter; ich sehe unsere Umsteigzeit dahin schmelzen. Aber siehe da, die Verspätung ist bald auf drei Minuten geschrumpft, so dass es sich lohnt, in Mannheim zum ersten ICE-Zug zu laufen. Wir haben vorsichtshalber keine Sitzplätze reservieren lassen, weil ich nicht wusste, ob uns die Zeit reicht. Ich finde aber für Roland einen Sitzplatz, nur ich muss in dem überfüllten Zug mit unseren Koffern stehen. Das ist aber weiter kein Problem, denn die Fahrt nach Frankfurt dauert nur noch 35 Minuten. So landen wir schon kurz nach 12 Uhr im Flughafen. Um halb eins sind wir unser Gepäck los, wir können uns beim Bäcker zu einem kleinen Mittagessen niederlassen. Natürlich gebe ich die erfolgreiche Ankunft in Frankfurt an unsere Kinder per WhatsApp weiter.
      Langsam erwachen Rolands Lebensgeister wieder und wir machen uns nach einem Kaffee auf den Weg zur Sicherheitskontrolle und dann zum Gate. Natürlich werden unsere Fotorucksäcke gründlich untersucht, denn sie lösen Sprengstoffalarm aus. Aber wir haben ja ewig Zeit, so dass wir das einigermaßen gelassen hinnehmen.
      Der Weg zum Gate ist ziemlich lang, gut dass es die Rollsteige gibt. Jetzt heißt es noch zwei Stunden warten. Ich will die Zeit nutzen, mein E-Book an einer Internetstation aufzuladen, aber es scheint tiefstentladen zu sein, es braucht ziemlich lange. Auch komme ich hier nicht ins Internet , die anderen scheinen mehr Glück zu haben. Egal, kein Problem. Wir haben ja Zeit.
      Ich hole uns zwischendurch noch etwas zu trinken, Roland überbrückt die Zeit mit Schlafen und EBook hören. Langsam erkenne ich auch die ersten Hurtigrutenfahrer an ihren speziellen Gepäckanhängern.
      Gegen 16.30 Uhr beginnt das Checkin, wir werden mit einem Bus zum Flugzeug gefahren. Der folgende Flug ist ganz angenehm, trotz des schwülen Wetters über Frankfurt gibt es keine Turbulenzen. Ich habe einen Fensterplatz geordert, so dass ich auch ein paar Fotos machen kann. Den Rhein und die Nordseeküste kann ich gut erkennen, ich sehe wie Dänemark unter uns verschwindet und schließlich der Oslofjord und Oslo selbst unter uns auftaucht.



      Schließlich landen wir gegen 19 Uhr. Wir müssen hier unser Gepäck entgegennehmen und wieder einchecken, deshalb beginnt eine längere Wartephase, bei der ich Blut und Wasser schwitze. Denn als an der Anzeige: „Last luggage from Frankfurt“ aufleuchtet, sind unsere Koffer immer noch nicht da… Doch dann kommt erst Rolands und kurz darauf auch meiner – mir fällt ein Stein vom Herzen.
      Jetzt müssen wir also erst mal unser Gepäck wieder nach Longyearbyen aufgeben, ich bekomme nach Rückfrage auch wieder einen Fensterplatz. Dann suchen wir uns etwas zu essen, wir ordern jeweils eine Pizza bei Pepes. Dann geht es wieder durch den Sicherheitscheck, auch wieder mit Extrakontrolle unserer Fotosachen. Der Weg zum Gate ist für Roland besonders lang, weil es hier keine Rollsteige gibt. Unsere Wartezone ist im hintersten Eck des Flughafens. Vor unserem Charterflug von Hurtigruten ist noch der allabendliche Normalflug auf dem Bildschirm angekündigt, zu dem einige Passagiere mehrmals aufgerufen werden müssen. Ein Paar schafft es nicht mehr rechtzeitig, der Flieger ist schon mit einer halben Stunde Verspätung gestartet.
      Auch unser Flugzeug hat Verspätung, wir starten erst um 23.30 Uhr. Wir verweigern beide den Salat und das Sandwich, der uns noch gereicht wird (normalerweise gibt es bei SAS Essen und Getränke nur gegen Extrageld, aber es ist ja ein Charterflug – war mir nicht bewusst… Und so lange auf das Abendessen zu warten wäre auch nicht gut gewesen). Ich schaue lieber hinaus, kann aber wegen der Dunkelheit durch die Wolkenlücken zunächst nicht viel erkennen. Als wir aber dem Polarkreis näherkommen, erscheint der Himmel zunächst mit einem blutroten Streifen und schließlich fliegen wir der Sonne entgegen.



      Als wir uns Longyearbyen nähern, erkenne ich die Berge und Küstenstreifen, kurz vor drei Uhr landen wir.



      Es ist hell, nur der Blick auf die Uhr zeigt uns die wahre Zeit. Wir müssen noch ein paar Minuten im Flugzeug warten, da gerade die Passagiere des Fluges nach Oslo über das Rollfeld laufen. Gut, so geht es schließlich mit unseren Koffern ziemlich rasch, sie rotieren schon auf dem Laufband, wir können sie in den Transferbus laden und werden nach ein paar Einweisungen für den nächsten Tag ins Spitsbergen-Hotel am Ortsende gefahren. Erstaunlich schnell haben wir unsere Zimmerschlüssel, da Roland unten im Foyer stehen bleibt und ich schnell (natürlich auf Socken!) alleine zur Rezeption laufe (danke für den Tipp an Bavaria!). Gegen halb vier Uhr sinken wir müde in unsere Betten und schlafen auch gleich ein.

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    • Donnerstag, 11. August
      Um halb acht Uhr wache ich auf und mache mich fertig, Roland geht mit mir zum Frühstück und legt sich dann nochmal hin. Unsere Koffer wird er nachher zum verabredeten Ort bringen und auch die Schlüssel abgeben, darum muss ich mich also nicht kümmern.







      Ich laufe erst mal bei herrlichem Sonnenschein durch den Ort auf der Fußgängerzone hinunter an den verschiedenen Läden (sie haben noch geschlossen), Lokalen und dem großen Radisson-Hotel vorbei bis zum Svalbardmuseum, Christian erwischt mich auf der Livewebcam und schickt mir später ein Bild. Die kleinen Blümchen, die ich auf der abgezäunten Wiese entdecke, fotografiere ich vom Weg aus.
      Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich nicht bis zum Hafen laufen sollte, da fahren wir ja heute Nachmittag sowieso hin.



      Also geht es zunächst auf der Hauptstraße an den nun geöffneten weiteren Läden vorbei zurück und dann mache ich einen Abstecher hinauf zur alten Kohleförderanlage und dann zur kleinen Kirche.




      Wie es hier auf Svalbard üblich ist, lasse ich meine Schuhe unten stehen und gehe auf Socken hinauf in die gemütliche Kirche, die mich zunächst mit Sitzgruppen, einer brodelnden Kaffeemaschine und einem lebensgroßen ausgestopften Eisbär empfängt. Aber hier ist sonst niemand, so dass ich weiter in den Kirchenraum hineingehe und die Gemälde im Altarraum auf mich wirken lasse. Verschiedene Szenen aus dem Leben Jesu sind hier dargestellt, am auffälligsten ist die Darstellung des letzten Abendmahls.
      Als weitere Besucher in die kleine Kirche kommen, gehe ich weiter. Gleich neben der Kirche steht ein eingezäuntes Gebäude. Beim genaueren Hinsehen fallen mir die Spielgeräte im Hof auf, es muss also eine Kinderbetreuungsstätte sein, die wegen der Eisbärengefahr so massiv eingezäunt wurde. Ich befinde mich ganz am Rand des Stadtbereichs, in dem man noch keine Schusswaffen mit sich führen muss.





      In der Zwischenzeit ist es schon fast 11 Uhr, von weitem sehe ich den Friedhof, dorthin gehe ich jetzt besser nicht mehr.



      Ich mache mich also auf den Weg zurück ins Hotel. Es geht über den Longyearbyenfluss vorbei an Schule und Sportstätten. Roland erwartet mich am Fenster sitzend und hat mir einen bequemen Ohrensessel reserviert. Wir warten noch ein wenig, bis wir uns gegen 12 Uhr in die Schlange vor dem Essenssaal zum Mittagessen einreihen. Es gibt Hühnerbrust mit Kartoffel und Gemüse und zum Nachtisch Pannacotta mit Beerentopping.
      Nach dem obligatorischen Kaffee gehen wir schon mal hinaus und setzen uns in die Sonne und warten so auf die Ausflugsbusse. Sie bringen uns zunächst einmal zusammen mit einem netten deutschen Studenten hinunter ins Svalbardmuseum, wo er uns in die Geschichte und die Besonderheiten Longyearbyens einführt. Er meint übrigens, dass heute vom Wetter her ein besonders schöner Tag hier auf der Insel ist.
      Anschließend geht es ins Adventdalen zum Barentscamp, einem Camp mit Schlittenhunden.



      Hier dürfen wir zunächst einmal die Hunde streicheln, uns wird einiges über die Umgebung erzählt und schließlich werden uns Kaffee, Tee und Waffeln serviert. Außerdem zeigt uns unser Guide eine Präsentation über Eisbären. Hier können wir zum ersten Mal miterleben, wie wir durch Guides, ausgerüstet mit Gewehren, vor den Polarbären beschützt werden.
      Anschließend geht es zurück nach Longyearbyen. Unterwegs zeigt uns unser Guide noch, woran man hier erkennt, dass Sommer ist: der Sektkelch eines schneebedeckten Gipfels ist am Stiel unterbrochen!



      Und natürlich darf der große Julenissen-Briefkasten des Weihnachtsmanns nicht vergessen werden! Aber es gibt nur einen kurzen Stopp und schon geht es weiter.
      Schließlich kommen wir gegen 16.30 an unserem Heimatschiff für die nächsten Tage an, der MV Fram.



      Das Einchecken klappt sehr schnell: Durch die Sicherheitskontrolle geht es an den obligatorischen Handdesinfektionsmaschinen vorbei Richtung Infodesk. Roland setzt sich auf Deck 5 schon mal auf einen Sessel, ich hole derweil unsere Cruisekarten auf Deck 4 ab. Unsere Koffer stehen vor unserer Kabine 520 und wir können es uns schon mal bequem machen, nachdem wir noch unsere Framjacke auf Deck 3 abgeholt haben. Um 17.30 ist die obligatorische Sicherheitseinweisung im Panaromasalon, bei der unsere Anwesenheit auf einer Liste abgehakt wird. Leider wird nur mit Verspätung angekündigt, dass wir anschließend alle aufs Vordeck sollen, angeblich als Ende der Übung, aber in Wirklichkeit soll ein Bild aller Passagiere zur Erinnerung gemacht werden. Wie gesagt wird letzteres erst ziemlich zum Schluss gesagt, so dass wir keine Jacken dabei haben… Dementsprechend frisch ist es dort.
      Wie ich übrigens später lese, sind 200 Passagiere an Bord, die Hälfte sind deutschsprachig, d.h. 75 aus Deutschland und 25 aus Österreich und der Schweiz. 30 chinesische und 20 norwegische Passagiere gibt es (wobei letztere sich beschweren, weil es auf diesem norwegischen Schiff zwar Durchsagen auf Englisch, Deutsch und Chinesisch, nicht aber auf Norwegisch gibt…).
      Während der Fotoaktion legt die MV Fram schließlich ab, leider können wir das nicht so recht verfolgen. Trotzdem mache ich noch ein paar Schnappschüsse vom Flughafen, ich versuche noch vergeblich mich bei Tochter und Sohn per Whats-App und per SMS zu verabschieden (diese erhalten sie erst nach einer Woche) und dann gehen wir zum Abendbuffet.
      Wie bei Hurtigruten üblich, ist das Buffet mit vielen Leckereien bestückt, aber ich bin nicht so recht bei der Sache: ich möchte wieder hinaus an Deck. Trotzdem packe ich noch schnell unsere Sachen aus und dann gehe ich auf das Vordeck, um die Ankunft bei Barentsburg nicht zu verpassen.



      Die Reiseleitung hat uns schon darüber informiert, dass die Fram nicht wie im Plan ausgewiesen am Kai festmachen kann und wir deshalb mit den Anlandungsbooten an Land gebracht werden. Also müssen wir uns noch informieren, welcher Bootsgruppe wir zugeordnet sind: Bootsgruppe 6 von 7 (jede Gruppe umfasst 28 - 30 Personen). Also können wir erst mal von Deck 5 aus genau beobachten, wie das ganze vor sich geht. Unsere Kabine liegt extrem günstig, um unsere Habseligkeiten noch in der Kabine zu lassen und erst kurz vorher zu holen. Ich habe Kamera und Geldbeutel in meinen wasserfesten Beutel gepackt. Trotzdem ist das erste Anlegen der Schwimmweste dann doch sehr aufregend, als wir nach ca. einer Stunde an der Reihe sind. Glücklicherweise bekommen wir beim ersten Mal noch Unterstützung von einigen jungen Helfern. Natürlich ist beim Auschecken die Cruisecard unter dem Anorack verschwunden, aber sie muss erst noch eingescannt werden, weil wir das Schiff verlassen... Für die Zukunft werden wir es uns merken müssen, aber uns geht es ja nicht alleine so. Noch ist das Einsteigen in die Boote etwas gewöhnungsbedürftig, weil die Abläufe erst noch erlernt werden müssen, aber die Helfer sind sehr geduldig und nett.
      Dann geht es in rasanter Fahrt hinüber zum Kai, wo wir von unserem Guide Rudolf und einem jungen russischen Guide empfangen werden. Unsere Schwimmwesten sollen wir anbehalten, sonst müssten wir sie mittragen. Wir bekommen jetzt eine Führung durch die Stadt. Manche Gebäude erinnern mich ganz stark an die Wohnblocks in der ehemaligen DDR, die Straßen sind mit großen Panzerplatten ausgelegt.



      Es geht vorbei an den öffentlichen Gebäuden wie Kulturhalle, Schule (bemalt mit norwegischen und russischen Symbolen), Kantine, Krankenhaus bis zum Hotel. Eigentlich sollten wir anschließend Gelegenheit zum selbständigen Besuch der Stadt bekommen, aber dazu ist es schon zu spät. Wir sollen rechtzeitig um 22 Uhr zu einem Folkloreabend in der Kulturhalle sein, auch unser Guide würde mittanzen. Ich möchte aber noch in die kleine orthodoxe Kapelle hineingehen, wo gerade ein älterer Mann ein russisches Lied singt, das zu Herzen geht.



      Für mich ist es jetzt zu spät, noch in die Kulturhalle zu laufen. Deshalb gehe ich langsam die vielen Stufen hinunter zum Hafen und genieße dabei die Aussicht in der Abendsonne. Ein junger Mitarbeiter der Fram macht gerade springenderweise ein Selfie vor der Sonne, das sieht richtig lustig aus.



      Ich lasse mich dann auch mit ein paar weiteren Passagieren hinüber zur Fram bringen, wo Roland schon auf mich wartet, er ist schon eine halbe Stunde vor mir hinübergefahren.
      Ich warte noch die Rückkehr der anderen Passagiere und die Abfahrt der Fram an Deck ab und begebe mich dann auch in die Kabine. Eigentlich will ich noch lesen (der Akku des EBooks ist wieder richtig geladen), aber mir fallen die Augen zu – irgendwann muss also auch ich mal schlafen!


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    • @POLO

      Was die Vorgeschichte angeht, so sitzen wir im selben Boot: Lange bevor wir wussten, dass wir zum ersten Mal Großeltern werden sollten, hatten wir eine Karibikkreuzfahrt gebucht. In 10 Tagen geht nun unsere Reise los und auch wir konnten unsere etwas zu früh geborene Enkeltochter diese Woche schon im Arm halten. Was gibt es Schöneres, nicht wahr? :girl_cray2:

      Wir waren 2012 an der Westküste Spitzbergens. Eine Umrundung der Insel ist sicher ein wunderbares Erlebnis und ich verfolge diesen Bericht daher sehr interessiert.

      Viele Grüße
      Laminaria




      Reiseberichte in meinem Profil
    • @Lamininaria
      du hast recht! Ich freue mich immer wieder, wenn ich zum "Omatag" nach Schwetzingen fahre und sehen kann, was die Kleine in der letzten Woche wieder Neues gelernt hat. Ein kleines Wunder, so ein Menschlein!

      Fahren wir weiter!

      Freitag, 12. August
      Um 6 Uhr: mein erster Blick hinaus und gleich meine erste Frage: wo ist der schöne Sonnenschein von gestern geblieben? Nebelig, mystisch, mit beiden Attributen könnte man den Ausblick beschreiben, den ich mit der Kamera festhalte. Auch ein paar Papageitaucher entdecke ich auf der spiegelglatten Wasseroberfläche.





      Als ich um 7 Uhr in die Kabine zurückkomme, ist Roland auch aufgestanden, wir gehen erstmal frühstücken. Es gibt unter vielem anderen auch Pfannkuchen – mit Romme und Brombeermarmelade sind sie besonders lecker, dazu etwas Obst und ein kleines Müsli, damit bin ich vollauf zufrieden. Mit Kaffee noch aufgeputscht und dann wieder hinaus, die grauweiße Landschaft betrachten. Ein paar Schiffe begleiten uns hier im Kongsfjord.
      Gegen acht Uhr erreichen wir Ny Alesund , wo wir ebenfalls nicht am Kai festmachen können, unser Guide Ralf erzählt uns später, dass der Grund ein Champagnerschiff sei (ein Schiff mit offiziellen Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft), das gleichzeitig mit uns ankommt. Deshalb werden wir auch diesmal von den Anlandungsbooten nacheinander an den Kai gebracht, wo uns geführte Rundgänge durch den Ort erwarten. Eine Gruppe startet zusätzlich zu einer Cruisetour mit den Polarbooten zu den Gletschern.






      Nachdem uns Ralf die wichtigsten Gebäude, die Amundsenstatue und den Masten für den Zeppelinstart des Forscher Nobile gezeigt (letzteren nur von weitem) und uns Verhaltensregeln mitgegeben hat, dürfen wir uns alleine im Ort umschauen.



      Bedrohlich groß ist das Kreuzfahrtschiff MS Prinzendam, das mittlerweile am Kai angelegt hat und eine Menschenmasse ausspuckt, die sich über den ganzen Ort ausbreitet. Deshalb gehe ich vor diesen Horden noch schnell ins alte Postamt um Karten an die Familie zu schicken. Beim Souvenirshop gelingt es mir nicht ganz, hierher ist der Menschenstrom schon geschwappt. Erstaunlich, dass alle Verhaltensregeln für den Ort nicht zu gelten scheinen! Denn die Leute verlassen einfach die Wege und laufen überall herum, selbst den Vögeln nähern sie sich bis auf wenige Meter.
      Kopfschüttelnd über so viel Ignoranz begebe ich mich zu unserer Anlandungsstelle, wo einer unserer Guides unsere Rettungswesten bewacht hat, die wir diesmal hier abgelegt haben. Bei der Überfahrt bemerkt eine meiner Mitfahrerinnen einen Wal, leider ist meine Kamera verpackt. Bis ich dann auf der Fram meine Rettungsweste versorgt und zur Reling gelaufen bin, ist die Sichtung einiger Minkwale auch schon vorbei. Die letzten Boote verlassen den Kai von Ny Alesund kurz nach meiner Rückkehr um 11.30 Uhr.



      Roland und ich lassen uns das Mittagsbuffet munden, während die Fram das Hafengebiet von Ny Alesund verlässt. Als sie kurz darauf noch mal stoppt, wundere ich mich zunächst, aber dann wird mir klar: die zweite Cruisegruppe, die beim Gletscher war, ist zum Schiff zurückgekehrt.
      Um 14 Uhr haben wir ein Pflicht-Informationstreffen über das Verhalten in den Arktischen Regionen und Informationen zur gesamten Reise und der Anlandung am Nachmittag. Um 15 Uhr folgt die Gummistiefelaktion: wir sollen Muck-Boots anprobieren und auf unseren Stiefelständer hängen. Etwas erstaunt schaut die junge Dame, als ich wie Roland Stiefel mit der Größe 43 ordern muss, denn sonst kann ich meine dicken Socken nicht anziehen. Habe eben die Heidemannschen großen Treter (normalerweise Größe 41).
      Dann bin ich aber ganz schnell wieder an Deck, denn für 16.30 Uhr ist die Ankunft im Magdalenefjord angekündigt. Auch hier: neblig-trübes Wetter.



      Nachdem die Fram Anker geworfen hat, ist erstmal der Begrüßungscocktail mit Kapitän Ole Johan Andreassen in der Observationlounge angesagt, wo auch das gesamte Expeditionsteam und die Offiziere vorgestellt werden. Und dann soll die erste nasse Anlandung (mit Gummistiefel) hier in der Bucht stattfinden.
      Zunächst wird das Gebiet gesichert. Und da gibt es schon die erste Absage: Das Kajakabenteuer muss abgesagt werden, da zwei Eisbären gesichtet wurden. Zwar nicht bei der Anlandungsstelle, aber die Kajaktour kann nicht abgesichert werden.
      Alle Guides werden für die Anlandung der Passagiere gebraucht, die aber nur immer in einer Gruppe von höchstens 80 Personen durchgeführt werden kann. Begonnen wird mit Gruppe 2, d.h. unsere Gruppe 6 kommt erst später dran. Wir können also erst mal zum Abendessen gehen.
      Die Guides sind um 17.30 zum Absichern der Anlandung und zur Absteckung einer Fähnchen-Route, die wir später gehen dürfen, an Land gefahren, etwa eine Stunde später dürfen die ersten beiden Bootsgruppen an Land gehen.



      Wir sind um 20 Uhr an der Reihe, irgendwie mit einem etwas mulmigen Gefühl.



      Vorbei geht es an einem abgezäunten Friedhof der Walfänger zu einem Strandabschnitt, wo wir zum Eisbaden eingeladen sind; hier wacht die Schiffsärztin darüber, dass alle wieder gesund aus dem Wasser kommen. Aber das ist nichts für mich, und auch sonst lässt sich (noch) niemand darauf ein.
      Roland, der es irgendwie geschafft hat, mit einem Boot früher hinüber zu kommen, kommt mir schon entgegen, er will zurück, das Laufen mit den Gummistiefeln macht ihm Mühe. Ich gehe erst mal weiter, auch wenn ich meine Kamera jetzt immer mehr vor dem einsetzenden Nieselregen schützen muss.
      Die Polizeihütte, die heute aber nicht besetzt ist, ist mein nächstes Ziel. Hier zeigt uns ein junger Guide die Hinterlassenschaften eines Eisbären. Jetzt soll es an einem Strand vorbei gehen, auf dem Küstenseeschwalben brüten, von denen wir aber genügend Abstand halten sollen. Ich sehe, wie einige Passagiere wohl doch zu nah herangehen, denn die Vögel fliegen Angriffe auf sie.
      Inzwischen hat es stärker angefangen zu regnen, ich muss meine Kamera einpacken, es macht keinen Sinn mehr, weiter zu gehen, es ist auch ziemlich anstrengend hier zu laufen. Deshalb kehre ich jetzt auch um und lasse mich wieder zum Schiff zurückbringen.
      Als alle Passagiere wieder an Bord sind und die Fram gegen 22 Uhr die Anker lichtet, sehen wir auch einen der beiden Eisbären, die unser Sicherungsteam die ganze Zeit im Blick hatte: am Hang gegenüber unserer Anlandungsstelle hat er sich auf den Weg gemacht, um die Bucht zu umrunden und zu der Stelle zu gelangen, wo vorhin noch so viele fette Abendessen an Land gewesen sind, nur dass sie jetzt alle in Sicherheit und an Bord des Schiffes sind.



      Wir beobachten ihn noch eine Weile und fahren dann in einen stimmungsvollen Abendhimmel hinein.


    • @POLO vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht und die schönen Bilder :sdanke:
      Und einen Eisbär am Anfang der Reise, das ist natürlich großes Glück.

      Nach unserer Grönlandtour 2015 steht Spitzbergen auf meiner Wunschliste ganz oben, leider können wir wegen der Krankheit meiner Mutter im Moment keine längerfristigen Urlaubsplanungen machen, umso mehr freue ich mich bei Euch virtuell mitreisen zu dürfen!
      LG Lundefugl

    • Viel Spaß bei der weiteren Fahrt. Der heutige Tag ist mein Lieblingstag!

      Samstag, 13.08.2016
      Ich stehe kurz vor sieben Uhr auf, schaue kurz hinaus – von unserem ersten Ziel (heute soll es zu den nördlichsten Inseln von Svalbard und anschließend zur Packeisgrenze gehen) ist noch nichts zu sehen. Wir haben gestern ausgemacht, dass Roland länger schlafen will, deshalb gehe ich erst mal alleine zum Frühstück und anschließend gleich wieder an Deck.
      Heute scheint das Wetter es gut mit uns zu meinen, nur vereinzelte Nebelfelder an den Inseln machen diese noch interessanter, ansonsten lacht die Sonne vom Himmel. Mit Verspätung kommen wir bei den „Sieben Inseln“ an.



      Angeblich werden Grönlandwale gesichtet, ich bin mir aber nicht sicher, ob es tatsächlich welche sind. Oder doch einfach Walrosse. Jedoch später sind Wasserfontänen auszumachen, die wiederum auf Wale hindeuten.



      Das Expeditionsteam macht sich gegen 9.30 Uhr bereit, um auf Phippsoya eine Anlandung vorzubereiten. Gespannt sehen wir vom Schiff aus zu und wundern uns, warum sie nicht an Land gehen, sondern langsam am Ufer entlang fahren. Und siehe da, mit meinem Tele sehe ich einen hellen Baumstamm, der im Wasser treibt.



      Bei der Vergrößerung erkenne ich dann, dass dies ein schwimmender Eisbär ist, den das Boot des Expeditionsteams in gebührendem Abstand verfolgt.
      Wir können uns denken, was jetzt kommt, und siehe da, nach der Rückkehr an Bord teilt uns die Expeditionsleiterin mit, dass an Land bei der Anlandungsstelle und im Wasser jeweils ein Eisbär gesichtet wurde, sodass für die Sicherheit der Passagiere nicht garantiert werden kann und diese Anlandung deshalb abgesagt wird.
      Deshalb wird die Suche nach der Packeisgrenze vorgezogen. Für die Passagiere gibt es zwei Vorträge: ein englischer über die Fotografie in der Arktis und ein deutscher über „Der Herr der Arktis – Der Eisbär“. Roland entscheidet sich für den Eisbärvortrag, ich mich für die Fotografie (wobei mir der letztendlich nichts gebracht hat.)
      Mich zieht es eigentlich an Deck, aber ein kurzes Mittagessen muss sein, und dann hinaus auf Deck 5 an meinen Lieblingsplatz auf dem Vordeck. Und gegen 13 Uhr sind die ersten Eisschollen zu sehen, wir werden auf verschiedene Tiere aufmerksam gemacht, und zwar durch den Guide Rudolf, der mit der Expeditionsleitung über Funk verbunden ist.





      Wir werden angehalten, möglichst leise zu sein. Das Schiff gleitet langsam durch das Wasser, die einzigen Laute kommen von zerberstenden Eisschollen. und von rufenden Vögeln. So sehen wir verschiedene Robben auf Eisschollen und im Wasser, verschiedene Wasservögel






      und dann auch einen schwimmenden Eisbär.


      Bald darauf findet unser Kapitän auch einen Eisbären auf einer Eisscholle, dem er sich nähert, aber ganz so leise wie sie eigentlich sein sollen, sind die Leute auf dem Vorschiff doch nicht, und so steht der Eisbär auf und lässt sich ins Wasser gleiten.



      Bald darauf wird die Suche nach weiteren Eisbären abgebrochen, und es kommt die Durchsage, dass alle Passagiere statt der ausgefallenen Anlandung eine halbstündige Fahrt mit den Booten durch das Eismeer machen werden.



      Dazu fährt die Fram zunächst hinaus aus der Packeiszone, dreht dann bei und die Anlandungsboote samt der beiden großen Polarcircelboote werden zu Wasser gelassen. Wir werden angehalten, uns warm anzuziehen. Begonnen wird mit der Bootsgruppe 3, wir sind um ca. 17 Uhr an der Reihe, so dass wir vorher auch noch einen Kaffee in der Observationslounge trinken können.
      Groß ist die Freude, als wir feststellen, dass wir in einem Polarcircelboot mit den bequemeren Sitzen fahren können. Da wir als erste einsteigen, fragt Roland auch noch, ob er ganz vorne sitzen darf. Ich muss natürlich gleich einsteigen und habe dadurch den hintersten Platz, aber dafür ist dieser ganz am Rand und ich habe eine einigermaßen gute Sicht. Und dann geht es in rasanten Tempo hinein ins Eismeer, wo die Eisschollen treiben.





      Natürlich machen die Boote so viel Lärm, dass keine Tiere mehr zu sehen sind, aber wir bekommen ein Gefühl dafür, wie es ist, fernab von jeglicher Zivilisation im kalten Meer zu fahren. Als das Boot schließlich anhält, erklärt uns unser mitfahrender Guide (übrigens auch diesmal ausgerüstet mit einem Gewehr), dass wir jetzt noch genau 1000 km vom Nordpol entfernt sind und wir an unserem nördlichsten Punkt der Reise angelangt sind.



      Zurück an Bord, gibt es erst mal Abendessen, dann suchen wir uns einen schönen Platz in der Observationlounge mit Blick nach vorne und gönnen uns ein Glas Wein. Um 21 Uhr gibt es unten eine Informationsveranstaltung für den nächsten Tag, zu der ich alleine gehe, und dann schließlich hier oben noch die Fram-Modenschau. Selbst der Kapitän macht mit und hat wie die anderen Crew-Mitglieder großen Spaß bei der Vorführung der verschiedenen Kleidungsstücke, die man im bordeigenen Shop erwerben kann. Leider ist die Ansage sehr schwer zu verstehen, aber das stört nicht groß: wir sehen von unserem Platz aus alles bestens. Draußen geht die Fahrt jetzt über das offene Meer, aber noch sind keine großen Wellenbewegungen zu bemerken.
    • Sonntag, 14.08.
      Wir sind im östlichsten Teil Svalbards angegekommen, bei der „Weißen Insel“ (Kvitoya).



      Hierher hat es die Expeditionsgruppe des Schweden S.A. Andree verschlagen, die von Virgohamna nördlich von Ny Alesund mit einem Ballon gestartet war, um den Nordpol zu erreichen. Hier wurden dann 30 Jahre später ihre sterblichen Überreste samt Fotoapparaten und damit mit vielen Bildern ihrer Expedition gefunden. Diese Bilder sind heutzutage in Gränna am Vättern in Schweden in einer Ausstellung zu sehen (muss ich doch mal bei unserem nächsten Schwedenaufenthalt anschauen!).
      Hier auf Kvitoya, das noch zum größten Teil von Eis überzogen ist, soll eine Anlandung auf einem eisfreien Strandabschnitt durchgeführt werden, um diesen geschichtsträchtigen Ort zu besuchen. Gleich nach dem Frühstück beobachte ich, wie das Expeditonsteam an Land geht und die Anlandung vorbereitet.





      Mit Sorge sehe ich, dass die Wellen immer stärker werden, und dann ist auch zu sehen, dass die Fahnen an Land auch wieder eingesammelt werden und das Team mit einem rasanten Wellenritt an Bord zurückkommt: die Anlandung wird abgesagt! Diesmal aufgrund der Wetterlage, die Brandung ist so stark, dass die Anlandungsboote am Ufer um einen halben Meter angehoben werden.
      Einen Eisbären hat das Team zwar auch gefunden, der ist aber schon tot gewesen, unser Bordfotograf hat ihn fotografiert (und ich stelle im Nachhinein fest, dass ich ihn selbst dabei vom Schiff aus fotografiert habe).



      Ehrlich gesagt, habe ich mich schon vorher gefragt, ob ich bei den Wellen wirklich da hinüber fahren mag, bin also ganz beruhigt, dass die Anlandung abgesagt wird.
      Als die Durchsage kommt, dass bei der Weiterfahrt heute Brückenbesichtigungen gemacht werden, bin ich ganz schnell beim Informationsdeck und trage uns für eine deutsche Führung um 12.30 Uhr ein. Roland finde ich oben im Aussichtsdeck, wir verabreden in den vorgezogenen Vortrag über Artenvielfalt Spitzbergens zu gehen, dann Mittagessen und dann zur Brückenführung.



      Den Nachmittag verbringen wir oben im Aussichtsdeck (hier werden heute Waffeln gebacken!) und bei einem Film über Wale.
      Natürlich bin ich auch immer Wieder draußen zum Fotografieren! Wir erreichen bald die Gletscherfront von Nordaustlandet, das zu 90% mit Gletschern überzogen ist. Wegen des Wellengangs muss die Fram aber in großem Abstand zum Ufer fahren, da sich sehr viel Gletschereis im Wasser befindet, das für das Schiff gefährlicher ist als die Eisschollen vom Vortag.







      Heute gibt es ausnahmsweise ein Menüabendessen, zu dem wir um 18 Uhr eingeteilt sind. Allerdings scheinen einige Passagiere heute nicht zum Essen zu erscheinen: es bleibt erstaunlich leer, die ersten scheinen mit dem Wellengang zu kämpfen. Das Menü: Eine Pilzcremesuppe, Fisch mit Kartoffel und Gemüse, Rhabarberküchlein mit Vanilleeis.
      In der Zwischenzeit sind wir am Brasvellbreen im Süden von Nordaustlandet angekommen, aber wir können wegen der Eisberge leider nicht näher an die Abbruchkante des Gletschers heranfahren.



      Um 19.30 Uhr gibt es wieder eine Informationsveranstaltung für den folgenden Tag und dann um 22 Uhr eine Eis- und Obstschnitz-Vorführung durch das Küchenteam, bei dem herrliche Kreationen aus Früchten, Gemüse und Eis entstehen.


    • Die vielen Tieraufnahmen sind wunderbar :)

      Schade finde ich, dass soviel Personen nicht verstehen, dass die Eisbären extrem viel Ruhe brauchen.
      In solch andächtigen Momenten, in denen solch eine Nähe zu dem Tier möglich ist, kann sogar ich 'Quasseltante' ;) die Klappe halten.

      Ich freue mich auf 'Nachschub' an Fotos!
      Lynghei

    • Genau, als wir den ersten Eisbär gesehen haben, der ja schon im Wasser war, waren es noch relativ wenig Leute auf dem Vorschiff. Das war eine tolle Stimmung da vorne, alle waren mucksmäuschen still, wie in einer Kirche.
      Und dann sind mehr dazu gekommen, und die waren ganz aufgeregt, weil sie natürlich erst mal sehen wollten, wo der Eisbär auf der Scholle lag. Mit meinem 400er - Tele sah das ja relativ nahe aus, aber das war schon noch weiter entfernt, ich weiß nicht genau wie weit.
      Ich verspreche, an den nächsten drei Tagen gibt es wieder Tieraufnahmen! Muss aber erst noch Collagen machen.
    • @POLO vielen Dank für Deinen Bericht und die tollen Bilder. Ich wollte schon frage wie lang Dein Tele ist, aber die Frage hast Du schon beantwortet :)

      Da ich diese Reise auch gerne mal machen würde bin ich natürlich besonders interessiert. Wie genau packst Du denn Deine Kamera ein wenn ihr mit den Booten übergesetzt werdet?
    • Hallo Thea, ich habe bei der Überfahrt immer einen 5l-Dryback benutzt, ich würde allerdings das nächste Mal eine Nummer größer nehmen, denn da ich meine Sonnenblende (auch als Spritzschutz fürs Objektiv) immer drauf gelassen habe, war der Sack etwas zu klein geraten. Außerdem habe ich mir in der Zwischenzeit noch eine kleine Kamera zugelegt, denn Objektivwechsel geht definitiv nicht, und so habe ich mich immer entscheiden müssen, ob ich das Tele (von 100mm bis 400mm) oder mein "Immerdrauf"-Zoomobjektiv (24 -85mm) mitnehme. (Die kleine kann ich jetzt auch immer mitnehmen, wenn es mal schnell gehen muss oder wenn ich zu unseren kleinen Enkeltochter gehe :)) .
    • Liebe Polo
      :sdanke: dass ich mit dir nochmals rund um Spitzbergen reisen darf. Dein Bericht gefällt mir sehr gut und deine Fotos finde ich super gut :thumbup: . Es werden Erinnerungen wach an unsere Reise rund um Spitzbergen im Jahr 2013 - übrigens auch im August. Ich freue mich auf die Weiterreise.
      Herzliche Grüsse
      Berna
    • Na, dann will ich mal weitermachen!

      Montag, 15.08.
      Die Sonne lockt mich schon kurz nach 5 Uhr aus dem Bett. Ich stehe alleine im Bug unseres Schiffes und sehe das östliche Ufer von Barentsoya an uns vorbeiziehen. Graubraune Wiesen, einzelne Schneefelder, einzelne Rentiere, ein paar Wasservögel sehe ich. Und dann wird vor mir das Gebirge von Edgeoya immer deutlicher erkennbar.


      Um sieben Uhr als wir um das Waldbergkapp biegen, gehe ich schnell zum Frühstücken, bin aber schnell wieder draußen.



      Gerade rechtzeitig, um drei Eisbären zu sehen, die sich am Vogelfelsen an den noch vorhandenen Eiern der Dreizehenmöwen, die hier brüten, gütlich tun. Schnell füllt sich das Aussichtsdeck mit neugierigen Passagieren, die Fram dreht bei, das Expeditionsteam geht zunächst einmal in die Boote und später dürfen wir alle mit den Booten näher ans Ufer, um dichter an die Eisbären fahren zu können. Wir sind gegen 9.15 Uhr an der Reihe. Inzwischen haben sich zwei Eisbären hingelegt und lassen sich auch nicht von uns aus der Ruhe bringen, der dritte Eisbär ist in der Schlucht verschwunden und ich habe noch vom Schiff ausbeobachtet, wie er am oberen Ende herausgeklettert ist und dann im Gebirge verschwunden ist.







      Auf der Weiterfahrt durch den Freemansund sehen wir immer wieder Eisbären, die in den steilen Hängen des Südufers von Barentsoya nach Essbaren suchen – insgesamt haben wir an diesem Morgen sechs Eisbären gesichtet (der rote Kringel auf der Collage zeigt einen dieser Eisbären).



      Als die Landschaft dann hügeligere Formen annimmt, können wir immer wieder Rentiere am Ufer äsen sehen. Auch eine Hütte sehe ich, sie steht am Sundneset, dem südwestlichen Punkt von Barentsoya.



      Mittagessen ist um 12 Uhr angesagt, denn gegen 12.30 Uhr sollen wir am Kapp Lee auf Edgeoya ankommen. Dort ist erst mal eine kleine Überraschung angesagt: ein Segelschiff liegt hier vor Anker, wir müssen erst warten, bis die Mannschaft von ihrer Wanderung zurückkommt.



      In der Zwischenzeit sondieren zwei Boote schon mal die Gegend und halten Ausschau, ob die Anlandungsstelle eisbärenfrei ist.
      Ich habe an Land eine größere Gruppe Baumstämme ausgemacht, die sich aber bewegen und ab und zu sich auch ins Wasser gleiten lassen. Das möchte ich mir bei der Anlandung genauer anschauen. Roland will aber nicht mitkommen, es ist ihm zu anstrengend.
      Hier soll auch eine längere Wanderung stattfinden, ursprünglich wollte ich mich dazu anmelden, habe dann aber davon Abstand genommen, da die Wanderung als schwierig bezeichnet wird und ich nicht so gern mit den Stiefeln unterwegs bin. Bald kommt die Durchsage, dass in der nächsten Bucht ein Eisbär gesichtet worden ist und deshalb die Wanderung abgesagt wird. Auch unsere Anlandung wird verkürzt.
      Also heißt es sich sputen, als wir als zweite Bootsgruppe an Land dürfen. Ich laufe am Strand lang, vorbei am Walrossfriedhof, der Zeuge für die frühere Jagd auf diese mächtige Robbenart wegen ihrer Stoßzähne ist, die fast zur Ausrottung dieser Gattung geführt hat.



      Und dann komme ich bei der Gruppe der Tiere an, die ich schon vom Schiff aus beobachtet habe. Wir dürfen nur in einem großen Sicherheitsabstand an die Walrossherde herangehen, um sie nicht zu verscheuchen. Da sie im Gegenlicht liegen, heißt es jetzt schnell einen Hügel hinaufklettern und eine bessere Aussicht auf die Tiere zu gelangen. Auch hier steht ein Guide, der uns etwas über die Tiere erzählt und uns auch ermahnt, leise zu sein.





      Ich finde noch ein paar kleine Pflänzchen, die ich mir genauer anschaue.



      Dann heißt es aber schon wieder zurück zum Boot zu gehen, es reicht nicht, noch auf den nächsten Hügel zu gehen, von wo aus man eine Aussicht auf weidende Rentiere hätte.
      Den Abend verbringen wir bei einem Gläschen Wein im Panoramasalon, aber später zieht es mich nochmals hinaus, die Mitternachtsonne lockt!